Gut gemeint kommt nicht immer gut an

Eines gleich vorweg: Ich liebe „Meinen besten Ehemann von allen“, aber manchmal ist er nicht zum Aushalten.

Wenn ich zum Beispiel wieder einmal eine turbulente Phase durchlebe.

Meine eigene Wahrnehmung: Es geht drunter und drüber, meine innere Balance schwankt gewaltig, aber ich bin mit mir selbst im Reinen, verweile in Selbstliebe und Annahme dessen, was ich bin. Ich bin nun einmal eine komplexe Persönlichkeit mit einem breiten Spektrum an Emotionalität.

Seine Interpretation: Ich stehe kurz vor meinem 3. Burnout, hänge in den emotionalen Verstrickungen meines Familiensystems fest und sollte das dringend bearbeiten bzw. auflösen.

Ich anerkenne die gute Absicht und die Sorge seinerseits, doch ich teile sie nicht. Oder besser gesagt: Ich hab‘ genug vom Bearbeiten und Auflösen. Das mache ich jetzt schon seit fast 30 Jahren. Was ist dabei rausgekommen? Hinter jeder Tür, die ich dabei geöffnet und das dahinter verborgene bearbeitet und gelöst hatte, tauchte eine weitere Tür auf. Und die nächste. Und übernächste …

Vielleicht ist es möglich, sich alle Zusammenhänge bewusst zu machen, alle Ursachen zu ergründen, alle Auslöser zu deaktivieren …

Vielleicht braucht man dafür sein ganzes Leben.

Vielleicht ist es ein endloser Weg.

Ich habe diesen Weg verlassen, will und muss nicht mehr ergründen, was hinter jeder Tür in meinem Unterbewusstsein verborgen ist. Meine Persönlichkeit ist komplex und vielschichtig, manchmal widersprüchlich und schwer nachvollziehbar, insbesondere wenn meine Handlungen für Außenstehende ruinös wirken mögen, doch das bin ICH. So bin ich nun einmal. So liebe ich mich. Und ich habe volles Vertrauen in mich selbst, dass ich meinen Kurs rechtzeitig korrigieren werde, bevor ich tatsächlich Schaden an mir selbst oder meinem Umfeld anrichte.

Ich will niemand anders sein, auch keine „gedämpfte“ Version von mir selbst. Wie kann ich das einem Menschen verständlich machen, der ganz anders ist? Er meint es gut, doch für mich fühlt es sich an wie Demontage. Als müsste ich einen Teil von mir aufgeben, den ich liebe wie all die anderen Teile, um die Liebe von jenem zu sichern, der zwar an meiner Seite, aber außerhalb von mir ist.

Kobayashi Maru?

In gewisser Weise ähnelt diese Situation dem Kobayashi Maru-Test, der in etlichen Star Trek-Filmen und Serienfolgen zitiert wird. Sich einer ausweglosen Situation stellen. Zwei Optionen, und man muss sich für eine davon entscheiden, weil beide unmöglich zu erreichen sind.

Mich selbst lieben, oder mich um eines anderen Willen Liebe selbst aufgeben?

Welch ein Dilemma!

Oder eine Illusion?

Eine Chance für den nächsten Schritt?

Welchen Schritt? Was geht weiter, als sich selbst bedingungslos und umfassend anzunehmen, wie man ist?

Wieder eine dieser Türe, die – sind sie erst einmal geöffnet – den Blick freigeben für noch mehr Türen, Rätsel, Fragen …