Tagebuch meines neuen Lebens / Tag 19

Angekommen im neuen Zuhause. Da bin ich nun. Vor mir liegt die erste Nacht in meinem neuen Heim. Es stehen zwar noch etliche Kartons im Zimmer. Es fehlt noch da und dort dies und das, unter anderem ein Kleiderschrank, aber auch wenn nicht alles perfekt ist (was es nie sein wird), es spiegelt bereits meine persönliche Note wider und fühlt sich passend an. So weit, so gut.

Ein Teil von mir ist angekommen und freut sich auf das, was vor mir liegt.

Ein anderer Teil von mir ist traurig über das, was geschehen ist.

Und ich bin unbeschreiblich müde. Fast drei Wochen habe ich als Nomadin gelebt. Entwurzelt nach einem Vierteljahrhundert. Ich mag vielleicht geistig sprunghaft und flexibel sein, aber mein Lebensmittelpunkt ist es nicht. Der gleicht mehr einem Redwood Baum. Verpflanzen bekommt uns beiden nicht.

Ohne die Hilfe vieler Freunde und vor allem meines Sohnes, hätte ich sicherlich nicht so schnell wieder Wurzeln schlagen können. Das Gefühl, irgendwo hin zu gehören, ist für mich essenziell. In diesem Augenblick gehöre ich hierher, an diesen Ort, mein neues Zuhause. Ob es so bleiben wird, ist offen. Zu vieles ist noch in Bewegung, in Unruhe. Die Wellen, losgetreten von den Ereignissen um den 11.07., sind zwar abgeflacht, doch keineswegs völlig geglättet.

Für heute bin ich zu müde zum Nachdenken, zu müde zum Planen oder Organisieren. Für heute ist alles getan, was getan werden konnte. Alles andere wird sich morgen zeigen. Für heute will ich einfach nur zur Ruhe kommen und die erste Nacht in meinem neuen Heim in der Umarmung des Lebens verbringen – denn ich fühle mich nach wie vor vom Leben gehalten. Gleich, welches Chaos auch über mich hereingebrochen ist, so vieles hat sich in kurzer Zeit zu guten Lösungen gefügt, dass selbst mein kritischer Verstand resigniert und anerkannt, dass hinter all dem wohl so etwas wie ein Sinn stecken muss. Aber darüber denke ich morgen nach. Heute wird geschlafen. Gute Nacht. 😊

Tagebuch meines neuen Lebens / Tag 17

Heute morgen erhielt dieser Beitrag aus dem letzten Jahr ein Like – und das holte die Geschichte in meine gefühlte Gegenwart. Sie ist 100% autobiographisch.

Wie damit umgehen, diesen Lebensmensch verloren zu haben?

Ich weiß es nicht.

Vielleicht gibt es keine Antwort auf diese Frage. Kein Wissen um das „wie“?

Nach dem Schmerz kommt die Trauer. Irgendwann folgt auch wieder das Lachen. Auch wenn ich es gerne möchte, dieser Prozess lässt sich nicht beschleunigen. Mein Verstand arbeitet schnell, doch meine Gefühle fordern Zeit ein … notwendige, wichtige Zeit.

„Funktionieren“ wird nebensächlich.

Ich bin keine Maschine – werde es nie sein.

Ich bin ein Mensch. Ich fühle, mache Fehler, scheitere … stehe auf und gehe weiter. Vielleicht ein wenig angeschlagen, langsamer, nachdenklicher, verletzlicher … doch ich gehe weiter meinen Weg, lebe mein Leben, verharre im Gefühl der Liebe – zu mir selbst, zum Leben, zu den Menschen… auch zu dem einen, der nun nicht mehr an meiner Seite ist.

Es ist, wie es ist.

Und ich bin, wer ich bin.

Ein feuriger Funken Lebensfreude, der zur Zeit auf Sparflamme brennt, aber keinesfalls erloschen ist 🔥