Die vergangenen vier Wochen waren eine durchgängige Prüfung für mich. Das Leben schien herausfinden zu wollen, wie erst es mir mit meiner Entscheidung „Lieben“ tatsächlich ist. Wieder und wieder wurde ich getriggert, mit schmerzhaften Erinnerungen konfrontiert und in Versuchung geführt, mich neuerlich in die vertraute Opferrolle fallen zu lassen. Es war eine anstrengende, belastende und gleichzeitig befreiende Phase, in der ich für mich selbst erkennen durfte, welch tiefgreifende Auswirkungen meine Entscheidung hat und weiterhin haben wird.
Lieben oder Leiden?
Lieben! Zu 100% – besonders in Bezug auf jene schmerzhaften Erinnerungen aus meiner Kindheit, in der vieles anders lief, als ich es mir gewünscht hätte, hätte mich jemand danach gefragt.
All diese Ereignisse und die Menschen, die darin involviert waren, sie sind Teil meines Lebens und als solchen nehme ich sie vorbehaltlos an. Auch wenn ich mir diese Erinnerungen nie als Teil meines Lebens gewünscht habe, sie sind es nun einmal und sie haben dazu beigetragen, dass ich heute bin, wer ich bin: eine, die sich voll und ganz selbst so annimmt, wie sie ist. Mich von diesen Ereignissen zu distanzieren, sie zu verdrängen oder gar abzuleugnen, würde bedeuten, mich von mir selbst zu distanzieren, einen Teil meines Lebens zu verdrängen oder mich als Summe meiner Erfahrungen zu verleugnen.
Was geschehen ist, ist geschehen.
Nichts und niemand kann daran etwas ändern. Das Einzige, was veränderbar ist, ist die Einstellung, mit der ich auf meine Vergangenheit und manche Ereignisse darin blicke. Letztendlich bestimmt dies, wie ich auf mich selbst blicke.
„Lieben“ bedeutet für mich, anzuerkennen, was es ist, und es als einen Teil meines Lebens anzunehmen. Menschen haben meine Grenzen überschritten, mich missbraucht, gedemütigt und auf vielfältige Weise verletzt. Dies ist geschehen und kann nicht einfach „gelöscht“ werden. Doch es ist meine Entscheidung, nicht länger darunter zu leiden. Ich liebe, was aus meiner wurde. Wer weiß, wer ich ohne diese Erfahrungen geworden wäre? Das ist kein Zweckoptimismus im Sinne von „ich habe eh keine andere Wahl“. Ich habe eine andere Wahl. Sogar mehrere. Ich könnte leiden, oder mich verändern.
Love it, change it or leave it.
Ein Spruch, der gerne zitiert wird. Wer ihn nicht nur flott dahinsagt, sondern ausgiebig auf sich wirken lässt, wird darin möglicherweise die universelle Botschaft erkennen: wir haben stets die Wahl. Eine Wahlmöglichkeit zu haben, öffnet die Tür aus der Opferrolle auszusteigen. Wer aus der Opferrolle aussteigt, verändert die Drama-Dynamik seines Lebens.
Mein Opferdasein liegt lange zurück. Heute stehe ich zu dem, was geschehen ist, und bin gleichzeitig frei, mein Leben selbst zu bestimmen.
Das Leben ist ein einzigartiges Geschenk – an jeden von uns. Was wir daraus machen, verleiht ihm seine Bedeutung.
Ich glaube, wir werden geboren, um über uns selbst hinauszuwachsen. Die Steine, die das Leben uns in den Weg legt, sollen dabei helfen, unseren Blickwinkel zu verändern und andere Richtungen einzuschlagen. Menschen werten in „gut“ und „schlecht“, doch das Leben kennt nur Veränderung, damit einhergehend Wachstum oder Niedergang. Es liegt an uns, wie wir uns entscheiden. Lieben oder Leiden?
Noch ein paar Worte zum heutigen Beitragsbild: dies ist die Aussicht von meinem Platz für autobiographisches Schreiben auf der Couch. Stimmungsvolle Sonnenuntergänge gehören dazu. Obwohl ich bereits gefühlt 1000 Bilder davon aufgenommen habe, sind keine zwei gleich, doch sie bringen mich stets aufs Neue zum Lächeln und erinnern mich daran, welch ein wunderbares Geschenk mein Leben ist.