BORDERLINER KANN MAN NICHT VERSTEHEN

Die folgenden Zeilen sind ein Gespräch mit meinem Spiegelbild, das ich vor einigen Jahren geführt habe, nachdem ich das „Problem“ erkannt, aber noch nicht gelöst hatte:

„Da ist eine leistungsorientierter Workoholic mit der Tendenz an die Belastungsgrenze zu gehen. Erfolgreich, stark, niemand würde vermuten, was sich hinter der Fassade verbirgt. Viele Selbstzweifel, geringer Selbstwert und wenig Selbstliebe. Ein emotionales Chaos, das sich nicht unter Kontrolle bringen lässt. Manchmal fühlst du dich regelrecht fremdgesteuert, das macht dir Angst. Nähe zu anderen Menschen geht gerade noch als Freundschaft, aber nicht in einer Beziehung. Wenn dir jemand nahekommt, würde diese Person vielleicht merken, wie wenig das äußere Bild mit dem inneren Wesen zusammenpasst. Du spürst, dass du anders bist als andere. Du wärst gerne wie die anderen, aber du kannst es nicht sein, egal, was du versuchst. Anders zu sein als alle anderen, das macht einsam, weshalb du dich versteckst. Du fliehst in eine starke Rolle und in eine Welt, in der du die Kontrolle behalten kannst und von anderen bewundert wirst. Du bist davon überzeugt, dass niemand dich je verstehen kann. Schlimmer noch, vielleicht sind die Menschen ja abgestoßen, wenn sie herausfinden, wie es in dir wirklich aussieht, dass du manchmal gar nicht weißt, was du fühlst. Die Frage „Wie geht es dir?“ kann schlimm sein an Tagen, an denen du es nicht spürst, weshalb du ausweichst und erzählst, was du machst, aber nicht, wie es dir geht. Du sehnst dich nach Liebe, doch du kannst sie nicht aushalten. Du wünschst dir Geborgenheit, doch eine Umarmung fühlt sie wie eine Fessel an. Du möchtest Nähe und stoßt jeden von dir, der versucht, dir nahezukommen. Du bist voller Widersprüche, fühlst dich manchmal zerbrochen. Da du dich nicht retten kannst, rettest du andere. Manchmal musst du deine Grenzen gehen, um dich selbst noch zu spüren, auch wenn es schmerzt. Schmerz ist das, was du am meisten vor der Welt versteckst, doch er ist da, ein abgrundtiefer, bodenloser Schmerz. Du bist überzeugt davon, diesen Schmerz zurecht zu spüren, ihn verdient zu haben, und wenn jemand dir Schmerz zufügt, dann ist das wie eine erlösende Bestätigung, dass die Welt in Ordnung ist. Jedes positive Gefühl, egal ob Freude, Zuneigung, Zufriedenheit, entsteht in deinem Kopf, wird auf situative Akzeptanz überprüft und danach kontrolliert ausgelebt. Negative Gefühle explodieren in dir gleich einem Vulkanausbruch, überrollen dich mit zerstörerischer Intensität. Manche Gefühle hast du völlig aus deinem Leben verdrängt, weil du sie nicht aushalten kannst. Du lebst, aber du fühlst dich nicht lebendig. Du funktionierst wie eine Maschine. All das würdest du niemals einem anderen gegenüber zugegeben, denn niemand soll je erfahren, wie „kaputt“ du wirklich bist. Wer würde sich dann noch mit dir abgeben?“

Mit diesem Selbstbild begann meine Reise.

Meine Beobachtungen und Gespräche mit anderen Betroffenen haben gezeigt, dass andere ähnliche Selbstbilder haben. Die Details mögen variieren, die Grundstimmung bleibt belastend, Widersprüchlichkeiten sind die Normalität.

Kann ein Nicht-Betroffener das verstehen? Vielleicht ist das möglich.

Kann ein Nicht-Betroffener sich einfühlen? Gute Frage.

Kann man Nicht-Fühlen (emotionale Leere) empathisch erfassen?

Man kann einem Sehenden die Augen verbinden, um Blindheit zu erleben. Oder Hörenden die Ohren zustöpseln, um Taubheit zu erfahren. Aber wie vermittelt man emotionale Leere? Den Zustand, sich selbst nicht zu fühlen?

Kann ein Nicht-Betroffener sich das vorstellen, um es zu verstehen?

An dieser Stelle geht es mir nicht darum, verbindliche Antworten zu finden, sondern Denkanstöße zu liefern.

Vielleicht geht es für Nicht-Betroffene auch eher darum zu begreifen, dass Betroffene ihren ganz individuellen Weg finden müssen, um die Herausforderung Borderline zu meistern. Dieser Weg kann sich sehr von dem unterscheiden, was manchmal von Nicht-Betroffenen als notwendig angesehen wird.

Vielleicht geht es für Betroffene darum, nicht länger zu versuchen, „normal“ zu werden – oder das, was gemeinhin als „normal“ tituliert wird – sondern zu lernen, mit sich selbst zurecht zu kommen und zu sein, wer man nun mal ist.

Das war mein Weg zum Erfolg.

Heute lebe ich aus dem Herzen heraus. Fühle unmittelbar und teile, was ich fühle. Ich liebe mich mit allen Ecken und Kanten, Schrammen und Dellen, Falten am Körper, Macken im Geist und Narben an der Seele. Voraussetzung dafür war, mich selbst verstehen zu lernen, die verborgenen Zusammenhänge (oder Ordnung) im Chaos zu erkennen. Zu akzeptieren, dass ich anders bin und immer anders sein werde – und das auch sein darf. Der allgegenwärtige Schmerz wich einer Melange aus Lebensfreude, Dankbarkeit und Zufriedenheit, unterlegt mit Urvertrauen ins Leben und verfeinert mit einer Prise augenzwinkerndem Humor.  

Meine Reise ist noch nicht zu Ende.

Mit offenen Sinnen durchs Leben schreitend, entdecke ich laufend Wunderbares in mir und um mich. Dass ich mich häufig nicht dem kollektiven Jammern über dies oder das anschließe, hat viele Gründe. Einer davon ist, dass ich danach strebe, alles, was mir begegnet, aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Das eröffnet Perspektiven, die andere mitunter übersehen. Außerdem ändert Jammern und Raunzen selten etwas.

Vielleicht bin ich heute für manche noch schwerer zu verstehen als in meiner „dunklen“ Zeit, denn ich habe kein Problem damit, Borderlinerin zu sein.

Manche Menschen sind das Gegenteil von Rechtschreibkoryphäen und sollten sich deshalb beim Schreiben konzentrieren. Andere haben ein Thema mit Zahlen und werden niemals Mathegenies. Meine Herausforderungen liegen im Erkennen und Beachten von Grenzen, im achtsamen Umgang mit mir selbst, im Unterscheiden von dem, was ich bin und was ich von anderen übernehme (emotional, energetisch, mental).  

Meine Reise zu mir selbst lehrte mich, mein Borderline zu verstehen und daraus etwas lebensbejahendes zu machen. Kann ein anderer mich verstehen? Ich finde, das ist gar nicht nötig. Viel wichtiger ist, dass jeder einzelne Mensch – gleich ob Borderliner oder nicht – sich selbst versteht und mit sich selbst im Reinen ist.

LEBENSKRAFT

Vor wenigen Tagen teilte ich eine Zitrone in zwei Hälften, um den Saft auszupressen. Die Schnittflächen waren ohne Kerne, doch als ich eine der beiden Hälften ausgepresst hatte, blieb etwas in der Saftpresse zurück: ein Kern. Kein gewöhnlicher Kern. Ein Kern samt Wurzel und Trieb. Genau genommen ein Zitronenbaum im absoluten Anfangsstadium seines Lebens. Dieser Winzling war Anlass, ein wenig über das Leben zu philosophieren.

Welch Kraft doch in einem Samenkern schlummert.

Es wird wohl niemand erstaunen, dass ich den Mini-Zitronenbaum nicht im Biomüll entsorgen konnte, sondern ein erstes Zuhause in einem Blumentopf für ihn fand. Möge er wachsen und gedeihen. So wie jene Eichel, die ich im vergangenen Herbst im Wald fand, die mich zu einer Kurzgeschichte inspirierte, und die ich anschließend in die Erde steckte. Mittlerweile ist sie zu einer stattlichen Eiche von rund 30 cm Höhe herangewachsen.

Ich habe schon so einiges eingepflanzt in meinem Leben. Jedes Mal staune ich aufs Neue, wie viel Lebenskraft in ganz wenig Biomasse zu schlummern vermag. Welche Wege das Leben findet, um Neues hervorzubringen, an unzugänglichen Stellen, unter widrigsten Bedingungen. Da hängen mächtige Fichten in beinahe senkrechten Felswänden, blühende Wegwarten zwängen sich durch den Spalt zwischen Fahrbahn und Bordstein, oder eben Mini-Zitronenbäumchen.

Für mich sind das alles Offenbarungen unbändiger Lebenskraft. Aus dem, was vorhanden ist, wird das Bestmögliche gemacht.

Wieviel Lebenskraft steckt in uns Menschen?

Wenn ich auf Menschen treffe, die über ihr Leben und alles, was dazu gehört, klagen (und das sind ganz schön viele), dann frage ich mich, ob diese Menschen schon einmal wahrgenommen haben, mit wie wenig andere (Menschen, Tiere und Pflanzen) in dieser Welt gedeihen und sich entfalten können?

Wieviel braucht es aus dem Außen, und wie viel (Lebenskraft) aus dem Inneren, um zu wachsen, zu gedeihen, aufzublühen? Ist nicht alles, was es dafür braucht, bereits von Beginn an in uns vorhanden – so wie der vollständige Bauplan für einen Zitronenbaum in jenem kleinen Kern?

Einmal mehr frage ich mich, ob es nicht der Blick nach Innen ist, der uns groß und stark werden lässt. Die Rückbesinnung auf das, was uns mitgegeben wurde und das Bestmögliche daraus zu machen.

In meinem Fall gehört zum Startpaket die Gabe, in den banalen Dingen des Alltäglichen die Zusammenhänge des Großen Ganzen zu entdecken. Auf meiner Fensterbank steht nun ein weiterer Blumentopf und ich bin gespannt, welche Blüten die Lebenskraft des Zitronenkerns hervorbringen wird.

DER ATEM DES LEBENS – POST COVID

I am back 😊 Zwei Wochen nach meiner Covid-Erkrankung bin ich zwar körperlich noch angeschlagen, aber immerhin innerlich wieder halbwegs im Gleichgewicht. Einmal abgesehen davon, dass ich auf die physische C-Erfahrung gerne verzichtet hätte, die mentale war auch nicht ohne.

Die emotionale Achterbahn drehte einige Runden mit mir. Ob als Nebeneffekt der Infektion oder als Begleiterscheinung des „Eingesperrt-seins“ der Quarantäne, oder beiden … who knows? Auf jeden Fall wurde mir neuerlich bewusst, wie wichtig meine Zeiten draußen in der Natur für mich sind, weit ab von anderen Menschen.

Dass dieses temporäre „Eingesperrt-sein“ just mit dem 2. Jahrestag der „aus dem Nichts kommenden Trennung“ zusammenfiel, ist schon einer dieser eigenartigen Zufälle im Leben. Immerhin waren 24 Monate genau der Zeitraum, den ich mir für die Verarbeitung einer 24 Jahre dauernden Beziehungen vorgenommen hatte. Danach wollte ich frei und voller Energie in mein neues Leben starten – aber nicht hustend und schnaufend in Quarantäne sitzen.

Wenn einem die Luft wegbleibt, das Atmen schwerfällt, dann bleibt viel Zeit zum Nachdenken und Einfühlen in das, was gerade da ist. Also lag ich schnaufend und frierend unter zwei Decken bei über 30 Grad plus vor der Haustür, erlebte Wut, Frustration, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit in überraschender Intensität. Für all das gab es keine Auslöser in meiner Realität. Okay, eine Covid-Infektion, aber solche Emotionen? Durchheulte Nächte? Kann Covid sich auf die Psyche auswirken? Diese Frage hätte ich lieber mal nicht gegoogelt, denn die Suchergebnisse sind erschreckend zahlreich und wenig aufbauend. Tab wieder geschlossen. Manchmal ist ein langer, kurzatmiger Spaziergang durch den Wald die klügere Option als eine umfangreiche Recherche.

Der Atem des Lebens.

Damit befasste ich mich gedanklich, mit dem Atem, der derzeit weniger kraftvoll als vor Covid durch meinen Körper fließt, was aber nur eine Frage der Zeit ist. Geduld ist angesagt. Mein Körper wird sich vollständig erholen, davon bin ich überzeugt. Die Zeit dafür muss ich ihm allerdings geben.

Der Atem des Lebens.

Ist es tatsächlich nur die Luft, die durch unsere Lungen strömt? Oder geht’s dabei um mehr als um eine adäquate Sauerstoff-Stickstoff-Mischung? Luft konnte ich auch während der Quarantäne in meinem Zimmer atmen. Sogar Frischluft durch das geöffnete Fenster oder auf dem Balkon. Aber diese Luft verschaffte mir nicht das Gefühl des „Durchatems“, dass ein kurzer Spaziergang durch den Wald mit sich brachte. Neben dem Gefühl, wieder lebendig zu sein, kamen auch wieder andere Gedanken und Gefühle in meinen Fokus.

Der Atem des Lebens.

Für mich gehört viel mehr dazu, als nur 4N2O2 plus CO2 und ein paar Edelgase, um vom Atem des Lebens zu sprechen. Durchatmen kann ich an einem Ort, an dem ich mich mit dem Leben verbunden fühle. Die Lunge gilt als ein Organ (ebenso wie die Haut), über das wir direkt mit der Umwelt in Berührung kommen. Die Lunge ist ein Berührungspunkt mit dem Leben, Außen trifft auf Innen. Vielleicht ist mein Innen noch nicht bereit, sich ganz dem Außen zu öffnen und drosselt deshalb den Austausch? Bin ich bereit, mit meinem neuen Leben zu starten? Interessante Fragen, auf die ich noch keine Antwort gefunden habe, aber ich denke, allein mich damit zu befassen, eröffnet neue Horizonte. So wie diesen…

Heute Morgen begegnete mir dieser kleine Schmetterling. Seine Flügel sind viel zu zerbrechlich für diese Welt, wie das Herz mancher Menschen. Eigentlich müsste er seine Flügel hinter einer dicken Mauer verbergen, um sie zu schützen, doch stattdessen entfaltet er sie, denn er weiß, nur mit geöffneten Flügeln kann er fliegen und lebendig sein.

Manchmal fühlte ich mich wie eine Art emotionales Schmetterlingskind. Viel zu empfindsam für diese Welt. Doch ich weiß, ich kann nur dann fliegen und lebendig sein, wenn ich meine Flügel – und mein Herz – öffne…

… und mich selbst dem Atem des Lebens.

SEELENZEIT

Seit einer Woche sitze ich fernab meines Alltags in „the middle of nowhere“ in Griechenland. Kein Massentourismus weit und breit, dafür umso mehr Natur, Ruhe, kaum Menschen … wundervoll.

Die ersten Tage habe ich fast durchgängig geschlafen. Stressabbau pur. Danach startete der kreative Motor im Modus „so viel, wie Spaß macht“. D.h. 2-3 Stunden täglich an Band 3 von JAN/A arbeiten (was eine intensive Zeit mit mir selbst und die Auseinandersetzung mit meinen verbliebenen Baustellen bedeutet), und die restliche Zeit verbummeln. Am Strand sitzen und die Wellen beobachten, die unablässig gegen die Bucht branden, Muster im endlosen Blau erkennen und wieder verwerfen, weil doch alles anders ist, wenn man sich nur lange genug Zeit nimmt, die Entwicklungen zu verfolgen – wie überall im Leben. Wie schnell werden da oft Schlüsse gezogen, die sich später als verfrüht herausstellen?

Für mich bedeuten die Tage hier pure Seelenzeit. Einfach nur ich sein. Keine Erwartungshaltungen von irgendjemand erfüllen. Uneingeschränkt ich sein. Eine Energietankstelle der Sonderklasse.

Vor einigen Jahren war es für mich unverstellbar, tagelang nichts zu tun. Ich wurde bereits nach wenigen Stunden unruhig, brauchte Beschäftigung. Damals tobte in mir ein Krieg, unterdrückte ich Teile von mir selbst, die heftig aufbegehrten und ihr Recht auf Leben einforderten. Permanente Beschäftigung übertönte, womit ich mich nicht beschäftigen wollte – mit mir selbst.

In einer Zeit epidemisch grassierendem Narzissmus mag das seltsam klingen, vielleicht sogar widersprüchlich, beschäftigen sich doch so viele nahezu ausschließlich mit sich selbst. Wie sich noch besser darstellen? Wie das optimale Selfie hinbekommen? Wo sich blicken lassen? Was als nächstes posten? Als ob es die Welt interessieren würde, wer wann was wo gegessen hat.

Mein „mit mir selbst beschäftigen“ hat absolut nichts mit (narzisstischem) Selbstdarstellertum zu tun. Für mich geht es um den Blick nach innen, mich selbst von dem unterscheiden lernen, was ich während meiner Kindheit von anderen übernommen oder draufgedrückt bekommen habe. Man könnte es auch als Vergangenheitsaufarbeitung sowie Auflösung von Verstrickungen, Traumatisierungen, negativen Erfahrungen, Glaubenssätzen und dergleichen bezeichnen. Oder als Entdeckungsreise in das Reich schlummernder Potenziale in mir. Was wartet noch in mir, freudvoll in dieses Leben zu kommen?

Vor einem Jahr war keine Rede davon, dass ich je einen Charity-Bild-Gedichtband in österreichischer Mundart veröffentlichen würde. Heute ist dieses Buch überall erhältlich und bereitet Menschen Freude. Eines meiner verborgenen Potenziale hat sich entfaltet.

Unter den Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen gibt es eine Gruppe, die aufgrund von diversen Studien ein hohes Risiko für eine Demenzerkrankung bei jenen Menschen gegeben sieht, die ihre inneren Baustellen zeitlebens ignorieren. Eine Lebensaufarbeitungstherapie rechtzeitig durchgeführt gilt ihnen als wertvolle Prophylaxe, um bis ins hohe Alter geistig fit zu bleiben. Einige Fälle in meinem Umfeld untermauern diese Theorie.

Eine spezielle Lebensaufarbeitungstherapie steht bei mir derzeit nicht auf dem Programm. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit mir selbst, mit Auflösung und Aussöhnung. Das ich heute stundenlang gelassen an einem Strand sitzen und die Wellen beobachten kann, zeigt mir, wie viel ich bereits erreicht habe. Ich könnte nicht 365 Tage im Jahr am Meer sitzen und Wellen beobachten, dafür bin ich viel zu gerne aktiv, kreativ und in Bewegung. Aber ich kann die für mich frei gewählte Seelenzeit genießen, dadurch einen Ausgleich zu meinem Alltag schaffen. Ich kann in der Ruhe verweilen, weil ich mir nicht länger ein Krieg tobt, keine offenen Gräben klaffen, sondern Brücken gebaut wurden, sich in mir wieder umarmt, was von den Ereignissen des Lebens auseinandergerissen worden war. Anders formuliert: ich bin mit mir selbst im Reinen.

Wenn mir heute inmitten der Ruhe nach Bewegung ist, spaziere ich ein Stück über den Strand, sammle bunte Steine, verweile völlig im Hier und Jetzt, in der Unendlichkeit eines Augenblicks, in dem ich ganz ich selbst bin. Seelenzeit.

Bild: pixabay.com

LEBE DEINE TRÄUME

„Lebe das, wovon du träumst. Dann gibst du mehr ans Leben und die Menschen zurück, als du dir je vorstellen kannst. Hab‘ Vertrauen in deine Träume. Sie sind ein Geschenk deiner Seele.“

Diese Zeilen schrieb ich heute einem Freund, der mir dieses wunderschöne Bild zur Verfügung gestellt hat.

Diese Zeilen spiegeln auch das wider, was ich in den vergangenen Tagen erlebt habe.

Lebe deine Träume.

Eine Phrase, die wohl jeder schon mal irgendwann irgendwo gehört oder gelesen hat. Aber wer denkt darüber nach, was sie bedeutet?

Lebe deine Träume.

Damit sind für mich nicht jene Träume gemeint, die sich nächstens in meinen Schlaf schleichen. Für mich geht es hierbei um die Träume, die latent in mir schlummern, mal mehr und mal weniger bewusst in den Vordergrund rutschen, und sich in der Antwort zur Frage: „Wenn alles möglich wäre, wie würde dein Leben aussehen?“ offenbaren.

Mein Traum war es – solange ich mich zurückerinnern kann – Schriftstellerin zu werden und Geschichten zu erzählen, über das Leben, über magische Wesen (dazu zähle ich auch Menschen), über Gefühle, Abenteuer (was ist die Reise zu sich selbst anderes als das ultimative Abenteuer?) und das es am Ende gut ausgehen wird.

Heute lebe ich diesen Traum, schreibe Geschichten, veröffentliche Bücher. Dieser Traum hat mich von der Borderline-Achterbahn geholt, ist die Basis meiner Stabilität. Mich wirft so leicht nichts mehr aus meiner neuen Bahn, denn wenn ich unrund werde, schreibe ich mich einfach zurück ins Gleichgewicht. Beginne in der Dunkelheit und schreibe so lange, bis ich im Licht angekommen bin. Schreibtherapie mit Mehrwert, denn was daraus entsteht, landet häufig in meinen Büchern, und damit auch bei meinen Leser*innen, denen ich damit etwas Authentisches gebe. Häufig etwas, das sie seit langem suchen.

Meine Seele sandte mir den Traum, Schriftstellerin zu werden, Geschichtenerzählerin, Autorin, Dichterin, Poetin, Lebensphilosophin … viele Begriffe für das, was ich heute bin. Nach sehr langem Zögern vertraute ich diesem Traum, löste meine Borderline-Herausforderung und fand zurück in die Umarmung des Lebens. Wenn mich heute das Feedback von Leser*innen erreicht, entweder in Form von e-Mails, oder – wie gestern – direkt im Rahmen einer Lesung, dann merke ich, wie viel mein Traum diesen Menschen gibt. Da werden mitunter lange blockierte emotionale Türen geöffnet, neue gedankliche Wege eingeschlagen, schwere Steine aus dem karmischen Rucksack entfernt. All das geschieht, weil ich den Mut fand, meinem Traum zu leben, darauf zu vertrauen, dass es gut wird.

Mein Herz ist voller Dankbarkeit für dieses „traumhafte Geschenk“ meiner Seele.

Ich glaube, dass es so etwas wie ein übergeordnetes Bewusstsein gibt, – manche mögen es vielleicht Gott nennen – das sich aber von unserem menschlichen Bewusstsein massiv unterscheidet und wir es deshalb nur ansatzweise erfassen können. Dieses Bewusstsein durchdringt das gesamte Universum und verbindet alles miteinander, auch uns Menschen. In meiner – zugegeben – romantischen (absolut nicht wissenschaftlichen) Vorstellung gestaltet dieses Bewusstsein die Träume der Menschen. Nicht die nächtlichen, sondern jene im Herzen, gesandt von der Seele. All diese Träume ergeben zusammen das Bild einer Welt, die von der Weisheit des Herzens dominiert wird.

Ein wunderschöner Traum – und wer weiß, vielleicht wird er eines Tages wahr? Immerhin wurde ich auch Schriftstellerin.

DER TAG DANACH

Gestern erwischte mich ohne Vorwarnung ein Flashback. Im Grunde aus dem Nichts heraus. Jemand, der mich sehr wichtig ist, kommunizierte etwas auf eine Weise, die mich bislang zum Lächeln brachte, doch gestern geschah genau das Gegenteil.

Vermutlich lag es an der Kombination einer extrem anstrengenden Woche mit der Anspannung wegen einem bevorstehenden Familientreffen – die letzten waren alles andere als entspannt und angenehm verlaufen –  verstärkt durch die Einschränkungen, die meine Verletzungen aus dem Sturz am Wochenende davor noch mit sich bringen … wie auch immer. Ich reagierte innerhalb von Minuten. Aus den Tiefen meines Unterbewusstseins erhob sich ein Schatten, ein zutiefst verletztes Selbstbild mitsamt seinen emotionalen Erfahrungen, die ich an dieser Stelle nicht nochmals neu aufleben lassen möchte. Deshalb hier nur ein Wort: Schmerz.

Fast schon routiniert schrieb ich mich aus dem schwarzen Loch zurück ins Licht der Lebensfreude. Immerhin war und ist mir ja bewusst, dass es nur Schatten der Vergangenheit sind, die nichts mit der Gegenwart zu tun haben. Insofern also kein Problem. Dennoch stellte ich mir auch die Frage: Was kann ich aus diesem Flashback lernen, das mir bislang verborgen geblieben war? Ein Flashback ist stets auch eine Chance, etwas zu erkennen, das in den Tiefen des Unterbewusstseins schlummert – und das Fehlende, das Heilende dazuzustellen.

Meine Frage erhielt eine Antwort. Ob ich die damit verbundene Chance auf Heilung in mir genutzt habe, wird die Zukunft zeigen. Jedenfalls kehrte danach Ruhe ein. Sogar das Familientreffen verlief ruhig. Betrachte ich dies als Spiegel meines inneren Zustands, kann ich davon ausgehen, zumindest keine Unruhe auszustrahlen. Ruhe in mir? Heute verspüre ich den Drang, aufzuräumen. Das tut meiner Wohnung gut – und auch mir selbst. Ordnung schaffen. Jedem Ding seinen Platz geben. Jedem Anteil meiner Persönlichkeit ihren Raum geben. Entropie umkehren und Chaos in Harmonie verwandeln.

Wieder einmal fasziniert mich die Beobachtung, wie das Äußere und das Innere zusammenhängen. Mir war in den vergangenen Wochen gar nicht aufgefallen, wie sich schleichend Unordnung in meinem Leben ausgebreitet hat, einiges unerledigt blieb, anderes in einer Zwischenposition geparkt wurde. Analog zu dem, was in mir zu viel wurde, was ich nicht mehr verarbeiten konnte. Überarbeitet? Vermutlich. #

Der Tag danach verlangt eindeutig nach einem langen Spaziergang durch die Natur, weit weg von Menschen, die mich davon ablenken würden, mich mit dem zu befassen, was im Moment wichtiger ist alles andere, um die Schatten der Vergangenheit aufzulösen. Zeit für mich selbst steht auf dem Programm am Tag danach.

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AUS DEM HERZEN LEBEN

Die Gedanken zu diesem Blog habe ich seit Tagen im Kopf, aber ich kam nicht früher dazu sie zu tippen. Das ich dies nun genau jetzt tue, verstärkt die Botschaft nochmal, denn … heute Morgen wich ich während meines Waldlaufs einem Hundehäufchen mitten auf dem Weg aus, übersah einen kleinen, aber aufragenden Stein, blieb mit dem linken Schuh daran hängen und … voila, kurze Zeit später saß ich blutüberströmt in der Ambulanz und hoffte, das Röntgen würde keinen Knochenbruch im linken Unterarm feststellen. Zum Glück waren die Knochen heil geblieben, ob dies auch auf die Bänder und Knorpel zutrifft, wird sich in ein paar Tagen zeigen.

Kommen wir zurück zum Thema: Aus dem Herzen leben

Ein wunderbarer Zustand, der mich seit einer Woche intensiver denn je begleitet. Was dazu geführt hat? Berggeflüster … oder genauer gesagt: Die Charity-Buchpräsentation im Gasteiner Tal. Die tiefe Emotionalität der Gedichte in die gegenwärtige Wirklichkeit zu holen, zu leben, was ich fühle, vor Publikum, einfach nur zu sein, wer ich bin – das hat einiges ausgelöst. Erkennbar ausgelöst, wie eine Freundin anmerkte: „Deine Augen leuchten im Tal.“

Das tun sie in der Tat.

Es mag Menschen geben, auf die die mächtigen Berge, die das Tal umschließen, einengend wirken. Auf mich wirken sie befreiend, ermutigen mich, ich zu sein, zu zeigen, was mich berührt, auch im Alltag. Keine Fassade aufrechterhalten, kein Verstecken hinter Masken, einfach nur Menschsein, aus dem Herzen leben. All das wirkt heilsam auf meine Seele.

Und damit wären wir beim nächsten Stichwort: Seele.

Unsere Seele, deren Existenz manche anzweifeln, ist kein ganz einfaches Thema … aber ich will hierkeinen philosophischen Diskurs vom Zaun brechen und behaupte jetzt einfach mal: Jeder von uns hat eine Seele, die verletzt werden kann und das auch wird.

Oberhalb habe ich von einer aufgeschürften Hand, einem blutenden Knie und angeknackstem Handgelenk erzählt. Allessamt nichts, wofür ein Mensch sich schämen müsste. Vielleicht ein paar halblustige Kommentare wegstecken, ob es nicht klüger gewesen wäre, in die Hundescheiße zu treten, anstatt ins Krankenhaus zu fahren. Tja, im Nachhinein sind wir alle klüger, nicht wahr?

Körperliche Verletzungen sind gesellschaftstauglich.

Sind seelische das auch?

Im Rahmen der Berggeflüster Charity-Buchpräsentationen plauderten wir auch über die Hintergründe – und meinen Hintergrund. Borderline. Darüber, was es mit Menschen tut, wenn sie die Rückmeldung (oder Diagnose) erhalten, nicht „innerhalb der definierten Parameter zu funktionieren“. Meistens kommt diese Feststellung nach einem mehr oder weniger langen Weg voller Ablehnung, Ausgrenzung, Übergriffe, … Betroffene erkennen irgendwann sich selbst als den Fehler, das Problem. Viele versuchen dies zu korrigieren, der Norm zu entsprechen, zu werden, wie die anderen sind. Das funktioniert meistens nicht. Der Frust geht weiter. Die Verletzungen werden tiefer, sinnbildlich blutende Wunden in der Seele – und keine Heilung in Sicht.

Doch Heilung ist möglich!

Mein persönliches Heilmittel heißt Lesley.

Lesley steht für: Leben, Licht, Liebe, Lebendigkeit, Leichtigkeit, Lebensfreude… und seit wenigen Tagen für „aus dem Herzen leben“. Ein fantastisches Gefühl.

Skeptiker mögen jetzt einwerfen: „Glückshormone nach einem gelungenen Event. Das vergeht wieder.“

Mag sein, ABER die Tage danach im Job mit einem bisherigen Höhepunkt an Irrsinn, ließen den Effekt nicht verschwinden. Auch mein heutiger Sturzflug nicht. Immerhin sitze ich einbandagiert, tippe einhändig diese Zeilen und es geht mir trotzdem gut, ich bin voller Lebensfreude und Leichtigkeit – ohne Schmerzmittel oder sonstige Substanzen eingenommen zu haben.

Ich bin einfach ich selbst, lebe aus meinem Herzen heraus, mache, was mir und anderen Freude bereitet – genau das wollte ich auch mit Berggeflüster erreichen. Ein bildhübsches Buch, das sieht man auf den ersten Blick. Nicht zu unterschätzende lebensphilosophische Gedichte, aber die offenbaren sich erst beim Lesen. Darüber hinaus sammelt dieses Buch auch noch Spenden für die Bergrettung im Gasteiner Tal. Geht noch mehr Wohlfühlen?

Ja!

Rund um den Event habe ich einige der Bildautor*innen kennengelernt, die ihre Fotos kostenlos für das Charity-Projekt zur Verfügung gestellt haben. Tolle Menschen, bereichernde Gespräche, die eine oder andere Freundschaft, die mich hoffentlich noch lange begleiten wird.

Aus dem Herzen leben … vor einigen Jahren hätte ich mir darunter nicht das vorstellen können, was es heute ist. Vielleicht muss man es emotional erleben, um es rational zu begreifen. Ansatzweise tat ich es auch hin und wieder. Die Tür stand bereits offen, nur ein Fliegengitter trennte mich noch von der Freiheit im Sein. Am 29.Mai entließ ich dies Fliegengitter in die Vergänglichkeit und stellte mich der Präsenz des Augenblicks.

Zugegeben, im Gasteiner Tal fällt dieses „aus dem Herzen leben“ um einiges leichter als in der Großstadt, wo es zumindest temporär wieder dem „Normalzustand“ weichen muss, um „innerhalb der erforderlichen Parameter“ zu funktionieren, doch ich denke, es braucht gar nicht die 100% unserer Zeit. Manchmal erfordert das Umfeld ein Abschotten – leider. Ein tägliches Zeitfenster „aus dem Herzen leben“ genügt, um Aufzutanken und zu sich selbst zu finden.

Unsere Gesellschaft braucht viel mehr Herz. Nicht inflationär angeklickte Kommentar-Herzchen, sondern Menschen, die aus dem Herzen heraus leben und handeln.

Wenn ich dir einen Rat für deine Reise durchs Leben mitgeben darf, dann diesen: Finde deinen Ort, an dem du sein kannst, wer du bist, ohne Masken, Rollen, Fassaden, … 100% DU 😊… und staune über das, was möglich wird, wenn du beginnst, aus dem Herzen zu leben.

Mein Ort ist das Gasteiner Tal. Wer weiß, vielleicht treffen wir uns dort einmal, und ich sehe in deinen Augen ein Leuchten, das nur jene haben, die aus dem Herzen leben.

Bild: © Joe Müller

SPÜR IN DICH HINEIN

Vor wenigen Tagen postete ich diese Gedanken:

Wenn du unheilbar krank wärst und deine einzige Chance auf Heilung bestünde darin, dein Herz zu öffnen und zu zeigen, was du fühlst, was dir gut tut und was dich verletzt… würdest zu zögern?

Was denkst du, heilt die Wunden in deiner Seele.

Zeit?

Vertrauen?

Die Rückkehr in die Umarmung des Lebens?

Spür in dich hinein. Tief in dir kennst du die Antwort seit langem…

Es ist für mich an der Zeit, in die Tiefe zu blicken.

In diesen Gedanken spiegelt sich zweierlei wider: Zum einen arbeite ich mich gerade als Vorbereitung auf die Fertigstellung von JAN/A Band 3 durch die beiden vorangegangenen – und beobachte meine Reaktionen dabei. Was hat sich verändert? Erkenne ich mich selbst in der Geschichte? Oh ja, das tue ich. Mehr noch, ich entdecke so einiges, dass ich schlichtweg als „genial“ bezeichne, wie ich während des Schreibprozesses unbewusst schwierigste Themen für mich aufgelöst habe – und was sich noch so alles zwischen den Zeilen versteckt. Erneut wird mir Vielschichtigkeit meiner Persönlichkeit bewusst, komplex und vermutlich für manche schlichtweg überfordernd, wie ich mich zwischen Emotionen bewegen kann, sie auslebe und im nächsten Augenblick ablege, wie einen Mantel, um in ein anderes Gefühl zu schlüpfen, das ich empfinden will. Wie ich aus der Dunkelheit emporsteige, gleich dem Phönix, der sich neugeboren aus den Flammen erhebt, Schmerz in Lebensfreude verwandelt. Ich liebe meine JAN/A-Bubble.

Zum anderen ist da die bevorstehende Charity-Veranstaltung am kommenden Wochenende. Lesungen sind mir nicht neu, vor Publikum zu agieren ebenso wenig, doch was ich vortrage, wird keinen Raum für Abgrenzung – für Sicherheit – lassen. Es sind Worte, die unmittelbar aus meinem Fühlen kommen, die offenbaren, wer ich in meinem Innersten bin. Berührbarkeit pur. Verwundbarkeit ebenso. Mit Kritik und negativem Feedback kann ich umgehen. Was mir ein wenig Sorge bereitet, ist etwas anderes: Anerkennung für meine Arbeit als Autorin zu bekommen, ist wunderbar, berührend, bereichernd, Licht für die Seele – doch nicht ohne Schatten. Wie alles im Leben gibt es auch hier eine zweite Seite.

Zeige ich, wer ich bin, bekomme dafür Anerkennung, fühlt sich das unbeschreiblich gut an – ein Gefühl zu schweben, zu fliegen, nicht mehr an den Boden gebunden zu sein. Ein ambivalentes Gefühl. Ohne je mit Drogen experimentiert zu haben, vermute ich, dass genau das der Reiz an Rauschzuständen ist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Organismus dabei einiges an körpereigenen Opiaten freisetzt. Ein „Runners High plus“ mal anders – mit Suchtfaktor. Fatal, denn der Bezug zur Realität geht dabei flöten. Überdreht, wäre ein passender Begriff. Unbesiegbarkeit das Gefühl dahinter. Eine gefährliche Hybris, denn irgendwann endet der Rausch. Was danach folgt, ist ein tiefes schwarzes Loch.

Spür in dich hinein. Tief in dir kennst du die Antwort seit langem…

… doch diese Antwort ist nicht so leicht zu nehmen, denn sie bedeutet, der Dunkelheit zuzustimmen. Sie ist und wird immer ein Teil von mir sein, der auch gelebt werden will. Unterdrücke ich diesen Teil, entsteht Druck in mir, der sich früher oder später entlädt – auf die eine oder andere Weise. Deshalb stimme ich heute jedem Teil von mir zu – auch der Dunkelheit – gebe jedem Raum in meinem Leben, vermeide dadurch Druck. Zu Beginn lagen diese „Räume“ nur in meiner Fantasiewelt. Das machte durchaus Sinn, denn mittlerweile haben Forscher herausgefunden, dass sich auch in Fantasiewelten Heilungspotenzial verbirgt. Warum auch nicht? Unser Unterbewusstsein kann nicht zwischen Realität und Fantasie unterscheiden. Was wir uns vorstellen können, wirkt auch auf uns.

Doch mit Fantasiewelten allein ist es nicht getan. Was ich bin, alle Persönlichkeitsanteile von mir, wollen auch in der realen Welt gelebt werden. Genau das werde ich in einer Woche tun, den empfindsamsten Teil von mir zu leben, inmitten unter mir fremden Menschen. Zeigen, wer ich bin. Ohne Masken, ohne Fassade – und den Boden unter den Füßen behalten.

Eine Herausforderung? Ja.

Ein Risiko? Jein. Ich erkenne mittlerweile rasch, wenn ich „abhebe“ und habe meine Techniken, mich wieder zu erden.

Natürlich könnte ich den „einfachen“ Weg einschlagen, und darauf verzichten, jene Teile von mir auszuleben, die mich Richtung „emotionalem Überflug“ bringen, doch dann wäre ich nur eine zensierte Version von mir selbst und wieder beim Thema Unterdrückung. Für mich ist es eine Form von Selbstverstümmelung, Teile meiner Persönlichkeit auf diese Weise „auszuschalten“. Alles in und an mir will LEBEN. Teile von mir vom Leben abzuschneiden, riss einst Wunden in meiner Seele auf. Heute heile ich diese Wunden in meiner Seele, indem ich mehr und mehr zeige, wer ich bin.

Vielleicht bekomme ich dabei hin und wieder unerfreuliche Rückmeldungen, treffe auf Ablehnung, doch nichts von alldem kann noch nachhaltig auf mich wirken, die ich tief in meinem Innersten beschlossen habe, dieser Welt mein wahres Gesicht zu zeigen.

Ich war einst unheilbar krank, da ich mir verwehrte, ich selbst zu sein. Heilung fand ich in mir selbst. Die Antwort war die ganze Zeit über da, all die Jahre, die ich nicht wagte, in mich hineinzublicken und zu spüren: Ich bin, wer ich immer war und immer sein werde – ein feuriger Funken Lebensfreude 😊

Was findest du, wenn du in dich hineinspürst?

HAPPY BIRTHDAY

In wenigen Tagen ist mein 53. Geburtstag. Damit bin ich nun unbestreitbar in der zweiten Lebenshälfte angekommen. Vielleicht liegt es daran, dass ich vieles anders betrachte als früher – oder an der beginnenden Altersweitsichtigkeit 😉

Wenn ich den Begriff „Altersweitsichtigkeit“ von seinem sachlichen Inhalt befreie, ergibt sich daraus ein interessantes Wortspiel: Weit-sichtigkeit … in die Weite bzw. Ferne blickend … vorausschauend?

In der Tat denke ich mir immer öfter über die langfristigen Auswirkungen meiner Handlungen nach, wesentlich häufiger als früher. Obwohl ich im Augenblick lebe und mit leichtem Gepäck durchs Leben reise, hinterfrage ich vieles. Vielleicht führt genau dieses Hinterfragen mit Fokus auf die ferne Zukunft dazu, dass mir manche kurzlebigen Trends und Oberflächlichkeit am A**** vorbeigeht.

Diese „Altersweitsichtigkeit“ hat sicherlich ihren Teil zu einem Gedicht beigetragen, dass vor einigen Monaten entstand. Damals bezog es sich auf den Jahreswechsel, aber ist ein Geburtstag nicht auch ein Wechsel in ein neues Lebensjahr? Ich finde, es passt hier perfekt:

Spuarn im Schnee

Gaunz weiß sans, d’Berg,
von‘d Spitzn bis obi ins Toil.
Dauat nimma long.
S’Joahr is boild umma.
Waunnst so zruckschaust,
wos host draus gmocht?
Bist nur fleißig im Hamstaradl grennt,
damit de große Maschin se weida draht?
Oda host a Zeit fia aundas vawendt?
Wia oft host aundan a Freid gmocht?
Oda dir sölba was Guads taun?
Host nur Gräbn aufgrissn –
oda a Bruckn gschlogn?
Wölche Spuarn bleibn von dir?
Net im Schnee, weu der geht im Aprül.
A net auf’n Papier, weu des is geduldig.
I moan de Spuarn, de bleibn,
waunnst du long schau nimma bist,
Spuarn in‘d Herzen da Menschn.
De Zeit ziagt so schnöll durchs Lebn.
Boild is wieda a Joahr dahin.
Wüvühl bleibn dir nau?
Koana woaß, oba olle hoffn,
hintalossn enara Spuarn im Schnee,
schiabn vühles auf Muargn,
was im Heit wichtig waard,
und Spuarn zeichna tät, de bleibn.
Waunnst so zruckschaust,
wölche Spuarn bleibn aum End von dem Joahr?
Und wölche von dein Leben?

Welche Spuren bleiben am Ende?

Wie gesagt, geistert diese Frage bereits seit längerem durch meinen Geist, bestimmt mehr und mehr mein Tun. Vor ziemlich genau einem halben Jahr entschied ich mich, ein Charity-Projekt ins Leben zu rufen. Einfach so. Typisch JAN/A. Ohne mir zu überlegen, was wie wann wo … ich wollte es, ich tat es. Punkt.

Seit 04. Mai 2022 ist „Berggeflüster – s’Lebn gspiarn“ veröffentlich. Am 29. Mai findet die Buchpräsentation im Rahmen eines Charity-Events statt. Vor einem Jahr war das alles noch nicht einmal ein verrückter Gedanke, nicht ansatzweise. Heute hoffe ich, mit diesem Charity-Projekt eine vierstellige Spendensumme für die Bergrettung im Gasteiner Tal sammeln zu können. So schnell kann’s gehen, dass aus Nichts Etwas wird. Mehr noch. Ein Buch des Herzens, das bereits einigen Menschen Freude bereitet hat und hoffentlich noch ganz vielen anderen Freude bereiten wird.

Reich werde ich damit sicher nicht. Berühmt? Schmarrn. Dafür ist österreichische Mundart die falsche Sprache, zu wenig Zielgruppe. 

Ich will Freude bereiten, Menschen zum Lächeln bringen, sie in die Umarmung des Lebens holen, vielleicht ein klein wenig zum Nachdenken anregen … und als Sahnehäubchen damit auch noch etwas Gutes tun.

Eine Weltretterin? Nein, ganz sicher nicht. Aber eine, die konsequent gegen den Strom des „alles geht den Bach runter“ schwimmt. Eine, die weniger jammert und mehr tut. Punkt.

Berggeflüster ist ein Schwimmzug gegen den Strom. Sicher nicht Mainstream und keinesfalls perfekt. Wer einen Fehler drin findet, darf gerne 1 Euro zusätzlich an die Bergrettung spenden. Ein paar Tippfehler sind sicherlich noch drin. Mundart ist alles andere als einfach zu lektorieren.

Berggeflüster will nicht perfekt sein. Mein „Kind der Berge“ will Freude bereiten.

Die einen freuen sich, weil sie ein bildhübsches Buch in Händen halten und gleichzeitig etwas gespendet haben. Andere freuen sich, weil ihre Bilder Teil des Buches sind und sie aktiv etwas beitragen konnten. Wiederum andere freuen sich, weil sie dadurch auf Umwegen Anerkennung für das erhalten, was sie aus freien Stücken für in Notgeratene leisten.

Ich freue mich, weil all diese Menschen sich freuen, weil eine meiner „verrückten“ Ideen etwas Freudebringendes in dieser Welt erschaffen hat, weil die Menschheit nur dann zu einem hoffnungslosen Fall wird, wenn wir aufhören, unsere Freude mit anderen zu teilen.

Mein „Kind der Berge“ ist ein Kind der Lebensfreude: Neben 40 wunderschöne Bilder stellte ich jene Worte, die mir von den grauen Riesen im Gasteiner Tal zugeflüstert wurden, wob ein feines Geflecht aus Fragen, Antworten, Stimmungen und einem Gefühl, das tief im Herzen seinen Ursprung hat, für das es kein Wort gibt, nur ein Lächeln, wenn es sich ausbreitet und seine Arme gleich einem schützenden Mantel um uns legt.

Wenn du mir zu meinem Geburtstag eine Freude machen möchtest, dann wirf einen Blick in dieses [nicht] ganz alltägliche Buch und wenn es dir gefällt, wer weiß, vielleicht nimmst du ein „Kind der Berge“ bei dir auf? Holst es ab und an aus dem Bücherregal, wenn du vielleicht gerade nicht weiterweißt, und findet etwas darin, dass dich zum Lächeln bringt und vielleicht sogar einen neuen Weg eröffnet? Alles ist möglich.

Berggeflüster ist ein Geschenk, dass mir die grauen Riesen gemacht haben in einer Zeit, in der ich Antworten suchte. Heute gebe ich dieses Geschenk weiter – nicht umsonst, aber mit viel Freude, (Alters)Weitsicht und hoffentlich einigen Spuren, die bleiben.

Hör niemals auf zu träumen, denn Träume werden wahr, wenn du ihnen den Raum dafür gibst.

Hör niemals auf an das Gute im Menschen zu glauben, denn Menschen sind es, die mit dir gemeinsam Träume wahr werden lassen.

Hör niemals auf du selbst zu sein.

Happy Birthday

Bild: pixabay.com

LEICHTIGKEIT IM LEBEN

Leichtigkeit im Leben ist ein Thema, das mir derzeit auf vielfältige Weise begegnet. Offenbar beschäftigt es viele Menschen. Wenn ein Thema gehäuft auftritt, beginne ich darüber zu reflektieren. Das kommt dabei raus:

Vor wenigen Tagen saß ich in einem Führungskräfte-Coaching. Was meinen Job betrifft, befinde ich mich seit Wochen in einer Phase, die sich in den Fragen „Was noch?“ und „Geht’s noch?“ gut darstellen lässt. Am Ende des Coachings wurde ich gefragt, wie ich es mache, dass ich bei all dem ziemlich locker wirke und vieles mit Humor nehmen kann.

Gute Frage.

Meine Antwort darauf lautete: Ich habe Lesley.

Diese Antwort musste ich näher erklären.

Im bürgerlichen Job lebe ich eine weitgehend angepasste Persönlichkeit. Sicherlich keine einfache Mitläuferin, aber dennoch schalte ich Teile von mir auf Mute. Wie viele andere auch, stoße ich im Job immer wieder an Grenzen, die Sinnloses schützen und Sinnvolles verhindern, so dass ich die Sinnhaftigkeit mehr als einmal hinterfrage. Ich schlage mit Ignoranz ebenso rum wie mit ausgeschaltetem Hausverstand. Kurz gesagt: Es gäbe genug, um dauerhaft frustriert zu sein. Bin ich aber nicht.

Warum?

Ich habe Lesley.

Als Lesley bin ich voll und ganz ich. 100%. Ich lebe mich aus mit allem, was in mir steckt und entdecke dabei laufend Weiteres in mir. Mit Lesley habe ich für mich eine Facette der Realität erschaffen, die niemand anders bestimmt außer ich selbst. Keine Fantasiewelt, sondern eine parallele Realität, die geprägt ist von meiner emotionalen Seite (die sich im Job zurückhalten darf/soll/muss …) und meiner Kreativität im künstlerischen Sinne (im Job bin ich auch kreativ, aber dabei geht es um Prozesse, Innovationen …)

Seit Oktober 2017 bin ich Lesley B. Strong.

Manche nehmen einen Künstlernamen an, um jemand anders zu sein. Durch Lesley wurde ich ICH. Niemand anders, sondern die, die ich bin, immer war, aber zuvor nicht sein durfte/konnte, weil … die Gründe dafür sind zahlreich und allesamt heute nicht mehr relevant.

Ich bin Lesley – ein feuriger Funken Lebensfreude. Leichtigkeit liegt mir im Blut.

Leichtigkeit im Leben hat für mich viel mit Anerkennung dessen zu tun, was ich alles bekommen habe in diesem Leben. An erster Stelle steht hiermit das Leben selbst. Danach folgen meine Gaben, Talente, Fähigkeiten, aus denen wunderbares entsteht. Ich bin dankbar für alles in meinem Leben, auch für stressige Jobphasen wie die derzeitige.

Alles im Leben hat stets zwei Seiten.

Ein „Was noch?“ kann auch „Was noch fällt mir dazu ein?“ meine Kreativität in astronomische Dimensionen schrauben.

Ein „Geht’s noch?“ lässt mich Achtsamkeit üben, häufiger als sonst mich selbst zu hinterfragen, in mich hinein zu spüren und darauf zu achten, nicht allzu lange an der Grenze oder gar über der Grenze zu bleiben, sondern auf mich selbst gut zu achten.

Leichtigkeit im Leben ist für mich mehr als mittels positiver Affirmationen einen Zustand zu beschwören. Leichtigkeit ist ein Lebensgefühl. Ein riesengroßes JA zum Leben und mir selbst. Leichtigkeit geht Hand in Hand mit Hoffnung. All die Krisen in der Welt, von Umweltzerstörung über Krieg, Pandemie … es gibt so vieles rund um uns, das bedrückt und Schwere hervorrufen kann. Tagtäglich sehe ich Menschen, die von der Last ihres Lebens gebeugt werden, die sich schwerfällig bewegen. Blicke ich in ihre Augen, nehme ich Leere wahr, keine Hoffnung oder gar Leichtigkeit. Keine Lebendigkeit. Sie sind hier, aber irgendwie auch nicht. Klammern sich an Probleme, Ängste, Sorgen, um etwas zu haben, dass ihnen einen Grund zum Leben liefert. Dann denke ich an Victor Frankl und seine Buch „Trotzdem JA zum Leben sagen“, seine Erfahrungen, dass Menschen, die nichts mehr in diesem Leben haben oder nicht mehr hoffen, einfach sterben.

Leichtigkeit im Leben fand ich, nachdem ich begann, alles Belastende loszulassen – sofern dies möglich war. Energievampire und Karmastaubsauger ebenso wie materielles Zuviel. Vor ein paar Jahren hatte ich mir nie vorstellen können, mit dem wenigen zu leben, das ich heute besitze, aber es geht mir gut damit. Ich brauche nicht mehr. Ich habe Lesley.

Was ich nicht loslassen konnte/kann, weil z.B. mit dem Job verbunden, betrachte ich aus einem anderen Blickwinkel. Die andere Seite der Medaille. Eine Mentorin gab mir einst einen wunderbaren Satz mit auf meinem Weg: What is in it for me? Was kann ich mir daraus mitnehmen? In jedem Sch***haufen findet sich auch immer etwas Gutes. Nicht umsonst wird mit Mist gedüngt 😉 Menschen werden insbesondere dann kreativ und innovativ, wenn die Notlage sie dazu zwingt. Wer alles im Überfluss hat, wird eher träge – und irgendwann schwer.

Ich glaube, ich könnte Stunden über Leichtigkeit im Leben reden, ohne mich zu wiederholen. Es ist wie ein Licht im Herzen, das ich spüre und das mich diese Welt mit anderen Augen sehen lässt. Keine rosa Brille, aber ein unerschütterliches Vertrauen in das Leben und die Überzeugung, dass in uns Menschen das Potenzial schlummert, uns selbst zu hinterfragen und verändern zu können. Vielleicht werden das nicht alle tun, doch jene, die es tun, werden mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Leben in Leichtigkeit führen.

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