7 DAYS LATER …

Ein mystischer Zeitraum. Wurde nicht angeblich die Welt in 7 Tagen erschaffen? Meine eigene Welt (oder Bubble) wurde definitiv in den vergangenen 7 Tagen (neu) erschaffen.

7 Tage allein an einem Ort, an dem ich zu zweit über viele Jahre glückliche Urlaube verbracht habe – wenngleich auch nicht als die Vollversion von mir.

7 Tage allein auf vertrauten Pfaden.

7 Tage kontinuierlich auf mich selbst zurückgeworfen. Wer bin ich? Was will ich? Was tut mir gut? … in diesem Augenblick und grundsätzlich im Leben.

7 Tage der Begegnung mit mir selbst in chilliger Spa-Atmosphäre und auf steilen Bergpfaden.

Was hat sich getan?

Enorm viel. Genug, um ein Buch darüber zu schreiben. Oder es in die wenigen Zeilen von zwei Gedichten zu packen, die während dieser Begegnungen entstanden sind. Hier nun – in einer für mich eher unüblichen Sprache – eine Stimme, die ich in mir höre, wenn ich mir allein da draußen begegne:

Da ob’n

Da ob’n am Berg,
da merkst’s erst, wie klan das’d bist,
siechst vülles plötzlich anders
ois drunten im Tal.
San’d Probleme riesengroß,
druck’n di de Surg’n,
wiargt di de Ongst,
oda wüsst oafach wos loslass’n,
pack’s eini in an Rucksock
und geh auffi.
Wirst seh’n, mit jed’m Schritt wird’s leichta,
und aufamoal waßt wieda, worauf’s aukummt im Leb’n:
Zeig, was‘d fühlst,
all denen, di da wichtig san,
verschenk dei Herz heit,
woard net auf’s Murg’n.
Host Ongst zu leb’n?
Schau auf den kloan Schmetterling,
der da ob‘n um a Dottablum’n tonzt,
glei neban wülden Wossa,
kloan und zerbrechlich inmitt’n ana Wölt,
fü di a ned gschoffn scheint,
oba sei Herz is stoark,
und so spüld a mit’n Wind.
Host valernt zu leb’n?
Donn geh so loang, bis dei Kopf leer is,
koan Denken mehr,
bis di wieda gspiarst,
bei dia selba ankummst in Rua.

Bei mia

Wohin’st a gehst im Leb’n,
Du begegnst da imma söwa.
Was siagst, wannst zu mia kummst?
Brida im Sein, de di stumm begleit‘n?
Tausend Bliah in ana buntn Summawiesn?
A wüds Wossa rauscht toalwärts wi dei Bluad.
Herst mei Stimm – oda des Echo von deina?
Schloagt frei dei Herz noch longa Zeit?
Gspiarst dei Söhl, di längst scho schreit
noch an Moment des Innehoiltens,
noch Luft zum Otmen,
noch Leb’n zum Gspiarn,
Triffst di söwa
hia bei mia
in da Stüll,
wei i sog net vüll.
I umorm di oafach mit all’m was i hob,
weust zu mia zruckkehrst wi a Kind
des sein Weg valurn
und jetzt hamgfunden hot
bei mia.

Endlos könnte ich rational theoretisieren, doch die ganze Tragweite dieser Worte wird nur verstehen, wer sie mit dem Herzen liest.

7 days later … für jeden einzelnen davon bin ich dankbar, für jede Tränen, jedes Lachen, jeden Augenblick des Staunens, für alles, denn es brachte mich alles näher zu mir.

Am 7. Tage beschenkte mich das Leben mit einem unvergesslichen Moment an diesem traumhaft schönen (und eiskalten) Bergsee. Ein Geschenk, das mit einem mehr als 3-stündigen sehr steilen Aufstieg verdient werden wollte, doch das war es wert… wie diese 7 Tage nur mit mir selbst.

Bild & Text: © Lesley B. Strong

WELCOME TO STOCKHOLM

Heute ist Vatertag in Österreich – passend für das Thema, das mich seit ein paar Tagen beschäftigt, auch wenn es kein einfacher Seelenstrip wird.

Mein Vater starb, als ich 14 war. Verloren habe ich ihn allerdings schon Jahre zuvor … an einen Feind, gegen den ich in meiner naiv-kindlichen Hilfsbereitschaft nichts ausrichten konnte: Alkohol. Mir blieben nicht mehr als ein paar verschwommene Erinnerungen an das, was er einmal war – und eine unstillbare Sehnsucht nach seiner Rückkehr, denn verabschieden konnte ich mich nicht. Zu sehr stand ich unter Schock.

Vermutlich war das der Grund für das, was Jahre später folgen sollte.

Als ich den Mann kennenlernte, mit dem ich fast 25 Jahre meines Lebens verbringen sollte, befand ich mich in einer schwierigen Lebenssituation. Zu Beginn war er ein guter Freund, später ein fürsorglicher Partner, oder besser: ein Ersatzvater. Rückwirkend betrachtet gab ich viel meiner Eigenständigkeit auf, verhielt mich oft wie ein Kind, blickte zu ihm auf, empfand mich als klein und nicht gleichwertig. Mitunter, wenn ich kurz zu ihm blickte, sah ich zuerst das Gesicht meines Vaters, das sich in seines wandelte.

Ich konnte meinen Vater (der an Krebs starb) nicht retten, nicht bei ihm bleiben. Umso mehr bemühte ich mich, bei dem Mann zu bleiben, der für mich in die Ersatzrolle geschlüpft war, der zu meinem Beschützer, Versorger, phasenweise Ernährer wurde. Blendete all das aus, was eigentlich nicht in Ordnung war. Deutete seine Schattenseiten um, verteidigte ihn als Opfer seiner Vergangenheit, ignorierte seine oft feindselige Einstellung gegenüber Frauen. Er verletzte mich unzählige Male emotional und psychisch – und ich nahm die Schuld dafür auf mich.

Stockholm-Syndrom

Entstanden aus dem Verlust des Vaters, nahm ich alles in Kauf, was die Lücke schließen konnte.

Wenn ich heute Freunden erzähle, was in diesen 25 Jahren alles geschehen ist, was ich „runtergeschluckt“ habe, starren sie mich an und fragen mich:

Warum?

Warum bin ich nicht früher gegangen?

Warum hab ich mich nicht gewehrt und den Mann in die Schranken gewiesen? … ich bin normalerweise alles andere als ein hilfloses Opfer.

Warum?

Diese Frage stelle ich mir gerade auch häufig. Ich verbringe meinen ersten Urlaub seit unserer Trennung im Juli 2020 just an dem Ort, an dem wir zuletzt gemeinsam unseren Urlaub verbringen wollten. Es kam anders. Wenige Tage davor brach die Beziehung wie von einem Blitz getroffen von heute auf morgen (keine Metapher) auseinander.

Es ist meine Art, mich aus den letzten Fesseln des Stockholm-Syndroms zu befreien. Meistens kann ich meinen Ex so sehen, wie er ist. Aber manchmal falle ich in alte Muster zurück, nehme ihn in Schutz und die alleinige Verantwortung auf meine Schulter. Das will ich ablegen, weshalb ich an einen Ort zurückgekehrt bin, an dem wir öfters gemeinsam waren. Ich weiß, wie ich mich damals verhalten und angepasst habe. Auch jetzt merke ich, dass ich manches so tun möchte, wie mein Ex es haben wollte. Dann halte ich inne, spüre in mich hinein und folge meinem Gefühl, handle nach meinem eigenen Willen.

Eine tränenreiche Angelegenheit. Emotional aufwühlend – und doch befreiend.

Ich weiß, ich muss allein da durch. Ohne Ablenkung. Mich auf mich selbst fokussieren können um wieder ganz ich zu werden. Denn ich mag diesen Ort, möchte auch in Zukunft hier wieder glückliche Urlaube verbringen. Diesen Platz von meiner Liste zu streichen nur weil eine Beziehung endete, wäre falsch. Das Leben geht weiter. Mein Leben geht weiter. MEIN Leben!

Die Hälfte meines bisherigen Lebens gefangen im Stockholm-Syndrom, weil ich meinen Vater zu früh verlor, mich nicht verabschieden oder den Verlust verarbeiten konnte.

Ein weiterer Blick in den Spiegel, für den ich – auch wenn er derzeit noch schmerzhaft ist – dankbar bin.

… und weil dieses Thema mich derart intensiv aufwühlt, braucht es ein starkes Symbol der Freiheit: einen Adler, den gemäß dem Maya-Kalender bin ICH ein Blauer Adler.

Bild: Pixabay.com

EINLADUNG zu BUCHLESUNG mit GEWINNSPIEL

Anlässlich der Neuerscheinung meines 5. Buches lade ich dich zu meiner Online-Buchlesung ein

EMBRACE 2 – Fühle die Umarmung des Lebens

Neue Geschichten und Gedichte, die in wohlige Gefühle einhüllen wie das leise Flüstern wogender Baumkronen in einer sonnendurchfluteten Sommerbrise; wie das sanfte Flackern einer Kerze in der Stille eines Abends; der Kuss eines geliebten Menschen; ein Lächeln, das von Herzen kommt.

Buchtrailer

Verbringe mit mir eine Stunde in der Umarmung des Lebens.

Einfach zurücklehnen und wohlfühlen.

Vielleicht noch ein wenig träumen. 

GEWINNSPIEL

Pro 10 Teilnehmenden wird je 1 Taschenbuch verlost. Je mehr teilnehmen, desto größer wird der Gewinn.

Ich freue mich ganz besonders auf DICH 🙂

Herzlichst,
Lesley B. Strong

GRATWANDERUNG

Ein „banales“ Ereignis der vergangenen Woche: Ich fahre mit dem Auto morgens Richtung Wien und Job, als es im Radio „Großvater“ von STS spielt. Ein uralter Song, mit dem ich quasi großgewordenen bin, den ich unzählige Male gehört habe, aber seit meiner „Wiedergeburt“ (oder ultimativen Entscheidung, mich selbst voll und ganz anzunehmen) im Jahr 2017, löst dieser Song (und ein paar andere) etwas in mir aus, was er nie zuvor hat: Tränen!

Einen Großvater wie im Song beschrieben, hatte ich nie. Insofern triggert der Sohn per se keine Erinnerungen, doch die intensive Emotionalität erfasst mich wie eine Welle und reißt mich mit. Ein absolut unpassender Zeitpunkt dafür, weshalb ich mich mit starrem Blick darum bemühe, mit jedem Atemzug die Emotionen in mir weiter runterzuschrauben. Berührbarkeit in dieser Form kann ich in meinem Job nicht gebrauchen. Sie würde mich schlichtweg entscheidungs- und handlungsunfähig machen. Ein Teil in mir wehrt sich gegen dieses „Abschalten“ meiner Emotionalität, weil es sich wie das Zwängen in ein viel zu enges Korsett anfühlt, dennoch ist es notwendig.

Grenzenlos emotional – Fluch und Segen zugleich

Jahrzehnte hatte ich meine Emotionalität abgelehnt, tief in mir verborgen, mir nur im dunklen Kinosaal ab und an erlaubt, sie auszuleben, wenn niemand meine Tränen sehen konnte. Es kostete mich unglaublich viel Kraft, diese Unterdrückung in mir aufrecht zu erhalten – und allzu öfter entlud sich der aufgestaute Druck in zerstörerischer Weise.

Typisch Borderline?

Mag sein.

Früher geschah diese Unterdrückung aus Unwissenheit und Angst. Heute vollziehe ich das „Abschalten“ bewusst aus der Notwendigkeit heraus, meinen Job ausüben zu können, der dies erforderlich macht. Schließlich muss auch ich Rechnungen bezahlen. Gewiss, ich könnte mir einen anderen Job suchen, der ohne Abschalten möglich ist, aber ich bin nun einmal ziemlich gut in dem, was ich tue. Manchmal denke ich, dass genau dieses Runterfahren der Emotionalität für meinen Erfolg verantwortlich ist – weil ich auch im ärgsten Stress einen klaren Kopf bewahren und rationale Entscheidungen treffen kann. Aber um welchen Preis?

Selbstbeschränkung auf Zeit.

Solange ich ausreichend Freiraum habe, ich selbst zu sein, funktioniert das recht gut. Schwierig wird es, wenn die Beschränkungszeiten zu lange andauern. Irgendwann stecke ich dann im Modus gedämpfter Emotionalität fest und komme dort nur mit ein wenig „Starthilfe“ wieder aus. Also mit etwas, das meine Gefühlsleben wieder pusht. Auch das ist mir mittlerweile bewusst und lebbar.

Dennoch bleibt bei all dem ein bitterer Beigeschmack: Je nach Bedarf knipste ich meine emotionale Seite aus oder an. Manchmal denke ich dabei an eine Filmszene aus „Star Trek: First Contact“, als der Androide Data mit einer Kopfbewegung seinen Emotionschip deaktiviert, um angesichts der Bedrohung durch das Borg-Kollektiv ungestört funktionieren zu können. Irgendwie habe ich das Gefühl, genau dasselbe zu machen. Was für mich lebensphilosophischen Frage aufwirft: Gehört es zum Menschsein dazu, sich hin und wieder emotional auszuschalten? Oder entwickelt sich diese Form des Menschseins in Richtung Maschine? Ist eine Gesellschaft noch gesund, die Arbeitsbereiche entwickelt hat, in denen Gefühle (und damit verbunden Berührbarkeit) stören?

Vor meinem zweiten Burnout beschäftigte mich die Frage, was einen Frontsoldaten auf Heimaturlaub dazu bringt, wieder an die Front zurückzukehren? Eine sehr plakative Metapher. Zurück in die innere Unterdrückung der eigenen Emotionen, um weiter „arbeitsfähig“ zu bleiben. Damals entzog ich mich auf drastische Weise der Beantwortung der Frage bzw. der Auflösung meines inneren Konfliktes. Heute bewege ich mich (leider) regelmäßig an der Grenze der Überlastung, jongliere ein hochexplosives Potenzial durch einen mit Herausforderungen gespickten Arbeitsalltag. Auf der einen Seite würde ich gerne dauerhaft vollständig ICH sein, ohne meine Emotionen aus- und anzuschalten. Auf der anderen Seite übt mein Job auch eine nicht zu leugnende Faszination auf mich aus. Den Reiz, das hinzubekommen, woran andere sich die Zähne ausbeißen. Das scheinbar unmögliche möglich zu machen. Mein Kick … und auf das Adrenalin-High folgt unausweichlich Frustration, über den Preis (Selbstbeschränkung), den ich dafür zu entrichten habe.

Süchtig nach dem Kick?

Dieser Vergleich drängt sich auf. Warum sonst nehme ich in Kauf, etwas zu tun, das mir dauerhaft nicht guttut, aber sich für kurze Zeit ungemein lebendig anfühlt, bevor es dann zur Belastung wird.

Schwarz-weiß. Das Pendeln zwischen den Extremen. Einst ein Fluch, heute ein überwiegend bewusstes „Spiel“ für mich… und mit Sicherheit eine Gratwanderung, ein Absturz jederzeit möglich, das Wissen um die Zusammenhänge und Achtsamkeit meine Sicherungsleinen.

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Vorsicht, Falle!

Was hat mich die vergangene Woche gelehrt? Neuerlich eine Lektion darüber, wie tricky zwischenmenschliche Kommunikation sein kann. Wie leicht tappt man in die Kommunikationsfalle Missverständnis.

Beispiel: ein Chat über einen Messenger.

Ich schrieb einige Gedanken meinerseits, die ich mir über mich selbst und mein Verhalten machte, welche Schlüsse ich daraus zog etc. Als Antwort (symbolischer Käse) kam „ist ja gut“. Mein erstes Gefühl daraufhin war Unwohlsein, mein erster Gedanke: ich gehe da jemand auf den Nerv und bekomme einen Hinweis darauf, zum Ende zu kommen, also eine Interpretation im Sinne von „Ist ja gut, hab’s kapiert, lass es gut sein“.

Aber war es wirklich so gemeint?

Die Falle wartete darauf, zuzuschnappen.

Im Chatverlauf, ohne Stimmlage, Mimik und Gestik des anderen wahrnehmen zu können, kann eine Aussage unterschiedlich und vielfältig interpretiert werden. Ähnlich dem universalen Wort aus dem Wienerischen: Oida … so ziemlich für JEDE Lebenslage passend. Die tatsächliche Bedeutung offenbart sich durch die Tonlage, Mimik und Gestik.

Für alle, die nicht Wienerisch sprechen, hier ein informativer Einblick in die Verwendung des Wortes „Oida“ https://www.youtube.com/watch?v=iuXR53ex4iI

Zurück zu meiner Lektion.

Nachdem ersten unangenehmen Gefühl schaltete ich mein bewusstes Denken ein, schob die negative Erwartungshaltung beiseite und hinterfragte aktiv, wie die Aussage „ist ja gut“ gemeint war. Wie sich zeigte, lag ich mit meiner ersten Interpretation völlig daneben. Aber in dieser Fehlinterpretation spiegeln sich alte Erfahrungswerte von mir wider. Insbesondere die Annahme, ohnehin nur auf Ablehnung zu treffen. Lange Jahre bestimmte mich diese innere Haltung, doch zwischenzeitlich habe ich die Programme umgeschrieben. Dennoch – manchmal, wenn ich müde und unachtsam bin, poppt so ein „alter Schrott“ (wie ich es gerne nenne) auf und versucht, mir in die Suppe zu spucken. Es wäre ein Leichtes, nun in die Spirale aus Selbstvorwürfen zu fallen, es nicht längst besser zu machen, aber auch das ist „alter Schrott“, weshalb ich mich selbst mit einer großen Portion Humor auf die Schaufel nehme. Oida.

Gewiss, in dieser scheinbar harmlosen Situation versteckte sich explosives Potenzial. Ein kleines Missverständnis, geschuldet dem Mangel an nonverbaler Kommunikation in einem so eindimensionalen Medium wie einem Chat. Ein fatales Missverständnis, das schnell eine Kettenreaktion aus Vorwürfen, Rechtfertigungen, Angepisst-sein etc. nach sich hätte ziehen können.

Achtsamkeit hat mich davor bewahrt und mir neuerlich vor Augen geführt, wie wichtig es ist, achtsam durchs Leben zu gehen. Wie rasch man über ein Wort oder ein Satzzeichen stolpern kann. Hier ein einprägsames Beispiel:

Er will, sie nicht.

Er will sie nicht.

Ein winziges Komma (oder Beistrich) verändert die Bedeutung des Satzes erheblich. Angesichts der grassierenden, befremdlichen Simplifizierung der Orthografie in Chatverläufen sträuben sich mir die Nackenhaare, was dabei alles missverstanden werden kann – und auch wird.

Unklare Aussagen führen beinahe zwangsläufig zu Interpretationen. Diese wiederum sind in erster Linie nur ein Spiegel dessen, was die interpretierende Person in sich trägt, und haben häufig wenig mit der anderen Person zu tun, der jedoch die Interpretation quasi in den Mund gelegt wird.

Kompliziert? Kommunikation ist kompliziert – und besser gesagt: wir machen sie kompliziert. Doch irreführenden Gebrauch von Wörtern, schlampige Satzstellungen und fehlende Satzzeichen, durch Nicht-Aussagen … Achtlosigkeit in vielfältiger Form.

Dagegen hilft Achtsamkeit – und hinterfragen. Wertschätzendes Hinterfragen, wohlgemerkt. Frei von Vorwürfen mit dem aufrichtigen Wunsch, zu verstehen.

Auch jemand wie ich, die gerne mit Worten spielt, ist nicht davor gefeit, etwas misszuverstehen. Mein wiedergefundener Seelenfrieden und meine innere Balance sind zwar stark, doch an manchen Tagen überwiegt die Müdigkeit, führt zu Unachtsamkeit … und schon ist es passiert. Dann verschränkte ich meine Finger (damit ich nicht eine voreilige Antwort tippen kann), atme einmal tief durch, spüre in mir nach, woher das Gefühl kommt (aus der Gegenwart oder meiner Vergangenheit), und stelle dann eine Frage, die mir hilft, die Aussage korrekt einzuordnen.

Meine weise Lehrmeisterin Lucy pflegte zu sagen: „Die Menschheit hat genau drei Probleme. 1. Mangelnde Kommunikation. 2. Mangelnde Kommunikation und 3. (welche Überraschung) mangelnde Kommunikation.“

Kommunikation besteht aus Sender und Empfänger. Der Sender ist verantwortlich für das, was ausgesandt wird. Der Empfänger für das, wie es empfangen wird. Keiner von beiden kann sich völlig aus der Verantwortung nehmen und sagen, der andere hat etwas falsch gemacht. Beide haben die Möglichkeit, einzugreifen und Missverständnisse zu vermeiden. Ganz gleich, ob live, im Chat oder wo auch immer.

Diese Lektion hat mir das Leben bereits öfters erteilt. Auch dieses Mal bin ich dankbar dafür, daran erinnert worden zu sein, achtsam zu bleiben. Und so schließe ich meinen heutigen Blog mit einem erleichterten „Oida“ und lasse den Käse in der Falle.

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AUF EIN NEUES …

Wieder ein Jahr älter. Auch ein Jahr weiser? Besser nicht darüber nachdenken 😉 Auf jeden Fall ein Jahr an Erfahrungen (und was für welche) reicher 😊

Aber so ganz glaube ich meiner Geburtsurkunde noch immer nicht. 52? Echt jetzt? Wo sind die Jahre geblieben? Gefühlte 35 … immer noch … wenn überhaupt. Und im Denken erst … manchmal 16 forever.

Vor einige Tagen postete ich diesen Gedanken:

„Wer im Herzen jung bleibt, wird auch im Kopf nie alt.“

Dieser Gedanke entstand – wieder einmal – wie aus dem Nichts in mir. Über die Bedeutung sinnierte ich Tage später.

Wie bleibt man im Herzen jung?

Meine Antwort darauf: lebendig bleiben. Fühlen, was das Zeug hält. Leben im hier und jetzt. Dabei den Kopf ausschalten und ignorieren, was andere sich denken.

Praktisches Beispiel: ich spaziere durch den Wald und höre dabei Musik – solange ich mich auf Wegen bewege, auf denen auch andere unterwegs sind. Manche Gespräche will ich partout nicht mithören, also schalte ich mich weg. Bei manchen Songs singe ich schon mal mit, und es ist mir piepschnurzegal, was andere sich dabei denken. Ich empfinde Lebensfreude und bringe sie zum Ausdruck. Basta!

Hin und wieder bleibe ich stehe und drehe einen Käfer um, der auf dem Rücken liegend mit seinen Beinchen strampelt. Ich bestaune, was du Natur Unglaubliches hervorbringt – wie ein kleines Kind, das all dies zum ersten Mal erblickt. Neugierde – oder besser: Wissbegierde – ist mein zweiter Vorname. 😉

Vor meinem Wohnzimmerfenster offenbaren sich (nicht täglich, aber häufig) farbenprächtige Sonnenuntergänge, die mich stets aufs Neue begeistern. Gewohnheit? Weit gefällt. An das Wunderbare gewöhne ich mich nie. Ich genieße es, wann immer es mir begegnet.

All das ist für mich Lebendigkeit.

All das lasse ich zu, auch wenn meine Geburtsurkunde indizieren würde, für manches doch bereits zu „reif“ zu sein. Ich bin doch kein Apfel, der irgendwann überreif ist und zu faulen beginnt. Wobei, irgendwann … nein, meinen schwarzen Humor packe ich gleich wieder in die Schublade.

Wenn ich es recht bedenke, passt der Gedanke an den Tod vielleicht doch, denn lebendig können wir nur sein, solange wir noch nicht tot sind. Das Leben umarmen, damit es uns umarmt und seine Wunder offenbart, die da draußen sind, in jedem Augenblick; die eine Quelle von Lebensfreude sein können. Letztere wiederum ist nach meiner eigenen Erfahrung das ultimative Anti-Aging-Mittel. Vielleicht verhindert Lebensfreude keine Falten oder graue Haare, aber sie schenkt ein Gefühl, das sich nicht mit Worten beschreiben lässt, das man gefühlt haben muss, um es sich vorstellen zu können.

Lebensfreude geht für mich Hand in Hand mit Liebe.

Es gibt so viel Liebenswertes rund um mich und in mir. Es gibt auch anderes, aber so ist das nun einmal in der Dualität unserer Realität. Die Nebeltage lehren uns, den Sonnenschein zu schätzen. Wenn die Sonne scheint, erfreue ich mich an der Blütenpracht des Wonnemonats Mai. Heute regnet es, und dieser Regen bringt das junge Grün zum Leuchten. Auch wunderschön.

Es ist, was es ist.

Vielleicht bleibe ich im Herzen jung, weil in mir drin noch ein kleines Kind ist, voller Träume und Fantasie. Wo die Große in mir rational die Welt erklärt, bestaunt die Kleine das magische Wirken höherer Mächte. Wer von beiden Recht hat? Ich denke: Beide!

2018 schrieb ich in JAN/A Band 1 folgendes „Mantra der Lebendigkeit“ für mich selbst:

Leben um des Lebens Willen. Lieben um der Liebe Willen. Mit jedem Atemzug tiefer ins Gefühl, mit jedem Herzschlag näher und näher, mit allen Sinnen ins Feuer der Ekstase – fallen, schweben, tanzen, leben, lieben, hier und jetzt. Ein Sturz in die Dunkelheit und durch sie hindurch ins Licht, in die Liebe, in die Leidenschaft, ins Leben.

In diesem Sinne: auf in ein neues magisches Lebensjahr!

Bild: pixabay.com

EINE UNTERWEISUNG DES LEBENS

Wenn ZWEI sich entscheiden, EINEN Platz im Leben zu teilen

… dies war mein erster Gedanke, als ich heute dieses ungewöhnliche Paar erblickte: eine Buche und eine Kiefer, beide stark und mächtig, beide in den Himmel strebend und doch so eng verbunden, das an manchen Stellen ihre Borke zusammengewachsen ist. Untrennbar. Fast scheinen sie sich zu umarmen.

Was für ein kraftvolles Symbol für das, was eine Beziehung zwischen zwei Menschen sein könnte, sollte, müsste …

SPÜRNASE IN EIGENER SACHE

Manchmal bringt mich das Leben zum Staunen. Nicht, dass ich für mich in Anspruch nehme, alle Rätsel gelöst zu haben und auf jede Frage eine Antwort zu kennen – ganz im Gegenteil. Ich weiß viel weniger, als ich nicht weiß. Und je mehr ich entdeckte, desto größer wird auch die noch zu entdeckende Welt. … diese schlaue Erkenntnis entspringt nicht meiner Denke. Da gab’s Schlauere vor mir (z.B. Sokrates „Ich weiß, dass ich nichts weiß“), aber ich ERLEBE sie im Alltag – was in meiner Wahrnehmung ein Riesenunterschied ist zu „habe ich gelesen und verstanden“. Eine Erkenntnis nicht nur im Kopf zu haben, sondern sie auch im Herzen zu fühlen, da liegen Welten dazwischen, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann.

Zurück zu meinem Staunen. Wodurch wurde es ausgelöst?

Durch die beiläufige Feststellung, dass sich mein Leben plötzlich wieder leicht anfühlt. Wochenlang habe ich mich mit einer erdrückenden Schwere rumgeschlagen, war alles irgendwie zäh und ich meinerseits öfter als mir lieb war ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Ein falsches Wort genügte und …

Plötzlich ist über Nacht alles anders, ohne das sich etwas verändert hat. Mein Leben läuft immer noch in denselben Bahnen. Der Stress im Job ist keineswegs weniger geworden. Manche Herausforderungen liegen hinter mir, aber eine Menge auch noch vor mir. Ich habe auch nicht im Lotto gewonnen, was schwierig wäre, weil ich nicht mitgespielt habe.

Also, nichts ist wirklich anders und doch fühlt es sich anders an. Das soll mal wer verstehen.

Warum ich es überhaupt verstehen will und nicht einfach nur genieße?

Weil ich es gerne bei Bedarf reproduzieren können würde. Dazu müsste ich herausfinden, was sich – unbemerkt von meiner bewussten Wahrnehmung – verändert hat. Etwas MUSS sich verändert haben, sonst wäre es nicht anders.

„Wenn du immer das machst, was du bisher gemacht hast, wirst du mehr von dem bekommen, was du bisher schon hast. Willst du etwas anderes, mach was anderes!“

Dieses Postulat aus dem NLP unterschreibe ich sofort. Es ist absolut logisch. Deshalb … etwas muss sich verändert haben, aber was?

An diesem Punkt setzt bei mir stets die detektivische Spurensuche ein. Ich kann stundenlang einen Formel- oder Programmierfehler suchen. Wenn’s um mein persönliches Wohlbefinden geht, werde ich sogar noch ausdauernder. Also begann ich zu suchen, zu beobachten und wurde schließlich fündig. Etwas WAR anders. Besser gesagt: etwas war nicht mehr da, weshalb es auch so schwer als Auslöser der Veränderung zu identifizieren war. Es war nämlich fort – aus meiner Wahrnehmung.

Okay, genug der kryptischen Umschreibungen.

Klartext: Nach meiner Trennung im vergangenen Jahr verblieb ein besonderes Erinnerungsstück an meinen Ex-Partner (an ihn als Person) bei mir. In den ersten Wochen danach stand es noch in meinem Schlafzimmer, wechselte später ins Wohnzimmer. Einige Tage vor meinem „Staunen“ packte ich dieses Erinnerungsstück sorgfältig in eine Schachtel und verbannte es damit aus meiner (unbewussten) Wahrnehmung. Dabei folgte ich einer Intuition. Es fühlte sich richtig an, diesem Teil meiner Vergangenheit einen neuen Platz zu geben. Nicht zu entsorgen, aber ruhen zu lassen.

Kleine Ursache, große Wirkung.

Und ein eindrucksvoller Beweis (für mich), wie stark wir durch unsere unbewusste Wahrnehmung gesteuert werden. Wir müssen etwas nicht anstarren, um es unbewusst wahrzunehmen. Es genügt, wenn das Objekt sich im selben Raum befindet, um die Erinnerung oder ein Gefühl wachzurufen. Einer der Gründe, warum ich mich gerne mit schönen Dingen umgebe. Unbewusste Wahrnehmung lässt sich nur schwer abstellen. Deshalb nutzen manche Unternehmen diese Tatsache, um ihre Kundschaft mit verkaufsförderlichen Düften zu bespielen und spendierfreudigen Melodien zu beschallen. Farben und Bilder tragen das ihre bei, den Umsatz zu steigern. Ganz fies, weil man sich kaum dagegen wehren kann … nebenbei erwähnt.

Die Entfernung meines „mentalen Kryptonit“ aus meinem (auch peripheren) Sichtfeld brachte also die Rückkehr von gefühlter Leichtigkeit in mein Leben. Fall abgeschlossen… dieses Mal. Neuerlich etwas gelernt – oder erinnert: mehr Achtsamkeit darauf zu verwenden, womit ich mich umgebe. Was dazu führte, dass ich gleich darauf eine Runde Entrümpelung gestartet habe. Vielleicht will ja noch etwas anderes „gut verstaut“ werden 😉

Bild: pixabay.com

VERÄNDERUNG JA oder NEIN?

Kann ein Mensch sich im Laufe seines Lebens verändern? Diese Frage habe ich mir bereits x-mal gestellt. Auch in den vergangenen Tagen.

Ich traf eine Bekannte, mit der ich zuletzt vor über 20 Jahren Kontakt hatte. Sie meinte, ich hätte mich überhaupt nicht verändert, wäre immer doch wie damals, mein Äußeres, meine positive Art. Sie erzählte mir, dass ich über alle die Jahre ein Satz von mir im Gedächtnis geblieben war: „Blick in den Spiegel und sag zu dir selbst, dies wird ein wunderbarer Tag.“ Das dieser Satz ihr durch schwere Zeiten in meinem Leben geholfen hat. Das wiederum hat mich sehr berührt.

Nach unserem Gespräch begann ich mich einiges zu fragen. Habe ich mich tatsächlich nicht verändert? Häufig fühle ich mich, als wäre ich immer noch Anfang 30. Das Datum auf meiner Geburtsurkunde wirkt immer noch befremdlich. 51? Im Denken und Fühlen bin ich allerhöchstens 35!

Auf der anderen Seite erhalte ich häufig die Rückmeldung, ich hätte mich so stark verändert, so toll entwickelt.

Also was jetzt? Veränderung JA oder NEIN?

Kann ein Mensch sich überhaupt verändern?

Ich denke: NEIN.

Wenn ich zurückblicke, war ich immer die, die ich heute bin. War stets ein feuriger Funken Lebensfreude, voller Neugier und Kreativität, mit einer starken Verbindung zur Natur und Mutter Erde, bereits früh in meinem Leben vielschichtig und reflektierend.

Ich war immer die, die ich bin.

Jedoch verbannte ich dieses „was ich bin“ sehr lange Zeit in meinem Leben. Frühe Ablehnung lehrte mich, zu verstecken, womit andere nicht klarkamen. Angst unterdrückte das Ausleben meiner Vielfalt, meiner Emotionalität, meines Selbst.

Insofern meine Schlussfolgerung: ein Mensch kann sich nicht verändern, aber er/sie kann werden, was er/sie im Innersten ist. Frei werden, ICH zu sein. Meiner Meinung nach, die wichtigste Freiheit überhaupt, denn was nützt jede andere Freiheit, wenn man nicht ICH sein kann.

Wer in seinem Innersten nicht neugierig und kreativ ist, wird das wohl auch nie werden. Ebenso wenig wie jemand, der kein Verständnis für Zahlen oder Strukturen hat, dies lernen kann.

Sich selbst verwirklichen – darum geht es im Leben. Zu werden, wer ich bin.

Das hat nicht zwangsläufig etwas damit zu tun, alles über den Haufen zu schmeißen und aus allen Rollen seines Lebens auszusteigen. Für mich geht es mehr darum, mich selbst kennen zu lernen und mit dem, was alles zu mir gehört, im Einvernehmen zu leben. Nicht darum, sich neu zu „erfinden“, sondern einfach nur „finden“.

Angeblich stand über dem Eingang zum Orakel von Delphi der Spruch: „Mensch, erkenne dich selbst“ … und über dem Ausgang soll zu lesen gewesen sein: „Und werde, wer du bist.“

Tja, wird wohl stimmen – zumindest stimmt mein Bauchgefühl zu.

Deshalb – Veränderung? Nein.

Entwicklung? JA!

Welches Symbol wäre wohl besser geeignet, um den Prozess der ICH-Werdung zu verdeutlichen als ein Schmetterling? Vielleicht taucht dieses Symbol auch genau deshalb immer wieder in meinen Geschichten und Gedichten auf …

Bild: pixabay.com

INSIDE BORDERLINE

*** TRIGGER-WARNUNG***

Auf meinem Blog möchte ich einen Einblick in meine Gedankenwelt als Borderlinerin ermöglichen. Diese Gedanken können – mittlerweile nur noch in Ausnahmefällen – erschreckend bis verstörend sein. Doch so gehören ebenso zu mir wie der vielfältige Rest.

Wer ab hier weiterliest, wird vielleicht schockiert sein – und tut dies auf eigene Verantwortung. Spoiler: Es gibt ein Happy End, denn selbst das längste und dunkelste Tal endet irgendwann.

INSIDE BORDERLINE

Was für ein abscheuliches Monstrum muss ich doch sein. Ich schaffe es tatsächlich alles, was sich in meinem Leben zum Guten entwickelt, zu sabotieren. Wenn ich auf meine Lebensjahre zurückblicke, wird ein roter Faden sichtbar: ich ziehe Menschen und Ereignisse in mein Leben, die mich verletzen. Ich muss nicht selbst zur Klinge greifen. Das erledigen anderen für mich und tiefer als ein Schnitt in die Haut. Sie zerschneiden meine Seele.

Alles, was ich suche, ist Liebe.

Alles, was ich geben will ist Liebe.

Alles, was ich bekomme, ist Schmerz in jeder nur erdenklichen Form. Ablehnung, Ausgrenzung, Verurteilung, Verletzung, Demütigung, Entwertung, Ignoranz, Gewalt …

Alles nur ein Spiegel dessen, was in mir ist. Was in mir zerbrochen wurde. Habe ich mir das tatsächlich ausgesucht? Hat meine Seele sich dieses Schicksal FREIWILLIG ausgesucht? Begann da nicht bereits die Selbstverletzung? Wer sucht sich in einen Lebensweg ohne Liebe aus?

Wer kann jemand wie mich lieben?

Was tun Menschen, wenn jemand neben ihnen verletzt ist und leidet? Sie nehmen diesen Menschen in den Arm und trösten ihn.

Was tue ich? Ich beginne zu analysieren, zu erklären, zu diskutieren. Ich funktioniere wie eine Maschine, nicht wie ein Mensch. Ich komme erst gar nicht auf die Idee, den anderen zu umarmen. Dieses Programm existiert nicht in mir. Ich habe es selbst nie kennengelernt, kann es weder abrufen noch dauerhaft in mir entwickeln. Wenn andere mich brauchen würde, werde ich zur emotionsbefreiten Marionette meiner Defizite.

Warum ich derart destruktive Gedanken niederschreibe?

Weil sie mich gerade davon abhalten, dem Schmerz in mir eine physische Manifestation an mir zu geben. Wer tippt, kann nicht gleichzeitig mit einer Schere hantieren. Ich und schneiden? Wenn kein Mensch rund um mich ist, der als Erfüllungsgehilfe meiner Selbstverletzung fungieren, verspüre ich diesen unheilvollen Drang …

Ich weiß genug über die Zusammenhänge und das es wichtig wäre, meine Gedanken unter Kontrolle und in eine andere Richtung zu lenken. Die Emotionen folgen dann zeitversetzt automatisch.

Nur … meine Gedanken wollen nicht dauerhaft umgelenkt werden. Sie wehren sich. Etwas in mir WILL diese Gedanken durchspielen, bis zum bitteren Ende.

Deshalb tippe ich. Damit das Aufgestaute abfließen kann ohne wirklichen Schaden anzurichten. Vielleicht werde ich diese Zeilen nie veröffentlichen. Vielleicht schon, um anderen zu zeigen, dass sie nicht allein sind und dass es einen Ausweg gibt.

Gibt es einen Ausweg?

Ja, den gibt es!

Für mich heißt er: Hinschauen. Nicht wegsehen, verdrängen, ignorieren, ablenken oder dergleichen. Hinschauen und anerkennen, was es gerade ist. Anerkennen, das alte Muster aktiv sind, Gedanken und Gefühle aus der Vergangenheit wachrufen.

All das hat nichts, absolut NICHTS mit meiner Gegenwart zu tun.

Auch wenn’s draußen stürmt, sitze ich hier drinnen im Trockenen. Es ist warm und sicher. Ich habe alles, was ich brauche, damit es mir gut geht.

Was in den Köpfen und Herzen anderer Menschen vorgeht, kann ich NICHT wissen. Vielleicht ahnen, aber vielmehr als Spekulationen werden es nicht. Ich kann also NICHT wissen, ob es da draußen nicht doch einen Menschen gibt, der etwas für mich empfindet, mich vielleicht sogar liebt.

Akzeptiere die Unwissenheit – sie befreit vom Druck der Gewissheit.

Anders gesagt: Alles ist möglich, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist.

Ich bin vielleicht nicht perfekt, aber ich bin auch nicht das ultimative Böse. Ich habe Defizite, mache Fehler … wie jeder andere Mensch, der jemals über diesen Planeten gewandelt ist und es noch wird.

Allmählich lässt der Druck in mir nach, verschwindet das würgende Gefühl im Hals, die brennenden Tränen in den Augen. Inzwischen kann ich auf die Schere blicken, ohne den Wunsch zu verspüren, damit etwas anderes zu machen als Fäden meines aktuellen Strickprojektes abzuschneiden.

Überstanden?

Sieht so aus… für heute.

War’s das letzte Mal?

Wer weiß?

Vergessen ist nicht möglich. Wenn die Geister der Vergangenheit wach werden, hilft nur das, was damals gefehlt hat. Verdrängt habe ich lange genug in meinen Leben. Umarmt viel zu wenig – andere und mich selbst. Vielleicht sollte ich bei mir selbst beginnen.

Während ich noch tippe, geschieht das Unerwartete: Eine kurze Nachricht trifft ein. Ich atme auf, lächle und die Geister ziehen sich zurück in die Tiefen meines Unterbewusstseins.

Zufall?

Ich glaube nicht an Zufälle, dennoch bin ich dankbar, wenn sie geschehen.

Angst vor dem nächsten Mal?

Nein … auch wenn ich auf ein nächstes Mal liebend gerne verzichten kann, ich fürchte es nicht.

Werde ich damit klarkommen?

Definitiv!

In mir herrscht zuweilen eine bedrückende Dunkelheit – doch umgeben von viel mehr Licht.

In mir findet sich tiefer Schmerz – und noch viel mehr Lebensfreude und Liebe.

Vertrauend auf meinen unbändigen Lebenswillen, habe ich bereits vor langem erkannt, das ich mich dem Dämon stellen muss, Angesicht zu Angesicht, ihm in der Dunkelheit begegnen muss, um ihn in den Arm zu nehmen und zurück ins Licht zu führen. Diese Metapher zieht sich wie ein roter Faden durch JAN/A und sie spiegelt sich in meinem persönlichen Mantra:

Mit jedem Atemzug tiefer ins Gefühl, mit jedem Herzschlag näher und näher, mit allen Sinnen ins Feuer der Ekstase – fallen, schweben, tanzen, leben, lieben, hier und jetzt – ein Sturz in die Dunkelheit und durch sie hindurch ins Licht, in die Liebe, in die Leidenschaft, ins Leben.

Inside Borderline

Akzeptiere deine Unwissenheit.

Befreie dich vom Druck der Gewissheit.

Erlaube dem Leben, dich zu überraschen.

Staune über das, was es noch sein kann.

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