Loslassen …

… fällt manchmal nicht leicht, insbesondere wenn ich etwas mit Begeisterung und Freude gestartet habe. Dennoch – es gehört zum Leben dazu und nicht alles, was ich starte, entwickelt sich so, wie es gedacht war. Das ist Leben.

Deshalb teile ich heute diesen Beitrag auf meinem Blog um zu zeigen, wie ich in Echtzeit damit umgehe.

Ein Status Update

Was tut sich gerade bei Lesley? Wie immer: viel!

Aktuell arbeite ich an 4 Buchprojekten. Kein Scherz. Also, „JAN/A – eine [nicht] ganz alltägliche Liebesgeschichte geht weiter“ … mit Band 2, der gerade in der Korrekturphase angekommen ist und Anfang 2020 erscheinen wird. Weil ich meinen eigenen Cliffhanger nicht so einfach im Raum stehen lassen kann, schreibe ich bereits an Band 3 „JAN/A – Das Ende einer [nicht] ganz alltäglichen Liebesgeschichte?“ Wie gehabt, beides autobiographisch und hoch emotional, romantisch, sinnlich, humorvoll …

Projekt 3 ist mir irgendwie „passiert“ und bringt mich täglich zum Strahlen. Kurzgeschichten und Gedichte aus über 3 Jahrzehnten, alle mit dem Ziel, meine Leser und Leserinnen zurück in die gefühlte Umarmung des Lebens zu führen. Das wird ein Buch wie eine Kuscheldecke inklusive heißer Schokolade vor einem prasselnden Kaminfeuer. Einfach nur zum Wohlfühlen.

Und dann gibt es noch Projekt 4, dass den Titel „RE/CONNECTED – LEBEN und LIEBEN – Eine Lebensphilosophie #feeltheembraceoflife“ tragen wird. Die Fortsetzung meiner Autobiographie DIS/CONNECTED, eine neuerliche Reise in meine Gedanken- und Gefühlswelt seit meinem Outing 2018 mit vielen praktischen Tipps und Strategien für ein Leben mit #Borderline jenseits aller Klischees und Zuschreibungen.

Nebenbei blogge ich natürlich weiterhin.

Ach ja, meinen Vollzeitjob sollte ich nicht vergessen. Beziehung und Familie gibt es auch noch.

Wie ich  das alles schaffe? Ganz ehrlich? Keine Ahnung! Ich möchte auch gar nicht darüber nachdenken. Ich könnte nämlich draufkommen, dass es gar nicht funktionieren kann – und das wiederum will ich nicht wissen. Die Hummel weiß auch nicht, dass es für sie aerodynamisch unmöglich ist, zu fliegen – sie tut es einfach 😉

Allerdings habe ich schon einige andere Projekte auf Eis gelegt. Meine Facebook-Gruppen zum Beispiel. Aber – wiederum ehrlich gesagt – ich fühle mich mehr dazu berufen, andere Menschen mit meinen Erfahrungen im Umgang mit Borderline über meine Blogs oder in Selbsthilfe-Foren zu unterstützen als mich in der Admin-Tätigkeit einer Gruppe zu verwirklichen. Sorry. Aber das habe ich auch in den vergangenen Monaten für mich erkannt. Meine Zeit und Ressourcen sind begrenzt, und ich möchte sie bestmöglich für das einsetzen, was aus meiner Sicht am meisten Sinn macht.

Deshalb schränke ich auch die zeitfressenden Marketing-Aktivitäten in Facebook ein. Meine Bücher verkaufe ich über Lesungen, Vorträge oder einfach so, zwischendurch im Fitnessstudio oder beim Augenoptiker, wann immer ich auf Menschen treffe, mich mit ihnen unterhalte und sie erkennen, dass meine Worte nicht nur auf dem Papier stehen, sondern ich tatsächlich lebe und bin, was ich schreibe. Das kann man mit keinem noch so gefinkelt verfassten Beitrag transportieren. Vielleicht schwimme ich damit gegen den Strom? Es wäre nicht das erste Mal 😉 

Ich bin ECHT. Ich bin ICH. Ich gehe MEINEN Weg.

Ich verändere die Bedeutung (#Borderline) meiner Jahre in Schmerz und Dunkelheit (#frompaintopassion) in dem ich sie nutze, um anderen die Hand zu reichen und zu sagen: „Ich hab es geschafft – und du kannst es auch schaffen“. Zurück in die Umarmung des Lebens (#feeltheembraceoflife).

4 Buchprojekte und ich liebe jedes einzelne davon, werde jedes davon Realität werden lassen. Wie viele davon verkauft werden? Ich überlasse es dem Leben, jene Menschen mit meinem Büchern in Berührung zu bringen, die von meinen Worten berührt werden.

Natürlich frage ich mich, ob ich – wie oben erwähnt – die Gruppen wirklich offline bzw. auflösen soll? Was entgeht mir eventuell durch diesen Schritt? Wäre es nicht besser, sie mit minimalen Ressourcen weiter zu betreiben? Also wieder das zu tun, was ich kenne und lange Zeit meines Lebens praktiziert habe?  Nur nichts aufgeben, weil es könnte ja noch irgendwann einmal …

Eine Entscheidung für das eine ist immer auch eine Entscheidung gegen vieles andere.

Vielleicht versäume oder verliere ich damit etwas, das ist ungewiss. Sicher ist nur, dass ich auf meinem Weg mehr erreiche, wenn ich meine Gedanken, Zeit und Ressourcen auf das fokussiere, was mir wichtig ist… und dafür mitunter so einiges loslasse.

Man kann es nicht allen Recht machen …

… selten ist eine Generalisierung so zutreffend wie diese. Egal, wie sehr man sich auch bemüht, es wird sich immer irgendjemand finden, der es anders sieht. Jemand, dem nicht gefällt, was man tut, wie man tut, wer man ist …

Auch wenn es anders viel angenehmer wäre, Ablehnung gehört zum Leben dazu.

Grundsätzlich ist das ja auch in Ordnung, ABER … (wieder einmal ein großes ABER) … als Borderlinerin hatte ich leider das Bedürfnis, mehr noch: das Verlangen danach, von anderen gemocht zu werden. Inklusive dem, was ich so tat. Ablehnung war in gewisser Weise schmerzhaft für mich, weil sie in meiner Wahrnehmung eine Zurückweisung meiner Person bedeutete. Das häufig allerdings nur mein Verhalten abgelehnt wurde, das blieb mir lange verborgen. Selbst heute falle ich manchmal in dieses alte Gefühl des „ich bin nicht OK“ zurück. Sobald ich es bemerke, steuere ich dagegen mit einem Satz in der Art von: „Mein Verhalten gefällt meinem vis-a-vis nicht.“ Danach überlege ich mir, ob zu Recht oder nicht. Vielleicht habe ich ja überzogen reagiert? Vielleicht muss die andere Seite aber auch akzeptieren, dass nicht alles nach ihren Vorstellungen läuft?

Anerkennung im Leben ist eine wunderbare Sache und sie baut jenes Selbstbewusstsein auf, das gefragt ist, wenn Ablehnung auftritt.

Und Ablehnung wird auftreten, früher oder später, denn man kann es nie allen Recht machen (wie schon der heutige Titel verrät). Diesen Versuch habe ich lange unternommen. Er hat mich zweimal ins Burnout geworfen. Es allen Recht machen zu wollen, öffnet Tür und Tor für Ausbeutung und Überlastung. Ja, es gibt sie, jene Menschen, die ungehemmt die ausbeuten, die sich ausbeuten lassen in ihrem krampfhaften Streben nach Anerkennung. Die für ein „gut gemacht“-Leckerli rücksichtlich ihre eigenen Ressourcen und Grenzen überschreiten bis nichts mehr geht.

Unerfüllte Suche nach Anerkennung kann zur Sucht werden. Süchte führen zu fatalen Folgen.

Ich gestehe, ich war süchtig nach Anerkennung.

Ich bin es nicht mehr.

Ich habe gelernt, dass ich es nie allen Recht machen kann. Es wird Menschen geben, die werden ablehnen, was ich tue. Manche werden sogar mich als Person ablehnen. Das ist weder erfreulich noch angenehm für mich, doch ich akzeptiere es als Teil meines Lebens. Es gibt nicht nur romantische Sonnenuntergänge, es gibt auch schlammige Pfützen auf meinem Lebensweg.

Wobei – manchmal macht es Spaß, mit beiden Beinen in eine Pfütze zu springen. Dabei wird vielleicht jemand nass, aber was soll’s? Man kann es nicht allen Recht machen 😉

Ein altmodischer Spaziergang im November

Mein sonntäglicher Spaziergang durch einen herbstlichen Wald mit wolkenverhangenem Himmel im November. Die perfekte Gelegenheit für tiefgründige Gespräche in der Art von: SIE (Borderlinerin, also ich) und ER (Nicht-Borderliner, mein Partner) versuchen aus ihren jeweiligen Welten heraus, den anderen zu verstehen. Genauer gesagt: ER versucht SIE zu verstehen. Dieses Bestreben kann schon in einer „durchschnittlichen“ Beziehung eine Herausforderung darstellen. In unserem speziellen Setting ist es das mit Sicherheit, vor allem wenn mein Interesse, die Vergangenheit noch weiter ins Detail zu zerlegen und zu analysieren eher als schwindend betrachtet werden kann.

Also schlage ich nach einiger Zeit eine thematische Richtungsänderung ein. Weg von der weit zurück liegenden Vergangenheit hin zur Gegenwart bzw. kurzfristigen Vergangenheit. In der Tat beschäftigen mich noch immer einige Ereignisse der vergangenen Woche.

Ich hatte einige Rückmeldungen zu mir als Person bekommen. Insbesondere eine von zwei Menschen, die mich seit 2017 jeweils nur 3-4x innerhalb weniger Wochen, und dann für den Rest des Jahres nicht mehr sehen. Diese beiden haben mich quasi vor JAN/A, während der Veröffentlichung der Erstfassung und eben jetzt kurz nach der Neuauflage erlebt. Beide sind es von ihrem Beruf her gewohnt, genau zu beobachten und rück zumelden. Insofern war ihr übereinstimmendes Feedback an mich, dass ich mich seit 2017 sowohl in meiner Art als auch meiner äußeren Erscheinung und Ausstrahlung sehr positiv verändert habe, für mich ein deutliches Zeichen, dass sich bei mir mehr geändert hatte, als ich bislang annahm.

Meine diesbezüglichen Anmerkungen verhallen im nebeligen Dunst zwischen den Bäumen. ER versucht nach wie vor zu verstehen, wie mein Borderline entstand mit der implizierten Fragestellung: wie kann es gelöst – im Sinne von geheilt – werden? Hier gehen unsere beiden Meinungen deutlich auseinander. Aus meiner Sicht bildet meine „grenzenlose Emotionalität“ den innersten Kern meines Borderline, um den sich spätere Ereignisse gelegt und somit das „Syndrom“ geformt haben. Diese nur schwer zu zähmende Emotionalität ist die treibende Kraft meiner Kreativität und somit keinesfalls zu „behandeln“ oder zu „heilen“. Mein Bestreben ist ein Leben in Balance, was mir inzwischen über weite Strecken sehr zufriedenstellend gelingt. 

Deshalb fokussiere ich mich in der Diskussion erneut auf den Aspekt, WIE mir Teile meiner eigenen Veränderung derart „entgehen“ konnten. Die Rückmeldung aus dem Umfeld war nämlich die Antwort auf die zweite der zirkulären Fragen. Diese werden gerne im Rahmen eines Coachings oder einer Intervention gestellt. Sinngemäß: wenn dies hier gut gelungen ist, woran (1) wirst du erkennen, dass sich etwas verändert hat? Woran (2) wird dein Umfeld erkennen, dass sich etwas verändert hat? Woran (3) wirst du erkennen, dass dein Umfeld erkannt hat, dass sich etwas verändert hat? Woran (4) wird dein Umfeld erkennen, dass du erkannt hast, dass dein Umfeld erkannt hat … das kann man beliebig ausdehnen. Wichtiger als die Fragen an sich ist für mich, dass mein Umfeld offenbar einiges vor mir erkannt hat.

Natürlich interessiert IHN dies wiederum weniger, weil ja weit weg von seinem Kernthema „Heilung“.

Dennoch, ich schlage wieder einen Haken zu meinen eigenen Interessen. Meine „Heilarbeit“ ist gelungen. JAN/A hat als Reframing für mein Borderline funktioniert. Die Rückmeldungen aus dem Umfeld betrachtend: meisterlich funktioniert.

Mehr noch: Ich habe meinem „Dämon“ derart viele liebenswerte Facetten hinzugefügt (keine davon frei erfunden, allesamt nur in mir wiedergefunden), dass ich keine Minute mehr ohne dieses feurige Fünkchen sein möchte. Meine grenzenlose Emotionalität lebe ich hemmungslos beim Schreiben von Gedichten und Geschichten aus. Mein Leben funktioniert in allen Bereichen, privat und beruflich. Heilung? Was ist das? Eine Bestandsaufnahme im Augenblick – so wie eine Diagnose?

Wie viel mehr kann ich erreichen als ein Leben im Einvernehmen mit mir selbst und meinem Umfeld? Wie viel mehr an Zufriedenheit möchte ich erreichen? Aus meiner Sicht gibt es für Zufriedenheit keine Steigerung, und Glück ist für mich unabhängig von äußeren Faktoren. Bin ich also am Ende meiner Suche angekommen?  

Gedacht: Ja

Gefühlt: Ja

Geplant: (um ehrlich zu sein) eher ein glücklicher Zufall

Sollte mir tatsächlich gelungen sein, wonach so viele streben? Noch dazu derart unspektakulär? Oder sprechen viele einfach nicht darüber, obwohl sie es längst ebenfalls erreicht haben? Aber vielleicht erkennen manche die eigene Veränderung auch nicht (so wie ich auch) in vollem Umfang, weil sie gar zu unrealistisch erscheint? Vielleicht ist es auch un-modern geworden, mit sich selbst und seinem Leben zufrieden zu sein, weil man ja eventuell noch mehr (wovon eigentlich) erreichen könnte?

Was soll’s, ich bin gerne altmodisch zufrieden und glücklich😉

Hier noch ein sentimentaler Nachsatz: ich wünschte, ich könnte dir sagen „mach einfach, was ich gemacht habe, und dein Problem löst sich.“ Das wäre gelogen. Mein Weg ist keine allgemein gültige Kopiervorlage, maximal eine kreative Quelle der Inspiration. Nichts desto trotz – ich bin absolut davon überzeugt, dass es für jeden von uns einen individuellen Weg für ein glückliches und zufriedenes Leben gibt. Und ich wäre unendlich dankbar, wenn meine Worten und Geschichten einen Hauch dazu beitragen, dich zu bestärken, deinen Weg zu finden und zu gehen.

WEECKIE (WEEkend QuiCKIE)

Aus den vergangenen Tagen nehme ich ins Wochenende mit … meine Kommentare auf die Fragen, warum dies ein schöner Tag ist. Weil …

… weil ich heute Morgen einen Freund mit meinen Witzen zum Lachen brachte 🙂
… weil ich einen selbst-ironischen Blogbeitrag geschrieben habe, der Morgen gepostet wird 🙂
… weil ich aufwachen durfte in der Umarmung des Mannes, den ich liebe 🙂
… weil es keinen einzigen dieser Gründe braucht, damit es mir gut geht, und dennoch bin ich unendlich dankbar für jeden einzelnen 🙂

Was braucht es mehr?

Ach ja, ein schönes Bild dazu. Danke an https://pixabay.com/de/users/realworkhard-23566/

#feeltheembraceoflife

Wie man sich selbst am Besten im Weg steht … Teil 3

Rückblickend betrachtet  tat ich dies insbesondere auch dadurch, dass ich mich immer und überall mit anderen verglichen habe. Etwas überspitzt dargestellt: Was ein anderer konnte, musste ich genauso gut wenn nicht besser können, sonst wäre ich ja … sagen wir mal nicht gut genug (um es halbwegs nett  zu halten). Das war meine innerste Überzeugung.

Grundsätzlich ist es ja OK, gut sein zu wollen, aber besser als alle anderen? In allem? Das kann niemand erreichen. Mein Scheitern war vorprogrammiert. Fatal, denn mein Selbstwert hing von meinem Erfolg ab. Erfolg war aber nur fallweise und manchmal nur mit extremen Anstrengungen möglich. Abgesehen davon: ich stand permanent mit fast jedem in meinem Umfeld in einer Art Konkurrenzsituation. Zumindest fühlte es sich so für mich an. Die Realität war ein ganz anderes paar Schuhe. Für zwischenmenschliche Beziehungen war das nicht gerade ein förderliches Verhalten.

Ich hatte mir (in meinem Kopf) meine ganz persönliche Hölle auf Erden erschaffen: Nie war ich gut genug und jeder andere, der besser war, war eine potenzielle Gefahr für mich. Klingt schlimm? War es auch. Man könnte es auch einen ausgewachsenen Minderwertigkeitskomplex nennen, denn ich mit Bravour und Arroganz überspielte. Einiges, das ich gern getan hätte (wie einen Roman zu schreiben), umschiffte ich in großem Bogen, denn die Angst vor einem möglichen Scheitern war zu groß, doch ich hätte sie nie offen eingestanden. Stattdessen erfand ich teilweise fantastisch konstruierte Ausreden – und Lügen. Natürlich traf ich häufig auf Unverständnis in meinem Umfeld. Wie hätte es anders sein können.

Die ersten Schritte aus diesem selbstauferlegten Zwangsperfektionismus gelangen mir im Zuge meiner beruflichen Auseinandersetzung mit (das ist kein Scherz, ich meine das Ernst) Optimierung von Prozessen und Qualitätssicherung. Als hätte man den Bock zum Gärtner gemacht … oder der Berg kam zur Prophetin? Der kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP) beinhaltet eine für mich nach wie vor sehr interessante Komponente: Fehler! Das Grauen meiner Vergangenheit.

Fehler = nicht gut genug = nicht angenommen = nicht geliebt = nicht geborgen.

So simpel war einst mein Denkmuster. Wenn Fehler, dann Game over … so funktionieren Videospiele, aber nicht das Leben. Das durfte ich lernen, als ich mich mit der Fehlerkultur des KVP zu befassen man. Trockene Management Tools, aber ich brachte sie in Bezug zu meinem Leben und meinem Verhalten. Allmählich bekamen Fehler einen anderen Stellenwert für mich. Sie wurden zu einem unverzichtbaren Ereignis, aus dem ich lernen und mich weiterentwickeln konnte. Fehler wurden interessant, weil sie kreative Denkprozesse in Gang zu setzen vermochten. Fehler unterbrachen die (meistens langweilige) Routine und ließen etwas Neues entstehen.  So manche meiner beruflichen „Schöpfungen“ entstanden aus Fehlern bzw. den daraus gewonnenen Erkenntnissen.

Wenn nun aber Fehler für mich ihren Schrecken verloren hatten, wie stand es mit der Konkurrenz? Den genauen Zusammenhang habe ich nie herausgefunden, aber zeitgleich mit der Angst vor Fehlern verschwand auch die Angst vor Konkurrenz und deren möglicher Überlegenheit. Ich hörte auf zu vergleichen und begann stattdessen wertungsfrei zu beobachten. Was konnte ich von anderen lernen? Von deren Erfolgen und deren Fehlern? Wie konnten wir es gemeinsam besser machen? Dies öffnete mir die Tür zu zwischenmenschlichen Beziehungen, die auf Kooperation anstatt auf Konkurrenz basierten. Aus diesen Beziehungen wiederum erhielt ich Anerkennung (mehr als  ich mir je erträumt hätte) und daraus erwuchs …? Richtig, das Gefühl angenommen zu werden, so wie ich bin. Das wiederum hatte positive Auswirkungen auf mein Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl … kürzen wir es ab.

Die neue Formel lautet: Fehler = gehört zum Leben = schauen wir mal, was sich damit machen lässt = Gelassenheit und …

… hey, ich habe einen Fehler gemacht. Das ist DER Beweis. Ich bin ein Mensch, kein Roboter. Ich lebe, liebe, mache Fehler … that’s life 😉

… und welches Etikett trägst Du?

Beim Aufräumen am Wochenende fand ich einen Beitrag wieder, den ich im Juli nicht gepostet hatte. Warum auch immer … heute hole ich dies nach.

Das vergangene Wochenende verbrachte ich überwiegend in einem Lese-Marathon. 612 Buchseiten in 3 Tagen, allerdings nicht zum reinen Lesegenuss, sondern um die verbliebenen, sich hartnäckig versteckenden Fehler im Probedruck von JAN/A zu finden.

Seit dem Zeitpunkt des Schreibens waren doch schon mehrere Monate vergangen, so dass einiges zwar vertraut, aber dennoch irgendwie anders auf mich wirkte. Wie z.B. der letzte Absatz im Nachwort:

„Jeder Mensch, ganz gleich ob Borderliner oder nicht, oder welche Varietät des Lebens man eben darstellt, wir alle sehnen uns nach Liebe, Geborgenheit und Anerkennung. Darum dreht sich letztendlich alles im Leben, jede Handlung, jede Motivation lässt sich darauf zurückführen. Finden wir Liebe, Geborgenheit und Anerkennung in uns bzw. in unserem Umfeld, verweilen wir in der Umarmung des Lebens, in tiefer Verbundenheit mit allem rund um uns und in dem Bewusstsein, das alles genau richtig ist, in diesem Augenblick des Lebens.“

Dies brachte mich wieder einmal zum Nachdenken, bzw. förderte eine alt bekannte Ambivalenz zu Tage: Einerseits schreibe ich über Borderline und bekenne mich auch dazu, Borderlinerin zu sein. Anderseits mag ich die Klassifizierung in Borderliner und Nicht-Borderliner überhaupt nicht. Wir sind doch bitte alles Menschen mit denselben grundlegenden Bedürfnissen nach Essen, Trinken und Schlaf. Und darüber hinaus – und nicht weniger existenziell aus meiner Sicht – die Bedürfnisse nach Liebe, Geborgenheit und Anerkennung.

Während ich also gerade über meinen inneren Zwiespalt grüble, entdecke ich einen Beitrag meiner lieben Autoren-Kollegin Franziska Neidt:

„KOMMUNIKATION heißt HIER DAS ZAUBERWORT!
„Borderliner“ sind keine Unmenschen. Im Gegenteil. Die wenigsten Menschen wissen, dass Borderline-Betroffene zum größten Teil sehr hochsensible Menschen sind. Ihre Wahrnehmung, ihre Gefühle sind so stark ausgeprägt, dass dies oft sogar zur Belastung werden kann. Sie spüren Dinge und nehmen Kleinigkeiten wahr, die andere Menschen erst viel später erkennen und spüren.“ (Quelle: Klang der Seele – Mein Leben mit Borderline; von Franziska Neidt)

Ihre Worte bestätigen, was ich in den vergangenen Wochen selbst (wieder-)entdeckt habe: meine eigene Hochsensibilität. Mit Borderline wird mit nicht geboren, es entsteht später. Wodurch? Darüber diskutieren die Experten noch, aber was auch immer sie irgendwann vielleicht herausfinden werden, ich für meinen Teil habe meine Antwort gefunden: auf ein traumatisches frühkindliches Erlebnis folgte ein krasser Mangel an Geborgenheitsgefühl. Dazu eine überbordende Emotionalität aufgrund meiner Hochsensibilität. Für das Umfeld „schwierige“ Verhaltensmuster, Bestrafung als Erziehungsmaßnahme, Druck, Übergriffe … Eins kam zum anderen, auf jede Aktion eine Reaktion und irgendwann war’s dann soweit und ich trug das Etikett „Borderline“.

Dieser Entstehungsprozess dauerte Jahre, und vielleicht wäre es möglich gewesen – bei entsprechender Hilfestellung – zwischendurch auszusteigen, den Prozess zu stoppen oder gar umzukehren. Wer weiß? Ich weiß heute jedenfalls eines mit Sicherheit, nämlich dass sowohl in der Entstehungs- als auch späteren Bestandsphase es immer einen Mangel an den „Big 3“: Liebe, Geborgenheit und Anerkennung gab bzw. mein Unvermögen, selbige wahrzunehmen. Nachdem ich gelernt hatte, die „Big 3“ in mir selbst zu finden, wurde ich von meinem Umfeld unabhängiger und mein Leben bewegte sich Richtung „Normalität“ (was auch immer das bedeuten mag).

Meine über Jahrzehnte gewaltsam (gegen mich selbst) unterdrückte Hochsensibilität ist noch immer (oder wieder) gelebter Teil meiner Persönlichkeit. Bewusster Umgang mit ihr hält mich in Balance und entzieht Borderline-Episoden den emotionalen Zündstoff. ABER (und hier wirklich ein großes ABER) sie macht es auch anstrengend, die Ellbogenmentalität unserer Zeit und Gesellschaft auszuhalten. Ignoranz, Intoleranz, Rücksichtslosigkeit … all das zerrt an meiner inneren Balance. Und wenn ich mich umsehe, dann geht’s nicht nur mir so. Egal, ob Borderliner oder nicht, oder welche Varietät des Lebens man eben darstellt, wir alle sehen uns nach Liebe, Geborgenheit und Anerkennung. Hatten wir das nicht schon mal?

Eine philosophisch-romantische Spekulation: Was auch immer auf deinem Etikett steht, vielleicht ließe es sich mit viel Liebe, Geborgenheit und Anerkennung verändern? Nicht für die Welt. Unser Wahn nach Zuordenbarkeit und Katalogisierung treibt uns dazu, alles und jedem ein Etikett verpassen zu wollen, Normen für alles möglich festzulegen, zu bestimmen, wie viel Emotionalität normal und was zu viel ist. Diesem Drang (oder Zwang) nach Zuschreibung werden wir uns wohl nicht mehr entziehen können, ABER für dich selbst … grenzenlos im Ausmaß und bedingungslos im Gewähren: Liebe, Geborgenheit und Anerkennung, eine unerschöpfliche Ressource in dir selbst. Was wäre anders? Welches Etikett würdest du tragen?

Auf meinem Etikett steht: Lesley

Fragen, Fragen und nochmals Fragen …

Es ist wieder mal eine dieser Phase, in denen ich sehr viel zu tun habe. Im Grunde habe ich immer viel zu tun, nur manchmal nur mehr. Im Grunde will ich irgendwie auch immer viel zu tun zu haben, weil ich es schlichtweg nicht aushalte, wenn mir langweilig ist. Dann werde ich richtig unrund und fange an, unsinnige Dinge zu tun. Wie in dem Werbespot, wo jemand, der auf einen Download wartet, damit beginnt, seine Umgebung mit Post-its zu tapezieren.

Nun frage ich mich hin und wieder, ob ich eine tief verwurzelte Allergie gegen Ruhe und Nichtstun habe. Und wo ich mir die eingefangen haben könnte.

Ruhe – was ist das überhaupt? Bedeutet dass, nichts zu tun? Weniger zu tun? Ruhiger zu tun? Langsamer? Weniger emotional? Strebe ich nach Ruhe, weil es zu viel wird? Oder zu laut? Oder geht’s mir gar nicht um Ruhe? Ständig an meiner Belastungsgrenze entlang durch den Arbeitsalltag zu laufen ist anstrengend. Auf der anderen Seite auch irgendwie reizvoll – solange alles gut läuft. Solange ich durchhalte. Solange … bis es eben anders ist. Bis der Gedanke an Ruhe wieder verlockend wird. Ein ständiges Hin und Her.

Wo beginnt Langeweile? Kann ich Ruhe überhaupt zulassen und genießen? Stillstand geht definitiv nicht. Wobei – Stillstand gibt es ja genau genommen nicht. Alles ist stets in Veränderung. Manchmal nur sehr langsam, aber dennoch.

Und so kreisen meine Gedanken unaufhörlich.

Manche könnten jetzt sagen: OK, so wird das nichts mit Ruhe. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Je mehr ich über einzelne Themen wie „Ruhe versus Langeweile“ nachdenke, desto ruhiger werde ich, weil ich in der unbeschreiblichen Vielfalt meiner Gedanken und Ideen bildlich gesprochen „die Spreu vom Weizen“ trenne. Anders gesagt: ich finde heraus, was ich wirklich will und brauche; lasse mich von scheinbar verlockenden Ideen nicht in die nächste Sackgasse führen. Und weil ich nicht mehr alles und jedes tun will und muss, nimmt das letztendlich viel Last von meinen Schultern und Druck aus meinem Leben.

Hinterfragen und reflektieren – das ist ein wesentlicher Aspekt meiner Lebensphilosophie und meines Alltags. Unterscheiden und Entscheiden. Was passt zu mir? Was nicht? Heute landet viel mehr im „Ideen-Mülleimer“ als früher. Gleichzeitig vermisse ich nichts und genieße das, was ich tue und habe, mehr als früher.

Quantität versus Qualität?

Wer weiß?

Auch darüber werde ich noch ausgiebig sinnieren.