STARKE MENSCHEN WEINEN IM STILLEN

Es gibt Phasen in meinem Leben, da blicke ich auf die zurückliegende Woche und denke mir: Wie hat all das Platz gefunden in 7×24 Stunden? Die vergangene Woche war eine von diesen. Unter all dem, was geschah, sticht ein Ereignis heraus, das mich mehr als alle anderen berührt.

Wieder einmal traf ich auf einen Menschen, der zurückblieb, als ein anderer ging. Ein geliebter Mensch, von vielen geschätzt, der in sich ein strahlendes Licht trug – und tiefste Finsternis. Letzteres wusste kaum jemand, weshalb es umso mehr schockierte, als dieser geliebte Mensch freiwillig ging und jene anderen zurückließ, verzweifelt fragend, nach Erklärungen suchend.

Einer dieser zurückgebliebenen Menschen traf also auf mich. Auf eine, die ein strahlendes Licht in sich trägt, ebenso wie tiefste Finsternis, und die offen darüber spricht, wie es ist, hin und her gerissen durch dieses Leben zu wandeln, das eine nicht ohne das andere sein zu können – und nach langem den Frieden in sich gefunden zu haben.

Es war nicht das erste Zusammentreffen dieser Art – und wird nicht das letzte gewesen sein.

Für mich war es ein „Wink des Schicksals“, mich wieder verstärkt jenen zuzuwenden, die danebenstehen und nicht begreifen können, was in ihren Liebsten geschieht. Vielleicht helfen meine folgenden Gedankengänge, einen neuen Blickwinkel zu eröffnen:

Menschen mit „psychischen Problemen“, sei es nun Borderline, Depressionen, Bipolarität und anderen Formen/Symptomen unter dem Hashtag Persönlichkeitsstörung sind weder schwach noch Versager. Ganz im Gegenteil. Viele unter ihnen sind sehr starke Menschen, denn es gelingt ihnen, über Jahre und Jahrzehnte ihr „Problem“ zu verbergen, im Alltag Rollen zu spielen, die kräftezehrend und belastend sind. Erst hinter verschlossenen Türen, wenn nur noch wenige Vertraute um sie sind oder manchmal auch niemand mehr, fallen die Masken, tritt der ungelöste innere Konflikt zu Tage und mit ihm die Zweifel an sich selbst bis hin zur Verzweiflung.

Starke Menschen weinen im Stillen.

Es mangelt ihnen nicht an Kraft, aber an Wissen um das, was sie fremdsteuert, ebenso wie es an der Fähigkeit mangelt, damit umzugehen, ihr psychisches und/oder seelisches Gleichgewicht selbständig in Balance zu halten.

Woher sollten sie es auch können?

Der Blick nach innen, die Reise zu sich selbst, die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und was immer sich dort findet … all das gehört für manche Menschen zum Alltag, aber für viele andere nicht.

Weil es sie nicht interessiert.

Weil sie nicht in einem Umfeld aufgewachsen sind, das sie dazu ermutigt hat.

Weil unsere Gesellschaft grundsätzlich mehr auf die Oberfläche als unter sie blickt.

Weil sie Angst vor dem haben, was sie vielleicht finden könnten.

Weil vielleicht etwas gänzlich anderes sie davon abhält.

Was auch immer es ist, es verhindert, dass diese Menschen lernen, in sich die Balance zwischen „Licht und Dunkelheit“ (wie ich es gerne romantisch nenne) herzustellen. Dieses Gleichgewicht wurde/wird bei den meisten Menschen irgendwann im Laufe des Lebens erschüttert (z.B. durch Verluste, traumatische Erlebnisse und dergleichen). Die Einen finden zurück ins Gleichgewicht, andere nicht. In ihnen wirkt Tag für Tag nach, was sie einst erschüttert hat, verstärkt durch das, was folgte, bis hin zum alltäglichen Rollenspiel.

Die Auswege aus diesem Dilemma sind so vielfältig wie die Menschen selbst, doch ihre Richtung ist stets dieselbe: der Blick nach innen, die Reise zu sich selbst.

Kleine bunte Pillen lösen keine dieser Probleme, sondern kehren sie unter einen farbenfrohen Teppich. Mehr nicht. Keine Pille der Welt ist in der Lage, eine Traumatisierung aufzulösen. Weder lässt sie das Geschehene vergessen noch eine neue Einstellung dazu gewinnen. Sie unterdrückt, was gelöst werden will, und damit verhindert sie auch die Rückkehr in den inneren Frieden.

Lösen kann man nur jenes, auf das man blickt, mit dem man sich befasst. Manchmal allein, ein anderes Mal mit Unterstützung. Auflösung ist ein aktiver, bewusster Prozess, der durch in ein offenes, wertschätzendes Umfeld unterstützt werden kann.

Wer sich auf die Reise zu sich selbst macht, wird dabei so manchem begegnen, das möglicherweise alten Schmerz wachruft, das lieber vergessen sein will, doch da gilt es hindurchzugehen. Weiß man Menschen an seiner Seite, die nicht (ver)urteilen, nicht die Richtung oder das Tempo vorgeben wollen, sondern einfach begleiten und Halt geben, wenn man diesen braucht, dann können die Herausforderungen dieser Reise leichter gemeistert werden.

Wer mit einem Gipsbein durch die Welt humpelt, wird als vorübergehend eingeschränkt wahrgenommen und es wird Rücksicht genommen. Gilt das auch für jene, die mitten in einer Depression stecken und den Kopf hängen lassen? Oder bekommen sie zu hören: „Reiß dich zusammen. Anderen geht’s auch dreckig und sie machen trotzdem weiter.“ Wer will schon als schwach gelten?

Starke Menschen weinen im Stillen, aber sie weinen.

Jeder von uns kann einen Teil dazu beitragen, das es für diese starke Menschen leichter wird, zu bleiben, indem wir anfangen, ein Umfeld zu erschaffen, das Halt gibt auf der Reise zu sich selbst.

Weg von (Vor)Urteilen, hin zu Respekt und Wertschätzung.

Vielleicht müssen starke Menschen dann nicht mehr im Stillen weinen.

Vielleicht kommt sogar der Tag, an dem sie aufhören zu weinen, weil sie angekommen sind und geschätzt werden als die, die sie sind.

Eine wunderschöne Vorstellung.

Bild: https://pixabay.com/de/photos/sonnenuntergang-frieden-einsamkeit-1207326/

GEDANKEN ZU KRIEG UND FRIEDEN

Manchen Fragen kann man sich nicht entziehen. Zumindest mir geht es so. Kann ich an das immanente Gute im Menschen glauben angesichts dessen, was Menschen in diesem Augenblick gar nicht so weit von hier anrichten? Spoiler: JA! Wie ich zu diesem JA komme, erläutere ich in meinen folgenden Gedankengängen:

Krieg ist etwas Entsetzliches.

Egal, was manche auch glauben, es gibt keine Gewinner. Jede Menge unschuldige Opfer. Einige wenige, die laut Krieg schreien – und sehr viele, die dem Ruf folgen und marschieren. Einer allein kann keinen Krieg führen, wenn andere nicht mitmachen.

Warum schreien die einen? Warum machen die anderen mit?

Aus Angst? Gier? Wut? Rache? Machtgelüste, Minderwertigkeit, … vermutlich lässt sich die Aufzählung noch lange weiterführen, aber mit ziemlicher Sicherheit werden sich weder Punkte wie Respekt, Toleranz, Wertschätzung, Vertrauen und dergleichen darunter finden.

Wer im Außen den Krieg sucht, trägt den Krieg längst in sich.

Deshalb ist es auch so schwierig, Kriege zu beenden. Frieden lässt sich nicht kaufen, nicht dauerhaft. Weder im Außen noch im Inneren eines Menschen.

Innerer Frieden bedeutet, sich der ursprünglichen menschlichen Instinkte des Kampfes bewusst zu sein, den aggressiven Emotionen zuzustimmen, doch sich nicht von ihnen bestimmen zu lassen. Angst oder Wut zu negieren, halte ich für zutiefst ungesund. JEDE menschliche Emotion erfüllt einen Zweck, hat ihre „guten“ und „schlechten“ Seiten. Einige davon aus sich herauszuschneiden, führt nur zur emotionalen Selbstverstümmelung.

Was jedoch möglich ist und auch das Ziel einer bewussten, achtsamen Lebensführung sein sollte, ist das Reflektieren der eigenen Emotionen und situationsbezogen das Transformieren. Vereinfacht gesagt: Auch wenn mich jemand wütend macht, muss ich dieser Person nicht die Zähne einschlagen.

Krieg, Konflikt, Konfrontation … dahinter steht das Muster „wir gegen die anderen“. Ein weitverbreitetes Muster. Um es zu erkennen, braucht es nicht den Blick in Kriegsgebiete. Es genügt sich umzuschauen. Über Jahrzehnte wurde Konkurrenzdenken und Ellbogenmentalität in unserer Gesellschaft kultiviert. Rücksichtlosigkeit im Straßenverkehr – der Krieg des kleinen Menschen, mitunter mit tödlichen Folgen.

Solange der weitaus überwiegende Teil einer globalen Gesellschaft unreflektiert und achtlos durch den Alltag stolpert, ist die Menschheit weit entfernt von nachhaltigem Frieden.

Solange die Menschen den Krieg in sich tragen, nicht im inneren Frieden angekommen sind und Kooperation über kleinliches Ego-Geplänkel stellt, wird es immer wieder zu Konflikten kommen, die mal mehr, mal weniger eskalieren.

Krieg ist auch eine effektive Ablenkung von den existenziellen Problemen, welche die Spezies Mensch nur gemeinsam und global lösen kann. Weder ein Mensch noch ein Land oder Kontingent kann das allein tun. Wir haben ein Paradies in eine Müllhalde verwandelt. Doch anstatt sich um diese Herausforderung zu kümmern, rasseln manche der Mächtigen mit den Säbeln und tragen ihren inneren Krieg in die Welt hinaus.

Das macht mich traurig – und wütend. Aber ich lasse nicht zu, dass diese Wut mich bestimmt. Denn Wut gebiert wiederum Wut. Wut ist gut für den Kampf, doch Wut umarmt nicht, gibt keinen Halt, keine Geborgenheit, keinen Frieden.

Wir dürfen nicht zulassen, dass die verabscheuenswürdigen Handlungen anderer den Krieg in uns hineintragen, in unser Denken und Fühlen.  

Wer den Krieg (in sich) beenden will, muss dem Frieden (in sich) zustimmen. Umarmen, was da ist und den Weg der Kooperation einschlagen. Gemeinsam an Lösungen arbeiten. In den Unterschieden das Gemeinsame erkennen, das Verbindende vor das Trennende reihen. Im Denken und im Handeln.

Wenn die Menschheit geschlossen diesen Weg einschlägt, dann werden alle Kriege enden.

JA, ich glaube an das Gute im Menschen.

Wenn ich zu diesen Gedankengängen fähig bin – und ich bin nur ein Mensch wie jeder andere auch – dann sind es auch andere. Die Veränderung einer Gesellschaft geschieht nicht von oben herab befohlen, sondern von innen heraus durch Umdenken. Achtsamkeit hilft dabei, in Zeiten wie diesen den Glauben an das Gute und die Hoffnung zu bewahren.

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INSIGHT/INSIDE BORDERLINE

Borderline? Das sind Jugendliche, die sich die Arme ritzen, richtig?

Falsch! Das ist nur die klischeehafte Spitze des Eisbergs. Nur ein kleiner Teil der Betroffenen greift zur Klinge. Die weitaus meisten verletzen sich auf andere Art und Weise, sind gefangen in destruktiven Verhaltensmustern jeglicher Art, können sich selbst nicht verstehen … oder stoppen.

INSIGHT/INSIDE BORDERLINE

Impulsvortrag & Diskussionsrunde
am Dienstag, 14. Juni 2022, von 20:00-21:30 Uhr

*** Exklusiv für Teilnehmende des

Nach mehr als 3 Jahrzehnten in den „Klauen meines Borderline-Syndroms“ breche ich das Schweigen:

  • erzähle von der kaum nachvollziehbaren Gedanken- und Gefühlswelt
  • von der emotionalen Achterbahnfahrt; dem unheilvollen Drang zu zerstören, was gut läuft
  • von Gefühlen, die kaum auszuhalten sind in ihrer Intensität bis hin zum absoluten Nichts-fühlen
  • von Todessehnsucht und der Angst davor im nächsten Augenblick zu sterben
  • von inneren Widersprüchen und Täuschungen, all das vor der Welt zu verbergen
  • von der ewigen Suche nach dem, das sich nicht benennen lässt
  • und wie daraus ein positives Leben voller Lebensfreude, Achtsamkeit und Selbstsorge wurde.

Laut Expertenschätzung sind 20% der Jugendlichen vom Borderline-Syndrom mehr oder weniger stark betroffen.  Doch Borderline ist keine „Kinderkrankheit“. Der Anteil in der Gesamtbevölkerung liegt bei ca. 10%. In diesem Augenblick könnte ein Betroffener neben Ihnen stehen und Sie würden es höchstwahrscheinlich nicht erkennen, denn Borderliner sind Meister des Verbergens. Doch in diesen Menschen brodelt etwas, das 1 von 10 durch Suizid aus dem Leben scheiden lässt… und ratlose Angehörige fragen sich anschließend, wie es so weit kommen konnte.

Deshalb spreche ich über Borderline.

  • Weil es nicht so weit kommen muss.
  • Weil es andere Wege gibt.
  • Weil die Welt mehr Farben als schwarz/weiß hat.
  • Weil ein glückliches Leben auch für Borderliner erreichbar ist.

Du möchtest den Impulsvortrag live erleben? Dann melde Dich gleich hier für den Online Kongress WIR SIND an und schreib eine e-Mail an lesley.b.strong@gmx.net. Den Link zum Zoom-Raum erhältst du 24 Stunden vorab per e-Mail von mir.

Mindset, Selbstfürsorge, Bewusstseinswandel … das sind nur wenige Schlagworte, die einen ersten Einblick über die Themenvielfalt des des Online Kongress WIR SIND bieten … Special Days widmen sich den Schwerpunkten Mobbing, Jugend, Baby … international renommierte Speaker und Influencer bringen es auf den Punkt … WIR SIND

Bild: pixabay.com

TESTE DICH SCHNELL MAL

Selbsttest sind ziemlich populär – leider nicht nur in Bezug auf das C-Virus. Und – wie mir in einigen Gespräche der vergangenen Woche aufgefallen ist – auch Eigendiagnosen bzw. das Diagnostizieren anderer. Selbstredend bezieht sich meine Einleitung nicht auf medizinisches Personal, sondern Menschen gänzlicher anderer Professionen. Eine wunderbare Gelegenheit, um neuerlich auf folgendes hinzuweisen:

Finger weg von Borderline-Schnelltests, derer es so einige im World Wi(l)d Web gibt.

Ich halte sie allesamt für den falschen Weg.

Warum?

Ganz einfach. Wer sich die Mühe macht, ein wenig zum Thema Borderline zu recherchieren, wird dabei u.a. auf DSM-5 treffen.

DSM-5 ist das Klassifikationssystem der American Psychiatric Association, dass die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) im Kapitel Persönlichkeitsstörungen verzeichnet (wo auch sonst?). Sehr vereinfacht gesagt, listet es 9 typische Symptome auf, von denen 5 erfüllt sein müssen, um von einer BPS ausgehen zu können.

Mittlerweile gibt es auch ein DSM-5 Alternativ-Modell mit Unterkategorien, die 2 von 4 bzw. 4 von 7 Treffer für eine Diagnose heranziehen.

„Ritzen“ oder „Schneiden“ wird in keinem der Modelle explizit genannt. Lediglich der Begriff „Selbstverletzung“ wird genannt. Selbstverletzung kann vieles sein. Abgesehen davon …

… wer sich die Listen aufmerksam durchliest, wird vielleicht ebenso wie ich zu der Erkenntnis gelangen, dass sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit jeder Mensch im Laufe seines Lebens mindestens einmal in einer Phase befinden wird, in der „5 aus 9“ zutreffen. Sind deshalb alle Borderliner? Nein, denn es handelt sich um eine Momentaufnahme. Um verantwortungsvoll eine Diagnose treffen zu können, braucht es mehr als das.

Meine eigene Diagnose erhielt ich Mitte Vierzig, aber nicht, weil ich plötzlich „erkrankt“ war, sondern weil ich mein zweites Burnout hinter mir hatte. Im Zuge der therapeutischen Arbeit blickten wir auf mein Leben zurück. Dabei zeigten sich wiederkehrende Muster, sowohl in Handlungen als auch in meiner Gefühlswelt. Nachdem ich damals bereit war, erstmals offen über das zu sprechen, was ich zuvor stets unter dem Teppich belassen hatte, nämlich wie ich wirklich fühle und was ich wahrnehme, ergab sich nach einigen Monaten intensiver Reflexion ein eindeutiges Bild bzw. eine Diagnose.

Dankenswerterweise hatte ich einen Therapeuten, dem es wichtiger wahr, mich dabei zu unterstützen, mit meinem Leben gut zurecht zu kommen, als eine Diagnose zu formulieren. Vielleicht hätte er dies bereits Jahre davor tun können, z.B. nach meinem ersten Burnout (da war ich noch nicht bei ihm in Therapie). Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die Diagnose damals mit Vehemenz abgelehnt hätte, war ich doch davon überzeugt, die anderen hätte mich in den Zusammenbruch getrieben durch die Ausbeutung meiner Gutmütigkeit, durch zu hoch gesteckte Ziele, durch dies und das und was auch immer … ich lebte damals in der Opferrolle. Wie hätte ich da annehmen können, „anders“ zu sein – obwohl ich innerlich immer spürte, „anders“ zu sein.

Verleugnen, verdrängen, ver-rücken … ein nettes Wortspiel. Die Realität oder das, was man davon wahrnimmt, wird so lange „ver-rückt“, bis sie dem entspricht, was man akzeptieren kann. Ver-rückt man zu lange, besteht die Gefahr, eines Tages „verrückt“ zu werden und zu bleiben, nicht mehr in die allgemeingültige Realität zurückzufinden. Dieser spannende Gedankengang wurde mir einst von meiner geschätzten Lucy vermittelt, findet sich aber auch in diverser Literatur zu Psychosomatik und Psychologie.

Heute bin ich dankbar, dass die Diagnose erst zu einem Zeitpunkt ausgesprochen wurde, als ich sie auch annehmen und damit umgehen konnte. Interessanterweise hätte ich mich selbst davor nie als Borderlinerin gesehen. Ich doch nicht! Ich ritze mich nicht, wie kann ich da Borderlinerin sein? Wie so manch andere, reduzierte ich das Thema auf einen Aspekt von vielen, übersah die Zusammenhänge, das große Ganze, meinen eigenen blinden Fleck …

Eine Borderline-Diagnose ist kein eingewachsener Zehennagel. Der ist zwar unangenehm, aber diese Diagnose kein man auch als Laie recht einfach stellen bzw. eindeutig spüren. Borderline ist diffus, komplex und veränderlich. „Normale“ Phasen lösen sich mit Episoden ab. Wer in einer Krise seines Lebens einen Selbsttest vornimmt, kann eine Weiche auf ein falsches Gleis legen, von dem er oder sie dann nicht mehr loskommt. Deshalb …

Finger weg von Selbsttests!

Die Thematik ist derart umfangreich, dass man sie kaum überblicken kann. Es gibt sogar Studien aus Asien, die Selbstverletzendes Verhalten (SVV) nicht in Zusammenhang mit BPS sehen, sondern zwei getrennte Störungen.

Ich stehe heute auf diesem Standpunkt:

Ganz egal, welches Etikett das „Problem“ bekommt, es existiert in mir, verursacht Stress und ein Ungleichgewicht in meinem Leben, und deshalb ist es meine Verantwortung, einen Weg zu finden, die Balance wiederherzustellen. Punkt.

Und nochmal …

Finger weg von Selbsttests!

Ersatzweise empfehle ich 3x täglich die Frage: Heute schon gelächelt? Lächeln ist gesund … auch das findet man im World Wi(l)d Web 😊

WENN – DANN … ODER DOCH: ES IST!

Das Leben liefert doch immer wieder Stoff für Beiträge. Ich habe einige Zeit überlegt, wie ich das heutige am besten niederschreibe, dann es könnte leicht missverstanden werden. Am besten, ich fange einfach mal an …

Mein WordPress-Blog ist so eingerichtet, dass sämtliche Kommentare durch mich als Admin freigeschalten werden müssen, bevor sie öffentlich sichtbar sind. Ein ganz normales Prozedere, das in vielen Workshops zu kritischer Medienkompetenz und Sicherheit im Netz empfohlen wird.

Vor wenigen Tagen fand ich ein paar interessante Kommentare von einem User, der bereits mehrfach kommentiert hat, anfangs ganz lieb und nett, in Folge veränderte sich der Ton. Ich habe die letzten Kommentare nicht mehr freigeschalten, da ich das, was sie in mir auslösten, in diesem Beitrag ein wenig durchleuchten möchten:

„Funktioniert dein Leben? Bist du glücklich? Wenn Gott gewollt hätte, dass wir Menschen glücklich wären, dann hätte er uns nicht aus dem Paradiese vertrieben .. 🙂“

Auf diesen Kommentar hätte ich mit „Ich weiß nicht, ob es einen Gott gibt und welchen Plan er/sie mit den Menschen hat, aber mein Leben funktioniert und ich bin glücklich – auch ohne dieses Wissen“… ich hätte auf diese Weise geantwortet, wäre da nicht noch ein Kommentar gewesen:

„PS: „Dein Kommentar muss noch freigeschaltet werden.“ Zeugt nicht gerade von Vertrauen in deine Mitmenschen, wenn du die Kommentare erst nach Überprüfung freigibst 😉 Handelt so ein glücklicher Mensch?“

Vielleicht war es ja witzig gemeint, aber in meinem Linguistinnen-Ohr schrillte eine Alarmglocke und in großen Lettern prangte vor meinem geistigen Auge die Frage: „Was bitte hat das eine mit dem anderen zu tun?“ Was haben technische Blog-Einstellungen damit zu tun, ob ich ein glücklicher Mensch bin? Oder anders gefragt: Kann ich nur dann ein glücklicher Mensch sein, wenn ich meinen Blog (für dessen Inhalte ich verantwortlich gemacht werden kann) für jegliche Tastenspiele freigebe?

Wenn – dann … komplexe Äquivalenz? Echt jetzt? Manipulation oder Unwissenheit darüber, was da sprachlich gerade angestellt wird? Zu diesem Zeitpunkt schwankte ich noch, auf welche Weise ich antworten sollte. Aber die Entscheidung wurde mir mit dem nächsten (freizugebenden) Kommentar deutlich erleichtert:

„Liebe kann auch tiefe Schmerzen verursachen. Denk an Hölderlin, der sich aufgrund einer unglücklichen Liebe in den Wahnsinn flüchtete. Die Liebe kann sehr tragisch enden. Man kann natürlich sagen: „Dann war es keine Liebe, sondern Vereinnahmung .. usw. blabla .. In der Theorie ist alles möglich. Aber die Realität zeigt den Stachel der Liebe. Alles andere ist Esoterik und Wunschdenken. Freut mich, dass du glücklich bist .. Aber wie schon gesagt: Ich hab das Gefühl, dass du dich selbst belügst .. Das gibt ein böses Erwachen irgendwann, ein harter Aufprall .. Ich wünschte, ich irrte mich ..“

Der vorletzte Satz ist (linguistisch betrachtet) hellseherisch auf mein Leben bezogen und wird durch den letzten nochmal in seiner ultimativen, negativen Aussage bestätigt. Eine Generalisierung mit einer Tilgung.

Danke, aber ich weise jegliche externe Prognosen über mein Leben entschieden zurück.

Ich diskutiere sehr gerne mit Menschen über ALLE Themen des Lebens, aber nicht auf diese Weise. Gegenüber „Zuschreibungen“ (Das gibt ein böses Erwachen …) reagiere ich ziemlich sensibel. Jegliche Zuschreibung, auch eine vordergründig positive (Du bist super) ist letztendlich etwas, das einer dem anderen „zuschreibt“, sich also über den anderen stellt und ihn bewertet – und damit das Gegenteil der gewaltfreien Kommunikation, wie sie Marshal Rosenberg formulierte.

Wenn ich meine Brille als Kommunikationstrainerin aufsetze, entdecke ich in den Kommentaren auch ein Muster: Unabhängig vom Beginn enden sie mit einer negativen Botschaft. Das macht mich traurig und nachdenklich, was wohl den Verfasser zu diesen Gedanken veranlasst.

Ich halte mich für eine philosophische Pragmatikerin, die auf das blickt, was es ist, in diesem Augenblick; die stets für möglich hält, dass etwas Wunderbares geschieht – und ich bin Realistin. Krisenmanagement ist ein wichtiger Teil meines Jobs und ohne nüchterne Betrachtung der Realität nicht möglich. Dennoch … wenn ich spazieren gehe und auf meinem Weg finden sich auf der einen Seite ein Hundehäufchen und auf der anderen ein Blümchen, sehe ich beides und entscheide mich bewusst, die Stimmung des Blümchens an mich heranzulassen.

Natürlich könnte man auch diese beiden Schlussfolgerungen ziehen:

Wenn du auf das Hundehäufchen blickst, dann wird dein Leben irgendwann in der Scheiße enden.

Wenn du auf das Blümchen blickst, dann wirst du glücklich sein.

Das wären Klassiker im Sinne von positiv/negativ, aber beides wären hellseherische Zuschreibungen. Wer weiß schon, wie ein anderer Mensch innen drin gestrickt ist und was welche Wirkung auslöst? Das wissen die meisten Menschen von sich selbst nicht.

Ich weiß nur eines: Ohne Zuschreibungen würden sich die Menschen so manche Missverständnisse und Konflikte ersparen. In der Kommunikation bei „es ist, was es (für mich) ist“ zu bleiben, erfordert Achtsamkeit.

P.S.: Kommentare werden auch weiterhin erst nach meiner Freischaltung sichtbar sind und solange sie niemand verletzen, diskriminieren oder in einer anderen Art und Weise anstößig sind.

P.P.S.: Keine Ahnung, ob es auf Gottes Agenda so steht, aber ich bin glücklich 😊

P.P.P.S.: Auf meinem Balkon blühen bereits die ersten Krokusse 😊

LIEBE IST … UND NOCH VIEL MEHR

Der Valentinstag steht vor der Tür. DIE Gelegenheit für ein paar Gedanken rund um ein Thema, das wie kaum ein anderes die Menschen beschäftigt: LIEBE

Ob romantische Liebe oder platonische, die Liebe zu einem höheren Wesen, den eigenen Kindern oder dem nächsten Menschen, der Natur und allem, was in ihr lebt, die Liebe zur Kunst, zum Sport, zu was auch immer … diese Liste könnte noch lange fortgeführt werden. Unbeantwortet bleibt die Frage: Was ist Liebe eigentlich?

Die Psychologie findet weitaus pragmatischere Erklärungen für dieses Phänomen als die hinterfragende Philosophie – was wenig verwundert. Spiritualität fügt eine weitere Dimension hinzu. Die Biologie sollte auch nicht außer Acht gelassen werden. Doch wer hat Recht? Vielleicht haben es alle – und keiner. Vielleicht ist Liebe ein Mysterium, das nicht enträtselt werden will.

Liebe kann das Leben ungeheuer kompliziert machen – und auch ganz einfach.

Liebe kann ein Feuerwerk an Emotionen auslösen – und ein Gefühl sein, das alle anderen überstrahlt.

Liebe scheint manchmal unerklärlich – und fühlt sich doch richtig an.

Liebe macht uns verwundbar – und berührbar.

Liebe könnte ein Schlüssel zur Rettung der Menschheit sein, sie könnte Kriege und Umweltzerstörung beenden, uns jene Wege beschreiten lassen, die nötig sind.

Wer liebt, hat stets das Wohl des anderen im Sinn.

Liebe kann aus vollem Herzen geteilt werden, ohne sich je zu erschöpfen. Im Gegenteil, sie wird mehr, je mehr wir davon weitergeben.

Liebe dich selbst … dies ist der erste Schritt.

Wie du deinen nächsten liebst … denn du kannst nur geben, was du in dir trägst.

Liebe braucht keine PR-Agenturen, keine Marketing-Strategien oder photoshop-optimierte Bilder … sie begnügt sich mit Menschen, die mit offenen Herzen hinaus gehen in diese Welt und ihrem Nächsten ein Lächeln schenken, ein freundliches Wort, eine Umarmung, etwas ohne Zweck, doch mit viel Sinn, das nichts kostet, und genau deshalb so wertvoll ist: LIEBE

Liebe ist … und noch viel mehr.

Für alle, die so wie ich mit einer romantischen Ader geboren wurden, hier eines meiner Gedichte, das von Liebe inspiriert wurde und wunderbar zum Valentinstag passt:

Bild: pixabay.com

Guten Morgen, mein Herz

Zart streifen mich die frühen Sonnenstrahlen dieses Morgens,
holen mich in die Realität eines neuen Tages voller Möglichkeiten.
Mein erster Gedanke eilt lächelnd zu dir.
Welches Wunder dir wohl heute begegnen wird?
Vielleicht wird es ein kleiner Schmetterling sein,
farbenprächtig schillernd im hellen Licht des Tages,
der sich auf deiner Schulter niederlässt,
und dir leise ins Ohr flüstert:

„Öffne dein Herz und lausche meinen Worten.
Halt nicht fest, was auf deiner Seele lastet.
Lass es ziehen mit dem Wind, der jene dunklen Wolken über uns mit sich nimmt,
den Himmel weitet für das strahlende Blau und das wärmende Licht der Sonne.

Öffne dein Herz und lausche meinen Worten.
Schaffe Raum für das Wunderbare, das auf dich wartet,
da draußen in den Weiten der zu entdeckenden Welt,
die so viele sein kann und dabei stets das wird, was du in dir erwartest.

Öffne dein Herz und lausche meinen Worten.
Nimm an, was der Zufall dir schenkt,
in dem Wissen, das jeder noch so langen Nacht ein neuer Morgen folgt,
so wie dieser, an dem ich mich auf deiner Schulter niederlasse.

Öffne dein Herz und lausche meinen Worten.
Reise mit mir auf den Schwingen des Windes,
voller Leichtigkeit und Lebensfreude auf einem Sonnenstrahl,
von der Morgenröte bis zum Sonnenuntergang und darüber hinaus.

Öffne dein Herz und lausche meinen Worten.
erkenne das Wunderbare, das dir seine Hand entgegenstreckt,
in all den kleinen Gesten und Dingen, die dir begegnen,
und fühle, dass es dir bestimmt ist, vom Leben umarmt zu sein.

Öffne dein Herz und lausche meinen Worten“,
so spricht der kleine Schmetterling und schließt für einen Augenblick seine Flügel.
Als er sie erneut entfaltet, legen sie sich gleich einem schützenden Mantel um deine Schultern,
hüllen dich ein und tragen dich voller Leichtigkeit und Lebensfreude durch diesen Tag,
bis zum Sonnenuntergang und darüber hinaus.
Guten Morgen, mein Herz.

© Lesley B. Strong 2022

VON TÄTERN UND OPFERN

Vor wenigen Tagen erfuhr ich, das mein Expartner, der seit unserer Trennung (die von ihm ausging) jeglichen Kontakt zu mir ablehnt, einen schweren Unfall hatte und seither mit einigen Einschränkungen lebt.

Mein erster Gedanke war, bei ihm vorbeizuschauen und nachzufragen, ob er was braucht und ich helfen kann. Immerhin waren wir fast 25 Jahre liiert und auch wenn wir seit 1,5 Jahren getrennte Wege gehen, helfe ich wenn es nötig ist.

Im nächsten Schritt erzählte ich meinem Sohn von meinem Vorhaben, der entsetzt reagierte. Ob ich vergessen hätte, dass ich von einem Tag auf den anderen auf der Straße (bzw. auf dem Sofa meines Sohnes) gelandet bin? Ob ich ernsthaft alles ausblende, was damals geschehen ist? Gute Argumente.

Also setzte ich mich in Ruhe hin und fühlte ich mich hinein.

Nein, ich hatte nichts vergessen oder ausgeblendet. Die Ereignisse rund um die Trennung waren mir bewusst.

Was mein Sohn (und vermutlich einige andere auch) nicht verstehen kann: Ich sehe meinen Expartner nicht als Täter. Die Trennung traf mich damals wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Extreme Emotionen, allerdings nicht auf meiner Seite (der Borderlinerin, wo man sie erwartet hätte), sondern auf seiner. Über Jahre und Jahrzehnte Unterdrücktes und Aufgestautes (auch aus einer Zeit vor mir) brach explosionsartig in aggressiver Form an die Oberfläche.

Es wäre ein leichtes, die Schuld bzw. Verantwortung für all das meinem Expartner zu übertragen und ihn damit in die Täterrolle zu schieben. Doch so einfach ist es nicht – für mich. In dem Augenblick, in dem ich meinen Ex zum Täter mache, erkläre ich mich selbst zum Opfer. Hilflos. Machtlos. Ausgeliefert. Das war ich nicht.

Ich konnte mir selbst helfen bzw. mir Hilfe von anderen holen.

Ich hatte ich Macht, eine Entscheidung für mein Leben zu treffen und sie umzusetzen.

Ich ging auf meinen eigenen Beinen durch eine Tür hinaus und durch eine andere in mein neues Leben hinein.

Ich war kein Opfer. Ich bin kein Opfer.

Der Logik folgend war und ist mein Expartner kein Täter.

Wir lebten lange Zeit eine Beziehungsdynamik, die ich heute als toxisch bezeichne. Doch bis kurz vor dem Aus stimmte ich (bewusst oder unbewusst) dieser Dynamik zu und blieb, obwohl ich weder hilflos noch machtlos oder ausgeliefert war.

Wenn ich meine eigenen Gedankengänge aus der Metaposition heraus betrachte, erkenne ich den geistigen Einfluss von Viktor Frankl. Insbesondere dieses Zitat von ihm spiegelt sich in meinen Überlegungen wider:

„Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen.“

Wenn ich mich entscheide, in meinem Expartner keinen Täter oder Feind zu sehen, geschieht dies aus meiner menschlichen Freiheit in der Wahl der Einstellung. Ebenso wie ich mich entscheide, mir selbst eine starke Rolle zu geben. Gewiss, manches hätte ich früher erkennen können, andere Handlungen setzen usw. Nun, wir alle machen Fehler, und aus einigen lernen wir hoffentlich auch. Aber ich war kein hilfloses, machtloses, ausgeliefertes Opfer.

Für mich ist es sehr wichtig, die Täter-Opfer-Dynamik aus den Ereignissen herauszunehmen, um ein starkes Fundament für das zu schaffen, das darauf aufbaut: mein aktuelles Leben.

Ziemlich sicher beeinflusst hier Bert Hellinger mit seinem Buch „Anerkennen was ist: Gespräche über Verstrickungen und Lösungen“ meine Denkansätze.

Ein wenig provokant formuliert meine Essenz in Bezug auf die Trennung: „Wer sich ewiglich in der Opferrolle suhlt, bleibt ebenso lange an den Täter gebunden. Freiheit beginnt mit dem Loslassen (der Opfer-/Täterrollen)“.

Das Ganze hat für mich auch nichts mit positivem Denken, Vergebung oder ähnlichem zu tun. Es geht schlichtweg um ein pragmatisches: Es ist, was es ist.

Das Leben kann schwarz/weiß betrachtet werden, oder bunt – alles eine Freiheit der Einstellung.

Möglicherweise bereiten diese Zeilen manchen Menschen nachdenkliche Stunden.

Verstrickungen sind tückische Fallstricke. Lösungen erfordern mitunter ein Loslösen von alten Denkmustern.

Ich war (noch) nicht bei meinem Expartner. Mein Bauchgefühl ist noch unschlüssig in Bezug auf den richtigen Zeitpunkt. Meine Einstellung dazu habe jedoch ich gefunden.

Bild: pixabay.com