180° am Morgen

Wieder einmal wollte ich einen Beitrag basierend auf den Ereignissen der vergangenen Tage. Während ich also darüberschrieb, was geschehen war, warum welche Handlungen von Menschen nicht zielführend sind und wie sie sich selbst im Wege stehen, bemerkte ich, wie meine eigene Stimmung in den Keller sank.

Ich schaltete mein Laptop aus und ging schlafen.

Heute lief ich frühmorgens durch den Wald und reflektierte all das noch einmal. Meine ausgeprägte Fähigkeit, komplexe Systeme zu erfassen und vorhandene Fehler zu entdecken, wurde über Jahrzehnte trainiert und optimiert. Sie trägt heute einen wesentlichen Teil dazu bei, in meinem Job erfolgreich zu sein. Gleichzeitig belastet sie mich, weil meine Emotionen meinen Gedanken folgen. Immerhin habe ich einen Weg gefunden, die Balance zu halten und nicht wie in der Vergangenheit in einer Abwärtsspirale gefangen zu sein.

Will ich das auch in meiner Freizeit? In Lesleys Bubble? Mich ständig mit Problemen befassen? Problemen, die nicht meine eigenen sind? In meinen Leben gibt es aktuell keine ungelösten Probleme. Anders gesagt: Mein Leben ist in Ordnung. Warum mich also mit Problemen beschäftigen, an einem herrlichen Sommermorgen, während eines Waldlaufs? Welche Wahrnehmungsfilter waren gerade aktiv?

Probleme besitzen eine Art von Magnetismus, der magisch auf menschliches Denken wirkt. Sie ziehen förmlich unsere Aufmerksamkeit auf sich. Vielleicht weil das Lösen von komplexen Problemstellungen uns als Spezies überleben ließ? Wäre eine plausible Erklärung. Leider versteckt sich darin auch eine gefährliche Dynamik, die verhindert, einfach da Hier und Jetzt zu genießen. Hinter dem nächsten Baum könnte etwas lauern. Vielleicht sogar ein Problem?

Ich traf also eine bewusste Entscheidung und lenkte meine Gedanken zurück auf den schlammigen Boden unter mir. Hier und jetzt. Ein schattiger Waldweg. Vögel zwitscherten und ein Hauch von Sommer lag in der Luft. Schmutzige Laufschuhe. Alles bestens. „Don’t stop me now“ von Queen als musikalische Untermalung. Was will ich mehr? Nichts! Ich habe alles. Ich habe mich und die Fähigkeit, mich selbst auf Kurs zu halten.

Wenige Schritte später bog ich auf einen Weg ab, der zwischen zwei blühenden Sommerwiesen in der Morgensonne liegt. Am Wegrand leuchteten die ersten blauen Blüten der Wegwarten. Solange ich zurückdenken kann, mochte ich die Wegwarte. Keine Blätter, krautige Stängel und strahlendblaue Blüten. Viele Jahre später erfuhr ich von den Mythen, die sich um diese Pflanzen ranken. Die Heilpflanze des Jahres 2020 ist für mich stets ein Symbol für Ausdauer und Kraft. Ein Wink des Schicksals, ihr just in diesem Augenblick zu begegnen, als ich meine eigene Gedankenenergie in andere Bahnen lenkte? Zufall? Bestimmung? Oder eine Neuausrichtung der Wahrnehmungsfilter, dass ich sie an diesem Morgen zwischen all den anderen Pflanze am Wegrand erblickte? Ist die Antwort auf diese Fragen wichtig? Oder das, was geschehen ist? Ich lief weiter auf meinem Weg, lächelnd, strahlte wieder jene Lebensfreude aus, die ich in mir fühlte, nachdem ich alle problembehafteten Gedanken beiseitegeschoben hatte, und machte mir bewusst, was Freddie Mercury mir über die Ohrstöpsel erzählte:

… an amazing feeling is coming through … oh ja …  I was born to love you every single day of my life.

Ich weiß nicht, an wen Freddy diese Worte richtete, aber ich richte sie an mich selbst, an den Teil von mir, von dem ich nie wirklich getrennt war, trotzdem es eine Weile lang dachte/fühlte und wenn ich mich zu lange und zu intensiv mit Problemen beschäftigte, es auch wieder denke/fühle.

Manchmal, wenn ich zu tief in der Welt der Probleme versinke, braucht es diese 180° Grad-Wende, um wieder zu fühlen, wer ich bin, immer war und immer sein werden: Ein feuriger Funken Lebensfreude, tanzend auf den Schwingen des Windes über eine sonnendurchflutete Wiese, über schneebedeckte Gipfel und durch das flüsternde Blätterdach des Waldes.

Ich umarme meinen Drachen, dessen feuriger Atem all die Probleme in Flammen aufgehen lässt, aus denen sich schildernd mein Phönix der Lebensfreude erhebt.

Diese Metapher mag kindlich wirken, doch sie ist derart abstrakt, dass mein kritischer Verstand sie nicht zerpflücken kann, ihre Botschaft in meinem Unterbewusstsein ankommt und dort ungebremst ihre Wirkung entfaltet.

Und so bin ich in den heutigen Tag gestartet, der in Folge noch ein paar sehr erfreuliche Momente für mich bereit hatte. Wie hätte es auch anders sein können. Meine Wahrnehmungsfilter waren auf positives ausgerichtet. Probleme konnte ich an diesem Tag soweit das Auge reichte keine erkennen. Vielleicht waren sie da, für andere, aber nicht in meiner Wahrnehmung, denn mein Leben ist in Ordnung. Ich bin in Ordnung, voll und ganz.

5 Sätze, die deine Zukunft verändern können

„HIER und JETZT stellen sich die Weichen für die Zukunft und jeder entscheidet selbst, auf welchem Gleis er/sie die Reise fortsetzt.“

Diesen Satz schrieb ich gestern als ich ziemlich unter Dampf stand und er drückt ein sehr intensives Gefühl aus, das allerdings ein wenig „Kontext“ braucht, um verstanden zu werden.

In den letzten Tagen erlebte ich sowohl auf beruflicher Ebene als auch in diversen Selbsthilfegruppen vermehrt eine innere Haltung bei anderen Menschen, die ich als schwierig empfinde. Heute. Früher war das anders. Früher lebte ich selbst in dieser Haltung. Vielleicht fällt es mir genau deshalb heute schwer zu akzeptieren, wenn andere in ihr verharren, weil ich weiß, was daraus entsteht.

Symptomatisch für diese Haltung sind Aussagen, die mit „Ich kann nicht …“ oder „Das geht nicht …“ oder „Das ist nicht möglich …“ beginnen. Ich denke, jeder kennt Sätze dieser Art und kann sich vorstellen, wie sie weiter ausformuliert sein können. Ich denke auch, viele dieser Sätze entsprechen nicht der Wahrheit, sondern sind eher vorgeschoben um dahinter Unsicherheit, Angst, Bequemlichkeit, Unwissen oder anderes zu verbergen. Oder wie meine weise Lucy zu sagen pflegte:

„Ich kann nicht, heißt ich will nicht.“

Dieser Satz von Lucy war manchmal für mich echt schwer zu nehmen, denn er sagt gerade heraus, was die anderen verschleiern: Verweigerung. Oder auch: Festhalten am Problem.

Meistens bedenken die Menschen, die solche Sätze der Verweigerung verwenden, allerdings nicht, welche Auswirkungen diese Sätze haben. Einerseits an der Oberfläche des Alltäglichen, z.B. gegenüber anderen Menschen (oder Vorgesetzten), die darin eine Art von Problemfokussierung, mangelnde Motivation, Engagement etc. sehen könnten (und das auch häufig tun). Andererseits unter der Oberfläche, also auf das eigene Unterbewusstsein.

„Egal, was du sagst, einer hört dir immer zu: du selbst.“

Mit diesem im Mentaltraining häufig zitierten Satz ist gemeint, dass jedes – wirklich JEDES – Wort, das wir denken, sprechen, schreiben, lesen oder hören, von unserem Unterbewusstsein wahrgenommen wird und zur Programmierung unseres inneren Bildes beiträgt. Und das unser ganzes Leben lang! Unser inneres Bild wiederum beeinflusst unseren Selbstwert, Selbstvertrauen, Selbstliebe, Handlungskompetenz, Geschicklichkeit, Lernfähigkeit und vieles mehr … bis hin zu unserem Immunsystem und der Biochemie unseres Körpers. Unglaublich? Wer daran zweifelt, möge bitte zum Thema „Epigenetik“ recherchieren. Sehr zu empfehlen sind die Werke von Dr. Joe Dispenza, aber es gibt auch zahlreiche andere, die über dieses Thema schreiben, und überzeugende Beweise vorliegen, dass jeder – wirklich JEDER – Gedanke, der unserem Gehirn entspringt, auf uns mannigfaltig wirkt.

Unglücklicherweise können wir häufig nicht beeinflussen, was andere uns gegenüber äußern, aber zumindest können wir darauf achten, was wir freiwillig an „Berieselung“ konsumieren bzw. selbst an Gedankengut produzieren. Wobei hier auch die Wechselwirkung zwischen innerem Bild und unseren Gedanken und Gefühlen zu beachten ist. Da die meisten Gedanken unbewusst entstehen, spiegeln die daraus entspringenden Worte ihrerseits das innere Bild wider.

Oder wie Christian Friedrich Hebbel schon sagte: „Wer die Menschen kennen lernen will, der studiere ihre Entschuldigungsgründe.“

Wie auch immer. Vereinfacht gesagt gilt: Es braucht Zeit und Ausdauer, um ein über viele Jahre etabliertes inneres Bild zu verwandeln. Dennoch ist es möglich!

Zurück zu meinem Eingangssatz. Die Weichen für die Zukunft, also wo es mit jedem einzelnen von uns hingeht, stellen sich mit jedem einzelnen Wort, das wir ersinnen. Manche mögen glauben, dass es die großen Entscheidungen sind, die unser Leben verändern, aber die sind es nur ganz selten. Vielleicht bringen uns die großen Entscheidungen dazu, unseren Job oder den Wohnsitz zu wechseln, aber werden wir dadurch ein anderer Mensch? Überwinden wir dadurch tief in uns verwurzelte Ängste oder Sorgen? Verändert sich dadurch unser Selbstbild? Wohl kaum. Nicht umsonst heißt es, man kann vor sich selbst nicht davonlaufen. Probleme, die ihren Ursprung in uns haben, lassen sich nicht durch äußere Veränderungen lösen. Und manche werden vielleicht schon bemerkt haben, dass in neuer Umgebung nach einiger Zeit alte Problemstellungen wie von Zauberhand erneut auftauchen.

Die Kleinigkeiten im Leben machen den Unterschied, bringen die Veränderung. Jedes einzelne Wort entscheidet darüber, wie andere mich wahrnehmen (was auch einen Beitrag zu meiner beruflichen Karriere leisten kann) und wie ich mich selbst programmiere bzw. entwickle.

Oder wie ich es öfters formuliere: Es ist ähnlich wie mit der Erdanziehungskraft. Ganz egal, ob man sie versteht, oder daran glaubt, sie wirkt und hält uns mit den Füßen am Boden fest – und manchmal fallen wir ihretwegen auf den Allerwertesten. Jeder Gedanke, jedes einzelne Wort wirkt auf uns, ob man das versteht oder daran glaubt, ist unwichtig, es geschieht trotzdem.

Vor ein paar Tagen entsprang noch ein Satz meinem Denken, beiläufig in einem Gespräch, als ich gefragt wurde, wie ich seit Oktober 2017 neben meinem Fulltime Stress-Job stattliche vier Bücher mit insgesamt rund 1.800 Seiten veröffentlichen konnte und noch immer eine funktionierende Partnerschaft habe. Meine Antwort darauf war:

„Nachdem ich aufgehört hatte, krampfhaft ein Problem in mir selbst aufrecht zu erhalten, wurde plötzlich eine Menge Energie frei, um das zu tun, was mir Freude bereitet.“

Mein „Problem“ hieß Borderline. Indem ich jedoch aufhörte, es als „Problem“ zu betrachten und das nicht nur als einmalige, große Entscheidung postulierte, sondern seither täglich etliche Male auf verschiedene Weise artikulierte, das Potenzial von Borderline konstruktiv einzusetzen, stellte und stelle ich die Weichen für mich in eine neue Richtung, in die ich seither unterwegs bin.

Nur um nicht missverstanden zu werden: Ich behaupte NICHT, dass allein ein paar positive Affirmationen zu sich selbst Borderline heilen. ABER ich behaupte sehr wohl, dass eine Veränderung der inneren Haltung zu sich selbst, die über jedes – wirkliches JEDES – einzelne Wort beeinflusst wird, die Basis dafür ist, dass ein Heilungsprozess überhaupt erst erfolgreich stattfinden kann.

In diesem Sinne:

Die Zukunft jedes einzelnen von uns beginnt HIER und JETZT. Sie entspringt jedem einzelnen Wort und wird genährt von der Botschaft, die wir damit täglich in die Welt nach außen und gleichzeitig in das Universum in uns senden.