DIE ULTIMATIVE THERAPIE …

… ist das Leben selbst – aus meiner Sicht. Wer sich mit offenen Sinnen achtsam durch die Welt bewegt, dabei die Begebenheiten möglichst wertfrei reflektiert, wird sich selbst auf eine Weise kennenlernen, die Einblicke in die verborgensten Winkel der Seele ermöglicht und für sich selbst Wege finden, die kein anderer erdenken könnte.

Das sah ich nicht immer so.

Zu Beginn meiner Reise zu mir selbst – vor rund 3 Jahrzehnten – dachte ich ganz anders. Ganz am Anfang erwartete ich des Rätsels Lösung von jemand anderem, oder zumindest die Anleitung dafür. Später ging ich davon aus, ich müsste alles aus meiner Vergangenheit zuerst bearbeiten und auflösen, bevor ich in der Gegenwart glücklich werden könnte. Also begann ich, mich in meine Vergangenheit vorzuarbeiten. Das ähnelte dem Spiel mit Matrioschka-Puppen. Sobald eine geöffnet war, tauchte unterhalb die nächste auf, dann die übernächste und so weiter. Nur – im Gegensatz zu den Matrioschka-Puppen – endete es nicht. Vielmehr dämmerte mir, es mit einer Art Endlosschleife zu tun zu haben.

Vor einigen Wochen stolperte ich über ein an dieser Stelle passendes Zitat:

„Die großen Lebensprobleme sind nie auf immer gelöst. Sind sie es einmal anscheinend, so ist es immer ein Verlust. Der Sinn und Zweck scheint nicht in ihrer Lösung zu liegen, sondern darin, dass wir unablässig an ihnen arbeiten. Das allein bewahrt vor Verdummung und Versteinerung.“ C.G. Jung

Sinngemäß sehe ich nun in Lebensproblemen Endlos-Matrioschka-Puppen. Was wiederum nicht weiter problematisch ist, denn seit 2017 pflege ich einen gänzlich anderen Therapieansatz: „Arbeite daran, im Hier und Jetzt gut zurecht zu kommen, ohne für alles die infinite Erklärung in der Vergangenheit gefunden zu haben.“ Aus heutiger Sicht hat mich das wesentlich weitergebracht als die Jahrzehnte davor. Wobei es sich ein wenig wie die Sache mit der Henne und dem Ei verhält. Schlüssig lässt sich nicht beantworten, ob ohne dem ersten Therapieansatz, der zweite auf selbige Weise funktioniert hätte.

Wie auch immer.

Auch beim gegenwartsorientierten Therapieansatz blieb und bleibe ich nicht davon verschont, dass hin und wieder etwas aus der Vergangenheit aufpoppt. Auch Themen, die ich längst abgehakt glaubte (siehe C.G. Jung). Ich jongliere also immer noch mit Endlos-Matrioschka-Puppen. Dennoch ist es anders.

Inwiefern?

Nun, ich hole etwas aus, um dies nachvollziehbarer zu machen.

Wenn ich mich in der Gegenwart voll und ganz als die annehme, die ich bin, mit allen wunderbaren Aspekten meiner komplexen Persönlichkeiten ebenso wie mit jenen, die auf den ersten Blick schwieriger, bisweilen sogar als düster eingestuft werden könnten, dann stimme ich meiner Gesamtheit zu. Ohne Wenn und Aber. 100% ich bin OK. Das gibt enorm viel Kraft, (Selbst)Liebe und (Selbst)Vertrauen. Auch für jene Momente, in denen „Altes“ aufpoppt und die Aufmerksamkeit auf etwas lenkt, was ich schon erledigt glaubte, nicht erneut ansehen möchte …

Aus dem Gefühl heraus, im Hier und Jetzt in Ordnung zu sein. Das, was auch immer es einst war, gut überstanden und in meine Kraft gefunden zu haben. Aus diesem Gefühl heraus fällt es mir (und ich denke, das kann man durchaus verallgemeinern) wesentlich leichter, mich mit einer Endlos-Matrioschka zu befassen, vielleicht bislang unbekannte Aspekte daran zu erkennen, sie zu integrieren und auf diese Weise weiter zu wachsen.

Womit ich bei meiner persönlichen ultimativen Therapie angekommen wäre.

Fokus auf die Gegenwart. Achtsamkeit anstatt von Bewertung. Dankbarkeit für all das, was mir das Leben schenkt auf meiner Reise zu und mit mir selbst. Die Vergangenheit ist vorbei, auch wenn ein Teil von mir (mein inneres Kind) noch manchmal in den Erinnerungen und Gefühlen von damals verharrt. Dieses Kind in den Arm zu nehmen und zu mir in die Gegenwart zu holen, das kann ich deshalb tun, weil ich diese Gegenwart als die für mich existente anerkenne. Wie absolut alles in diesem Universum hat auch diese Gegenwart viele Gesichter (oder Seiten). Ebenso wie ich die Freiheit habe, einen der unendlich vielen Standpunkte einzunehmen, um auf diese Gegenwart zu blicken.

In dieser Gegenwart sitze ich auf einem Bett, lausche den Klängen der Piano-Version von „Always on my mind“ (wie passend 😉) und tippe diese Zeilen. Vermutlich habe ich nicht alles aufgelöst, was in meinem Unterbewusstsein verborgen liegt, doch das ist nicht gar nicht nötig, damit es mir in dieser Gegenwart gut geht.

Vielleicht wird mir morgen der Himmel auf den Kopf fallen, aber heute tut er das offensichtlich nicht. Heute bin ich einfach glücklich.

Ich bin dankbar, weil ich in den vergangenen Tagen wunderschöne Momente erleben durfte. Aus dieser Dankbarkeit heraus entspringt ein Gefühl, für das ich noch keine passenden Worte gefunden habe. Es gibt den Begriff „umami“ (nicht süß, nicht salzig, nicht sauer und auch nicht bitter), der im Schmecken irgendwie nichts und doch gleichzeitig alles beschreibt. Ein ähnliches Wort im Fühlen suche ich noch. Im ehestens beschreibt es „eins-sein“, wobei dieses „eins-sein“ sich im Laufe meines Lebens verändert hat. Früher war es ein Hauch dessen, was es heute ist. Alles bewegt sich, alles verändert sich. Leben bedeutet Veränderung. Wie könnte sich eine Therapie dem entziehen? Das Leben ist (für mich) die ultimative Therapie. Wobei – im Wortsinn bedeutet Therapie die „Heilbehandlung einer Krankheit“. Das Leben heilt also, wenn wir uns darauf einlassen, mit offenen Sinnen achtsam durch die Welt gehen …

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AUSSER TAKT …

… und trotzdem auf Kurs, das ist mein aktueller Status. Seit beinahe 4 Wochen läuft in meiner WG das Projekt „Umbau“ in Kombination mit einer Entrümpelung, deren Ausmaß mir vorher nicht annähernd bewusst war. Vereinfacht gesagt: Seit 4 Wochen lebe ich im Chaos. Liebgewonnene Routinen – und sei es nur die Nutzung der Küchenspüle – sind mit dem Abriss der Küche weggefallen. An ihre Stelle trat die Logistik von Müllsäcken, Kartons jeglicher Art, Körben, Möbeln, Schutt, Material … diverse Fahrten in Baumärkte … Umbau halt, wie ihn vermutlich jeder von uns kennt.

Und auch nicht – vermutlich.

Das für mich gänzlich neue an dieser Baustelle ist die zwar kreativ-chaotische Umsetzung mit nahezu täglichen Veränderungen, dennoch geschieht all dies friedlich, achtsam, wertschätzend, mit viel Humor und Freude am Tun. Wenn Zwei am selben Strang ziehen, fügt sich eins ins andere. Da braucht es weder lange Planung noch endlose Diskussionen. Vor 4 Wochen entstand spontan die Idee zur Umgestaltung.

Es begann mit dem Austausch des Kühlschranks und führte innerhalb weniger Tage zur kompletten Umgestaltung von vier Räumen, inklusive Böden, Ausmalen … und einer neuen Küche, die in wenigen Tagen voll funktionsfähig sein wird.

Erzähle ich davon in meinem Freundeskreis, werde ich durchwegs fassungslos angestarrt. „Wie geht das alles in so kurzer Zeit?“ lautet die Unisono-Frage. Ehrlich gesagt, habe ich keine Antwort darauf. Es läuft einfach. Schritt für Schritt. Zwei Köpfe werfen ihre geballte Lebenserfahrung in einen Topf und daraus entsteht eine Blaupause, die wechselseitig optimiert wird, ohne dass eine Seite darüber verärgert ist.

Harmonisches Miteinander. Ein Novum in meinem Leben.

Eines, das ich nie wieder missen möchte.

Eines, das so vieles in so kurzer Zeit möglich macht.

Eines, das geniale Ergebnis hervorbringt.

Eines, das sich so richtig rund anfühlt.

Vielleicht bin ich gar nicht außer Takt. Möglicherweise bin ich endlich im für mich richtigen Takt angekommen.

Ganz bei mir und in meiner Mitte.

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ÜBER WEGE UND REISENDE

Vor wenigen Tagen entstand das heutige Titelbild während eines abendlichen Waldspaziergangs. Gestern gesellte sich ein paar lebensphilosophische Gedanken dazu, die ich heute hier teilen und auch näher auf die Hintergründe eingehen möchte:

Wer einen neuen Weg in unbekanntes Terrain einschlägt, muss damit rechnen, auch mal vom Weg abzukommen, bevor das Ziel erreicht ist.

Wer aus Angst davor, sich zu verirren, am Start verharrt, wird nie ankommen.

Wer glaubt, unbekanntes Terrain nur im Außen zu finden und keinesfalls in sich selbst (weil man sich selbst ja kennt), wird einige Überraschungen erleben.

Wer sich mit einer gesunden Portion Neugier und Vertrauen auf die Reise macht, wird Wunderbares entdecken.

Ach ja, zwischendurch nach dem Weg zu fragen ist voll OK und ein Zeichen von gesundem Menschenverstand 😉

All jene, die mich inzwischen ein wenig kennen, vermuten nun zu Recht, dass einige Begegnungen mit „Menschen auf dem Weg“ (sprich: Reisenden) zu diesen Gedanken geführt haben. Worte, die auch einen mahnenden Aspekt in sich tragen, wachsam und achtsam zu bleiben, um nicht der Selbsttäuschung zu erliegen.

Wenn ich dies im Umfeld erkennen kann, hat es immer auch etwas mit mir zu tun.

Nun, auch ich begebe mich derzeit auf einen neuen Weg in unbekanntes Terrain. Ein paar überholte innere Bilder gilt es für mich zu verändern. Aufräumen in der untersten Schublade, in der sich unangebrachte Schuldgefühle verstecken, die wiederum ihrerseits schmerzhafte zwischenmenschliche Dynamiken befeuern.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie tief all dies verwurzelt ist. Selbst wenn mein Umfeld nun ein anderes ist und auch von den Menschen rund um mich agiert wird, wartet ein Teil von mir die ganze Zeit über, dass wieder das geschieht, was ich über Jahrzehnte erlebt hatte, insbesondere Fremdbestimmung.

Doch sie bleibt aus.

Ganz im Gegenteil.

Wertschätzende Kooperation und Kommunikation nehmen nun jenen Platz ein. Das ist für mich (noch) ungewohnt. Ich bin also eine Reisende auf neuem Terrain, auf einem Weg ins (noch) Unbekannte. Doch es fühlt sich richtig gut an!

Ich entdecke eine wunderbare Seite des Lebens: Beziehungen (gleich welcher Art) können frei von Unterdrückung, Schmerz oder Machtkämpfen gelebt werden. Selbst Herausforderungen (wie z.B. eine unerwartete Baustelle im XXL-Format) lassen sich gemeinsam mit Leichtigkeit und harmonisch meistern.

Eine vollkommen neue Erfahrung in meinem Leben.

Eine sehr begrüßenswerte Erfahrung.

Eine Erfahrung, die meine Zukunft bestimmen wird.

Das neue Terrain mag noch ungewohnt sein, doch es ist nicht mehr gänzlich fremd und unbekannt. Es wird von Tag zu Tag vertrauter, der Weg klarer, die daraus entstehenden positiven Effekte vielfältiger. Es ist einfach … amazing 😊

Allerdings gibt es auch einen kleinen Haken an dem Ganzen. Eine Art von „Bedingung“, um diese positiven Effekte zu generieren: ich durfte im Vorfeld ALLE Konflikte in mir verabschieden. Keine Vorwürfe oder Schuldzuweisungen, weder an andere noch an mich selbst. Dem Leben und dem was ist, voll und ganz zustimmen. Das bedeutet nicht, alles gutzuheißen, aber auch nicht, es zu verurteilen.

WERTFREI … ein magisches Wort, das im Kern aussagt: FREI von WERTUNGEN. Es ist, was es ist. Dem Leben und allem, was sich darin findet, ohne Urteil zu begegnen.

Im Grunde kenne ich all diese „Formeln“ seit vielen Jahren, aber offenbar ist es mir erst jetzt gelungen, sie wirklich bis in die tiefen Ebenen meines Unterbewusstseins zu integrieren. Deutlicher als je zuvor nehme ich wahr, wenn mir etwas oder jemand schadet – direkt oder indirekt. Früher habe ich vieles ignoriert und toleriert um des lieben Friedenswillen.

Heute reise ich auf einem neuen Weg, achte darauf, WERTFREI zu bleiben, und entdecke die FREIHEIT, die sich dahinter verbirgt. All das WUNDERBARE, das ich nicht sehen konnte, solange ich auf Wertungen starrte – und finde Menschen, die ebenso wie ich all dies zu schätzen wissen.

Es hat sich gelohnt, ab und an nach dem Weg zu fragen.

DAS GEHEIMNIS MEINES ERFOLGES

Oder: Wie es mir gelingt, trotz (oder aufgrund) meines Borderline-Syndroms ein glückliches, erfolgreiches Leben zu führen

Welch ein Titel, den ich für meinen heutigen Blog gewählt habe! Aber irgendwie ist mir gerade danach. In den vergangenen Tagen hatte ich einige Gespräche mit Menschen, die kaum einen gemeinsamen Nenner haben – außer mich zu kennen. Sie sind bereits seit längerem Teil meines Lebens oder haben mich gerade erst kennengelernt. Wie auch immer die Begegnung stattfand – Face to Face, Chat, Telefonat – irgendwie landeten wir früher oder später an dem Punkt Borderline und wie wunderbar ich nicht damit umgehe.

Anerkennung in dieser Form geht runter wie Öl …

… aber sie ist auch ein wenig „schmierig“, denn für mich ist das, was ich tue und wie ich lebe, alltäglich, also nichts Außergewöhnliches. Ich freue mich darüber, meinen aktuellen Status erreicht zu haben. Gleichzeitig halte ich es für möglich, dass jede und jeder dies auch erreichen kann, wenn …

Hier steigen wir nun ins eigentliche Thema ein.

… WENN die Stolpersteine, Fallgruben und sonstige Hindernisse gemeistert werden.

Oder anders gefragt: WAS kann den Erfolg (auf der Reise zu sich selbst, zu einem Leben voller Lebensfreude, Selbstliebe und sonstigen wunderbaren Gefühlen) verhindern?

Die Antwort ist so simpel wie zutreffend: ICH. Also jeder von uns, denn wir stehen uns immer selbst im Weg. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, das wir selbst für unseren Erfolg im Leben – und damit meine ich nicht Geld, Status oder dergleichen, sondern all das, was sich mit Geld nicht erwerben lässt und wonach sich vermutlich jeder von uns sehnt: Seelenfrieden, Geborgenheit, (Selbst)Liebe, …

Manche Weisheitslehren definieren das Streben danach als jenen Weg, welcher das ultimative Ziel des Menschseins darstellt.

Weniger philosophisch betrachtet liegt einfach ein enormer Benefit darin, mit sich selbst und der Welt rundum im Einvernehmen zu leben. Der Stresspegel in unserem Leben wird dadurch drastisch reduziert, ganz gleich ob im Job, Privatleben oder generell.

Zurück zu den Stolpersteinen. WAS verhindert den Erfolg? Hier meine persönlichen Favoriten des Scheiterns (oder Auslöser für weitere Lernrunden und Umwege):

Gut bedeutet nicht besser: Wenn es mir so richtig dreckig ging, war die Motivation für Veränderung und Weiterentwicklung stets am höchsten. Ich MUSSTE und wollte etwas tun. Kaum war das Schlimmste überstanden und „Normalität“ stellte sich ein, verschwand der Drive, trat anderes (zumeist Banalitäten) in den Vordergrund. Dabei hatte ich gerade einmal das Tief überwunden. Von Veränderung oder Weiterentwicklung keine Spur. Ich war erneut beim Ausgangspunkt gelandet. Es ging mir vorübergehend wieder gut, aber eine dauerhafte Verbesserung hatte ich nicht erreicht.

Erkenntnisse sind wie Seifenblasen: schillernd, faszinierend, kurzlebig. Unzählige bahnbrechende Erkenntnisse erhellten meinen Lebensweg gleich einer Seifenblase, doch sie bewegten erstmal nichts. Erst wenn auf eine Erkenntnis konkrete Überlegungen, Strategien und vor allem UMSETZUNG derselben folgte, entfalteten diese geistigen Seifenblasen ihr Potenzial. An der Umsetzung, also am TUN scheiden sich die Geister, denn …

Erfolg bedeutet immer auch Arbeit – und zwar konsequente mit allem, was dazugehört: scheitern, hinfallen, aufstehen, reflektieren, lernen, adaptieren, … in der Industrie wurden Qualitätssicherungsprozesse entwickelt (z.B. PDCA-Zyklen), die sich wunderbar auch im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung einsetzen lassen. Lange Phasen der Stagnation lehrten mich, den Weg der kleinen, konsequenten Schritte, gegenüber Sprintaktionen zu präferieren. Nachhaltiges Wachstum entsteht eben nicht von jetzt auf gleich.

Delegieren ist keine Option: Persönlichkeitsentwicklung (und dazu gehört für mich auch jede Form der Psychotherapie, deren Ziel es ist, uns dabei anzuleiten, uns zu bewussten, eigenverantwortlichen, handlungs- und beziehungsfähigen, selbstreflektierten und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten zu entwickeln) kann zwar von anderen angeleitet und/oder begleitet werden, aber die anderen können nicht für uns tun. Oft genug suchte ich nach jemanden, der meine Probleme für mich löst, weil „ich armes Opfer es ja nicht allein schaffen würde“. Damit lag ich absolut falsch. Ich schaffte es aus eigener Kraft, manchmal mit Begleitung, manchmal allein. Es genügt, auf das zurückliegende Jahr zu blicken, was ich in diesem Jahr privat und beruflich alles gemeistert habe, um mir bewusst zu machen, wieviel ich schaffen kann, wenn ich mit mir selbst im Reinen bin.

Willst du Recht haben oder glücklich sein? Gerade in der Opferrolle ist „gerechtfertigter Groll“ auf die Täter nachvollziehbar – und ein Hindernis, um Frieden zu finden. Eine gute Gelegenheit, um auf Victor Frankl und sein Buch „Trotzdem JA zum Leben sagen“ zu verweisen. Solange ich an der Anklage gegen die Täter in meinem Leben festhielt, versagte ich mir selbst die Chance auf Heilwerdung. Es geht nicht darum, zu vergessen, noch nicht mal um Vergebung, sondern um Loslassen des Schmerzes um frei zu werden vom Leid. Wer leidet, kann nicht gleichzeitig glücklich in der Umarmung des Lebens verweilen.

Nix is fix – und hier gleich die nächste Gelegenheit für einen Verweis auf einen, von dem ich so einiges lernen durfte (auch wenn ich dieses Zitat erst entdeckte, nachdem ich selbige Beobachtung auf meinem Lebensweg gemacht hatte):

„Die großen Lebensprobleme sind nie auf immer gelöst. Sind sie es einmal anscheinend, so ist es immer ein Verlust. Der Sinn und Zweck scheint nicht in ihrer Lösung zu liegen, sondern darin, dass wir unablässig an ihnen arbeiten. Das allein bewahrt vor Verdummung und Versteinerung.“ C.G. Jung

Die Reise zu sich selbst (auch Selbstfindung oder Persönlichkeitsentwicklung genannt) scheint eine Tour von A (Geburt) nach B (Tod) zu sein, mit etlichen Stationen, manchen Irr- und Umwegen, einigen Tälern, wunderbaren Höhen, all dies in sich wiederholenden Runden und vielem mehr, das wir noch lange nicht verstehen. Deshalb gibt es meiner Ansicht auch nicht den Punkt, an dem wir uns zurücklehnen können und sagen: „So, ich bin fertig.“ Leben bedeutet Veränderung. Das gilt global. Dem kann sich auch der Mensch nicht entziehen. Gewiss, wir können es negieren, aber das Leben sorgt schon dafür, dass wir die Konsequenzen zu spüren bekommen.

Jede und jeder von uns hat die Chance auf ein glückliches, erfolgreiches (wie auch immer jede und jeder für sich Erfolg definiert) Leben. In den seltensten Fällen (mir persönlich ist keiner bekannt) fällt einem dieser Erfolg in den Schoß, doch – so meine Überzeugung – er ist wert, sich ordentlich dafür anzustrengen.

… außerdem ist ein unzufriedenes Leben auch anstrengend. Wenn schon Anstrengung, dann bitte für das angenehme Ziel 😉

Bild: pixabay.com

7 DAYS LATER …

Ein mystischer Zeitraum. Wurde nicht angeblich die Welt in 7 Tagen erschaffen? Meine eigene Welt (oder Bubble) wurde definitiv in den vergangenen 7 Tagen (neu) erschaffen.

7 Tage allein an einem Ort, an dem ich zu zweit über viele Jahre glückliche Urlaube verbracht habe – wenngleich auch nicht als die Vollversion von mir.

7 Tage allein auf vertrauten Pfaden.

7 Tage kontinuierlich auf mich selbst zurückgeworfen. Wer bin ich? Was will ich? Was tut mir gut? … in diesem Augenblick und grundsätzlich im Leben.

7 Tage der Begegnung mit mir selbst in chilliger Spa-Atmosphäre und auf steilen Bergpfaden.

Was hat sich getan?

Enorm viel. Genug, um ein Buch darüber zu schreiben. Oder es in die wenigen Zeilen von zwei Gedichten zu packen, die während dieser Begegnungen entstanden sind. Hier nun – in einer für mich eher unüblichen Sprache – eine Stimme, die ich in mir höre, wenn ich mir allein da draußen begegne:

Da ob’n

Da ob’n am Berg,
da merkst’s erst, wie klan das’d bist,
siechst vülles plötzlich anders
ois drunten im Tal.
San’d Probleme riesengroß,
druck’n di de Surg’n,
wiargt di de Ongst,
oda wüsst oafach wos loslass’n,
pack’s eini in an Rucksock
und geh auffi.
Wirst seh’n, mit jed’m Schritt wird’s leichta,
und aufamoal waßt wieda, worauf’s aukummt im Leb’n:
Zeig, was‘d fühlst,
all denen, di da wichtig san,
verschenk dei Herz heit,
woard net auf’s Murg’n.
Host Ongst zu leb’n?
Schau auf den kloan Schmetterling,
der da ob‘n um a Dottablum’n tonzt,
glei neban wülden Wossa,
kloan und zerbrechlich inmitt’n ana Wölt,
fü di a ned gschoffn scheint,
oba sei Herz is stoark,
und so spüld a mit’n Wind.
Host valernt zu leb’n?
Donn geh so loang, bis dei Kopf leer is,
koan Denken mehr,
bis di wieda gspiarst,
bei dia selba ankummst in Rua.

Bei mia

Wohin’st a gehst im Leb’n,
Du begegnst da imma söwa.
Was siagst, wannst zu mia kummst?
Brida im Sein, de di stumm begleit‘n?
Tausend Bliah in ana buntn Summawiesn?
A wüds Wossa rauscht toalwärts wi dei Bluad.
Herst mei Stimm – oda des Echo von deina?
Schloagt frei dei Herz noch longa Zeit?
Gspiarst dei Söhl, di längst scho schreit
noch an Moment des Innehoiltens,
noch Luft zum Otmen,
noch Leb’n zum Gspiarn,
Triffst di söwa
hia bei mia
in da Stüll,
wei i sog net vüll.
I umorm di oafach mit all’m was i hob,
weust zu mia zruckkehrst wi a Kind
des sein Weg valurn
und jetzt hamgfunden hot
bei mia.

Endlos könnte ich rational theoretisieren, doch die ganze Tragweite dieser Worte wird nur verstehen, wer sie mit dem Herzen liest.

7 days later … für jeden einzelnen davon bin ich dankbar, für jede Tränen, jedes Lachen, jeden Augenblick des Staunens, für alles, denn es brachte mich alles näher zu mir.

Am 7. Tage beschenkte mich das Leben mit einem unvergesslichen Moment an diesem traumhaft schönen (und eiskalten) Bergsee. Ein Geschenk, das mit einem mehr als 3-stündigen sehr steilen Aufstieg verdient werden wollte, doch das war es wert… wie diese 7 Tage nur mit mir selbst.

Bild & Text: © Lesley B. Strong

ZWISCHENBILANZ

Seit ein paar Wochen bewege ich mich kaum noch in den sozialen Medien. Das liegt zum einen daran, dass ich beruflich derart viel zu tun habe und sehr viel davon am Bildschirm, so dass ich in der verbleibenden Zeit keine eckigen Bilder mehr anschauen mag.

Zum anderen bemerke ich eine zweite Welle der Verarbeitung meiner Trennung im vergangenen Jahr. Nachdem ich mich in meinem neuen Leben eingerichtet habe, schickt mein Unterbewusstsein nun verschiedene Erinnerungen zur Neubewertung ins Bewusstsein. Hin und wieder hinterfrage ich, ob es denn wirklich die beste Entscheidung war, die ich getroffen habe – nur um gleich darauf zu erkennen, dass sie es war! Mein mittlerweile distanzierter Blick auf meinen Ex-Partner lässt mich einiges erkennen, was ich zuvor (in unmittelbarer Nähe) übersehen habe. Gleichwohl verschwinden einige übernommene Vorstellungen, wie Leben an sich und Beziehungen im Besonderen gestrickt sein sollten. An ihre Stelle treten neue, aus mir heraus entstehende Ansichten. Ich nähere mich also dem Ziel: 100% ICH zu sein.

Und noch ein Aspekt spielt damit verbunden eine wichtige Rolle: Ich sehne mich nach ECHTEM!!! Eine gewisse Tiefgründigkeit war stets Teil meines Lebens, doch als Teil meiner Anpassung an die Allgemeinheit lebte ich auch Oberflächlichkeit in Ausdruck und Kommunikation. Genau genommen dominierte diese über weite Strecken zeitlich und inhaltlich. Mittlerweile spüre ich, wie wenig mir Oberflächlichkeit guttut. Ganz im Gegenteil. Sie belastet mich. Deshalb halte ich sie mittlerweile tunlichst aus allen Bereichen meines Lebens fern, in denen ich sie nicht als unumgänglich (z.B. im Job) akzeptieren muss.

Um nicht missverstanden zu werden, sollte ich das etwas präzisieren: ein belangloser Plausch ab und an ist nach wie vor etwas Unterhaltsames, aber 24/7 rund um die Uhr dem belanglosen Treiben in den sozialen Medien zu folgen ist es nicht (mehr). Schlimmer noch: es bindet Aufmerksamkeit und damit Energie, die von mir für anderes gebraucht wird.

Manchmal denke ich mir: ich sollte mehr Beiträge lesen, selbst mehr posten, Marketing machen um als Autorin wahrgenommen zu werden … aber alles in mir wehrt sich dagegen. Mehr und auffälliger posten als andere, um (von irgendwelchen Algorithmen) gefunden zu werden? Lauter schreien als andere am Markt? Mir geht’s nicht um Verkaufszahlen. Schreiben ist für mich Hobby, Therapie, Selbstverwirklichung. Wenn über Buchverkäufe die Kosten dafür reinkommen, wunderbar. Wenn nicht, auch gut. Stelle ich die tatsächlichen Kosten mit den eingesetzten Stunden (die ich als hoch effiziente und heilsame Therapie bewerte) in Relation, ist das Ganze für mich die Okkasion meines Lebens.

Mein Ziel oder Wunsch ist es, mit meinen Gedanken und Erfahrungen anderen Ideen zu liefern für die Herausforderungen ihres eigenen Lebens.  Ich will meine „Weisheit“ nicht aufdrängen im Sinne von: „Hey, ich kenne die Antworten für die Lösung deiner Probleme.“ Das ist absolut unzulässiger Schwachsinn. Ich kenne gerade mal ein paar Antworten für meine eigenen Probleme. Aber ich kenne ein paar gute Tricks und Wege, seine eigenen Antworten in sich zu finden.

Vor einer Woche schrieb ich hier über „bedingungsloses Urvertrauen“.

 Mein Gefühl sagt mir, das ich mich in der Prüfungsphase befinde. Gegenstand: Vertrauen in das Gesetz der Anziehung.

Wer zum Gesetz der Anziehung (Law of Attraction) nachlesen möchte, es gibt eine Menge Bücher dazu. Daher verweise ich hier auf Wikipedia und nicht auf ein spezielles Buch: https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_der_Anziehung

Ich vertraue einfach darauf, dass jene Menschen, die von meinen echten Gedanken und authentischen Erfahrungen profitieren können, „magisch“ von meinen Publikationen angezogen werden und mich finden… zu ihrem eigenen Nutzen. Denn eines ist klar: es braucht eine gewisse Bereitschaft, sich dem echten im Leben zu öffnen. Danach fällt es schwer, sich länger als machtloses Opfer äußerer Umstände zu sehen. Oberflächlichkeit ist deutlich weniger „gefährlich“.

Vielleicht klingt das jetzt etwas arrogant, aber ich möchte gar nicht meine Zeit mit Menschen verbringen, die nur an Oberflächlichkeit interessiert sind. Dafür ist mein Leben (mittlerweile) zu kurz. Zu dieser Erkenntnis führt mich meine Zwischenbilanz.

Echtes Leben, echte Menschen, echte Gedanken und Erfahrungen. Darin liegt unglaublich viel Kraft und Potenzial. Das will ich geben, teilen, finden.

Alles andere ist – für mich – mittlerweile bedeutungslos.

Ganz ehrlich: mit meinen letzten Atemzügen (die hoffentlich in weiter Ferne liegen, aber sie werden kommen!) möchte ich an ein ECHTES Leben zurückdenken, voller Dankbarkeit dafür, meine Zeit auf diesem Planeten bestmöglich genutzt zu haben, um mein Leben und das anderer mit Freude, Liebe und ein wenig bodenständiger Lebensweisheit bereichert zu haben.

Ein Leben so echt wie ein Sonnenaufgang am Morgen.

Bild: pixabay.com

Apropos Masken

… ein Thema, dass mich in der vergangenen Woche immer wieder auf verschiedene Weise beschäftigt hat. In der Außenwelt. Klar. „Eintritt nur mit Mund-Nasen-Schutz“. Obwohl das mittlerweile in unserem Alltag angekommen ist, wirken die Bilder auf mich immer noch eigenartig fremd. Die Maske im Gesicht ungewohnt. Und ja, es fühlt sich auch auf eine Weise „merkwürdig“ an, die ich nicht in Worte fassen kann. Vielleicht weil es Erinnerungen an früher weckt. An mein „Leben hinter einer Maske“, die nicht aus Stoff bestand, sondern aus Lügen und (Selbst-)Täuschung.

Damit bin ich auch schon wieder gedanklich bei einem Chat, den ich vor wenigen Tagen geführt habe. Es ging um Masken, allerdings um eben jene Masken, hinter denen wir uns als Mensch verbergen. Man könnte auch Fassade dazu sagen. Oder eben Täuschung. Wie auch immer.

Jedenfalls antwortete ich auf die Frage, was Person X wohl falsch mache, dass sich keine dauerhaften Freundschaften im Leben von Person X einstellen wollten und daraus eine Form von Einsamkeit resultierte. Aus meiner eigenen Erfahrung brachte ich eben jene „Masken“ ins Gespräch, hinter denen ich mich selbst lange verbarg, teils aus Selbstschutz, teils aus Scham über das, was ich glaubte zu sein, teils einfach auch um die Leere zu kaschieren, die ich in mir wahrnahm.

Mein Tipp lautete daher: Versuch nicht, andere nachzuahmen und etwas zu sein, was du nicht bist. Finde heraus, wer und was du bist. Nimm dich so an, wie du bist. Dann wirst du authentisch. Authentizität ist ein wichtiger Schlüssel für stabile Beziehungen jeglicher Art. Anders gesagt: Niemand hat gerne Menschen um sich, die undurchschaubar und unberechenbar sind. Das kann von anstrengend bis gefährlich alles sein. Wer will das schon?

Die Gegenfrage überraschte mich etwas: „Sind denn hinter der Maske nicht nur weitere Masken? Ist den überhaupt jemand hinter all den Masken?“ 2017 habe ich mir zuletzt solche Fragen gestellt, daher fühlten sie sich seltsam fremd und vergangen an, wiewohl ich das Gefühl der absoluten Leere kenne. In sich hineinzublicken und nichts erkennen zu können. Nichts zu spüren. Nur Leere. Und die Masken verkörpern das einzig vorhandene – scheinbar. Denn die Wahrheit ist eine gänzlich andere, wie ich herausfinden durfte.

Diese kurze Diskussion machte mir bewusst, wie schnell ich den „gekoppelten“ Zustand als Standard für mich integriert hatte. Heute käme ich nicht mehr auf die Idee, zu denken, in mir ist nichts als Leere, niemand hinter den Masken zu finden. Gewiss, ab und an „entkoppelte“ ich und fühle die Leere wieder, aber ich erkenne sie als das, was sei ist: Eine Fehlschaltung meiner Wahrnehmung. Dann korrigiere ich diesen Fehler durch bewusste Erinnerung und Wahrnehmung dessen, was ich bin. In meinem „Betriebssystem“ verstecken sich ein paar Fehler. Sie erfordern mitunter spezifische Vorgehensweisen, aber das war’s auch schon. Ich habe gelernt, damit umzugehen. Das nimmt Druck und Stress raus.

Dennoch, es stimmt mich nachdenklich und traurig, zu erleben, dass andere Betroffene noch mitten drinstecken und von sich selbst denken, hinter den Masken nichts zu finden. Nur Leere. Kein Jemand. Kein Ich. Gefangen in der Selbsttäuschung.

Heute richte ich meine Worte an all jene,

Jeder von uns ist jemand.

Jeder von uns ist ein einzigartiges Geschöpf. Ein Wunder des Lebens und ja, ein Geschöpf der Liebe. Ohne Liebe hätten wir die ersten Wochen nach unserer Geburt nicht überlebt. Nahrung ist wichtig, Kleidung und ein Dach über dem Kopf ebenso, doch all das kann vorhanden sein und der Mensch stirbt dennoch – wenn Liebe fehlt. Dafür finden sich in der Menschheitsgeschichte viel zu viele Beweise.

Was auch immer später geschah, dass all die Masken notwendig machte, um zu überleben, um sich im eigenen Leben zurecht zu finden, dass letztendlich vielleicht sogar dazu führte, die Masken nicht mehr als solche zu erkennen und zu vergessen, was einst dahinter Schutz fand und bis heute findet… tief in uns drin sind wir immer noch, wer wir waren und immer sein werden.

Vor vielen Jahren befasste ich mich mit dem „Kurs in Wundern“ (A Course in Miracles). Darin entdeckte ich einen Gedanken, denn ich verinnerlichte und der mich wie ein Leuchtfeuer durch schwere Krisen leitete:

„Nichts Wirkliches kann bedroht werden, nichts Unwirkliches existiert. Hierin liegt der Frieden (Gottes).“

Wirklich sind wir, jeder einzelne von uns, und das individuelle Potenzial, das wir in uns tragen. Es zu finden und zu entwickeln, ist unsere Lebensaufgabe.

Unwirklich sind die Illusionen, die wir im Laufe unseres Lebens entwickeln und übernehmen. Geprägt von Ereignissen und Menschen rund um uns. Die Masken, die wie wählen, freiwillig oder auch nicht.

Der Friede entsteht in uns. Inwieweit Gott da mitwirkt, soll jeder für sich selbst entscheiden. Tatsache ist: Finden wir in uns selbst keinen Frieden, leben wir in der Hölle – ganz gleich, ob es einen Gott gibt oder nicht.

#FeelTheEmbraceOfLife

Zeit der Stille

… so wird der Herbst manchmal auch genannt, weil die Natur zur Ruhe kommt, das Leben sich auf die stille Zeit des Winters vorbereitet. Starten wir ein wenig philosophisch. Für mich persönlich ist der Herbst eher eine Zeit des Aufbruchs und der Veränderung.

Im September 2018, also vor einem Jahr, wurde mit „JAN/A – Eine [nicht]ganz alltägliche Liebesgeschichte“ mein erstes Buch veröffentlicht.

Im Oktober 2017 begann ich mit dem Schreiben und startete damit meinen derzeit noch laufenden Selbstfindungs- und Erneuerungsprozess.

Es bietet sich also an, ein wenig zu reflektieren. Dieser Gedanke kam mir, als ich das obige Bild auf pixabay.com entdeckt hatte. Bilder, Namen und Musik haben in meinen Geschichten immer einen besonderen Stellenwert, weil sich dahinter stets eine oder mehrere subtile Botschaften verbergen, die es zu entdecken gilt. Ich verrate also nie alles beim ersten Mal.

Wenn ich zurückblicke, wird mir bewusst, wie sehr sich meine emotionale Wahrnehmung der Welt verändert hat. Damit meine ich nicht, ob etwas für mich positiv oder negativ ist. Diesbezüglich bin ich schon seit langem sehr philosophisch unterwegs und kann viele unterschiedliche Standpunkte in mir vereinen. Ich meine ganz einfach die Intensität eines Gefühls. Es ist fast, als hätte ich Jahrzehnte meines Lebens unter einer Art Glassturz oder in einem Nebel verbracht. Oder in der Dunkelheit der Abgrenzung von meinen Gefühlen. Nähe, eine Umarmung – alles fühlt sich intensiver an als je zuvor. Und ich scheine den Gipfel noch nicht erreicht zu haben, denn diese Wahrnehmungen verstärken sich von Woche zu Woche.

Definitiv verändert hat sich in diesen beiden Jahren, was ich für mich als richtig und passend befinde. In der Vergangenheit bin ich oft blind einem „Meister“ gefolgt, habe Lösungen von der Stange für meine Probleme gesucht. Dazu griff ich ein Buch oder eine Methode auf und habe diese stur nach Schema umgesetzt, ganz gleich, was meine innere Stimme dazu sagte. Ich wollte die Lösungen meiner Herausforderungen erzwingen. Hat nicht funktioniert. Heute pfeife ich auf das, was andere sagen, wie es funktionieren könnte – ich folge meiner inneren Stimme. Die hatte nämlich immer Recht – auch in der Vergangenheit. Dummerweise hat mein rechthaberischer Verstand samt Ego sie überrollt.

Es braucht manchmal ein wenig Zeit und Stille, um in dem energiegeladenen Kern in mir jene Stimme zu finden, die mit Hirn und Herz agiert und auf mich selbst aufpasst, die überhöhte Ziele schon mal hinterfragt und Ruhepausen tatsächlich durchsetzt.

In der Stille höre ich meine innere Stimme. Jahrzehntelang wollte ich sie nicht hören, weil ich ihre Botschaft nicht glauben konnte. In den letzten beiden Jahren habe ich gelernt, darauf zu achten und zu vertrauen, dass der beste Lehrmeister, denn wir haben können, immer noch wir selbst sind. Denn niemand sonst auf dieser Welt kennt mich so gut wie ich selbst. Auch wenn das ein klein wenig ungemütlich ist, weil damit auch die Verantwortung bei mir selbst liegt und nicht einfach an jemand anderes abgeschoben werden kann. Aber was ist schon ein wenig Ungemütlichkeit im Vergleich zu Jahrzehnten in der Dunkelheit?

Also, voller Lebensfreude hinein in diesen goldenen Herbst, in das Jahr 3 nach meiner geistigen Wiedergeburt.

Diagnose Borderline-Syndrom: Reden wir Klartext

Ich hatte den 40er bereits hinter mir gelassen, als ich die Diagnose nach meinem 2. Burnout erhielt. Damals wusste ich zwar, dass einiges in meinem Leben falsch bis zerstörerisch lief, aber bis zu diesem Zeitpunkt sah ich mein Umfeld und die überhöhte Arbeitsbelastung als Gründe dafür an. Mich selbst als Verursacherin meines chaotischen Lebens und damit auch meines Schmerzes zu akzeptieren war eine enorme Herausforderung.

Mal ehrlich, so eine Diagnose ist etwas anderes als ein gebrochenes Bein oder ein Grippevirus. In den Medien kursiert ein sehr reduziertes Bild von Borderline: Jugendliche mit zerschnittenen Unterarmen. Ich war weder jugendlich noch hatte ich selbstzugefügte Schnittwunden an meinem Körper. Damit schien doch eindeutig: ich konnte keine Borderlinerin sein, oder? In meinem Umfeld hatte ich erlebt, wie Jugendliche mit diesen unverkennbaren Narben auf Ablehnung trafen, wie Erwachsene mit Depressionen als schwächlich und ihr seelischer Schmerz als Einbildung belächelt wurden. All das war ich nicht. All das konnte nicht auf mich zutreffen. Wie konnte ich dann Borderlinerin sein?

Mit der Zeit begriff ich, dass Schnitte nicht die einzige Art von Selbstverletzung waren, dass es viele weitere gab und ich mit einigen davon sehr vertraut war. Doch nach außen verleugnete ich weiterhin meine „wahre Natur“, um im Inneren umso stärker gegen mein „selbstzerstörerisches Wesen“ anzukämpfen. Ein Kampf, den ich nicht gewinnen konnte. Ein Kampf, der mich tiefer und tiefer in den Sog aus Selbstverurteilung, Ablehnung und Verachtung zog.

Es ist tückisch. Einerseits ist Krankheitseinsicht unverzichtbar, um in einen Heilungsprozess zu kommen, andererseits: wie dazu stehen, etwas zu sein, dass die Gesellschaft offensichtlich ablehnte, mitunter als gefährlich einstufte, auf jeden Fall als „anders“. Wie eine Diagnose akzeptieren, die gemeinhin gleichgesetzt wird mit unheilbar und arbeitsunfähig – oder sogar lebensunfähig? … reduziert auf das Kürzel F60.31 (nach der WHO-Klassifizierung ICD-10 steht dieser Code für die Borderline-Persönlichkeitsstörung). Mein Leben lang hatte ich mich von meinem Umfeld gerade noch akzeptiert, aber keinesfalls geliebt gefühlt. War dies nun die Bestätigung dafür, dass ich etwas war, das man nicht lieben konnte? Die Diagnose anzunehmen öffnete gleichzeitig das Tor in den nächsten Level der Selbstverachtung.

In all den Jahren hatte ich mich selbst verletzt und auch die Menschen in meinem Umfeld. Hatte jene im Stich gelassen, für die ich da sein hätte müssen. Konnte nicht sein, was andere gebraucht hätten, um durch mich Halt zu finden. Zu erkennen, dass ich dafür verantwortlich war, dass ich es hätte ändern können, hätte ich früher etwas gegen meine „Krankheit“ unternommen … gefährliche Gedanken und gleichzeitig wichtige Gedanken. Für mich galt es zu akzeptieren und zu verzeihen – am meisten mir selbst. Was geschehen war, war geschehen. In meiner Kindheit und später. Nichts davon ließ sich mehr ändern, weder durch meinen Schmerz noch durch irgendetwas anderes. Mein Leiden war also absolut sinnlos. Mein Leben sollte es nicht mehr sein. Ich war nicht bereit mich selbst aufzugeben. Ich änderte meinen Kurs. Kein Kampf mehr gegen mich selbst. Keine Selbstdemontage. Kein gedankliches und emotionales Verweilen in der Vergangenheit. Ich musste lernen, meinen Blick nach vorne zu richten damit die Zukunft eine andere werden konnte. Ich durfte lernen, mich als die anzunehmen, die ich bin, mit allen Facetten meiner sehr widersprüchlichen (oder vielfältigen) Persönlichkeit. Ich lernte die zu lieben, die ich bin, immer war und immer sein werde. Daraus entstand die [nicht] ganz alltägliche Liebesgeschichte eines Dämons, den keine Frau je lieben würde außer der Einen, die für ihn bestimmt war – so wie ich für mich selbst bestimmt war.

Romantik als Weg der Selbstfindung? Warum nicht. Weiterhin gegen mich selbst zu kämpfen und in Selbstablehnung zu verharren hätte mich unweigerlich ruiniert. Also schrieb ich die Geschichte einer nahezu unmöglichen Liebe und erlebte sie in mir selbst. Aus Furcht wurde Vertrauen, aus Ablehnung Selbstliebe, aus Dunkelheit Lebensfreude.

Wenn ich mir diese Zeilen durchlese, drängt sich unweigerlich folgender Gedanke für mich auf: das wird mir niemand glauben, das klingt so einfach. Das ist es nicht, ganz und gar nicht. Ich behaupte weder, dass es einfach ist oder gar leicht, aber es ist möglich. Das ist die Botschaft: es ist möglich, das wiederzufinden, was verloren ging … Liebe, Vertrauen, Geborgenheit. Es ist möglich, Anerkennung wieder wahrnehmen und annehmen zu lernen, zurückzukehren in die Umarmung des Lebens.