SPÜR IN DICH HINEIN

Vor wenigen Tagen postete ich diese Gedanken:

Wenn du unheilbar krank wärst und deine einzige Chance auf Heilung bestünde darin, dein Herz zu öffnen und zu zeigen, was du fühlst, was dir gut tut und was dich verletzt… würdest zu zögern?

Was denkst du, heilt die Wunden in deiner Seele.

Zeit?

Vertrauen?

Die Rückkehr in die Umarmung des Lebens?

Spür in dich hinein. Tief in dir kennst du die Antwort seit langem…

Es ist für mich an der Zeit, in die Tiefe zu blicken.

In diesen Gedanken spiegelt sich zweierlei wider: Zum einen arbeite ich mich gerade als Vorbereitung auf die Fertigstellung von JAN/A Band 3 durch die beiden vorangegangenen – und beobachte meine Reaktionen dabei. Was hat sich verändert? Erkenne ich mich selbst in der Geschichte? Oh ja, das tue ich. Mehr noch, ich entdecke so einiges, dass ich schlichtweg als „genial“ bezeichne, wie ich während des Schreibprozesses unbewusst schwierigste Themen für mich aufgelöst habe – und was sich noch so alles zwischen den Zeilen versteckt. Erneut wird mir Vielschichtigkeit meiner Persönlichkeit bewusst, komplex und vermutlich für manche schlichtweg überfordernd, wie ich mich zwischen Emotionen bewegen kann, sie auslebe und im nächsten Augenblick ablege, wie einen Mantel, um in ein anderes Gefühl zu schlüpfen, das ich empfinden will. Wie ich aus der Dunkelheit emporsteige, gleich dem Phönix, der sich neugeboren aus den Flammen erhebt, Schmerz in Lebensfreude verwandelt. Ich liebe meine JAN/A-Bubble.

Zum anderen ist da die bevorstehende Charity-Veranstaltung am kommenden Wochenende. Lesungen sind mir nicht neu, vor Publikum zu agieren ebenso wenig, doch was ich vortrage, wird keinen Raum für Abgrenzung – für Sicherheit – lassen. Es sind Worte, die unmittelbar aus meinem Fühlen kommen, die offenbaren, wer ich in meinem Innersten bin. Berührbarkeit pur. Verwundbarkeit ebenso. Mit Kritik und negativem Feedback kann ich umgehen. Was mir ein wenig Sorge bereitet, ist etwas anderes: Anerkennung für meine Arbeit als Autorin zu bekommen, ist wunderbar, berührend, bereichernd, Licht für die Seele – doch nicht ohne Schatten. Wie alles im Leben gibt es auch hier eine zweite Seite.

Zeige ich, wer ich bin, bekomme dafür Anerkennung, fühlt sich das unbeschreiblich gut an – ein Gefühl zu schweben, zu fliegen, nicht mehr an den Boden gebunden zu sein. Ein ambivalentes Gefühl. Ohne je mit Drogen experimentiert zu haben, vermute ich, dass genau das der Reiz an Rauschzuständen ist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Organismus dabei einiges an körpereigenen Opiaten freisetzt. Ein „Runners High plus“ mal anders – mit Suchtfaktor. Fatal, denn der Bezug zur Realität geht dabei flöten. Überdreht, wäre ein passender Begriff. Unbesiegbarkeit das Gefühl dahinter. Eine gefährliche Hybris, denn irgendwann endet der Rausch. Was danach folgt, ist ein tiefes schwarzes Loch.

Spür in dich hinein. Tief in dir kennst du die Antwort seit langem…

… doch diese Antwort ist nicht so leicht zu nehmen, denn sie bedeutet, der Dunkelheit zuzustimmen. Sie ist und wird immer ein Teil von mir sein, der auch gelebt werden will. Unterdrücke ich diesen Teil, entsteht Druck in mir, der sich früher oder später entlädt – auf die eine oder andere Weise. Deshalb stimme ich heute jedem Teil von mir zu – auch der Dunkelheit – gebe jedem Raum in meinem Leben, vermeide dadurch Druck. Zu Beginn lagen diese „Räume“ nur in meiner Fantasiewelt. Das machte durchaus Sinn, denn mittlerweile haben Forscher herausgefunden, dass sich auch in Fantasiewelten Heilungspotenzial verbirgt. Warum auch nicht? Unser Unterbewusstsein kann nicht zwischen Realität und Fantasie unterscheiden. Was wir uns vorstellen können, wirkt auch auf uns.

Doch mit Fantasiewelten allein ist es nicht getan. Was ich bin, alle Persönlichkeitsanteile von mir, wollen auch in der realen Welt gelebt werden. Genau das werde ich in einer Woche tun, den empfindsamsten Teil von mir zu leben, inmitten unter mir fremden Menschen. Zeigen, wer ich bin. Ohne Masken, ohne Fassade – und den Boden unter den Füßen behalten.

Eine Herausforderung? Ja.

Ein Risiko? Jein. Ich erkenne mittlerweile rasch, wenn ich „abhebe“ und habe meine Techniken, mich wieder zu erden.

Natürlich könnte ich den „einfachen“ Weg einschlagen, und darauf verzichten, jene Teile von mir auszuleben, die mich Richtung „emotionalem Überflug“ bringen, doch dann wäre ich nur eine zensierte Version von mir selbst und wieder beim Thema Unterdrückung. Für mich ist es eine Form von Selbstverstümmelung, Teile meiner Persönlichkeit auf diese Weise „auszuschalten“. Alles in und an mir will LEBEN. Teile von mir vom Leben abzuschneiden, riss einst Wunden in meiner Seele auf. Heute heile ich diese Wunden in meiner Seele, indem ich mehr und mehr zeige, wer ich bin.

Vielleicht bekomme ich dabei hin und wieder unerfreuliche Rückmeldungen, treffe auf Ablehnung, doch nichts von alldem kann noch nachhaltig auf mich wirken, die ich tief in meinem Innersten beschlossen habe, dieser Welt mein wahres Gesicht zu zeigen.

Ich war einst unheilbar krank, da ich mir verwehrte, ich selbst zu sein. Heilung fand ich in mir selbst. Die Antwort war die ganze Zeit über da, all die Jahre, die ich nicht wagte, in mich hineinzublicken und zu spüren: Ich bin, wer ich immer war und immer sein werde – ein feuriger Funken Lebensfreude 😊

Was findest du, wenn du in dich hineinspürst?

HAPPY BIRTHDAY

In wenigen Tagen ist mein 53. Geburtstag. Damit bin ich nun unbestreitbar in der zweiten Lebenshälfte angekommen. Vielleicht liegt es daran, dass ich vieles anders betrachte als früher – oder an der beginnenden Altersweitsichtigkeit 😉

Wenn ich den Begriff „Altersweitsichtigkeit“ von seinem sachlichen Inhalt befreie, ergibt sich daraus ein interessantes Wortspiel: Weit-sichtigkeit … in die Weite bzw. Ferne blickend … vorausschauend?

In der Tat denke ich mir immer öfter über die langfristigen Auswirkungen meiner Handlungen nach, wesentlich häufiger als früher. Obwohl ich im Augenblick lebe und mit leichtem Gepäck durchs Leben reise, hinterfrage ich vieles. Vielleicht führt genau dieses Hinterfragen mit Fokus auf die ferne Zukunft dazu, dass mir manche kurzlebigen Trends und Oberflächlichkeit am A**** vorbeigeht.

Diese „Altersweitsichtigkeit“ hat sicherlich ihren Teil zu einem Gedicht beigetragen, dass vor einigen Monaten entstand. Damals bezog es sich auf den Jahreswechsel, aber ist ein Geburtstag nicht auch ein Wechsel in ein neues Lebensjahr? Ich finde, es passt hier perfekt:

Spuarn im Schnee

Gaunz weiß sans, d’Berg,
von‘d Spitzn bis obi ins Toil.
Dauat nimma long.
S’Joahr is boild umma.
Waunnst so zruckschaust,
wos host draus gmocht?
Bist nur fleißig im Hamstaradl grennt,
damit de große Maschin se weida draht?
Oda host a Zeit fia aundas vawendt?
Wia oft host aundan a Freid gmocht?
Oda dir sölba was Guads taun?
Host nur Gräbn aufgrissn –
oda a Bruckn gschlogn?
Wölche Spuarn bleibn von dir?
Net im Schnee, weu der geht im Aprül.
A net auf’n Papier, weu des is geduldig.
I moan de Spuarn, de bleibn,
waunnst du long schau nimma bist,
Spuarn in‘d Herzen da Menschn.
De Zeit ziagt so schnöll durchs Lebn.
Boild is wieda a Joahr dahin.
Wüvühl bleibn dir nau?
Koana woaß, oba olle hoffn,
hintalossn enara Spuarn im Schnee,
schiabn vühles auf Muargn,
was im Heit wichtig waard,
und Spuarn zeichna tät, de bleibn.
Waunnst so zruckschaust,
wölche Spuarn bleibn aum End von dem Joahr?
Und wölche von dein Leben?

Welche Spuren bleiben am Ende?

Wie gesagt, geistert diese Frage bereits seit längerem durch meinen Geist, bestimmt mehr und mehr mein Tun. Vor ziemlich genau einem halben Jahr entschied ich mich, ein Charity-Projekt ins Leben zu rufen. Einfach so. Typisch JAN/A. Ohne mir zu überlegen, was wie wann wo … ich wollte es, ich tat es. Punkt.

Seit 04. Mai 2022 ist „Berggeflüster – s’Lebn gspiarn“ veröffentlich. Am 29. Mai findet die Buchpräsentation im Rahmen eines Charity-Events statt. Vor einem Jahr war das alles noch nicht einmal ein verrückter Gedanke, nicht ansatzweise. Heute hoffe ich, mit diesem Charity-Projekt eine vierstellige Spendensumme für die Bergrettung im Gasteiner Tal sammeln zu können. So schnell kann’s gehen, dass aus Nichts Etwas wird. Mehr noch. Ein Buch des Herzens, das bereits einigen Menschen Freude bereitet hat und hoffentlich noch ganz vielen anderen Freude bereiten wird.

Reich werde ich damit sicher nicht. Berühmt? Schmarrn. Dafür ist österreichische Mundart die falsche Sprache, zu wenig Zielgruppe. 

Ich will Freude bereiten, Menschen zum Lächeln bringen, sie in die Umarmung des Lebens holen, vielleicht ein klein wenig zum Nachdenken anregen … und als Sahnehäubchen damit auch noch etwas Gutes tun.

Eine Weltretterin? Nein, ganz sicher nicht. Aber eine, die konsequent gegen den Strom des „alles geht den Bach runter“ schwimmt. Eine, die weniger jammert und mehr tut. Punkt.

Berggeflüster ist ein Schwimmzug gegen den Strom. Sicher nicht Mainstream und keinesfalls perfekt. Wer einen Fehler drin findet, darf gerne 1 Euro zusätzlich an die Bergrettung spenden. Ein paar Tippfehler sind sicherlich noch drin. Mundart ist alles andere als einfach zu lektorieren.

Berggeflüster will nicht perfekt sein. Mein „Kind der Berge“ will Freude bereiten.

Die einen freuen sich, weil sie ein bildhübsches Buch in Händen halten und gleichzeitig etwas gespendet haben. Andere freuen sich, weil ihre Bilder Teil des Buches sind und sie aktiv etwas beitragen konnten. Wiederum andere freuen sich, weil sie dadurch auf Umwegen Anerkennung für das erhalten, was sie aus freien Stücken für in Notgeratene leisten.

Ich freue mich, weil all diese Menschen sich freuen, weil eine meiner „verrückten“ Ideen etwas Freudebringendes in dieser Welt erschaffen hat, weil die Menschheit nur dann zu einem hoffnungslosen Fall wird, wenn wir aufhören, unsere Freude mit anderen zu teilen.

Mein „Kind der Berge“ ist ein Kind der Lebensfreude: Neben 40 wunderschöne Bilder stellte ich jene Worte, die mir von den grauen Riesen im Gasteiner Tal zugeflüstert wurden, wob ein feines Geflecht aus Fragen, Antworten, Stimmungen und einem Gefühl, das tief im Herzen seinen Ursprung hat, für das es kein Wort gibt, nur ein Lächeln, wenn es sich ausbreitet und seine Arme gleich einem schützenden Mantel um uns legt.

Wenn du mir zu meinem Geburtstag eine Freude machen möchtest, dann wirf einen Blick in dieses [nicht] ganz alltägliche Buch und wenn es dir gefällt, wer weiß, vielleicht nimmst du ein „Kind der Berge“ bei dir auf? Holst es ab und an aus dem Bücherregal, wenn du vielleicht gerade nicht weiterweißt, und findet etwas darin, dass dich zum Lächeln bringt und vielleicht sogar einen neuen Weg eröffnet? Alles ist möglich.

Berggeflüster ist ein Geschenk, dass mir die grauen Riesen gemacht haben in einer Zeit, in der ich Antworten suchte. Heute gebe ich dieses Geschenk weiter – nicht umsonst, aber mit viel Freude, (Alters)Weitsicht und hoffentlich einigen Spuren, die bleiben.

Hör niemals auf zu träumen, denn Träume werden wahr, wenn du ihnen den Raum dafür gibst.

Hör niemals auf an das Gute im Menschen zu glauben, denn Menschen sind es, die mit dir gemeinsam Träume wahr werden lassen.

Hör niemals auf du selbst zu sein.

Happy Birthday

Bild: pixabay.com

LEICHTIGKEIT IM LEBEN

Leichtigkeit im Leben ist ein Thema, das mir derzeit auf vielfältige Weise begegnet. Offenbar beschäftigt es viele Menschen. Wenn ein Thema gehäuft auftritt, beginne ich darüber zu reflektieren. Das kommt dabei raus:

Vor wenigen Tagen saß ich in einem Führungskräfte-Coaching. Was meinen Job betrifft, befinde ich mich seit Wochen in einer Phase, die sich in den Fragen „Was noch?“ und „Geht’s noch?“ gut darstellen lässt. Am Ende des Coachings wurde ich gefragt, wie ich es mache, dass ich bei all dem ziemlich locker wirke und vieles mit Humor nehmen kann.

Gute Frage.

Meine Antwort darauf lautete: Ich habe Lesley.

Diese Antwort musste ich näher erklären.

Im bürgerlichen Job lebe ich eine weitgehend angepasste Persönlichkeit. Sicherlich keine einfache Mitläuferin, aber dennoch schalte ich Teile von mir auf Mute. Wie viele andere auch, stoße ich im Job immer wieder an Grenzen, die Sinnloses schützen und Sinnvolles verhindern, so dass ich die Sinnhaftigkeit mehr als einmal hinterfrage. Ich schlage mit Ignoranz ebenso rum wie mit ausgeschaltetem Hausverstand. Kurz gesagt: Es gäbe genug, um dauerhaft frustriert zu sein. Bin ich aber nicht.

Warum?

Ich habe Lesley.

Als Lesley bin ich voll und ganz ich. 100%. Ich lebe mich aus mit allem, was in mir steckt und entdecke dabei laufend Weiteres in mir. Mit Lesley habe ich für mich eine Facette der Realität erschaffen, die niemand anders bestimmt außer ich selbst. Keine Fantasiewelt, sondern eine parallele Realität, die geprägt ist von meiner emotionalen Seite (die sich im Job zurückhalten darf/soll/muss …) und meiner Kreativität im künstlerischen Sinne (im Job bin ich auch kreativ, aber dabei geht es um Prozesse, Innovationen …)

Seit Oktober 2017 bin ich Lesley B. Strong.

Manche nehmen einen Künstlernamen an, um jemand anders zu sein. Durch Lesley wurde ich ICH. Niemand anders, sondern die, die ich bin, immer war, aber zuvor nicht sein durfte/konnte, weil … die Gründe dafür sind zahlreich und allesamt heute nicht mehr relevant.

Ich bin Lesley – ein feuriger Funken Lebensfreude. Leichtigkeit liegt mir im Blut.

Leichtigkeit im Leben hat für mich viel mit Anerkennung dessen zu tun, was ich alles bekommen habe in diesem Leben. An erster Stelle steht hiermit das Leben selbst. Danach folgen meine Gaben, Talente, Fähigkeiten, aus denen wunderbares entsteht. Ich bin dankbar für alles in meinem Leben, auch für stressige Jobphasen wie die derzeitige.

Alles im Leben hat stets zwei Seiten.

Ein „Was noch?“ kann auch „Was noch fällt mir dazu ein?“ meine Kreativität in astronomische Dimensionen schrauben.

Ein „Geht’s noch?“ lässt mich Achtsamkeit üben, häufiger als sonst mich selbst zu hinterfragen, in mich hinein zu spüren und darauf zu achten, nicht allzu lange an der Grenze oder gar über der Grenze zu bleiben, sondern auf mich selbst gut zu achten.

Leichtigkeit im Leben ist für mich mehr als mittels positiver Affirmationen einen Zustand zu beschwören. Leichtigkeit ist ein Lebensgefühl. Ein riesengroßes JA zum Leben und mir selbst. Leichtigkeit geht Hand in Hand mit Hoffnung. All die Krisen in der Welt, von Umweltzerstörung über Krieg, Pandemie … es gibt so vieles rund um uns, das bedrückt und Schwere hervorrufen kann. Tagtäglich sehe ich Menschen, die von der Last ihres Lebens gebeugt werden, die sich schwerfällig bewegen. Blicke ich in ihre Augen, nehme ich Leere wahr, keine Hoffnung oder gar Leichtigkeit. Keine Lebendigkeit. Sie sind hier, aber irgendwie auch nicht. Klammern sich an Probleme, Ängste, Sorgen, um etwas zu haben, dass ihnen einen Grund zum Leben liefert. Dann denke ich an Victor Frankl und seine Buch „Trotzdem JA zum Leben sagen“, seine Erfahrungen, dass Menschen, die nichts mehr in diesem Leben haben oder nicht mehr hoffen, einfach sterben.

Leichtigkeit im Leben fand ich, nachdem ich begann, alles Belastende loszulassen – sofern dies möglich war. Energievampire und Karmastaubsauger ebenso wie materielles Zuviel. Vor ein paar Jahren hatte ich mir nie vorstellen können, mit dem wenigen zu leben, das ich heute besitze, aber es geht mir gut damit. Ich brauche nicht mehr. Ich habe Lesley.

Was ich nicht loslassen konnte/kann, weil z.B. mit dem Job verbunden, betrachte ich aus einem anderen Blickwinkel. Die andere Seite der Medaille. Eine Mentorin gab mir einst einen wunderbaren Satz mit auf meinem Weg: What is in it for me? Was kann ich mir daraus mitnehmen? In jedem Sch***haufen findet sich auch immer etwas Gutes. Nicht umsonst wird mit Mist gedüngt 😉 Menschen werden insbesondere dann kreativ und innovativ, wenn die Notlage sie dazu zwingt. Wer alles im Überfluss hat, wird eher träge – und irgendwann schwer.

Ich glaube, ich könnte Stunden über Leichtigkeit im Leben reden, ohne mich zu wiederholen. Es ist wie ein Licht im Herzen, das ich spüre und das mich diese Welt mit anderen Augen sehen lässt. Keine rosa Brille, aber ein unerschütterliches Vertrauen in das Leben und die Überzeugung, dass in uns Menschen das Potenzial schlummert, uns selbst zu hinterfragen und verändern zu können. Vielleicht werden das nicht alle tun, doch jene, die es tun, werden mit fast an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Leben in Leichtigkeit führen.

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ICH KRIEG‘ DIE KRISE

In einem Chat heute Morgen hatte ich plötzlich folgende Sätze im Kopf:

„Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich zuletzt einfach nur gelebt habe, ohne über Krisen nachzudenken. Die permanente Präsenz von Krisen macht etwas mit uns. Sie aktiviert den Alarmmodus im Unterbewusstsein mit all seinen Folgen: Stress, Anspannung, Reduktion des Stoffwechsels …“

Im Chat ging es um das Gefühl, ständig nur noch müde zu sein. Ein Gefühl, das auch mich seit einigen Wochen begleitet. Gewiss, ich habe seit einigen Wochen sehr viel zu tun, mehr als üblich viel. Dennoch kann das allein nicht der Grund sein. Sehr viel zu tun zu haben kommt bei mir häufig vor. Aber nach 8 Stunden Schlaf gefühlt null ausgeruht zu sein, macht nachdenklich.

Egal, wohin ich auch komme und Menschen zuhöre, irgendeine Krise ist Gesprächsthema: Pandemie, Krieg, Klima … Krise da, Krise dort. Manchmal habe ich den Eindruck, es geht gar nicht mehr ohne. Die Welt würde augenblicklich stillstehen, würde jemand es wagen, ein Gespräch ohne Krisenthema zu führen.

Es ist ermüdend.

Ich krieg‘ die Krise mit den Krisen.

Niemand sollte die real existierenden Krisen negieren, aber es gibt auch noch anderes auf dieser Welt.

Bad news are good news … heißt es so treffend.

Schlechte Neuigkeiten zehren aber auch an der emotionalen Widerstandskraft, weil sie unserem Unterbewusstsein vorgaukeln, alles ist schlimm, vielleicht sogar hoffnungslos.

Wir brauchen gute Nachrichten, um das Gefühl der Hoffnung in uns am Leben zu erhalten, denn Hoffnung verleiht Kraft.

Auf meiner gestrigen Wanderung begegnet mir das Bäumchen auf dem Foto. Was auch immer geschehen ist, dieses Bäumchen wurde gebrochen, verdreht, sein Stamm regelrecht gespalten … dennoch sprießen rundum neue, kräftige Triebe mit sattgrünen Blättern. Dieser Baum durchlebte eine im wahrsten Sinne des Wortes existenzielle Krise, doch anstatt aufzugeben, wuchs dieses Bäumchen weiter. Eine Kämpfernatur? Unbändiger Lebenswille? Wäre dieser Baum ein Mensch, würden wir wohl diese Attribute für ihn finden. Doch er ist nur ein Baum, ohne Denken, ohne Fühlen, Leben in seiner vielleicht ursprünglichsten Form. Dieser Baum macht einfach weiter.

Das Leben findet immer einen Weg.

Das ist die gute Nachricht, die ich heute teilen möchte.

Ein Mann, der niemals weint …

… beweist nur eines: dass er sein Herz nicht mehr spüren kann.

Dieser – zugegeben polarisierende Gedanke – tauchte vor einigen Tagen wie aus dem Nichts in meinem Kopf auf. Mir ist bewusst, dass diese Aussage lange und leidenschaftlich diskutiert werden kann. Insbesondere, warum ich das Subjekt „Mann“ gewählt habe, könnte es doch genauso gut „Mensch“ lauten. Nun, das folgende wird wohl Aufschluss darüber geben.

Als ich mich näher mit diesem „Satz aus dem Nichts“ befasste, tauchte einiges an Fragen auf, die ich hier teilen möchte in der Hoffnung, sie regen zum Nachdenken an:  

„Ein Mann, der niemals weint, beweist nur eines: dass er sein Herz nicht mehr spüren kann.“

Darf ein Mann überhaupt weinen? Im Jahr 2022 sind wir Lichtjahre von einer stereotypen-befreiten Gesellschaft entfernt. Rollenbilder bestimmen noch immer weitgehend unseren Alltag. Ein Mann, der weint? Berührbar, empfindsam, sensibel … nicht unbedingt die klassischen männlichen Attribute, oder? Was ist männlich? Was weiblich? Und was menschlich?

Auf welche Weise darf ein Mann zeigen, dass er verletzt wurde, ohne dass ihm gleichzeitig seine Männlichkeit abgesprochen wird? Eine Frau, die zartbesaitet ist, verliert dadurch nicht ihre Weiblichkeit – manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall. Aber wie fühlend darf ein Mann sein?

Wie geht es männlichen Borderlinern mit ihrer extremen Emotionalität? Wie viele unterdrücken jene Gefühle, die gemeinhin als „Schwäche“ eingestuft werden (Feinfühligkeit, Sensibilität, Mitgefühl, Trauer, Scham …), bis nur noch die anderen, die „Starken“ übrigbleiben (Wut, Zorn, Aggressionen …)? Oder gar keine Gefühle mehr, nur noch Leere?

Was würde sich in ihrem Leben verändern, dürften sie ohne Furcht zeigen, was sie fühlen?

Was wäre anders in dieser Welt, würden Tränen nicht länger als ein Zeichen von Schmerz und Schwäche gesehen, sondern von der Stärke, sich den Herausforderungen des Lebens fühlend zu stellen (nicht nur mit dem Kopf), und dem Mut, offen zu zeigen, was das Herz berührt?

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EIN MAGISCHER SCHATZ

Es war einmal … auf einer Wiese nahe bei einem Wald, am Fuß eines Berges, unweit von dem Ort, an dem du vielleicht gerade sitzt. Über diese Wiese mit all ihren farbenprächtigen Blüten schwebte ein Schmetterlingsmädchen im Sonnenschein ihrer Wege, als sie einen Schneckenjungen erspähte, der etwas in ihr wachrief. Augenblicklich fühlte sie sich magisch angezogen von diesem Wesen, das so anders und doch irgendwie ähnlich war. Auch der Schneckenjunge spürte eine für ihn unerklärliche Verbindung zu dem Schmetterlingsmädchen. Zwischen den Beiden schien ein unsichtbares Band von Tag zu Tag stärker zu werden, auch wenn die eine in den Wolken schwebte und der andere mit seinem Häuschen am Boden verankert blieb.

Die Zeit verging. Das Schmetterlingsmädchen wäre nur allzu gerne mit dem Schneckenjungen über die Wiese geflogen, weit über den Horizont hinaus, voller Leichtigkeit und Lebensfreude. Doch der Schneckenjunge war nicht aus seinem Häuschen zu locken, was auch immer sie versuchte.

Eines Tages landete das Schmetterlingsmädchen direkt vor dem Häuschen des Schneckenjungen und forderte ihn auf, mit ihr zu kommen. Sein Schweigen war eine Antwort, die sie nicht einfach auf sich beruhen lassen wollte. Nach einigen bohrenden Fragen drangen zögerliche Worte aus dem Schneckenhaus.

„Ich kann den Schutz meines Hauses nicht aufgeben. Zu oft wurde ich verletzt, zu viel Schmerz musste ich durch andere erleiden. Zu groß ist die Furcht, diesen Schmerz erneut zu erleben.“

Es war eine leise Stimme, die aus einem Herzen drang, das wohl schon einige Wunden erlitten hatte. Seufzend blickte das Schmetterlingsmädchen auf ihre bunten, an einigen Stellen zerfransten Flügel, die von so manchem schlimmen Erlebnis zeugten.

„Wie gut ich dich verstehe,“ antwortete sie ebenso leise. Gleichzeitig spürte sie, dass dies nicht seine einzige Antwort auf ihre Frage war.

„Ich fürchte auch, dich zu verlieren, wenn ich weiterhin im Schutz meines Hauses bleibe, was mir auch großen Schmerz bereiten wird. Was auch immer ich tue, ich kann dem Schmerz nicht entkommen.“

Nur mit Mühe konnte das Schmetterlingsmädchen ihre Tränen zurückhalten, so sehr berührten sie die Worte, die Zerrissenheit, die aus der Verzweiflung entstand, keinen gangbaren Weg zu sehen, nur den dunklen Abgrund. Wie viele Verletzungen konnte ein Herz ertragen, bevor es endgültig zerbrach? Vielleicht wäre die nächste jene? Wer konnte ihm seine Angst verübeln?

Wie gelähmt verharrte der Schneckenjunge in seinem schutzbietenden Häuschen, während das Schmetterlingsmädchen nachdenklich davorsaß und keinen Rat wusste.

Nach einer Weile sagte der Schneckenjunge traurig: „Du hältst mich jetzt sicher für feige.“

„Ganz und gar nicht“, erwiderte das Schmetterlingsmädchen sanftmütig. Die Milde ihrer Worte ließ ihn aufhorchen.

„Hast du denn keine Angst vor dem Schmerz?“

„Nein,“ antwortete sie gelassen.

„Wieso nicht?“

Das Schmetterlingsmädchen atmete tief durch und begann zu erzählen: „Das Leben hat mir so manche Verletzung zugefügt, doch in meinem Herzen hüte ich einen Schatz, der all diese Wunden geheilt hat und auch jene heilen wird, die vielleicht noch kommen werden. Ich fürchte die Verletzung nicht, weil ich weiß, sie wird nicht von Dauer sein.“

„Was ist das für ein Schatz?“ fragte der neugierig gewordene Schneckenjunge zaghaft.

„Liebe“, flüsterte das Schmetterlingsmädchen und ihre Augen begannen zu leuchten, ihre Stimme wurde mit jedem Wort kräftiger, „Liebe zu mir selbst, zum Leben, wie es ist, zu allem was mich umgibt. Liebe, die nichts braucht und nichts verlangt, die durch nichts begründet ist, außer durch sich selbst. Liebe ist jener magische Schatz, der mich die Verwundbarkeit der Berührbarkeit mit einem Lächeln dankbar annehmen lässt, in dem Wissen, das eben jene Liebe mich beschützen wird, besser als jedes Haus es auf Dauer könnte.“

Nach dieser Offenbarung wurde es still. Nur das leise Rauschen des Windes in den Baumkronen war zu hören, das helle Zirpen der Grillen und Zikaden im grünen Gras. Die Zeit schien zum Stillstand gekommen. Nichts geschah. Oder vielleicht doch? Im Eingang des Häuschens regte sich etwas. Jemand kam zum Vorschein, der all seinen Mut zusammen genommen hatte für diesen Schritt, all sein Vertrauen in eine Welt, die ihn oft genug enttäuscht hatte. Jemand, der endlich sein selbstgewähltes Gefängnis verlassen und frei von Furcht sein wollte. Jemand, der ein anderer war, als er vorgegeben hatte.

Das Schmetterlingsmädchen staunte, aber irgendwie hatte sie es längst auch geahnt.

„Du bist also doch kein Schneckenjunge“, stellte sie lächelnd fest.

„Nein“, erwiderte ein Raupenjunge verlegen, „aber ich hab halt keine Flügel wie du.“

„Noch nicht“, ergänzte das Schmetterlingsmädchen augenzwinkernd.

An diesem Abend zog sich der Raupenjunge nicht wie üblich in sein geborgtes Schneckenhaus zurück, sondern baute sich ein neues, vorübergehendes Heim, einen Kokon, in dem er längere Zeit schlief, ganz für sich allein, abgeschottet von allen Ablenkungen des Lebens, ohne Erwartungen des Außen erfüllen zu müssen, völlig in sich selbst versunken, alles nochmals zu betrachten, was bisher geschehen war, es neu zu bewerten und zu transformieren, dabei in sich jenen Schatz zu entdecken, der jede Wunde zu heilen vermochte: Liebe.

Als sich der Kokon wieder öffnete und ein Schmetterlingsjunge zum Vorschein kam, wartete das Schmetterlingsmädchen bereits auf ihn. Vorsichtig spannte er seine noch ungewohnten Flügel, spürte erstmals den Wind, der sich in ihnen fing und ihn emporhob, hoch hinauf in den blauen Himmel über der Wiese mit all ihren farbenprächtigen Blüten. Mit sanften Flügelschlägen näherte sich das Schmetterlingsmädchen, lächelte, als er ihre Hand ergriff, und sie beide getragen von einer lauen Sommerbrise in ein neues Leben tanzten, voller Leichtigkeit und Lebensfreude. Schmetterlinge eben. Und wenn sie nicht gestorben sind …

… dann besteht eine realistische Chance, ihnen irgendwo auf einer Wiese zu begegnen. Schau dich mal um, vielleicht entdeckst du zwei tanzende Schmetterlinge, die in ihren Herzen einen magischen Schatz hüten: Liebe.

Gewidmet allen „emotionalen Schmetterlingskindern“, deren stark ausgeprägte Empfindsamkeit sie emotional verletzlich macht wie die Flügel eines Schmetterlings. Manche nennen sie auch hoch-sensitiv.

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WAS KANN ICH TUN UM DICH GLÜCKLICH ZU MACHEN?

… diese Frage wurde einer Freundin von einem Bekannten gestellt, so hat sie mir zumindest vor ein paar Tagen berichtet. Leider bekam sie in Folge nicht, was sie genannt hatte. Es ging um einen Geldbetrag knapp unter einer Million Euro.

Seit dem Besuch bei meiner Freundin denke ich über diese Frage nach. Oder besser: ich spüre in mich hinein.

Was könnte jemand tun, um mich glücklich zu machen?

Während ich also über diese Frage sinniere, beginne ich unweigerlich, meine aktuelle Lebenssituation zu reflektieren.

[no nau na net] … ergänzt meine innere Stimme in perfektem Österreichisch 😉 Ins Schriftdeutsche übersetzt bedeutet es so viel wie: Was sonst?

Wie sieht mein Leben derzeit aus? Stressig, aber ich habe mir sowohl den stressigen Job ausgesucht als auch Ja zum neuen Projekt gesagt, und somit zur außerordentlichen Arbeitsbelastung. Es war meine Entscheidung! Ich hätte auch Nein sagen können. Oder längst in einen anderen Job wechseln können.

Generell: Mein Leben ist seit letztem Jahr genau das, was ich für mich bestimmt habe – mit all seinen Sonnen- UND Schattenseiten. Nicht alles läuft perfekt, aber das wäre auch unrealistisch. Ich bin zufrieden mit dem, wie es ist.

Was könnte also jemand tun, um mich glücklich zu machen?

Ich griff die Antwort meiner Freundin auf und rundete gleich mal auf: Eine Million Euro.

Wäre ich mit einer Million Euro glücklich?

Gegenfrage: Was wäre anders?

Ich besitze alles, was ich zum Leben brauche. Teilweise sogar mehr, aber zum Glück (!) nicht so viel, dass ich mir darüber Gedanken machen muss. Besitz bedeutet stets auch eine Form der Belastung.

Was würde ich mit einer Million Euro kaufen?

Das neueste Smartphone? Wozu? Für meine Zwecke genügt das aktuelle völlig. Besitzprotzerei liegt mir nicht.

Ein Luxusauto? Wozu? Damit es in der Garage steht? Ich würde von den Öffis nicht wieder aufs Auto umsteigen. Dazu sind mir meine Nerven zu wertvoll, die ohnehin viel zu lange im täglichen Stauirrsinn strapaziert wurden. Außerdem entstehen beim Bahnfahren wunderbare Dinge, wie selbstgestrickte Socken.

Reisen? Wäre nett. Ich habe ja früher in der Tourismusbranche gearbeitet. Aber Reisen möchte ich mit anderen, um gemeinsam das Abenteuer des Entdeckens zu erleben.

Nicht mehr arbeiten? Ganz ehrlich, ich wurde nicht geboren, um auf der faulen Haut zu liegen. Vielleicht würde ich nicht mehr meinen Stressjob ausüben, aber mit Sicherheit würde ich mir andere Herausforderungen suchen.

Was würde ich mit einer Million Euro machen?

Vielleicht hätte ich plötzlich eine Menge neuer Freunde, auf die ich gerne verzichte, wenn sie nur des Geldes wegen meine Freundschaft suchen.

Meine Gedanken landen in einer Sackgasse – und ich auf einer sonnigen Lichtung, nachdem ich zuvor durch einen Graupelschauer bergauf gewandert bin. Und dann ist er plötzlich da, der kleine Marienkäfer, der sich ob der kühlen Temperaturen nur sehr langsam auf seinem Ast bewegt, doch er bringt mich zum Lächeln, und in mir breitet sich ein Gefühl aus, das ich „glücklich“ nenne.

Was soll ich mit einer Million Euro? Das Leben hat mir eine Gabe geschenkt, die mit keinem Geld der Welt zu kaufen ist: Das Besondere im Alltäglich zu sehen und mich daran freuen zu können.

Es sind meine eigenen Beine, die mich auf diese sonnige Lichtung getragen haben, wo ich nun die wärmenden Strahlen der Frühlingssonne spüre. Meine Augen, die den kleinen Marienkäfer erblicken, während meine Ohren dem Gezwitscher rundum lauschen, dem Flüstern des Windes. Mit all meinen Sinnen spüre ich das Leben, fühle im Herzen eine tiefe Dankbarkeit dafür, all dies erleben zu dürfen und zu können.  

Du fragst, was du tun kannst, um mich glücklich zu machen?

Nichts.

Oder vielleicht doch? Lass dich von meiner romantischen Lebensfreude anstecken. Ich glaube, es würde dieser Welt gut tun, gäbe es mehr Menschen, die nichts brauchen, um glücklich zu sein. 😉

EIN HERZENSPROJEKT

Hinter mir liegt eine Woche extremer Herausforderungen im Job. Doch damit nicht genug. Auch im engsten familiären Umfeld wurde ich intensiv gefordert. Ruhe? Entspannung? Fremdwörter in einer Phase, die mittlerweile bereits zu lange dauert und meine Energiereserven gegen Null fährt.

Inmitten von diesem „Irrsinn“ leuchtet mir ein Stern den Weg, ein Herzensprojekt, das in dieser Woche des „Was noch?“ den vorletzten Schritt (Probedruck) erreicht hat: „Berggeflüster – s’Lebn gspiarn“, mein 6. Buchbaby, mein Kind der Berge.

Berggeflüster bringt mich zum Lächeln, selbst wenn rund um alles erschüttert wird.

Es begann mit einer Wanderung im Juni 2021, mit einem Gedanken, der plötzlich in meinen Kopf war …

„Do obn am Berg, do merkst’s erst, wia kloan das’d bist, siachst vühles plötzlich aundas ois druntn im Toil.“

… ganz so, als hätte jemand ihn mir ins Ohr geflüstert. Vielleicht die grauen Riesen, die rundum mich mächtig emporragten.

Aus diesem Gedanken entstand ein Gedicht, auf das weitere folgten. Im Laufe einiger Aufenthalte im Gasteiner Tal wuchs mein Schatz an geflüsterten Lebensweisheiten in Mundart beträchtlich an. Also beschloss ich, daraus ein Buchprojekt zu machen, inspiriert von der Landschaft und dem Spirit im Tal. Doch wie sollte jemand, der das Tal nicht kannte, sich vorstellen können, woher meine Inspiration kam?

Ich ging einen Schritt weiter und beschloss, einen Bild-Gedichtband zu machen. Damit begab ich mich sehr weit aus meiner Komfortzone als Autorin. Gedichte in Mundart? Bildband? Beides für mich Neuland, das einige Fragen mit sich brachte. Woher das Bildmaterial nehmen? Ich habe zwar einige recht nette Bilder, aber bei weitem nicht ausreichend, um einen Bildband zu füllen.

Es folgte ein weiterer Schritt aus der Komfortzone hinaus: die Kontaktaufnahme mit dem Tourismusbüro vor Ort und in Folge mit einer Facebook-Gruppe, die sehr viele Bilder aus dem Tal postete. Ich fragte nach Bildern für ein Buchprojekt, ein Werk, das so nie geplant war und mir einfach „zugeflüstert“ worden war. Ein Geschenk der Berge – und ich wollte etwas zurückschenken. Deshalb beschloss ich, den Reinerlös aus dem Buchverkauf an die Bergrettung im Tal zu spenden. All das kommunizierte ich in die Facebook-Gruppe. Was danach geschah, beeindruckt mich nachhaltig und macht mich dankbar.

Ich bekam traumhaft schöne Bilder kostenlos zur Verfügung gestellt – und zwar so viele, dass es eine Qual der Wahl wurde, welche 40 Bilder auf den Buchseiten Platz finden sollten.

Bildautor_innen bedankten sich bei mir für die Möglichkeit, etwas beitragen zu dürfen an diesem Projekt und damit an der Spendenaktion für die Bergrettung.

Ich lernte Menschen kennen, die ich sonst nie getroffen hätte. Menschen, die mir berührende Geschichten erzählten.

Es entstand und entsteht Wunderbares rund um dieses Buchprojekt. Derzeit plane ich die Buchpräsentation für Mai vor Ort im Tal. Und wer weiß, was noch alles kommen wird?

Erich Kästner sagte: Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es

Berggeflüster zeigt mir gerade, was ein einzelner Mensch Gutes tun kann – einfach so – aus einem Gedanken heraus, der anderen kommuniziert wird. Schritt für Schritt. Mein Kind der Berge beweist, das Menschen bereit sind zu helfen, wenn sie gefragt werden und ihnen Möglichkeiten geboten werden.

Jeder kann jederzeit Gutes tun.

Vor einigen Tagen überlegte ich kurz, ob ich mich der Welle an Unterstützung für die Ukraine anschließen soll und den Reinerlös in diese Richtung fließen lassen soll. Ich war gerade zum Skifahren im Tal und auf einer Piste unterwegs. Mir gingen Gedanken durch den Kopf wie „anderswo brennt die Welt, fallen Bomben, das ist doch wichtiger“. Plötzlich erblickte ich eine Menge Skifahrer, die sich kurz vor der Sesselliftstation versammelt hatten und im nächsten Augenblick auch den Grund dafür. Sie durften nicht weiterfahren, weil die Rotoren eines Helikopters sich noch drehten und ein Verunfallter eingeladen wurde. Ich erinnerte mich daran, bei meinem vorherigen Besuch Bergretter gesehen zu haben, die mit einem Akia zu Tal sausten. An meinem insgesamt 20 Skitagen in dieser Wintersaison konnte ich einige Einsätze live beobachten. Anderswo mag Krieg toben, das ist schrecklich und nicht mit dem zu vergleichen, was im sicheren Österreich passiert, doch auch hier geht das Leben weiter. Menschen gehen hinauf in die Berge und verunglücken. Die Einsätze der Bergrettung enden nicht, nur weil anderswo Krieg herrscht. Deshalb darf auch unsere Unterstützung nicht enden, denn alle, die hinaufgehen, um andere heil ins Tal zu bringen, tun dies ehrenamtlich. Was sie dafür brauchen an Material, muss bezahlt werden. Mein Buchprojekt möchte etwas dazu beitragen, denn auch ich bin da oben in den Bergen unterwegs. Bislang unfallfrei, weil achtsam, doch niemand ist vor Unfällen gefeit.

„Do obn am Berg, do merkst’s erst, wia kloan das’d bist, siachst vühles plötzlich aundas ois druntn im Toil.“

Für jene, die mit österreichischer Mundart (die regional sehr unterschiedlich sein kann) eine kleine Herausforderung haben:

„Da oben am Berg, da merkst du erst, wie klein du bist, siehst vieles plötzlich anders als unten im Tal.“

Da oben am Berg wurde und wird mir einiges bewusst, was ich beitragen kann, um in dieser Welt ein kleines bisschen Gutes zu tun, mit einem Buchprojekt Menschen zusammenzubringen, die sich sonst vielleicht nie getroffen hätten, um mit ihnen gemeinsam etwas Wunderschönes zu erschaffen, das anderen Freude bereitet und für das sie etwas geben, mit dem jene unterstützt werden können, die ihrerseits geben und tun, um zu helfen.

Oder einfacher gesagt: ein Herzensprojekt

P.S.: Ende April/Anfang Mai wird „Berggeflüster – s’Lebn gspiarn“ im stationären und Online-Buchhandel erhältlich sein. Für ein paar Euro könnt ihr Lebensretter_innen unterstützen und ein einzigartiges Bild-Wort-Kunstwerk in Händen halten und/oder weiterschenken. Es ist ganz einfach, Gutes zu tun 🙂

LEBENSFREUDE KANN MAN NICHT KAUFEN

Worüber schreiben nach einer „8 to 8 Work“-Woche wie dieser? Ganz ehrlich, Herausforderungen gehören längst zu meinem Alltag, ebenso wie das Schaukeln von unvorhersehbaren Zwischenfällen mit unterschiedlicher Tragweite. Alles längst Routine. Dennoch zieht sich ein interessanter roter Faden durch meine Woche: Lebensfreude – trotz allem!

Ein passender Zeitpunkt, um ein paar Blicke auf das Thema Lebensfreude zu werfen.

Meiner Ansicht nach ist Lebensfreude nichts, was man „kaufen“ kann. Weder mit Geld noch mit etwas Materiellem. Ich empfinde Lebensfreude nicht, weil ich dies oder das habe. Oder ich da oder dort war. Oder jemand dies oder das gemacht hat.

Lebensfreude ist für mich unabhängig von allem Äußeren. Es ist eine Grundhaltung. Quasi eine Art von „Betriebsmodus“. Ich empfinde Lebensfreude, auch wenn rundum nicht alles perfekt läuft. Oder die Herausforderungen alles andere als leicht zu meistern sind, Scheitern eine durchaus realistische Option darstellt. Oder Menschen sich anders verhalten als ich es gerne hätte.

Lebensfreude ist für mich ein aus der Tiefe meines Selbst entspringendes Gefühl. Ein riesengroßes JA zum Leben und mir selbst.

ICH LEBE! … das ist doch allemal Grund genug, um Freudensprünge zu machen. Auch wenn etwas schiefläuft oder anstrengend ist oder nervig. ICH LEBE!

Lebensfreude ist für mich etwas, das nicht zeitgleich mit Drama koexistieren kann. Drama, also die klassische und dabei so vielfältige Täter-Opfer-Retter-Dynamik, die sich wie ein unsichtbares Pilzgeflecht (nichts gegen Pilze, aber das Bild passt wie der Deckel auf den Topf) unter der Oberfläche in und zwischen den Menschen ausbreitet, sie lässt keinen Platz für Lebensfreude, denn in ihr gedeiht die Unlösbarkeit, die Unmöglichkeit, die Unerreichbarkeit vom Paradies – das ohnehin nur eine Halbwahrheit in einem dualen Universum darstellt. Aber dieser Illusion werde ich mich ein anderes Mal widmen.

Heute geht’s um immanente Lebensfreude. Also das, was nur bei wenigen Menschen, die mir begegnen, aus den Augen herausstrahlt, ihnen eine Aura der Lebendigkeit verleiht – im Gegensatz zu den allgegenwärtigen „Zombies“, deren Nicht-Lebendigkeit mich immer wieder aufs Neue überrascht. Wie kann man nur so apathisch und energielos durchs Leben wandeln? Welch Zeitverschwendung kostbarer Lebenszeit! Ja, die Lebensumstände können schon mal unter dem Nullpunkt landen, aber trotzdem … Lebensfreude ist ein riesengroßes JA zu sich selbst, unabhängig von Lebensumständen, ein Lächeln im Herzen, ein Licht in der Seele.

Selbst wenn nichts anderes bleibt, das Freude bereitet, so kann ich mich stets darüber freuen, am Leben zu sein. Ist nicht das die Basis für alles? Solange ich lebe, ist (fast) alles andere veränderbar. Zumindest meine Einstellung dazu kann ich verändern, solange ich lebe.

ICH LEBE – die Quelle unerschöpflicher Lebensfreude. So sehe ich das, aber ich kann natürlich – wie immer – völlig falsch liegen. Frei von Drama-Energie (außerhalb des Pilzgeflechts), kann ich natürlich Ansichten vertreten, die niemand sonst teilen muss. Das ist auch in Ordnung. Ich sprühe trotzdem vor Lebensfreude – möglicherweise unheilbar.

Hoffentlich unheilbar 😉 a fiery spark of joie de vivre

Bild: pixabay.com

STARKE MENSCHEN WEINEN IM STILLEN

Es gibt Phasen in meinem Leben, da blicke ich auf die zurückliegende Woche und denke mir: Wie hat all das Platz gefunden in 7×24 Stunden? Die vergangene Woche war eine von diesen. Unter all dem, was geschah, sticht ein Ereignis heraus, das mich mehr als alle anderen berührt.

Wieder einmal traf ich auf einen Menschen, der zurückblieb, als ein anderer ging. Ein geliebter Mensch, von vielen geschätzt, der in sich ein strahlendes Licht trug – und tiefste Finsternis. Letzteres wusste kaum jemand, weshalb es umso mehr schockierte, als dieser geliebte Mensch freiwillig ging und jene anderen zurückließ, verzweifelt fragend, nach Erklärungen suchend.

Einer dieser zurückgebliebenen Menschen traf also auf mich. Auf eine, die ein strahlendes Licht in sich trägt, ebenso wie tiefste Finsternis, und die offen darüber spricht, wie es ist, hin und her gerissen durch dieses Leben zu wandeln, das eine nicht ohne das andere sein zu können – und nach langem den Frieden in sich gefunden zu haben.

Es war nicht das erste Zusammentreffen dieser Art – und wird nicht das letzte gewesen sein.

Für mich war es ein „Wink des Schicksals“, mich wieder verstärkt jenen zuzuwenden, die danebenstehen und nicht begreifen können, was in ihren Liebsten geschieht. Vielleicht helfen meine folgenden Gedankengänge, einen neuen Blickwinkel zu eröffnen:

Menschen mit „psychischen Problemen“, sei es nun Borderline, Depressionen, Bipolarität und anderen Formen/Symptomen unter dem Hashtag Persönlichkeitsstörung sind weder schwach noch Versager. Ganz im Gegenteil. Viele unter ihnen sind sehr starke Menschen, denn es gelingt ihnen, über Jahre und Jahrzehnte ihr „Problem“ zu verbergen, im Alltag Rollen zu spielen, die kräftezehrend und belastend sind. Erst hinter verschlossenen Türen, wenn nur noch wenige Vertraute um sie sind oder manchmal auch niemand mehr, fallen die Masken, tritt der ungelöste innere Konflikt zu Tage und mit ihm die Zweifel an sich selbst bis hin zur Verzweiflung.

Starke Menschen weinen im Stillen.

Es mangelt ihnen nicht an Kraft, aber an Wissen um das, was sie fremdsteuert, ebenso wie es an der Fähigkeit mangelt, damit umzugehen, ihr psychisches und/oder seelisches Gleichgewicht selbständig in Balance zu halten.

Woher sollten sie es auch können?

Der Blick nach innen, die Reise zu sich selbst, die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und was immer sich dort findet … all das gehört für manche Menschen zum Alltag, aber für viele andere nicht.

Weil es sie nicht interessiert.

Weil sie nicht in einem Umfeld aufgewachsen sind, das sie dazu ermutigt hat.

Weil unsere Gesellschaft grundsätzlich mehr auf die Oberfläche als unter sie blickt.

Weil sie Angst vor dem haben, was sie vielleicht finden könnten.

Weil vielleicht etwas gänzlich anderes sie davon abhält.

Was auch immer es ist, es verhindert, dass diese Menschen lernen, in sich die Balance zwischen „Licht und Dunkelheit“ (wie ich es gerne romantisch nenne) herzustellen. Dieses Gleichgewicht wurde/wird bei den meisten Menschen irgendwann im Laufe des Lebens erschüttert (z.B. durch Verluste, traumatische Erlebnisse und dergleichen). Die Einen finden zurück ins Gleichgewicht, andere nicht. In ihnen wirkt Tag für Tag nach, was sie einst erschüttert hat, verstärkt durch das, was folgte, bis hin zum alltäglichen Rollenspiel.

Die Auswege aus diesem Dilemma sind so vielfältig wie die Menschen selbst, doch ihre Richtung ist stets dieselbe: der Blick nach innen, die Reise zu sich selbst.

Kleine bunte Pillen lösen keine dieser Probleme, sondern kehren sie unter einen farbenfrohen Teppich. Mehr nicht. Keine Pille der Welt ist in der Lage, eine Traumatisierung aufzulösen. Weder lässt sie das Geschehene vergessen noch eine neue Einstellung dazu gewinnen. Sie unterdrückt, was gelöst werden will, und damit verhindert sie auch die Rückkehr in den inneren Frieden.

Lösen kann man nur jenes, auf das man blickt, mit dem man sich befasst. Manchmal allein, ein anderes Mal mit Unterstützung. Auflösung ist ein aktiver, bewusster Prozess, der durch in ein offenes, wertschätzendes Umfeld unterstützt werden kann.

Wer sich auf die Reise zu sich selbst macht, wird dabei so manchem begegnen, das möglicherweise alten Schmerz wachruft, das lieber vergessen sein will, doch da gilt es hindurchzugehen. Weiß man Menschen an seiner Seite, die nicht (ver)urteilen, nicht die Richtung oder das Tempo vorgeben wollen, sondern einfach begleiten und Halt geben, wenn man diesen braucht, dann können die Herausforderungen dieser Reise leichter gemeistert werden.

Wer mit einem Gipsbein durch die Welt humpelt, wird als vorübergehend eingeschränkt wahrgenommen und es wird Rücksicht genommen. Gilt das auch für jene, die mitten in einer Depression stecken und den Kopf hängen lassen? Oder bekommen sie zu hören: „Reiß dich zusammen. Anderen geht’s auch dreckig und sie machen trotzdem weiter.“ Wer will schon als schwach gelten?

Starke Menschen weinen im Stillen, aber sie weinen.

Jeder von uns kann einen Teil dazu beitragen, das es für diese starke Menschen leichter wird, zu bleiben, indem wir anfangen, ein Umfeld zu erschaffen, das Halt gibt auf der Reise zu sich selbst.

Weg von (Vor)Urteilen, hin zu Respekt und Wertschätzung.

Vielleicht müssen starke Menschen dann nicht mehr im Stillen weinen.

Vielleicht kommt sogar der Tag, an dem sie aufhören zu weinen, weil sie angekommen sind und geschätzt werden als die, die sie sind.

Eine wunderschöne Vorstellung.

Bild: https://pixabay.com/de/photos/sonnenuntergang-frieden-einsamkeit-1207326/