AB INS RAMPENLICHT !?!?!?

Ehrlich gesagt, bis heute Morgen wusste ich nicht, was ich diese Woche mit der Welt teilen möchte. Geschehen ist eine Menge, aber irgendwie auch nichts „Neues“.  Nichts, was ich als teilenswert im Sinne von inspirierend eingestuft hätte. Bis ich heute während meiner Morgengymnastik nebenbei in Ö3 (österreichischer Radiosender mit der größten Reichweite im Land) in der Sendung „Frühstück bei mir“ etwas aufgeschnappt habe …

Zu Gast war heute eine Frau (ich nenne hier bewusst nicht ihren Namen) mit einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte. Als 10-jährige entführt, verbrachte sie 3.096 Tage in einem Kellerverlies, bis ihr im Alter von 18 Jahren die Flucht gelang. Über ihre Erlebnisse in dieser Zeit und ihre Strategien, all dies zu überleben, schreibt sie Bücher und tritt in der Öffentlichkeit auf.

Hier sind wir auch schon beim Punkt angekommen.

Öffentlichkeit = Rampenlicht.

Im Laufe der Sendung gab es etliche positive Rückmeldungen, aber auch Stimmen, die meinten, sie würde sich zu sehr ins Rampenlicht drängen. Eine Frage, die ich mir auch hin und wieder stelle: Dränge ich mich mit meiner Geschichte ins Rampenlicht?

Für mich persönlich waren Menschen, die außergewöhnliches erlebt haben, stets eine Inspiration. Ich weiß noch, dass ich 2x in meinem Leben einen (denselben) Menschen getroffen haben, der mich stark beeindruckt hat. Es lagen Jahre dazwischen, der Kontext war völlig unterschiedlich, doch der Mensch war derselbe: geboren als sogenanntes „Contergan-Baby“, also mit extrem verkürzten, verstümmelten Gliedmaßen, war dieser Mensch für nahezu alles (Essen, Trinken, Körperhygiene, Kleidung) auf fremde Hilfe angewiesen … und strahlte eine unglaubliche positive Energie aus, hatte einen Job (PC-Arbeit mittels eines Stiftes, den er im Mund hielt), Freunde und ging gerne aus. Wir waren gemeinsam auf einem Konzert. Keine Spur von Opfer, Anklage, Selbstmitleid …

Jahre später traf ich auf einen, dessen Heimfahrt von der Disco im Krankenhaus endete: Querschnittlähmung. 18 Jahre, kaum noch gelebt, und der nach einer schweren Zeit sich selbst wieder aufgebaut hat und danach mehrfacher Olympiasieger wurde. Mit so einem Menschen von Angesicht zu Angesicht zu sprechen, ließ mich spüren: der braucht keine Selbstdarstellung. Der war ganz unten und hat sich selbst wieder raufgearbeitet. Der will weder protzen noch was verstecken. Der lebt, was er ist und will als das, was er ist, wahrgenommen werden.

Genauso geht es mir heute. Ich mag nicht so bekannt sein, wie die Frau im Radio (zumindest hat der Rundfunk bei mir noch nicht angefragt 😉) oder der Olympiasieger, aber ich bin, wer ich bin. Erzähle meine Geschichte ungeschminkt, ungeschönt; will weder protzen noch was verstecken. Will gesehen werden als die, die ich bin.

Rampenlicht ist tückisch. Stehst du mittendrin, blicken dich alle an. Erlischt es, sieht dich meistens niemand mehr.

Meine Reichweite mag überschaubar sein, dennoch gelingt es mir hin und wieder, Menschen zu inspirieren, zu motivieren. Manche begleite ich eine Zeit lang, andere kreuzen einmalig meinen Weg und ich erfahre nie, was daraus wurde, aber ich bin überzeugt, dass nichts ohne Wirkung bleibt in diesem Universum. Jeder „Impact“ löst etwas aus. Jede Begegnung bringt etwas in Bewegung, früher oder später, mehr oder weniger, in diese oder jene Richtung. Keine zwei Teilchen können im Universum aufeinandertreffen, ohne sich wechselseitig zu beeinflussen – warum sollten es zwei Menschen können? – Rampenlicht hin oder her.

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WORUM ES IM LEBEN WIRKLICH GEHT (2)

… das ist meiner bescheidenen Meinung nach die Grundhaltung. Egal, was rundum ist, ob absolutes Chaos oder Friede-Freude-Eierkuchen, ob die Menschen mich mögen oder nicht, ich mache mir eines stets aufs Neue bewusst:

Ich lebe! Ich atme, fühle, kommuniziere … auf welche Weise auch immer, ich bin mit der Außenwelt in Interaktion und kann mich entscheiden, was ich in diese Welt und zu den Menschen hinaussende.

Jammere ich anderen die Ohren voll über (für mich) Unveränderliches? Finde ich Schuldige und übernehme die Rolle von Ankläger-Henker-Richter in Personalunion? Trage ich meines dazu bei, den Haufen menschlicher Negativität ein Stückchen wachsen zu lassen? Nutze ich die öffentliche Bühne um mich als Opfer zu zelebrieren?

Oder (und an dieser Stelle bremse ich meinen Drang zur Theatralik ein, um die Aufzählung in einem überschaubaren Bereich zu halten, denn … ganz ehrlich, mir würde noch so einiges einfallen 😉) entscheide ich mich, Botschaften nach außen zu senden, die Hoffnung schenken, die inspirieren, die das Herz berühren, die Kraft verleihen und das Vertrauen stärken in das Leben, die Menschen, mich selbst.

Paul Watzlawick sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Dem stimme ich voll und ganz zu.

Die sozialen Medien verleihen jeder einzelnen Stimme eine schier grenzenlose Reichweite. Meine Worte können 24/7 rund um den Globus von jedem vernommen werden, der über Internetzugang verfügt.

Welch eine Macht!

Welch eine Verantwortung! … mehr denn je!

Wirklich jede und jeder von uns trägt zu dem Bild bei, das in diesem Augenblick entsteht, dass sich in den Köpfen unzähliger Menschen manifestiert, dabei ihre Gedanken, Gefühle und Handlungen beeinflusst.

Stell dir vor, was geschehen würde, wenn ab sofort nur noch lebensbejahende Botschaften geteilt würden?

Die Menschheit steht vermutlich vor ihrer bislang größten Herausforderungen, diesen Planeten als Lebensraum für sich zu erhalten, das längst überholte Konzept von Krieg abzuschaffen, um mittels Kommunikation und Kooperation zu einem friedvollen Miteinander zu finden, in kulturellen Unterschieden nicht die Grenzen, sondern verbindende Vielfalt zu erkennen. Dazu noch all die „kleinen“ persönlichen Herausforderungen.

Wir haben echt viel vor uns.

Wäre es da nicht angebracht, Mut zu machen? Worte und Bilder zu teilen, die uns darin bestärken, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten?

Es ist ähnlich wie mit der Schwerkraft. Ganz gleich, ob du daran glaubst oder verstehst, wie sie funktioniert, sie wirkt und hält dich am Boden (der Realität). Ob du nun daran glaubst oder verstehst, wie es funktioniert, jedes deiner Worte wirkt in dieser Welt, deshalb … wähle deine Worte mit Bedacht. Sie sind der Samen, den du in der Gegenwart auf die Reise schickst und aus dem die Zukunft erwächst.

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(UN)BEQUEME ANTWORTEN

Mein Neuausrichtungsprozess führte mich an jene Stelle, die auf dem Bild zu sehen ist. Wunderschöne Aussicht an einem Novembertag, kurz nachdem sich der Nebel gelichtet hat, die Sonne ihre wärmenden Strahlen auf mein Gesicht warf. Alles wunderbar – bis auf ein paar kreisende Gedanken, die mich beschäftigten und Fragen danach aufwarfen, warum ich mich unrund fühlte.

Da gibt es einige Menschen in meinem Leben, die verursachen, dass ich Teile von mir nicht oder nur eingeschränkt auslebe.

Das ist die bequeme Antwort.

Da gibt es einige Menschen in meinem Leben, denen gegenüber ich einige Teile von mir nicht oder nur eingeschränkt auslebe, weil … (folgt weiter unten).

Das ist die unbequeme Antwort.

Wer mag schon unbequeme Antworten? Die Ursache für mein Unrund-Sein anderen in die Schuhe zu schieben, ihnen die Verantwortung umzuhängen, das wäre so einfach, so bequem, so gewohnt und erlernt. Immerhin wuchs ich in einem Umfeld auf, das grundsätzlich die Verantwortung für jeden Missstand nach außen projizierte.

Aber ich mache es mir nicht (mehr) so einfach.

Der Haken am bewussten Leben ist nämlich, hin und wieder sich mit unbequemen Antworten zu befassen.

Mich in meinem Ich-Sein selbst zu beschränken ist übrigens eine Form der Selbstverstümmelung, nur mal nebenbei erwähnt. Es gibt viele unterschiedliche Arten der Selbstverletzung, die keinerlei sichtbare Narben am Körper hinterlassen, aber tiefe Spuren in der Seele und Psyche.

Warum also schränke ich mich manchen Menschen gegenüber ein und unterdrücke mein Ich-Sein?

Die Antwort auf diese Frage ist unbequem: Angst – vor Ablehnung, Zurückweisung, negativem Feedback etc etc etc …

So richtig unbequem wird es, wenn zu diesen Menschen eine tiefe emotionale Beziehung besteht, dann könnte es nämlich wehtun. Man könnte vereinfacht sagen, ich weiche einem potenziellen Schmerz (Verletzung durch das Gegenüber) aus, indem ich einen garantierten Schmerz (Selbstverletzung) auslöse. Genug Konjunktiv.

Wenn es etwas in diesem Universum gibt, das etwas unnötig komplizieren kann, dann ist der Mensch – mich eingeschlossen!

Während ich auf einer Bank in der Sonne saß, blickte ich auf eine (un)bequeme Antwort, schüttelte den Kopf über mich selbst und entschied mich, einfach mehr auf die Menschen zu vertrauen und auf mich selbst, mit dem klar zu kommen, was auch immer da kommen mag.

VERTRAUTE FREMDE GEFÜHLE

Vor einigen Tagen geschah etwas, das ich nun erstmalig in Worte zu fassen versuchen. Es war eines dieser Ereignisse im Leben, die einen völlig unvorbereitet treffen und nach denen nichts mehr so ist wie zuvor.

Zu Beginn war da eine gewisse Unruhe, die sich maskiert hinter Überlastung (wann arbeite ich eigentlich nicht zu viel?) anschlich. Darauf folgten destruktive Gedanken, der Drang heftige Reaktionen im Umfeld (=Ärger) zu provozieren – und dann war es plötzlich da, dieses vertraute, fremde Gefühl zu sterben. Damit meine ich nicht den Wunsch zu sterben. Todessehnsucht hat damit nichts zu tun. Es war auch keine Panikattacke, sondern das Gefühl, in diesem Augenblick zu sterben. Eine Gewissheit, die ich bereits öfters erlebt hatte und – nachdem ich immer noch hier bin – auch überlebt hatte. Doch diesmal war etwas anders.

Plötzlich tauchte eine alte Erinnerung aus den Untiefen meines Unterbewusstseins auf. Ich an der Schwelle zwischen Kind und Teenager, ziemlich überfordert mit mir selbst, die so anders war in ihrem Denken und Fühlen als alle anderen rundum. Mein Vater, der auf dem Bett lag, im Krankenhaus, wenige Tage vor seinem Tod. Speiseröhrenkrebs im Endstadium. Sein ausgemergelter Körper, der nur mehr ein Schatten seiner selbst war, lag apathisch vor mir, zugedröhnt vom Morphium, das die Schmerzen ausschalten sollte, und gleichzeitig seinen Geist lahmlegte. Doch er fühlte etwas, spürte seinen bevorstehenden Tod. Dessen bin ich mir sicher, denn ich fühlte es auch. Dieses Gefühl drang ich mich ein, überrollte mich und blieb gleichzeitig hängen. Ab und an kehrte es zurück. So wie vor einigen Tagen. Ein übermächtiges Gefühl, das absolut nichts mit der gegenwärtigen Realität zu tun hatte.

Erstmalig offenbarte es seinen Ursprung, lud mich ein, der Dunkelheit ins Angesicht zu blicken und zu erkennen, dass dieses vertraute Gefühl doch ein fremdes war, welches ich übernommen hatte in meiner kindlichen Unerfahrenheit darin, mich selbst zu schützen. Es fiel von mir ab, an diesem Abend vor wenigen Tagen. Erklären lässt sich das nicht, nur schildern. Ich weiß auch nicht, was genau geschah, nur dass ich mich danach unbeschreiblich (er)leicht(ert) fühlte, voller Energie und Lebensfreude.

Ende gut, alles gut?

Warum ich erst Tage nach diesem Ereignis darüber schreibe, hat einen Grund: ganz so „vorbei“ ist es nicht, denn es folgte das „danach“. Ich versuche mich an einem bildhaften Vergleich.

Stell dir eine große Schale mit bunten Glasmurmel vor. Inmitten der unzähligen Murmeln liegt ein schwerer, dunkler Stein. Eines Tages wird der Stein von etwas außerhalb der Schale magnetisch angezogen und siehe da, er verschwindet. In der Schale bleiben nur die bunten Murmeln zurück. Doch keine von ihnen befindet sich noch an dem Platz, an dem sie zuvor war. Alle Murmeln wurden durch die Entfernung des Steins ebenfalls in Bewegung versetzt. Genau an diesem Punkt befinde ich mich jetzt.

Das übernommene Gefühl, das so viele Jahre Platz in mir gewohnt hat, gab seinen Platz frei. Die gewohnte Ordnung ist durcheinandergeraten und dabei, sich neu auszurichten. Dadurch verändert sich auch der Blickwinkel auf manches. Dafür braucht es Zeit und Energie. In meinem Fall auch einen temporären Rückzug aus der Hektik des Alltags, um diesem Prozess Raum zu geben.

Früher gehörte ich zu denen, die ihren Fokus auf das Problem und dessen Auflösung lenkten, ohne zu beachten, was danach folgt. Kam nach dem anfänglichen Hype über das Gelöste eine Phase der Energielosigkeit, stufte ich das als Misserfolg ein. Doch das war es nicht. Ganz im Gegenteil. Es war die Phase der Neuausrichtung, die ich all zu oft zu ignorieren versuchte und mich „durchkämpfte“.

Heute gönne ich mir (zugegeben: mit einigen Tagen jobbedingter Verzögerung) eine Zeit des Rückzugs in die Stille, um das Geschehene wirken zu lassen. Vor 39 Jahren übernahm ich ein fremdes Gefühl, trug es in mir, gab ihm Raum und Leben. Sein Verschwinden wird keine Lücke in mir hinterlassen, ganz im Gegenteil, denn in mir finden sich viele wundervolle Gefühl, die sich nun zu einem neuen Bild in mir ordnen.

In mir höre ich die Worte von Lucy, die x-mal zu mir sagte: „Learn zu distingiush“ (Lerne zu unterscheiden). Nicht alles, was vertraut ist, ist auch das eigene. Was bist du, was bist du nicht?

Ich denke, in der ersten Lebenshälfte sind wir alle damit beschäftigt, zu wachsen, zu werden, etwas aufzubauen. Dabei bleibt häufig die Unterscheidung auf der Strecke. Ab der Lebensmitte geht es (nach einigen philosophischen Lehren) darum, das eigene und zu sich selbst zu finden. Aus all dem, was zuvor an- und übernommen wurde, jenes herauszufiltern, das zu einem selbst gehört. Rückblickend stelle ich fest, dass ich knapp nach meinem 50er damit begann, meine Leben zu vereinfachen, mich von Überholtem und Überflüssigem zu trennen, Ballast abzuwerfen, sowohl physisch als auch psychisch und … emotional.

Fremde Gefühle – so vertraut sie auch sein mögen – dürfen an ihren Ursprung zurückkehren, damit ich werden kann, wer ich bin, immer war und immer sein werde.

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SEUCHE BORDERLINE?

Ein provokanter Titel, ich weiß, aber meine diesbezüglichen Gedanken sind nicht minder provokant. Durch die vergangenen Wochen zieht sich für mich ein roter Faden: die Borderline-Diagnose. Entweder sie betraf die Menschen direkt oder ihr unmittelbares Umfeld, entweder hatte ich diese Menschen eben erst kennengelernt oder kannte sie bereits seit Jahren. Immer häufiger habe ich den Eindruck, niemanden mehr zu kennen, der nicht in irgendeiner Weise davon betroffen ist.

Ernüchternd?

Und wie!

Deshalb hier ein paar Gedanken dazu.

Nimmt die Zahl der Borderliner zu?

Aus meiner Sicht: Ja. Da nur wenigen der Ausstieg (also die „Heilung“) gelingt und gleichzeitig jedes Jahr neue Fälle dazukommen (weil ja mehr Menschen geboren werden als im gleichen Zeitraum sterben), wächst der Anteil an Borderline-Betroffenen in der Bevölkerung automatisch.

Sind immer mehr Menschen psychisch krank bzw. gestört?

Jein. Für mich hat es eher damit zu tun, dass unsere Gesellschaft extrem fordernd geworden ist, immer weniger „Verletzlichkeit“ toleriert und damit zwangsläufig die Zerrissenheit zwischen dem, was man sein sollte und dem, was man ist, fördert.

Wenn ich die klassischen Borderline-Symptome hernehme, beginnend bei mangelndem Selbstwert, Überlastung durch Eigen- und Fremdausbeutung, Schwarz-Weiß-Denken, Angst vor dem Verlassenwerden, Identitätsverlust (Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht mehr versuche zu sein, was andere von mir erwarten?), extreme Emotionalität und Stimmungsschwankungen, Depressionen … mal ehrlich, auf irgendeine Weise ist jeder Mensch irgendwann in seinem Leben davon mehr oder weniger betroffen. Ein Test zum „richtigen“ Zeitpunkt wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine entsprechende Diagnose bringen.

Und was dann?

Therapie, Psychopharmaka, endlose Selbstzweifel unter dem Stigma der Diagnose, an einer Störung zu leiden. Danach folgt Ursachenforschung (= Wühlen in der Vergangenheit), hoffentlich auch Lösungsansätze kreieren (= Tools für die Gegenwart und Strategien für die Zukunft). Alles schön und gut, aber …

… wer therapiert die Gesellschaft, die ihren Beitrag dazu leistet? (Stichwort: Fremdausbeutung). Die jungen Menschen keine Chance bietet, sobald Narben an den Armen sichtbar sind. Die Narben in der Seele sehen hingegen nur wenige. Wie auch? Um die zu erkennen, muss man mit dem Herzen blicken.

An dieser Stelle könnte ich noch lange argumentieren, ein aufwühlendes Plädoyer verfassen … oder es auf den Punkt bringen, den ich wahrnehme:

Borderline ist schlimmer als eine Seuche, es ist ein Spiegel unserer gegenwärtigen Gesellschaft, in der …

  • … im Idealfall alles kontrolliert läuft, jeder Mensch wie eine Maschine zu funktionieren hat, für „Menschliches“ viel zu wenig Platz bleibt.
  • … Krankheiten all zu oft auf Symptome reduziert werden, vielleicht noch auf den Körper als Ganzes, aber Gefühle? Die Seele?
  • … die Existenz einer Seele gerne in Frage gestellt wird, weil nicht wissenschaftlich erklärbar. Oder als esoterisch abgestempelt.
  • … in der sich ganz viele selbst am nächsten sind, häufig gar nicht böswillig, sondern einfach aus der Angst heraus, etwas zu verlieren, wenn sie ihre Arme und Herzen öffnen.
  • … in der es an Vertrauen mangelt. Wie könnte es auch anders sein, bei all dem, was rundum geschieht. Wer nicht aufpasst, wird über den Tisch gezogen, betrogen, ausgenutzt.
  • … in der die Seele verkrüppelt im ständigen Misstrauen, das Herz versteinert, der Mensch krank wird und seine Psyche eine eigene Hölle des Schmerzes erschafft.
  • … in der die meisten Menschen bedürftig sind an Zuwendung, Anerkennung, Liebe, Geborgenheit, nur noch wenige in der Lage sind, all dies für sich selbst zu empfinden und es anderen weiterzugeben OHNE etwas dafür im Gegenzug zu erwarten.

Unsere Gesellschaft hat verlernt, was es bedeutet, Mensch zu sein. Im Gegensatz zu früheren Zeiten werden die Menschen heute allerdings nicht durch Kriege oder Hungersnöte abgelenkt. Wenn die Bedrohung für Leib und Leben wegfällt, tritt die Frage nach dem „wofür?“ in den Vordergrund.

Sinn und Sein.

Wer bin ich? Was ist der Sinn meines Lebens?

Zwei der wichtigsten Fragen überhaupt, denn in ihren Antworten findet sich – meiner Erfahrung nach – genau jenes, das es braucht, um aus der Borderline-Achterbahnfahrt auszusteigen und zurück in die Umarmung des Lebens zu finden.

Ist Borderline heilbar?

Meine persönliche Erfahrung: JA! Wenn man in sich hineinspürt, die eigene Bedürftigkeit entdeckt und lernt, diese zu erfüllen, aus sich selbst heraus. Nebenbei fand ich heraus, wer ich bin, was der Sinn meines Lebens ist und wie ich mit all dem, was in mir ist, ein wundervolles Leben führen kann.

Krise und Chance gehen stets Hand in Hand. Borderline kann ein Fluch sein – oder ein Segen, weil es wachrüttelt, sich den wirklich wichtigen Fragen des Lebens zu stellen, aufzuwachen, bewusst zu werden, sich als Mensch weiterzuentwickeln. Nicht zu reagieren, sondern zu agieren. Nicht zu überleben, sondern zu leben, lebendig zu sein im Augenblick, im Hier und Jetzt.

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DAS HEB‘ ICH MIR FÜR EINEN BESONDEREN ANLASS AUF …

Wie oft habe ich mir das schon gedacht – und bin damit sicherlich nicht allein. Von Zeit zu Zeit hinterfrage ich diese Aussage, aber bis zu einer Verhaltensänderung hat es dann doch nicht gereicht. Bis jetzt. Vor ein paar Tagen brachte mich ein Telefonat ins Grübeln.

Eine Bekannte sagte kurzfristig eine Verabredung ab, weil jemand in ihrer Familie gestorben war. Unerwartet verstorben. Genauer: vom Abendessen aufgestanden als wäre nichts und eine Stunde später war die Person tot. Kein Unfall, keine akute Erkrankung, nur ein paar Wehwehchen, die wohl viele im Pensionsalter haben. Aber nichts, was ein jähes Ableben vermuten ließe. Ein Schock fürs Umfeld.

Meine Großmutter starb auf ähnliche Weise. Nach einem Ausflug ging sie in ihr Zimmer, fiel um und war tot. Sie wurde 83, hatte ihr Leben weitgehend hinter sich. Eine angeheiratete Cousine von mir kam von einem Nachmittagskaffee nicht mehr nach Hause. Sie war erst in den 40ern. Und meinen Cousin ereilte das Schicksal des unerwarteten Todes mit 18.

Sie alle haben vermutlich – ebenso wie ich – das eine oder andere „für einen besonderen Anlass“ aufgehoben. Sei es ein Kleidungs- oder Schmuckstück, das wohl verpackt im Kasten oder einer Schublade ruht. Sei es eine Flasche Wein, ein Parfum … oder was auch immer als so wertvoll erachtet wird, dass es auf einen besonderen Anlass warten darf/muss.

Und wenn dieser Augenblick nie kommt?

Was, wenn man im Trubel des Alltags viele wunderbare Momente vorbeiziehen lässt, auf den einen besonderen wartend, und dann schlägt das Schicksal zu und man wird der Chance beraubt, jemals wieder etwas zu erleben?

Verschiebe nicht auf morgen, was du dir (und anderen) heute Gutes tun kannst.

Egal, ob einen Spaziergang, eine Muse-Stunde, leckeres Essen, eine Liebeserklärung, … wenn es hier und heute Platz findet, dann darf es sein, auch an einem stinknormalen Tag, an dem so gar nichts besonders ist. Jeder von uns hat nur dieses eine Leben (nach der aktuellen wissenschaftlichen Beweislage) und niemand von uns weiß, wie viele Jahre, Monate, Wochen, Tage, Stunden noch vor einem liegen. Warum also das zurückhalten, was hier und jetzt Freude bereiten kann?

Angeblich bereuen sterbende Menschen weniger das, was sie getan haben, also das, was sie nicht getan haben. Ihre Versäumnisse, die sie nie wieder aufholen können. Die Aussprachen, die sie nicht mehr führen können.

Aber wer denkt schon übers Sterben nach? Wer bereitet sich vor?

Viele Jahre hatte ich Angst davor, übers Sterben nachzudenken. Irgendwann akzeptierte ich, dass man dem Lauf des Lebens nicht entkommen kann. Seither setze ich mich bewusst mit meiner Sterblichkeit auseinander, mit der Endlichkeit des Lebens, wie ich es kenne. Mit dem, was ich noch tun möchte in der mir verbleibenden Zeit. Mit dem, was ich für besondere Anlässe aufhebe … und ob nicht hier und jetzt genau dieser besondere Augenblick ist.

Seit ich den Tod nicht mehr fürchte, empfinde ich meine Lebensfreude intensiver als zuvor. Ich versuche, möglichst wenig Momente zu verschwenden mit unnötigem Ärger über Unveränderliches, und stattdessen so oft wie möglich aus dem Herzen heraus zu leben. Weniger denken, mehr fühlen. Im Alltäglichen das Besondere zu entdecken. Einfach lebendig zu sein im hier und jetzt, denn genau dieser Augenblick ist besonders und wird niemals wiederkehren. Deshalb verdient es dieser Augenblick – so wie jeder andere auch – gefeiert zu werden.

LEBE JETZT – wer weiß schon, was morgen sein wird.

LEBE, denn du wurdest geboren, um lebendig zu sein, deine Lebensfreude mit anderen zu teilen und dieser Welt eine Facette hinzuzufügen, die es ohne dich nicht gäbe.

LEBE in diesem besonderen Augenblick.

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Impulse für DEIN bewusstes Leben (Tageskongress)

Am 12. November darf ich als Speakerin beim Tageskongress „Impulse für DEIN bewusstes Leben“ einiges erzählen😊

Mein Thema lautet „Krisen überwinden“ und hier kommt ein kleiner Vorgeschmack:
https://www.youtube.com/watch?v=pJfrCwlwtwc
#bewussteneuewelt

Mehr zum Tageskongress und den Speaker*innen findest du hier

https://bewussteneuewelt.jetzt/impulse-fuer-dein-bewusstes-leben/

WIR Speaker*innen freuen uns auf DICH 💛

VON DER AUSSENSEITERIN ZUM ROLE MODEL

Diese vergangene Woche war ziemlich turbulent. Gleichzeitig sind spannende neue Ideen und Projekte entstanden. Eine echte Power-Woche. Ein Ereignis sticht für mich aus der Masse hervor. Oder besser gesagt: eine Aussage.

Vor einigen Tagen sprang ich für eine Kollegin ein, übernahm ihre Gruppe. Das Thema waren Zukunftsbranchen und die eigene (berufliche) Rolle in der Zukunft.

Ich muss hier festhalten, dass ich eine sehr leidenschaftliche Trainerin bin, gerne Schwellendidaktik betreibe und dabei eine Menge Spaß habe, mit dem, was aus einer Gruppe kommt, zu arbeiten. Wenn es dann noch um Zukunft und Entwicklung geht, bin ich in meinem Element, die Teilnehmenden zu motivieren, schlummernde Potenziale auszuloten, lang gehegte Träume aus der Schublade zu holen und auf Realisierbarkeit zu durchleuchten. An diesem Nachmittag fiel das Wort Role Model. Auch am darauffolgenden Tag meldete die Gruppe meiner Kollegin rück, ich wäre ein Role Model für sie.

Was bedeutet das, ein Role Model zu sein?

Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, dann erinnere ich den ersten Tag eines Schuljahres. Wir bezogen eine neue Klasse. 18 Schüler*innen, eine gerade Anzahl. 10 Zweierbänke. Ich saß in Bank rechts vorne, gleich neben der Tür – und niemand wollte sich neben mich setzen. Auch nicht an den folgenden Tagen. Oder Jahren.

Ich war eine Außenseiterin, der man aus dem Weg ging.

Ich war anders. Nicht äußerlich, aber in meinem Verhalten. Im Fühlen. Die anderen konnten es sicherlich nicht bewusst benennen, aber sie spürten es – und verhielten sich entsprechend.

Viel Zeit ist seither vergangen.

Heute werde ich also als Role Model gesehen. Die Menschen, die mir diese Anerkennung zukommen ließen, wissen nicht, durch welche Krisen ich ging – aber sie scheinen zu spüren, dass da eine vor ihnen steht, die ganz genau weiß, wovon sie spricht. Keine leere Worthülsen. Wenn ich sage, dass in jedem ein Potenzial steckt, das entfaltet werden kann, dann ist das meine volle Überzeugung, geboren aus der Erfahrung, einst selbst eine ausgegrenzte Außenseiterin gewesen zu sein, die ihre Potenziale heute lebt.

Was bedeutet es für mich, als Role Model gesehen zu werden?

Es erfüllt mich mit Freude, mit Dankbarkeit, bringt mich zum Schmunzeln, weil ich mich überhaupt nicht besonders fühle. Anders, ja, eigenwillig mitunter. Aber nachahmenswert? Wenn es etwas gibt, dass man an mir nachahmen sollte, dann ist das meine konsequente Suche nach Lösungen sowie die Kreativität, die ich dabei an den Tag lege. Und vielleicht noch meinen Humor, über mich selbst lachen zu können, wenn’s mal nicht so klappen will, wie ich mir das vorgestellt habe.

Andere sehe mich als Role Model. Ich selbst sehe mich – nein, nicht länger als Außenseiterin – eher [nicht] ganz alltäglich.

Will ich ein Role Model sein?

Jein. Andere zu inspirieren, neue Wege und Lösungen für sich zu finden, ist eine starke Antriebsfeder in meiner Arbeit. ABER (absichtlich großgeschrieben) für mich liegt auch eine Herausforderung in dieser Role, zumindest wenn ich direkt mit Menschen zu tun habe. Diese Herausforderung hat 6 Buchstaben: GEDULD.

Ich habe meinen Weg gefunden, mit einigen Umwegen und Verirrungen zwar, aber dennoch bin ich angekommen – an einer Zwischenstation, denn mein besserwisserisches Ego ist noch sehr lebendig, neigt dazu, effizientere Wege zu erkennen als die betreffenden Personen für sich festlegen. Nicht einzugreifen (solange keine Gefahr droht), und Menschen ihre eigenen, fallweise umständlichen Lernschritte machen zu lassen, kann mitunter enervierend sein. Es ginge ja anders, aber ich übe mich in Geduld – manchmal etwas zähneknirschend und augenrollend.

Das Role Model hat noch einiges zu lernen – und das ist gut so 😉

Bild: pixabay.com

WENN DIE SEELE SCHREIT

Vor wenigen Tagen feierte ich meinen 5. Geburtstag als Lesley. Ein passender Anlass, ein wenig über das DAVOR zu reflektieren. Immerhin wandelt meine Person bereits seit über 5 Jahrzehnten über diesen Planeten.

Zu den intensivsten Erinnerungen aus der Zeit VOR Lesley gehört der allgegenwärtige Schmerz. Jahrlange spürte ich diffuse Schmerzen an und in meinem Körper. Mal hier, mal dort, ohne dass die Ärzte eine Ursache finden konnten. Aus meinem Umfeld musste ich mir so einiges dazu anhören. Ich wäre hypochondrisch, würde Drama spielen, solle nicht so empfindlich sein, anderen ginge es schlechter, immerhin fehle mir ja nichts …

Heute weiß, was wirklich mit mir los war.

Wenn die Seele schreit, ist das Schlimmste nicht der Schmerz selbst, oder dass er nicht zuordenbar ist, sondern die Ignoranz derer, von denen man Verständnis erwartet – oder gar Hilfe.

Es mag Menschen geben, deren Seele nie schreit. Oder die es nicht hören. Oder spüren. Bei manchen geht der Selbstschutz so weit, dass sie nichts an die Oberfläche des Bewusstseins durchlassen können. Aber es gibt auch die anderen, die spüren ohne Ende, die davon überrollt werden und Halt suchen, um sich selbst nicht vollends zu verlieren in dem emotionalen Strudel.

Wenn die Seele schreit, braucht es im ersten Ansatz weder Erklärungen noch Anleitungen, und schon gar keine Bewertungen, sondern zwei Arme, die sich öffnen, auffangen und halten. Eine Aufgabe, die oftmals nicht einfach gemacht wird von denen, deren Seele schreit, denn die haben meistens gelernt, niemand zu vertrauen, stoßen mitunter jene von sich, die helfen wollen.

Ähnlich der Frage, ob zuerst die Henne oder das Ei da war, gibt es auch hier keine Antwort darauf, wann wir als Menschen verkompliziert haben, Hilfe zu geben – oder sie anzunehmen.

Meine Seele schrie viele Jahre lang. Heute tut sie das nur noch ganz selten. Manchmal für einen kurzen Augenblick, wenn mein Fühlen in die Vergangenheit zurückfällt. Dann kehrt kurzzeitig eine Art von Schmerz zurück, die sich ganz anders anfühlt als ein gebrochener Zeh oder eine Migräne aufgrund von exzessivem Arbeiten am Bildschirm. Oder ein verdorbener Magen, Zahnschmerzen…

Der Schmerz der Seele ist anders. Da ich ihn weder bei mir noch meinen Leser:innen heraufbeschwören möchte, unterlasse ich an dieser Stelle eine detaillierte Schilderung. Ich denke, die meisten haben ihre eigene Erfahrung damit gemacht. Wichtiger ist mir, was meiner Seele Linderung verschaffte, um nicht zu sagen: Heilung. Das war und ist Lesley. Jene Identität, in der ich uneingeschränkt sein kann, wer ich bin. Keine Rolle. Lesley ist viel mehr. Die Gesamtheit meiner Persönlichkeit, alle meine Anteile, alles, was ich bin, je war und je sein werde.

Nach meiner Ansicht spiegelte der Schmerz in meiner Seele meine innere Zerrissenheit wider; die Selbstablehnung; meine (erfolglosen) Versuche, zu sein, wie andere mich haben wollten; meinen Verrat an mir selbst; Verantwortlichkeiten, die ich auf meine Schultern lud und die zu anderen Mitgliedern meiner Familie gehörten; Schuldgefühle, die ich übernahm, …

Meine Seele schrie – und es dauerte viele Jahre, bis ich ihre Stimme hörte, die Botschaft verstand, auf mich selbst zu achten begann.

Wie wäre wohl mein Lebensweg verlaufen, hätte mein Umfeld anders reagiert, hätte ich Hilfe bekommen? Darüber möchte ich nicht spekulieren, das wäre für mich Zeitverschwendung, weil es ist, wie es ist. ABER ich frage mich, ob und welchen Beitrag ich leisten kann, um in der Zukunft die Wege anderer zu erleichtern? Einer meiner Beiträge ist es, offen über meine Erfahrungen zu berichten. Vielleicht erkennt sich jemand darin wieder. Oder entdeckt für sich eine Antwort. Was der Seele Schmerzen bereitet, unterscheidet sich nicht sonderlich. Wir alle sind Menschen, berührbar, verwundbar.

Für diesen Blog habe ich einige Zeit nach einem passenden Bild gesucht. Suchbegriffe wie „Schrei“ oder „Schmerz“ führen zu Ergebnissen mit einer Menge Trigger-Potenzial. Deshalb entschied ich mich für ein Bild, das für mich einerseits Verwundbarkeit (einmal tief ausatmen genügt, um eine Kerzenflamme auszulöschen) als auch Geborgenheit (haltende Hände) vermittelt.

Bildquelle: pixabay.com

WENN DIE SEELE SCHREIT

Vor wenigen Tagen feierte ich meinen 5. Geburtstag als Lesley. Ein passender Anlass, ein wenig über das DAVOR zu reflektieren. Immerhin wandelt meine Person bereits seit über 5 Jahrzehnten über diesen Planeten.

Zu den intensivsten Erinnerungen aus der Zeit VOR Lesley gehört der allgegenwärtige Schmerz. Jahrlange spürte ich diffuse Schmerzen an und in meinem Körper. Mal hier, mal dort, ohne dass die Ärzte eine Ursache finden konnten. Aus meinem Umfeld musste ich mir so einiges dazu anhören. Ich wäre hypochondrisch, würde Drama spielen, solle nicht so empfindlich sein, anderen ginge es schlechter, immerhin fehle mir ja nichts …

Heute weiß, was wirklich mit mir los war.

Wenn die Seele schreit, ist das Schlimmste nicht der Schmerz selbst, oder dass er nicht zuordenbar ist, sondern die Ignoranz derer, von denen man Verständnis erwartet – oder gar Hilfe.

Es mag Menschen geben, deren Seele nie schreit. Oder die es nicht hören. Oder spüren. Bei manchen geht der Selbstschutz so weit, dass sie nichts an die Oberfläche des Bewusstseins durchlassen können. Aber es gibt auch die anderen, die spüren ohne Ende, die davon überrollt werden und Halt suchen, um sich selbst nicht vollends zu verlieren in dem emotionalen Strudel.

Wenn die Seele schreit, braucht es im ersten Ansatz weder Erklärungen noch Anleitungen, und schon gar keine Bewertungen, sondern zwei Arme, die sich öffnen, auffangen und halten. Eine Aufgabe, die oftmals nicht einfach gemacht wird von denen, deren Seele schreit, denn die haben meistens gelernt, niemand zu vertrauen, stoßen mitunter jene von sich, die helfen wollen.

Ähnlich der Frage, ob zuerst die Henne oder das Ei da war, gibt es auch hier keine Antwort darauf, wann wir als Menschen verkompliziert haben, Hilfe zu geben – oder sie anzunehmen.

Meine Seele schrie viele Jahre lang. Heute tut sie das nur noch ganz selten. Manchmal für einen kurzen Augenblick, wenn mein Fühlen in die Vergangenheit zurückfällt. Dann kehrt kurzzeitig eine Art von Schmerz zurück, die sich ganz anders anfühlt als ein gebrochener Zeh oder eine Migräne aufgrund von exzessivem Arbeiten am Bildschirm. Oder ein verdorbener Magen, Zahnschmerzen…

Der Schmerz der Seele ist anders. Da ich ihn weder bei mir noch meinen Leser:innen heraufbeschwören möchte, unterlasse ich an dieser Stelle eine detaillierte Schilderung. Ich denke, die meisten haben ihre eigene Erfahrung damit gemacht. Wichtiger ist mir, was meiner Seele Linderung verschaffte, um nicht zu sagen: Heilung. Das war und ist Lesley. Jene Identität, in der ich uneingeschränkt sein kann, wer ich bin. Keine Rolle. Lesley ist viel mehr. Die Gesamtheit meiner Persönlichkeit, alle meine Anteile, alles, was ich bin, je war und je sein werde.

Nach meiner Ansicht spiegelte der Schmerz in meiner Seele meine innere Zerrissenheit wider; die Selbstablehnung; meine (erfolglosen) Versuche, zu sein, wie andere mich haben wollten; meinen Verrat an mir selbst; Verantwortlichkeiten, die ich auf meine Schultern lud und die zu anderen Mitgliedern meiner Familie gehörten; Schuldgefühle, die ich übernahm, …

Meine Seele schrie – und es dauerte viele Jahre, bis ich ihre Stimme hörte, die Botschaft verstand, auf mich selbst zu achten begann.

Wie wäre wohl mein Lebensweg verlaufen, hätte mein Umfeld anders reagiert, hätte ich Hilfe bekommen? Darüber möchte ich nicht spekulieren, das wäre für mich Zeitverschwendung, weil es ist, wie es ist. ABER ich frage mich, ob und welchen Beitrag ich leisten kann, um in der Zukunft die Wege anderer zu erleichtern? Einer meiner Beiträge ist es, offen über meine Erfahrungen zu berichten. Vielleicht erkennt sich jemand darin wieder. Oder entdeckt für sich eine Antwort. Was der Seele Schmerzen bereitet, unterscheidet sich nicht sonderlich. Wir alle sind Menschen, berührbar, verwundbar.

Für diesen Blog habe ich einige Zeit nach einem passenden Bild gesucht. Suchbegriffe wie „Schrei“ oder „Schmerz“ führen zu Ergebnissen mit einer Menge Trigger-Potenzial. Deshalb entschied ich mich für ein Bild, das für mich einerseits Verwundbarkeit (einmal tief ausatmen genügt, um eine Kerzenflamme auszulöschen) als auch Geborgenheit (haltende Hände) vermittelt.

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EIN MAGISCHER AUGENBLICK

Das Leben liefert doch die wunderbarsten Geschichten. Diese hier hat sich vor wenigen Tagen zugetragen. Ich traf mich mit einer Bekannten, um über zukünftige, gemeinsame Projekte zu sprechen … und fand mich innerhalb von Minuten in einer veritablen Lebenskrise wieder. Zwar nicht meiner eigenen, nichtsdestotrotz mittendrin.

Ohne zu zögern, wechselte ich in die Rolle als Coach. Wenn jemand mir sein Herz ausschüttet und nicht weiterweiß, ist das fast schon ein Reflex bei mir. Ich beginne zu beobachten, sehr genau hinzuhören, mich einzufühlen. Menschen, die in Lebenskrisen stecken und von sich sagen, sie wüssten nicht weiter, wissen es – meiner Erfahrung nach – sehr wohl, nur eben nicht bewusst, sondern unbewusst. Sie schreien die Lösung gewissermaßen sogar aus sich heraus, ohne sie selbst hören zu können. Das Unterbewusstsein schickt die Botschaft an die Oberfläche, nur wenig eindeutig, schwer erkennbar, meist kryptisch. Doch wer zwischen den Zeilen liest, erkennt, was jener Mensch in diesem Augenblick braucht, um wieder Zuversicht und das Vertrauen in sich selbst zu gewinnen, um aus der Opferrolle auszusteigen und seine Möglichkeiten zu erkennen.

Es gibt immer Möglichkeiten!

Wir leben in einem dualen Universum. Wie bereits einige kluge Köpfe vor mir festgestellt haben: Ein Problem existiert nie getrennt von seiner Lösung. Die Herausforderung liegt daran, seinen Fokus vom Problem abzuwenden bzw. auszuweiten, um die Lösungen (und es sind stets mehrere) wahrnehmen zu können.

Zurück zu meinem ungeplanten Coaching.

Im Grunde tat ich nicht viel mehr, als jene subtilen, verschlüsselten Botschaften in eine verständliche Form zu bringen und sie zurückzuspielen. Wer das schon mal erlebt hat, kennt die Magie dieses besonderen Augenblicks, wenn in einem Gesicht voller Sorgenfalten, über das sich Schwere und der Schatten der Hoffnungslosigkeit gelegt hatte, plötzlich die Augen zu leuchten beginnen, der Schatten sich auflöst, eine gesunde Gesichtsfarbe zurückkehrt und sich Zuversicht in der Mimik wiederfindet. Wer ganz genau hinsieht, erkennt vielleicht sogar, dass die Wirbelsäule sich aufrichtet, die Schultern den Ballast abwerfen und die Füße kraftvoll nebeneinanderstehend diesen Menschen erden. Wer gut hinhört, wird Veränderung in der Tonlage bemerken, auch im Aufbau der Sätze. Empathisch verlangte spüren dann, dass etwas Wunderbares geschieht.

Ein wahrhaft magischer Moment, indem ich zutiefst dankbar bin, für meinen Dämon, der mir diese nuancierte Wahrnehmung – insbesondere der Emotionen meines Gegenübers – ermöglicht, und meinen Lehrmeister*innen, die mich darin unterrichteten, mit meiner Gabe gut umgehen zu können. Sehr genau zu beobachten, kann man lernen. Den anderen zu spüren, wohl auch, aber für mich als Borderlinerin galt es zu lernen, das auszuhalten, was ich spüre, es von meinen eigenen Emotionen zu unterscheiden, und mir bewusst zu sein, dass ich ebenso aussende. Und – um dem Ganzen ein Krönchen aufzusetzen – den Schmerz in mir in Lebensfreude zu transformieren, um authentisch meine Botschaft in die Welt zu tragen.

Als ich mich vor einigen Jahren aus dem Coaching zurückzog und aufs Schreiben von Geschichten konzentrierte, tat ich das auch, weil ich nicht in den Wettbewerb mit anderen Coaches treten wollen, die allesamt um Kundschaft buhlen und sich selbst in den schillerndsten Farben darstellen, was sie nicht alles wüssten und könnten und versprechen. Ein Schlachtfeld hochtrainierter Egos, auf dem ich mich partout nicht wiederfinden wollte. Das ist nichts für mich.

Seither coache ich nur, wenn sich meine Wege mit einem Menschen kreuzen, der in diesem Moment des Zusammentreffens auf der Suche ist und mich nach dem Weg fragt. Dann höre ich zu, beobachten, fühle mich ein, und übersetze, was ich wahrnehme. Manchmal werden daraus Geschichten, manchmal Gedichte, und hin und wieder leuchtende Augen, wenn dieser Mensch mir gegenübersitzt und erkennt, was längst schon da ist, in jenem magischen Augenblick, in dem ich der Spiegel sein darf, wenn eine Erkenntnis wie ein Tropfen die Oberfläche des Bewusstseins berührt und beginnt, ihre konzentrischen Kreise ins Leben zu senden …

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