Fluch oder Segen? Die Positiven Seiten von Borderline

Vor wenigen Tagen begegnete mir im Netz eine Aussage in der Art von: „Jemand meinte, ich soll mir die positiven Seiten von Borderline anschauen, aber beim besten Willen kann ich nichts Positives an Borderline finden.“

Ich denke, dass viele Menschen – Betroffene oder Angehörige – das auch so sehen. Ich nicht. Ganz und gar nicht.

Zum einen hat für mich alles – wirklich alles – im Leben zwei Seiten, manchmal sogar mehr. Nichts ist nur gut, nichts ist nur schlecht. Zugegeben, manchmal gehört Hardcore-Philosophie dazu, in manchen Ereignissen oder Menschen etwas Positives zu entdecken, doch das liegt hauptsächlich am subjektiven Ego, das es ein wenig zu dämpfen gilt. Sobald mein Blick stärker Richtung Objektivität fokussiert, wird es wesentlich einfacher.

Zum anderen leben wir in einem dualen Universum. Eine Menge kluger Köpfe hat dazu Statements wie folgende postuliert: „Kein Problem kann getrennt von seiner Lösung existieren.“ „Die Bewertung, ob etwas gut oder schlecht für uns ist, wird häufig durch den Lauf der Zeit umgekehrt.“ „Yin und Yang gemeinsam ergeben ein Ganzes.“ „Pol und Gegenpol bedingen einander.“ „Ohne das eine (z.B. Dunkelheit, Nacht, kalt, …) können wir das anderen (z.B. Licht, Tag, warm …) nicht wahrnehmen. Erst anhand der Unterscheidung können wir erkennen.“ Übrigens ergibt sich aus dem Erkennen BEIDER Seiten fast automatisch der Ausstieg aus dem Drama (siehe Beitrag vom 14.01.2020).

Ein Teil von mir stimmte all dem schon vor langer Zeit zu. Ein anderer – mein rechthaberisches, leicht zu kränkendes Ego – fand 1001 Argumente, warum das für mich nicht zutreffen konnte.

Nach vielen Mühen gelang es mir schließlich, mein Ego an die Leine zu legen. Danke an dieser Stelle auch all jenen Menschen, die mich in die Geheimnisse von NLP einweihten. Eine der wichtigsten Fragen, die sie mich lehrten, war jene: Was ist das Gute daran? Oh ja, es gibt in ALLEM etwas Gutes. Es zu entdecken, erfordert mitunter viel Arbeit und die Bereitschaft, „nicht-Recht-haben-zu-wollen.“

Was das Gute an Borderline? Diese Frage habe ich mir aufrichtig gestellt und ehrlich beantwortet. Deshalb gibt es hier und heute eine Liste meiner Big 5 der positiven Seiten meines Borderline-Syndroms.

  1. Emotionalität zum Quadrat: intensives, fast grenzenloses Fühlen – für mich die absolute Nummer 1. Liebe, Geborgenheit, Sex … 😊😊
  2. Theatralik und Dramatik in Reinkultur: lässt sich wunderbar beim Schreiben von hochemotionalen Geschichten ausleben und verleiht den Stories das gewisse Etwas, Kopfkino pur 😊
  3. Bewusste Abgrenzung statt unbewusster Abschottung: durchlässig sein für das, was von anderen kommt. Eine besondere Art von Empathie, die bis in die körperliche Wahrnehmung des anderen reicht.
  4. Hyper-Sensibilität: kleinste Veränderung in Stimmungen anderer, in deren Wortstellungen in Sätzen oder Gesprächen wahrnehmen können. Manche meinen, ich könnte Gedanken lesen, was natürlich Blödsinn ist. Sind die Antennen ausgerichtet und der 6. Sinn aktiviert, werden die Menschen transparent.
  5. Rollenverständnis und Positionswechsel: da ich die Welt lange nicht von meinen eigenen (weil nicht vorhanden) Standpunkt aus wahrnehmen konnte, lernte ich, sie aus der Sicht der anderen zu sehen. Eine Fähigkeit, die insbesondere bei Konflikten sehr hilfreich ist, weil sie hilft, nachzuvollziehen, was andere zu ihren Handlungen motiviert. Ich kann verstehen, ohne zustimmen zu müssen.

Für mich ist meine Borderline-Persönlichkeit ein Potenzial, aber kein Problem. Und schon gar keine Krankheit. Sie befähigt mich zu einem Leben mit intensiven Wahrnehmungen und Gefühlen, voller Fantasie und Träume.

Natürlich liegt eine gewisse Herausforderung darin, mit solch einer Persönlichkeit inmitten einer Gesellschaft zu leben, die dafür wenig Verständnis aufbringt und „psychische Erkrankungen“ pauschal vorverurteilt. Intoleranz und Ignoranz sind wie Dornen, und manchmal brauche ich ein sehr dickes Fell, um nicht mein Gleichgewicht zu verlieren.

Aber hey, wer behauptet, das Leben sei ein Spaziergang? Für mich ist es mehr wie eine Wanderung über Berge und durch Täler bei jedem Wind und Wetter rund ums Jahr. Manchmal regnet es, ein anderes Mal scheint die Sonne. Man weiß nie, was hinter dem nächsten Hügel wartet. Nur eines ist gewiss: es hat auf jeden Fall mindestens zwei Seiten.

Fluch oder Segen?

Eigentlich egal, ich mach einfach das Beste draus 😉

Mach kein Drama draus …

… diese Aufforderung begegnete mir sehr oft in meinem Leben. Wie ich in den letzten Monaten feststellen durfte, gehört Drama wohl untrennbar zur Borderline-Thematik. Genauer gesagt: die Drama-Dynamik oder das Drama-Dreieck bestehend aus Täter, Opfer und Retter. Es gibt viel Literatur darüber, beginnend bei Stephen Karpman und der Transaktionsanalyse https://de.wikipedia.org/wiki/Dramadreieck und allen, die danach folgten.

Vor Jahren habe ich als Trainerin zweitätige Workshops dazu abgehalten, und dabei nur an der Oberfläche dessen gekratzt, was sich in der Tiefe der Drama-Dynamik verbergen kann. Ich denke, ich werde mein Wissen und meine Erfahrungen diesbezüglich ausführlich in einem meiner bereits geplanten künftigen Bücher (vermutlich in RE/CONNECTED) verarbeiten. Da jedoch das Thema derzeit in meinem Leben dauerpräsent ist, möchte ich heute eine Facette der Drama-Dynamik schildern, die nur wenigen bewusst ist.

Täter, Opfer und Retter … man sollte meinen, es braucht drei Personen für dieses „Spiel“, wie es gerne von Experten genannt wird. Wobei, dieses „Spiel“ macht selten Spaß, vielmehr ist es eine destruktive Abwärtsspirale, die Leid und Schmerz mit sich bringt. Dieses „Spiel“ können auch zwei miteinander spielen, auch Personengruppen, oder eine Person mit sich selbst. In diesem Fall intrapersonelle Drama-Dynamik genannt, fungieren einzelne Persönlichkeitsanteile wie Personen. Schieben wir die abstrakte Theorie beiseite, ergibt sich folgender beispielhafter innerer Monolog:

„Mein Leben ist sch… So sehr ich mich auch bemühe, die Krankheit (Anm.: Borderline) macht es unmöglich, dass es mir gut geht. Ich füge anderen und mir selbst Schmerz zu, daran ist nichts zu ändern“ … so klagte mein inneres Opfer.

„Aber ich gebe nicht auf, ich kämpfe weiter, ich will und werde es schaffen. Andere haben es auch geschafft. Es muss doch auch für mich möglich sein. Ich muss nur an mich glauben, das wird schon“ … ermutigte mich mein innerer Retter.

„Auch wenn es absolut nicht fair ist. Warum ich? Womit habe ich das verdient? Andere haben mir das angetan (Anm.: frühkindliche Traumatisierung) und kommen ungeschoren damit davon, während ich bis heute darunter leide. Ich wünschte, ich könnte sie in die Verantwortung holen, sie spüren lassen, was sie angerichtet haben“ … forderte mein innerer Täter mit wütender Stimme und einer gewissen Aggressionsbereitschaft den Ausgleich ein … „ihnen das zurückgeben, was sie auf mich abgeladen haben.“

„Doch es ist unmöglich, nicht zu ändern. Es liegt an mir, all dies zu ertragen, all dies auszuhalten, nicht zu verzweifeln angesichts der Aussichtslosigkeit“ … und wieder zurück in der leidvollen Opferrolle.

Dies ist nur eine Schleife durch die Drama-Dynamik. Ein innerer Monolog, durchlaufen in wenigen Minuten, der sich wieder und wieder holen kann. Vielleicht kommen dir Sätze wie diese bekannt vor? Ja, das ist der Einstieg ins Drama, wie es innerhalb einer Person ablaufen kann. Von Runde zu Runde verstärkt sich die Dynamik, werden die Argumente schärfer und die Emotionen schmerzhafter. Das Absurde daran: meistens entsprechen diese Gedanken und Worte nicht der Realität, sondern nur der subjektiven Wahrnehmung, verfälscht durch innere, von der Vergangenheit geprägt Bilder … oder anders gesagt: Das Drama hat keinen realen Hintergrund! Umso erschreckender sind die fatalen Auswirkungen, die auf drama-gesteuerte Handlungen folgen können.

Der Ausstieg aus der Abwärtsspirale ist schwierig, aber nicht unmöglich. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist aus meiner Sicht das Erkennen, was gerade läuft: Drama! Und die Ehrlichkeit, sich das auch einzugestehen. Drama ist im Grunde ziemlich einfach zu erkennen: sobald man für sich nur mehr eine Handlungsoption sieht, beginnt das Spiel. Wäre diese eine Handlungsoption mit erfreulichen Ereignissen oder Gefühlen verbunden, wäre es kein Drama. Es geht darum, einer Handlung ausgeliefert zu sein, sich nicht dagegen wehren zu können, fremdbestimmt zu sein und sich fremdgesteuert zu fühlen bei etwas, dass sich gegen die eigenen Vorstellungen richtet, von unerwünscht bis unangenehm und schmerzhaft wahrgenommen wird. Es geht darum, in einem Verhaltensmuster gefangen zu sein, sehenden Auges auf einen Abgrund zuzusteuern und nichts dagegen tun zu können.

„Man möchte ja gerne anders, aber es geht nicht, weil man keine Wahl hat.“

Genau darin liegt der Irrtum. Man – oder besser: jeder von uns – hat immer die Wahl, etwas zu tun, oder nicht. Oder etwas anderes zu tun. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten!

Der Ausstieg aus dem Drama oder die Umkehrung der Drama-Dynamik bedeutet, seine eigenen vielfältigen Handlungsoptionen erkennen und umsetzen zu können.

In diesem einen Satz steckt der Schlüssel zu einem Geheimnis, für das ich Jahre benötigte, um es nicht nur theoretisch zu lüften, sondern praktisch anwenden zu können. Die allgemeinen Grundlagen mögen dieselben sein, der individuelle Weg wird sich vermutlich auch bei der Drama-Dynamik unterscheiden. Was rein rational schnell nachvollziehbar und logisch erscheint, stellte für mich als Borderlinerin auf der emotionalen Ebene eine Herausforderung dar, die es zu meistern galt: das unbewusste Verlangen danach, Theatralik (und damit Drama) auszuleben!

Es war schon ein ganz besonderes Aha-Erlebnis, sehenden Auges zu beobachten, wie meine Drama-Energie sich in leidenschaftlich ausgefochtenen Diskussionen austobte, während mein Verstand längst über die Absurdität meiner Argumentation den Kopf schüttelte. Ja, Drama ist schon ein ganz spezielles Thema, das Stoff für dutzende Buchseiten (oder Bücher?) liefern kann.

Für heute nur so viel: die Drama-Dynamik ist definitiv umkehrbar, und dieser Prozess nimmt der Borderline-Thematik viel Wind aus den Segeln. Mein Leben und meine Emotionen wurden ausgeglichener, umso öfter ich das Ruder umlegte und kein Drama draus machte.

Quo vadis? … mein Status Quo Jänner 2020

Wer diesem Blog seit Juli 2019 folgt, kennt einen Teil meiner Geschichte und meine Vision, diese Welt ein klein wenig zu verändern. Ab und an frage ich mich selbst, ob das nur leere Worte meinerseits sind, mit denen ich mir selbst Mut zu spreche. Oder eine unrealistische Illusion? Ein Wunschtraum? Wo stehe ich damit?

Zeit für eine Zwischenbilanz. Wo starte ich also am Beginn von 2020?

Als Autorin finalisiere ich aktuell den 2. Teil von „JAN/A – Eine [nicht] ganz alltägliche Liebesgeschichte“, und mein Ist-mir-zwischen-durch-passiert-Buchprojekt „EMBRACE“. Zwar hinke ich ein klein wenig hinter meinem eigenen Zeitplan, aber hey – EMBRACE war eigentlich nicht geplant. Trotzdem – oder gerade deshalb – bereitet es mir sehr viel Freude, Geschichten, Gedichte und Texte zusammenzustellen, die in mir das Gefühl „vom Leben umarmt zu werden“ auslösen. Das wird ein Buch wie eine Schmusedecke inklusive heißer Schokolade an einem verregneten Sonntagnachmittag. Und es wird zeigen, welch vielfältige tiefen Emotionen ich trotz (oder aufgrund?) meines Borderline-Syndroms empfinden kann.

Zwischendurch ergeben hat sich auch eine intensive Zusammenarbeit mit dem Magazin „Mein Leben Live – Entdecke die Vielfalt“. In der Jänner-Ausgabe wird ein Artikel von mir zum Thema Borderline unter Titel „Mit Romantik aus der Krise?“ erscheinen, sowie eine Kurzgeschichte in der Wohlfühl-Oase des Magazins. Seit kurzem gehöre ich zum Team der Gastautoren von „Mein Leben Live“ und bin Administratorin der angeschlossenen Facebook-Gruppe, werde die Vielfalt mit meinem Input und meinem Borderline-Blickwinkel ergänzen.

Ebenfalls „passiert“, weil zufällig gefunden, ist mir www.story.one Kurzgeschichten mit maximal 2.500 Zeichen erzählen – welch eine Herausforderung! … für eine langatmige Erzählerin wie mich 😉 Es macht richtig Spaß, mich dieser Challenge zu stellen und auf das Wesentliche einer Story zu fokussieren. Hier kannst du mitlesen

Dann wäre da noch das „Geheimprojekt“, über das ich zu diesem Zeitpunkt leider noch nichts berichten darf, bzw. nur dann, wenn sich dieser Beitrag nach dem Lesen innerhalb von 5 Sekunden automatisch zerstört. Nein, dies lassen wir lieber bleiben. Geduld ist eine Tugend – leider nicht meine Stärke 😉

Ich bin also fleißig am Schreiben, und alles, was ich schreibe, kreist um ein zentrales Thema, beleuchtet es aus verschiedenen Blickwinkeln und verarbeitet es mit unterschiedlichen Methoden und Stilrichtungen: Borderline … und was es noch sein kann. Wie kann Leben mit etwas gelingen, dass so schwer zu erfassen, zu erklären, zu verstehen ist?

Dabei stelle ich mir selbst folgende Fragen:

  • Wie mit Emotionen zurechtkommen, die so heftig sind, dass es sich manchmal anfühlt, als würde ich von einer Dampfwalze überrollt, von einer Lokomotive mitgerissen und über eine Achterbahn gezerrt, scheinbar ohne Bremse und Steuer?
  • Wie jene Phasen aushalten, in denen mich eine grenzenlose innere Leere zu beherrschen scheint, meine eigene Lebendigkeit mir zwar im Verstand bewusst, jedoch im Fühlen abhanden gekommen ist?
  • Wie Verständnis für jene Instabilität aufbringen, die mein Umfeld mitunter verzweifeln lässt?
  • Wie auf die eigenen (Belastungs-)Grenzen achten und das dauerhafte eigene Wohlbefinden vor das kurzfristige Zuckerl „Anerkennung durch andere“ stellen?
  • Wie beim Blick auf die Welt dem Schwarz-Weiß-Denken entkommen und die bunte Vielfalt an Möglichkeiten – auch für mich selbst – sehen können?
  • Wie der unerklärlichen Sehnsucht nach Schmerz wiederstehen, in dem Wissen, dass dies nur ein Umweg zum eigentlichen Ziel ist: zu dem Wohlgefühl, das jene Botenstoffe im Gehirn auslösen, die nach großem Schmerz den Körper fluten? Wie also den direkten Weg zum Wohlgefühl einschlagen?
  • Wie den „Drachen“ und seine feurigen Ausbrüche im Zaum halten?
  • Wie jeden Morgen aufs Neue in den Spiegel blicken mit all den Erinnerungen an die Vergangenheit?
  • Wie im Hier und Jetzt bleiben?
  • Wie ich selbst bleiben?

Von allem, was ich in über 30 Jahren ausprobiert habe, funktioniert für mich Schreiben immer noch am besten. Es hat mich weitergebracht als alles andere, und scheint aus heutiger Sicht auch nachhaltig auf mich zu wirken. Schreiben hat mein Leben verändert. Ich erzähle meine Geschichte für andere und für mich selbst auf vielfältige Art und Weise. Manchmal auf diese …

Ich nutze bewusst zahlreiche Techniken aus dem Mentaltraining und NLP (z.B. Dissoziation, Reframing, VAKOG-Sprache, Milton Patterns, Umkehrung der Drama-Dynamik, Anker-Techniken, Modelling Prozesse …) und habe für mich selbst damit ein Programm geschrieben, dass Trigger im Alltag zum Teil neutralisiert hat, zum anderen Teil Verhaltensmuster kreiert hat, welche die durch Trigger aktivierten Borderline-Dynamiken ausgleichen.

… und manchmal auf eine andere. Eine Art und Weise, wie es auch das innere Kind in mir, das mit 3 ½ Jahren aus der Umarmung des Lebens gestoßen wurde, verstehen kann, in dem ich jene Sprache verwende, die auch ein kleines Kind versteht, abseits von Fachtermini und rationaler Logik: Die bildhafte Sprache von Märchen, voller Archetypen und Symbole …

Wenn sich die Dunkelheit über den Horizont erhebt, eisige Kälte und das Gefühl erdrückender Einsamkeit den Drachen (Jan) umfangen; wenn der Schmerz in seinem Herzen schier unerträglich wird, während er verzweifelt gegen die Sturz zurück in jenen Kerker der Dunkelheit ankämpft und sein eigenes Feuer ihn dabei zu verschlingen droht, dann eilt ihm ein Phönix (Jana) zu Hilfe. Schützend legt sie ihre Arme um seinen Körper, breitet ihre mächtigen Schwingen aus und steigt gemeinsam mit ihm aus den Flammen empor, nimmt den gefallenen Drachen und sein liebendes Herz mit sich zurück in ihre Welt aus Licht und Liebe. Verbunden durch bedingungslose Liebe und grenzenloses Vertrauen folgen sie ihrem gemeinsamen Weg. Er atmet ein, und sie aus. Ein Herzschlag, ein Sein – eins. Ich.

Manche mögen es romantischen Unfug nennen, aber für mich funktionieren diese Bilder innerhalb von Minuten und holen mich zurück auf meinen selbst gewählten Kurs.

Man kann darüber streiten, was Medizin ist und was nicht. Früher habe ich öfters gesagt: „Wenn es dir hilft, dass jemand mit einer Feder in der Hand um dich herumtanzt, dann ist das deine Medizin und sie hat ihre Berechtigung“.  Nun, es gibt heute fundierte Fachliteratur über die Wirkung von Placebos, die dies untermauern. Aus meiner Sicht verwende ich für mich – das muss ich jetzt mal so sagen – ein geniales Placebo. Es macht Spaß. Löst angenehme Gefühle aus. Kennt keinen Gewöhnungseffekt. Ist frei von (negativen) Nebenwirkungen – abgesehen davon, dass mich jemand eine Spinnerin nennen könnte. Das halte ich aus 😉

Ich schreibe über mein Leben mit Borderline in all seinen Facetten. Manchmal schildere ich dabei schmerzhafte Emotionen und dunkle Momente, doch ich werde meine Geschichten niemals darin enden lassen und immer bis zu einem Happy End weiterschreiben. Schließlich geht’s um mein Leben (Achtung: doppeldeutig) und ich steh‘ nun mal auf ein Happy End 😉

2020 – ein neues Abenteuer

Back again. Feiertage und Jahreswechsel überstanden. In der Vergangenheit nicht immer die einfachste Zeit des Jahres, aber diesmal war ich mit dem Vorsatz angetreten, dieser speziellen Zeit die Chance zu geben, mich zu überraschen. Das tat sie dann auch. Keine ausufernden Familiendramen. Es blieb erstaunlich ruhig und gelassen. Insofern war es angenehme Zeit. Okay, wenn man über eine Woche von einem Grippevirus außer Gefecht gesetzt wird, ist das nicht angenehm, aber auch eine Lappalie im Vergleich zu einem Familiendrama.

Es hätte mir also zwei Wochen lang gut gehen können, tat es aber nicht. Ohne wirklichen Anlass im Außen, kurvte ich (auch jetzt noch) auf meiner emotionalen Achterbahn – im vollen Bewusstsein, dass es keinen Grund dafür gibt. Wie ferngesteuert, allerdings haben diese Emotionen heute nur noch selten die Kontrolle über meine Handlungen. In gewisser Weise stehe ich einen Schritt neben mir und beobachte mein Gefühlsleben, dass wieder einmal seinen eigenen Kurs abfährt, als wäre es in eine Phase meines Lebens vor vielen Jahren zurückgekehrt. Zeitreise rückwärts im Fühlen.

Da hilft nur eines: die Gegenwart vor Augen führen.

2020 hat gerade erst gestartet.

Meine theoretischen Neujahrsvorsätze:

  1. Was auch immer kommt, nimm’s mit einer großen Portion Humor
  2. In Bewegung bleiben … körperlich und auch geistig bzw. emotional, wenn’s mal wieder irgendwo blockiert (im negativen Bereich)
  3. Mir selbst treu bleiben … ich bin, wer ich bin
  4. Mindestens 2 Bücher rausbringen … eh klar, langweilig darf mir nicht werden

Meine praktische Umsetzung:

Naja, ich habe heute eine Kurzgeschichte „Rezept zum Lächeln“ geschrieben. Eine Anleitung für meine Anti-Depressions-Suppe. Zumindest für mich hat sie gewirkt 😊

In diesem Sinne: 2020 ich komme 😊 Ein neues Abenteuer beginnt …

… und wer mein Rezept nachkochen möchte: Guten Gelingen

Rezept zum Lächeln

Grundlos unglücklich.

Für jemand, der noch nie Depressionen hatte, vermutlich kaum nachvollziehbar, aber so real. Und – verdammt nochmal – mir ist selbst bewusst, dass es keinen Grund dafür gibt, dennoch … OK, ich muss irgendetwas tun.

Runter vom Sofa und rein in die Küche. Ich will etwas kochen, mich auf andere Gedanken bringen, ablenken. Was findet sich noch im Kühlschrank? Ein paar alte Kartoffeln aus dem letzten Jahr – am 05.01.2020 sind das zwar Relikte aus einem anderen Jahrzehnt, aber immer noch genießbar. Mein erster Gedanke abseits der „Geisterbahn“.

Mein Mann lässt sich zum Zwiebelschneiden überreden. Wunderbar. Heulgefahr ausgelagert. Zu den Kartoffeln gesellen sich noch ein paar gleichaltrige Pastinaken. Gemeinsam wird geschnipselt. Sein technisches Unverständnis, warum man die aus stangenförmigen geschnittenen Teile im Küchenjargon „Würfel“ nennen kann, lässt mich einige Minuten nach einer vernünftigen Antwort suchen, doch es bleibt bei: das sind nun mal Würfel … die im Butterschmalz mit den Zwiebel gemeinsam langsam glasig rösten. Ein wenig Gemüsebrühe und das Kartoffelgewürz dazu. Und natürlich die Kartoffelwürfel.

Während nun alles vor sich hin köchelt, bleibt reichlich Zeit für eine innige Umarmung und meine erste bewusste Feststellung, dass ich mich besser fühle. Also Mann aus der Küche verscheuchen, denn jetzt ist das Finale angesagt: Abschmecken und Dekorieren. Nicht gerade seine Domäne.

Der letzte Rest Schwarzbrot wird von mir gewürfelt (wieder Würfel) und darf in einer Pfanne vor sich hin rösten. Derweilen verwandelt ein Pürierstab die anderen Würfel in eine wohlschmeckende Kombination aus Stückchen in cremiger Suppe, die ich lächelnd in zwei große Schalen verteile. Kartoffel bilden die sämige Basis, unterstrichen von der frischen Note der Pastinaken. Darüber die krossen braunen Brotwürfel und zum Drüberstreuen würzig-scharfe Kresse. Ein Hauch grün. Farbenspiel in Suppenschalen. Genuss pur. Wohlgefühl zum Löffeln. Untermalt vom wunderbaren Sound meiner Lieblings-Playlist.

War da nicht noch etwas? Richtig. Grundlos unglücklich. Nun, wenn es keinen Grund gibt, warum dann an dem Gefühl festhalten? Warum es nicht einfach ziehen lassen? Oder mit einer Schale duftender Suppe vertreiben? Ich könnte ja einfach eine Geschichte darüber schreiben …

Frohe Weihnachten & Alles Gute für 2020

Mit diesem Video verabschiede ich mich in eine kurze Pause. Die nächsten Wochen widme ich mich der Fertigstellung meiner beiden aktuellen Buchprojekte „JAN/A – eine [nicht] ganz alltägliche Liebesgeschichte geht weiter (Band 2)“ und „EMBRACE“

Am 06.01.2020 kehre ich in alter Frische (oder neuer, würde eigentlich besser passen) … und schon wieder etwas zum Philosophieren gefunden) zurück.

Habt eine schöne Zeit, tut euch viel Gutes, genießt das Leben, die Liebe, Lebkuchen und was man sonst noch so alles genießen kann.

Wie Leben mit Borderline gelingen kann …

Es gibt nicht DEN EINEN Weg für alle, aber es gibt für alle EINEN (individuellen) Weg. Davon bin ich hundertprozentig überzeugt und darüber möchte ich heute berichten.

Um Missverständnisse zu vermeiden, zu Beginn dieses Beitrags ein paar eindeutige Worte: Im Folgenden schildere ich meine individuelle Meinung zum Thema Borderline sowie meine persönliche Erfahrung als Betroffene bzw. Angehörige eines Betroffenen.  Ich erhebe keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder berufe mich auf wissenschaftliche Studien. Ich erzähle einfach nur, was ich selbst erlebt habe: meine Geschichte #Borderline

In vielen Quellen wird Borderline nicht als organische Krankheit, sondern als Persönlichkeitsstörung bezeichnet. Also etwas, dass in meinem „Kopf“ existiert. Rückblickend betrachtet kann ich mich glücklich wähnen, dass mein Borderline-Syndrom erst erkannt wurde, als ich bereits über 40 Jahre alt war und einige sehr hilfreiche Erfahrungen gesammelt hatte. Zwar war mein Leben vor der Diagnose alles andere als einfach, glich einer emotionalen Achterbahnfahrt mit vielen Stationen der Zerstörung. Dennoch ging ich nie davon aus, ein „unheilbarer“ Fall zu sein (weil ich ja keine entsprechende Diagnose hatte), weshalb ich ständig auf der Suche nach Antworten und Lösungen für meine Probleme war. In mir lebte die Überzeugung, dass es für mich einen Weg zu einem harmonischen, erfolgreichen und glücklichen Leben gäbe.

Ich bin stur. Ich suchte konsequent, schlug etliche Umwege ein, steckte in manchen Sackgassen fast, aber ich gab nicht auf. Jeder meiner (Um-)Wege lehrte mich auch etwas und brachte mich ein Stück weiter. Die Reihenfolge war vielleicht etwas suboptimal, aber nachdem es letztendlich doch funktioniert hat, nehme ich es mit Humor, dass es vielleicht etwas schneller hätte funktionieren können, wenn …

Die Stationen auf meinem Weg waren vielfältig:

#Psychologie ließ mich hinter den Spiegel blicken.

#Philosophie half mir, die Dinge zu reflektieren und zu relativieren.

#Mentaltraining richtete meine Gedanken neu aus und war die Basis für jegliche Verhaltensveränderung.

#NLP lehrte mich Reframing, Modelling Prozesse, Change History, Sprachmuster erkennen und nutzen, den Einsatz von Trancen, Anker-Techniken und noch ein paar hilfreicher Tools

#Sport half beim Körpergefühl.

#Ernährung sorgte für Wohlbefinden.

#Energetik reaktivierte meine feine Sinneswahrnehmung.

All das in Kombination schuf die Basis für das, was im Oktober 2017 zu meiner „Transformation“ führte. Ich entfesselte mein (unterdrücktes) Potenzial (das sich in allen destruktiven Borderline-Symptomen zeigte) und schuf einen Bereich in meinen Leben, in dem es uneingeschränkt wirken konnten – konstruktiv und schöpferisch): JAN/A. Wie der Phönix aus der Asche entstieg ich als Autorin meinem selbstgeschaffenen (zur Erinnerung: Borderline sitzt im Kopf!) Fegefeuer aus Ablehnung, Angst, Zweifel, Wut, Zerstörung …

Lesley B. Strong betrat die Bühne dieser Welt. Oder besser gesagt: jenen Platz in dieser Welt, an dem meine schier grenzenlose Emotionalität und mein Hang zur Theatralik kein Hindernis, sondern ein Talent darstellen.

Heute bin ich 50 Jahre alt, lebe seit 23 Jahren in einer Patchwork-Familie. Die Beziehung zu meinem Partner ist harmonischer und liebevoller denn ja. Mein Sohn steht mit beiden Beinen (trotz Diagnose) im Leben. Beruflich schaukelte ich als Projektleiterin im Sozialbereich so manche Krisen, greife dafür auf meine Erfahrungen als NLP-Trainerin & Coach zurück. Meine große Leidenschaft gilt dem Erzählen von Geschichten. Als Autorin & Bloggerin lebe ich mein ganzes Potenzial uneingeschränkt aus. 2020 werde ich auch vermehrt wieder als Speaker auftreten.

Warum ich das alles erzähle?

Weil du vielleicht so bist wie ich. Wenn mir jemand erzählen will, wie es funktionieren könnte, dann hinterfrage ich zuerst, ob die Person überhaupt eine Ahnung davon hat oder nur theoretisiert. Bei Mathe mag Theorie ja wunderbar sein, bei Lebensstrategien finde ich praktische Erfahrung besser.

Wenn ich sage, dass ich überzeugt davon bin, dass es für jeden einen Weg gibt, dann entspringt das nicht einem „Think pink“-Denken; alles wird gut; jeder und jede kann Primaballerina werden, wenn nur der Wille da ist. Ganz und gar nicht. Ich betrachte positives Denken mit Vorsicht. Es kann nämlich auch ordentlich an der Realität vorbei schauen lassen.

Man kann sehr lange darüber debattieren, ob Borderline nun heilbar ist oder nicht. Oder ab wann es als geheilt eingestuft werden kann. Wann Verhaltensmuster der Norm entsprechen und damit als normal gelten, und wann als gestört. Noch viel länger kann man nach einem allgemeingültigen Weg forschen, der für alle Borderliner gangbar ist.

Für mich zählt der Nutzen in der Praxis. Was hilft mir, mit mir selbst und meinem Umfeld geht zurecht zu kommen, mich selbst als die anzunehmen und zu lieben, denn dann werde ich auch mit anderen Menschen gut zurecht kommen und daraus wird – mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit – ein erfülltes, zufriedenes Lebens resultieren. Und darum geht es meiner Meinung.

Mein Weg war und ist kunterbunt und chaotisch, mitunter mehr dem Zufall geschuldet als geplant, aber er hat funktioniert. Vielleicht auch deshalb, weil ich nie aufgegeben habe und immer daran geglaubt habe, dass es möglich ist.

Und genau deshalb schreibe ich diese Zeilen: um anderen zu zeigen, dass es möglich ist und sie zu ermutigen, an sich selbst zu glauben, den eigenen Weg zu gehen, denn es gibt ihn, davon bin ich 100% überzeugt.

Liebe ist …

Heute ist der 12. Dezember. An diesem Tag vor vielen Jahren wurde eine Frau gebogen, der ich persönlich sehr viel zu verdanken habe. Ihr Name war Lucy. Sie gehörte zu einer Handvoll Menschen in meinem Leben, die meine Augen und mein Denken für neue Themen öffneten. Ohne diese Menschen wäre ich heute nicht, wer ich bin. Davon bin ich überzeugt. Sie gaben ihr Wissen und ihre Erfahrungen an mich weiter; lehrten mich unter die Oberfläche und hinter den Spiegel des Offensichtlichen zu blicken. Sie waren/sind für mich Mentoren, Wegbegleiter, spirituelle Familie und Seelenverwandte. Ich ehre ihr Andenken, indem ich ihren Weg fortsetze und weitergebe, was sie mich erkennen ließen.

Wissen ohne Umsetzung ist wertlos. Taubes Gestein, auf dem nichts gedeihen kann.

Wissen erhält seinen Wert, in dem wir es teilen und daraus etwas entstehen kann. Erst dann wird es fruchtbar, wie jene Erde, die uns alle ernährt.

Wo auch immer Lucy (oder ihre Seele) heute weilt, meine Gedanken sind bei ihr und ihr zu Ehren (und darüber würde sie mit Sicherheit schmunzeln) ein paar Zeilen zum Thema Liebe.

Über Liebe wurden schon unzählige Seiten geschrieben. Was Liebe ist, was sie nicht ist. Es gibt jene, die meinen, Liebe ohne Schmerz sei keine Liebe. Es gibt die anderen, die sagen, wenn es weh tut, ist es keine Liebe. Liebe ist … und dahinter kann sehr viel Unterschiedliches und mitunter Widersprüchliches stehen.

Heute reihe ich mich in die Liste jener ein, die ein (persönliches) Statement über Liebe abgeben.

Liebe ist für mich … Freiheit.

Freiheit von jeglichen Begründungen, Erklärungen oder Rechtfertigungen.

Was auch immer ich in meinem Leben tue oder fühle, fast immer gibt es jemanden, der fragt: Warum? Warum tust du das? Warum fühlst du jetzt so? Warum …

Eine Warum-Frage zu beantworten bedeutet auch, sich zu erklären, zu begründen, zu rechtfertigen. Man müsste es nicht, aber ich tue es zumeist trotzdem, weil ich nicht unhöflich erscheinen oder verstanden werden will. Manchmal blocke ich auch einfach ab und verweigere die Antwort, trotzdem hinterlässt es ein ungutes Gefühl bei mir, weil ich mich dem antrainierten Erklärungsreflex nur schwer entziehen kann.

Nur in der Liebe ist das anders. Da gibt es keine Erklärungen, denn ich liebe nicht, weil jemand so oder so ist, oder dies oder das getan hat. Keine Bedingungen, die erfüllt worden sind, um meine Liebe zu gewinnen. Meistens kann ich mir selbst nicht erklären, warum ich jemand liebe. Ich bin also frei von Erklärungen, frei von Bedingungen, frei von Begründungen … ich bin frei zu lieben.

Keine Erfüllungsbedingungen. Kein richtig oder falsch. Kein zu viel oder zu wenig. Kein Veränderungswunsch.

Liebe bedeutet für mich nicht mehr über ein Warum nachzudenken, sondern einfach nur zu fühlen, ohne es anderen erklären oder begründen zu müssen.

Nirgendwo sonst im Leben fühle ich mich so frei, zu sein wer ich bin, wie in der Liebe – bedingungslos und grenzenlos.

Liebe bedeutet für mich die absolute Freiheit.

Für dich, Lucy. Danke, dass ich ein Teil deines Lebens sein und von dir lernen durfte. In Dankbarkeit & Liebe, Lesley