Ein philosophisches Mitbringsel vom Sonntagsspaziergang

Es beginnt mit einer winzigen Wurzel.

Ob eine mächtige Eiche daraus erwächst, wird die Zukunft zeigen. Den Bauplan, um über Jahrhunderte hinweg zu gedeihen, trägt sie bereits in sich.

Dies ist das Geschenk des Lebens an die Eiche.

Sie wurde an diesen Platz gestellt. Nun werden die Umstände entscheiden.

Auch uns stellt das Leben zu Beginn an einen Platz, gibt uns einen Bauplan für unsere Zukunft mit.

Doch anders als für die Eiche kommt für uns der Tag, an dem wir diesen Platz verlassen können. An dem wir unser Leben selbst gestalten können. An dem wir den Bauplan erweitern können.

Dies ist das Geschenk des Lebens an den Menschen: die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Veränderung.

Du + ich = Chaos?

Zwischenmenschliche Beziehungen – ganz gleich, welcher Art – stellen für viele Borderliner eine schier unlösbare Herausforderung dar. Sie gehören zu den am häufigsten diskutieren Themen in Selbsthilfegruppen. Die Zerrissenheit zwischen dem Wunsch nach Nähe und dem Drang, alles und jeden von sich zu stoßen, durchleben viele von uns.

Meine persönlichen Erfahrungen sind da nicht anders. Echte, emotionale Nähe war lange Zeit schlichtweg unmöglich. Auf der anderen Seite gewährte ich nahezu grenzenlose Einblicke in mein Leben. Manchmal schien ich über keinerlei Empathie zu verfügen, ganz gleich, ob es um Krankheit oder Tod ging. Ein anderes Mal rissen mich die Emotionen meines Gegenübers, die in mir wie ein Echo nachhallten, völlig aus der Bahn.

Ausgeliefert dem Willen des anderen und gleichzeitig um Selbstbestimmung kämpfend … steuerlos auf einem Schiff unterwegs, das von einem tobenden Orkan umhergeschleudert wird … ein stachliger Kaktus, der sich nach einer Umarmung sehnt … dies sind nur einige bildhafte Vergleiche, wie ambivalent ich mich in zwischenmenschlichen Beziehungen wahrnahm. Schließlich fand ich heraus, wie ich meinen inneren Empathie-Schalter bewusst ON/OFF schalten konnte und gewann dadurch die Fähigkeit, Ordnung in das Chaos zu bringen und situationsadäquat zu agieren. Doch bevor es soweit war, entwickelte ich für mich einen „Kodex für Verhalten in zwischenmenschlichen“ Beziehungen – eine Struktur zum Anhalten. Einen Punkt aus meinem Kodex werde ich nun vorstellen:

[Beziehungstipps von einer Borderlinerin … das hat schon etwas Erheiterndes, gelten doch den Vorurteilen entsprechend von Borderline Betroffene als Beziehungsunfähig.]

Wer sich an das altbekannte Motto „Behandle den anderen so, wie du selbst behandelt werden willst“ hält, liegt grundsätzlich schon mal ganz gut. Allerdings – wenn nun jemand dazu neigt, sich selbst nicht gut zu behandeln, weil mit einigen Selbstzerstörungsmustern belastet, wird es schwierig, dieses Motto zielgerichtet umzusetzen. Es gibt eine Unzahl an schlauen Kalenderblattsprüchen, die auch gerne zitiert und mit allerlei bunten Bildchen gepostet werden, doch – so mein Eindruck – nur ganz wenige Menschen denken über diese Sprüche nach und wie sie im Alltag umgesetzt werden können. Zitiert wird locker flockig, reflektiert eher zurückhaltend. Und so werden Sprüche – oftmals auch als Affirmationen – unzählige Male wiederholt, ohne dabei je verstanden zu werden, weshalb sie schlichtweg nicht wirken. Sorry, aber diese Ernüchterung muss die Mentaltrainerin, die ich auch bin, hier mal anbringen.

Affirmationen, Mantras, Glaubenssätze … egal, welche Bezeichnung wir dafür wählen wollen, können nur dann ihr Potenzial entfalten, wenn die verwendeten Worte im Unterbewusstsein die gewünschten Bilder und Gefühle aktivieren. In Bezug auf einen Spruch wie den oben erwähnten, ist es hilfreich, sich eine Story dafür zurechtzulegen. Hier ein Beispiel:

Behandle in Beziehungen – gleich ob Freundschaft oder Partnerschaft – den anderen stets so, als wäre er/sie ein willkommener Gast in deinem Leben. Du bist nun Gastgeber auf Zeit, ob eine Stunde, Tage oder Jahre ist dabei völlig gleich. Wie behandelst du deine Gäste üblicherweise? Höflich, zuvorkommend, mit Wertschätzung …? Die Konzentration auf die Rolle der Gastgeberin half mir in der Vergangenheit dabei, meine chaotischen Emotionen in den Hintergrund zu rücken (wo sie sich in Folge auch beruhigten), aber auch so manche Ängste und Unsicherheiten zu überwinden, und in der Situation gelassen zu agieren. Ich wähle hier bewusst das Wort „agieren“, denn darum geht es meistens: agieren (bewusst und zielführend), nicht reagieren (fremdgesteuert von alten Mustern). Diesen existenziellen Unterschied werde ich bei nächster Gelegenheit näher ausführen.

Nun bist du also Gastgeber/Gastgeberin für jene Person, die zeitlich begrenzt ein Teil deines Lebens ist. Gleichzeitig bis du aber auch Gast im Leben der anderen Person. Also, wenn ich bei jemand zu Gast bin, benehme ich mich gesittet, respektiere meinen Gastgeber und bedanke mich für das, was mir angeboten bzw. mit mir geteilt wird.

Es geht bei dieser Übung nicht darum, irgendetwas zu unterdrücken oder Theater zu spielen, nicht um die Veränderung der Information, sondern um die Art und Weise, wie sie präsentiert wird. Vielleicht mag das jetzt für manche unvorstellbar klingen, aber es ist möglich, auch Kritik oder Missfallen wertschätzend zum Ausdruck zu bringen. Dafür verweise ich gerne auf die Arbeit von Marshall Rosenberg und die von ihm entwickelte „Gewaltfreie Kommunikation“. Die eigene Meinung kann immer höflich und vorwurfsfrei formuliert, und somit zumeist auch vom Gegenüber gut angenommen werden. Ohne hier die gesamte Methodik vorzustellen – die übrigens bereits Schulkindern sehr erfolgreich vermittelt werden konnte – geht es darum, vier Aspekte in Bezug auf eine Aussage anzuwenden: die eigene (und damit subjektive Beobachtung: ich sehe, erlebe, …), das daraus resultierende Gefühl sowie das folgende Bedürfnis und dieses letztendlich als Bitte zu formulieren. So wird aus einem Vorwurf in der Art von „Du kommst schon wieder nicht zurückgerufen.“ eine gewaltfreie Aussage ála „Ich konnte dich telefonisch nicht erreichen. Es kam kein Rückruf von dir. Ich habe mir Sorgen um dich gemacht. Ich würde mich besser fühlen, wenn ich wüsste, ob alles in Ordnung ist. Kannst du bitte nächstes Mal zurückrufen oder eine Nachricht senden?“

Zugegeben, um eine Botschaft gewaltfrei zu formulieren, braucht es einiges mehr an Worten und Überlegungen, doch das ist nur eine Frage der Übung. Was anfangs sperrig wirkt, wird rasch zur Routine – und eine echte Wohltat für zwischenmenschliche Beziehungen. Indem bewusst über die Formulierung nachgedacht wird, bekommt das zuvor steuerlose Schiff ein Ruder und kann in der aufgewühlten See der Emotionen besser den Kurs halten.

Als ich begann, diese Methode auch in Beziehungskrisen einzusetzen, begann ich mich allmählich aus der Opferrolle und dem damit verbundenen Ausgeliefertsein einer Situation herauszubewegen und lernte, gestaltend zu agieren. Meine Gäste begannen sich bei mir wohlzufühlen ebenso wie ich mich als Gast bei ihnen, denn ich konnte alles sagen, ohne verletzend zu werden. Mehr noch, ich erkannte auch, wie oft andere daran scheiterten, wertschätzend zu kommunizieren, dass es ihnen nicht anders erging als mir zuvor … und dass der Unterschied zwischen Borderline und Nicht-Borderline vielleicht kleiner ist, als angenommen wird. Vielleicht war ich doch nicht so viel anders. Mit Sicherheit war ich nicht die Einzige, die in Bezug auf das Gelingen von zwischenmenschlichen Beziehungen noch Optimierungspotenzial hatte.

Für sich selbst einen Kodex formulieren, die eigene Rolle überlegen, bewusst agieren und kommunizieren … hat mich zu dieser Formel geführt, die für mich Hirn und Herz in Balance hält :

Du + ich + ein wenig Struktur und Hirnschmalz = OK 😊

… und die fühlt sich in meinem Borderline-Alltag echt gut an.

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Bild: pixabay.com

JA, ABER …

Einen Euro für jedes „Ja, aber…“ in meinem Leben. Ohne Übertreibung wäre da ein netter Kleinwagen drin. Vielleicht sogar Mittelklasse. Oder mehr.

Ja, aber …

Es gibt so viele Facetten dieser Formulierung im Alltag, vor allem bei der Verwirklichung von Träumen oder der Lösung von Problemen.

„Ich will das unbedingt, aber …“

„Das stimmt schon, aber …

„Du hast Recht, aber …“

„Das war immer schon mein großer Traum, aber …“

„Ich würde ja sofort, aber …“

Ich bin jetzt mal überhaupt nicht nett und wer sich vom bisherigen angesprochen fühlt, wird nun möglicherweise schlucken, ABER … was auch immer sich hinter dem ABER an plausibel klingenden Argumenten fand und findet, war/ist stets nichts anderes als kreative Ausreden für das, was mich in Wahrheit davon abhielt/abhält, aktiv zu werden. Manche nennen es den inneren Schweinehund, doch meiner Ansicht nach befindet sich der knapp unter der Oberfläche des wachen Tagesbewusstseins, weshalb er auch so leicht zu entdecken ist. Worum es wirklich ging und immer noch geht, das saß und sitzt wesentlich tiefer.  

Bereit für eine Ernüchterung?

Falls nicht, ist dies die letzte Chance zum Aussteigen.

Meiner Erfahrung nach gibt es drei Gründe, die Menschen davon abhalten, ihre Träume zu verwirklichen oder ihre Probleme zu lösen (beides interagiert intensiver, als manche meinen möchten):

  1. Simple Faulheit, ABER … ganz ehrlich, dann ist es auch kein Wunsch, für den man innerlich brennt, sondern eher lauwarm interessiert ist. Eher hypothetische Möglichkeit als Herzenswunsch, daher sehe ich in der Faulheit mehr den Indikator, um Nebensächliches vom Wesentlichen zu trennen.
  2. Der Leidensdruck ist noch nicht groß genug. Oh ja, für viele – und da nehme ich mich in der Vergangenheit nicht aus – war und ist Leidensdruck der hauptsächliche Antrieb für Veränderung. Genau darum geht es, wenn wir Träume verwirklichen oder Probleme lösen wollen: etwas anders zu machen als bisher. Denn wenn wir weiterhin das machen, was wir bisher gemacht haben, bekommen wir mehr von dem, was wir schon haben. Wollen wir etwas anders, bedeutet das konsequenterweise, auch etwas anderes zu tun. Neuland zu betreten. Über den eigenen Schatten zu springen. Sich aus der bequemen Komfortzone des Gewohnten hinauszubewegen mit allen Risiken des Scheiterns, denn Erfolg ist nicht garantiert. Ganz im Gegenteil. Etwas Neues zu tun und beim ersten Mal erfolgreich zu sein gehört eher zu den Ausnahmen. Niemand wird als Meister geboren. Meisterschaft entsteht durch konsequentes Tun und stetes Optimieren. Anstrengend. Mühsam. Wie bequem ist es dagegen, im Gewohnten zu verweilen, auch wenn es nicht glücklich macht, und stattdessen lieber zu sagen: „Ich würde ja gerne, ABER …“ … ich bin heute wirklich nicht nett 😉 Fairerweise merke ich an, dass es gute Gründe für diese „Bequemlichkeit“ oder „Risikoscheue“ gibt, womit ich zu Punkt 3 komme:
  3. Angst. Ob wir es nun zugeben oder nicht, Angst hält viele von uns ab, die eigenen Träume zu verwirklichen oder die anstehenden Probleme zu lösen. Das ist auch völlig natürlich. Unsere Ängste warnen vor Gefahren, schützen uns vor unnötigem Risiko und sichern so unser Überleben, ABER … sie können uns genauso gut im Weg stehen. Es gilt zu unterscheiden, ob die Angst in der Situation berechtigt ist oder nicht. Hinterfragen also. Oder bewusst denken und leben, sich nicht von den Erfahrungen der Vergangenheit fernsteuern lassen. Wenn ich als Kind einmal von einem Hund gebissen wurde, werde ich vielleicht Hunde nicht sonderlich mögen, ABER wenn ich davon ausgehe, dass jeder Hund mich beißen will, dann werde ich allen aus dem Weg gehen und versage mir damit möglicherweise wunderbare Stunden mit dem besten Freund des Menschen. Dieses Beispiel lässt sich auch mit Katzenkrallen, Vogelschnäbeln und noch vielem mehr erzählen, was emotionale Narben in uns hinterlassen hat. Verspottet und ausgelacht zu werden, Mobbing, Gewalt und Übergriffe in jeder Form … es gibt so vieles, das aus der Vergangenheit in die Gegenwart wirken kann und das auch tut, wenn wir nicht beginnen, uns dieser Prozesse bewusst zu werden und sie zu verändern.

ABER … hier kommt nun die „Graue Eminenz“ ins Spiel. So einleuchtend die bisherigen Schilderungen auch sein mögen, so entschlossen nun vielleicht die eine oder andere Entscheidung fällt, sich nicht länger vom ABER kommandieren zu lassen und den Herzenswunsch zu realisieren oder ein lästiges Problem endlich zu bereinigen, es gilt die „Graue Eminenz“ zu beachten, die subtil ihr eigenes Spiel mit uns treibt: die Drama-Dynamik.

Ich könnte ein ganzes Buch über das Thema Drama-Dynamik schreiben (und das werde ich auch bei Gelegenheit), doch für heute belasse ich es bei einer minimalistischen Kurzform:

Wer sich in der Situation als Opfer der Umstände wahrnimmt und für sich keine Gestaltungsmöglichkeiten sieht, steckt mittendrin. Wer sich als Gestalter des eigenen Lebens versteht und unterscheiden kann zwischen den eigenen Möglichkeiten und unveränderlichen Umständen (die es nun mal gibt), hat sich aus den Fesseln der Drama-Dynamik befreit.

Die Drama-Dynamik in all ihren Facetten und Feinheiten war und ist für mich DER Schlüssel für Veränderung. Ob Leidensdruck oder Angst, unterm Strich findet sie sich als Opferhaltung wieder. Dem gegenüber stehen Freude und Begeisterung der freiwilligen Veränderung, wenn wir aus der Drama-Dynamik ausgestiegen sind.

Leben bedeutet nun einmal Veränderung.

Ob wir das wollen oder nicht.

Ob wir uns diesem Prozess freiwillig fügen oder nicht.

Veränderung geschieht – und das ist gut sonst, denn sonst hätten wir keine Chance, die Vergangenheit hinter uns zu lassen und im Hier und Heute glücklich zu sein. ABER wir können diese Veränderung auch blockieren, eine Zeit lang, unter massiven Anstrengungen, uns dem Leidensdruck hingeben und von unseren Ängsten fesseln lassen. Letztendlich schnüren wir uns damit selbst vom Fluss des Lebens ab.

Selbstverletzung?

Meiner Ansicht nach ist das die wohl schrecklichste Form der Selbstverletzung: sich dem Leben (und damit der Veränderung) zu widersetzen. Die eigene Kraft dafür zu verschwenden, das Leid der Vergangenheit in der Gegenwart festzuhalten. Sich der Heilwerdung zu versagen. Sich zu verweigern, den Augenblick im Hier und Jetzt zu genießen. Das eigene Glück zu sabotieren.

Ja, ABER …?

Nun, es liegt in der Verantwortung eines jeden von uns, sich zu damit zu befassen. Ich kann nur eines aus voller Überzeugung sagen: Es lohnt sich, jedes „Ja, ABER …“ genau unter die Lupe zu nehmen, mitunter mitten im Satz zu stoppen und neu zu beginnen – ohne ABER 😉

Bild: pixabay.com

Zum Valentinstag: Ein Hauch von Magie

Passend zum Valentinstag poste ich hier ein Gedicht, das ich vor einiger Zeit geschrieben habe und in einem meiner nächsten Bücher veröffentlichen werde. Tiefsinnig fühlend spiegelt es die romantisch-sinnliche Facette meiner Borderline-Persönlichkeit:

Ein Hauch von Magie

Was ist es,
das mein Herz für dich schlagen lässt?
Das den Wunsch in mir entflammt,
dir nahe zu sein,
jeden Augenblick des Glücks
mit dir zu teilen,
ebenso wie die Stille,
in der sich verbirgt,
was die Welt nicht erblicken soll.

Was ist es,
das mein Herz auf eine Reise schickt,
einen noch unbekannten Weg zu erforschen
in der Bereitschaft,
gemeinsam zu tragen,
was auch immer kommen mag,
Tage der Freude, die viel zu schnell entschwinden im Lauf der Zeit,
ebenso wie jene, die in ihrer Schwere nie zu enden scheinen,
ganz gleich, wie sehr wir es auch ersehnen.

Was ist es,
das Wesen der Liebe,
die mein Herz höher in den Himmel emporsteigen lässt als jeder Adler es vermag,
die mir selbst in dunkelster Stunde noch Hoffnung schenkt,
die mir die Kraft verleiht, schier Unerträgliches zu ertragen,
und all dies vergessen macht
in einem einzigen Augenblick,
in dem dein Lächeln genügt,
eine Berührung,
ein Wort,
um tief in mir zu fühlen,
was uns verbindet,
so lebendig und unbeschreiblich,
das alle Worte nur wie Streiflichter durch jenen Nebel irren,
den mein Herz mit einem einzigen Gedanken an dich lichtet.

Was ist es,
das Wesen der Liebe?

Ein Hauch von Magie

© Lesley B. Strong 2020

Und hier noch mein diesjähriger Gruß zum Valentinstag als Video, das gerne geteilt werden darf 🙂

AUF DER FLUCHT

Unzählige Male war ich in meinem Leben bereits auf der Flucht … weil Situationen unerträglich wurden … andere mich verletzt hatten … ich mich selbst nicht mehr ausstehen konnte … viele Gründe, ein jeder überzeugend und wichtig. Doch meine Flucht brachte mich nie ans Ziel, denn …

… wir können vor allem und jedem davonlaufen, nur nicht vor uns selbst.

Wohin wir uns auch wenden, wir treffen stets auf das, was wir in uns tragen und damit auf uns selbst. Die Welt rund um uns ist ein unbestechlicher Spiegel, der uns mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks Tag für Tag vor Augen hält, was wir zu ignorieren versuchen. Das Leben wird nicht müde, uns in einer Murmeltiertag-Schleife zu parken, wenn wir uns beharrlich weigern, unsere Hausaufgaben zu machen.

Was unsere Hausaufgaben sind? In uns Aufräumen. Das Chaos in Ordnung bringen, das (zumeist) andere angerichtet haben zu einer Zeit, als wir die Welt noch mit den Augen eines Kindes betrachtet haben. Zurückzufinden zu unserem Ursprungssetting, also der Blaupause, die uns hilft, wieder jene zu werden, die wir davor waren, bevor unser Innenleben in Unordnung geriet und unser Seelenfrieden erschüttert wurde. Die Verantwortung für uns selbst zu übernehmen, aus Anklagen und Schuldzuweisungen auszusteigen, um uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: gut auf uns selbst zu achten. Uns als Schöpfer unserer eigenen Wirklichkeit zu erkennen und die damit verbundenen Möglichkeit zu nutzen, um ein gelingendes Leben zu erreichen.

Hehre Worte. Ein gelingendes Leben. Dazu wurden 1001 (mindestens) Ratgeber geschrieben. Ob sie uns ans Ziel bringen oder nicht, entscheidet sich an dieser Hürde:

Wir begegnen uns stets selbst.

Diese Vorstellung kann schrecklich sein – oder beruhigend.

Man kann diese Tatsache als Fluch betrachten – oder Segen. Je nachdem.

Früher sah ich einen Fluch darin, immer und immer wieder auf die gleiche Art und Weise enttäuscht, verletzt, betrogen und ausgenutzt zu werden. Heute erkenne ich die Chance, die sich in jedem Tiefschlag des Lebens verbirgt, strebe aus freien Stücken an, daraus zu lernen – auch mit dem zutiefst eigennützigen Hintergedanken, mir damit eine Wiederholungsprüfung zu ersparen.

Es wäre so einfach …

… in der Theorie ist es das auch, aber die Praxis hält noch ein paar Herausforderungen bereit. Freiwillig lernen und sich weiterentwickeln, klingt doch gut, gäbe es da nicht das große ABER.

Abgesehen davon, dass jeder Lernprozess etwas mit dem Betreten von Neuland zu tun, also das Potenzial des Scheiterns in sich trägt, mit mehr oder weniger Anstrengungen verbunden ist und es keine Garantie auf Erfolg gibt – steht uns noch etwas im Wege:

Kaum etwas fällt schwerer loszulassen als Schmerz und Leid. Absolut irre und paradox, denn wer will schon freiwillig leiden? Dennoch – destruktives Verhalten zu beenden ist alles andere als einfach. Noch schwieriger wird es, wenn uns noch nicht mal bewusst ist, was wir da tun. Aber wie sonst lässt sich erklären, dass Menschen wider besseres Wissen ihr Verhalten nicht verändern? Ich nehme mich da nicht aus. Viele Jahre gehörte ich zu den konsequent Lernresistenten. Man könnte auch sagen: ich übte mich im Nachsitzen. Etwas nobler formuliert: ich wollte alle Eventualitäten ergründen, was es noch sein könnte. HUMOR ist eine wunderbare Eigenschaft 😊

Keine Ahnung, wie viele Stunden oder gar Tage ich in Summe damit verbracht habe zu ergründen, warum ich mich weigerte, aus der Murmeltiertag-Schleife von Schmerz und Leid auszusteigen. Einige interessante Erklärungen lieferte die Drama-Dynamik. Angst vor Veränderung erschien ebenso plausibel wie „Macht der Gewohnheit“ bzw. Trägheit. Oder dass es für Schmerz und Leid mehr Zuwendung gab als für Erfolg. Diese Liste an Gründen lässt sich mit Sicherheit noch um einige Punkte ergänzen, doch wesentlich ist vor allem der gemeinsamen Nenner:

Wir stehen uns selbst im Weg, weil wir nicht vor uns selbst davonlaufen können.

Erst wenn wir die Konflikte und Widersprüche in uns aufgelöst haben, kommen wir wirklich in den Flow des Lebens. Dann braucht es auch keine Flucht mehr. Dann kann Leben gelingen. Wären da nur nicht die Hausaufgaben, die es zuvor zu lösen gilt. Ohne Fleiß, kein Preis.

Das Leben schenkt uns nichts – und alles.

Es liegt an jedem von uns, die eigenen Hausaufgaben zu lösen. Im Nachhinein betrachtet, amüsiere ich mich über meine Murmeltiertag-Schleifen, meine beharrliche Verweigerung mancher Lernschritte und trotzig eingeschlagene Umwege, denn ich bin überzeugt, ich wüsste das, was ich bis heute erreicht habe, nicht in dem Ausmaß zu schätzen, wie ich es tue, wäre es mir einfach mal so in den Schoß gefallen. Mein Lebensglück wurde mich nicht geschenkt, ich durfte es mir erarbeiten und verdienen. Es ist wertvoll.

Ich begegne mir stets selbst.

Kein Grund zur Flucht – nur ab und an eine willkommene Anregung zum Lernen 😉

Bild: pixabay.com

SCHREIB DICH FREI

Vor einigen Tagen erschien die Jänner-Ausgabe des Magazins MEIN LEBEN LIVE, zu dem ich einen Artikel über meine persönlichen Erfahrungen in Bezug auf „Schreibtherapie“ beisteuern durfte. Ein – so hoffe ich – interessanter Beitrag für all jene, die nach Möglichkeiten und Wegen für sich Ausschau halten.

Hier der Link zum Nachlesen als Gratis-Download:

Im Magazin finden sich auf 124 Seiten vielen spannende Beiträge zu Themen, die uns alle betreffen. Wie schon der Namen verspricht, ist MEIN LEBEN LIVE ein Magazin, das von Leser*innen für Leser*innen gestaltet wird.

Einfach mal reinklicken.

Es lohnt sich 😉

Bilder: pixabay.com & http://www.mein-leben-live.de

HARDCORE PHILOSOPHY

Wieder einmal liegt eine Woche hinter mir, die sich in einer Frage darstellen lässt: „Was noch?“ Was kann noch schiefgehen? Wenn auch noch der letzte, verbleibende Silberstreif am Horizont, der mich durch die Mühsal der Tage und den Irrsinn des Unverständlichen hindurch hoffen und auf etwas Wunderbares freuen ließ, einfach so zerbröselt, zermahlen von den Urgewalten des Menschseins, von unbegründeten, ja irrationalen Ängsten, die doch so lebensecht sind – eben menschlich. Zerschmettert von Ereignissen außerhalb meiner Einflusssphären. Zunichte gemacht vom Schicksal …

Okay, ich bremse meine dramatische Ader wieder ein wenig. Ich denke, ich habe hinreichend die gefühlte Dimension der Ereignisse dargestellt. Es ließe sich auch in einem einzigen Satz formulieren, oder zwei Worten: Murphy’s Law …

“Anything that can go wrong WILL go wrong.”

„Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Außer vielleicht die Randbemerkung, dass dies DIE Gelegenheit ist für Hardcore Philosophy.

Nach dem Motto zu leben „Alles, was dir auf deinem Weg begegnet, ist für dich da, um daraus zu lernen und zu wachsen. Nimm es dankbar an!“ ist bei Schönwetter, wenn also alles bestens läuft, sehr einfach. Es drängt sich ja gerade zu auf.

Schwierig wird es bei kleineren Problemchen.

Eine Herausforderung bei größeren Problemen.

Eine echte Challange bei Desaster-Wochen. Die können schon mal zu einer lebensphilosophischen Glaubenskrise führen.

Dankbar anzunehmen, dass sich eine Katastrophe an die andere reiht in einer schier endlosen Kette, OHNE dabei in realitätsfernen Zwangsoptimismus zu verfallen, verlangt schon einiges an Pragmatismus. Ein Blick auf die Geschehnisse aus der Meta-Ebene kann dabei helfen. Dieser macht die Lernaufgaben sichtbar, und auch wenn die daraus resultierenden Erkenntnisse mitunter nicht gerade leicht verdaulich sind, stellen sie doch einen Entwicklungsschritt dar. Vielleicht löst sich dabei der eine oder andere blinde Fleck auf? Verliert eine Selbsttäuschung an Macht über uns? Erkennen wir bislang verborgene Zusammenhänge oder verdrängte innere Konflikte?

Auch wenn es ungemein verlockend ist, in theatralisch zur Schau getragenes Selbstbedauern zu verfallen, sich als Opfer widriger Umstände zu präsentieren und dem – nur allzu verständlichem – Frust Luft zu machen, das bringt nicht weiter. Es mag kurzzeitig Erleichterung bringen, aber die Lernaufgabe dahinter bleibt bestehen und wird sich bei nächster Gelegenheit prominent in den Vordergrund unserer Wahrnehmung spielen.

Man kann vor allem davonlaufen, nur nicht vor sich selbst!

Wir bekommen täglich im Außen das präsentiert, was wir in uns tragen – gelöst oder ungelöst. Das Leben ist ein gigantischer und gleichzeitig objektiver Spiegel. Es ist weder fair noch unfair. Weder gut noch böse.

Es ist, was es ist…

… oder besser: was wir daraus machen.

Es liegt an uns, die Ereignisse zu bewerten, sie als Last oder Chance zu sehen. Auch eine scheinbar endlose Kette von Katastrophen. Dazwischen auch die anderen Ereignisse noch zu sehen, die es auch gab, das Gelungene, Erfreuliche, Positive …

Das Leben ist nie nur einseitig. Alles hat immer zwei Seiten (mindestens).

Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Damit meine ich nicht den Zwangsoptimismus im Sinne von „Ich muss nur darauf vertrauen, dann wird schon wieder alles gut.“ DAS ist die bequeme, aber wenig zielführende Kurzfassung von:

„Schau genau hin, möglichst wertfrei. Erkenne, was wirkt, die Hintergründe und Zusammenhänge. Erkenne und verstehe deinen eigenen Anteil daran. Verändere diesen, auch wenn es Überwindung verlangt und anstrengend ist. Mach weiter, auch wenn du zwischendurch in alte Muster zurückfällst. Bleibt konsequent, bis du dein Ziel erreicht hast. Hab Geduld und Vertrauen in dich selbst. Sei dir bewusst, dass die Zeit, die es braucht, auch davon abhängt, wie freiwillig du diesem Prozess zustimmst und wie (selbst)liebevoll du ihn umsetzt. Sei dankbar, dass du diese Chance erhältst. Sei dir bewusst, dass die Veränderung in dem Moment geschieht, indem du dich dazu entschließt, das überholte loszulassen und auf das neue zuzugehen. Sei dir bewusst, das nur dann etwas geschehen wird, wenn du es tust. Und sei dir bewusst, es ist genauso, wie es sein soll – und das ist gut. Vielleicht ein wenig anstrengend, aber dennoch gut.“

Diese Gedanken angesichts einer echt besch*** Woche denken und ihre Botschaft fühlen zu können, das nenne ich Hardcore Philosophy oder Lebensphilosophie für Fortgeschrittene, die auch bei Schlechtwetter den Kurs zu halten vermögen … denn genau darauf kommt es an im Leben: Durch die Stürme hindurch manövrieren zu können in dem Wissen, das sie auch wieder vorüber gehen und die Sonne wieder scheinen wird.

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AUF DEN PUNKT GEBRACHT

An sich nichts neues, doch in den letzten Tag fiel es mir wieder verstärkt auf: Die Vielfalt an Themen und Ausprägungen von Symptomen, die Borderliner tagein tagaus beschäftigen – und die sich wiederholen. Manchmal mit kleinen Abweichungen, ein anderes Mal unverhohlen als das, was es bereits war. Ich erspare mir hier eine Aufzählung der Symptome, denn diese Liste ist lang – sehr lang. Angesichts dieser Vielzahl ist es absolut verständlich, wenn man jede Hoffnung verliert, jemals mit der Aufarbeitung fertig zu werden. Oder einfach irgendwo beginnt.

Mir erging es nicht anders. Jahrelang arbeitete ich mich von einem „Nebenschauplatz“ zum anderen vor. Stets in der Hoffnung, endlich am Ziel angekommen zu sein, wenn dies oder das gelöst wäre. Doch dem war nicht so. Ganz im Gegenteil. Mitunter verbarg sich hinter einer gelösten Hürde eine weitaus höhere. Viel Zeit und Energie investiert – und (scheinbar) doch nicht weitergekommen. Mehr als einmal war ich kurz davor, zu resignieren. Aufzugeben. Ähnliches beobachte ich bei vielen Betroffenen in den Selbsthilfegruppen.

Wie etwas lösen, das scheinbar keinen Anfang und kein Ende hat? Das derart komplex verstrickt ist – wie ein verfilzter gordischer Knoten – das die Zusammenhänge nicht mehr erkannt werden können. Das vielleicht niemals gelöst werden will?

Nun, meine Lösung geschah, als ich es genau genommen nicht erwartet oder angestrebt hatte. Es passierte eher zufällig, als ich begann das zu tun, was ich tun wollte, solange ich mich zurück erinnern kann, aber es nicht gewagt habe: ich fing an, all die Geschichten, die mir Tag für Tag und Nacht für Nacht durch den Kopf geisterten, aufzuschreiben. Ich fing an, ich zu sein. Mit mir selbst in Interaktion zu treten.

Auf den Punkt gebracht: Ich fing an, in mich hineinzuhören.

Allmählich veränderte sich mein Bild von mir selbst, begann ich zu verstehen, wie alles zusammenhing. Der gordische Knoten begann sich zu lösen. All die Probleme im Außen, die Symptome, die mich über Jahre wie ferngesteuert durch mein unverständliches und phasenweise nicht gefühltes Leben wanken ließen … all das offenbarte, wonach ich tief in meinem Innersten sehnte: meine grundlegenden menschlichen Bedürfnisse, die erfüllt sein wollten, damit es mir gut geht.

Auf den Punkt gebracht: Ich lernte, meine eigenen Bedürfnisse zu verstehen …

… und es waren ganz andere, als mein Verstand mir jahrelang erzählt hatte. Und vor allem lernte, ich meine Bedürfnisse auch selbst zu erfüllen. Keine Abhängigkeiten mehr von anderen oder äußeren Bedingungen! Autark im Fühlen. Nichts und niemand bestimmt, wie ich mich fühle! Naja, zugegeben, hin und wieder ärgere ich mich über so manches, was andere tun, doch mir ist bewusst, dass es meine eigene Entscheidung ist, mich zu ärgern. Ich könnte auch darüber lachen. Oder es ignorieren. Manchmal verletzt mich auch jemand. Doch auch dabei ist mir bewusst, dass ich diesem Gefühl zustimme, weil es wichtig ist, die eigene Verletzlichkeit zu akzeptieren. Wunden heilen. Es wäre eine naive Illusion zu glauben, niemals verletzt zu werden.

Die menschliche Gefühlswelt ist vielfältig. Jedes unserer Gefühle hat seine Berechtigung. Indem wir einzelne davon negieren, treiben wir einen Keil durch uns selbst. Als kleines Kind erlebte ich schier überwältigenden Schmerz. Dafür wollte ich mich schützen, versuchte Schmerz zu vermeiden indem ich mein Fühlen drosselte – und erlebte regelmäßig, von all dem Unterdrückten aus der Bahn geworfen zu werden. Die emotionale Achterbahnfahrt einer Borderlinerin.

Der Ausstieg begann, als ich aufhörte, auf die Schienen zu starren, und stattdessen entdeckte, woher der Motor seine Energie bezog.

Auf den Punkt gebracht: Die Auflösung begann mit der Annahme von mir selbst.

Wie gerne würde ich anderen Betroffenen jahrelange Umwege ersparen. All die Energie, die sie dafür investieren, an jenen oberflächlichen Symptomen und Problemen zu arbeiten, die links und rechts der Schienen nach Aufmerksamkeit gieren.

Wie gerne würde ich einfach sagen:

Stopp! Schieb all das Beiseite, von dem du glaubst, dass es wichtig ist und schau auf das, was dahinter liegt, auf den Kern der Sache. Auf das, was du (dein inneres Kind und welche Anteile sonst noch beteiligt sind) brauchst, um in deine Kraft zu kommen und stabil auf beiden Beinen im Leben zu stehen. Was auch immer in deinem Leben geschehen ist und wie schrecklich es auch gewesen sein mag, es ist vorbei! Im Hier und Jetzt liegt es allein an dir, wie du diesen Augenblick erlebst.

Es liegt an dir, dein Bedürfnis nach Liebe, Geborgenheit und Anerkennung zu erfüllen.

Es liegt an dir, all das loszulassen, was dich belastet.

Es liegt an dir, dich selbst so zu lieben, wie du bist – und andere damit einzuladen, es dir gleichzutun.

Es liegt an dir, den anderen mit Offenheit und Toleranz zu begegnen – und ihnen zu zeigen, wer du bist, damit sie dich auch verstehen können.

Es liegt an dir, jeden neuen Tag mit einem Lächeln zu beginnen und einem „Danke“ zu beenden.

Es liegt an dir, mit der Veränderung (und deiner Selbstheilung) zu beginnen.

Es liegt an dir, darauf zu vertrauen, dass du es kannst und in dir bereits alles vorhanden ist, was du dafür brauchst – vielleicht mit ein wenig Anleitung, doch deinen eigenen Weg der Auflösung kannst du nur selbst gehen.

Es liegt an dir … auf den Punkt gebracht.

Die beste Nachricht aller Zeiten – so empfinde ich es mittlerweile.

Wie gerne würde ich anderen Betroffenen all das sagen, doch wer würde mir glauben? Vor ein paar Jahren hätte ich mir selbst nicht geglaubt, ebenso wenig wie ich jenen glaubte, die mir ähnliche Worte immer und immer wieder vor die Nase hielten.

Ich wollte nicht glauben.

Ich wollte Recht behalten. Mir war Unrecht geschehen und ich hatte ein Recht darauf, darunter zu leiden.

Ich wollte leiden.

Auf den Punkt gebracht: Ich stand mir selbst im Weg, …

… bis ich mir die Frage stellte: Lieben oder Leiden?

Auf den Punkt gebracht: Ich entschied mich zu lieben!

Bild: pixabay.com

ZUR RICHTIGEN ZEIT AM RICHTIGEN ORT?

In den vergangenen beiden Wochen habe ich mir eine Mini-Auszeit gegönnt. Kein Job. Einfach nur im eigenen Takt leben, nachdenken und hineinspüren. Soziale Kontakte auf ein Minimum zu beschränken fällt in Lockdown-Zeiten wahrlich einfach. Gegen Ende dieser Auszeit wurde ich wieder etwas aktiver in Selbsthilfegruppen. Ein Chat brachte folgende Gedanken ins Rollen. Ich schrieb sinngemäß folgendes:

„Mein großes Glück war es, zur richtigen Zeit die richtigen Menschen zu treffen, die mir einen Tritt in meinen A**** verpassten und mir klarmachten, dass meine Probleme (insbesondere meine Borderline-Herausforderung) in mir waren, ich sie selbst in mir lösen konnte und alles, was ich dafür brauchte, bereits in mir vorhanden war. Es bedurfte nur noch der Anleitung, wie ich es tun konnte.“

100% Ausstieg aus dem Drama bzw. der Opferrolle – so könnte man es auch nennen. Oder den Beginn meiner Heilung durch eine glückliche Fügung.

ABER … war es wirklich Glück? Gibt es so etwas wie den richtigen Zeitpunkt und die richtigen Menschen? Genaugenommen waren es meistens keine neuen Menschen, sondern jene, die ich schon länger kannte. Manchmal jahrelang. Sie erzählten auch nichts Neues. Dennoch – plötzlich fiel ihre Botschaft auf fruchtbaren Boden. Lag es also an meiner Bereitschaft, diese anzunehmen?

Wenn dem so ist, drängt sich eine provokative Frage auf: „Wie viel leichter und kürzer könnten wir unsere individuellen Lern- und Entwicklungswege machen, indem wir uns dem Prozess bereitwillig öffnen?

Oder anders gefragt: Was hält uns davon ab?

Auf diese Frage könnte ich unzählige mögliche Antworten hier auflisten, doch ich unterlasse es bewusst, um dir den Raum zu lassen, deine eigenen zu finden.

Ich halte nicht viel von Generalisierungen, aber eine trifft 100%ig zu:

Wenn uns wer auf unserer Reise zu uns selbst, zurück zu Selbstliebe und Lebensfreude im Weg steht, dann wir selbst.  

Was hält dich davon ab, jeden Moment deines Lebens dankbar anzunehmen und daraus zu lernen?

Wo stehst du dir selbst im Weg?

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein ist – aus meiner Sicht – eine Konsequenz der Entscheidung, sich dem Potenzial des Augenblicks zu öffnen. Die Antworten auf all die ungelösten Fragen und Probleme, die uns beschäftigen, sind immanent rund um uns vorhanden. Es genügt, die Augen zu öffnen und zu erkennen. Doch dafür ist es erforderlich, den Fokus vom Problem weg und hin auf Lösungen zu lenken.

Allzu häufig geschieht diese jedoch erst, wenn der Leidensdruck derart angewachsen ist, das es schlichtweg nicht mehr anders geht – was sehr schade ist, denn damit verbauen wir uns die Möglichkeit der freudvollen Entwicklung zulasten des Lernens unter Druck.

Vor wenigen Tagen wachte ich kurz nach Mitternacht mit diesem Gedanken auf:

Viel wichtiger als die Frage, wann die Menschheit damit anfing, das Leben unnötig kompliziert zu machen, ist jene: Wann hören wir damit auf?

Der richtige Zeitpunkt und richtige Ort für eine Revolution im Denken?

2020 hat mein Leben viel einfacher gemacht und gleichzeitig enorm bereichert. Ich gab vieles auf, vor allem Belastungen und Sorgen. Auch Materielles, das immer eine Last darstellt. Mit leichtem Gepäck durchs Leben zu reisen und dennoch mehr als genug zu haben, aus der Fülle des Seins heraus zu leben und jeden Tag zu genießen, sich angenommen, angekommen und zu Hause zu fühlen – was mehr an „Echtem“ kann einem das Leben schenken?

Das Essentielle im Leben (Liebe, Freundschaft, Gesundheit, Dankbarkeit, Zufriedenheit, Seelenfrieden, Gelassenheit, Ausgeglichenheit …) ist nicht käuflich. All dies bekommen wir quasi gratis, sobald wir unsere Türen dafür öffnen, aber spätestens zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort … wenn wir dafür bereit sind.

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