DIE ULTIMATIVE THERAPIE …

… ist das Leben selbst – aus meiner Sicht. Wer sich mit offenen Sinnen achtsam durch die Welt bewegt, dabei die Begebenheiten möglichst wertfrei reflektiert, wird sich selbst auf eine Weise kennenlernen, die Einblicke in die verborgensten Winkel der Seele ermöglicht und für sich selbst Wege finden, die kein anderer erdenken könnte.

Das sah ich nicht immer so.

Zu Beginn meiner Reise zu mir selbst – vor rund 3 Jahrzehnten – dachte ich ganz anders. Ganz am Anfang erwartete ich des Rätsels Lösung von jemand anderem, oder zumindest die Anleitung dafür. Später ging ich davon aus, ich müsste alles aus meiner Vergangenheit zuerst bearbeiten und auflösen, bevor ich in der Gegenwart glücklich werden könnte. Also begann ich, mich in meine Vergangenheit vorzuarbeiten. Das ähnelte dem Spiel mit Matrioschka-Puppen. Sobald eine geöffnet war, tauchte unterhalb die nächste auf, dann die übernächste und so weiter. Nur – im Gegensatz zu den Matrioschka-Puppen – endete es nicht. Vielmehr dämmerte mir, es mit einer Art Endlosschleife zu tun zu haben.

Vor einigen Wochen stolperte ich über ein an dieser Stelle passendes Zitat:

„Die großen Lebensprobleme sind nie auf immer gelöst. Sind sie es einmal anscheinend, so ist es immer ein Verlust. Der Sinn und Zweck scheint nicht in ihrer Lösung zu liegen, sondern darin, dass wir unablässig an ihnen arbeiten. Das allein bewahrt vor Verdummung und Versteinerung.“ C.G. Jung

Sinngemäß sehe ich nun in Lebensproblemen Endlos-Matrioschka-Puppen. Was wiederum nicht weiter problematisch ist, denn seit 2017 pflege ich einen gänzlich anderen Therapieansatz: „Arbeite daran, im Hier und Jetzt gut zurecht zu kommen, ohne für alles die infinite Erklärung in der Vergangenheit gefunden zu haben.“ Aus heutiger Sicht hat mich das wesentlich weitergebracht als die Jahrzehnte davor. Wobei es sich ein wenig wie die Sache mit der Henne und dem Ei verhält. Schlüssig lässt sich nicht beantworten, ob ohne dem ersten Therapieansatz, der zweite auf selbige Weise funktioniert hätte.

Wie auch immer.

Auch beim gegenwartsorientierten Therapieansatz blieb und bleibe ich nicht davon verschont, dass hin und wieder etwas aus der Vergangenheit aufpoppt. Auch Themen, die ich längst abgehakt glaubte (siehe C.G. Jung). Ich jongliere also immer noch mit Endlos-Matrioschka-Puppen. Dennoch ist es anders.

Inwiefern?

Nun, ich hole etwas aus, um dies nachvollziehbarer zu machen.

Wenn ich mich in der Gegenwart voll und ganz als die annehme, die ich bin, mit allen wunderbaren Aspekten meiner komplexen Persönlichkeiten ebenso wie mit jenen, die auf den ersten Blick schwieriger, bisweilen sogar als düster eingestuft werden könnten, dann stimme ich meiner Gesamtheit zu. Ohne Wenn und Aber. 100% ich bin OK. Das gibt enorm viel Kraft, (Selbst)Liebe und (Selbst)Vertrauen. Auch für jene Momente, in denen „Altes“ aufpoppt und die Aufmerksamkeit auf etwas lenkt, was ich schon erledigt glaubte, nicht erneut ansehen möchte …

Aus dem Gefühl heraus, im Hier und Jetzt in Ordnung zu sein. Das, was auch immer es einst war, gut überstanden und in meine Kraft gefunden zu haben. Aus diesem Gefühl heraus fällt es mir (und ich denke, das kann man durchaus verallgemeinern) wesentlich leichter, mich mit einer Endlos-Matrioschka zu befassen, vielleicht bislang unbekannte Aspekte daran zu erkennen, sie zu integrieren und auf diese Weise weiter zu wachsen.

Womit ich bei meiner persönlichen ultimativen Therapie angekommen wäre.

Fokus auf die Gegenwart. Achtsamkeit anstatt von Bewertung. Dankbarkeit für all das, was mir das Leben schenkt auf meiner Reise zu und mit mir selbst. Die Vergangenheit ist vorbei, auch wenn ein Teil von mir (mein inneres Kind) noch manchmal in den Erinnerungen und Gefühlen von damals verharrt. Dieses Kind in den Arm zu nehmen und zu mir in die Gegenwart zu holen, das kann ich deshalb tun, weil ich diese Gegenwart als die für mich existente anerkenne. Wie absolut alles in diesem Universum hat auch diese Gegenwart viele Gesichter (oder Seiten). Ebenso wie ich die Freiheit habe, einen der unendlich vielen Standpunkte einzunehmen, um auf diese Gegenwart zu blicken.

In dieser Gegenwart sitze ich auf einem Bett, lausche den Klängen der Piano-Version von „Always on my mind“ (wie passend 😉) und tippe diese Zeilen. Vermutlich habe ich nicht alles aufgelöst, was in meinem Unterbewusstsein verborgen liegt, doch das ist nicht gar nicht nötig, damit es mir in dieser Gegenwart gut geht.

Vielleicht wird mir morgen der Himmel auf den Kopf fallen, aber heute tut er das offensichtlich nicht. Heute bin ich einfach glücklich.

Ich bin dankbar, weil ich in den vergangenen Tagen wunderschöne Momente erleben durfte. Aus dieser Dankbarkeit heraus entspringt ein Gefühl, für das ich noch keine passenden Worte gefunden habe. Es gibt den Begriff „umami“ (nicht süß, nicht salzig, nicht sauer und auch nicht bitter), der im Schmecken irgendwie nichts und doch gleichzeitig alles beschreibt. Ein ähnliches Wort im Fühlen suche ich noch. Im ehestens beschreibt es „eins-sein“, wobei dieses „eins-sein“ sich im Laufe meines Lebens verändert hat. Früher war es ein Hauch dessen, was es heute ist. Alles bewegt sich, alles verändert sich. Leben bedeutet Veränderung. Wie könnte sich eine Therapie dem entziehen? Das Leben ist (für mich) die ultimative Therapie. Wobei – im Wortsinn bedeutet Therapie die „Heilbehandlung einer Krankheit“. Das Leben heilt also, wenn wir uns darauf einlassen, mit offenen Sinnen achtsam durch die Welt gehen …

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IN DER MITTE

Wieder einmal reflektiere ich die vergangene Woche, während ich mich auf den sanften Klängen einer Piano Chillout Lounge treiben lasse. Diese Momente, in denen ich mich von der Welt zurückziehe und in mir jene Ruhe (oder romantisch formuliert: meinen geliebten Dämon, der in seinem inneren Ozean der Gelassenheit verweilt) finde, waren zu wenige in jener Woche. Ich sehne mich danach, einfach nur ICH sein kann – ausgeklinkt aus dem Alltagsstress und allem, was dazu gehört.

Nun, in den kommenden Wochen werde ich dafür reichlich Zeit finden und meine Gedanken mit euch teilen. So wie diesen, der vor wenigen Tagen meinen bewussten Horizont streifte – und ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob er nur für jene andere Person gedacht war, oder ob er nicht auch ein kleiner Schubs meines Unterbewusstseins war, meinen Kurs zu überprüfen.

Hier nun eine erweiterte Ausführung jenes Gedankens:

Du bist in der biologischen Mitte deines Lebens angekommen. So weit, so gut. In der ersten Hälfte ging es darum, dich selbst kennenlernen, zu wachsen, aufzubauen, dich zu beweisen, deinen Way of Life zu finden, ein Heim und eine Familie zu gründen. Energie schien unerschöpflich vorhanden.

In der zweiten Hälfte geht es darum, gelassener zu werden, auch vieles loszulassen, nicht mehr zu kämpfen, sondern zu „zaubern“, also aus Erfahrung heraus zu handeln und vor allem darum, anderen oder sich selbst nichts mehr beweisen zu müssen, weil man bei sich selbst angekommen ist. Die Leistungsfähigkeit verändert sich insofern es längere Regenerationszeiten braucht als früher. Der Körper verändert sich. Auch das Denken und Fühlen sollte diesen Prozess mitgehen. Wesentlich ist es, das Leben zu erleichtern von jenem Ballast, der sich zuvor angesammelt hat, um unbelastet den letzten aller Wege beschreiten zu können – frei von Bedauern über das, was man getan hat bzw. was man unterlassen hat zu tun. Aufräumen und entrümpeln, aussöhnen und annehmen.

Die Lebensmitte ist ein Scheidepunkt. Manche werden einfach alt in allen Belangen und dümpeln bis zu ihrem Tod dahin, verlieren laufend an Kraft und Können. Andere verfallen dem Jugendwahn und machen sich mit Eskapaden lächerlich. Beides sind Wege in die Illusion und Selbsttäuschung. Der dritte Weg führt in die Freiheit und Leichtigkeit, wenn man die Veränderung proaktiv annimmt und sich darauf einstellt. Dann offenbaren sich die Möglichkeiten. Erfahrung mit Kraft und Wissen kombiniert ergibt Weisheit. Nichts mehr beweisen zu müssen, führt zu Gelassenheit. Sich der Liebe und damit verbunden der Berührbarkeit zu öffnen, macht frei. Oft fallen Verpflichtungen (Kinder etc.) weg, und es entsteht ein Freiraum der Möglichkeiten.

Die alten Weisheitslehren sagen, diesen Scheidepunkt hat jeder von uns zu absolvieren. Welche Entscheidung wir auch immer treffen, sie wird über lange Zeit unser Leben bestimmen. Manchmal bis zu unserem Tod.

Es ist mir persönlich nicht leicht gefallen zu akzeptieren, dass ich nicht mehr so tun kann wie mit 20. Nicht mehr so funktioniere, wie ich es gewohnt war. Dennoch – heute weiß ich, wenn mich jemand mag, dann weil ich bin, wer ich bin, und nicht, weil ich den knackigen Körper einer 20jährigen habe. In der zweiten Lebenshälfte wird das Leben „echter“, wenn man sich darauf einlässt. Geliebt zu werden um seiner selbst willen. Liebe ist keine Ware, die man kaufen kann. Auch keine Belohnung, die man sich verdienen muss. Sondern ein Geschenk.

Anerkennung und Geborgenheit sich selbst geben zu können befreit aus der „Sucht“, sie von anderen zu bekommen und sich dafür in der Überlastung aufzureiben. 

Mit 20, 30 oder 40 konnte ich mir nicht vorstellen, wie es sein würde, eines Tages aufzuwachen und zu mit großer Wahrscheinlichkeit sagen zu können, dass weniger Lebenszeit vor als hinter mir liegt. Wenn ich davon ausgehe, nicht 104 zu werden, habe ich diesen Punkt mittlerweile erreicht. Ob ich mit Weisheit gesegnet wurde, mögen andere beurteilen. Ich denke, ich habe gelernt, Fragen zu stellen, die mich weiterbringen. Prioritäten zu setzen. Und mich hin und wieder – und hoffentlich immer öfter – einfach auf mich selbst einzulassen, die Welt rundum auszublenden und ganz bei mir selbst zu sein. Mit mir selbst zu sein, denn mehr brauche ich nicht, um glücklich zu sein. Am Leben zu sein und dieses Leben bewusst wahrnehmen zu können, ist für mich Grund genug. Ganz gleich, wie die äußeren Umstände sind. Solche Momente mit anderen teilen zu dürfen, erfüllt mich mit Dankbarkeit. Das Leben beweist mir nahezu täglich, dass es jeden meiner Pläne mit Leichtigkeit durchkreuzen kann. Warum also darüber ärgern oder gar dagegen ankämpfen? Mit Humor geht’s genauso gut, wenn nicht besser.

Ich denke, ich bin ganz gut auf dem dritten Weg unterwegs 😉

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AUSSER TAKT …

… und trotzdem auf Kurs, das ist mein aktueller Status. Seit beinahe 4 Wochen läuft in meiner WG das Projekt „Umbau“ in Kombination mit einer Entrümpelung, deren Ausmaß mir vorher nicht annähernd bewusst war. Vereinfacht gesagt: Seit 4 Wochen lebe ich im Chaos. Liebgewonnene Routinen – und sei es nur die Nutzung der Küchenspüle – sind mit dem Abriss der Küche weggefallen. An ihre Stelle trat die Logistik von Müllsäcken, Kartons jeglicher Art, Körben, Möbeln, Schutt, Material … diverse Fahrten in Baumärkte … Umbau halt, wie ihn vermutlich jeder von uns kennt.

Und auch nicht – vermutlich.

Das für mich gänzlich neue an dieser Baustelle ist die zwar kreativ-chaotische Umsetzung mit nahezu täglichen Veränderungen, dennoch geschieht all dies friedlich, achtsam, wertschätzend, mit viel Humor und Freude am Tun. Wenn Zwei am selben Strang ziehen, fügt sich eins ins andere. Da braucht es weder lange Planung noch endlose Diskussionen. Vor 4 Wochen entstand spontan die Idee zur Umgestaltung.

Es begann mit dem Austausch des Kühlschranks und führte innerhalb weniger Tage zur kompletten Umgestaltung von vier Räumen, inklusive Böden, Ausmalen … und einer neuen Küche, die in wenigen Tagen voll funktionsfähig sein wird.

Erzähle ich davon in meinem Freundeskreis, werde ich durchwegs fassungslos angestarrt. „Wie geht das alles in so kurzer Zeit?“ lautet die Unisono-Frage. Ehrlich gesagt, habe ich keine Antwort darauf. Es läuft einfach. Schritt für Schritt. Zwei Köpfe werfen ihre geballte Lebenserfahrung in einen Topf und daraus entsteht eine Blaupause, die wechselseitig optimiert wird, ohne dass eine Seite darüber verärgert ist.

Harmonisches Miteinander. Ein Novum in meinem Leben.

Eines, das ich nie wieder missen möchte.

Eines, das so vieles in so kurzer Zeit möglich macht.

Eines, das geniale Ergebnis hervorbringt.

Eines, das sich so richtig rund anfühlt.

Vielleicht bin ich gar nicht außer Takt. Möglicherweise bin ich endlich im für mich richtigen Takt angekommen.

Ganz bei mir und in meiner Mitte.

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SÜCHTIG

Heute nehme ich mir ein Thema vor, das manche vielleicht kennen. Doch möglicherweise nicht in dieser Facette.

Viele Jahre meines Lebens war ich eine Süchtige.

Süchtig nach Sport. Ich spielte Basketball. Wie bei vielen Süchtigen, musste sich mein gesamtes Leben meiner Sucht unterordnen. In meinem Fall: Spiel- und Trainingsterminen. Danach wurden Urlaube geplant, Jobs ausgesucht, mein Privatleben gestaltet. Um ehrlich zu sein, stand ich im 6. Schwangerschaftsmonat noch auf dem Spielfeld, bis in den 3. Monat nahm ich an der Meisterschaft teil.

Ich wäre damals nie auf die Idee gekommen, mich als Süchtige zu bezeichnen. Begeistert – ja. Leidenschaftlich – ja. Aber süchtig?

Nun, wie bei allen Süchtigen (hier generalisiere ich bewusst) verbarg sich auch hinter meiner Sucht eine Suche, die mir erst viel später bewusst wurde. Von der Oberfläche zum Kern vordringend lässt sich diese Sucht mit folgenden Worten beschreiben: Erfolgserlebnisse – Anerkennung – Zugehörigkeit bzw. Familie – Geborgenheit – Halt – das Gefühl in Ordnung zu sein.

Für dieses Gefühl ging ich über Grenzen ohne Rücksicht auf den Schaden, den ich damit bei mir und anderen anrichtete.

Als mein Körper mich einzubremsen begann – in meinem Fall mit chronischen Problemen mit den Achillessehnen (treffenderweise also an DER Schwachstelle seit der Antike) – verlagerte ich die Sucht aus dem Sport in den Job. Hätte mir jemand vor 15 Jahren gesagt, dass ich eines Tages ein Team von rund 50 Personen leiten werde, hätte ich dies mit voller Überzeugung verneint. Sag niemals nie.

So begann ich, meine Sucht im Job (einer Führungsposition) zu befriedigen, was mir zwei Burnouts einbrachte, denn Grenzen überschritt ich nach wie vor. Manche meinen sogar, ich schramme regelmäßig am Rand zu Burnout Nr. 3. Nun, so weit würde ich nicht gehen, denn heute habe ich alles im Griff – aber das dachte ich auch die ersten beiden Male. Einiges ist jedoch tatsächlich anders geworden.

Erfolge und Anerkennung verteilen sich auf verschiedene Bereiche meines Lebens, sowohl leistungsorientierte als auch jene, die von Spaß dominiert werden. Zugehörig fühle ich mich zu einigen wenigen Menschen, insofern habe ich meine Heimat gefunden. Geborgenheit und Halt vermag ich mir selbst zu vermitteln und ich bin zutiefst davon überzeugt, absolut in Ordnung zu sein.

Dennoch …

… ich bin wachsam geworden. Ähnlich einer trockenen Alkoholikerin besteht auch für mich ein gewisses Risiko, in meine Sucht zurückzufallen. Also in jene Verhaltensmuster, die ich heute als selbstverletzend bezeichne. Um dies zu vermeiden, hinterfrage ich regelmäßig mein Tun. Ich habe nämlich für mich zwei Indikatoren identifiziert, die während meiner Sucht vorhanden waren:

Ich MUSS … dabei sein, ohne mich geht’s nicht, bin unersetzlich … Annahmen dieser Art sind ebenso falsch wie auf den falschen Weg leitend. NIEMAND ist im Job oder Sport unersetzlich. Jede Lücke kann früher oder später mit mehr oder weniger Anstrengung geschlossen werden. Heute hinterfrage ich jedes „ich muss“ darauf, ob ich auch will, die Ressourcen dafür habe, ob es mir guttut und falls nicht, ob es eine kurzzeitig notwendige Überlastung ist oder zu einem Dauerzustand wird. Ganz wichtig ist die Frage nach dem WARUM. Was ist meine Motivation? Was erwarte ich mir? Lasse ich mich auf eine Belastung nur ein, um am Ende eine „Medaille“ dafür zu bekommen? Und vor allem: bin ich ehrlich zu mir selbst oder flunkere ich mir selbst etwas vor? Jahrzehnte der Selbsttäuschung haben mich gelehrt, mir selbst nicht immer uneingeschränkt zu trauen. Feedback aus dem Umfeld hilft dabei, das Ganze zu sehen – und nicht nur das Erwünschte.

Mein zweiter Indikator heißt: Monopol! Hinter meiner Handlung verbirgt sich ein gewünschter Zielzustand – also ein Gefühl. Kann ich diesen Zustand nur auf diese eine Weise erreichen, schrillen die Alarmglocken, denn dies kann zum Rückfall in meine Sucht führen. Gibt es auch andere Möglichkeiten, habe ich die freie Wahl. Abwechslung schützt hier vor Abhängigkeit.

Manche mögen denken: „Okay, es gibt weitaus schlimmere Süchte aus die nach Sport.“ Aber für mich bleibt jede Sucht letztendlich eine Suche, die ohne der „Droge“ zufriedenstellend erfüllt werden sollte, um ein freies und selbst bestimmtes Leben führen zu können.

Vielleicht wird der Tag kommen, an dem ich immun gegen den Rückfall geworden bin. Doch bis dahin bleibt Achtsamkeit mein Begleiter. Oder anders formuliert: bewusst leben im Alltag. Klingt unspektakulär, ist es aber nicht. In welch einer Welt würden wir morgen aufwachen, würden alle von uns nur ein wenig bewusster leben? Es wäre mit Sicherheit eine andere Welt.

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ÜBER WEGE UND REISENDE

Vor wenigen Tagen entstand das heutige Titelbild während eines abendlichen Waldspaziergangs. Gestern gesellte sich ein paar lebensphilosophische Gedanken dazu, die ich heute hier teilen und auch näher auf die Hintergründe eingehen möchte:

Wer einen neuen Weg in unbekanntes Terrain einschlägt, muss damit rechnen, auch mal vom Weg abzukommen, bevor das Ziel erreicht ist.

Wer aus Angst davor, sich zu verirren, am Start verharrt, wird nie ankommen.

Wer glaubt, unbekanntes Terrain nur im Außen zu finden und keinesfalls in sich selbst (weil man sich selbst ja kennt), wird einige Überraschungen erleben.

Wer sich mit einer gesunden Portion Neugier und Vertrauen auf die Reise macht, wird Wunderbares entdecken.

Ach ja, zwischendurch nach dem Weg zu fragen ist voll OK und ein Zeichen von gesundem Menschenverstand 😉

All jene, die mich inzwischen ein wenig kennen, vermuten nun zu Recht, dass einige Begegnungen mit „Menschen auf dem Weg“ (sprich: Reisenden) zu diesen Gedanken geführt haben. Worte, die auch einen mahnenden Aspekt in sich tragen, wachsam und achtsam zu bleiben, um nicht der Selbsttäuschung zu erliegen.

Wenn ich dies im Umfeld erkennen kann, hat es immer auch etwas mit mir zu tun.

Nun, auch ich begebe mich derzeit auf einen neuen Weg in unbekanntes Terrain. Ein paar überholte innere Bilder gilt es für mich zu verändern. Aufräumen in der untersten Schublade, in der sich unangebrachte Schuldgefühle verstecken, die wiederum ihrerseits schmerzhafte zwischenmenschliche Dynamiken befeuern.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie tief all dies verwurzelt ist. Selbst wenn mein Umfeld nun ein anderes ist und auch von den Menschen rund um mich agiert wird, wartet ein Teil von mir die ganze Zeit über, dass wieder das geschieht, was ich über Jahrzehnte erlebt hatte, insbesondere Fremdbestimmung.

Doch sie bleibt aus.

Ganz im Gegenteil.

Wertschätzende Kooperation und Kommunikation nehmen nun jenen Platz ein. Das ist für mich (noch) ungewohnt. Ich bin also eine Reisende auf neuem Terrain, auf einem Weg ins (noch) Unbekannte. Doch es fühlt sich richtig gut an!

Ich entdecke eine wunderbare Seite des Lebens: Beziehungen (gleich welcher Art) können frei von Unterdrückung, Schmerz oder Machtkämpfen gelebt werden. Selbst Herausforderungen (wie z.B. eine unerwartete Baustelle im XXL-Format) lassen sich gemeinsam mit Leichtigkeit und harmonisch meistern.

Eine vollkommen neue Erfahrung in meinem Leben.

Eine sehr begrüßenswerte Erfahrung.

Eine Erfahrung, die meine Zukunft bestimmen wird.

Das neue Terrain mag noch ungewohnt sein, doch es ist nicht mehr gänzlich fremd und unbekannt. Es wird von Tag zu Tag vertrauter, der Weg klarer, die daraus entstehenden positiven Effekte vielfältiger. Es ist einfach … amazing 😊

Allerdings gibt es auch einen kleinen Haken an dem Ganzen. Eine Art von „Bedingung“, um diese positiven Effekte zu generieren: ich durfte im Vorfeld ALLE Konflikte in mir verabschieden. Keine Vorwürfe oder Schuldzuweisungen, weder an andere noch an mich selbst. Dem Leben und dem was ist, voll und ganz zustimmen. Das bedeutet nicht, alles gutzuheißen, aber auch nicht, es zu verurteilen.

WERTFREI … ein magisches Wort, das im Kern aussagt: FREI von WERTUNGEN. Es ist, was es ist. Dem Leben und allem, was sich darin findet, ohne Urteil zu begegnen.

Im Grunde kenne ich all diese „Formeln“ seit vielen Jahren, aber offenbar ist es mir erst jetzt gelungen, sie wirklich bis in die tiefen Ebenen meines Unterbewusstseins zu integrieren. Deutlicher als je zuvor nehme ich wahr, wenn mir etwas oder jemand schadet – direkt oder indirekt. Früher habe ich vieles ignoriert und toleriert um des lieben Friedenswillen.

Heute reise ich auf einem neuen Weg, achte darauf, WERTFREI zu bleiben, und entdecke die FREIHEIT, die sich dahinter verbirgt. All das WUNDERBARE, das ich nicht sehen konnte, solange ich auf Wertungen starrte – und finde Menschen, die ebenso wie ich all dies zu schätzen wissen.

Es hat sich gelohnt, ab und an nach dem Weg zu fragen.

WÜRDEVOLLE GEDANKEN

Was bedeutet es, anderen Menschen mit Würde zu begegnen? Seit einigen Wochen befasse ich mich mit diesem Thema. Die letzten Tage lehrten mich, wie schmerzhaft das Gegenteil sein kann.

„Würde“ ist ein Begriff, der etwas angestaubt klingt. Würdenträger … darunter stelle ich mir gerne honorige Personen vor, die aufgrund ihrer Verdienste eine Medaille umgehängt bekommen.

Es heißt, die „Würde“ des Menschen sei unantastbar. Jeder Mensch habe eine „Würde“ und sei darum wertvoll. Ich habe den Begriff „Würde“ gegoogelt und eine Unmenge an Informationen erhalten. Philosophie, Rechtsphilosophie, Rechtstheorie, Religion, … viele befassen sich mit diesem Begriff und seiner Bedeutung.

Mir geht es heute um die „würdevolle“ Behandlung seiner Mitmenschen. Ein Blick in die sozialen Medien genügt, um festzustellen, wie häufig in Beiträgen und Kommentaren die Würde anderer missachtet und verletzt wird. Manche Printmedien sind da nicht viel besser. Offenen Ohres durch die Welt zu schreiten, liefert die Bestätigung in Echtzeit. Vom würdelosen Gehabe im Straßenverkehr will ich gar nicht sprechen.

Einem anderen die Würde zu nehmen führt zwangsläufig dazu, selbst würdelos zu sein. Wobei nicht wenige ihre eigene Würde mit Füßen treten und zulassen, würdelos behandelt zu werden.

Hinter den Oberbegriff „würdevolles Handeln“ stelle ich Aspekte wie Wertschätzung, Achtung, Respekt, Toleranz, Selbstbestimmung und Verantwortung. Meine Recherche ergab noch einiges mehr, je nachdem, aus welcher Perspektive das Thema betrachtet wird. Mein Zugang ist – wie üblich – intuitiv und reflektierend.

Praktisch formuliert, bedeutet „würdevolles Handeln“ für mich, jedem Menschen mit Wertschätzung respektvoll zu begegnen, anerkennend, dass jeder Erwachsene für seine Entscheidung, die Konsequenzen daraus und in Folge für sein Schicksal selbst verantwortlich ist, jedem seine eigene Meinung zu belassen.

Es bedeutet aber auch, mich aus jenen Bereichen zurückzuziehen, in denen meine Würde verletzt wird, anstatt mich auf würdelose (Wort)Gefechte einzulassen. Im öffentlichen und beruflichen Bereich ganz gut umsetzbar, wird es im privaten, familiären Umfeld eine enorme Herausforderung.

In der Vergangenheit habe ich immer wieder (besser gesagt: viel zu oft) zugelassen, von einem geliebten Menschen würdelos behandelt zu werden, weil ich diesen Menschen nicht verletzen wollte durch meinen Rückzug. Stattdessen ließ ich zu, in meiner Würde verletzt und damit als Mensch entwertet zu werden.

Es ist gar nicht so leicht, auf seine eigene Würde zu achten. Denn es bedeutet mitunter, schmerzhafte Entscheidungen zu treffen und sich von geliebten Menschen zurückzuziehen. Aber zu bleiben bedeutet, sich dem anderen als „Opfer“ zur Verfügung zu stellen. Letztendlich trägt dies auch dazu bei, den anderen in seinem würdelosen Verhaltensmuster zu bestätigen und zu bestärken. Eine fatale Wechselwirkung, bei der am Ende alle Beteiligten würdelos aussteigen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar… ein sehr guter Vorsatz, doch Worte sind geduldig.

Es liegt an jeder und jedem von uns, was wir daraus machen.

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DAS GEHEIMNIS MEINES ERFOLGES

Oder: Wie es mir gelingt, trotz (oder aufgrund) meines Borderline-Syndroms ein glückliches, erfolgreiches Leben zu führen

Welch ein Titel, den ich für meinen heutigen Blog gewählt habe! Aber irgendwie ist mir gerade danach. In den vergangenen Tagen hatte ich einige Gespräche mit Menschen, die kaum einen gemeinsamen Nenner haben – außer mich zu kennen. Sie sind bereits seit längerem Teil meines Lebens oder haben mich gerade erst kennengelernt. Wie auch immer die Begegnung stattfand – Face to Face, Chat, Telefonat – irgendwie landeten wir früher oder später an dem Punkt Borderline und wie wunderbar ich nicht damit umgehe.

Anerkennung in dieser Form geht runter wie Öl …

… aber sie ist auch ein wenig „schmierig“, denn für mich ist das, was ich tue und wie ich lebe, alltäglich, also nichts Außergewöhnliches. Ich freue mich darüber, meinen aktuellen Status erreicht zu haben. Gleichzeitig halte ich es für möglich, dass jede und jeder dies auch erreichen kann, wenn …

Hier steigen wir nun ins eigentliche Thema ein.

… WENN die Stolpersteine, Fallgruben und sonstige Hindernisse gemeistert werden.

Oder anders gefragt: WAS kann den Erfolg (auf der Reise zu sich selbst, zu einem Leben voller Lebensfreude, Selbstliebe und sonstigen wunderbaren Gefühlen) verhindern?

Die Antwort ist so simpel wie zutreffend: ICH. Also jeder von uns, denn wir stehen uns immer selbst im Weg. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, das wir selbst für unseren Erfolg im Leben – und damit meine ich nicht Geld, Status oder dergleichen, sondern all das, was sich mit Geld nicht erwerben lässt und wonach sich vermutlich jeder von uns sehnt: Seelenfrieden, Geborgenheit, (Selbst)Liebe, …

Manche Weisheitslehren definieren das Streben danach als jenen Weg, welcher das ultimative Ziel des Menschseins darstellt.

Weniger philosophisch betrachtet liegt einfach ein enormer Benefit darin, mit sich selbst und der Welt rundum im Einvernehmen zu leben. Der Stresspegel in unserem Leben wird dadurch drastisch reduziert, ganz gleich ob im Job, Privatleben oder generell.

Zurück zu den Stolpersteinen. WAS verhindert den Erfolg? Hier meine persönlichen Favoriten des Scheiterns (oder Auslöser für weitere Lernrunden und Umwege):

Gut bedeutet nicht besser: Wenn es mir so richtig dreckig ging, war die Motivation für Veränderung und Weiterentwicklung stets am höchsten. Ich MUSSTE und wollte etwas tun. Kaum war das Schlimmste überstanden und „Normalität“ stellte sich ein, verschwand der Drive, trat anderes (zumeist Banalitäten) in den Vordergrund. Dabei hatte ich gerade einmal das Tief überwunden. Von Veränderung oder Weiterentwicklung keine Spur. Ich war erneut beim Ausgangspunkt gelandet. Es ging mir vorübergehend wieder gut, aber eine dauerhafte Verbesserung hatte ich nicht erreicht.

Erkenntnisse sind wie Seifenblasen: schillernd, faszinierend, kurzlebig. Unzählige bahnbrechende Erkenntnisse erhellten meinen Lebensweg gleich einer Seifenblase, doch sie bewegten erstmal nichts. Erst wenn auf eine Erkenntnis konkrete Überlegungen, Strategien und vor allem UMSETZUNG derselben folgte, entfalteten diese geistigen Seifenblasen ihr Potenzial. An der Umsetzung, also am TUN scheiden sich die Geister, denn …

Erfolg bedeutet immer auch Arbeit – und zwar konsequente mit allem, was dazugehört: scheitern, hinfallen, aufstehen, reflektieren, lernen, adaptieren, … in der Industrie wurden Qualitätssicherungsprozesse entwickelt (z.B. PDCA-Zyklen), die sich wunderbar auch im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung einsetzen lassen. Lange Phasen der Stagnation lehrten mich, den Weg der kleinen, konsequenten Schritte, gegenüber Sprintaktionen zu präferieren. Nachhaltiges Wachstum entsteht eben nicht von jetzt auf gleich.

Delegieren ist keine Option: Persönlichkeitsentwicklung (und dazu gehört für mich auch jede Form der Psychotherapie, deren Ziel es ist, uns dabei anzuleiten, uns zu bewussten, eigenverantwortlichen, handlungs- und beziehungsfähigen, selbstreflektierten und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten zu entwickeln) kann zwar von anderen angeleitet und/oder begleitet werden, aber die anderen können nicht für uns tun. Oft genug suchte ich nach jemanden, der meine Probleme für mich löst, weil „ich armes Opfer es ja nicht allein schaffen würde“. Damit lag ich absolut falsch. Ich schaffte es aus eigener Kraft, manchmal mit Begleitung, manchmal allein. Es genügt, auf das zurückliegende Jahr zu blicken, was ich in diesem Jahr privat und beruflich alles gemeistert habe, um mir bewusst zu machen, wieviel ich schaffen kann, wenn ich mit mir selbst im Reinen bin.

Willst du Recht haben oder glücklich sein? Gerade in der Opferrolle ist „gerechtfertigter Groll“ auf die Täter nachvollziehbar – und ein Hindernis, um Frieden zu finden. Eine gute Gelegenheit, um auf Victor Frankl und sein Buch „Trotzdem JA zum Leben sagen“ zu verweisen. Solange ich an der Anklage gegen die Täter in meinem Leben festhielt, versagte ich mir selbst die Chance auf Heilwerdung. Es geht nicht darum, zu vergessen, noch nicht mal um Vergebung, sondern um Loslassen des Schmerzes um frei zu werden vom Leid. Wer leidet, kann nicht gleichzeitig glücklich in der Umarmung des Lebens verweilen.

Nix is fix – und hier gleich die nächste Gelegenheit für einen Verweis auf einen, von dem ich so einiges lernen durfte (auch wenn ich dieses Zitat erst entdeckte, nachdem ich selbige Beobachtung auf meinem Lebensweg gemacht hatte):

„Die großen Lebensprobleme sind nie auf immer gelöst. Sind sie es einmal anscheinend, so ist es immer ein Verlust. Der Sinn und Zweck scheint nicht in ihrer Lösung zu liegen, sondern darin, dass wir unablässig an ihnen arbeiten. Das allein bewahrt vor Verdummung und Versteinerung.“ C.G. Jung

Die Reise zu sich selbst (auch Selbstfindung oder Persönlichkeitsentwicklung genannt) scheint eine Tour von A (Geburt) nach B (Tod) zu sein, mit etlichen Stationen, manchen Irr- und Umwegen, einigen Tälern, wunderbaren Höhen, all dies in sich wiederholenden Runden und vielem mehr, das wir noch lange nicht verstehen. Deshalb gibt es meiner Ansicht auch nicht den Punkt, an dem wir uns zurücklehnen können und sagen: „So, ich bin fertig.“ Leben bedeutet Veränderung. Das gilt global. Dem kann sich auch der Mensch nicht entziehen. Gewiss, wir können es negieren, aber das Leben sorgt schon dafür, dass wir die Konsequenzen zu spüren bekommen.

Jede und jeder von uns hat die Chance auf ein glückliches, erfolgreiches (wie auch immer jede und jeder für sich Erfolg definiert) Leben. In den seltensten Fällen (mir persönlich ist keiner bekannt) fällt einem dieser Erfolg in den Schoß, doch – so meine Überzeugung – er ist wert, sich ordentlich dafür anzustrengen.

… außerdem ist ein unzufriedenes Leben auch anstrengend. Wenn schon Anstrengung, dann bitte für das angenehme Ziel 😉

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KAUM ZU GLAUBEN …

… aber wahr ist folgende Geschichte, die sich vor wenigen Tagen in meinem Leben zugetragen hat: Ich flog absolut entspannt Richtung Süden. Das wäre an sich noch nichts Besonderes, wenn ich mich nicht seit gut zwei Jahrzehnten mit Flugangst rumgeschlagen hatte. Panik bereits beim Betreten eines Flugzeugs war meine Realität. Was hatte ich nichts alles ausprobiert … von Entspannungsübungen über eine Art von „Hypnose light“ bis hin zu Valium. Letzteres half tatsächlich, um halbwegs ruhig (weil zugedröhnt) einen Flug zu überstehen.

Kurz gesagt: ich mied Flugreisen wo möglich.

Das war nicht immer so gewesen. Vor oben erwähnten zwei Jahrzehnte flog ich gerne. Selbst Turbulenzen machten mir nichts aus. Bis zur Geburt meines Sohnes. Danach wurden Flugreisen zum Horror für mich. Lange Zeit ging ich davon aus, die Komplikationen bei der Geburt hätten sich in mein Körpergedächtnis negativ eingeprägt und würden durch die Beschleunigung beim Start getriggert, was zu Panikattacken und Fluchtreaktionen führte. Entsprechend versuchte ich, diesen Trigger zu deaktivieren, alternative Programme zu setzen etc. Ohne Erfolg. Valium half.

Als ich 2018 mit einer Arbeitskollegin auf Dienstreise geschickt wurde, war ich anfangs wenig begeistert, weil Flugreise. Erstaunlicherweise blieben die üblichen negativen Gefühle, Ängste etc. aus. Ich ging davon aus, die intensiven Gespräche mit meiner Kollegin hätten mich wohl derart abgelenkt, dass ich keine Zeit für den Horrortrip hatte. Glück gehabt. Entsprechend nervös war ich nun bei der Vorstellung, allein – also ohne Kollegin oder sonstiger Begleitung – nach Griechenland zu düsen.

Dann geschah das zuvor Unvorstellbare: Ich döste friedlich den ganzen Flug über, inklusive Start und Landung! Ohne Valium oder sonstige Beruhigungsmittel, Drogen oder was man sonst noch verwenden könnte.

Am Strand liegend sinnierte ich, was diese für mich positive Veränderung verursacht haben könnte – und gelangte zu einem plausiblen, aber dennoch schier unglaublichen Schluss: Der Hauptstressor jener zwei Jahrzehnte war nicht mehr vorhanden. Sprich: mein Ex-Partner. Offenbar hatte mein teilweise bewusstes, teilweise unbewusstes Streben danach, dem zu entsprechen, was er von mir erwartete bzw. was ich annahm, dass ich sein sollte, damit unsere Beziehung harmonisch verlaufen konnte, derart viel Anspannung und Druck in mir aufgebaut, das an sich Harmloses wie ein Flug in mir emotionales Chaos bis hin zur Panik auslöste. Eine weitere (oder ergänzende) Möglichkeit ist jene, dass ich SEINE verdrängte Flugangst wahrnahm und für ihn auslebte. Als Projektionsfläche für seine negativen Stimmungen bis hin zu Depressionen hatte ich mich ja zur Verfügung gestellt, um mein ungelöstes Helfersyndrom zu befriedigen. Frei nach dem Motto: Rette alle anderen und gleich die ganze Welt, nur um dich nicht mit deinen eigenen Problemen zu befassen.

Als nächstes wurde mir bewusst, was ich (zusätzlich zu meiner Flugangst) noch so nebenbei verloren hatte: Lebensmittelunverträglichkeiten, brüchige Fingernägel … all das verschwand in den Monaten nach der Trennung, OHNE meine Ernährungsgewohnheiten umzustellen, irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel zu verwenden oder ähnliches. Selbst mein Hautteint hat sich verändert (was auch meine Friseurin festgestellt hat, da dieser nun besser mit der von mir gewählten Haarfarbe harmoniert). All dies, weil der Hauptstressor wegfiel?

Stress kann vielfältige psychische und physische Probleme auslösen. Dauerstress wirkt toxisch. Aber dass die Auswirkungen derart heftig sein können, hat mich überrascht. Doch mangels einer besseren Erklärung, staune ich also über die gefunden und nehme die positiven Veränderungen dankbar an.

Ich hatte während meines einwöchigen Ausstiegs aus meiner gewohnten Lebensroutine, fernab von Touristenhochburgen, inmitten paradiesisch anmutender Natur, reichlich Zeit, mich selbst zu reflektieren und meine Gefühlswelt zu erspüren. Dabei entdeckte ich für mich einige äußerst interessante Punkte, die sich zurück in meiner Lebensroutine zu etablieren beginnen und sicherlich in meine nächsten Beiträge einfließen werden. Eines kann ich jedoch schon jetzt aus voller Überzeugung sagen:

Jede Minute, die man dafür verwendet, sich voll und ganz mit den eigenen großen Lebensthemen zu befassen, ist bestens investiert. Kaum zu glauben, aber wahr 😉

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VON ZUFÄLLEN UND LEBENSTHEMEN

Vor wenigen Tagen ist mir zufällig ein Zitat begegnet, als ich etwas gänzlich anderes tat als mich mit meinen Lebensthemen zu beschäftigen – von denen ich mich gerade etwas ablenken wollte, weil sie wieder einmal an meine Tür klopften und ich mir die weiter unten erwähnte Frage stellte.

Bekanntlich gibt es keine Zufälle. Zumindest glaube ich nicht an Zufälle. Eher an Fügungen des Schicksals. Oder Energien, die einander anziehen. An Filter in der Wahrnehmung, die uns just in dem Moment etwas erkennen lassen, in dem es für uns wichtig und wesentlich ist. Ich glaube an vieles, aber nicht mehr an Zufälle.

Nun zu dem Zitat, das mir auf Seite 165 eines Buches begegnete, das 1998 gedruckt wurde und schon ziemlich lange in meinem Besitz ist:

„Die großen Lebensprobleme sind nie auf immer gelöst. Sind sie es einmal anscheinend, so ist es immer ein Verlust. Der Sinn und Zweck scheint nicht in ihrer Lösung zu liegen, sondern darin, dass wir unablässig an ihnen arbeiten. Das allein bewahrt vor Verdummung und Versteinerung.“ C.G. Jung

Zugegeben, ich tendiere mehr zu den Jungianern als den Freudianern, aber dies war kein Buch von C.G. Jung. Dieses Zitat fand ich in einem Buch über den Crowley-Tarot unter den Erläuterungen zur Karte „Der Gehängte“. Ich dachte bis lang eigentlich, die Bedeutung dieser Karte zu kennen. Welch eine Hybris!

Bevor ich nun in die Esoterik-Schublade gesteckt werde: JA, ich lege für mich selbst ab und zu Karten. NEIN, ich glaube nicht darin erkennen zu können, ob mir morgen ein Blumentopf auf den Kopf fällt, wie die nächsten Lottozahlen lauten oder dergleichen. Für mich bietet der Tarot eine interessante Möglichkeit, blinde Flecken im Selbstbild zu beleuchten. Welche Energie bestimmt mich gerade? Welche Aspekte verbergen sich darin? Welch emotionale Reaktionen lösen die einzelnen Karten bei mir aus? Ablehnung? Zustimmung? Nachdem ich – wie eingangs erwähnt – nicht an Zufälle glaube, finden stets jene Karten in meine Hand, die in diesem Augenblick mit mir in Resonanz schwingen. So weit mein kurzer Exkurs in die Welt des Metaphysischen.

Zurück zu C.G. Jung und seine Worte: „Die großen Lebensprobleme sind nie auf immer gelöst …“ Damit bringt C.G. Jung klar zum Ausdruck, was ich selbst erlebt habe und laufend erlebe: Scheinbar gelöstes kehrt zurück. In neuem Gewand, ein wenig verändert, aber das Thema (oder Problem) im Kern ist dasselbe geblieben. Und täglich grüßt das Murmeltier. Eine Zeitlang dachte ich mir: „Okay, ich hab’s wohl doch nicht hinbekommen. Etwas dürfte ich übersehen haben. Also auf ein Neues.“ Mit der steigenden Anzahl an Schleifen wurde irgendwann klar: Nix übersehen. Einfach nur wieder da. Nix gelernt? Diese Conclusio drängt sich auf, aber so einfach ist die Sache aus meiner Sicht dann doch nicht.

Die großen Lebensprobleme zu lösen, bedeutet für mich Meisterschaft im Leben zu erlangen.

Ich habe viele Jahre im Mannschaftssport zugebracht und auch so manche Meisterschaft gewonnen. Aber dennoch haben wir nie aufgehört zu trainieren. In keinem Bereich des Lebens bedeutet Meisterschaft, sich auf seinem Allerwertesten ausruhen zu können. Ständiges Dranbleiben gehört dazu, um die Fähigkeiten zu erhalten. Nicht umsonst heißt es: Wer rastet, der rostet.

Die Gedanken von C.G. Jung weiterführend trifft dies auch für das Lösen der großen Lebensprobleme zu, also die Meisterschaft im Leben. Dranbleiben und an sich arbeiten, ein Leben lang. Was für den Körper gilt, scheint auf selber Weise auch für den Geist zu gelten.

Das Leben ist ein einzigartiger Marathon. Ob wir ihn erfolgreich gemeistert haben, werden wir erst beim Überschreiten der Ziellinie wissen, kurz bevor wir aus diesem Leben hinausschreiten in das große Unbekannte.

Wenn ich also zum x-ten Mal an den Punkt Y komme, stelle ich mir die Frage: „Was nehme ich diesmal daraus mit für die noch vor mir liegende Strecke?“

Manchmal bleibe ich auch an der Frage „Warum schon wieder?“ hängen. Dann kann es durchaus die Karte „Der Gehängte“ sein, die mich daran erinnert, die aktuelle Situation aus einem gänzlich anderen (vielleicht auf den Kopf gestellten) Blickwinkel zu betrachten, wodurch sich die Blockade lösen kann.

Vielleicht lassen sich die großen Lebensprobleme nie auf immer lösen. Vielleicht gibt es auch nicht nur eine Lösung. Vielleicht bestehen die Lösungen aus ebenso vielen Facetten wie die Probleme. Was wir aus meiner Sicht auf jeden Fall erlangen können, ist die Meisterschaft im Dranbleiben am Lösen der Probleme.

Ein wichtiger Schritt dabei ist für mich, nicht mehr an Zufälle zu glauben, sondern an Fügungen, die dabei helfen, den nächsten Level des Lebensproblems zu meistern.

Albert Einstein konstatiert: „Gott würfelt nicht.“

Stephen Hawking widersprach ihm: „Einstein lag falsch, als er sagte ‹Gott würfelt nicht›. (…) Er hat die Würfel manchmal nur dorthin geworfen, wo wir sie nicht sehen.“

Physik, Psychologie, Metaphysik, Universum, Mensch, Leben … nichts davon existiert für sich oder getrennt vom anderen. Alles gehört zusammen, vermischt sich in uns zu dem was wir sind – und was es zu verstehen gilt auf dem Erkenntnis-Marathon des Lebens, das so viel mehr ist, als die Schulweisheit uns lehren will.

Ist es Zufall, dass ich diese Zeilen geschrieben habe, die du in diesem Augenblick liest? Ich glaube nicht an Zufälle 😉

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DAS BUCHSTABENSUPPEN-ORAKEL

So lautet der Titel einer Kurzgeschichte aus meinem Buch EMBRACE Band 2. Gelesen von Silke Siegel lädt die Story zu einer 8-Minuten-Pause vom Alltag ein. Reinhören, Abschalten, Durchatmen, Lächeln …


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