RE-BOOT CAMP

Klingt vielleicht seltsam, ist aber so: Ich habe mir selbst ein Re-Boot Camp verordnet. Nach all dem, was in den vergangenen Monaten abging, scheint mir das eine richtig gute Idee. Re-Boot Camp bedeutet für mich:

  • Ab in die Bergwelt – noch gibt es Schnee auf den Pisten. Für ausreichend Bewegung ist gesorgt.
  • Relaxen pur – die Therme ist nur 250 m von meinem Zimmer entfernt und ich kenne da einen Saunameister mit ganz besonderen Ölen und Essenzen.
  • 1800 Seiten JAN/A um in mir all die Facetten zu reaktivieren, die ich zwangsläufig auf Mute geschaltet hatte – bis ich nur noch auf „einem Bein“ unterwegs war… dauerhaft nicht zu empfehlen.
  • Laptop im Gepäck … immerhin schlummert auch mein 10. Buchprojekt hinter einer Prokrastinationshecke – um da weiterzukommen, braucht es 100% von mir.

Funktioniert’s?

Was soll ich sagen? Ein simples Ja würde nicht ansatzweise das wiedergeben, was es für mich ist.

Zum einen überrollt mich gerade das Eintauchen in „JAN/A – next level“. Verdammt, ich habe diese 1.800 Seiten getippt, unzählige Male gelesen seit 2017, und plötzlich blitzen Zusammenhänge auf, die ich so noch nie beachtet hatte.

Vielleicht hängt das damit zusammen, dass ich mich derzeit wieder intensiv mit der Borderline-Thematik beschäftige. Oder präziser gesagt: dem Versuch, in Worte zu fassen, was schwer zu beschreiben oder jeder ohnehin auf seine eigene Weise erlebt – die emotionale Achterbahn – authentisch wie selten zuvor. Auch hier next level.

Vielleicht hab ich die Nase voll davon, mich auf das zu beschränken, was „der Norm entspricht“ – auch in Worten. Ja, meine Gedanken springen häufig wie aufgeschreckte Heuschrecken, aber nicht chaotisch im herkömmlichen Sinn, sondern auf eine eigene Weise vernetzt. Für Außenstehende mag das mitunter konfus wirken, ist es aber absolut nicht, vielmehr kreativ.

Vielleicht zeigt sich aber auch einfach etwas, das ich seit meiner Kindheit fühle: meine Beine stehen in zwei unterschiedlichen Welten, die ich verbinde. Modern formuliert: eine Kommunikationsschnittstelle. Eine, die sowohl von Betroffenen als auch von Außenstehenden Rückmeldungen bekommt, wie nachvollziehbar das ist, was ich über Borderline erzähle. Eine, die „übersetzen“ kann.

Zum anderen bin ich gerade dabei, mich zu verlieben – ins Leben. An diesem Punkt war ich bereits früher, doch dann fiel ich raus. Wodurch? Ehrlich? Ich ließ mich auf Menschen ein, die von der Gesamtheit meines Wesens überfordert waren. Einzelne Facetten waren durchaus erwünscht, andere nicht. Aber so funktioniert das nicht. Auch etwas, dass ich erkennen durfte. Mir geht’s nur dann wirklich gut, wenn ich ICH bin – eine außergewöhnliche Persönlichkeit, wie ich öfters zu hören bekommen, aber ich fühle mich nicht „außergewöhnlich“. Ich bin einfach, wer ich bin. Mein Re-Boot Camp stellt (Selbst)Liebe, Lebensfreude, Leichtigkeit ebenso in den Fokus wie Selbstreflexion, Loslassen und augenzwinkernden Humor. Wenn schon Neustart, dann bitte liebevoll.

Im Moment kreise ich um mich selbst – was echt guttut. Me-time nennt sich das heutzutage. Kann ich nur empfehlen 😉

Bild: KI-generiert … den Mini-Drachen finde ich besonders süß.

LOST AND FOUND

Allmählich beginne ich wieder, mich wie ICH zu fühlen. Je weiter ich mich von den Menschen und dem Umfeld entferne, die im vergangenen halben Jahr eine zentrale Rolle in meinem Leben eingenommen haben, desto mehr kehre ich zu mir selbst und meinem Leben zurück. Diese Beobachtung ist gleichzeitig erleichternd, erschreckend, ernüchternd und beruhigend.

Erleichternd, weil es sich gut anfühlt, meine Lebensfreude, meine Kreativität, mein Optimismus, meine innere Ruhe und Gelassenheit … einfach alles, was ich bin, wieder da ist.

Erschreckend, weil mir rückblickend bewusst wird, wie weit ich mich zwischendurch verloren hatte.

Ernüchternd, weil meine innere Balance – zumindest aus heutiger Sicht – mit meinem Umfeld korreliert. Über all dem zu stehen, alles ausgleichen und aushalten zu können, hat sich als Hybris erwiesen. Eine Lernerfahrung mehr in meinem Leben.

Beruhigend, weil etwas in mir stets danach strebt, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Auch wenn ich mich zwischendurch mal verliere (im Versuch, etwas unbedingt hinzubekommen meinem Ego das Kommando überlasse), ich finde auch wieder zurück (gut auf mich selbst zu achten).

Ich bin nur ein Mensch mit einer Vielzahl an Facetten – möglicherweise mehr als durchschnittlich üblich. Aber ich bin kein Unikat.

Vor einigen Tagen saß ich mit einer jungen Frau zusammen. Borderlinerin, halb so alt wie ich, doch mit ähnlichen Geschichten. Wenn ich von meiner Welt erzähle und wie ich wahrnehme, was da ist, spüre ich, dass ich verstanden werde auf eine Weise, wie nur jemand verstehen kann, der die Welt auf ähnliche Weise wahrnimmt. Welche Worte könnten das beschreiben? Ich weiß es nicht – und ich behaupte von mir, ziemlich findig zu sein, wenn es um Rhetorik geht. Doch in diesem Fall fehlen mir die passenden Worte. Es ist einfach anders.

Keine Ahnung, wie oft ich meine Geschichte erzählt habe, über Borderline sprechen … Menschen hören zu, verstehen (sagen sie zumindest), dennoch wirken sie auf mich wie Beobachter, die etwas zu erfassen versuchen, dass hinter einer Wand aus Glas geschieht. Anders nehme ich das mit Borderlinern wahr. Für mich fühlt es sich an, als könnten sie durch die Wand aus Glas hindurch eintauchen in meine Welt – und ich in ihre. Früher zweifelte ich an mir selbst, dachte, ich spinne mir das alles nur zusammen. Ich schränkte mich selbst auf das ein, was mein damaliges Umfeld als zulässig definierte.

Was, wenn die (Wahrnehmungs)Grenzen nicht so eng sind, wie Manche glauben? Was, wenn da viel mehr ist, als wir bislang angenommen haben?

Nein, ich bin nicht auf bewusstseinsverändernden Substanzen unterwegs. Aber ich habe den Eindruck, dass mein „mich-zwischendurch-Verlieren-und-Wiederfinden“ auch etwas in mir verändert hat. Mich näher zu mir selbst geführt hat. Einiges aus meiner Vergangenheit betrachte ich heute aus anderer Perspektive. Eine tiefergehende Klarheit hat sich eingestellt in Bezug auf manche Bereiche meines Lebens. Beiläufige Kurskorrekturen.

Warum fallen wir? Damit wir lernen, wieder aufzustehen – und dabei auch stärker werden. Jeder Sturz (zurück in Altes) kann helfen, Ballast abzuwerfen, wenn wir bereit sind, uns dem Gedanken zu öffnen, das in ALLEM etwas ist, dass uns weiterbringen kann.

Warum verlieren wir (uns)? Vielleicht, damit wir im Zuge des Wiederfindens die eine oder andere Selbsttäuschung enttarnen und uns von ihr verabschieden. Mehr und mehr komme ich zu der Überzeugung, dass es kein Scheitern gibt, nur ein Verweigern – der Selbsterkenntnis und der damit verbundenen Entwicklungen.

Warum ich mich verloren habe? Um so viel mehr von mir zu finden.

Bild: KI-generiert … zur Abwechslung 😉 ich finde es spannend, auf welche Weise meine Worte visualisiert wurden