AUF DER FLUCHT

Unzählige Male war ich in meinem Leben bereits auf der Flucht … weil Situationen unerträglich wurden … andere mich verletzt hatten … ich mich selbst nicht mehr ausstehen konnte … viele Gründe, ein jeder überzeugend und wichtig. Doch meine Flucht brachte mich nie ans Ziel, denn …

… wir können vor allem und jedem davonlaufen, nur nicht vor uns selbst.

Wohin wir uns auch wenden, wir treffen stets auf das, was wir in uns tragen und damit auf uns selbst. Die Welt rund um uns ist ein unbestechlicher Spiegel, der uns mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks Tag für Tag vor Augen hält, was wir zu ignorieren versuchen. Das Leben wird nicht müde, uns in einer Murmeltiertag-Schleife zu parken, wenn wir uns beharrlich weigern, unsere Hausaufgaben zu machen.

Was unsere Hausaufgaben sind? In uns Aufräumen. Das Chaos in Ordnung bringen, das (zumeist) andere angerichtet haben zu einer Zeit, als wir die Welt noch mit den Augen eines Kindes betrachtet haben. Zurückzufinden zu unserem Ursprungssetting, also der Blaupause, die uns hilft, wieder jene zu werden, die wir davor waren, bevor unser Innenleben in Unordnung geriet und unser Seelenfrieden erschüttert wurde. Die Verantwortung für uns selbst zu übernehmen, aus Anklagen und Schuldzuweisungen auszusteigen, um uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: gut auf uns selbst zu achten. Uns als Schöpfer unserer eigenen Wirklichkeit zu erkennen und die damit verbundenen Möglichkeit zu nutzen, um ein gelingendes Leben zu erreichen.

Hehre Worte. Ein gelingendes Leben. Dazu wurden 1001 (mindestens) Ratgeber geschrieben. Ob sie uns ans Ziel bringen oder nicht, entscheidet sich an dieser Hürde:

Wir begegnen uns stets selbst.

Diese Vorstellung kann schrecklich sein – oder beruhigend.

Man kann diese Tatsache als Fluch betrachten – oder Segen. Je nachdem.

Früher sah ich einen Fluch darin, immer und immer wieder auf die gleiche Art und Weise enttäuscht, verletzt, betrogen und ausgenutzt zu werden. Heute erkenne ich die Chance, die sich in jedem Tiefschlag des Lebens verbirgt, strebe aus freien Stücken an, daraus zu lernen – auch mit dem zutiefst eigennützigen Hintergedanken, mir damit eine Wiederholungsprüfung zu ersparen.

Es wäre so einfach …

… in der Theorie ist es das auch, aber die Praxis hält noch ein paar Herausforderungen bereit. Freiwillig lernen und sich weiterentwickeln, klingt doch gut, gäbe es da nicht das große ABER.

Abgesehen davon, dass jeder Lernprozess etwas mit dem Betreten von Neuland zu tun, also das Potenzial des Scheiterns in sich trägt, mit mehr oder weniger Anstrengungen verbunden ist und es keine Garantie auf Erfolg gibt – steht uns noch etwas im Wege:

Kaum etwas fällt schwerer loszulassen als Schmerz und Leid. Absolut irre und paradox, denn wer will schon freiwillig leiden? Dennoch – destruktives Verhalten zu beenden ist alles andere als einfach. Noch schwieriger wird es, wenn uns noch nicht mal bewusst ist, was wir da tun. Aber wie sonst lässt sich erklären, dass Menschen wider besseres Wissen ihr Verhalten nicht verändern? Ich nehme mich da nicht aus. Viele Jahre gehörte ich zu den konsequent Lernresistenten. Man könnte auch sagen: ich übte mich im Nachsitzen. Etwas nobler formuliert: ich wollte alle Eventualitäten ergründen, was es noch sein könnte. HUMOR ist eine wunderbare Eigenschaft 😊

Keine Ahnung, wie viele Stunden oder gar Tage ich in Summe damit verbracht habe zu ergründen, warum ich mich weigerte, aus der Murmeltiertag-Schleife von Schmerz und Leid auszusteigen. Einige interessante Erklärungen lieferte die Drama-Dynamik. Angst vor Veränderung erschien ebenso plausibel wie „Macht der Gewohnheit“ bzw. Trägheit. Oder dass es für Schmerz und Leid mehr Zuwendung gab als für Erfolg. Diese Liste an Gründen lässt sich mit Sicherheit noch um einige Punkte ergänzen, doch wesentlich ist vor allem der gemeinsamen Nenner:

Wir stehen uns selbst im Weg, weil wir nicht vor uns selbst davonlaufen können.

Erst wenn wir die Konflikte und Widersprüche in uns aufgelöst haben, kommen wir wirklich in den Flow des Lebens. Dann braucht es auch keine Flucht mehr. Dann kann Leben gelingen. Wären da nur nicht die Hausaufgaben, die es zuvor zu lösen gilt. Ohne Fleiß, kein Preis.

Das Leben schenkt uns nichts – und alles.

Es liegt an jedem von uns, die eigenen Hausaufgaben zu lösen. Im Nachhinein betrachtet, amüsiere ich mich über meine Murmeltiertag-Schleifen, meine beharrliche Verweigerung mancher Lernschritte und trotzig eingeschlagene Umwege, denn ich bin überzeugt, ich wüsste das, was ich bis heute erreicht habe, nicht in dem Ausmaß zu schätzen, wie ich es tue, wäre es mir einfach mal so in den Schoß gefallen. Mein Lebensglück wurde mich nicht geschenkt, ich durfte es mir erarbeiten und verdienen. Es ist wertvoll.

Ich begegne mir stets selbst.

Kein Grund zur Flucht – nur ab und an eine willkommene Anregung zum Lernen 😉

Bild: pixabay.com

HARDCORE PHILOSOPHY

Wieder einmal liegt eine Woche hinter mir, die sich in einer Frage darstellen lässt: „Was noch?“ Was kann noch schiefgehen? Wenn auch noch der letzte, verbleibende Silberstreif am Horizont, der mich durch die Mühsal der Tage und den Irrsinn des Unverständlichen hindurch hoffen und auf etwas Wunderbares freuen ließ, einfach so zerbröselt, zermahlen von den Urgewalten des Menschseins, von unbegründeten, ja irrationalen Ängsten, die doch so lebensecht sind – eben menschlich. Zerschmettert von Ereignissen außerhalb meiner Einflusssphären. Zunichte gemacht vom Schicksal …

Okay, ich bremse meine dramatische Ader wieder ein wenig. Ich denke, ich habe hinreichend die gefühlte Dimension der Ereignisse dargestellt. Es ließe sich auch in einem einzigen Satz formulieren, oder zwei Worten: Murphy’s Law …

“Anything that can go wrong WILL go wrong.”

„Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Außer vielleicht die Randbemerkung, dass dies DIE Gelegenheit ist für Hardcore Philosophy.

Nach dem Motto zu leben „Alles, was dir auf deinem Weg begegnet, ist für dich da, um daraus zu lernen und zu wachsen. Nimm es dankbar an!“ ist bei Schönwetter, wenn also alles bestens läuft, sehr einfach. Es drängt sich ja gerade zu auf.

Schwierig wird es bei kleineren Problemchen.

Eine Herausforderung bei größeren Problemen.

Eine echte Challange bei Desaster-Wochen. Die können schon mal zu einer lebensphilosophischen Glaubenskrise führen.

Dankbar anzunehmen, dass sich eine Katastrophe an die andere reiht in einer schier endlosen Kette, OHNE dabei in realitätsfernen Zwangsoptimismus zu verfallen, verlangt schon einiges an Pragmatismus. Ein Blick auf die Geschehnisse aus der Meta-Ebene kann dabei helfen. Dieser macht die Lernaufgaben sichtbar, und auch wenn die daraus resultierenden Erkenntnisse mitunter nicht gerade leicht verdaulich sind, stellen sie doch einen Entwicklungsschritt dar. Vielleicht löst sich dabei der eine oder andere blinde Fleck auf? Verliert eine Selbsttäuschung an Macht über uns? Erkennen wir bislang verborgene Zusammenhänge oder verdrängte innere Konflikte?

Auch wenn es ungemein verlockend ist, in theatralisch zur Schau getragenes Selbstbedauern zu verfallen, sich als Opfer widriger Umstände zu präsentieren und dem – nur allzu verständlichem – Frust Luft zu machen, das bringt nicht weiter. Es mag kurzzeitig Erleichterung bringen, aber die Lernaufgabe dahinter bleibt bestehen und wird sich bei nächster Gelegenheit prominent in den Vordergrund unserer Wahrnehmung spielen.

Man kann vor allem davonlaufen, nur nicht vor sich selbst!

Wir bekommen täglich im Außen das präsentiert, was wir in uns tragen – gelöst oder ungelöst. Das Leben ist ein gigantischer und gleichzeitig objektiver Spiegel. Es ist weder fair noch unfair. Weder gut noch böse.

Es ist, was es ist…

… oder besser: was wir daraus machen.

Es liegt an uns, die Ereignisse zu bewerten, sie als Last oder Chance zu sehen. Auch eine scheinbar endlose Kette von Katastrophen. Dazwischen auch die anderen Ereignisse noch zu sehen, die es auch gab, das Gelungene, Erfreuliche, Positive …

Das Leben ist nie nur einseitig. Alles hat immer zwei Seiten (mindestens).

Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Damit meine ich nicht den Zwangsoptimismus im Sinne von „Ich muss nur darauf vertrauen, dann wird schon wieder alles gut.“ DAS ist die bequeme, aber wenig zielführende Kurzfassung von:

„Schau genau hin, möglichst wertfrei. Erkenne, was wirkt, die Hintergründe und Zusammenhänge. Erkenne und verstehe deinen eigenen Anteil daran. Verändere diesen, auch wenn es Überwindung verlangt und anstrengend ist. Mach weiter, auch wenn du zwischendurch in alte Muster zurückfällst. Bleibt konsequent, bis du dein Ziel erreicht hast. Hab Geduld und Vertrauen in dich selbst. Sei dir bewusst, dass die Zeit, die es braucht, auch davon abhängt, wie freiwillig du diesem Prozess zustimmst und wie (selbst)liebevoll du ihn umsetzt. Sei dankbar, dass du diese Chance erhältst. Sei dir bewusst, dass die Veränderung in dem Moment geschieht, indem du dich dazu entschließt, das überholte loszulassen und auf das neue zuzugehen. Sei dir bewusst, das nur dann etwas geschehen wird, wenn du es tust. Und sei dir bewusst, es ist genauso, wie es sein soll – und das ist gut. Vielleicht ein wenig anstrengend, aber dennoch gut.“

Diese Gedanken angesichts einer echt besch*** Woche denken und ihre Botschaft fühlen zu können, das nenne ich Hardcore Philosophy oder Lebensphilosophie für Fortgeschrittene, die auch bei Schlechtwetter den Kurs zu halten vermögen … denn genau darauf kommt es an im Leben: Durch die Stürme hindurch manövrieren zu können in dem Wissen, das sie auch wieder vorüber gehen und die Sonne wieder scheinen wird.

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GUT ODER SCHLECHT?

Wer von uns stellt sich nicht regelmäßig diese Frage angesichts dessen, was uns im Leben begegnet? Auf manche dieser Fragen finden wir Antworten, an denen wir jahrelang festhalten. Andere scheinen ewig unbeantwortet zu bleiben. Aber – können wir diese Fragen überhaupt beantworten?

Eine Reflexion

Der 11. Juli 2020 – mein persönlicher Tag X, an dem sich mein Leben drastisch verändert. In den ersten Stunden hätte ich die Frage nach „gut oder schlecht“ sicherlich mit „absolute Katastrophe, also schlecht!“ beantwortet. Nur wenige Tage später wäre es „es musste so kommen und ist in Ordnung, deshalb tendenziell gut“ gewesen. Und heute? Mittlerweile bin ich erleichtert über den Tag X, denn er zwang mich sprichwörtlich dazu, meine Augen zu öffnen für das, was ich schon seit längerem ignorierte.  In diesem Sinne: Gut und danke für diesen Tag!

Meine jeweilige Antwort steht also in direktem Zusammenhang mit dem Zeitpunkt, von dem aus ich auf das zugrunde liegende Ereignis blickte. Einfach gesagt: Die Zeit verändert so einiges.

Wer meine Beträge aus den Wochen nach dem Tag X gelesen hat, dem wird aufgefallen sein, dass ich von Beginn an bewusst vermieden habe, eine Bewertung der Situation in der Art von „gut oder schlecht?“ vorzunehmen und mich mehr darauf konzentrierte, wie es mir dabei ging und welche Veränderungen ich wahrnehmen konnte. Ich wollte den Tag X nicht kategorisieren und ihm damit einen Stempel aufdrücken.

Tag X war ein Tag der Veränderung, aus dem heraus neues entstehen sollte.

Den Boden für dieses neue „Pflänzchen“ (ich amüsiere mich noch immer über die Tatsache, dass zeitgleich ein zuvor ausgesäter Grapefruit-Kern keimte und daraus nun ein Bäumchen bzw. Pflänzchen auf meiner Fensterbank erwächst, quasi als lebendiger Chronometer des Voranschreitens seit Tag X), wollte ich von Beginn an neutral halten. Natürlich hätte ich in Tag X eine Menge Negatives sehen können, mich in Vorwürfen, Schuldzuweisungen, Kränkungen usw. verlieren können – doch ganz ehrlich, was sollte auf diesem vergifteten Misthaufen (und das meine ich wörtlich!) den wachsen?

Stattdessen fokussierte ich mich darauf herauszufinden, wer ich bin, was ich übernommen hatte und wieder loslassen wollte. Nur wer sich selbst kennt und spürt, wird erkennen, wer zu einem passt und wer nicht. Hierbei geht es nicht um „gut oder schlecht?“, sondern einfach nur um „passend oder nicht passend“.

Eine Synthese

Rückblickend stelle ich nun fest, das meine damals angestrebte Neutralität in Bezug auf Tag X (selbstverständlich hat es mich emotional ein paar umgerissen, aber dennoch verlor ich mich weder im Klagen noch im Anklagen) wie eine Weichenstellung fungiert hat und neue, andere Menschen in mein Leben brachte. Was genau genommen auch nicht erstaunlich ist. Gesetz der Anziehung, Spiegelgesetz … mentale Fokussierung auf etwas holt dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in unser Leben – außer wir verweigern die Wahrnehmung dessen, aber das ist eine andere Geschichte.

Mein kognitiver Verstand weiß das alles. Dennoch – es (wieder) einmal zu erleben, noch dazu in diesem Ausmaß, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Es bestärkt mich im Vertrauen auf das Leben und die Wege, die es uns vorgibt. Scheinen sie manchmal unverständlich, sind sie dennoch für uns da. Nehmen wir sie an, werden uns diese Wege weiterbringen. Manchmal sogar weiter, als wir uns zuvor vorstellen konnten.

… und da wären wir wieder bei „gut oder schlecht?“ Die Einstellung, mit der wir uns auf den Weg machen, entscheidet viel darüber, wie wir den Weg erleben, ob als kräftezehrend oder beflügelnd. Mein persönliches Bestreben geht davon, Ereignisse oder Menschen weder als „gut oder schlecht?“ zu beurteilen (was per se eine Anmaßung, weil über den anderen stellen bedeutet), sondern schlicht und einfach in „darf ein Teil meines Lebens werden, sein und bleiben“ oder „darf sich aus meinem Leben verabschieden“. Ich öffne meine Wahrnehmung für möglichst viele Aspekte, versuche das Gesamtbild zu erkennen. Alles im Leben lässt sich auf „gut oder schlecht?“ reduzieren. Manchmal halten wir an diesem Urteil viele Jahre oder gar ein Leben lang fest, verwehren uns selbst die Chance, das verborgene Potenzial zu entdecken.

Krise als Chance – mehr als ein Slogan oder Kalenderblattspruch: Eine innere Haltung, die Wachstum fördert.

Noch so ein Spruch, den vermutlich fast jeder kennt: Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden.

Wer über diesen Spruch nachdenkt, wird möglicherweise – so wie ich – zu der Einsicht gelangen, dass es dabei nicht um das supertolle ultimative Erlebnis geht, das alles andere toppt. Der schönste Tag des Lebens muss nicht laut, bunt oder spektakulär sein. Es kann ganz einfach auch der Tag sein, an dem sich eine Weiche auftut und das Leben eine neue Richtung einschlägt, so wie es das bei mir tat am 11. Juli 2020 – mein Tag X.

Eine Hypothese

Vielleicht werde ich kurz vor meinem letztem Atemzug sagen, das dies der schönste Tag meines Lebens war, den er war das Tor in jene Zukunft, die ich mir erhofft und von der ich geträumt hatte, die ich aber für schlichtweg unmöglich hielt – bis das Leben mich eines besseren belehrte, auf seine eigene Art und Weise.

Wer bin ich, mir anzumaßen, die Wege des Lebens mit „gut oder schlecht?“ zu bewerten? Ich bin einfach nur dankbar für das, was das Leben mich auf meinem Weg entdecken lässt und überzeugt davon, dass in allem ein Geschenk für mich verborgen ist.

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GEGENWIND

Auch wenn es schön wäre, nicht immer läuft alles rund im Leben. Trotz positiver Lebenseinstellungen und unbändiger Lebensfreude passieren mitunter auch unerfreuliche Dinge und Begegnungen.

Und sei es nur der brandneue Geschirrspüler, der angeliefert wird, doch seine Funktion nicht erfüllt, weil … eben schon von Beginn an Defekt. Darauf kann schon mal eine Kette von Ereignissen folgen, die einer Odyssee zwischen Hersteller und Händler gleichkommen, ähnlich wie Odysseus irrt man quasi durch die „Inselwelt jener, die nicht zuständig sind“. Mich erinnert das immer an den Film „Asterix erobert Rom“, und den Versuch, den Passierschein A38 im Haus, das Verrückte macht, zu bekommen. Ähnlich wie Asterix durchlebe ich dabei unterschiedliche emotionale Zustände – und das ist VÖLLIG NORMAL. Hin und her verwiesen zu werden, OHNE dass dabei etwas rauskommt, ist nervig. Zwar kein Grund zum Ausrasten, aber einer, um viele Fragen zu stellen: Geht’s noch? Das nennt sich Kundenservice? Fühlt sich hier niemand zuständig? Hallo, ich habe für eine Leistung bezahlt und was bekomme ich dafür?

Wie gesagt, ich halte derartige, emotional angehauchte Fragen für normal. Natürlich wäre es lässig, entbehrliche Vorfälle wie den oben erwähnten gänzlich cool zu behandeln, unbeeinflusst auf die Lösung fokussiert vorzugehen. Manchmal gelingt das, manchmal nicht. Wenn’s mal wieder schwerfällt, mache ich mir bewusst, wie meine emotionale Reaktion dem anderen, der sie ausgelöst hat, letztendlich die Macht (Steuerung, Kontrolle…) über mich gibt. Das holt mich meistens schnell wieder auf den pragmatischen Boden der Realität. Ich mag es nicht, von anderen gesteuert zu werden. Dem war ich zu oft und zu lange ausgesetzt. Heute habe ich eine gesunde (weil selbstsorgsame) Allergie dagegen.

Ich denke, Gegenwind vom Leben ist wichtig und hilfreich, um sich selbst und seine Grenzen wahrzunehmen – sowohl jene, die noch zu erweitern sind als auch jene, die es zu schützen gilt. Auf jeden Fall ist es ratsam, näher hinzusehen, woher der Gegenwind kommt und was er vermitteln möchte.

Gegenwind kann einem heftigen Sturm gleichkommen, der ein Weitergehen auf dem eingeschlagenen Weg schier unmöglich macht. Will uns das Leben genau das sagen? „Verläuft“ sich unser Ego blind in einer fixen Idee, kämpft gegen Windmühlen an, weil es Riesen sehen will, wo nur Korn gemahlen wird?

Gegenwind kann sich wie eine steife Brise von Nordwest anfühlen, die einfach nicht abflauen will. Oder sind wir es, die nicht aufhören? Rollen wir – Sisyphos gleich – einen Stein wieder und wieder den Hügel hoch, ohne zu erkennen, dass wenige Meter seitlich davon der Weg frei und unbeschwert gemeistert werden könnte?

Gegenwind kann auch eine leichte Brise sein, die ermahnt: „Hey, schau auf dich. Mach auch mal eine Pause und vor allem – verabschiede dich von der unsinnigen Idee, perfekt sein zu wollen und alles perfekt machen zu wollen. Irrtümer und Fehler gehören zum Leben. Aus ihnen lernen wir am meisten, wenn wir uns bewusst damit beschäftigen.“

Meine [nicht] ganz alltägliche Sichtweise des Lebens vermag im Gegenwind auch jene Strömung zu erkennen, auf der ein Drachen – fachkundig und mit Bedacht geleitet – sich hoch in den Himmel emporschwingt, um weiter über den Horizont hinauszublicken als es jene können, die auf dem Boden zurückbleiben. Über den Horizont hinaus … oder hinter den Spiegel? Unter die Oberfläche? Zwischen die Zeilen? Das Leben offenbart uns seine Botschaften auf vielfältige Weise. Wer lernt, seine Sinne dafür zu öffnen, wird erkennen, dass alles – auch Gegenwind – zueinander und miteinander in Verbindung steht … und all das für uns da ist.

Gegenwind ist vielleicht nicht unser Freund, aber auch nicht unser Feind. Eher ein neutraler Mahner, der uns dabei unterstützen kann, auf dem uns bestimmten Kurs zu bleiben. Mit diesem Gedanken im Kopf fällt es wesentlich leichter, über Aktionen wie eine „Geschirrspüler-Odyssee“ zu schmunzeln.

Und da wären wir wieder. Ein scheinbares Problem oder Ärgernis verwandelt sich bei eingehender Betrachtung in „Dünger“, der die Entwicklung meines Pflänzchens „Seelenheil“ nachhaltig fördert.

Wie sagt meine Mitbewohnerin gerne: „Jede erfolgreiche Therapie beginnt mit Philosophie über das Leben.“

Ich stimme dem voll und ganz zu.

Philosophie ermöglicht es mir, meine Gedanken und Sichtweisen auf das, was ist, zu verändern, ohne die Realität zu negieren. Was ist, ist – aber was ich verändere sind die Auswirkungen, die diese Realität auf mich hat. Wer in Problemen für sich Potenziale zu erkennen vermag, wird sich diesen mit einer anderen Einstellung und Energie stellen als jeder, der sich als Opfer widriger Umstände sieht und die Situation ablehnt.

Dieser Ansatz ist nicht neu. Ganz im Gegenteil. Seit Jahrtausenden findet er sich in den Weisheitslehren wieder. Doch – so scheint es zumindest für mich – haben wir heute verlernt, über den Horizont hinaus zu blicken. Vielleicht, weil wir im Gegenwind nur den Feind vermuten? Was, wenn sich hinter all dem, was wir auf den ersten Blick zu erkennen glauben, stets viel mehr verbirgt? Gänzlich anderes? Positives, weil für unsere Entwicklung förderlich?

Wer Sport macht, weiß, dass Training anstrengend ist, aber notwendig, um weiterzukommen.  

Blockierende Emotionen und Gedankenmuster gleichen „hartnäckigen Fettpölsterchen“. Sie verschwinden nicht von selbst. Noch weniger lassen sie sich „weghungern“. Es braucht konsequentes Training und damit Anstrengung, die durchaus Spaß machen kann, wenn man den Gegenwind bewusst als Sparring Partner nutzt 😉

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