GUT ODER SCHLECHT?

Wer von uns stellt sich nicht regelmäßig diese Frage angesichts dessen, was uns im Leben begegnet? Auf manche dieser Fragen finden wir Antworten, an denen wir jahrelang festhalten. Andere scheinen ewig unbeantwortet zu bleiben. Aber – können wir diese Fragen überhaupt beantworten?

Eine Reflexion

Der 11. Juli 2020 – mein persönlicher Tag X, an dem sich mein Leben drastisch verändert. In den ersten Stunden hätte ich die Frage nach „gut oder schlecht“ sicherlich mit „absolute Katastrophe, also schlecht!“ beantwortet. Nur wenige Tage später wäre es „es musste so kommen und ist in Ordnung, deshalb tendenziell gut“ gewesen. Und heute? Mittlerweile bin ich erleichtert über den Tag X, denn er zwang mich sprichwörtlich dazu, meine Augen zu öffnen für das, was ich schon seit längerem ignorierte.  In diesem Sinne: Gut und danke für diesen Tag!

Meine jeweilige Antwort steht also in direktem Zusammenhang mit dem Zeitpunkt, von dem aus ich auf das zugrunde liegende Ereignis blickte. Einfach gesagt: Die Zeit verändert so einiges.

Wer meine Beträge aus den Wochen nach dem Tag X gelesen hat, dem wird aufgefallen sein, dass ich von Beginn an bewusst vermieden habe, eine Bewertung der Situation in der Art von „gut oder schlecht?“ vorzunehmen und mich mehr darauf konzentrierte, wie es mir dabei ging und welche Veränderungen ich wahrnehmen konnte. Ich wollte den Tag X nicht kategorisieren und ihm damit einen Stempel aufdrücken.

Tag X war ein Tag der Veränderung, aus dem heraus neues entstehen sollte.

Den Boden für dieses neue „Pflänzchen“ (ich amüsiere mich noch immer über die Tatsache, dass zeitgleich ein zuvor ausgesäter Grapefruit-Kern keimte und daraus nun ein Bäumchen bzw. Pflänzchen auf meiner Fensterbank erwächst, quasi als lebendiger Chronometer des Voranschreitens seit Tag X), wollte ich von Beginn an neutral halten. Natürlich hätte ich in Tag X eine Menge Negatives sehen können, mich in Vorwürfen, Schuldzuweisungen, Kränkungen usw. verlieren können – doch ganz ehrlich, was sollte auf diesem vergifteten Misthaufen (und das meine ich wörtlich!) den wachsen?

Stattdessen fokussierte ich mich darauf herauszufinden, wer ich bin, was ich übernommen hatte und wieder loslassen wollte. Nur wer sich selbst kennt und spürt, wird erkennen, wer zu einem passt und wer nicht. Hierbei geht es nicht um „gut oder schlecht?“, sondern einfach nur um „passend oder nicht passend“.

Eine Synthese

Rückblickend stelle ich nun fest, das meine damals angestrebte Neutralität in Bezug auf Tag X (selbstverständlich hat es mich emotional ein paar umgerissen, aber dennoch verlor ich mich weder im Klagen noch im Anklagen) wie eine Weichenstellung fungiert hat und neue, andere Menschen in mein Leben brachte. Was genau genommen auch nicht erstaunlich ist. Gesetz der Anziehung, Spiegelgesetz … mentale Fokussierung auf etwas holt dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in unser Leben – außer wir verweigern die Wahrnehmung dessen, aber das ist eine andere Geschichte.

Mein kognitiver Verstand weiß das alles. Dennoch – es (wieder) einmal zu erleben, noch dazu in diesem Ausmaß, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Es bestärkt mich im Vertrauen auf das Leben und die Wege, die es uns vorgibt. Scheinen sie manchmal unverständlich, sind sie dennoch für uns da. Nehmen wir sie an, werden uns diese Wege weiterbringen. Manchmal sogar weiter, als wir uns zuvor vorstellen konnten.

… und da wären wir wieder bei „gut oder schlecht?“ Die Einstellung, mit der wir uns auf den Weg machen, entscheidet viel darüber, wie wir den Weg erleben, ob als kräftezehrend oder beflügelnd. Mein persönliches Bestreben geht davon, Ereignisse oder Menschen weder als „gut oder schlecht?“ zu beurteilen (was per se eine Anmaßung, weil über den anderen stellen bedeutet), sondern schlicht und einfach in „darf ein Teil meines Lebens werden, sein und bleiben“ oder „darf sich aus meinem Leben verabschieden“. Ich öffne meine Wahrnehmung für möglichst viele Aspekte, versuche das Gesamtbild zu erkennen. Alles im Leben lässt sich auf „gut oder schlecht?“ reduzieren. Manchmal halten wir an diesem Urteil viele Jahre oder gar ein Leben lang fest, verwehren uns selbst die Chance, das verborgene Potenzial zu entdecken.

Krise als Chance – mehr als ein Slogan oder Kalenderblattspruch: Eine innere Haltung, die Wachstum fördert.

Noch so ein Spruch, den vermutlich fast jeder kennt: Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden.

Wer über diesen Spruch nachdenkt, wird möglicherweise – so wie ich – zu der Einsicht gelangen, dass es dabei nicht um das supertolle ultimative Erlebnis geht, das alles andere toppt. Der schönste Tag des Lebens muss nicht laut, bunt oder spektakulär sein. Es kann ganz einfach auch der Tag sein, an dem sich eine Weiche auftut und das Leben eine neue Richtung einschlägt, so wie es das bei mir tat am 11. Juli 2020 – mein Tag X.

Eine Hypothese

Vielleicht werde ich kurz vor meinem letztem Atemzug sagen, das dies der schönste Tag meines Lebens war, den er war das Tor in jene Zukunft, die ich mir erhofft und von der ich geträumt hatte, die ich aber für schlichtweg unmöglich hielt – bis das Leben mich eines besseren belehrte, auf seine eigene Art und Weise.

Wer bin ich, mir anzumaßen, die Wege des Lebens mit „gut oder schlecht?“ zu bewerten? Ich bin einfach nur dankbar für das, was das Leben mich auf meinem Weg entdecken lässt und überzeugt davon, dass in allem ein Geschenk für mich verborgen ist.

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GEGENWIND

Auch wenn es schön wäre, nicht immer läuft alles rund im Leben. Trotz positiver Lebenseinstellungen und unbändiger Lebensfreude passieren mitunter auch unerfreuliche Dinge und Begegnungen.

Und sei es nur der brandneue Geschirrspüler, der angeliefert wird, doch seine Funktion nicht erfüllt, weil … eben schon von Beginn an Defekt. Darauf kann schon mal eine Kette von Ereignissen folgen, die einer Odyssee zwischen Hersteller und Händler gleichkommen, ähnlich wie Odysseus irrt man quasi durch die „Inselwelt jener, die nicht zuständig sind“. Mich erinnert das immer an den Film „Asterix erobert Rom“, und den Versuch, den Passierschein A38 im Haus, das Verrückte macht, zu bekommen. Ähnlich wie Asterix durchlebe ich dabei unterschiedliche emotionale Zustände – und das ist VÖLLIG NORMAL. Hin und her verwiesen zu werden, OHNE dass dabei etwas rauskommt, ist nervig. Zwar kein Grund zum Ausrasten, aber einer, um viele Fragen zu stellen: Geht’s noch? Das nennt sich Kundenservice? Fühlt sich hier niemand zuständig? Hallo, ich habe für eine Leistung bezahlt und was bekomme ich dafür?

Wie gesagt, ich halte derartige, emotional angehauchte Fragen für normal. Natürlich wäre es lässig, entbehrliche Vorfälle wie den oben erwähnten gänzlich cool zu behandeln, unbeeinflusst auf die Lösung fokussiert vorzugehen. Manchmal gelingt das, manchmal nicht. Wenn’s mal wieder schwerfällt, mache ich mir bewusst, wie meine emotionale Reaktion dem anderen, der sie ausgelöst hat, letztendlich die Macht (Steuerung, Kontrolle…) über mich gibt. Das holt mich meistens schnell wieder auf den pragmatischen Boden der Realität. Ich mag es nicht, von anderen gesteuert zu werden. Dem war ich zu oft und zu lange ausgesetzt. Heute habe ich eine gesunde (weil selbstsorgsame) Allergie dagegen.

Ich denke, Gegenwind vom Leben ist wichtig und hilfreich, um sich selbst und seine Grenzen wahrzunehmen – sowohl jene, die noch zu erweitern sind als auch jene, die es zu schützen gilt. Auf jeden Fall ist es ratsam, näher hinzusehen, woher der Gegenwind kommt und was er vermitteln möchte.

Gegenwind kann einem heftigen Sturm gleichkommen, der ein Weitergehen auf dem eingeschlagenen Weg schier unmöglich macht. Will uns das Leben genau das sagen? „Verläuft“ sich unser Ego blind in einer fixen Idee, kämpft gegen Windmühlen an, weil es Riesen sehen will, wo nur Korn gemahlen wird?

Gegenwind kann sich wie eine steife Brise von Nordwest anfühlen, die einfach nicht abflauen will. Oder sind wir es, die nicht aufhören? Rollen wir – Sisyphos gleich – einen Stein wieder und wieder den Hügel hoch, ohne zu erkennen, dass wenige Meter seitlich davon der Weg frei und unbeschwert gemeistert werden könnte?

Gegenwind kann auch eine leichte Brise sein, die ermahnt: „Hey, schau auf dich. Mach auch mal eine Pause und vor allem – verabschiede dich von der unsinnigen Idee, perfekt sein zu wollen und alles perfekt machen zu wollen. Irrtümer und Fehler gehören zum Leben. Aus ihnen lernen wir am meisten, wenn wir uns bewusst damit beschäftigen.“

Meine [nicht] ganz alltägliche Sichtweise des Lebens vermag im Gegenwind auch jene Strömung zu erkennen, auf der ein Drachen – fachkundig und mit Bedacht geleitet – sich hoch in den Himmel emporschwingt, um weiter über den Horizont hinauszublicken als es jene können, die auf dem Boden zurückbleiben. Über den Horizont hinaus … oder hinter den Spiegel? Unter die Oberfläche? Zwischen die Zeilen? Das Leben offenbart uns seine Botschaften auf vielfältige Weise. Wer lernt, seine Sinne dafür zu öffnen, wird erkennen, dass alles – auch Gegenwind – zueinander und miteinander in Verbindung steht … und all das für uns da ist.

Gegenwind ist vielleicht nicht unser Freund, aber auch nicht unser Feind. Eher ein neutraler Mahner, der uns dabei unterstützen kann, auf dem uns bestimmten Kurs zu bleiben. Mit diesem Gedanken im Kopf fällt es wesentlich leichter, über Aktionen wie eine „Geschirrspüler-Odyssee“ zu schmunzeln.

Und da wären wir wieder. Ein scheinbares Problem oder Ärgernis verwandelt sich bei eingehender Betrachtung in „Dünger“, der die Entwicklung meines Pflänzchens „Seelenheil“ nachhaltig fördert.

Wie sagt meine Mitbewohnerin gerne: „Jede erfolgreiche Therapie beginnt mit Philosophie über das Leben.“

Ich stimme dem voll und ganz zu.

Philosophie ermöglicht es mir, meine Gedanken und Sichtweisen auf das, was ist, zu verändern, ohne die Realität zu negieren. Was ist, ist – aber was ich verändere sind die Auswirkungen, die diese Realität auf mich hat. Wer in Problemen für sich Potenziale zu erkennen vermag, wird sich diesen mit einer anderen Einstellung und Energie stellen als jeder, der sich als Opfer widriger Umstände sieht und die Situation ablehnt.

Dieser Ansatz ist nicht neu. Ganz im Gegenteil. Seit Jahrtausenden findet er sich in den Weisheitslehren wieder. Doch – so scheint es zumindest für mich – haben wir heute verlernt, über den Horizont hinaus zu blicken. Vielleicht, weil wir im Gegenwind nur den Feind vermuten? Was, wenn sich hinter all dem, was wir auf den ersten Blick zu erkennen glauben, stets viel mehr verbirgt? Gänzlich anderes? Positives, weil für unsere Entwicklung förderlich?

Wer Sport macht, weiß, dass Training anstrengend ist, aber notwendig, um weiterzukommen.  

Blockierende Emotionen und Gedankenmuster gleichen „hartnäckigen Fettpölsterchen“. Sie verschwinden nicht von selbst. Noch weniger lassen sie sich „weghungern“. Es braucht konsequentes Training und damit Anstrengung, die durchaus Spaß machen kann, wenn man den Gegenwind bewusst als Sparring Partner nutzt 😉

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