1 zu 10

In der vergangenen Woche ist ein Thema mehrfach in meinem Leben aufgetaucht. Unterschiedliche Situationen, aber ein gemeinsamer Kern, den ich als „Erfahrungskonto“ bezeichne. Vereinfacht gesagt, sammeln sich auf diesem Erfahrungskonto Erlebnisse der Kategorien „schmerzvoll“ ebenso wie „liebevoll“ an. Diese Erfahrungen prägen das innere Bild eines Menschen, seine Haltung, Einstellungen, Glaubenssätze, … einfach alles, bis hin zur Gesundheit.

Meine weise Nachbarin Lucy sagte einst zu mir:

„Um den Impact einer negativen Erfahrung in dir auszugleichen, brauchst du 10 positive Erfahrungen.“

Daraus habe ich für mich abgeleitet:

Für jeden schmerzvollen Moment in meinem Leben braucht es 10 liebevolle, um die Wunden zu heilen, zu lernen, zu wachsen, neu Vertrauen zu fassen und zurück in eine positive Grundhaltung zu finden … zurück in die Umarmung des Lebens.

Eigentlich eine ziemlich einfache Sache: steigere die Anzahl der liebevollen Momente in deinem Leben und mit der Zeit wird das Schmerzvolle quantitativ abnehmen, irgendwann nur noch eine Randerscheinung sein.

Eigentlich aber auch eine ziemlich herausfordernde Angelegenheit: zu erkennen und zu akzeptieren, dass liebevolle Momente (und Gedanken) zur Selbstheilung (von Körper, Geist und Seele) beitragen können, ist nur der erste Schritt. An der Umsetzung – vor allem der emotionalen – hängt der Erfolg. Liebevolles Denken und Fühlen zur alltäglichen Routine werden zu lassen, um gelebte Momente auf seinem Erfahrungskonto zu verbuchen.

Viele Jahre steckte ich in der Verstandesschiene fest. Positive Gedanken zu formulieren war einfach, doch die Gefühle dahinter waren häufig Unsicherheit, Furcht, Zweifel. Irgendwann lernte ich, positive Gedanken so intensiv zu rezitieren, dass sie in die emotionale Ebene hinein zu wirken begannen, aber es war immer noch kopfgesteuert. Erst vor einigen Jahren begann ich, zuerst das Gefühl zuzulassen, aus dem sich danach Gedanken formten. Alle meine Geschichten und Gedichte entstehen auf diese Weise.

Es beginnt stets im Gefühl.

Negativen Ereignissen oder Worten auszuweichen ist im Alltag nahezu unmöglich. Doch ich kann die Wirkung, die sie auf mich haben, minimieren, indem ich sie einerseits relativiere, und andererseits für reichlich Gegengewicht in Form liebevoller Gedanken und Gefühle sorge.

Liebevolle Gefühle und Gedanken wirken auf mich und über mich hinaus auf andere Menschen, mein Umfeld.

Selbstheilung ist für mich ein aktiver, lebenslanger Prozess nach der Formel „1 zu 10“. Um den Zustand des Seelenfriedens inmitten einer Welt voller Konflikte und Disharmonien zu erhalten, braucht es mein Zutun. Lasse ich mich treiben, wird mich der Strudel des Mainstreams verschlingen und in seinen emotionalen Untiefen aus Zweifel, Mangeldenken, Ausgeliefertsein den Umständen … ziehen. Will ich mir meine Insel der Lebensfreude, Zuversicht und Gelassenheit bewahren, so schwimmt diese auf liebevollen Gedanken und Gefühlen.

Die Realität rundum ist, wie sie ist. Selten durch mich zu verändern. Doch es gibt in meinem Leben Menschen, an die ich jederzeit einen aus einem liebevollen Gefühl geborenen Gedanken richten kann. Je öfter ich dies tue, desto mehr heile ich mich selbst.

Wer selbstlos gibt, lässt los – ersetzt das Schmerzvolle durch das Liebevolle.

Ein aus einem liebevollen Gefühl geborener Gedanke ist wie ein Sonnenstrahl, der nach einer dunklen Nacht die Nebel der Ungewissheit vertriebt und dem Leben neue Farben und Zuversicht schenkt.

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GANZ NORMAL

Über den Begriff „normal“ philosophiere ich nahezu täglich. Vor allem, wenn Tage wie dieser meinen Weg säumen: Morgens in der Bahn konstruiere ich vor meinem geistigen Auge ein Konzept, komplexe Prozessabläufe inkludiert und Parameter für die Qualitätssicherung, ohne auch nur einen Strich auf Papier zu machen oder etwas in eine Datei zu tippen, während ich zeitgleich meditativer Klaviermusik lausche. Nebenbei beobachte ich die Menschen rundum, nehme immer noch zu viel von ihren zumeist völlig unangebrachten Telefonaten im öffentlichen Raum wahr, staune (nette Formulierung 😉) über das, wofür sie ihre Zeit und Worte verschwenden. Eine Phrase triggert meine Kreativität und ich schreibe (nebenbei) in eine Notiz folgendes Gedicht:

Aum Limit renna is oafoch.
Imma mehr, imma schnölla.
Losst di s’Lebn intensiv gspiarn,
füht se kroftvoih aun,
is oba nua de oane Seitn von da Medäun.
In da Ruhe liegt de Kroft,
host a scho moi ghert .
Gaunz vüh Kroft liegt a in da Stüh
de zwo teun,
net wei sa se nix mehr zum sogn haum,
sundarn weus koane Wuart mehr brauchen
und den aundarn oafoch gspiarn
im Herzen drin.

Hier die Übersetzung für jene, die mit zentralösterreichischer Mundart (eine meiner Herzsprachen) eine Herausforderung erleben:

Am Limit rennen ist einfach,
immer mehr, immer schneller,
lässt dich das Leben intensiv spüren,
fühlt sich kraftvoll an,
ist aber nur die eine Seite der Medaille.
In der Ruhe liegt die Kraft,
das hast du schon mal gehört.
Ganz viel Kraft liegt in der Stille,
die zwei teilen,
nicht, weil sie sich nichts mehr zu sagen haben,
sondern weil sie keine Worte mehr brauchen,
und den anderen einfach spüren
in ihrem Herzen drin.

… und schon geht’s weiter mit der Feinarbeit am Konzept, betrachte ich die vorbeiziehende Landschaft, übe mich im Ignorieren des Unwesentlichen. Inmitten all dessen verharre ich in meiner Bubble um die (emotionale) Energie von jenen Menschen auszusperren, deren Sätze das Gegenteil von gewaltfreier Kommunikation (nach Marshall Rosenberg) darstellen – und denen dieser Umstand vermutlich nicht einmal bewusst ist.

Ich betrachte mich selbst als „normal abseits der Norm“ oder [nicht] ganz alltäglich. Gemessen am Verhalten der normgebenden Masse bin ich alles andere als „normal“.

Wenn ich mit Angehörigen von Borderlinern spreche, höre ich häufig den Wunsch heraus, die Betroffenen mögen „normal“ werden.

Normal?

In welchem Sinne normal? Der normgebenden Masse entsprechend? Das halte ich für schwierig, ohne sich selbst aufzugeben. Für mich ist es normal, zwischen Gedanken extrem schnell hin und her zu springen, mich von Eindrücken inspirieren zu lassen, über Analogien neue Ideen zu entwickeln, aber ich kann mir gut vorstellen bzw. erlebe das im Alltag, das viele davon schlichtweg überfordert sind, wenn ich das, was ich im Kopf habe, eins zu eins mit anderen zu teilen versuche. Auf der anderen Seite kann ich derart fokussiert in einer einzigen Aufgabe versinken, dass ich nichts mehr um mich wahrnehme. Die normgebende Masse empfinde ich häufig als mühsam, langweilig, träge, unflexibel, problemorientiert … das bedeutet nicht, dass ich diese Menschen abwerte, aber ich bin einfach anders. Anpassung an die „Normalität“ ist möglich, aber anstrengend.

Die meisten Borderline, die ich bis dato kennengelernt habe, tragen in sich ein ähnlich komplexes Potenzial an Kreativität, Emotionalität, … auch sie sind „anders normal“. Sie in eine „normale Normalität“ zu zwingen, kann und darf niemals das Ziel einer Therapie sein, denn es wäre – meiner Ansicht nach – ein ultimativer Akt der Selbstverletzung.

Mir geht es gut, ich fühle mich ausgeglichen (manchmal etwas überarbeitet, weil zu lange am Limit, aber irgendwie ist das auch reizvoll, auf jeden Fall bewusst 😉) und mein Leben funktioniert, WEIL ich „normal abseits der Norm“ lebe. Mein Heilwerdung begann in dem Augenblick, in dem ich entschied, nicht mehr sein zu wollen wie die anderen, sondern einfach ICH selbst. In der für mich  grauen Welt öffnete sich eine Tür und ich holte jenes farbenprächtige Erleben in die Realität, das ich bislang in mir verborgen hatte.

Deshalb heute mein Appell an alle Borderline, Angehörige und jeden Menschen, der dies liest:

Sei, wer du bist! … wer du immer warst und immer sein wirst, ganz tief in dir drin, BEVOR all das in deinem Leben geschah, das dich den Glauben an dich selbst und das Vertrauen ins Leben und die Menschen verlieren ließ. Kehre zurück zum Ursprung, zur immerwährenden Quelle deiner Kraft, an den Punkt, der dich mit dem Leben verbindet, und du wirst alles finden, was du für deinen Weg brauchst: Liebe, Lebendigkeit, Lebensfreude, Leichtigkeit … all das ist in dir und wird es immer sein. Du musst es nur (wieder)finden.

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EINE ETWAS ANDERE FACETTE VON LEBENSFREUDE

Vor einigen Tagen spielte mir Facebook ein Video auf den Bildschirm. Es ging um die 3 Hauptursachen von Krebs. Keine leichte Kost – und was hat das mit Lebensfreude zu tun? Dazu komme ich gleich. Vorher noch ein paar Worte zu meiner Motivation, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Seit meiner frühestens Kindheit erlebe ich, dass Menschen in meinem Umfeld (hauptsächlich meine biologische Familie) an Krebs erkranken und die meisten auch daran sterben. Ich habe also bereits früh eine gewisse „Furcht“ entwickelt, die Nächste zu sein und daraus wiederum mich dafür interessiert, was ich tun kann, um „aus der Reihe zu tanzen“. Wenn es das Thema Krankheiten betrifft, bin ich liebend gerne das schwarze Schaf meiner Familie und gesund.

Ich teile hier den Link zu dem Video für alle, die es gerne selbst sehen möchten.

Manches in dem Video kannte ich bereits, doch eine Schilderung war für mich diesem Zusammenhang neu: Wie die Wechselwirkung von Sympathikus und Parasympathikus das Risiko an Krebs zu erkranken beeinflusst.

Hier ein kleiner Exkurs, was Google zu Sympathikus und Parasympathikus dazu findet:

Sympathikus und Parasympathikus sind Teil des vegetativen Nervensystems. Sie sind funktionell gesehen meist Gegenspieler: Während der Sympathikus den Organismus auf eine Aktivitätssteigerung („fight or flight“) einstellt, überwiegt der Parasympathikus in Ruhe- und Regenerationsphasen („rest and digest“).

Zurück zum Video und um es auf den Punkt zu bringen: sehr lange Sympathikus-gesteuerte Phasen und zu wenig Regenerationsphasen tragen ihren Teil dazu bei, Krebserkrankungen zu fördern. Außer dem üblichen Alltagsstress gehören auch Traumatisierungen und deren Nachwirkungen zum Team Sympathikus. Auf der anderen Seite versammeln sich im Team Parasympathikus neben erholsamem Schlaf, Ruhephasen, Meditation etc. auch Lebensfreude und Lachen. Irgendwie logisch. Wer Lebensfreude empfindet, ist selten zeitgleich gestresst. Zumindest erlebe ich es auf diese Weise.

Lebensfreude als Gesundheitsvorsorge?

Wenn ich auf meine Familie blicke, nehme ich ganz selten Lebensfreude wahr. Eher das Gegenteil. Insofern bestätigen sich die Aussagen des Videos. Aber wer nun denkt: Hey, ich beuge vor und empfinde Lebensfreude, damit ich nicht krank werde … wird feststellen, dass das so nicht funktioniert. Aus einer Angstmotivation heraus Freude zu empfinden ist der falsche Ansatz per se. Lebensfreude kann vielleicht bewusst gestärkt werden, aber sicherlich nicht erzwungen oder vorgetäuscht.

Wochentags verbringe ich täglich rund zwei Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln. Dabei begegnen mir hunderte Menschen, immer häufiger unmaskiert. Ich blicke in viele hübsche Gesichter, teilweise perfekt in Szene gesetzt, doch ich erblicke nur ganz selten Lebensfreude. Leblose Augen, versteinerte Mimik, die sich mitunter fratzenartig verzerrt, sobald die Person ins Handy spricht. Ohne die Worte zu verstehen, zeigen sich die dahinterliegenden Emotionen – definitiv keine Lebensfreude. Es erschüttert mich jedes Mal aufs Neue zu erleben, wie hässlich an sich schöne Menschen werden, wenn sie den Mund aufmachen und ihre Gedanken in die gesprochene Realität drängen. Kein Makeup der Welt kann das übertünchen.

Natürlich kann man auf dem Standpunkt stehen, dass es in der derzeitigen Situation keinen Grund für Lebensfreude gibt. Probleme rundum, Krisen, Teuerungen …

ABER nichts davon ändert sich, ob ich mich nun innerlich von negativen Gefühlen, Ängsten, Frust, Stress etc. zerfressen lassen, oder ob ich der Realität mit einer großen Portion Gelassenheit und Lebensfreude begegne. Die Umstände mögen nicht so sein, wie ich sie gerne hätte, ABER ich kann mich entscheiden die zu sein, die ich gerne sein möchte. Will ich meinen Frust mit dieser Welt teilen, oder meine Lebensfreude? Was soll mich bestimmen?

Aus meiner Erfahrung bei Feuerlauf-Seminaren weiß ich, dass es meine eigene Vorstellungskraft ist, die mich dazu befähigt, barfuß über glühende Kohlen zu laufen. Da ist kein Trick dabei. Nur meine Gedanken, meine Gefühle, fokussiert auf das Ziel, machen das scheinbar Unmögliche möglich.

Jeder Gedanke, jedes Gefühl, bewusst oder unbewusst, wirkt 24/7 auf jede Zelle meines Körpers.

Lebensfreude als Grundhaltung im Leben … welch ein Potenzial!

Vor einigen Jahren entschied ich mich, die zu sein, die ich innen drin immer war und immer sein werde: ein feuriger Funken Lebensfreude – die vermutlich beste Entscheidung meines Lebens 😉

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DAS HEB‘ ICH MIR FÜR EINEN BESONDEREN ANLASS AUF …

Wie oft habe ich mir das schon gedacht – und bin damit sicherlich nicht allein. Von Zeit zu Zeit hinterfrage ich diese Aussage, aber bis zu einer Verhaltensänderung hat es dann doch nicht gereicht. Bis jetzt. Vor ein paar Tagen brachte mich ein Telefonat ins Grübeln.

Eine Bekannte sagte kurzfristig eine Verabredung ab, weil jemand in ihrer Familie gestorben war. Unerwartet verstorben. Genauer: vom Abendessen aufgestanden als wäre nichts und eine Stunde später war die Person tot. Kein Unfall, keine akute Erkrankung, nur ein paar Wehwehchen, die wohl viele im Pensionsalter haben. Aber nichts, was ein jähes Ableben vermuten ließe. Ein Schock fürs Umfeld.

Meine Großmutter starb auf ähnliche Weise. Nach einem Ausflug ging sie in ihr Zimmer, fiel um und war tot. Sie wurde 83, hatte ihr Leben weitgehend hinter sich. Eine angeheiratete Cousine von mir kam von einem Nachmittagskaffee nicht mehr nach Hause. Sie war erst in den 40ern. Und meinen Cousin ereilte das Schicksal des unerwarteten Todes mit 18.

Sie alle haben vermutlich – ebenso wie ich – das eine oder andere „für einen besonderen Anlass“ aufgehoben. Sei es ein Kleidungs- oder Schmuckstück, das wohl verpackt im Kasten oder einer Schublade ruht. Sei es eine Flasche Wein, ein Parfum … oder was auch immer als so wertvoll erachtet wird, dass es auf einen besonderen Anlass warten darf/muss.

Und wenn dieser Augenblick nie kommt?

Was, wenn man im Trubel des Alltags viele wunderbare Momente vorbeiziehen lässt, auf den einen besonderen wartend, und dann schlägt das Schicksal zu und man wird der Chance beraubt, jemals wieder etwas zu erleben?

Verschiebe nicht auf morgen, was du dir (und anderen) heute Gutes tun kannst.

Egal, ob einen Spaziergang, eine Muse-Stunde, leckeres Essen, eine Liebeserklärung, … wenn es hier und heute Platz findet, dann darf es sein, auch an einem stinknormalen Tag, an dem so gar nichts besonders ist. Jeder von uns hat nur dieses eine Leben (nach der aktuellen wissenschaftlichen Beweislage) und niemand von uns weiß, wie viele Jahre, Monate, Wochen, Tage, Stunden noch vor einem liegen. Warum also das zurückhalten, was hier und jetzt Freude bereiten kann?

Angeblich bereuen sterbende Menschen weniger das, was sie getan haben, also das, was sie nicht getan haben. Ihre Versäumnisse, die sie nie wieder aufholen können. Die Aussprachen, die sie nicht mehr führen können.

Aber wer denkt schon übers Sterben nach? Wer bereitet sich vor?

Viele Jahre hatte ich Angst davor, übers Sterben nachzudenken. Irgendwann akzeptierte ich, dass man dem Lauf des Lebens nicht entkommen kann. Seither setze ich mich bewusst mit meiner Sterblichkeit auseinander, mit der Endlichkeit des Lebens, wie ich es kenne. Mit dem, was ich noch tun möchte in der mir verbleibenden Zeit. Mit dem, was ich für besondere Anlässe aufhebe … und ob nicht hier und jetzt genau dieser besondere Augenblick ist.

Seit ich den Tod nicht mehr fürchte, empfinde ich meine Lebensfreude intensiver als zuvor. Ich versuche, möglichst wenig Momente zu verschwenden mit unnötigem Ärger über Unveränderliches, und stattdessen so oft wie möglich aus dem Herzen heraus zu leben. Weniger denken, mehr fühlen. Im Alltäglichen das Besondere zu entdecken. Einfach lebendig zu sein im hier und jetzt, denn genau dieser Augenblick ist besonders und wird niemals wiederkehren. Deshalb verdient es dieser Augenblick – so wie jeder andere auch – gefeiert zu werden.

LEBE JETZT – wer weiß schon, was morgen sein wird.

LEBE, denn du wurdest geboren, um lebendig zu sein, deine Lebensfreude mit anderen zu teilen und dieser Welt eine Facette hinzuzufügen, die es ohne dich nicht gäbe.

LEBE in diesem besonderen Augenblick.

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VON DER AUSSENSEITERIN ZUM ROLE MODEL

Diese vergangene Woche war ziemlich turbulent. Gleichzeitig sind spannende neue Ideen und Projekte entstanden. Eine echte Power-Woche. Ein Ereignis sticht für mich aus der Masse hervor. Oder besser gesagt: eine Aussage.

Vor einigen Tagen sprang ich für eine Kollegin ein, übernahm ihre Gruppe. Das Thema waren Zukunftsbranchen und die eigene (berufliche) Rolle in der Zukunft.

Ich muss hier festhalten, dass ich eine sehr leidenschaftliche Trainerin bin, gerne Schwellendidaktik betreibe und dabei eine Menge Spaß habe, mit dem, was aus einer Gruppe kommt, zu arbeiten. Wenn es dann noch um Zukunft und Entwicklung geht, bin ich in meinem Element, die Teilnehmenden zu motivieren, schlummernde Potenziale auszuloten, lang gehegte Träume aus der Schublade zu holen und auf Realisierbarkeit zu durchleuchten. An diesem Nachmittag fiel das Wort Role Model. Auch am darauffolgenden Tag meldete die Gruppe meiner Kollegin rück, ich wäre ein Role Model für sie.

Was bedeutet das, ein Role Model zu sein?

Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, dann erinnere ich den ersten Tag eines Schuljahres. Wir bezogen eine neue Klasse. 18 Schüler*innen, eine gerade Anzahl. 10 Zweierbänke. Ich saß in Bank rechts vorne, gleich neben der Tür – und niemand wollte sich neben mich setzen. Auch nicht an den folgenden Tagen. Oder Jahren.

Ich war eine Außenseiterin, der man aus dem Weg ging.

Ich war anders. Nicht äußerlich, aber in meinem Verhalten. Im Fühlen. Die anderen konnten es sicherlich nicht bewusst benennen, aber sie spürten es – und verhielten sich entsprechend.

Viel Zeit ist seither vergangen.

Heute werde ich also als Role Model gesehen. Die Menschen, die mir diese Anerkennung zukommen ließen, wissen nicht, durch welche Krisen ich ging – aber sie scheinen zu spüren, dass da eine vor ihnen steht, die ganz genau weiß, wovon sie spricht. Keine leere Worthülsen. Wenn ich sage, dass in jedem ein Potenzial steckt, das entfaltet werden kann, dann ist das meine volle Überzeugung, geboren aus der Erfahrung, einst selbst eine ausgegrenzte Außenseiterin gewesen zu sein, die ihre Potenziale heute lebt.

Was bedeutet es für mich, als Role Model gesehen zu werden?

Es erfüllt mich mit Freude, mit Dankbarkeit, bringt mich zum Schmunzeln, weil ich mich überhaupt nicht besonders fühle. Anders, ja, eigenwillig mitunter. Aber nachahmenswert? Wenn es etwas gibt, dass man an mir nachahmen sollte, dann ist das meine konsequente Suche nach Lösungen sowie die Kreativität, die ich dabei an den Tag lege. Und vielleicht noch meinen Humor, über mich selbst lachen zu können, wenn’s mal nicht so klappen will, wie ich mir das vorgestellt habe.

Andere sehe mich als Role Model. Ich selbst sehe mich – nein, nicht länger als Außenseiterin – eher [nicht] ganz alltäglich.

Will ich ein Role Model sein?

Jein. Andere zu inspirieren, neue Wege und Lösungen für sich zu finden, ist eine starke Antriebsfeder in meiner Arbeit. ABER (absichtlich großgeschrieben) für mich liegt auch eine Herausforderung in dieser Role, zumindest wenn ich direkt mit Menschen zu tun habe. Diese Herausforderung hat 6 Buchstaben: GEDULD.

Ich habe meinen Weg gefunden, mit einigen Umwegen und Verirrungen zwar, aber dennoch bin ich angekommen – an einer Zwischenstation, denn mein besserwisserisches Ego ist noch sehr lebendig, neigt dazu, effizientere Wege zu erkennen als die betreffenden Personen für sich festlegen. Nicht einzugreifen (solange keine Gefahr droht), und Menschen ihre eigenen, fallweise umständlichen Lernschritte machen zu lassen, kann mitunter enervierend sein. Es ginge ja anders, aber ich übe mich in Geduld – manchmal etwas zähneknirschend und augenrollend.

Das Role Model hat noch einiges zu lernen – und das ist gut so 😉

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Da oben 1950

Seit beinahe zwei Wochen geistert durch meinen Kopf, was ich heute hier schildern möchte. Ich habe mir bewusst Zeit genommen, mich selbst zu beobachten, zu hinterfragen, abzuwarten, ob es denn wirklich so ist, wie mein erster Eindruck mich vermuten ließ. Nun, kehren wir an den Anfang zurück …

Mitte September verbrachte ich – zum ersten Mal in meinem Leben – mehrere Tage auf einer Berghütte in 1.950 m Seehöhe. Ich bin häufig in den Bergen, aber ich blieb noch nie „oben“. Doch etwas in mir trieb mich seit Juni an, einen Aufenthalt im Naturfreundehaus in Bad Hofgastein zu planen. Meine innere Stimme drängte geradezu – und ich folgte.

„Da oben 1950“ erfasste mich eine in dieser Form selten erlebte tiefgehende Ruhe und Gelassenheit, die auch der stürmische Wind und rund 30 cm Neuschnee nicht erschüttern konnte. Ich war auf eine eigene Art und Weise „angekommen“.

So weit, so gut.

Diesen Bergeffekt kenne ich aus der Vergangenheit. Deshalb zieht es mich ja regelmäßig in die Berge, um zurück in die Ruhe zu finden – und nebenbei Gedichte zu schreiben. So entstand „Berggeflüster – s’Lebn spiarn“. In der Kraft und Stille der Bergwelt lauschte ich einer Stimme in mir, schrieb die Worte nieder und verpackte sie in ein ganz besonders Buch.

„Da drüben“ (im Flachland, wo ich lebe und arbeite) konnte ich weder die Ruhe fühlen noch diese spezielle Stimme hören. Bis zu meinem Aufenthalt „da oben 1950“. Seither ist einiges anders. Diese Veränderung war es, die ich in den vergangenen zwei Wochen an mir beobachtet habe. Diesmal hat mich die Ruhe begleitet und scheint sich als Dauergast in meinem Gefühlsleben einquartiert zu haben. Vielleicht entfaltete sich aber auch etwas, dass lange in mir geschlafen hatte.

Noch erstaunlicher ist meine verfeinerte Wahrnehmung. Das Flüstern der grauen Riesen dringt quer durch Österreich bis zu mir ins Flachland. Jene innere Stimme, die ich zuvor nur inmitten der Berge zu hören vermochte, spricht nun auch inmitten der Wiener U-Bahn zu mir, flüstert mir Gedicht zu, die mich zum Schmunzeln bringen, weil sie das Menschsein in einer Einfachheit und Klarheit reflektieren wie ein Bergsee an einem windstillen Tag.

So wunderbar diese Entwicklung ist, sie hat auch eine Kehrseite. Auch meine Wahrnehmung dessen, was rund um mich ist, hat sich verfeinert. Als hätte die Zeit „da oben“, die klare Bergluft, verstopfte Rohrleitungen durchgeputzt. Gut für die Intuition, herausfordernd für den Alltag.

Ein Beispiel: meine Mutter hat den ganzen Sommer über geklagt, ihr Kater käme oft tagelang nicht. Sie suchte ihn überall, rechnete im Schlimmsten. Alles war schrecklich. Dann kam der Kater hin und wieder. Wiederum war alles schrecklich, weil er nicht blieb. Mittlerweile (es wird kühler draußen) ist der Kater den ganzen Tag über da und will nicht mehr raus. Nun klagt sie darüber. Was auch immer geschieht, es ist nicht in Ordnung und ein Grund zu klagen. Nicht nur in Bezug auf den Kater, sondern auf die Gesamtheit des Lebens. Seit „da oben 1950“ ist das ständige Klagen samt dazugehöriger Emotionen für mich (trotz der inneren Ruhe) noch sinnbefreiter als früher – um noch zu sagen: ein erschreckendes Spiegelbild dessen, was unter der Oberfläche in meiner Mutter wirkt. Ist da wirklich nur Schmerz? Unzufriedenheit, egal, was kommt? Keine Lebensfreude? Ich kann jedenfalls keine wahrnehmen, trotz meiner sensiblen Antennen.

Meine innere Stimme signalisiert: „Lauf weg, so schnell du kannst!“

Mein Gewissen erwidert: „Das tut eine brave Tochter nicht.“

Mein Verstand fragt: „Was ist deine Verantwortung dabei?“

Mein Herz antwortet: „Auf mich selbst gut zu achten, damit ich in meiner Kraft und meiner Liebe bleibe, denn nur dann kann ich auch für andere da sein.“

So bin ich also an einem Punkt in meinem Leben gelandet, an dem ich mich mehr denn je spüre, und das, was in mir ist, auf wunderbare Weise zum Ausdruck bringen kann. Gleichzeitig ist mir mehr denn je bewusst, wie anders (als meine Mutter) ich heute bin, was mir nicht gut tut und was ich in meinem Leben haben möchte. Welche Konsequenzen ich daraus ziehe, dass diskutiert meine innere Stimme noch mit meinem Gewissen. Letztendlich werde ICH eine Lösung finden, der auch mein Herz und mein Verstand zustimmen können.

Eine schlafende Facette meines Wesens hat sich entfaltet, „da oben 1950“. Daraus resultieren Veränderungen in meinem Leben, die ich derzeit vermutlich nur im Ansatz erahnen kann.

Wer annimmt, die Reise zu sich selbst (Selbstfindung) führt stets dazu, dass alles rundum besser oder harmonischer wird, irrt sich. Häufig erkennt man auf diesem Weg, was nicht zu einem selbst passt und wovon man sich verabschieden sollte. Oder zumindest eine andere Herangehensweise entwickeln darf, damit es bleiben kann. Ich gehe soweit zu sagen:

„Wer sich selbst finden will, muss alles andere loslassen. Manches wird zurückkehren, anderes nicht. Was bleibt, tut dies aus freien Stücken, und nicht, weil es festgehalten (und erdrückt) wird.“

„Da oben“ blickte ich in einen stillen Bergsee wie in einen Spiegel und sah etwas in mir, das nun seinen Weg in diese Welt findet.

Bild: Spiegelsee / Fulseck

… und dies sind die Worte der grauen Riesen:

Lebenswert 1950

Waunn is a Lebn lebenswert?
Waunnst ois im Übafluss host,
vüh mehr oisd braugst?
Waunn ois umadum perfekt is,
nix mehr stährt?
Waunn hint und vurn nix zwickt,
du Energie host ohne End?
Oda waunnst d’Augn aufmogst und woasst,
s’Lebn hot da an neichn Tog gschenkt.
Host vielleicht net ois,
is kaum wos perfekt,
zwickn tuat’s ah,
oba du lebst,
kaunnst wos draus mochn aus dem,
des do is.
Kaunnst aun an triabn Tog a Lächeln in’d Wölt ausse schicken,
jemand a Freid schenken,
aus oan einsaumen Herz a seeligs mochn,
muasst oft gar nit vüh dafiar tuan.
Meist genügt’s, waunnst do bist
und dir bewusst is, wia bsondas
und unwiedabringlich jeda Moment is,
daunn wird a s’Lebn gaunz von alloan lebenswert.

© Lesley B. Strong 2022

ICH LEBE

Vor wenigen Tagen traf ich im Stiegenhaus unserer Zentrale zufällig auf eine junge Kollegin, die erst kürzlich aus ihrem Urlaub an der Elfenbeinküste zurückgekommen ist und seither an einer Art Kulturschock laboriert. Eine dritte Kollegin, die vor vielen Jahren nach Wien kam und seither hier lebt, schloss sich uns an. Innerhalb von Minuten brachten wir es auf den Punkt:

Wir sind von Zombies umzingelt!

Ein Hotspot: die U-Bahn.

Niemand lächelt oder blickt gar einem anderen in die Augen. Alles wirkt irgendwie grau, und das ist nicht die Betonwänden rundum geschuldet. Es mangelt an Lebendigkeit, Lebensfreude, Leuchten in den Augen, denn ein Lächeln wäre nur auf diese Weise erkennbar dank der FFP2-Masken. Trotzdem.

Viele tragen Kopfhörer oder haben Stöpsel in den Ohren, aber kaum jemand lässt sich vom Rhythmus der Musik anstecken. Die Körper sind starr, die Blicke leer.

Was um alles in der Welt ist los mit den Menschen?

Ja, es gibt eine Menge Probleme auf diesem Planeten, die meisten davon ungelöst.

Ja, es gibt Konzerne, die sich unter Bezug auf die aktuelle Weltsituation schamlos an denen bereichern, die sich nicht wehren können.

Ja, es gibt Erfreulicheres als bei über 30 Grad Außentemperatur mit einer FFP2 durch die Gegend zu laufen.

ABER … verdammt nochmal, wir leben!

Bei allem, was da sonst noch ist, das wesentliche und für mich einzig wichtig ist: ICH LEBE!

Ich kann mein Leben in manchen Bereichen mehr, in anderen weniger gestalten, aber ICH LEBE!

Manche Tage laufen besser, andere schlechter, aber ICH LEBE!

Solange ich lebe, kann und will ich dieses Leben zelebrieren, mich lebendig fühlen, Lebensfreude ausstrahlen, dankbar sein für jeden Augenblick, den ich erleben darf, für jeden Atemzug, der mich durchströmt, für jeden Sonnenstrahl, der mich wärmt.

Niemand von uns weiß, wieviel Zeit einem bleibt. Die Zukunft ist ein Lotteriespiel, die Vergangenheit ein staubiges Archiv. Leben findet in der Gegenwart statt. Hier und Jetzt. Wann, wenn nicht jetzt?

Wir haben im Leben stets die Wahl, uns von den Umständen bestimmen zu lassen oder ihnen mit Gelassenheit, Zuversicht und ein wenig Humor zu begegnen. Ersteres funktioniert ganz von selbst. Letzteres stellt zumeist eine größere Herausforderung dar, aber wer behauptet, das Leben wäre ein Spaziergang?

Die Umstände können uns alles nehmen, nur eines nicht. Das verlieren wir erst, wenn wir es selbst aufgeben: unsere Lebendigkeit.

Ich bin weder bereit, meine Lebendigkeit aufzugeben noch mir meine Lebensfreude durch die Umstände nehmen zu lassen. ICH LEBE in jedem Atemzug, mit jedem Herzschlag, im Hier und Jetzt, leuchte von innen heraus. Vielleicht meiden sie mich deshalb, die Zombies, wenn ich auf dem Bahnsteig tanze und meine Lebensfreude ansteckend wirken könnte.  😉

Bild: Pixabay.com

AUS DEM HERZEN LEBEN

Die Gedanken zu diesem Blog habe ich seit Tagen im Kopf, aber ich kam nicht früher dazu sie zu tippen. Das ich dies nun genau jetzt tue, verstärkt die Botschaft nochmal, denn … heute Morgen wich ich während meines Waldlaufs einem Hundehäufchen mitten auf dem Weg aus, übersah einen kleinen, aber aufragenden Stein, blieb mit dem linken Schuh daran hängen und … voila, kurze Zeit später saß ich blutüberströmt in der Ambulanz und hoffte, das Röntgen würde keinen Knochenbruch im linken Unterarm feststellen. Zum Glück waren die Knochen heil geblieben, ob dies auch auf die Bänder und Knorpel zutrifft, wird sich in ein paar Tagen zeigen.

Kommen wir zurück zum Thema: Aus dem Herzen leben

Ein wunderbarer Zustand, der mich seit einer Woche intensiver denn je begleitet. Was dazu geführt hat? Berggeflüster … oder genauer gesagt: Die Charity-Buchpräsentation im Gasteiner Tal. Die tiefe Emotionalität der Gedichte in die gegenwärtige Wirklichkeit zu holen, zu leben, was ich fühle, vor Publikum, einfach nur zu sein, wer ich bin – das hat einiges ausgelöst. Erkennbar ausgelöst, wie eine Freundin anmerkte: „Deine Augen leuchten im Tal.“

Das tun sie in der Tat.

Es mag Menschen geben, auf die die mächtigen Berge, die das Tal umschließen, einengend wirken. Auf mich wirken sie befreiend, ermutigen mich, ich zu sein, zu zeigen, was mich berührt, auch im Alltag. Keine Fassade aufrechterhalten, kein Verstecken hinter Masken, einfach nur Menschsein, aus dem Herzen leben. All das wirkt heilsam auf meine Seele.

Und damit wären wir beim nächsten Stichwort: Seele.

Unsere Seele, deren Existenz manche anzweifeln, ist kein ganz einfaches Thema … aber ich will hierkeinen philosophischen Diskurs vom Zaun brechen und behaupte jetzt einfach mal: Jeder von uns hat eine Seele, die verletzt werden kann und das auch wird.

Oberhalb habe ich von einer aufgeschürften Hand, einem blutenden Knie und angeknackstem Handgelenk erzählt. Allessamt nichts, wofür ein Mensch sich schämen müsste. Vielleicht ein paar halblustige Kommentare wegstecken, ob es nicht klüger gewesen wäre, in die Hundescheiße zu treten, anstatt ins Krankenhaus zu fahren. Tja, im Nachhinein sind wir alle klüger, nicht wahr?

Körperliche Verletzungen sind gesellschaftstauglich.

Sind seelische das auch?

Im Rahmen der Berggeflüster Charity-Buchpräsentationen plauderten wir auch über die Hintergründe – und meinen Hintergrund. Borderline. Darüber, was es mit Menschen tut, wenn sie die Rückmeldung (oder Diagnose) erhalten, nicht „innerhalb der definierten Parameter zu funktionieren“. Meistens kommt diese Feststellung nach einem mehr oder weniger langen Weg voller Ablehnung, Ausgrenzung, Übergriffe, … Betroffene erkennen irgendwann sich selbst als den Fehler, das Problem. Viele versuchen dies zu korrigieren, der Norm zu entsprechen, zu werden, wie die anderen sind. Das funktioniert meistens nicht. Der Frust geht weiter. Die Verletzungen werden tiefer, sinnbildlich blutende Wunden in der Seele – und keine Heilung in Sicht.

Doch Heilung ist möglich!

Mein persönliches Heilmittel heißt Lesley.

Lesley steht für: Leben, Licht, Liebe, Lebendigkeit, Leichtigkeit, Lebensfreude… und seit wenigen Tagen für „aus dem Herzen leben“. Ein fantastisches Gefühl.

Skeptiker mögen jetzt einwerfen: „Glückshormone nach einem gelungenen Event. Das vergeht wieder.“

Mag sein, ABER die Tage danach im Job mit einem bisherigen Höhepunkt an Irrsinn, ließen den Effekt nicht verschwinden. Auch mein heutiger Sturzflug nicht. Immerhin sitze ich einbandagiert, tippe einhändig diese Zeilen und es geht mir trotzdem gut, ich bin voller Lebensfreude und Leichtigkeit – ohne Schmerzmittel oder sonstige Substanzen eingenommen zu haben.

Ich bin einfach ich selbst, lebe aus meinem Herzen heraus, mache, was mir und anderen Freude bereitet – genau das wollte ich auch mit Berggeflüster erreichen. Ein bildhübsches Buch, das sieht man auf den ersten Blick. Nicht zu unterschätzende lebensphilosophische Gedichte, aber die offenbaren sich erst beim Lesen. Darüber hinaus sammelt dieses Buch auch noch Spenden für die Bergrettung im Gasteiner Tal. Geht noch mehr Wohlfühlen?

Ja!

Rund um den Event habe ich einige der Bildautor*innen kennengelernt, die ihre Fotos kostenlos für das Charity-Projekt zur Verfügung gestellt haben. Tolle Menschen, bereichernde Gespräche, die eine oder andere Freundschaft, die mich hoffentlich noch lange begleiten wird.

Aus dem Herzen leben … vor einigen Jahren hätte ich mir darunter nicht das vorstellen können, was es heute ist. Vielleicht muss man es emotional erleben, um es rational zu begreifen. Ansatzweise tat ich es auch hin und wieder. Die Tür stand bereits offen, nur ein Fliegengitter trennte mich noch von der Freiheit im Sein. Am 29.Mai entließ ich dies Fliegengitter in die Vergänglichkeit und stellte mich der Präsenz des Augenblicks.

Zugegeben, im Gasteiner Tal fällt dieses „aus dem Herzen leben“ um einiges leichter als in der Großstadt, wo es zumindest temporär wieder dem „Normalzustand“ weichen muss, um „innerhalb der erforderlichen Parameter“ zu funktionieren, doch ich denke, es braucht gar nicht die 100% unserer Zeit. Manchmal erfordert das Umfeld ein Abschotten – leider. Ein tägliches Zeitfenster „aus dem Herzen leben“ genügt, um Aufzutanken und zu sich selbst zu finden.

Unsere Gesellschaft braucht viel mehr Herz. Nicht inflationär angeklickte Kommentar-Herzchen, sondern Menschen, die aus dem Herzen heraus leben und handeln.

Wenn ich dir einen Rat für deine Reise durchs Leben mitgeben darf, dann diesen: Finde deinen Ort, an dem du sein kannst, wer du bist, ohne Masken, Rollen, Fassaden, … 100% DU 😊… und staune über das, was möglich wird, wenn du beginnst, aus dem Herzen zu leben.

Mein Ort ist das Gasteiner Tal. Wer weiß, vielleicht treffen wir uns dort einmal, und ich sehe in deinen Augen ein Leuchten, das nur jene haben, die aus dem Herzen leben.

Bild: © Joe Müller

SPÜR IN DICH HINEIN

Vor wenigen Tagen postete ich diese Gedanken:

Wenn du unheilbar krank wärst und deine einzige Chance auf Heilung bestünde darin, dein Herz zu öffnen und zu zeigen, was du fühlst, was dir gut tut und was dich verletzt… würdest zu zögern?

Was denkst du, heilt die Wunden in deiner Seele.

Zeit?

Vertrauen?

Die Rückkehr in die Umarmung des Lebens?

Spür in dich hinein. Tief in dir kennst du die Antwort seit langem…

Es ist für mich an der Zeit, in die Tiefe zu blicken.

In diesen Gedanken spiegelt sich zweierlei wider: Zum einen arbeite ich mich gerade als Vorbereitung auf die Fertigstellung von JAN/A Band 3 durch die beiden vorangegangenen – und beobachte meine Reaktionen dabei. Was hat sich verändert? Erkenne ich mich selbst in der Geschichte? Oh ja, das tue ich. Mehr noch, ich entdecke so einiges, dass ich schlichtweg als „genial“ bezeichne, wie ich während des Schreibprozesses unbewusst schwierigste Themen für mich aufgelöst habe – und was sich noch so alles zwischen den Zeilen versteckt. Erneut wird mir Vielschichtigkeit meiner Persönlichkeit bewusst, komplex und vermutlich für manche schlichtweg überfordernd, wie ich mich zwischen Emotionen bewegen kann, sie auslebe und im nächsten Augenblick ablege, wie einen Mantel, um in ein anderes Gefühl zu schlüpfen, das ich empfinden will. Wie ich aus der Dunkelheit emporsteige, gleich dem Phönix, der sich neugeboren aus den Flammen erhebt, Schmerz in Lebensfreude verwandelt. Ich liebe meine JAN/A-Bubble.

Zum anderen ist da die bevorstehende Charity-Veranstaltung am kommenden Wochenende. Lesungen sind mir nicht neu, vor Publikum zu agieren ebenso wenig, doch was ich vortrage, wird keinen Raum für Abgrenzung – für Sicherheit – lassen. Es sind Worte, die unmittelbar aus meinem Fühlen kommen, die offenbaren, wer ich in meinem Innersten bin. Berührbarkeit pur. Verwundbarkeit ebenso. Mit Kritik und negativem Feedback kann ich umgehen. Was mir ein wenig Sorge bereitet, ist etwas anderes: Anerkennung für meine Arbeit als Autorin zu bekommen, ist wunderbar, berührend, bereichernd, Licht für die Seele – doch nicht ohne Schatten. Wie alles im Leben gibt es auch hier eine zweite Seite.

Zeige ich, wer ich bin, bekomme dafür Anerkennung, fühlt sich das unbeschreiblich gut an – ein Gefühl zu schweben, zu fliegen, nicht mehr an den Boden gebunden zu sein. Ein ambivalentes Gefühl. Ohne je mit Drogen experimentiert zu haben, vermute ich, dass genau das der Reiz an Rauschzuständen ist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Organismus dabei einiges an körpereigenen Opiaten freisetzt. Ein „Runners High plus“ mal anders – mit Suchtfaktor. Fatal, denn der Bezug zur Realität geht dabei flöten. Überdreht, wäre ein passender Begriff. Unbesiegbarkeit das Gefühl dahinter. Eine gefährliche Hybris, denn irgendwann endet der Rausch. Was danach folgt, ist ein tiefes schwarzes Loch.

Spür in dich hinein. Tief in dir kennst du die Antwort seit langem…

… doch diese Antwort ist nicht so leicht zu nehmen, denn sie bedeutet, der Dunkelheit zuzustimmen. Sie ist und wird immer ein Teil von mir sein, der auch gelebt werden will. Unterdrücke ich diesen Teil, entsteht Druck in mir, der sich früher oder später entlädt – auf die eine oder andere Weise. Deshalb stimme ich heute jedem Teil von mir zu – auch der Dunkelheit – gebe jedem Raum in meinem Leben, vermeide dadurch Druck. Zu Beginn lagen diese „Räume“ nur in meiner Fantasiewelt. Das machte durchaus Sinn, denn mittlerweile haben Forscher herausgefunden, dass sich auch in Fantasiewelten Heilungspotenzial verbirgt. Warum auch nicht? Unser Unterbewusstsein kann nicht zwischen Realität und Fantasie unterscheiden. Was wir uns vorstellen können, wirkt auch auf uns.

Doch mit Fantasiewelten allein ist es nicht getan. Was ich bin, alle Persönlichkeitsanteile von mir, wollen auch in der realen Welt gelebt werden. Genau das werde ich in einer Woche tun, den empfindsamsten Teil von mir zu leben, inmitten unter mir fremden Menschen. Zeigen, wer ich bin. Ohne Masken, ohne Fassade – und den Boden unter den Füßen behalten.

Eine Herausforderung? Ja.

Ein Risiko? Jein. Ich erkenne mittlerweile rasch, wenn ich „abhebe“ und habe meine Techniken, mich wieder zu erden.

Natürlich könnte ich den „einfachen“ Weg einschlagen, und darauf verzichten, jene Teile von mir auszuleben, die mich Richtung „emotionalem Überflug“ bringen, doch dann wäre ich nur eine zensierte Version von mir selbst und wieder beim Thema Unterdrückung. Für mich ist es eine Form von Selbstverstümmelung, Teile meiner Persönlichkeit auf diese Weise „auszuschalten“. Alles in und an mir will LEBEN. Teile von mir vom Leben abzuschneiden, riss einst Wunden in meiner Seele auf. Heute heile ich diese Wunden in meiner Seele, indem ich mehr und mehr zeige, wer ich bin.

Vielleicht bekomme ich dabei hin und wieder unerfreuliche Rückmeldungen, treffe auf Ablehnung, doch nichts von alldem kann noch nachhaltig auf mich wirken, die ich tief in meinem Innersten beschlossen habe, dieser Welt mein wahres Gesicht zu zeigen.

Ich war einst unheilbar krank, da ich mir verwehrte, ich selbst zu sein. Heilung fand ich in mir selbst. Die Antwort war die ganze Zeit über da, all die Jahre, die ich nicht wagte, in mich hineinzublicken und zu spüren: Ich bin, wer ich immer war und immer sein werde – ein feuriger Funken Lebensfreude 😊

Was findest du, wenn du in dich hineinspürst?

HAPPY BIRTHDAY

In wenigen Tagen ist mein 53. Geburtstag. Damit bin ich nun unbestreitbar in der zweiten Lebenshälfte angekommen. Vielleicht liegt es daran, dass ich vieles anders betrachte als früher – oder an der beginnenden Altersweitsichtigkeit 😉

Wenn ich den Begriff „Altersweitsichtigkeit“ von seinem sachlichen Inhalt befreie, ergibt sich daraus ein interessantes Wortspiel: Weit-sichtigkeit … in die Weite bzw. Ferne blickend … vorausschauend?

In der Tat denke ich mir immer öfter über die langfristigen Auswirkungen meiner Handlungen nach, wesentlich häufiger als früher. Obwohl ich im Augenblick lebe und mit leichtem Gepäck durchs Leben reise, hinterfrage ich vieles. Vielleicht führt genau dieses Hinterfragen mit Fokus auf die ferne Zukunft dazu, dass mir manche kurzlebigen Trends und Oberflächlichkeit am A**** vorbeigeht.

Diese „Altersweitsichtigkeit“ hat sicherlich ihren Teil zu einem Gedicht beigetragen, dass vor einigen Monaten entstand. Damals bezog es sich auf den Jahreswechsel, aber ist ein Geburtstag nicht auch ein Wechsel in ein neues Lebensjahr? Ich finde, es passt hier perfekt:

Spuarn im Schnee

Gaunz weiß sans, d’Berg,
von‘d Spitzn bis obi ins Toil.
Dauat nimma long.
S’Joahr is boild umma.
Waunnst so zruckschaust,
wos host draus gmocht?
Bist nur fleißig im Hamstaradl grennt,
damit de große Maschin se weida draht?
Oda host a Zeit fia aundas vawendt?
Wia oft host aundan a Freid gmocht?
Oda dir sölba was Guads taun?
Host nur Gräbn aufgrissn –
oda a Bruckn gschlogn?
Wölche Spuarn bleibn von dir?
Net im Schnee, weu der geht im Aprül.
A net auf’n Papier, weu des is geduldig.
I moan de Spuarn, de bleibn,
waunnst du long schau nimma bist,
Spuarn in‘d Herzen da Menschn.
De Zeit ziagt so schnöll durchs Lebn.
Boild is wieda a Joahr dahin.
Wüvühl bleibn dir nau?
Koana woaß, oba olle hoffn,
hintalossn enara Spuarn im Schnee,
schiabn vühles auf Muargn,
was im Heit wichtig waard,
und Spuarn zeichna tät, de bleibn.
Waunnst so zruckschaust,
wölche Spuarn bleibn aum End von dem Joahr?
Und wölche von dein Leben?

Welche Spuren bleiben am Ende?

Wie gesagt, geistert diese Frage bereits seit längerem durch meinen Geist, bestimmt mehr und mehr mein Tun. Vor ziemlich genau einem halben Jahr entschied ich mich, ein Charity-Projekt ins Leben zu rufen. Einfach so. Typisch JAN/A. Ohne mir zu überlegen, was wie wann wo … ich wollte es, ich tat es. Punkt.

Seit 04. Mai 2022 ist „Berggeflüster – s’Lebn gspiarn“ veröffentlich. Am 29. Mai findet die Buchpräsentation im Rahmen eines Charity-Events statt. Vor einem Jahr war das alles noch nicht einmal ein verrückter Gedanke, nicht ansatzweise. Heute hoffe ich, mit diesem Charity-Projekt eine vierstellige Spendensumme für die Bergrettung im Gasteiner Tal sammeln zu können. So schnell kann’s gehen, dass aus Nichts Etwas wird. Mehr noch. Ein Buch des Herzens, das bereits einigen Menschen Freude bereitet hat und hoffentlich noch ganz vielen anderen Freude bereiten wird.

Reich werde ich damit sicher nicht. Berühmt? Schmarrn. Dafür ist österreichische Mundart die falsche Sprache, zu wenig Zielgruppe. 

Ich will Freude bereiten, Menschen zum Lächeln bringen, sie in die Umarmung des Lebens holen, vielleicht ein klein wenig zum Nachdenken anregen … und als Sahnehäubchen damit auch noch etwas Gutes tun.

Eine Weltretterin? Nein, ganz sicher nicht. Aber eine, die konsequent gegen den Strom des „alles geht den Bach runter“ schwimmt. Eine, die weniger jammert und mehr tut. Punkt.

Berggeflüster ist ein Schwimmzug gegen den Strom. Sicher nicht Mainstream und keinesfalls perfekt. Wer einen Fehler drin findet, darf gerne 1 Euro zusätzlich an die Bergrettung spenden. Ein paar Tippfehler sind sicherlich noch drin. Mundart ist alles andere als einfach zu lektorieren.

Berggeflüster will nicht perfekt sein. Mein „Kind der Berge“ will Freude bereiten.

Die einen freuen sich, weil sie ein bildhübsches Buch in Händen halten und gleichzeitig etwas gespendet haben. Andere freuen sich, weil ihre Bilder Teil des Buches sind und sie aktiv etwas beitragen konnten. Wiederum andere freuen sich, weil sie dadurch auf Umwegen Anerkennung für das erhalten, was sie aus freien Stücken für in Notgeratene leisten.

Ich freue mich, weil all diese Menschen sich freuen, weil eine meiner „verrückten“ Ideen etwas Freudebringendes in dieser Welt erschaffen hat, weil die Menschheit nur dann zu einem hoffnungslosen Fall wird, wenn wir aufhören, unsere Freude mit anderen zu teilen.

Mein „Kind der Berge“ ist ein Kind der Lebensfreude: Neben 40 wunderschöne Bilder stellte ich jene Worte, die mir von den grauen Riesen im Gasteiner Tal zugeflüstert wurden, wob ein feines Geflecht aus Fragen, Antworten, Stimmungen und einem Gefühl, das tief im Herzen seinen Ursprung hat, für das es kein Wort gibt, nur ein Lächeln, wenn es sich ausbreitet und seine Arme gleich einem schützenden Mantel um uns legt.

Wenn du mir zu meinem Geburtstag eine Freude machen möchtest, dann wirf einen Blick in dieses [nicht] ganz alltägliche Buch und wenn es dir gefällt, wer weiß, vielleicht nimmst du ein „Kind der Berge“ bei dir auf? Holst es ab und an aus dem Bücherregal, wenn du vielleicht gerade nicht weiterweißt, und findet etwas darin, dass dich zum Lächeln bringt und vielleicht sogar einen neuen Weg eröffnet? Alles ist möglich.

Berggeflüster ist ein Geschenk, dass mir die grauen Riesen gemacht haben in einer Zeit, in der ich Antworten suchte. Heute gebe ich dieses Geschenk weiter – nicht umsonst, aber mit viel Freude, (Alters)Weitsicht und hoffentlich einigen Spuren, die bleiben.

Hör niemals auf zu träumen, denn Träume werden wahr, wenn du ihnen den Raum dafür gibst.

Hör niemals auf an das Gute im Menschen zu glauben, denn Menschen sind es, die mit dir gemeinsam Träume wahr werden lassen.

Hör niemals auf du selbst zu sein.

Happy Birthday

Bild: pixabay.com