FREIHEIT – UND WAS DANN?

Frei zu werden von den „Altlasten“ der Vergangenheit, die bis in die Gegenwart wirken und so manch hinderliche Verhaltensmuster aktiv halten.

Frei zu werden von den Verstrickungen, die mich mitunter zurück auf die emotionale Achterbahn werfen.

Frei zu werden, MEIN eigenes Leben zu leben.

Frei zu werden, einfach nur ich zu sein und dies auch der Welt zeigen zu können – nicht aus dem stillen Kämmerlein, über Texte, sondern im realen Leben da draußen.

Frei zu werden, voll und ganz lebendig zu sein.

Nichts wünsche ich mir mehr als diese Form von Freiheit. Dennoch – ich zögere die (möglicherweise) letzten dafür erforderlichen Schritt hinaus. Seit rund einem Jahr.

Warum?

Hier meine Analyse dazu:

Im Oktober 2017 entstand scheinbar aus dem Nichts heraus die Idee jener Geschichte, die in Folge zu JAN/A wurde. Im März 2018, am Ende von Band 1 angekommen, offenbarten sich (wiederum wie aus dem Nichts) die Handlungsstränge von Band 2 und 3. Gleichzeitig spürte ich in mir die unerschütterliche Gewissheit, am Ende von Band 3 auch jene oben geschilderte Freiheit erlangt zu haben.

Wie ging’s weiter?

Im Juni 2020 erschien Band 2 und ich arbeitete bereits an Band 3, als im Juli 2020 meine langjährige Beziehung zerbrach. Ein wichtiger Schritt Richtung Freiheit, aus einer (wie ich aus heute sehe) toxischen Beziehung. Trotzdem stagniert seither die Arbeit an Band 3. Ich schrieb nur ein paar Szenen. Eine der Hauptfiguren schmort nach wie vor im selbstgeschürten emotionalen Fegefeuer. Ebenso wie ich? Berechtigte Frage. Verweigere ich unbewusst die letzten Arbeitsschritte, um länger leiden zu können? Der Gedanke daran mag unangenehm sein, doch er ist nicht so abwegig.

Eine nie zuvor gekannte Freiheit bringt auch nie zuvor gekannte Chancen und Risiken mit sich.

Was könnte nicht alles schiefgehen?

Welchen Gefahren setze ich mich aus, wenn ich endlich das tue, was ich mir seit Jahrzehnten versage? Wovon ich träume, aber es nie umzusetzen wagte aus Angst vor dem, wie andere darauf reagieren? Negatives Feedback schmerzt immer noch.

Im Altbekannten liegt Sicherheit. Veränderungen sind stets ambivalent.

„Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“ … diesen Satz habe ich vor Jahren in einer Ausbildung aufgeschnappt. Derzeit geistert er häufig durch meinen Kopf und wird auch vermehrt ausgesprochen, weil mir rundum an einzelnen Menschen und ganzen Organisationen eben jenes Verhalten auffällt.

Veränderung – ja! Möglichst alles soll besser werden.

Was anderes tun – nein! Etwas anders machen wollen wir nicht.

Das funktioniert leider in der Praxis nicht. Andere Ergebnisse erfordern andere Handlungen. Wer mehr von dem macht, was er/sie bisher getan hat, bekommt mehr von dem, was er/sie schon hat. Wie oft habe ich diese Weisheit anderen vorgepredigt. Bin ich darüber hinaus blind geworden, sie in meinem eigenen Handeln zu erkennen?

 Naja, immerhin hält mir das Leben einen überdimensionalen Spiegel vor Augen: mein gesamtes Umfeld. Wenn es mir rundum auffällt, dann bedeutet das, eben jenes Thema ist zeitglich in mir aktiv – sonst würde ich es nicht wahrnehmen. ALLE Themen des Menschseins sind stets um uns präsent. Doch unsere Wahrnehmung filtert genau jene heraus, die uns (unbewusst) beschäftigen.

Das ist genau so wie in einer vollen Wartehalle am Flughafen. Unzählige Gespräche in etlichen Sprachen werden geführt. Wir hören fokussiert genau Gespräche in den Sprachen, die wir auch verstehen. Der Rest ist „Hintergrundrauschen“.

Ergo: auch wenn mein Verstand anderer Meinung ist, ein Teil von mir blockiert jenen (finalen) Entwicklungsschritt in die Freiheit.

Ein Teil, der Angst hat vor dem Unbekannten, das sich am Ende dieses Weges – und damit am Beginn eines neuen Weges – finden wird.

Ein Teil, der in den Arm genommen werden will, dem es Vertrauen entgegenzubringen und Geborgenheit zu vermitteln gilt, denn dieser Teil wird darüber entscheiden, ob ich meine ersehnte Freiheit erlangen werde oder nicht.

Ein Teil, der in der nächsten Zeit viel Aufmerksamkeit von mir bekommen wird.

… und ich weiß auch schon, welchen Weg ich beschreiten werde, um diesem Teil all dies zu geben. Schließlich schmort dieser Teil von mir noch im emotionalen Fegefeuer.

Es ist an der Zeit, dass der Adler erneut seine Schwingen ausbreitet.

Bild: pixabay.com

Auf den Schwingen des Adlers

Die nachfolgenden Zeilen wurden niedergeschrieben am 27.12.95 um 23.45 Uhr in einem Anflug von Übermut, von Lebenslust und Freude.

Nicht frei ist, wer nicht wie des Adlers Schwinge fühlt …

Es gab Zeiten, da war mein Herz hinter Mauern aus Angst verborgen, und nur die Worte aus dieser Feder konnten dem Gefängnis entrinnen. Ich war gefangen.

Es gab Zeiten, da waren die Worte verstummt, das Herz gebrochen, die Feder vertrocknet. Ich war gefangen.

Es gab eine Zeit, da kehrten die Worte wieder, zerstörten die Mauern, die Feder focht gegen unsichtbare Dämonen. Jedes Wort auf diesem Papier wurde niedergeschrieben gleich Nägeln, die von schweren Hämmern in Eichenholz getrieben wurden um dort auf ewig zu bleiben. Jedes Wort ist ein Stein aus der Mauer, für immer an das Papier gefesselt, für immer von mir genommen. Ich bin nur nicht länger gefangen.

Doch wer könnte von sich sagen die Freiheit zu kennen, der nicht weiß wie des Adlers Schwinge fühlt doch am Firmament, wenn die Winde sich an ihr brechen, wenn Thermik und Strömung ihr Auftrieb geben hoch hinauf zu steigen, wenn Zartheit und Schönheit den Gewalten der Stürme widersteht.

Wer ist frei, der nicht weiß, wie der Mäuse Barthaar fühlt, wenn sie durch dunkle Gänge hetzt, verfolgt von den glühenden Augen der Katze dem Tode gewiss und doch unerreichbar für des Jägers Krallen geboren im Schutze der Schlauheit, wissend, wo die Gefahr lauert und ihr entgeht.

Nicht frei ist, wer nicht der Wolken Reisen kennt, gesehen, was sie gesehen, gewesen, wo sie gewesen, im Geiste mit ihnen die Welt umrundet hat und doch zuhause bleib, wer nicht als Regentropfen vom Himmel fiel um über Bäche und Flüsse zum Meer zu gelangen, um durch der Fische Kiemen und der Stürme Wellen zu reisen, um zu den Wolken emporzusteigen.

Wer kann frei sein, der nicht den Gang der Zeit bestimmt, den Lauf der Dinge kontrolliert, Gestern im Heute und Morgen im jetzt erscheint, Dinge zu tun die waren – oder auch nicht – oder sein werden?

Nicht frei ist, wer nicht das Leben lebt wie ihm gegeben, sich zu verstecken hat wenig Sinn, wenn das Versteck nur ein unsichtbarer Mantel ist und dahinter lauert, was ist davor?

Wer kann frei sein, wenn er es nicht will?

Nicht frei ich kann sein, wenn mein Herz ich verstecken muss, nicht frei ich bin, wenn ich ICH nicht bin.

Nicht frei, wenn ich nicht wie des Adlers Schwinge fühl’ …

Jänner 2013: Wir können lange, sehr lange verstecken, wer wir sind. Doch es wird immer Momente geben, da sich die “Wahrheit” ihren Weg an die Oberfläche bahnt – so geschehen im Dezember 1995. Die Freiheit, im Geist zu sein wer wir sind, ist wohl jene Freiheit, die uns niemand nimmt – und die wir dennoch aufgeben, Tag für Tag, um zu sein, wer wir nicht sind. Dann leben wir. Doch LEBENDIG sind wir erst, wenn wir der Lebenslust in uns Raum geben.

September 2019: In den vorangegangenen Beiträgen habe ich immer wieder über Fraktale sinniert. Das Konzept der Freiheit – was auch immer jeder für sich selbst darunter versteht – begleitet mich als Fraktal schon mein Leben lang. Im Dezember 2015 fand einer der größten Umbrüche meines Lebens statt – und ich schrieb über Freiheit. Im Mai 2013 kam es zu dem finalen Showdown, der sich bereits im Jänner abzuzeichnen begann. Heute denke ich wieder über Freiheit nach. Was wird wohl in den nächsten Wochen und Monaten geschehen? Ich bin schon gespannt, wohin es mich diesmal führen wird.