METAMORPHOSE

Dieser Begriff steht für Umwandlung oder Verwandlung. Er trifft wie kaum ein anderer auf mich zu – samt dem häufig verwendeten Symbol des Schmetterlings.

War ich nicht einst ein Getriebene? Rastlos, ruhelos, durch das Leben irrend.

Wurde ich nicht zur Suchenden, die sich mit einer kleinen Laterne bewussten Denkens auf den Weg machte, sich selbst zu finden?

Erreichte ich nicht jenen Punkt, an dem ich mich bei mir selbst angekommen fühlte.

Wurde ich nicht zu der, die heute wie ein bunter Schmetterling durchs Leben tanzt?

Die Phasen meiner Verwandlung. Oder besser: Rückwandlung zu dem, was ich „davor“ war, bevor das Drehbuch meines Lebens einige Umwälzungen vorsah.

Tief in mir bin ich die, die ich immer war, heute bin und immer sein werde: ein feuriger Funken Lebensfreude – mein Lieblingsmantra 😊

Könnte ich glaubhaft abstreiten, dies erreicht zu haben, wenn ich heute tänzelnd durch einen Raum voller fremder Menschen schwebe, meiner eigenen inneren Melodie folgend und es mir piepschnurzegal ist, was andere dabei über mich denken.

Pure innere Freiheit.

Einfach nur ich sein.

Und dazu passt wunderbar diese tänzelnde Geschichte, die in meinem 5. Buch mit dem Titel „EMBRACE – Fühle die Umarmung des Lebens 2“ erschienen ist. Viel Freude beim Lesen.

Ein tanzender Schmetterling

Es war einmal ein kleines Mädchen, das inmitten seiner Familie ein behütetes Leben in einem Dorf am Lande führte. Die Kleine hatte alles, was sie brauchte und lebte frei von Sorgen. Wenn Musik erklang, liebte sie es, ihre Arme auszubreiten, sich in den Rhythmus der Melodie fallen zu lassen und wie ein in der Luft tanzender Schmetterling herumzuwirbeln, dabei ihre Augen zu schließen und einfach nur lebendig zu sein in diesem Augenblick der Unbeschwertheit. Ihr Lachen war im ganzen Haus und auch noch im Garten zu hören. Manche würden es pure Lebensfreude nennen, was die Kleine in diesen Momenten ausstrahlte.

Eines Tages fand in diesem Dort ein großes Fest statt. Nahezu alle Bewohner des Dorfes feierten gemeinsam von morgen an bis spät in die Nacht. Auch die Familie des kleinen Mädchens und alle ihre Verwandten nahmen daran teil. Die Kleine tobte ausgelassen herum. Bereits nach kurzer Zeit wirbelte sie gemeinsam mit einem kleinen Jungen durch das Festzelt, der etwas behäbig versuchte, es dem tanzenden Schmetterling gleichzutun. Die Verwandten des kleinen Mädchens und auch ihre eigene Familie amüsierten sich wortreich und lautstark über das unbändige Temperament der Kleinen, die plötzlich innehielt. Sie konnte nicht verstehen, warum all jene Menschen, die sie kannte, nun über sie lachten, sie gar verspotteten. War es denn nicht in Ordnung, seine Freude zu zeigen? Was hatte sie falsch gemacht? Sie schämte sich, auch wenn sie nicht genau wusste, wofür. Es tat weh, ausgelacht zu werden. Tränen fühlten die Augen der Kleinen. Ein brennender Schmerz bohrte sich tief in ihr junges Herz und sie schwor sich, dass niemand sie jemals wieder tanzen sehen würde. Nie wieder wollte sie diese Schmach über sich ergehen lassen, nie wieder sich verletzt fühlen, nie wieder ihre Gefühle jenen zeigen, die darüber spotteten.

Von diesem Tag an verwandelte sich die Welt der Kleinen. Über all die bunten Farben, die sie zuvor wahrnehmen konnte, legte sich ein diffuser grauer Schleier, wie ein Nebel, der selbst im Licht der Sonne nicht weichen wollte. Ihre Welt wurde stumpf, fahl, freudlos.

Die Jahre vergingen. Das kleine Mädchen wurde erwachsen und blieb seinem Schwur treu. Nie wieder sah jemand sie tanzen. Ihre Familie war längst nicht mehr rund um sie, doch sie hatte das Vertrauen in jegliche Menschen verloren. Selbst wenn die Musik ihre Füße verführen und auf das Parkett locken wollte, widerstand sie dem Drang, unterdrückte den Wunsch, blieb in ihrer starren Haltung. Zu groß war die Angst vor neuerlich Schmähung, zu präsent die Erinnerung an den Spott und der Schmerz, der damit einherging. Ihre Welt war noch immer stumpf, fahl, freudlos.

An einem sonnigen Tag im Frühsommer spazierte die nunmehr junge Frau durch einen Park. Rund um sie waren unzählige Blumen und Bäume, die allesamt farblos auf sie wirkten, viele Schattierungen von grau, kein Vergleich zu den Farben, die sie als kleines Kind wahrnehmen konnte, damals, davor …

Seufzend setzte sie sich auf eine hölzerne Parkbank. Sie wusste, was sie aufgegeben hatte, was sie tief in sich unterdrückte, doch die Furcht vor neuerlichem Schmerz in ihr war groß, so groß, dass selbst der Schmerz, der durch diese Unterdrückung hervorgerufen wurde, ihr dagegen gering erschien. So saß sie da, in Gedanken versunken, einsam in ihrem Herzen, als ein kleiner bunter Schmetterling sich auf ihrer Hand niederließ. Langsam klappte er seine Flügel auf und zu. Die junge Frau betrachtete schweigend die farbigen Schuppen auf seinen fragilen Flügeln, die prächtig im Sonnenlicht schimmerten. Eine Erinnerung kehrte zurück, ein Gefühl erfasste sie, als eine leise Stimme an ihr Ohr drang:

„Worauf wartest du noch? Tanz mit mir!“

Mit erschrockenem Blick sah sich die junge Frau um, doch niemand war in ihrer Nähe. Erst in einiger Entfernung hatten sich ein paar junge Leute auf einer Decke im Gras niedergelassen, andere auf Parkbänken oder manche spazierten ihrer Wege. Niemand war ihr nahe genug, um diese Worte zu sprechen, niemand außer … einem kleinen bunten Schmetterling?

„Tanz mit mir!“

Wieder hörte sie die Stimme, doch kamen die Worte wirklich von außerhalb? Oder aus ihrem Herzen?

Der Schmetterling flatterte hoch, flog nur ein Stück voraus und schien dann zu warten. Zögernd erhob sich die junge Frau von der Parkbank, ging ein paar Schritte über das gräulich wirkende Gras. Ihr Herz schlug aufgeregt. In sich spürte sie einen Impuls, einen unbändigen Drang, etwas, das sie schon sehr lange nicht mehr verspürt hatte. Angst schnürte ihr den Hals zu. Sie schloss ihre Augen und drückte die Tränen zurück. Sie hatte es sich geschworen: nie wieder! Doch ihre Füße wurden unruhig. Ihr Atem wurde heftiger. Sie presste die Lippen aufeinander.

„Lass uns tanzen. Komm!“

Verdammt, dachte sie bei sich, was soll das? Während sie bereits die Schuhe von ihren Füßen streifte, schüttelte sie immer noch den Kopf über sich selbst. Was würden sich alle die Menschen rundum denken?

„Vergiss die Menschen. Wenn du tanzen willst, dann tanze.“

Unter ihren Zehen konnte sie das von der Sonne erwärmte trockene Gras spüren, das an manchen Stellen leicht pikste. Wie vertraut, wie in ihrer Kindheit …

In der sanften Brise, die ihr Haar erfasste, schwang eine Melodie mit. Ihre Füße wurden unruhiger. Sie konnte sie kaum noch im Zaum halten. Nie wieder will ich sehen müssen, wie jemand mich auslacht oder verspottet, sagte sie zu sich selbst.

„Dann schließ deine Augen. Blick nicht mit deinen Augen nach außen auf die anderen. Blick mit deinem Herzen nach innen, zu dir und dem, was in dir ist.“

Mit einem tiefen Atemzug schloss die junge Frau ihre Augen, verharrte einige Zeit, fühlte die Sonne, auf ihren Kopf und ihren Schultern, die sanfte Wärme, die sich wie ein flauschiges Tuch um sie legte. Sie fühlte den Wind, der mit ihren Haaren spielte. Sie fühlte das vertraute Gras unter sich, den Rücken von Mutter Erde, an den sie sich immer anlehnte konnte. Der Duft von Jasmin strömte von den Sträuchern am Rande der Wiese bis zu ihr, als die junge Frau ganz langsam ihre Arme ausbreitete, mit jedem Atemzug höher und weiter. Sie legte ihren Kopf in den Nacken, überließ ihre Haare dem Wind und sich selbst der Melodie, die aus ihrem Herzen heraus durch sie hindurch in diese Welt strömte, schenkte ihren Füßen jene Freiheit, die sie ihnen so lange verwehrt hatte: sie begann zu tanzen, zu lachen, zu leben – und aus ihrem Herzen entsprang wieder jenes Gefühl, welches manche wohl pure Lebensfreude nennen würden.

Schließlich öffnete die junge Frau ihre Augen und staunte, denn um sie erstrahlte die Welt wieder in jenen Farben, die längst nur mehr eine Erinnerung aus weit entfernten Kindheitstagen gewesen waren. Blüten bunter als jeder Malkasten sie erschaffen könnte. Leuchtendes Grün unter ihren Füßen und ein strahlend blauer Himmel über ihr. Der Nebel war verschwunden. Nur manche Menschen wirkten noch grau und fahl, doch das lag wohl an dem, was sie in ihren Herzen trugen. Für die junge Frau war die Welt wieder zu jener geworden, die sie zuvor gewesen war, unbeschwert, voller Leichtigkeit und Lebensfreude.

Wenn Du demnächst in den Park gehst, wird Dir vielleicht eine junge Frau begegnen, die barfuß im grünen Gras tanzt zu jener Melodie, die sie in ihrem Herzen hört und die von Lebensfreude kündigt. Vielleicht wirst Du auch selbst diese Frau sein, wer weiß?

© Lesley B. Strong 2021

Bild: pixabay.com

WIE ICH LERNTE, HILFE ANZUNEHMEN …

Bevor ich mich diesem unglaublich wichtigen Thema widme, ein paar Sätze zur Entstehung: Ich würde ja gerne behaupten, dass meine Themenwahl durchdacht und geplant ist, doch das wäre gelogen. Im Gegensatz zur weitaus vorausschauenden Planung im Job, überlasse ich es als Autorin, Bloggerin und Lebensphilosophin dem Leben selbst, mir die Inspiration für meine Beiträge zu liefern. Manchmal sind allerdings auch unerfreuliche Ereignisse und der dazu von mir verfasste Beitrag ein Weg, meine eigene Rolle im Leben besser zu verstehen.

Aktuell geht es um das Thema Hilfe und Hilfestellung. Es gibt mehrere Menschen in meinem Leben, die eine schwierige Zeit durchleben, persönliche Krisen, gesundheitliche Probleme, manche wie aus dem Nichts auftretend, andere die sich über längere Zeit abgezeichnet haben, was sie jedoch nicht weniger herausfordernd macht. All dies mitzuerleben, quasi daneben zu stehen und nichts tun zu können, außer Hilfe anzubieten in der Hoffnung, dass sie angenommen wird, doch wenn nicht, einfach nur zum Zuschauen verdammt zu sein, ist eine der härtesten Prüfungen, die das Leben mir auferlegen kann. Deshalb schreibe ich mir hier heute einiges von der Seele.

Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche.

Ganz im Gegenteil. In meinem Verständnis ist das Annehmen von Hilfe ein Anerkennen der Tatsache, das wir alle nur Menschen sind, die irgendwann an ihre Grenzen stoßen, die nicht alles beherrschen und – zum Glück – weit weg von „perfekt“ funktionieren.

Diese Einsicht gewann ich vor gar nicht allzu langer Zeit. Davor residierte ich auch im Lager jener, die es unbedingt allein hinbekommen wollten, obwohl ich oft genug lautstark konstatierte, dass „mir alles zu viel wäre“, doch Hilfe nahm ich nicht wirklich an. Mir ging es mehr darum, Anerkennung für meinen Einsatz, meine Leistungsbereitschaft, mein Ertragen des scheinbar Unerträglichen zu bekommen. Hilfe annehmen? Mir Last abnehmen lassen? Schwach und unfähig erscheinen? Das verinnerlichte Selbstbild der Wertlosigkeit erfüllen? Nie und nimmer … so ungefähr lässt sich meine frühere Einstellung zusammenfassen.

Gleichzeitig war ich stets sehr hilfsbereit und bemüht, wenn es darum ging, anderen etwas abzunehmen. Manchmal auch ungefragt. Hilfe anbieten … das fühlte sich gut an. Es machte mich groß und stark, vermittelte mir also genau jenes Gefühl, das ich NICHT in mir trug. Selbstverständlich erlag ich dabei der mehrfachen Selbsttäuschung.

Wenn ich heute all die Facetten dieser Illusion betrachte … mich selbst klein machen, um mir etwas aufbürden zu können, das mir ein Gefühl von Größe und Stärke verleiht … dabei ignorieren, das ich längst groß und stark war, weil ich sonst nie all das hätte schaffen können, was ich geschafft habe … und all dies, um von anderen etwas zu bekommen (Anerkennung), was ich längst schon bekam, ohne es jedoch erkennen zu können, weil ich die Sprache (der Anerkennung) noch nicht zu sprechen gelernt hatte (im inneren Dialog mit mir selbst) … gruselt mir manchmal vor unserer zutiefst menschlichen Fähigkeit, unsere Hölle auf Erden selbst zu erschaffen – in unseren Köpfen und unseren Leben.

Wie lernte ich also, Hilfe anzunehmen?

Es brauchte dafür zwei Faktoren, die zeitgleich eintraten (im Juli 2020):

Einerseits zog mir das Leben sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg, warf mich mitten in der dramatischsten Veränderung meines Lebens über eine Treppe und verpasste mir einen Liegegips mitten in der Übersiedelung, die aus einer Notsituation heraus geschah und keinen Aufschob duldete. Nur ein Schritt – und plötzlich war ich auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen, konnte mich nicht einmal allein von A nach B bewegen. Ich musste in einem emotionalen Ausnahmezustand um Hilfe bieten und erwartete damals vieles, aber keinesfalls die rasche und vielfältige Unterstützung, die ich von rundum erhielt.

Andererseits landete ich in einem neuen Umfeld, in dem ich zum ersten Mal in meinem Leben so angenommen wurde, wie ich bin, ohne Vorwürfe, Ablehnung, Beschränkung oder sonstiges in der Art zu erfahren.

Es fällt wesentlich leichter, um Hilfe zu bitten und diese auch anzunehmen, wenn dies keinen „Imageverlust“ nach sich zieht, sondern man weiterhin wertgeschätzt und respektiert wird; wenn das Annehmen von Hilfe als kluge Entscheidung und nicht als Eingeständnis von Unfähigkeit verstanden wird. Und wenn die Helfenden sich nicht als „die Besseren und Stärkeren“ darstellen, sondern als Helfende auf Augenhöhe, denen bewusst ist, das sie es vielleicht sind, die morgen schon Hilfe von anderen brauchen könnten.

Unzählige Male habe ich es schon (insbesondere in meinem beruflichen Umfeld) erlebt, das Menschen zu verbergen versuchen, wenn sie nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll oder alles zu viel wird – häufig genau aus dieser Angst vor einer Gefällebildung (die es zwischen Eltern und Kindern tatsächlich gibt, aber zwischen Erwachsenen eine „ungesunde“ Verschiebung bilden) oder dem Abgleiten in ein Abhängigkeitsverhältnis. Viel zu oft musste ich auch den folgenden Zusammenbruch miterleben. Ich frage mich oft, ob es verhindert hätte werden können. Besonderes wenn es Menschen trifft, zu denen ich eine persönliche Beziehung habe. Für mich bedeutet Beziehung immer auch eine Art von Verantwortung im Sinne von „hab ein Auge auf den anderen und sag, wenn dir auffällt, dass etwas in die falsche Richtung läuft“. Daneben zu stehen und zusehen zu müssen, wie der eingeschlagene Kurs in den Crash führt, ist schrecklich für mich. Heute verstehe ich, wie schlimm es damals für mein Umfeld gewesen sein muss, mir dabei zuzusehen. Hilfe wurde mir seinerzeit vielfach angeboten, doch ich konnte sie nicht annehmen.

Hilfe anzunehmen ist ein Teil der Selbstsorge …

… für mich geworden, denn ich kann nicht alles selbst können. Ich kann vieles, aber nicht alles. Und auch nicht endlos. So, wie ich gelernt habe, Hilfe anzunehmen, habe ich auch gelernt, vor allem im Job manches zurückzuweisen, was meine Ressourcen überschreitet.

Im Juli, als ich den stürmischen Wellen des Schicksals zu versinken drohte, sagte mein Sohn zu mir: „Das schaffst du allein nicht. Bitte um Hilfe. Die Menschen sind hilfsbereiter, als du denkst. Du musst nur danach fragen.“

Er hatte Recht.

Mehr noch. Weder verlor ich an Achtung oder Respekt, noch schätze mich danach jemand als schwach oder bedürftig ein. Ganz im Gegenteil. Einige Freundschaften vertieften sich sogar, weil meine Maske fiel. Die Maske der „unerreichbaren Perfektionistin“, die alles ohne Hilfe anderer hinbekommt und die stets auch einen unangenehmen Beigeschmack vermittelte: besser zu sein. Ohne es zu wollen, wurde ich schon mal als arrogant wahrgenommen, weil ich mir nicht zugestand, Schwächen zu zeigen oder eben um Hilfe zu bitten.

Um Hilfe zu bitten macht uns menschlich, denn genau das tun Menschen, wenn sie nicht weiterwissen: Sie bitten andere um Hilfe.

Es ist durchaus ein Zeichen von Reife, die Annäherung an die eigenen Grenzen zu erkennen und daher fast schon „weise“, zeitgerecht um Hilfe zu bitten.

Oder wie es ich es gerne auch ein wenig philosophisch formuliere: „Du kannst nicht größer sein als du dir eingestehst, klein zu sein.“

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Reflexion einer Woche, die es in sich hatte

Die hinter mir liegende Woche gehört zu der Kategorie, die ich unter der Überschrift „Was noch?“ zusammenfasse. Terroranschlag in Wien, Corona-Infektionen … beides mit direkten Auswirkungen auf meinen Tätigkeitsbereich, in dem sich auch so ziemlich alles ansammelte, was für die nächsten Wochen und Monate zu erwarten war, nun aber früher in Erscheinung trat. Plus zwischenmenschliche Themen … Sorge um jene, die ich kenne und die an Covid-19 erkrankt sind … eine Sorge, die sich anders anfühlt als das Beobachten von Infektionszahlen in den Nachrichten …

Zusammengefasst: ich stellte mir des Öfteren die Frage „Was noch?“ Was kommt als nächstes? Wie viel halte ich noch aus? Wie lange halte ich das noch aus? Wie komme ich von dem Trip wieder runter?

Diese Fragen brachten mir zwei wichtige Erkenntnisse:

Mein Überlastungsthema hat sich zwar in die gewünschte Richtung verändert, aber wie sich zeigt, ist es noch immer präsent. Oder die Umstände sorgen dafür, dass ich mich erneut damit beschäftigen darf. Im Vergleich zu früher nehme ich meine Belastungsgrenze mittlerweile wahr, aber für meinen Geschmack leider immer noch etwas zu spät. Hohe Leistungsbereitschaft kann schon tricky sein. Sie lädt ein, ein paar Stunden mehr zu arbeiten, ein paar Aufgaben mehr auf die Agenda zu packen als erledigt werden können.

Meinen Perfektionsanspruch habe ich abgelegt. Nicht alles muss optimal erledigt werden. Ausreichend ist eine gangbare Option geworden. Benchmarking? Gesundheit ist wichtiger.

In der Überlastungsphase zeigt sich aber auch ein ambivalentes Verhaltensmuster: Der Wunsch, bei einem anderen Menschen (im Folgenden der Einfachheit halber Person X genannt) das zu finden, was mich aus dem Stress und der Überlastung zurück in die Balance und Entspannung führt. Grundsätzlich nichts verkehrtes, aber wenn nun Person X gerade anderweitig beschäftigt ist und somit nicht verfügbar, was dann? Insistieren im Sinne von „sieh doch, wie schlecht es mir geht und wie sehr ich dich brauche?“ Gefährlich, sehr gefährlich, weil … dazu später mehr. Zuerst die Erläuterungen.

Ich konnte beobachten, wie sich meine Bewertung von Handlungen veränderte. Kam die Antwort nicht rasch genug? Oder zeigte sie zu wenig Verständnis für meine Situation? Zu wenig Zuwendung für meine emotionalen Bedürfnisse? War ich nur ein Spielzeug, nicht wichtig für Person X? Mit Erschrecken durfte ich feststellen, dass sich eine leichte Form von Paranoia zeigte. Bei näherer Betrachtung völlig logisch. Überlastung kippte mich aus dem (Ur)vertrauen, damit kamen Unsicherheiten und Ängste an die Oberfläche, die sich wie ein paranoider Filter vor meine Wahrnehmungslinse legten und die Realität verzerrten. Plötzlich schien es, als würde niemand mich verstehen, sich niemand für mich interessieren und ich wäre ganz allein, unverstanden und im Stich gelassen.

In der Vergangenheit gab es ähnliche Situation. Damals, noch unreflektiert, öffneten sie Tür und Tor für eine Spirale der Eskalation bis hin zum finalen Zusammenbruch.

Diesmal atmete ich tief durch und begab mich auf eine lange Wanderung durch den lichtdurchfluteten Wald, der sich in herbstliches Gold gekleidet hatte, lauschte dem Wind, der durch Blätterhaufen huschte und spürte die vielleicht letzten warmen Sonnenstrahlen des Jahres auf meinem Gesicht. All das holte meine Wahrnehmung zurück in die reale Realität, ins Hier und Jetzt, und machte mir bewusst, welcher Grenze ich mich genähert hatte: jener, an der Selbstsorge zu Selbstaufgabe wurde.

Also änderte ich meine Marschrichtung. Auch in Bezug auf Person X.

Gewiss, es ist wunderbar, wenn wir Menschen um uns haben, die für uns da sind, wenn wir es brauchen – solange dies aus freien Stücken und in dem Ausmaß geschieht, wie diese Menschen es von selbst tun möchten. Jegliche Erwartungshaltungen oder gar Forderungen pervertieren diesen Akt der Nächstenliebe in eine Form von Abhängigkeit und zuweilen sogar Erpressung. Spätestens zu diesem Zeitpunkt verwandelt sich Liebe in Last, die irgendwann zur Belastung wird, unter der etwas oder jemand zusammenbricht.

Nein Danke, das brauche ich nicht mehr in meinen Leben.

Person X bin ich!

Ich ziehe mich selbst aus dem Schlamassel, sobald mir bewusst wird, dass ich wieder mal drin stecke. Es wäre schön, dies grundsätzlich vermeiden zu können, aber so weit bin ich offenbar noch nicht. Dennoch wächst meine Resilienz beständig.

Resilienz, eines der magischen Worte unserer Zeit. Damit ist die Fähigkeit gemeint, mit psychischen und emotionalen Belastungen auf eine Weise umgehen zu können, die keinen bleibenden Schaden anrichtet. Manchmal wird sie auch als Widerstandsfähigkeit gegen Traumatisierungen bezeichnet. Viele Begriffe aus der Psychologie und Philosophie werden im täglichen Sprachgebrauch verwendet, doch zumeist unterschiedlich interpretiert. Die Abklärung von Begrifflichkeiten ist … zeitraubend und wohl deshalb wenig verbreitet 😉

Wie auch immer … zurück zur Resilienz. Beim Frühstück las ich heute einen interessanten Artikel einer Psychologin (also Expertin), der auch das Thema „Resilienz“ streifte. Innerer Dialog als Methodik, um zu äußeren Ereignissen eine differenzierte Haltung einnehmen zu können und diese anders bewerten zu können. Also nicht nur eine Belastung wahrzunehmen, sondern auch die Vergänglichkeit derselben, weil alles im Leben auch dem Wandel unterworfen ist.

Vereinfacht gesagt: Die Expertin schilderte die Theorie zu dem, was ich mit JAN/A praktisch umgesetzt habe bzw. seither tägliche lebe. Wieder einmal lese ich die theoretischen Grundlagen NACH der praktischen Umsetzung. Das wiederum amüsiert mich zutiefst und bestätigt meine eigene Überzeugung:

Das Leben offenbart den Weg, wenn wir bereit dafür sind und uns dem Prozess öffnen – ganz gleich, ob wir die Theorie kennen oder nicht.

Hier nun schließe ich den Kreis zu „gefährlich, sehr gefährlich“: Wer die Verantwortung für seine innere Ausgeglichenheit einem anderen Menschen überträgt, erzeugt damit ein Gefälle innerhalb der Beziehung, eine Form von Hierarchie. Zwischen Eltern und Kindern, Lehrenden und Lernenden mag das völlig in Ordnung sein, doch niemals innerhalb einer Partnerschaft. Es sei denn, beide einigen sich auf eine hierarchische Beziehung. Wer jedoch eine Partnerschaft auf Augenhöhe führen möchte, sollte sich bewusst sein, für seine emotionale Ausgeglichenheit selbst verantwortlich zu sein, ebenso wie für die Einhaltung von Belastungsgrenzen.

Wieder einmal nehme ich mich also selbst an der Nase und anerkenne, (beinahe) einen Schritt zu weit gegangen zu sein und damit unnötigen Stress in einen Bereich (oder eine zwischenmenschliche Beziehung) gebracht zu haben, der (die) damit überhaupt nichts zu tun hat.

Und wieder einmal lehrt mich das Leben: auch eine absolute Sch***-Woche trägt in sich ein Potenzial, einen Samen, aus dem wachsen kann, das Früchte trägt.

Das heutige Bild entstand auf meiner Wanderung durch den Herbstwald am 07.11.2020. Es wurde nicht bearbeitet. 100% echt – wie das Leben 🙂

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Irgendwann bricht jede Welle …

… und es ist eine Kunst, nicht von ihr verschlungen zu werden. Eine Kunst, die ich gerade erlernen möchte.

Fangen wir von vorne an. Was ist diese „Welle“?

Aus meiner Sicht gibt es zwei Arten von Wellen: die Unerfreuliche (oder auch depressive), und die Lustvolle (auch Höhenflug genannt). Heute geht es hier um letztere.

Zu den gängigen Klischees in Bezug auf Borderline gehört das Versinken in Depression und Drama. Weniger bis gar nicht bekannt ist, dass es auch ein emotionales Extrem in die andere Richtung gibt: intensives positives Fühlen. Diese Phase erlebe ich als eine Art von „Flow“. Rundum läuft alles super bis nahezu perfekt. Erfolg reiht sich an Erfolg. Hürden werden scheinbar mühelos gemeistert. Das Leben fühlt sich intensiv an. Die eigene Energie scheint unerschöpflich – ist sie aber nicht.

Ähnlich einer Sucht, kann und will ich nicht aufhören. Ganz im Gegenteil. Mehr und noch mehr erleben, umsetzen, tun. Warum auch aufhören, wenn’s gerade so gut läuft? Wenn die Anerkennung von allen Seiten und Erfolg in jedem Unterfangen sich einstellen?

Warum?

Weil jede Welle irgendwann zu Ende geht. Keine dauert ewig. Das ist so. Punkt.

Meine Wellen haben in der Vergangenheit häufig damit geendet, dass ich etwas Unüberlegtes gesagt und damit einen mir wichtigen Menschen (zumeist meinen besten Ehemann von allen) verärgert habe – was die Stimmung in der Beziehung umgehend auf „Eiszeit“ zurückwarf. Oder mein Körper zog die Notbremse und verordnete mir mit einer physischen Erkrankung die nicht eingehaltene Ruhepause. Wie auch immer – meine Welle endete mit einem (Ab-)Sturz vom Brett und einem (zum Glück nicht dauerhaften) Untergang.

Mein Ziel lautet nun also: die Welle sanft ausklingen lassen. Bildlich gesprochen: auf meinem Brett elegant bis ans Ufer gleiten und absteigen.

Praktisch gesagt: trotz Flow und „ich will jetzt nicht aufhören, weil es gerade so super toll läuft“ jene Pausen einzuhalten, die sowohl mein Körper als auch mein Geist brauchen, um dauerhaft gesund, leistungsfähig und in Balance zu bleiben. Das klingt jetzt wie aus einer Werbebroschüre für ein Gesundheitszentrum, aber es ist so.

Körper, Geist und Seele lassen sich nicht trennen, auch wenn manche das gerne glauben möchten. Borderline mag als Persönlichkeitsstörung definiert und damit im Geist verortet sein, dennoch wirkt es ebenso stark auf Körper und Seele, bzw. kann von diesen Bereichen beeinflusst werden.

Letztendlich ist es auch eine Form von Selbstverletzung, die eigenen Ressourcen zu missachten, notwendige Ruhepausen zu ignorieren und sich selbst an den Rand oder in den Zusammenbruch zu steuern.

Aus der depressiven Phase oder Welle heraus mag das ja sehr einleuchtend erscheinen. Doch wie schon erwähnt, es gibt auch die Flow-Phase, und die kann ebenso dramatisch enden wie eine Depression.

Vor zwei Wochen bin ich wieder einmal „vom Brett gefallen“. Obwohl ich mich gedanklich bereits mit der Thematik befasst und auch die ersten Anzeichen wahrgenommen hatte, blieb ich eine Spur zu lange in der Belastungsphase. Mein Körper verwendete Energie und Ressourcen, um meine Aktivitäten am Laufen zu halten, beide sind jedoch – wie bei uns allen – begrenzt vorhanden. Verbrauche ich auf der einen Seite mehr, fehlt etwas an anderer Stelle. In meinem Fall: beim Immunsystem. Voila, die nächste virale Infektion warf mich ins Bett.

Eine Woche später bin ich wieder munter unterwegs. Die nächste Welle baut sich gerade auf. Ich bin wieder im Flow. Die nächste Chance, wachsam zu bleiben, auf mich selbst zu achten. Auch wenn ich oft nicht spüre, dass mein Körper eine Pause braucht – er braucht sie! Und das habe ich zu respektieren, oder mein Körper zeigt mir, dass er am längeren Ast sitzt.

Mein Ziel ist klar: diese Welle genießen und auf meinem Brett sanft an den Strand gleiten.