Elefanten-Weisheit

Wieder einmal ein Beitrag, der aus jenen Eindrücken geboren wird, die ich in den vergangenen Wochen in diversen Chats und Selbsthilfegruppen gesammelt habe.

Thema: Realität verdrehen oder „Schönzeichnen“

Was meine ich damit? Nun, es geht darum, dass manche (oder viele) Menschen mitunter (oder auch sehr oft) den Standpunkt einnehmen, etwas ist so und nicht anders. Um das nachvollziehbar zu machen, hier ein abstraktes Beispiel:

Eine Banane schmeckt fad.

Dieser Aussage werden nicht zustimmen.

Anderes Beispiel:

Männer reden weniger als Frauen, und Frauen zicken mehr als Männer.

Stimmt natürlich so auch nicht.

Noch ein Beispiel:

Borderliner sind beziehungsunfähig.

Warum sollte diese Aussage stimmen? Sie ist ebenso pauschal und haltlos wie die beiden anderen zuvor. Dennoch neigen offenbar noch immer viele Menschen dazu, dieser einen Aussage zuzustimmen. Da ich ja meinen Mund nicht halten kann, schubse ich häufig Menschen an und sage: „Hey, es kann auch ganz anders sein.“ Daraufhin startet ein zumeist längerer Austausch, in dem manchmal auch die Aussage fällt: „Das ist ja Schönzeichnen der Realität“. Ist es natürlich nicht. Vielmehr ist es, was das Bild mit dem Elefanten so wunderbar darstellt. Ein Klassiker aus dem Kommunikationstraining.

Hier die Geschichte dazu: Mehrere blinde Menschen, die nie zuvor einem Elefanten begegnet sind, werden gebeten, diesen zu beschreiben anhand dessen, was sie ertasten können. Keiner von ihnen weiß, wie groß ein Elefant wirklich ist. So steht der erste vor dem Kopf des Elefanten, fühlt den Stoßzahn und meint voller Überzeugung: „Ein Elefant ist hart und spitz wie ein Horn“. Darauf erwidert ein anderer, der an der Seite des Elefanten steht: „Das stimmt nicht, er ist ledrig und breiter, als meine Arme erfassen können.“ Der Dritte, der hinter dem Elefanten steht, entgegnet: „Ihr irrt euch beide. Er hat einen Schwanz mit Borsten und stinkt fürchterlich.“ 

Wer von den dreien hat Recht? Natürlich alle drei. Für uns als Zuseher ist das sofort klar und einleuchtend, dass jeder der drei nur einen Teil des Gesamten wahrnehmen kann.

Nur – wenn diese Erkenntnis bei der Geschichte mit dem Elefanten so leichtfällt, warum beharren wir dann darauf, in anderen Bereichen des Lebens immer die gesamte Realität erkennen zu können?

Autsch!

Fakt ist, dass wir immer nur einen Bruchteil der Realität wahrnehmen können. Schon aufgrund der Tatsache, dass unsere Sinne eingeschränkt sind, bzw. unsere „Festplatte“ Gehirn selektive Informationen zu einem pixeligen Gesamtbild zusammensetzt, das deutlich von der Realität abweichen kann. Denkt mal nur an optische Täuschungen. Oder Songtexte, die wir ganz anders wahrnehmen als sie gesungen werden.

Wir bilden unsere individuelle Meinung zur Realität aufgrund einiger weniger Informationen.

Manche bilden auch ihre Meinung zu Borderline aufgrund einiger weniger Informationen und lassen diese ihr Schicksal bestimmen, anstatt herauszufinden, was es in ihrem individuellen Fall ist. Darauf angesprochen, wird die Neubewertung mit dem Vorurteil „Schönzeichnen“ abgeblockt.

Natürlich drängt sich jetzt die Aussage auf, das Verweigern einer Lösungsmöglichkeit sei typisch Borderline – ist es aber nicht. Das können auch andere recht gut. Es ist eher typisch menschliches Ego – und ein Exemplar davon besitzen wir alle.

Es liegt eine große Chance darin, den eigenen Standpunkt hin und wieder zu wechseln und weitere Standpunkte hinzuzufügen, um das Gesamtbild aus mehr Informationen zu generieren. Denn dann könnte es plötzlich sein, dass Borderline und Lebensfreude nicht mehr im Widerspruch zueinanderstehen, sondern in Summe eine Gesamtbild ála Elefant ergeben.

Denkt mal darüber nach 😉

#FeelTheEmbraceOfLife

Meine Tricks im Alltag: Nr. 2 – Die Macht der Gedanken

Seit etwas mehr als einer Woche kreuzt ein Thema laufend meinen Weg. Egal, wohin ich mich wende oder mit wem ich zu tun habe, obwohl das Thema für mich längst integrierter Bestandteil meines Lebens. Ein Zeichen? Wenn, ja – wofür? Vielleicht um darüber zu schreiben? Gute Idee 🙂

Es geht um einen Klassiker: Die Macht der eigenen Gedanken

Darüber wurden vermutlich bereits hunderte Bücher geschrieben, tausende Vorträge und Seminare gehalten … und jetzt schrieb ich auch noch etwas dazu. Beginnen wir dort, wo auch unsere Gedanken beginnen: in unserem Unterbewusstsein.

Aus unserem Unterbewusstsein kann so manches an Gedanken und Gefühlen die Oberfläche kommen, dass ordentlich Stress und Komplikationen in unserem Leben auslöst, ABER unser Unterbewusstsein kann auch etwas anderes. Oder kann es nicht – nämlich zwischen Realität und Fantasie unterscheiden. Das ist eine der Grundlagen für das Funktionieren von Autosuggestion, Autogenem Training, Mentaltraining und dergleichen (hierfür werden mit an Sicherheit grenzender Regelmäßigkeit neue Namen für allbekanntes kreiert).

Zurück zum Thema: Alles, was wir wahrnehmen – bewusst oder (sehr viel mehr) unbewusst – landet in unserem Unterbewusstsein. Ich werde hier jetzt nicht die Theorie dazu erläutern. Dafür gibt es wie schon erwähnt umfangreiche Literatur. Ein Zitat aus dem Talmud veranschaulicht diese Tatsache jedoch sehr treffend:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. 
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. 
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. 
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. 
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Unsere Gedanken entstehen aus dem Abgleich der Wahrnehmung mit den im Unterbewusstsein gespeicherten Erfahrungen und deren Bewertung (gut für mich / schlecht für mich). Tatsächlich denken wir rund 60.000 bis 80.000 Gedanken pro Tag, die meisten davon unbewusst. Unser Gehirn ist eine einzigartige Denkmaschine, die uns routinemäßig durch einen abwechslungsreichen Alltag steuert ohne dass wir großartig darüber nachdenken müssen. Wie grandios sie ist, stelle ich jedes Mal aufs Neue fest, wenn  ich in einer Doku einen Roboter unbeholfen durch die Gegend tapsen sehe. Ein Mensch läuft einfach durch die Gegend ohne über einen einzigen Schritt bewusst nachzudenken – sobald er es einmal als Kleinkind gelernt hat.

Die meisten unserer Gedanken entstehend unbewusst, oder besser formuliert: autonom aus dem, was wir zuvor in unserem Unterbewusstsein abgespeichert haben. Also aus allem, was wir sehen, hören, erleben, lesen usw.

Genial und fatal zugleich.

Genial, weil wesentlich mehr abgespeichert wird als die 40 Sinneseindrücke, die wir pro Sekunde bewusst erfassen können … von den 11.000.000 die wir pro Sekunde unbewusst wahrnehmen. Fatal, weil damit auch jeder „Schrott“ aus der Umwelt ungefiltert in unserem Unterbewusstsein landet. Jede negative Schlagzeile; jedes destruktive Gespräch in der U-Bahn, das wir subtil als Hintergrundgeräusch wahrnehmen; jedes Bild von Gewalt oder Zerstörung, dass von einer Plakatwand … all das landet in unserem Unterbewusstsein und kreiert dort unser inneres Bild von der Welt und uns selbst. Von unseren Möglichkeiten. Von realen (oder nicht realen) Gefahren.

Wir werden 24/7 extern programmiert, denn auch im Schlaf nehmen wir wahr. Subtil und anders, aber wir nehmen war, was um uns geschieht. Dieser Cocktail an Wahrnehmungen und Erfahrungen wird infolge zum der Ressource, aus der unsere Gedanken und Gefühle entstehen. Diese sind ein Spiegel unserer inneren Bilder. Es genügt, die Sprache eines Menschen aufmerksam zu beobachten um Rückschlüsse auf seine inneren Bilder zu ziehen.

Ein klassisches Beispiel: Das Glas ist halb leer / das Glas ist halb voll.

Kennt jeder. Hat jeder irgendwann mal gehört. Positives Denken. Alter Hut. Weit gefehlt. Nur weil es altbekannt ist, heißt es nicht, dass es überholt ist. Halb leer oder halb voll. Mangel- bzw. Problemdenken oder Überfluss- bzw. Lösungsdenken. Zwei diametrale Denkweisen, die sich im Alltag beobachten lassen. Und sie sind nur die Spitze eines Eisberges. Ich bin eine leidenschaftliche Beobachterin der Sprache. Sprache ist für mich das omnipotente Werkzeug schlechthin, weil damit so vielfältiges erreicht werden kann. Jemand nach ganz unten ziehen oder nach ganz oben hebeln. Sprache kann beides und ist per se neutral. Leider wird Sprache sehr oft achtlos verwendet und führt zu den unterschiedlichsten Problemen, von Kommunikationsproblemen in Beziehungen bis hin zur Beeinflussung der eigenen Fähigkeiten und der körperlichen Verfassung. Unsere Gedanken und Gefühlen können sowohl als Verursacher als auch als Problemlöser auftreten. Letzteres vor allem dann, wenn wir gelernt haben, sie bewusst für uns zu nutzen, um die erwünschten und unterstützenden inneren Bilder zu erschaffen. Der einfachste Weg dafür wiederum ist unsere Sprache. Unsere täglichen Worte.

Ganz pragmatisch gesprochen: mein einstmals sehr negatives Selbstbild von meiner Umwelt und mir selbst war das drastische Ergebnis einer entsprechenden, jahrzehntelangen Programmierung. Vor Jahren begann ich damit, diese Programmierung zu verändern. Heute achte ich darauf, die Zeitfenster der „Schrottprogrammierung“ möglichst kurz zu halten und auch meine Sprache bewusst zu verwenden, um das von mir gewünschte innere Bild weiter zu verstärken.

Dazu eine ganz praktische, einfache Übung, die mich schon seit langem begleitet und die für mich längst zur Routine geworden ist: Die „Guten Morgen & Guten Abend Fragen“. Davon gibt es unterschiedliche Varianten. Ich stelle dir hier meine bevorzugte vor:

Du brauchst nur einen Notizblock und einen Stift. Bevor du noch so richtig in den Tag startest, nimmst du dir ein paar Minuten Zeit, um für dich schriftlich folgende drei Fragen zu beantworten:

  1. Worauf freue ich mich heute?
  2. Was will ich heute lernen/erleben?
  3. Was werde ich mir heute Gutes tun?

Am Abend, bevor du dich schlafen legst, nimmst du wieder deinen Notizblock zur Hand und beantwortest für dich diese drei Fragen:

  1. Was hat mir heute gut gefallen oder ist mir gut gelungen?
  2. Was habe ich heute gelernt/erlebt?
  3. Wofür bin ich heute dankbar?

Die Antworten sind jeweils positiv zu formulieren, d.h. ohne „nicht“ (ich will nicht, dass …) oder „kein“ (ich will keinen Fehler machen …). Eventuell könnte das Weglassen der Negationen ungewohnt sein und zu Beginn eine Herausforderung darstellen. Das zeigt eigentlich (und auch tatsächlich) nur, wie weit die Automatismen im Problemdenken (was nicht sein soll) verankert sind. Mit Geduld und Ausdauer wird sich das ändern. Neue innere Bilder werden entstehen, die sich wiederum auf Gedanken und Gefühle, auf deine Ausstrahlung und dein Leben auswirken werden.

Dass es funktioniert, ist jetzt vielen Jahren bewiesen. Warum es nicht alle Menschen ständig praktizieren um ihre Lebensqualität zu verbessern? Das ist eines der großen Mysterien der Menschheit, die es noch zu enträtseln gilt 😉