WIE ICH DEN KREISLAUF DER SELBSTVERLETZUNG DURCHBRACH …

Die Gedanken zu diesem Blog entspringen den Ereignissen der letzten beiden Wochen und einem langen nebligen November-Spaziergang.

Selbstverletzung kann auf vielfältige Weise geschehen. Allgemein bekannt sind selbst zugefügte Schnitte mit diversen Klingen, doch es ist so viel mehr. Für mich gehören jegliche Handlungen dazu, die aus enormen inneren Stress und Druck heraus entstehen, und die dazu führen, dass wir uns direkt oder indirekt körperlichen, emotionalen oder seelischen Schaden zufügen. Manchmal gehen wir dabei auch den Umweg der Einbindung anderer, indem wir Aktionen setzen, die zwangsläufig eine Reaktion nach sich ziehen, die uns wiederum Schmerz zufügt.

Die Verletzung bringt sowohl Erleichterung als auch Reue und Scham, es wieder getan zu haben. Hinter all dem verbirgt sich ein Bedürfnis nach … Ich stoppe hier bewusst den rationalen Erklärungsversuch. Warum, das erläutere ich später. Jetzt geht es mir darum, jenes innere Erleben nachvollziehbar zu machen, das mich frei werden ließ. Dazu greife ich tief in meine linguistische Trickkiste und erzähle eine Geschichte, die alles sagt, ohne etwas zu erklären:

Es war einmal ein kleines Mädchen, das sich verstoßen fühlte, allein gelassen und von anderen gemieden, unverstanden und ungeliebt. Dieses Mädchen unternahm alles nur Erdenkliche, um die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen der anderen zu erringen. Sie mühte sich so sehr ab den anderen zu gefallen, dass sie begann jene Wünsche zu unterdrücken, die nicht auf das Wohlwollen der anderen trafen. Es kam der Tag, an dem sie selbst nicht mehr wusste, was sie brauchte, um sich wohl zu fühlen, doch sie ignorierte es und arbeitete tagein tagaus daran, die ersehnte Anerkennung zu bekommen. Sie arbeitete viel und hart, unaufhörlich. Die Arbeit wurde immer mehr, mehr als sie noch schaffen konnte, doch sie machte weiter. Als sie es kaum noch ertragen konnte, erhob sich aus ihrem Schatten ein Drache, der sich schützend vor sie stellte und all das, was dem Mädchen längst zu viel war, auf seine starken Drachenschultern lud, damit sie weitermachen konnte, immer noch darauf hoffend, jenes zu finden, nachdem sich ihr Herz sehnte: Anerkennung und damit verbunden das Gefühl, geliebt zu werden.

Die Aufgaben wurden größer, ihre Anzahl wuchs. Immer mehr und mehr stürzte auf das kleine Mädchen ein, wie ein prasselnder Regen aus spitzen, harten Steinen. Unterhalb der mächtigen Flügel des Drachen fand sie Schutz, doch er litt, denn selbst die dicken Schuppen seines Panzers konnten dem, was auf die beiden einstürzte, nicht endlos standhalten. Der Drache begann zu wanken, er wand sich, spuckte Feuer und aus seiner Kehle drang ein Laut, der von unendlichem Schmerz kündete, trotzdem blieb er standhaft und nahm die Last auf sich, damit sich das kleine Mädchen weiterhin um die ersehnte Gunst der anderen bemühen konnte, noch mehr, noch schneller arbeiten, alles nur um den anderen zu gefallen.

Plötzlich ließ das kleine Mädchen all die Aufgaben, die sich eben noch in ihren Händen gehalten hatte, los. Sie ließ all das los, von dem sie hoffte, es würde ihr jenes Gefühl zurückbringen, das sie vor langer Zeit verloren hatte. Stattdessen wandte sie sich dem Drachen zu, der kaum noch zu tragen vermochte, was sie ihm aufgebürdet und er für sie übernommen hatte – aus Liebe, denn niemals würde der Drache ihr ein Leid zufügen. Sie legte ihre Arme um den schuppigen Körper, schloss ihre Augen, entfaltete ihre feurigen Schwingen und erhob sich gemeinsam mit dem Drachen aus all dem Schmerz. Sie ließ alles los, um jenen zu halten, der immer für sie da gewesen war. An diesem Tag war dem kleinen Mädchen bewusst geworden, dass das, was sie solange verzweifelt von anderen zu bekommen gesucht hatte, längst da gewesen war.

Der reale Hintergrund dieser Geschichten ist meine Form der Selbstverletzung: Überlastung bis hin zur Selbstausbeutung mit gravierenden Folgen auf körperlicher, emotionaler und seelischer Ebene um jene Droge „Anerkennung“ zu bekommen, welche das tief verwurzelte Defizit an Selbstwahrnehmung und damit verbunden an Selbstwert ausgleichen sollte.

Anders formuliert: Bis in den Ruin schuften, um Lob zu erhalten.

Der Tag, an dem ich meine Blickrichtung änderte und nicht länger rundum mich etwas zu finden suchte, das mir ein Gefühl von „ich bin liebenswert … wertvoll … erwünscht … gehöre dazu … (setze die Aufzählung beliebig fort)“ vermitteln sollte, sondern begann, in mich hinein zu blicken und mir damit selbst dieses Gefühl zu vermitteln, das war jener Tag, an dem ich den Kreislauf durchbrach. Anerkennung von anderen wurde nicht bedeutungslos für mich, aber sie war nicht länger wichtiger als alles andere – schon gar nicht wichtiger als meine Selbstsorge. Bekomme ich Anerkennung von anderen: schön. Bekomme ich sie nicht: nervt zwar, ist aber nicht zu ändern.

Ich mute meinem leistungsstarken Drachen nach wie vor einiges zu, gehe ab und an beinahe über meine (Belastungs-)Grenzen weil ich eben ein sehr leistungsorientier Mensch bin und niemand im Stich lassen will und mir meiner beruflichen Verantwortung bewusst bin, doch wie mein Spaziergang von heute mir zeigt, drehe ich um, bevor die Belastung zur Überlastung und damit zur Selbstverletzung wird. Denn ich habe – wie wir alle – vorrangig die Verantwortung mir selbst gegenüber und gut auf mich zu achten.

Zurück zu dem Bedürfnis nach … Anerkennung, Wertschätzung, Liebe. Finden wir das nicht alles in uns selbst, wenn wir gut auf uns achten? Dies ist eine rhetorische Frage 😉

An dieser Stelle wage ich eine Hypothese: Kann es sein, dass sich hinter vielen Fällen von Selbstverletzung der Wunsch nach Anerkennung, Nähe, Geborgenheit, in den Arm genommen werden, Liebe … verbirgt?

„Sieh doch, wie ich leide, nimm mir endlich etwas ab. Wieviel muss ich noch ertragen, damit ich deine Aufmerksamkeit und deine Liebe bekomme? Bin ich noch immer nicht gut genug? Was muss ich noch alles tun, um deine Liebe zu verdienen?“ Dies sind jene stummen Sätze, die ich vor Jahren dachte, aber nie aussprach, während ich am Boden lag und im seelischen Schmerz versank. Unverständlich für die Menschen rund um mich, denn sie gaben mir Liebe und Anerkennung, doch ich konnte beides nicht wahrnehmen. Ich fühlte mich unverstanden und ungeliebt, arbeitete weiter daran, ihre Wertschätzung zu bekommen, mehr und härter als zuvor … gefangen im Kreislauf.

Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich in mir die Frage: „Das ist alles völlig plausibel. Warum schaffen nicht mehr den Ausstieg aus dem Kreislauf?“

Gute Frage.

Meine Antwort darauf habe ich genau genommen bereits mit der Geschichte oberhalb gegeben. Oder besser gesagt: mit der Art und Weise, wie ich sie erzählt habe: mit jener bildhaften Sprache meines Unterbewusstseins, die auf Metaphern und Gefühle setzt anstatt auf rationale Erklärungen. Damit kann mein Verstand arbeiten, aber nicht mein verletztes inneres Kind, das vor langer Zeit jenen Drachen erschuf, der mich bis heute beschützt, in dem er scheinbar unerträgliches auf sich nimmt, damit ich weiterleben und lieben kann.

Ich denke, dass sich hinter vielen Fällen von Borderline ein verletztes inneres Kind verbirgt, das in den Arm genommen werden will, Geborgenheit und Liebe suchend. Beides können wir diesem Kind nur selbst geben, denn es lebt in einer Welt tief ins uns und damit getrennt von allen Menschen rund um uns. Deshalb ist es wichtig, dass wir lernen, mit diesem Kind zu kommunizieren und seine Bedürfnisse erfüllen.

Also, mein inneres Kind spricht nicht die kopflastige Sprache, mit der ich mich im Alltag bewege. Ganz im Gegenteil. Es spricht die Sprache des Herzens, voller Bilder und Gefühle, magischer Wesen wie Drachen und Phönix. Vielleicht bin ich damit die einzige, aber das glaube ich nicht. Betrachte ich die Rückmeldungen zu meinen Büchern und Geschichten, verstehen auch andere diese Sprache und sie bewirkt so einiges.

Ich hoffe aus ganzem Herzen, dass diese Sprache auch anderen jene Botschaft vermittelt, welche sie den Kreislauf der Selbstverletzung durchbrechen lässt:

Liebe dich selbst und achte gut auf dich. Freu dich, wenn andere es auch tun, aber lass ihnen die Freiheit, sich selbst zu entscheiden, denn wichtig ist, dass du dich selbst liebst, so wie du bist … und wenn ein Drache dazugehört, dann ist das auch OK 😉

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Bild: pixabay.com

Wie man sich selbst am Besten im Weg steht … Teil 1

Oh ja, darüber kann ich viel schreiben. Darin bin ich nämlich echt gut. Warum? Weil ich einen scharfen Verstand habe, komplex und quer denken kann – und genau damit stehe ich mir häufig selbst im Wege.

Ein Beispiel: Affirmationen. Funktionieren bei vermutlich Tausenden von Menschen. Bei mir nicht. „Ich ziehe täglich Gutes in mein Leben.“ Das kann ich mir dutzende Male vorsagen oder auch handschriftlich auf Papier bannen. Während ich noch die Worte einzeln denke, blitzen skeptische Gedanken dazwischen auf, die handfeste Gegenbeweise liefern. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, als könnte ich zwei divergierende Gedanken parallel denken, so schnell ist die Abfolge. Ich bin im Kreuzfeuer meiner eigenen Gedanken pro und kontra gefangen. Dummerweise lässt sich mein Verstand nicht wirklich zähmen oder gar ausschalten. Er ist immer aktiv. Das war auch über weite Strecken meines Lebens enorm wichtig, sonst hätte ich meine Kindheit vielleicht nicht überlebt, wenn ich nicht ständig beobachtet, analysiert, bewertet und daraus meine Handlungen abgeleitet hätte. Aber das war einmal. Heute sind diese Vorgehensweise und die Dominanz meines Verstandes nicht mehr nötig, aber sie prägen mich noch immer.

Also, wie bringe ich meinem skeptischen (oder auch besserwisserischen) Verstand bei, neue Gedanken zuzulassen, neue Einstellungen zu mir selbst, Veränderungen allgemein? Ich greife auf einen altbewährten Trick zurück: Märchen und Metaphern. In ihrer bildhaften Sprache können sie Botschaften tief ins Unterbewusstsein transportieren, vorbei am kritisch wachenden Verstand, der die Worte möglicherweise sogar belächelt, während sie ganz subtil ihre Wirkung entfalten, so wie die Geschichte vom kleinen Mädchen und dem Löwen, die ich kürzlich gepostet habe. Eine Geschichte über Freundschaft und Vertrauen.

Ein weiteres Beispiel dafür habe ich schon vor einiger Zeit auf diesem Blog gepostet: Meine Version des hässlichen Entleins.

In diesem Märchen geht es um Selbstannahme und Selbstliebe. Wenn mich der Blick in den Spiegel ab und an zum Zweifeln bringt, lese ich einfach diese Geschichte.

Wie in jedem Märchen ist natürlich ein Körnchen (oder ein großes Korn) Wahrheit darin enthalten. Ich könnte auch stundenlang in den Spiegel starren, versuchen zu lächeln und mir vorsagen: „Ich liebe mich …“, aber bei mir funktioniert das nicht. Jahrelang habe ich mich deswegen schlecht gefühlt und unfähig, weil es eben bei mir nicht so funktioniert wie bei anderen. Dabei war mir (verstandesmäßig) durchaus bewusst, dass wir alle unterschiedlich sind und es nicht den einen Weg geben kann, der für alle passt. Aber wie gesagt, ich bin echt gut darin, mir selbst im Wege zu stehen.

Und wer weiß, wäre ich das nicht, würde ich dann überhaupt Geschichten schreiben, deren Botschaft viel mehr ist als die Summe ihrer Worte?

Ach ja, zu dem Bild für diesen Beitrag sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass ich Katzen bewundere: sie sind einfach in jeder Lebenslage fotogen.

Wenn alles andere versagt: Humor & Fantasie

Eines gleich zu Beginn: Borderline ist ein ernstzunehmendes Thema, das ich keinesfalls beschwichtigen oder herunterspielen will und werde. ABER nur weil etwas ernst ist, muss ich meinen Humor nicht in den Keller sperren. Ganz im Gegenteil. Humor kann helfen, scheinbar Unerträgliches zu überstehen. Für mich wurde diesbezüglich Victor Frankl zum Vorbild, der trotz seiner Erlebnisse in diversen KZs während des 2. Weltkrieges seine Menschlichkeit behielt – und seinen Humor.

Früher versank ich in Selbstvorwürfen, wenn ich fremdsteuert auf der emotionalen Achterbahn des Borderline unterwegs gewesen war, ohne es aufhalten zu können. Heute handhabe ich das mit einer gesunden Portion augenzwinkerndem Humor und viel Fantasie.

Stell dir bitte für einen Augenblick vor, du würdest in den Spiegel blicken und für dich selbst folgendes sehen: eine Person, die an einer als unheilbar klassifizierten Persönlichkeitsstörung leidet, die für andere Menschen kaum verständlich oder nicht nachvollziehbar ist, weshalb diese Person vermutlich gemieden werden wird, einfach weil sie ist, wie sie ist. Und genau genommen kannst du dich selbst nicht leiden, obwohl du keine Ahnung hast, wer du bist, aber eines weißt du mit Sicherheit: du bist nicht liebenswert. Wertgeschätzt fühlst du dich von niemanden und nirgendwo wirklich sicher oder geborgen – oder gar angekommen. Nicht gerade aufbauend, oder?

Deshalb habe ich mich 2017 entschieden, mich anders zu sehen. In mir schlummert ein feuriger Drache (Jan), der vieles sein kann, von romantisch, sinnlich bis zu grummelig und starrsinnig, manchmal auch voller Selbstzweifel, der aber letztendlich immer seinen Phönix (Jana) beschützen wird, die Eine, die leichtfüßig durchs Leben schwebt und alles zu verändern vermag, jedoch diesem Drang nach Veränderung mitunter ausgeliefert ist und deshalb Ruhe und Stabilität in den Armen des Drachen sucht, obwohl der manchmal auch ein ziemlich arroganter Arsch sein kann. Dann gibt es auch noch Aquila, den Adler, der geboren wurde, um zu kämpfen, doch sanft ist in seinem Wesen. Er ist der strahlende Held der Geschichte. Ihm gegenüber steht Amaranthia, die Immerwährende, die Heilerin, die jegliches Leben über alles liebt, sich selbst als schwach ansieht, dabei jedoch die einzige ist, die Aquila aus den Flammen der Zerstörung zurückholen kann. Und es gibt Sethos, den stierköpfigen Dämon, mit dem alles begann, der verraten und betrogen worden war und darüber vergaß, wer er einst war, der sich selbst in der Dunkelheit verlor und allem und jedem mit Ablehnung begegnet. Ihn zu retten brach Yanara, das strahlende Licht, einst auf, denn ihretwegen nahm er all den Schmerz und das Leid auf sich. Ihr Licht vermag selbst jene Dunkelheit zu durchdringen, in die er gefallen ist.

Psychoanalytiker und Psychotherapeuten werden nun möglicherweise euphorisch in ihren Analyse-Modus verfallen, aber ja, so sehe ich mich: eine sechsköpfige Quadriga! Bevor nun die wissenschaftlichen Belehrungen folgen: es ist mir bewusst, dass der Begriff Quadriga ein Gespann mit vier Pferden meint, ABER wenn es einen sechsbeinigen Hund gibt, darf es (für mich) auch eine sechsköpfige Quadriga geben.

Hier beginnen nun Humor und Fantasie ineinander zu greifen. Mal ehrlich, würde ich mich als das sehen, was die Psychoanalyse für mich vorgesehen hätte, mit all den abstrakten Begriffen und Termini – das wäre ziemlich spaßbefreit. Ich will mich nicht als Ergebnis einer tiefenpsychologischen Problemanalyse sehen. Was bringt das Positives in mein Leben? Wie fühlt sich das an? Ich will mich doch gut fühlen mit mir selbst. Daher sehe ich mich viel lieber als die Lenkerin einer sechsköpfigen Quadriga, die manchmal sehr eigenwillig unterwegs sein kann. In der Vergangenheit ist immer wieder eines meiner „Pferdchen“ durchgegangen und allein vorgeprescht, was zu allen Formen von Dis-Balance (oder Borderline-Episoden) geführt hat. Seit mir klar ist, welche Pferdchen in mir galoppieren, wie sie zueinander in Beziehung stehen und wer wen zum Ausgleich braucht, gelingt es mir die meiste Zeit, sie schön brav im Gleichschritt zu halten. Seither bin ich in Balance.

Und wenn nicht, dann blicke ich in den Spiegel. Vielleicht grummelt gerade wieder mal mein Drache, weil ihm irgendwas nicht passt, oder einfach eine alte Erinnerung an die Oberfläche aufgestiegen ist und die fast schon vergessenen Gefühle von Schmerz und Leid zurückkehren. Dann hilft eine (imaginäre) Umarmung des Phönix, ihre innige Verbundenheit und vielleicht auch eine sinnliche Fantasie, um die aufsteigende Dunkelheit im Feuer des Phönix in das sanfte Licht eines Sonnenaufgangs zu verwandeln – und ich bin wieder auf Kurs.

Ich bin wer ich bin. Mein Borderline-Dämon ist hoch emotional, leidenschaftlich, sinnlich, fantasievoll, kreativ und unkonventionell. Schaffe ich in meinem Leben Raum für seine Energie, wird er zu meinem Verbündeten. Bekämpfe ich ihn, zerstört dieser Kampf letztendlich ihn und mich.

Natürlich bin ich nicht den ganzen Tag in meiner Fantasie-Welt unterwegs. Ich tauche jedoch bei Bedarf in sie ein, verweile dort manchmal nur Minuten, manchmal auch Stunden, eben genauso lange wie es braucht, bis alles in mir wieder ruhig ist. Dann kehre ich in den Alltag zurück und lebe mein „normales“ Leben mit Familie, Beziehung, Job … was so alles dazugehört.

So einfach? Ja, so einfach funktioniert es für mich… nachdem ich mein rechthaberisches Ego, dass es kompliziert machen will, kurzzeitig in den Keller gesperrt habe (schließlich brauche in freie Bahn für etwas Verrücktes); nachdem ich den Realitätscheck, das rundum wirklich alles in Ordnung ist, rational durchgezogen und mich versichert habe, dass mein emotionales Gefühlschaos nichts mit dem Hier und Jetzt zu tun haben kann (wie in 99,9% der Fälle). Konsequente Übung plus die Bereitschaft, einen Schritt neben konventionellen Mustern zu Denken und das (kindlich) naive Vertrauen darauf, dass kein Problem getrennt von der Lösung existieren kann, dass in mir all das vorhanden ist, was in Momenten der Dis-Balance scheinbar fehlt. Es war immer vorhanden, ich hatte es nur einige Zeit vergessen und musste erst wieder lernen, mich zu erinnern.

Grande Finale (angelehnt an Peter Pan): Heute mache ich es mir auf dem einachsigen Streitwagen gemütlich, lasse mich in den passenden Sound (dazu nächstes Mal mehr) fallen, während ich mit meiner sechsköpfigen Quadriga beseelt Richtung Sonnenuntergang fliege, vorbei am zweiten Stern rechts und dann immer geradeaus bis zur Morgendämmerung …