1000 bunte Schmetterlinge

Eigentlich wollte ich mich heute mit einem WEECKIE ins Wochenende verdrückten, weil ich mich tagsüber irgendwie auf nichts konzentrieren konnte und mal eine geistige Auszeit nehmen wollte.

Tatsächlich habe ich heute eine ungeplante Unterhaltung geführt, und für einen kurzen Augenblick fühlte ich mich einer anderen Seele sehr nahe, obwohl zwischen uns eine Distanz von hunderten Kilometern liegt. Doch was ich in diesem Augenblick wahrnahm, inspirierte mich zur folgenden Geschichte. Vielleicht sind es genau die Worte, nach denen diese Seele sucht? Wenn es so ist, bin ich unendlich dankbar dafür, dass ich sie niederschreiben durfte.

Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, in einem nicht weit entfernten Land, als eine junge Frau sich auf den Weg machte, ein Geheimnis zu ergründen. In einem Gasthaus sitzend hatte sie einer Erzählung am Nachbartisch gelauscht, die davon berichtete, dass es irgendwo da draußen in der Welt Menschen gäbe, die eine leidende Seele zu heilen vermochten. Seit Jahren träumte die junge Frau davon, anderen Menschen zu helfen. Sie wollte lernen zu heilen. So machte sie sich auf, einen dieser in die Heilkunst Eingeweihten zu finden.

Ihr Weg war lang und beschwerlich. Fast schien es, als würde er nie enden. Allmählich begann die junge Frau die Hoffnung zu verlieren, je fündig zu werden, als sie auf einem Marktplatz eine alte Frau sah. Es war schon spät am Abend, die Dämmerung senkte sich über den leeren Platz, zeichnete dunkle Schatten über das grobe Steinpflaster. Beinahe wäre es ihr entgangen, doch aus dem Augenwinkel sah sie, wie die alte Frau ihre Hand auf die Schulter eines Mannes legte. Diese Berührung ließ eine magische Aura rund um den Körper des Mannes erstrahlen; eine Aura, die zuvor nur ein dunkler Schatten gewesen war, und die nun in bunten Farben zu schillern begann. Sofort wurde ihr bewusst: das ist es, was sie suchte! Eine Eingeweihte, die das Leid und den Schmerz einer Seele zu wandeln vermochte.

Sie ging zu der alten Frau, stellte sich und ihr Anliegen vor. Die Alte hörte ihr aufmerksam zu, schwieg einige Zeit, bis sie schließlich zustimmte, ihr Wissen weiterzugeben.

So kam es, dass die junge Frau einige Zeit den Erzählungen lauschte. Diese waren nicht immer leicht verständlich, und sie lieferten auch nicht die Antworten, die sie suchte. Deshalb fragte sie ohne Umschweife: „Ich will heilen. Dazu bin ich berufen. Zeig mir, wie ich heilen kann.“

Die Alte nahm sie mit in ein Haus, zu einem jungen Mann, dessen Seele in die Dunkelheit gefallen war. Er litt unsägliche Qualen und wollte sein Leben nicht länger fortsetzen. Zwischenzeitlich hatte die junge Frau gelernt, worauf sie achten musste, und so sah sie diesmal von Beginn an den dunklen Schatten, der sich um den Körper des jungen Mannes gelegt hatte. Als die Alte seine Hand ergriff und ihm voller Ruhe und Gelassenheit in die seine müden Augen blickte, begann sich der Schatten aufzulösen, verwandelte sich in Tausende im Morgenlicht funkelnden Tautropfen, die schließlich einer nach dem anderen von ihm abfielen und all den Schmerz mit sich nahmen. Seine Seele war frei.

Das will ich auch können, dachte sich die junge Frau, doch als sie auf ihre eigene Hand blickte, sah sie den dunklen Schatten, der sich vor langem auch um sie gelegt hatte. Die Alte hatte ihr gesagt, dass sie zuerst sich selbst heilen musste, bevor sie heilen konnte, aber so sehr sie sich auch mühte, es gelang ihr nicht, ihren eigenen Schatten in Licht zu verwandeln. Je länger sie es versuchte, desto bedrückter wurde sie – und desto verzweifelter.

Aus einiger Entfernung beobachte die Alte die angestrengten Versuche ihrer jungen Schülerin. Schließlich rief sie nach ihr. „Um heil zu werden, musst du alles loslassen, was in dir und um dich ist“, sprach sie zu ihr. „Aber ich habe doch nichts mehr“, erwiderte die junge Frau, „fast alles habe ich verloren, bis auf diese eine Liebe in meinem Herzen. Was bleibt mir noch, wenn ich sie verliere?“ Die Alte spürte die Angst ihrer Schülerin vor dem Verlust. Diese Angst hatte sich wie ein undurchdringlicher Mantel um ihr Herz gelegt, einer schützenden Mauer gleich, welche ihre Liebe bewahren sollte – und doch auch ein Gefängnis war. Lange dachte die Alte über ihre Worte nach, bis sie schließlich sagte: „Du kannst nichts verlieren, denn wir besitzen nichts. Weder unser Leben, dass wir von der Ewigkeit geliehen haben; noch die Liebe, die uns begleitet; noch nicht einmal den Atem, der uns am Leben hält, denn auch ihn lassen wir mit jedem Ausatmen aufs Neue ziehen. Lass alles los, damit zurückkehren kann, was bestimmt ist dich durch dieses Leben zu begleiten.“ Ungläubig schüttelte die junge Frau ihren Kopf über das, was ihr unmöglich erschien in diesem Augenblick. Doch sie gab ihr Ziel nicht auf, sondern kämpfte weiter und versuchte unermüdlich, den Schatten zu wandeln.

Die Zeit verging, doch nichts veränderte sich. Sie kam ihrem Ziel nicht einen Schritt näher.

Eines Tages zog ein Unwetter über das Land, gerade als die junge Frau allein im Wald unterwegs war. Der tobende Sturm beugte selbst die Stämme der mächtigsten Eichen und Buchen, brach mannsdicke Äste wie Streichholzer. Regen peitschte durch die kalte Luft. Blitze zuckten über den pechschwarzen Himmel, gefolgt vom grollenden Donner, der kein Ende zu nehmen schien. Inmitten dieses Unwetters entdeckte die junge Frau ein kleines Mädchen, das wie sie schutzlos durch die Düsternis irrte. Ohne darüber Nachzudenken, warum die Kleine wohl ganz allein hier im Wald war, nahm sie das Mädchen mit. Beide fanden in einer kleinen Höhle Unterschlupf. Völlig durchnässt, frierend und zitternd saßen sie eng beisammen zwischen den kahlen Felswänden. Die junge Frau sah die Angst in den dunklen Augen des Mädchens, die sie haltsuchend anstarrten. So vieles an der Kleinen erinnerte sie an sich selbst, als sie noch ein Kind war. Was sie damals vermisst hatte, und die Kleine jetzt brauchte. Obwohl sie selbst von Furcht erfüllt war, schob sie diese beiseite, hier – inmitten des Unwetters, öffnete ihr Herz, lächelte zaghaft und ergriff die Hand des Mädchens. Ihre Lippen schwiegen, doch ihr Herz sprach auf eine Weise, die nicht zu erklären war. Es erzählte von Vertrauen – das auch dies gut enden würde. Von Geborgenheit – weil sie einander hatten. Von Liebe – die immer um sie sein würde.

Plötzlich – inmitten des Unwetters, in dieser kalten, klammen Höhle – verwandelte sich der dunkle Schatten, der das kleine Mädchen umhüllte, in unzählige bunte Schmetterlinge, deren schillernde Flügel magisch funkelten im Licht der Blitze, die über den Himmel zuckten. Die Angst wich aus den Augen des Mädchens, das zu lächeln begann wie nur ein Kind zu lächeln vermochte, das sich um seiner selbst geliebt fühlte. Sie nahm die Kleine in ihre Arme. So verbrachte beide die Nacht in dieser Höhle.

Am nächsten Morgen erwachte die junge Frau allein in der Höhle. Das Mädchen war verschwunden. Einen Moment lang war sie darüber verwundert, doch dann fiel ihr Blick auf ihre Hand, um die sich eine magisch funkelnde Aura gelegt hatte, die im gedämpften Licht der Höhle in allen Farben des Regenbogens schillerte. Sie versuchte noch zu begreifen, wie das geschehen konnte, als sie aus Höhle trat und ein sanfter Windhauch sie erfasste, ihr eine Botschaft ins Ohr flüsterte: „Ich sagte dir doch, los alles los, damit zu dir zurückkehren kann, was bestimmt ist dich zu begleiten.“

Von diesem Tag an vermochte die junge Frau die Dunkelheit in Licht zu verwandeln. Und wenn sie nicht gestorben ist … nun, wenn es mir bestimmt ist, mit meinen Worten die Seele eines anderen zu berühren, dann wird diese Frau nun jenen Weg gehen, der ihr bestimmt ist.

Loslassen …

… fällt manchmal nicht leicht, insbesondere wenn ich etwas mit Begeisterung und Freude gestartet habe. Dennoch – es gehört zum Leben dazu und nicht alles, was ich starte, entwickelt sich so, wie es gedacht war. Das ist Leben.

Deshalb teile ich heute diesen Beitrag auf meinem Blog um zu zeigen, wie ich in Echtzeit damit umgehe.

Ein Status Update

Was tut sich gerade bei Lesley? Wie immer: viel!

Aktuell arbeite ich an 4 Buchprojekten. Kein Scherz. Also, „JAN/A – eine [nicht] ganz alltägliche Liebesgeschichte geht weiter“ … mit Band 2, der gerade in der Korrekturphase angekommen ist und Anfang 2020 erscheinen wird. Weil ich meinen eigenen Cliffhanger nicht so einfach im Raum stehen lassen kann, schreibe ich bereits an Band 3 „JAN/A – Das Ende einer [nicht] ganz alltäglichen Liebesgeschichte?“ Wie gehabt, beides autobiographisch und hoch emotional, romantisch, sinnlich, humorvoll …

Projekt 3 ist mir irgendwie „passiert“ und bringt mich täglich zum Strahlen. Kurzgeschichten und Gedichte aus über 3 Jahrzehnten, alle mit dem Ziel, meine Leser und Leserinnen zurück in die gefühlte Umarmung des Lebens zu führen. Das wird ein Buch wie eine Kuscheldecke inklusive heißer Schokolade vor einem prasselnden Kaminfeuer. Einfach nur zum Wohlfühlen.

Und dann gibt es noch Projekt 4, dass den Titel „RE/CONNECTED – LEBEN und LIEBEN – Eine Lebensphilosophie #feeltheembraceoflife“ tragen wird. Die Fortsetzung meiner Autobiographie DIS/CONNECTED, eine neuerliche Reise in meine Gedanken- und Gefühlswelt seit meinem Outing 2018 mit vielen praktischen Tipps und Strategien für ein Leben mit #Borderline jenseits aller Klischees und Zuschreibungen.

Nebenbei blogge ich natürlich weiterhin.

Ach ja, meinen Vollzeitjob sollte ich nicht vergessen. Beziehung und Familie gibt es auch noch.

Wie ich  das alles schaffe? Ganz ehrlich? Keine Ahnung! Ich möchte auch gar nicht darüber nachdenken. Ich könnte nämlich draufkommen, dass es gar nicht funktionieren kann – und das wiederum will ich nicht wissen. Die Hummel weiß auch nicht, dass es für sie aerodynamisch unmöglich ist, zu fliegen – sie tut es einfach 😉

Allerdings habe ich schon einige andere Projekte auf Eis gelegt. Meine Facebook-Gruppen zum Beispiel. Aber – wiederum ehrlich gesagt – ich fühle mich mehr dazu berufen, andere Menschen mit meinen Erfahrungen im Umgang mit Borderline über meine Blogs oder in Selbsthilfe-Foren zu unterstützen als mich in der Admin-Tätigkeit einer Gruppe zu verwirklichen. Sorry. Aber das habe ich auch in den vergangenen Monaten für mich erkannt. Meine Zeit und Ressourcen sind begrenzt, und ich möchte sie bestmöglich für das einsetzen, was aus meiner Sicht am meisten Sinn macht.

Deshalb schränke ich auch die zeitfressenden Marketing-Aktivitäten in Facebook ein. Meine Bücher verkaufe ich über Lesungen, Vorträge oder einfach so, zwischendurch im Fitnessstudio oder beim Augenoptiker, wann immer ich auf Menschen treffe, mich mit ihnen unterhalte und sie erkennen, dass meine Worte nicht nur auf dem Papier stehen, sondern ich tatsächlich lebe und bin, was ich schreibe. Das kann man mit keinem noch so gefinkelt verfassten Beitrag transportieren. Vielleicht schwimme ich damit gegen den Strom? Es wäre nicht das erste Mal 😉 

Ich bin ECHT. Ich bin ICH. Ich gehe MEINEN Weg.

Ich verändere die Bedeutung (#Borderline) meiner Jahre in Schmerz und Dunkelheit (#frompaintopassion) in dem ich sie nutze, um anderen die Hand zu reichen und zu sagen: „Ich hab es geschafft – und du kannst es auch schaffen“. Zurück in die Umarmung des Lebens (#feeltheembraceoflife).

4 Buchprojekte und ich liebe jedes einzelne davon, werde jedes davon Realität werden lassen. Wie viele davon verkauft werden? Ich überlasse es dem Leben, jene Menschen mit meinem Büchern in Berührung zu bringen, die von meinen Worten berührt werden.

Natürlich frage ich mich, ob ich – wie oben erwähnt – die Gruppen wirklich offline bzw. auflösen soll? Was entgeht mir eventuell durch diesen Schritt? Wäre es nicht besser, sie mit minimalen Ressourcen weiter zu betreiben? Also wieder das zu tun, was ich kenne und lange Zeit meines Lebens praktiziert habe?  Nur nichts aufgeben, weil es könnte ja noch irgendwann einmal …

Eine Entscheidung für das eine ist immer auch eine Entscheidung gegen vieles andere.

Vielleicht versäume oder verliere ich damit etwas, das ist ungewiss. Sicher ist nur, dass ich auf meinem Weg mehr erreiche, wenn ich meine Gedanken, Zeit und Ressourcen auf das fokussiere, was mir wichtig ist… und dafür mitunter so einiges loslasse.