Ein Märchen am Montag Morgen

Meine moderne Version des „hässlichen Entleins“: Es war einmal ein Mädchen, das jeden Blick in den Spiegel scheute, denn was sie darin sah, war nicht das, was sie erblicken wollte und was kaum jemals auf dem Titelblatt eines Hochglanzmagazins zu sehen sein würde. Nichts wünschte sie sich mehr, als dies verändern zu können, doch die Zeit zog ins Land, hinterließ ihre Spuren, und nie fand sich genug Geld, um das Bild, dass dieses Mädchen in seiner Vorstellung von sich hatte, Realität werden zu lassen. Sie fragte sich, was andere Menschen an ihr fanden, denn sie war weder reich noch schön, und – so glaubte sie zumindest – auch nicht liebenswert.

Eines Tages, als sie ihr Spiegelbild im stillen Wasser eines dunklen Sees beobachtete und sich wieder einmal fragte, was andere wohl bei ihrem Anblick denken mochten, flüsterte ihr der Wind eine Antwort ins Ohr: „Jene, die mit den Augen blicken, sehen, was Du siehst – und jene, die aus ihrem Herzen auf Dich blicken, sehen, wer Du wirklich bist; das in Dir in eine Schönheit ist, der keine Zeit der Welt etwas anhaben kann: Liebe; und ein Reichtum, der keinen Mangel fürchten muss: Bedingungslosigkeit.“

An diesem Abend blickte das Mädchen in den Spiegel, und diesmal blickte sie tiefer, vorbei an der Oberfläche, die so leicht zu täuschen vermag, die vergänglich ist und ab diesem Augenblick ohne Bedeutung war, denn hinter all dem entdeckte sie das, was die anderen schon längst gefunden hatten – und sie lächelte, während eine einzelne Träne sich glitzernd aus ihrem Augenwinkel löste. An diesem Abend verwandelte sich das hässliche Entlein in einen – nein, keinen schönen Schwan, wer glaubt denn an Märchen? –  in einen Adler, der sich leicht wie eine Feder in die Lüfte erhob, getragen von etwas, dass manche wohl „bedingungslose Liebe“ nennen würden. Und wenn das Mädchen nicht gestorben ist, dann schreibt sie heute vielleicht Geschichten, wer weiß?

Aufstieg des Phönix

Der Mythos des Phönix beschäftigt mich seit meinen Teenager-Tagen … also schon ziemlich lange. Keine Ahnung, wieviele Feuervögel ich im Laufe meines Lebens gezeichnet habe – oder wie oft ich selbst durch die Flammen (der Zerstörung) ging um mich anschließend (neugeboren) daraus zu erheben.

Anfang der 2000er Jahre war ich freiberuflich tätig, unter anderem auch als Kommunikationstrainerin & Coach. In meinem Logo breitete damals der Phönix seine Schwingen aus. Später übernahm ich das Symbol in meinem CV. Auch in JAN/A spielt seine metaphorische Bedeutung eine zentrale Rolle.

Der Phönix ist für mich eine Art Totem geworden, welches die Erneuerung durch Loslassen und damit ein für mich essentielles Programm zur Versöhnung mit meiner Vergangenheit darstellt. Seine Flammen verbrennen den ganzen überflüssigen Ballast, unter dem zum Vorschein kommt, was Alltag und Existenzkämpfe zugedeckt hatten: die Essenz dessen, was ich bin.

Eine, die mit Worten spielt.

Eine, die Botschaften zwischen den Zeilen versteckt.

Eine, die in einen Roman schon mal 120.000 Worte hineinpackt, um die essentielle Botschaft zigfach über die Seiten zu streuen, ganz so wie ein Prisma einen Lichtstrahl in alle Farben des Regenbogens aufsplittet und anschließend aufgefächert in die Welt hinaussendet in seinem farbenprächtigen Lichtspiel.

Die Essenz? Die ließe sich auch einfach in diese 61 Worte fassen …

FÜHLE JETZT

Fühle
mit allen Sinnen
Lebe
im Augenblick
Liebe
von ganzem Herzen
Lächle
wenn’s mal nicht gelingen will

Bedenke
du bist nur ein Mensch
Erkenne
du bist nicht perfekt
Verstehe
genau so war es gedacht
Lächle
über dich selbst

Folge
deinem Herzen
Vertrau
auf dein Gefühl
Glaub
an dich selbst

Lächle
weil das Leben dich umarmt
in diesem Augenblick
JETZT

© Lesley B. Strong

… aber wer könnte sie so einfach annehmen?

Romantischer Drache am Montag Morgen

Ich habe ein intensives Schreibwochenende hinter mir. Das löst einerseits tolle Gefühle wie Zufriedenheit und Freude aus. Ein wenig Stolz ist auch dabei. Gleichzeitig verändert es auch den Blick auf die Vergangenheit. Interessanterweise wird dieser weniger kritisch, mehr versöhnlich. Ganz so, als würde ich mir selbst auf die Schulter klopfen und sagen: „Hey, schau mal, das alles hat es gebraucht, damit du heute tun kannst, was du tust. Gewiss, vieles davon war nicht einfach und manches hättest du dir lieber erspart, aber letztendlich bist du heute hier und es geht dir gut. Nur das zählt.“

Wenn ich dann zwischen nachdenklicher Sentimentalität und einem Hauch von Melancholie taumle, greife ich öfters in die (digitale) Schublade meines Schaffens und grabe etwas Altes aus. Meistens aus dem Jahr 1996. Damals war ich Single und schrieb Gedichte. Sehr romantische Gedichte. Damals war ich verliebt, aber nicht in einen Mann, wie ich mir angestrengt versuchte einzureden, sondern in das Leben. Und in gewisser Weise auch in mich selbst, denn ich war allein, musste mein Fühlen und Denken an niemanden anpassen. Dabei blitzte für einige Zeit durch, was seit Beginn an in mir schlummerte: mein romantischer Drache, wie ich diesen Teil von mir gerne nenne. Der Drache verschwand wieder in der Dunkelheit meines Unterbewusstseins, als ich nicht mehr allein war. Er kehrte erst zurück als ich bereit war, auch an der Seite eines anderen Menschen ich selbst zu sein und nicht länger der Versuch der Verkörperung meiner Annahme dessen, was der andere wohl von mir erwarten würde und akzeptieren könnte …

Mein romantischer Drache kehrte zurück als ich bereit war, ich selbst zu sein.

Hier eine kleine Kostprobe, wie romantisch mein Drache sein kann. Ich finde, das ist ein guter Start in die Woche. Ein wenig Romantik als Gegenpol zu stressigen Montagmorgen-Gedanken. Daran könnte ich mich gewöhnen …

Das Lächeln des Mondes

Hab ich dir je erzählt,
dass der Mond lächelt,
wenn eine Sternschnuppe über den Himmel zieht?

Hab ich dir je erzählt,
dass hinter jedem Spiegel
eine unbekannte Welt auf uns wartet?

Hab ich dir je erzählt,
dass du nur deine Augen schließen musst,
und vor dir liegt das Reich deiner Fantasie,
die Welt am Ende des Regenbogens?

Hab ich dir je erzählt,
dass Gedanken reisen können
wie Vögel im Wind, wie Sonnenstrahlen,
und jeder findet sein Ziel?

Hab ich dir je erzählt,
dass wir frei sind, wenn wir es wirklich wollen,
wenn wir uns über unsere eigenen Grenzen hinweg erheben
um zu sein, was wir schon immer sein wollten?

Hab ich dir je erzählt,
dass wir alle nur kleine Räder sind in der großen Maschine des Lebens,
Sandkörner im Glas der Ewigkeiten, und doch – gäbe es einen von uns nicht,
wäre diese Welt nicht so wie sie ist.

Hab ich dir je erzählt,
dass es einen großen Fluss, einen Strom gibt, der uns alle mit sich führt,
und irgendwann irgendwo an Land spült, für einen kurzen Augenblick,
um uns sofort wieder auf die Reise mitzunehmen,
und oft bleibt uns nur ein Moment,
um aufzusehen,
und zu erkennen,
wo wir sind,
und wer bei uns ist.

Hab ich dir je erzählt,
dass wir Gefährten sind auf der endlosen Reise des Lebens,
vom Anfang aller Dinge bis zum Ende allen Denkens –
und darüber hinaus – verbunden durch das Leben.

Hab ich dir je erzählt,
dass es Zauberei und Magie wirklich gibt,
dass manche sie ganz einfach Liebe nennen,
und genauso wenig erklären können?

Hab ich dir je erzählt,
dass ich dich liebe –
und dass der Mond lächelt,
wenn ich an dich denke?

© Lesley B. Strong

Memories of Green

1996 war ein Jahr der Veränderungen für mich. Ich war schwanger, Single, und hatte keine Ahnung, wie mein Leben in Zukunft aussehen würde. Aber eines wusste ich mit Gewissheit: es würde weitergehen – irgendwie. Damals schrieb ich an einem Abend folgendes Gedicht, während ich den Song „Memories of Green“ hörte.

Rückblickend würde ich sagen, ich schrieb damals jene Worte, mit denen ich eines Tages auf mein Leben zurückblicken wollte. Ich schrieb nieder, was Jahre später tatsächlich geschehen sollte und auch geschah.
Damals wie heute haben diese Worte für mich eine ganz besondere Bedeutung.
#feeltheembraceoflife

MEMORIES OF GREEN

Ich erinnere mich an ein Lied,
eine Melodie,
eine Nacht.

Ich erinnere mich an einen Blick
ein Lachen
eine Berührung.

Ich erinnere mich an Wärme,
an Zärtlichkeit,
an Geborgenheit.

Ich erinnere mich an Licht,
an sanftes, warmes Licht
und an zwei Körper, zwei Seelen,
die in dieses Licht gingen
und fielen
und fielen
und immer tiefer fielen,
sich auflösten
verschmolzen.

Ich erinnere mich an ein Gefühl,
eine Empfindung,
intensiver, klarer und stärker
als alles andere davor.

Ich erinnere mich an Bilder
und Träume,
an Farben,
an Licht.

Ich erinnere mich an ein Wort
und einen Gedanken,
an Stille.

Ich erinnere mich an eine Bewegung
die zwei Körper, zwei Seelen erfasst
und mit sich fortträgt,
weit, weit weg –
in ein Land,
das keine Zeit kennt,
keinen Anfang und kein Ende.

Ich erinnere mich an Ruhe,
an Zufriedenheit
und Glück.

Ich erinnere mich an alles,
und nichts,
und an Dich.

Ich erinnere mich an Deine Stimme,
deine Augen
und deine Wärme.

Und ich erinnere mich an Liebe.

© Lesley B. Strong

Was andere über mich denken…

… sollte mir eigentlich egal sein. Ich wünschte, es wäre so. Doch so einfach ist es nicht. Vor einigen Tagen erhielt ich jene Rückmeldung, die ich schon seit Monaten erwartet hatte. Seitdem ich über mein „Borderline“ öffentlich spreche und schreibe, rechne ich damit, dass sie kommt. Nun ist sie da!

Es ging in dem Gespräch darum, für welche Zielgruppe ich schreibe. Angehörige, Therapeuten, Menschen, die sich für die Vielfalt und Tiefgründigkeit des Lebens interessieren … diese Aufzählungspunkte fanden Zustimmung. Borderliner? Wohl eher nicht, war die Feststellung meines Gegenübers, denn die Betroffenen aus dessen Umfeld konnte mit meinen Texten eher wenig anfangen. Auch eine nette Umschreibung für … was auch immer.

Bis zu diesem Augenblick war ich der Überzeugung, gelassen bleiben zu können, wenn die erste negative Rückmeldung kommt. Ich blieb es nicht. Äußerlich war mir kaum etwas anzumerken, doch innerlich stürzte ich in ein schwarzes Loch. Natürlich reagierte mein Verstand schon fast routiniert mit pragmatischen Überlegungen in der Art von „Jeder Mensch hat das Recht auf seine eigene Meinung. Sichtweisen sind unterschiedlich und jedes Borderline ist individuell …“

Ja, mein Verstand funktionierte einwandfrei, aber mein Gefühlsleben nicht. Oder schon, auf seine eigene Art und Weise. Die meisten Menschen glauben, ich halte viel aus, nur weil ich stark bin. Das ist ein Irrtum. Ich bin sehr leicht zu verletzen. Ablehnung und Zurückweisung sind für mich Verletzungen, gegen die ich mich nur schwer wehren kann. Ich habe gelernt, den Schmerz auszuhalten – nicht ihn zu verhindern. Keine Ahnung, ob das überhaupt möglich ist, ohne mich selbst aufzugeben. Was wäre ich ohne meine Sensibilität? Punktuelle Unempfindlichkeit gegen die Schläge aus dem Außen ist eine nette Vorstellung, aber ist sie überhaupt realisierbar? Und ganz ehrlich: ich möchte nie wieder zurück in den Zustand der emotionalen Entkopplung. Gefühle bis zur Unfühlbarkeit zu unterdrücken, nur weil sie so intensiv sind, dass sie kaum auszuhalten sind (damit meine ich in erster Linie die negativen, trüben, düsteren … ein zu viel an Lebensfreude gibt es nicht), das hatte ich lange genug betrieben. Es hat mich fast ruiniert und enormen Schaden in meinem Umfeld angerichtet. Berührbarkeit und damit Verletzbarkeit gehören zum Leben dazu – auch zu meinem.

Was ich mittlerweile wirklich gut beherrsche, ist die Technik, mich innerhalb kurzer Zeit wieder aus dem schwarzen Loch herauszuziehen, in das die manchmal banalen Ereignisse eines Tages mich werfen können (wie jene Rückmeldung). Zuweilen genügt dafür ein Blick in den Spiegel (meiner Seele), oder – wie in diesem Fall – einen Zettel aus meinem Notizheft hervorzuziehen, mit jenen 28 Zeilen, die ich wenige Tage zuvor geschrieben hatte. Diese 28 Zeilen sind die Essenz der vergangenen anderthalb Jahre und sie bringen mich innerhalb von Minuten wieder in Verbindung mit mir selbst und dem Hier und Jetzt. Stichwort: #feeltheembraceoflife

28 Zeilen

Gefangen in der Dunkelheit,
im Rückzug –
allein.
Ein Tor würde hinaus führen, doch ich verharre –
zu groß ist die Angst vor der Freiheit,
vor Verletzung
und Schmerz.
Zu vertraut ist die Dunkelheit.

Du reichst mir deine Hand
und sagst: „Komm!
Folge mir.
Vertrau mir.
Höre nicht auf das, was andere über mich sagen.
Blicke hinter den Spiegel,
fühle die Wahrheit:
Wer ich bin.

Fühle das Licht, wenn du deine Schwingen ausbreitest.
Fühle die Kraft in jedem Schritt auf deinem Weg.
Fühle die Umarmung des Lebens,
die Ewigkeit in einem Herzschlag,
das Universum in einem Atemzug.
Fühle, wer ich immer war
und wer du immer sein wirst:
Ein feuriger Funken Lebensfreude!“

Ich nehme deine Hand,
lausche dem Klang deiner Stimme,
der Botschaft in deinen Worten.
Sehe die Lügen zu Staub zerfallen.
Schreite durch das Tor ins Licht –
zurück in deine Arme
und zu mir selbst.

Ich bin Lesley.

Seit einem halben Jahrhundert wandle ich über diesen Planeten. Seit Oktober 2017 (also relativ kurz) lebe ich täglich ein Stück mehr jener Persönlichkeitsanteile von mir, die ich davor in mir unterdrückt hatte aus Angst vor Ablehnung und Verletzung. Tag für Tag werde ich freier. Meine Gedanken und Gefühle, die mich auf diesem Weg begleiten und mir Kraft geben, schildere ich in meinen Büchern und Blogs.

Ob diese Gedanken und Gefühle richtig oder falsch sind, überlasse ich anderen zu entscheiden. Für mich sind sie richtig und wichtig. Für mich sind sie der Schlüssel, um mit mir selbst und meinem Umfeld, dem Leben und allem, was dazu gehört, gut zurecht zu kommen. Das war es schließlich, wonach ich so lange gesucht hatte. Das ist es, worauf es – aus meiner Sicht – wirklich ankommt im Leben.
#feeltheembraceoflife