Was andere über mich denken…

… sollte mir eigentlich egal sein. Ich wünschte, es wäre so. Doch so einfach ist es nicht. Vor einigen Tagen erhielt ich jene Rückmeldung, die ich schon seit Monaten erwartet hatte. Seitdem ich über mein „Borderline“ öffentlich spreche und schreibe, rechne ich damit, dass sie kommt. Nun ist sie da!

Es ging in dem Gespräch darum, für welche Zielgruppe ich schreibe. Angehörige, Therapeuten, Menschen, die sich für die Vielfalt und Tiefgründigkeit des Lebens interessieren … diese Aufzählungspunkte fanden Zustimmung. Borderliner? Wohl eher nicht, war die Feststellung meines Gegenübers, denn die Betroffenen aus dessen Umfeld konnte mit meinen Texten eher wenig anfangen. Auch eine nette Umschreibung für … was auch immer.

Bis zu diesem Augenblick war ich der Überzeugung, gelassen bleiben zu können, wenn die erste negative Rückmeldung kommt. Ich blieb es nicht. Äußerlich war mir kaum etwas anzumerken, doch innerlich stürzte ich in ein schwarzes Loch. Natürlich reagierte mein Verstand schon fast routiniert mit pragmatischen Überlegungen in der Art von „Jeder Mensch hat das Recht auf seine eigene Meinung. Sichtweisen sind unterschiedlich und jedes Borderline ist individuell …“

Ja, mein Verstand funktionierte einwandfrei, aber mein Gefühlsleben nicht. Oder schon, auf seine eigene Art und Weise. Die meisten Menschen glauben, ich halte viel aus, nur weil ich stark bin. Das ist ein Irrtum. Ich bin sehr leicht zu verletzen. Ablehnung und Zurückweisung sind für mich Verletzungen, gegen die ich mich nur schwer wehren kann. Ich habe gelernt, den Schmerz auszuhalten – nicht ihn zu verhindern. Keine Ahnung, ob das überhaupt möglich ist, ohne mich selbst aufzugeben. Was wäre ich ohne meine Sensibilität? Punktuelle Unempfindlichkeit gegen die Schläge aus dem Außen ist eine nette Vorstellung, aber ist sie überhaupt realisierbar? Und ganz ehrlich: ich möchte nie wieder zurück in den Zustand der emotionalen Entkopplung. Gefühle bis zur Unfühlbarkeit zu unterdrücken, nur weil sie so intensiv sind, dass sie kaum auszuhalten sind (damit meine ich in erster Linie die negativen, trüben, düsteren … ein zu viel an Lebensfreude gibt es nicht), das hatte ich lange genug betrieben. Es hat mich fast ruiniert und enormen Schaden in meinem Umfeld angerichtet. Berührbarkeit und damit Verletzbarkeit gehören zum Leben dazu – auch zu meinem.

Was ich mittlerweile wirklich gut beherrsche, ist die Technik, mich innerhalb kurzer Zeit wieder aus dem schwarzen Loch herauszuziehen, in das die manchmal banalen Ereignisse eines Tages mich werfen können (wie jene Rückmeldung). Zuweilen genügt dafür ein Blick in den Spiegel (meiner Seele), oder – wie in diesem Fall – einen Zettel aus meinem Notizheft hervorzuziehen, mit jenen 28 Zeilen, die ich wenige Tage zuvor geschrieben hatte. Diese 28 Zeilen sind die Essenz der vergangenen anderthalb Jahre und sie bringen mich innerhalb von Minuten wieder in Verbindung mit mir selbst und dem Hier und Jetzt. Stichwort: #feeltheembraceoflife

28 Zeilen

Gefangen in der Dunkelheit,
im Rückzug –
allein.
Ein Tor würde hinaus führen, doch ich verharre –
zu groß ist die Angst vor der Freiheit,
vor Verletzung
und Schmerz.
Zu vertraut ist die Dunkelheit.

Du reichst mir deine Hand
und sagst: „Komm!
Folge mir.
Vertrau mir.
Höre nicht auf das, was andere über mich sagen.
Blicke hinter den Spiegel,
fühle die Wahrheit:
Wer ich bin.

Fühle das Licht, wenn du deine Schwingen ausbreitest.
Fühle die Kraft in jedem Schritt auf deinem Weg.
Fühle die Umarmung des Lebens,
die Ewigkeit in einem Herzschlag,
das Universum in einem Atemzug.
Fühle, wer ich immer war
und wer du immer sein wirst:
Ein feuriger Funken Lebensfreude!“

Ich nehme deine Hand,
lausche dem Klang deiner Stimme,
der Botschaft in deinen Worten.
Sehe die Lügen zu Staub zerfallen.
Schreite durch das Tor ins Licht –
zurück in deine Arme
und zu mir selbst.

Ich bin Lesley.

Seit einem halben Jahrhundert wandle ich über diesen Planeten. Seit Oktober 2017 (also relativ kurz) lebe ich täglich ein Stück mehr jener Persönlichkeitsanteile von mir, die ich davor in mir unterdrückt hatte aus Angst vor Ablehnung und Verletzung. Tag für Tag werde ich freier. Meine Gedanken und Gefühle, die mich auf diesem Weg begleiten und mir Kraft geben, schildere ich in meinen Büchern und Blogs.

Ob diese Gedanken und Gefühle richtig oder falsch sind, überlasse ich anderen zu entscheiden. Für mich sind sie richtig und wichtig. Für mich sind sie der Schlüssel, um mit mir selbst und meinem Umfeld, dem Leben und allem, was dazu gehört, gut zurecht zu kommen. Das war es schließlich, wonach ich so lange gesucht hatte. Das ist es, worauf es – aus meiner Sicht – wirklich ankommt im Leben.
#feeltheembraceoflife

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