BORDERLINER KANN MAN NICHT VERSTEHEN

Die folgenden Zeilen sind ein Gespräch mit meinem Spiegelbild, das ich vor einigen Jahren geführt habe, nachdem ich das „Problem“ erkannt, aber noch nicht gelöst hatte:

„Da ist eine leistungsorientierter Workoholic mit der Tendenz an die Belastungsgrenze zu gehen. Erfolgreich, stark, niemand würde vermuten, was sich hinter der Fassade verbirgt. Viele Selbstzweifel, geringer Selbstwert und wenig Selbstliebe. Ein emotionales Chaos, das sich nicht unter Kontrolle bringen lässt. Manchmal fühlst du dich regelrecht fremdgesteuert, das macht dir Angst. Nähe zu anderen Menschen geht gerade noch als Freundschaft, aber nicht in einer Beziehung. Wenn dir jemand nahekommt, würde diese Person vielleicht merken, wie wenig das äußere Bild mit dem inneren Wesen zusammenpasst. Du spürst, dass du anders bist als andere. Du wärst gerne wie die anderen, aber du kannst es nicht sein, egal, was du versuchst. Anders zu sein als alle anderen, das macht einsam, weshalb du dich versteckst. Du fliehst in eine starke Rolle und in eine Welt, in der du die Kontrolle behalten kannst und von anderen bewundert wirst. Du bist davon überzeugt, dass niemand dich je verstehen kann. Schlimmer noch, vielleicht sind die Menschen ja abgestoßen, wenn sie herausfinden, wie es in dir wirklich aussieht, dass du manchmal gar nicht weißt, was du fühlst. Die Frage „Wie geht es dir?“ kann schlimm sein an Tagen, an denen du es nicht spürst, weshalb du ausweichst und erzählst, was du machst, aber nicht, wie es dir geht. Du sehnst dich nach Liebe, doch du kannst sie nicht aushalten. Du wünschst dir Geborgenheit, doch eine Umarmung fühlt sie wie eine Fessel an. Du möchtest Nähe und stoßt jeden von dir, der versucht, dir nahezukommen. Du bist voller Widersprüche, fühlst dich manchmal zerbrochen. Da du dich nicht retten kannst, rettest du andere. Manchmal musst du deine Grenzen gehen, um dich selbst noch zu spüren, auch wenn es schmerzt. Schmerz ist das, was du am meisten vor der Welt versteckst, doch er ist da, ein abgrundtiefer, bodenloser Schmerz. Du bist überzeugt davon, diesen Schmerz zurecht zu spüren, ihn verdient zu haben, und wenn jemand dir Schmerz zufügt, dann ist das wie eine erlösende Bestätigung, dass die Welt in Ordnung ist. Jedes positive Gefühl, egal ob Freude, Zuneigung, Zufriedenheit, entsteht in deinem Kopf, wird auf situative Akzeptanz überprüft und danach kontrolliert ausgelebt. Negative Gefühle explodieren in dir gleich einem Vulkanausbruch, überrollen dich mit zerstörerischer Intensität. Manche Gefühle hast du völlig aus deinem Leben verdrängt, weil du sie nicht aushalten kannst. Du lebst, aber du fühlst dich nicht lebendig. Du funktionierst wie eine Maschine. All das würdest du niemals einem anderen gegenüber zugegeben, denn niemand soll je erfahren, wie „kaputt“ du wirklich bist. Wer würde sich dann noch mit dir abgeben?“

Mit diesem Selbstbild begann meine Reise.

Meine Beobachtungen und Gespräche mit anderen Betroffenen haben gezeigt, dass andere ähnliche Selbstbilder haben. Die Details mögen variieren, die Grundstimmung bleibt belastend, Widersprüchlichkeiten sind die Normalität.

Kann ein Nicht-Betroffener das verstehen? Vielleicht ist das möglich.

Kann ein Nicht-Betroffener sich einfühlen? Gute Frage.

Kann man Nicht-Fühlen (emotionale Leere) empathisch erfassen?

Man kann einem Sehenden die Augen verbinden, um Blindheit zu erleben. Oder Hörenden die Ohren zustöpseln, um Taubheit zu erfahren. Aber wie vermittelt man emotionale Leere? Den Zustand, sich selbst nicht zu fühlen?

Kann ein Nicht-Betroffener sich das vorstellen, um es zu verstehen?

An dieser Stelle geht es mir nicht darum, verbindliche Antworten zu finden, sondern Denkanstöße zu liefern.

Vielleicht geht es für Nicht-Betroffene auch eher darum zu begreifen, dass Betroffene ihren ganz individuellen Weg finden müssen, um die Herausforderung Borderline zu meistern. Dieser Weg kann sich sehr von dem unterscheiden, was manchmal von Nicht-Betroffenen als notwendig angesehen wird.

Vielleicht geht es für Betroffene darum, nicht länger zu versuchen, „normal“ zu werden – oder das, was gemeinhin als „normal“ tituliert wird – sondern zu lernen, mit sich selbst zurecht zu kommen und zu sein, wer man nun mal ist.

Das war mein Weg zum Erfolg.

Heute lebe ich aus dem Herzen heraus. Fühle unmittelbar und teile, was ich fühle. Ich liebe mich mit allen Ecken und Kanten, Schrammen und Dellen, Falten am Körper, Macken im Geist und Narben an der Seele. Voraussetzung dafür war, mich selbst verstehen zu lernen, die verborgenen Zusammenhänge (oder Ordnung) im Chaos zu erkennen. Zu akzeptieren, dass ich anders bin und immer anders sein werde – und das auch sein darf. Der allgegenwärtige Schmerz wich einer Melange aus Lebensfreude, Dankbarkeit und Zufriedenheit, unterlegt mit Urvertrauen ins Leben und verfeinert mit einer Prise augenzwinkerndem Humor.  

Meine Reise ist noch nicht zu Ende.

Mit offenen Sinnen durchs Leben schreitend, entdecke ich laufend Wunderbares in mir und um mich. Dass ich mich häufig nicht dem kollektiven Jammern über dies oder das anschließe, hat viele Gründe. Einer davon ist, dass ich danach strebe, alles, was mir begegnet, aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Das eröffnet Perspektiven, die andere mitunter übersehen. Außerdem ändert Jammern und Raunzen selten etwas.

Vielleicht bin ich heute für manche noch schwerer zu verstehen als in meiner „dunklen“ Zeit, denn ich habe kein Problem damit, Borderlinerin zu sein.

Manche Menschen sind das Gegenteil von Rechtschreibkoryphäen und sollten sich deshalb beim Schreiben konzentrieren. Andere haben ein Thema mit Zahlen und werden niemals Mathegenies. Meine Herausforderungen liegen im Erkennen und Beachten von Grenzen, im achtsamen Umgang mit mir selbst, im Unterscheiden von dem, was ich bin und was ich von anderen übernehme (emotional, energetisch, mental).  

Meine Reise zu mir selbst lehrte mich, mein Borderline zu verstehen und daraus etwas lebensbejahendes zu machen. Kann ein anderer mich verstehen? Ich finde, das ist gar nicht nötig. Viel wichtiger ist, dass jeder einzelne Mensch – gleich ob Borderliner oder nicht – sich selbst versteht und mit sich selbst im Reinen ist.

Find me …

Diese Aufforderung stelle ich an jede Leserin und jeden Leser, der meine Bücher zur Hand nimmt oder meinen Blog liest.

BETWEEN THE LINES …

Zwischen den unzähligen Worten verstecke ich eine Botschaft: Meine Antwort auf die Frage aller Fragen, nach dem Leben, der Liebe, Beziehungen, wie all das funktionieren kann, mit sich selbst und seinem Umfeld, als Borderliner im Besonderen oder einfach nur als Mensch.

BEHIND THE MIRROR …

Dort fand ich zahlreiche Antworten in den nunmehr über 30 Jahren, in denen ich mich mit Psychologie, Philosophie, NLP, diversen jahrtausendealten Weisheitslehren, alternativen Heilmethoden, unzähligen Selbsterfahrungsstunden, Reflexionen und dem Beobachten der Welt um mich intensiv befasst habe.

Auch die Antwort auf die Frage aller Fragen offenbarte sich mir in dieser Zeit. Ich teile diese Erkenntnis liebend gerne mit jedem Menschen auf dieser Welt, doch das Ganze ist nicht so einfach. Denn es geht nicht nur darum, diese Antwort rational zu verstehen. Wäre es so einfach, würde ich einen Ratgeber nach dem anderen schreiben, diese in die schier endlose Liste von Ratgebern einreihen und mein Werk wäre getan. Doch wie gesagt, es ist nicht so einfach. Der kognitive Verstand kann erkennen, doch was nutzt diese Erkenntnis, wenn das Herz sie nicht fühlen, voller Vertrauen und Überzeugung zustimmen kann?

BEYOND THE SURFACE …

Tief in jedem von uns verborgen ruht jener Teil, den ich mit meinen Geschichten anspreche. Inmitten einer unbewussten Welt aus Bildern und Emotionen vermischen sich Fantasie und Realität. In diesem für viele eher schwer zugänglich Reich liegt der Ursprung all dessen, was wir sind und was uns im Leben widerfährt. Bildlich gesprochen erschaffen wir sowohl unseren Himmel als auch unsere Hölle Tag für Tag selbst. Veränderung ist jederzeit möglich, doch der rationale Verstand ein eher unpassendes Werkzeug dafür.

Vor tausenden von Jahren saßen Menschen rund ums Lagerfeuer und erzählten sich Geschichten, die stets mehr waren als auf den ersten Blick erkennbar war. Sie vermittelten tiefgründiges, aus Erfahrungen gewonnenes Wissen um ihre Welt an die nächste und übernächste Generation, waren Hilfestellung und Orientierung zugleich in einer Welt, die ein einzelner Mensch nicht vollständig erfassen konnte. An dieser Komplexität der Welt hat sich bis heute nichts geändert. Im Gegenteil. Fast scheint es, als würden die Menschen in der Gegenwart wieder verstärkt Fragen stellen, die unsere moderne, auf Oberflächlichkeiten fokussierte Welt nicht beantworten kann.

Erzählen, ohne zu erklären und zu belehren.

Subtile Botschaften verbergen sich bis heute in Märchen, Mythen und Legenden. An diese Tradition schließe ich als Geschichtenerzählerin an und schreibe über meine Antwort, auf die Frage aller Fragen, transportiere meine Botschaft in Form von Bildern und Gefühlen.

Ich schreibe für alle Suchenden und erschaffe dabei ein Universum, in dem jeder für sich Antworten finden kann zwischen den Zeilen … hinter dem Spiegel … jenseits der Oberfläche …

FIND ME … 😉

Lesley B. Strong

Eine [nicht] ganz alltägliche Autorin, Bloggerin & Borderlinerin

A fiery spark of joie de vivre

Das (kleine) Universum von Lesley B. Strong …

*** autobiographisch *** authentisch *** achtsam ***

… stets mit einem wachsamen, humorvollen Blick auf die Kleinigkeiten im Leben, in denen verborgen das Wesentliche schlummert: Der Schlüssel zu Leichtigkeit und Lebensfreude

DIS/CONNECTED – LIEBEN oder LEIDEN? Eine Autobiographie #Borderline … keine Anklage, aber eine Anleitung zu einem tiefgehenden Verständnis. Kein Verharren im Schmerz, sondern ein Plädoyer für Selbstliebe und Lebensfreude.

Buchtrailer DIS/CONNECTED

JAN/A – Eine [nicht] ganz alltägliche Liebesgeschichte … die autobiographische Trilogie einer Reise zu sich selbst und der Aussöhnung mit einem Dämon namens #Borderline in Form einer Liebesgeschichte, die alle Höhen und Tiefen der emotionalen Achterbahn widerspiegelt.

Buchtrailer JAN/A Band 1

EMBRACE – Fühle die Umarmung des Lebens … Geschichten und Gedichte, die in wohlige Gefühle einhüllen wie eine Schmusedecke an einem eisigen Wintertag, heiße Schokolade inbegriffen; wie die Umarmung eines geliebten Menschen; ein Sonnenaufgang nach einer langen, kalten Nacht.  (Neuerscheinung März 2020).

Buchtrailer EMBRACE

JAN/A – Eine [nicht] ganz alltägliche Liebesgeschichte geht weiter … die Fortsetzung meines ungewöhnlichen Selbstfindungstrips und die nächste Runde einer feurigen Liebesgeschichte, die ihresgleichen sucht. Wie einfach wäre doch das Leben, gäbe es den Zweifel nicht.

Buchtrailer JAN/A Band 2

EMBRACE 2 – Fühle die Umarmung des Lebens … Neue Geschichten und Gedichte, die in wohlige Gefühle einhüllen wie das leise Flüstern wogender Baumkronen in einer sonnendurchfluteten Sommerbrise; wie das sanfte Flackern einer Kerze in der Stille eines Abends; der Kuss eines geliebten Menschen; ein Lächeln, das von Herzen kommt.

Buchtrailer EMBRACE 2

BERGGEFLÜSTER – s’Lebn gspiarn … Charity-Bild-Gedicht-Band in österreichischer Mundart, der tiefsinnig und gleichzeitig leichtfüßig das Menschsein in „da grossn Maschin“ reflektiert. Der Reinerlös geht als Spende an die drei Ortsstellen der Bergrettung im Gasteiner Tal.

Hier geht’s zur aktuellen Bibliografie:

AB INS RAMPENLICHT !?!?!?

Ehrlich gesagt, bis heute Morgen wusste ich nicht, was ich diese Woche mit der Welt teilen möchte. Geschehen ist eine Menge, aber irgendwie auch nichts „Neues“.  Nichts, was ich als teilenswert im Sinne von inspirierend eingestuft hätte. Bis ich heute während meiner Morgengymnastik nebenbei in Ö3 (österreichischer Radiosender mit der größten Reichweite im Land) in der Sendung „Frühstück bei mir“ etwas aufgeschnappt habe …

Zu Gast war heute eine Frau (ich nenne hier bewusst nicht ihren Namen) mit einer außergewöhnlichen Lebensgeschichte. Als 10-jährige entführt, verbrachte sie 3.096 Tage in einem Kellerverlies, bis ihr im Alter von 18 Jahren die Flucht gelang. Über ihre Erlebnisse in dieser Zeit und ihre Strategien, all dies zu überleben, schreibt sie Bücher und tritt in der Öffentlichkeit auf.

Hier sind wir auch schon beim Punkt angekommen.

Öffentlichkeit = Rampenlicht.

Im Laufe der Sendung gab es etliche positive Rückmeldungen, aber auch Stimmen, die meinten, sie würde sich zu sehr ins Rampenlicht drängen. Eine Frage, die ich mir auch hin und wieder stelle: Dränge ich mich mit meiner Geschichte ins Rampenlicht?

Für mich persönlich waren Menschen, die außergewöhnliches erlebt haben, stets eine Inspiration. Ich weiß noch, dass ich 2x in meinem Leben einen (denselben) Menschen getroffen haben, der mich stark beeindruckt hat. Es lagen Jahre dazwischen, der Kontext war völlig unterschiedlich, doch der Mensch war derselbe: geboren als sogenanntes „Contergan-Baby“, also mit extrem verkürzten, verstümmelten Gliedmaßen, war dieser Mensch für nahezu alles (Essen, Trinken, Körperhygiene, Kleidung) auf fremde Hilfe angewiesen … und strahlte eine unglaubliche positive Energie aus, hatte einen Job (PC-Arbeit mittels eines Stiftes, den er im Mund hielt), Freunde und ging gerne aus. Wir waren gemeinsam auf einem Konzert. Keine Spur von Opfer, Anklage, Selbstmitleid …

Jahre später traf ich auf einen, dessen Heimfahrt von der Disco im Krankenhaus endete: Querschnittlähmung. 18 Jahre, kaum noch gelebt, und der nach einer schweren Zeit sich selbst wieder aufgebaut hat und danach mehrfacher Olympiasieger wurde. Mit so einem Menschen von Angesicht zu Angesicht zu sprechen, ließ mich spüren: der braucht keine Selbstdarstellung. Der war ganz unten und hat sich selbst wieder raufgearbeitet. Der will weder protzen noch was verstecken. Der lebt, was er ist und will als das, was er ist, wahrgenommen werden.

Genauso geht es mir heute. Ich mag nicht so bekannt sein, wie die Frau im Radio (zumindest hat der Rundfunk bei mir noch nicht angefragt 😉) oder der Olympiasieger, aber ich bin, wer ich bin. Erzähle meine Geschichte ungeschminkt, ungeschönt; will weder protzen noch was verstecken. Will gesehen werden als die, die ich bin.

Rampenlicht ist tückisch. Stehst du mittendrin, blicken dich alle an. Erlischt es, sieht dich meistens niemand mehr.

Meine Reichweite mag überschaubar sein, dennoch gelingt es mir hin und wieder, Menschen zu inspirieren, zu motivieren. Manche begleite ich eine Zeit lang, andere kreuzen einmalig meinen Weg und ich erfahre nie, was daraus wurde, aber ich bin überzeugt, dass nichts ohne Wirkung bleibt in diesem Universum. Jeder „Impact“ löst etwas aus. Jede Begegnung bringt etwas in Bewegung, früher oder später, mehr oder weniger, in diese oder jene Richtung. Keine zwei Teilchen können im Universum aufeinandertreffen, ohne sich wechselseitig zu beeinflussen – warum sollten es zwei Menschen können? – Rampenlicht hin oder her.

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WORUM ES IM LEBEN WIRKLICH GEHT (2)

… das ist meiner bescheidenen Meinung nach die Grundhaltung. Egal, was rundum ist, ob absolutes Chaos oder Friede-Freude-Eierkuchen, ob die Menschen mich mögen oder nicht, ich mache mir eines stets aufs Neue bewusst:

Ich lebe! Ich atme, fühle, kommuniziere … auf welche Weise auch immer, ich bin mit der Außenwelt in Interaktion und kann mich entscheiden, was ich in diese Welt und zu den Menschen hinaussende.

Jammere ich anderen die Ohren voll über (für mich) Unveränderliches? Finde ich Schuldige und übernehme die Rolle von Ankläger-Henker-Richter in Personalunion? Trage ich meines dazu bei, den Haufen menschlicher Negativität ein Stückchen wachsen zu lassen? Nutze ich die öffentliche Bühne um mich als Opfer zu zelebrieren?

Oder (und an dieser Stelle bremse ich meinen Drang zur Theatralik ein, um die Aufzählung in einem überschaubaren Bereich zu halten, denn … ganz ehrlich, mir würde noch so einiges einfallen 😉) entscheide ich mich, Botschaften nach außen zu senden, die Hoffnung schenken, die inspirieren, die das Herz berühren, die Kraft verleihen und das Vertrauen stärken in das Leben, die Menschen, mich selbst.

Paul Watzlawick sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Dem stimme ich voll und ganz zu.

Die sozialen Medien verleihen jeder einzelnen Stimme eine schier grenzenlose Reichweite. Meine Worte können 24/7 rund um den Globus von jedem vernommen werden, der über Internetzugang verfügt.

Welch eine Macht!

Welch eine Verantwortung! … mehr denn je!

Wirklich jede und jeder von uns trägt zu dem Bild bei, das in diesem Augenblick entsteht, dass sich in den Köpfen unzähliger Menschen manifestiert, dabei ihre Gedanken, Gefühle und Handlungen beeinflusst.

Stell dir vor, was geschehen würde, wenn ab sofort nur noch lebensbejahende Botschaften geteilt würden?

Die Menschheit steht vermutlich vor ihrer bislang größten Herausforderungen, diesen Planeten als Lebensraum für sich zu erhalten, das längst überholte Konzept von Krieg abzuschaffen, um mittels Kommunikation und Kooperation zu einem friedvollen Miteinander zu finden, in kulturellen Unterschieden nicht die Grenzen, sondern verbindende Vielfalt zu erkennen. Dazu noch all die „kleinen“ persönlichen Herausforderungen.

Wir haben echt viel vor uns.

Wäre es da nicht angebracht, Mut zu machen? Worte und Bilder zu teilen, die uns darin bestärken, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten?

Es ist ähnlich wie mit der Schwerkraft. Ganz gleich, ob du daran glaubst oder verstehst, wie sie funktioniert, sie wirkt und hält dich am Boden (der Realität). Ob du nun daran glaubst oder verstehst, wie es funktioniert, jedes deiner Worte wirkt in dieser Welt, deshalb … wähle deine Worte mit Bedacht. Sie sind der Samen, den du in der Gegenwart auf die Reise schickst und aus dem die Zukunft erwächst.

Bild: pixabay.com

(UN)BEQUEME ANTWORTEN

Mein Neuausrichtungsprozess führte mich an jene Stelle, die auf dem Bild zu sehen ist. Wunderschöne Aussicht an einem Novembertag, kurz nachdem sich der Nebel gelichtet hat, die Sonne ihre wärmenden Strahlen auf mein Gesicht warf. Alles wunderbar – bis auf ein paar kreisende Gedanken, die mich beschäftigten und Fragen danach aufwarfen, warum ich mich unrund fühlte.

Da gibt es einige Menschen in meinem Leben, die verursachen, dass ich Teile von mir nicht oder nur eingeschränkt auslebe.

Das ist die bequeme Antwort.

Da gibt es einige Menschen in meinem Leben, denen gegenüber ich einige Teile von mir nicht oder nur eingeschränkt auslebe, weil … (folgt weiter unten).

Das ist die unbequeme Antwort.

Wer mag schon unbequeme Antworten? Die Ursache für mein Unrund-Sein anderen in die Schuhe zu schieben, ihnen die Verantwortung umzuhängen, das wäre so einfach, so bequem, so gewohnt und erlernt. Immerhin wuchs ich in einem Umfeld auf, das grundsätzlich die Verantwortung für jeden Missstand nach außen projizierte.

Aber ich mache es mir nicht (mehr) so einfach.

Der Haken am bewussten Leben ist nämlich, hin und wieder sich mit unbequemen Antworten zu befassen.

Mich in meinem Ich-Sein selbst zu beschränken ist übrigens eine Form der Selbstverstümmelung, nur mal nebenbei erwähnt. Es gibt viele unterschiedliche Arten der Selbstverletzung, die keinerlei sichtbare Narben am Körper hinterlassen, aber tiefe Spuren in der Seele und Psyche.

Warum also schränke ich mich manchen Menschen gegenüber ein und unterdrücke mein Ich-Sein?

Die Antwort auf diese Frage ist unbequem: Angst – vor Ablehnung, Zurückweisung, negativem Feedback etc etc etc …

So richtig unbequem wird es, wenn zu diesen Menschen eine tiefe emotionale Beziehung besteht, dann könnte es nämlich wehtun. Man könnte vereinfacht sagen, ich weiche einem potenziellen Schmerz (Verletzung durch das Gegenüber) aus, indem ich einen garantierten Schmerz (Selbstverletzung) auslöse. Genug Konjunktiv.

Wenn es etwas in diesem Universum gibt, das etwas unnötig komplizieren kann, dann ist der Mensch – mich eingeschlossen!

Während ich auf einer Bank in der Sonne saß, blickte ich auf eine (un)bequeme Antwort, schüttelte den Kopf über mich selbst und entschied mich, einfach mehr auf die Menschen zu vertrauen und auf mich selbst, mit dem klar zu kommen, was auch immer da kommen mag.

VERTRAUTE FREMDE GEFÜHLE

Vor einigen Tagen geschah etwas, das ich nun erstmalig in Worte zu fassen versuchen. Es war eines dieser Ereignisse im Leben, die einen völlig unvorbereitet treffen und nach denen nichts mehr so ist wie zuvor.

Zu Beginn war da eine gewisse Unruhe, die sich maskiert hinter Überlastung (wann arbeite ich eigentlich nicht zu viel?) anschlich. Darauf folgten destruktive Gedanken, der Drang heftige Reaktionen im Umfeld (=Ärger) zu provozieren – und dann war es plötzlich da, dieses vertraute, fremde Gefühl zu sterben. Damit meine ich nicht den Wunsch zu sterben. Todessehnsucht hat damit nichts zu tun. Es war auch keine Panikattacke, sondern das Gefühl, in diesem Augenblick zu sterben. Eine Gewissheit, die ich bereits öfters erlebt hatte und – nachdem ich immer noch hier bin – auch überlebt hatte. Doch diesmal war etwas anders.

Plötzlich tauchte eine alte Erinnerung aus den Untiefen meines Unterbewusstseins auf. Ich an der Schwelle zwischen Kind und Teenager, ziemlich überfordert mit mir selbst, die so anders war in ihrem Denken und Fühlen als alle anderen rundum. Mein Vater, der auf dem Bett lag, im Krankenhaus, wenige Tage vor seinem Tod. Speiseröhrenkrebs im Endstadium. Sein ausgemergelter Körper, der nur mehr ein Schatten seiner selbst war, lag apathisch vor mir, zugedröhnt vom Morphium, das die Schmerzen ausschalten sollte, und gleichzeitig seinen Geist lahmlegte. Doch er fühlte etwas, spürte seinen bevorstehenden Tod. Dessen bin ich mir sicher, denn ich fühlte es auch. Dieses Gefühl drang ich mich ein, überrollte mich und blieb gleichzeitig hängen. Ab und an kehrte es zurück. So wie vor einigen Tagen. Ein übermächtiges Gefühl, das absolut nichts mit der gegenwärtigen Realität zu tun hatte.

Erstmalig offenbarte es seinen Ursprung, lud mich ein, der Dunkelheit ins Angesicht zu blicken und zu erkennen, dass dieses vertraute Gefühl doch ein fremdes war, welches ich übernommen hatte in meiner kindlichen Unerfahrenheit darin, mich selbst zu schützen. Es fiel von mir ab, an diesem Abend vor wenigen Tagen. Erklären lässt sich das nicht, nur schildern. Ich weiß auch nicht, was genau geschah, nur dass ich mich danach unbeschreiblich (er)leicht(ert) fühlte, voller Energie und Lebensfreude.

Ende gut, alles gut?

Warum ich erst Tage nach diesem Ereignis darüber schreibe, hat einen Grund: ganz so „vorbei“ ist es nicht, denn es folgte das „danach“. Ich versuche mich an einem bildhaften Vergleich.

Stell dir eine große Schale mit bunten Glasmurmel vor. Inmitten der unzähligen Murmeln liegt ein schwerer, dunkler Stein. Eines Tages wird der Stein von etwas außerhalb der Schale magnetisch angezogen und siehe da, er verschwindet. In der Schale bleiben nur die bunten Murmeln zurück. Doch keine von ihnen befindet sich noch an dem Platz, an dem sie zuvor war. Alle Murmeln wurden durch die Entfernung des Steins ebenfalls in Bewegung versetzt. Genau an diesem Punkt befinde ich mich jetzt.

Das übernommene Gefühl, das so viele Jahre Platz in mir gewohnt hat, gab seinen Platz frei. Die gewohnte Ordnung ist durcheinandergeraten und dabei, sich neu auszurichten. Dadurch verändert sich auch der Blickwinkel auf manches. Dafür braucht es Zeit und Energie. In meinem Fall auch einen temporären Rückzug aus der Hektik des Alltags, um diesem Prozess Raum zu geben.

Früher gehörte ich zu denen, die ihren Fokus auf das Problem und dessen Auflösung lenkten, ohne zu beachten, was danach folgt. Kam nach dem anfänglichen Hype über das Gelöste eine Phase der Energielosigkeit, stufte ich das als Misserfolg ein. Doch das war es nicht. Ganz im Gegenteil. Es war die Phase der Neuausrichtung, die ich all zu oft zu ignorieren versuchte und mich „durchkämpfte“.

Heute gönne ich mir (zugegeben: mit einigen Tagen jobbedingter Verzögerung) eine Zeit des Rückzugs in die Stille, um das Geschehene wirken zu lassen. Vor 39 Jahren übernahm ich ein fremdes Gefühl, trug es in mir, gab ihm Raum und Leben. Sein Verschwinden wird keine Lücke in mir hinterlassen, ganz im Gegenteil, denn in mir finden sich viele wundervolle Gefühl, die sich nun zu einem neuen Bild in mir ordnen.

In mir höre ich die Worte von Lucy, die x-mal zu mir sagte: „Learn zu distingiush“ (Lerne zu unterscheiden). Nicht alles, was vertraut ist, ist auch das eigene. Was bist du, was bist du nicht?

Ich denke, in der ersten Lebenshälfte sind wir alle damit beschäftigt, zu wachsen, zu werden, etwas aufzubauen. Dabei bleibt häufig die Unterscheidung auf der Strecke. Ab der Lebensmitte geht es (nach einigen philosophischen Lehren) darum, das eigene und zu sich selbst zu finden. Aus all dem, was zuvor an- und übernommen wurde, jenes herauszufiltern, das zu einem selbst gehört. Rückblickend stelle ich fest, dass ich knapp nach meinem 50er damit begann, meine Leben zu vereinfachen, mich von Überholtem und Überflüssigem zu trennen, Ballast abzuwerfen, sowohl physisch als auch psychisch und … emotional.

Fremde Gefühle – so vertraut sie auch sein mögen – dürfen an ihren Ursprung zurückkehren, damit ich werden kann, wer ich bin, immer war und immer sein werde.

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SEUCHE BORDERLINE?

Ein provokanter Titel, ich weiß, aber meine diesbezüglichen Gedanken sind nicht minder provokant. Durch die vergangenen Wochen zieht sich für mich ein roter Faden: die Borderline-Diagnose. Entweder sie betraf die Menschen direkt oder ihr unmittelbares Umfeld, entweder hatte ich diese Menschen eben erst kennengelernt oder kannte sie bereits seit Jahren. Immer häufiger habe ich den Eindruck, niemanden mehr zu kennen, der nicht in irgendeiner Weise davon betroffen ist.

Ernüchternd?

Und wie!

Deshalb hier ein paar Gedanken dazu.

Nimmt die Zahl der Borderliner zu?

Aus meiner Sicht: Ja. Da nur wenigen der Ausstieg (also die „Heilung“) gelingt und gleichzeitig jedes Jahr neue Fälle dazukommen (weil ja mehr Menschen geboren werden als im gleichen Zeitraum sterben), wächst der Anteil an Borderline-Betroffenen in der Bevölkerung automatisch.

Sind immer mehr Menschen psychisch krank bzw. gestört?

Jein. Für mich hat es eher damit zu tun, dass unsere Gesellschaft extrem fordernd geworden ist, immer weniger „Verletzlichkeit“ toleriert und damit zwangsläufig die Zerrissenheit zwischen dem, was man sein sollte und dem, was man ist, fördert.

Wenn ich die klassischen Borderline-Symptome hernehme, beginnend bei mangelndem Selbstwert, Überlastung durch Eigen- und Fremdausbeutung, Schwarz-Weiß-Denken, Angst vor dem Verlassenwerden, Identitätsverlust (Wer bin ich eigentlich, wenn ich nicht mehr versuche zu sein, was andere von mir erwarten?), extreme Emotionalität und Stimmungsschwankungen, Depressionen … mal ehrlich, auf irgendeine Weise ist jeder Mensch irgendwann in seinem Leben davon mehr oder weniger betroffen. Ein Test zum „richtigen“ Zeitpunkt wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine entsprechende Diagnose bringen.

Und was dann?

Therapie, Psychopharmaka, endlose Selbstzweifel unter dem Stigma der Diagnose, an einer Störung zu leiden. Danach folgt Ursachenforschung (= Wühlen in der Vergangenheit), hoffentlich auch Lösungsansätze kreieren (= Tools für die Gegenwart und Strategien für die Zukunft). Alles schön und gut, aber …

… wer therapiert die Gesellschaft, die ihren Beitrag dazu leistet? (Stichwort: Fremdausbeutung). Die jungen Menschen keine Chance bietet, sobald Narben an den Armen sichtbar sind. Die Narben in der Seele sehen hingegen nur wenige. Wie auch? Um die zu erkennen, muss man mit dem Herzen blicken.

An dieser Stelle könnte ich noch lange argumentieren, ein aufwühlendes Plädoyer verfassen … oder es auf den Punkt bringen, den ich wahrnehme:

Borderline ist schlimmer als eine Seuche, es ist ein Spiegel unserer gegenwärtigen Gesellschaft, in der …

  • … im Idealfall alles kontrolliert läuft, jeder Mensch wie eine Maschine zu funktionieren hat, für „Menschliches“ viel zu wenig Platz bleibt.
  • … Krankheiten all zu oft auf Symptome reduziert werden, vielleicht noch auf den Körper als Ganzes, aber Gefühle? Die Seele?
  • … die Existenz einer Seele gerne in Frage gestellt wird, weil nicht wissenschaftlich erklärbar. Oder als esoterisch abgestempelt.
  • … in der sich ganz viele selbst am nächsten sind, häufig gar nicht böswillig, sondern einfach aus der Angst heraus, etwas zu verlieren, wenn sie ihre Arme und Herzen öffnen.
  • … in der es an Vertrauen mangelt. Wie könnte es auch anders sein, bei all dem, was rundum geschieht. Wer nicht aufpasst, wird über den Tisch gezogen, betrogen, ausgenutzt.
  • … in der die Seele verkrüppelt im ständigen Misstrauen, das Herz versteinert, der Mensch krank wird und seine Psyche eine eigene Hölle des Schmerzes erschafft.
  • … in der die meisten Menschen bedürftig sind an Zuwendung, Anerkennung, Liebe, Geborgenheit, nur noch wenige in der Lage sind, all dies für sich selbst zu empfinden und es anderen weiterzugeben OHNE etwas dafür im Gegenzug zu erwarten.

Unsere Gesellschaft hat verlernt, was es bedeutet, Mensch zu sein. Im Gegensatz zu früheren Zeiten werden die Menschen heute allerdings nicht durch Kriege oder Hungersnöte abgelenkt. Wenn die Bedrohung für Leib und Leben wegfällt, tritt die Frage nach dem „wofür?“ in den Vordergrund.

Sinn und Sein.

Wer bin ich? Was ist der Sinn meines Lebens?

Zwei der wichtigsten Fragen überhaupt, denn in ihren Antworten findet sich – meiner Erfahrung nach – genau jenes, das es braucht, um aus der Borderline-Achterbahnfahrt auszusteigen und zurück in die Umarmung des Lebens zu finden.

Ist Borderline heilbar?

Meine persönliche Erfahrung: JA! Wenn man in sich hineinspürt, die eigene Bedürftigkeit entdeckt und lernt, diese zu erfüllen, aus sich selbst heraus. Nebenbei fand ich heraus, wer ich bin, was der Sinn meines Lebens ist und wie ich mit all dem, was in mir ist, ein wundervolles Leben führen kann.

Krise und Chance gehen stets Hand in Hand. Borderline kann ein Fluch sein – oder ein Segen, weil es wachrüttelt, sich den wirklich wichtigen Fragen des Lebens zu stellen, aufzuwachen, bewusst zu werden, sich als Mensch weiterzuentwickeln. Nicht zu reagieren, sondern zu agieren. Nicht zu überleben, sondern zu leben, lebendig zu sein im Augenblick, im Hier und Jetzt.

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