WIE ICH LERNTE ALLEIN ZU SEIN, OHNE MICH EINSAM ZU FÜHLEN …

… das sind nämlich zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe: Allein oder einsam. Letzteres strebt wohl kaum jemand an. Gleichzeitig ist Ersteres eine wichtige Voraussetzung für vieles andere. Aber der Reihe nach …

Früher – und das ist noch nicht so lang her, wie es jetzt vielleicht klingen mag – gehörte ich zu den Menschen, die nicht gerne allein mit sich selbst Zeit verbringen. Obwohl es oft genug vorkam, dass mir Menschen einfach nur noch den Nerv zogen und ich mich am liebsten weit weg von allen in einer Hütte im Nirgendwo verkrochen hätte, wollte ich das nie ganz allein tun. Jemand sollte schon noch da sein, weil so ganz allein wollte ich dann doch nicht sein. Rückblickend und nüchtern betrachtet, wich ich damit sehr lange einem entscheidenden Punkt aus, nämlich mich mit mir selbst zu befassen.

So ganz alleine im Nirgendwo – das konfrontiert einem schon mit sich selbst auf die ganz harte Tour. Wem hätte ich die Schuld dafür umhängen können, mies gelaunt zu sein? Nur mir selbst. Außerdem machte es mir schmerzlich bewusst, wie leer und hohl ich mich fühlte, wie wenig ich mich selbst wahrnehmen konnte, wie anders ich war und bin. Anders bedeutete nicht dazugehörend. Einsam unter vielen. Wer will das schon sein? Wer kann sich das eingestehen, ohne daran zu zerbrechen? Dem wich ich lange konsequent aus. Andere Menschen rundum bedeuten immer auch Ablenkung, bieten reichlich Gelegenheit, sich mit deren Problemen zu befassen, anstatt auf die eigenen zu blicken. Es gab viele Gründe für mich, das Alleinsein zu meiden.

Darunter auch meine Aversion gegen Stille. Ruhe rundum machte den Lärm (Tinnitus) in mir erst so richtig hörbar und störend, weshalb ich stets auf eine gewisse Geräuschkulisse in meinem Umfeld achtete – nur um nicht den Lärm in mir zu hören. Oder meine eigene Stimme, meinen Dämon (à Begriffsklärung: „Dämon“ in der antiken Bedeutung = hilfreiches Geistwesen). Wie ich nämlich im Laufe der Zeit feststellen durfte, hängt mein Tinnitus unmittelbar vom Stresspegel in mir ab. Sinkt dieser, wird es auch leiser. Aber um das erst einmal zu bemerken, musste ich ruhig werden. Und dazu wiederum musste ich allein sein, denn solange Menschen rundum mich sind, nehme ich diese auch auf eine Weise wahr, die schwer zu erklären ist. Ich versuche es hier mit einem Bild:

Stell dir ein Glas Wasser vor, das auf einem Tisch steht. Stößt jemand gegen den Tisch, beginnt sich das Wasser zu kräuseln. Je heftiger der Stoß, desto heftiger die Schwingungen des Wassers. Ähnlich dem Wasser in dem Glas versetzt mich die Emotionalität (gelebt oder unterdrückt) anderer Menschen in Schwingung. Solange es „Good Vibrations“ sind, habe ich dagegen auch keinerlei Einwände, aber es gibt nicht nur „Good Vibrations“ da draußen, weshalb das Wasser (oder ich) nie völlig ruhig werden kann in der Umgebung von Menschen. Wobei – Ausnahmen bestätigen die Regel: es gibt ganz wenige Menschen, da gelingt es trotzdem. Vielleicht weil wir auf einer Wellenlänge schwingen. Das werde ich künftig noch ergründen.

Jedenfalls führt der Weg in die Ruhe und Entspannung für mich durch das Alleinsein. Also durch etwas, was ich früher nicht ausgehalten habe. Ich sehnte mich nach Ruhe, nach Geborgenheit, wollte den ganzen Lärm und Stress rundum hinter mir lassen, und gleichzeitig entstand genau durch diese Ruhe eine andere Form von Lärm und Stress in mir. Tricky, nicht wahr?

Aus diesem fiesen Kreislauf fand ich – mehr oder weniger – nur durch Zufall (oder Schicksal? Bestimmung?) heraus. Als ich meine inneren Konflikte beendete und begann, mich so anzunehmen, wie ich bin (inklusive meines mittlerweile geliebten Dämons – ohne ihn könnte ich vermutlich niemals solche Geschichten schreiben, wie ich es heute tue), wurde es ruhig in mir. Eine kraftvolle Stille, in die ich mich gerne fallen lasse und es genieße, allein zu sein, mit mir selbst, nur meine eigene Schwingung zu fühlen, meine eigene Melodie in mir zu hören, einfach nur ich zu sein.

Ich mag Menschen nach wie vor und verbringe auch gerne Zeit mit und unter Menschen, ebenso wie ich gerne Zeit mit mir selbst verbringe.

So wie ich das sehe, ist die Fähigkeit, mit sich selbst allein sein zu können, die Basis, um mit anderen Menschen zusammen sein zu können, ohne diese mit Erwartungshaltungen einzudecken – sowie Vorwürfen, Anklagen und Schuldzuweisungen, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.

Erwartungshaltungen können echte Beziehungskiller sein.

Ich bin eine Vollblut-Romantikerin mit einem Faible für ein romantisches Happy End zu zweit vor einem flammenden Sonnenuntergang, ABER ich erwarte nicht (mehr), dass ein einzelner Mensch alle meine Defizite und unbearbeiteten Themen ausgleicht, mir damit quasi meine Lebensaufgabe abnimmt (… denn damit würde ich „mein eigenes Leben aufgeben“ … man beachte die Mehrdeutigkeit!) und die Verantwortung für mein Wohlbefinden und Glück übernimmt.

Wenn ich etwas in den letzten Jahren gelernt habe, dann das:

Ich lehne mich gerne mal an den Menschen an meiner Seite an, und frage auch ab und an nach Hilfe, aber für meine Herausforderungen (oder umgangssprachlich: Probleme) übernehme ich die volle Verantwortung und kümmere mich selbst darum, weil nur ich ALLEIN in mir etwas verändern kann. Und alle unsere Probleme beginnen in uns mit der Entscheidung, ob wir etwas als Problem betrachten … aber das ist eine andere Geschichte, die ich demnächst wieder einmal in ihrer Vielfalt beleuchten werde 😉

Im Gegensatz zur Einsamkeit, kann Alleinsein eine Quelle der Kraft und Inspiration sein.

Als mir bewusst wurde, das ich in mir bereits alles habe, um mein Leben zu meistern, allem voran die Stärke, mit mir selbst allein zu sein, schrieb ich mir diese Stärke auf meine Fahnen und wurde Lesley B. Strong, die Geschichtenerzählerin, die in der Stille des Alleinseins eine schier unergründliche Tiefe des Fühlens erlebt und diese über aneinander gereihte Worte mit anderen teilt. Was genau genommen dazu führt, dass ich eigentlich nie allein bin. Räumlich vielleicht, aber über meine Geschichten bin ich stets auch mit jeder Leserin und jedem Leser verbunden, weit über alle räumlichen und zeitlichen Grenzen hinweg.

Systemisch betrachtet ist niemand von uns je allein, denn wir sind alle eingebunden in etwas Größeres. Wir können unsere Körper für begrenzte Zeit an einen Ort fernab anderer begeben, doch das ändert nichts daran, dass wir über Beziehungen, Gefühle und Gemeinsamkeiten verbunden sind. Was im Außen relativ einfach zu erkennen ist, gilt es in uns als Wahrheit zu fühlen: auch im Alleinsein mit „allem eins zu sein“.

Insofern ist Einsamkeit nur die Illusion eines Geistes, der sich noch nicht selbst gefunden hat.

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WIE ICH LERNTE, HILFE ANZUNEHMEN …

Bevor ich mich diesem unglaublich wichtigen Thema widme, ein paar Sätze zur Entstehung: Ich würde ja gerne behaupten, dass meine Themenwahl durchdacht und geplant ist, doch das wäre gelogen. Im Gegensatz zur weitaus vorausschauenden Planung im Job, überlasse ich es als Autorin, Bloggerin und Lebensphilosophin dem Leben selbst, mir die Inspiration für meine Beiträge zu liefern. Manchmal sind allerdings auch unerfreuliche Ereignisse und der dazu von mir verfasste Beitrag ein Weg, meine eigene Rolle im Leben besser zu verstehen.

Aktuell geht es um das Thema Hilfe und Hilfestellung. Es gibt mehrere Menschen in meinem Leben, die eine schwierige Zeit durchleben, persönliche Krisen, gesundheitliche Probleme, manche wie aus dem Nichts auftretend, andere die sich über längere Zeit abgezeichnet haben, was sie jedoch nicht weniger herausfordernd macht. All dies mitzuerleben, quasi daneben zu stehen und nichts tun zu können, außer Hilfe anzubieten in der Hoffnung, dass sie angenommen wird, doch wenn nicht, einfach nur zum Zuschauen verdammt zu sein, ist eine der härtesten Prüfungen, die das Leben mir auferlegen kann. Deshalb schreibe ich mir hier heute einiges von der Seele.

Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche.

Ganz im Gegenteil. In meinem Verständnis ist das Annehmen von Hilfe ein Anerkennen der Tatsache, das wir alle nur Menschen sind, die irgendwann an ihre Grenzen stoßen, die nicht alles beherrschen und – zum Glück – weit weg von „perfekt“ funktionieren.

Diese Einsicht gewann ich vor gar nicht allzu langer Zeit. Davor residierte ich auch im Lager jener, die es unbedingt allein hinbekommen wollten, obwohl ich oft genug lautstark konstatierte, dass „mir alles zu viel wäre“, doch Hilfe nahm ich nicht wirklich an. Mir ging es mehr darum, Anerkennung für meinen Einsatz, meine Leistungsbereitschaft, mein Ertragen des scheinbar Unerträglichen zu bekommen. Hilfe annehmen? Mir Last abnehmen lassen? Schwach und unfähig erscheinen? Das verinnerlichte Selbstbild der Wertlosigkeit erfüllen? Nie und nimmer … so ungefähr lässt sich meine frühere Einstellung zusammenfassen.

Gleichzeitig war ich stets sehr hilfsbereit und bemüht, wenn es darum ging, anderen etwas abzunehmen. Manchmal auch ungefragt. Hilfe anbieten … das fühlte sich gut an. Es machte mich groß und stark, vermittelte mir also genau jenes Gefühl, das ich NICHT in mir trug. Selbstverständlich erlag ich dabei der mehrfachen Selbsttäuschung.

Wenn ich heute all die Facetten dieser Illusion betrachte … mich selbst klein machen, um mir etwas aufbürden zu können, das mir ein Gefühl von Größe und Stärke verleiht … dabei ignorieren, das ich längst groß und stark war, weil ich sonst nie all das hätte schaffen können, was ich geschafft habe … und all dies, um von anderen etwas zu bekommen (Anerkennung), was ich längst schon bekam, ohne es jedoch erkennen zu können, weil ich die Sprache (der Anerkennung) noch nicht zu sprechen gelernt hatte (im inneren Dialog mit mir selbst) … gruselt mir manchmal vor unserer zutiefst menschlichen Fähigkeit, unsere Hölle auf Erden selbst zu erschaffen – in unseren Köpfen und unseren Leben.

Wie lernte ich also, Hilfe anzunehmen?

Es brauchte dafür zwei Faktoren, die zeitgleich eintraten (im Juli 2020):

Einerseits zog mir das Leben sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg, warf mich mitten in der dramatischsten Veränderung meines Lebens über eine Treppe und verpasste mir einen Liegegips mitten in der Übersiedelung, die aus einer Notsituation heraus geschah und keinen Aufschob duldete. Nur ein Schritt – und plötzlich war ich auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen, konnte mich nicht einmal allein von A nach B bewegen. Ich musste in einem emotionalen Ausnahmezustand um Hilfe bieten und erwartete damals vieles, aber keinesfalls die rasche und vielfältige Unterstützung, die ich von rundum erhielt.

Andererseits landete ich in einem neuen Umfeld, in dem ich zum ersten Mal in meinem Leben so angenommen wurde, wie ich bin, ohne Vorwürfe, Ablehnung, Beschränkung oder sonstiges in der Art zu erfahren.

Es fällt wesentlich leichter, um Hilfe zu bitten und diese auch anzunehmen, wenn dies keinen „Imageverlust“ nach sich zieht, sondern man weiterhin wertgeschätzt und respektiert wird; wenn das Annehmen von Hilfe als kluge Entscheidung und nicht als Eingeständnis von Unfähigkeit verstanden wird. Und wenn die Helfenden sich nicht als „die Besseren und Stärkeren“ darstellen, sondern als Helfende auf Augenhöhe, denen bewusst ist, das sie es vielleicht sind, die morgen schon Hilfe von anderen brauchen könnten.

Unzählige Male habe ich es schon (insbesondere in meinem beruflichen Umfeld) erlebt, das Menschen zu verbergen versuchen, wenn sie nicht mehr wissen, wie es weitergehen soll oder alles zu viel wird – häufig genau aus dieser Angst vor einer Gefällebildung (die es zwischen Eltern und Kindern tatsächlich gibt, aber zwischen Erwachsenen eine „ungesunde“ Verschiebung bilden) oder dem Abgleiten in ein Abhängigkeitsverhältnis. Viel zu oft musste ich auch den folgenden Zusammenbruch miterleben. Ich frage mich oft, ob es verhindert hätte werden können. Besonderes wenn es Menschen trifft, zu denen ich eine persönliche Beziehung habe. Für mich bedeutet Beziehung immer auch eine Art von Verantwortung im Sinne von „hab ein Auge auf den anderen und sag, wenn dir auffällt, dass etwas in die falsche Richtung läuft“. Daneben zu stehen und zusehen zu müssen, wie der eingeschlagene Kurs in den Crash führt, ist schrecklich für mich. Heute verstehe ich, wie schlimm es damals für mein Umfeld gewesen sein muss, mir dabei zuzusehen. Hilfe wurde mir seinerzeit vielfach angeboten, doch ich konnte sie nicht annehmen.

Hilfe anzunehmen ist ein Teil der Selbstsorge …

… für mich geworden, denn ich kann nicht alles selbst können. Ich kann vieles, aber nicht alles. Und auch nicht endlos. So, wie ich gelernt habe, Hilfe anzunehmen, habe ich auch gelernt, vor allem im Job manches zurückzuweisen, was meine Ressourcen überschreitet.

Im Juli, als ich den stürmischen Wellen des Schicksals zu versinken drohte, sagte mein Sohn zu mir: „Das schaffst du allein nicht. Bitte um Hilfe. Die Menschen sind hilfsbereiter, als du denkst. Du musst nur danach fragen.“

Er hatte Recht.

Mehr noch. Weder verlor ich an Achtung oder Respekt, noch schätze mich danach jemand als schwach oder bedürftig ein. Ganz im Gegenteil. Einige Freundschaften vertieften sich sogar, weil meine Maske fiel. Die Maske der „unerreichbaren Perfektionistin“, die alles ohne Hilfe anderer hinbekommt und die stets auch einen unangenehmen Beigeschmack vermittelte: besser zu sein. Ohne es zu wollen, wurde ich schon mal als arrogant wahrgenommen, weil ich mir nicht zugestand, Schwächen zu zeigen oder eben um Hilfe zu bitten.

Um Hilfe zu bitten macht uns menschlich, denn genau das tun Menschen, wenn sie nicht weiterwissen: Sie bitten andere um Hilfe.

Es ist durchaus ein Zeichen von Reife, die Annäherung an die eigenen Grenzen zu erkennen und daher fast schon „weise“, zeitgerecht um Hilfe zu bitten.

Oder wie es ich es gerne auch ein wenig philosophisch formuliere: „Du kannst nicht größer sein als du dir eingestehst, klein zu sein.“

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DAS GUTE AN 2020 – ZEIT, DEN BLICKWINKEL ZU ERWEITERN

Am 07. Jänner 2020 postete ich einen Beitrag mit dem Titel „Quo vadis“. Damals war dieses Jahr noch jung und unschuldig, noch frei von Krisen und Umbrüchen – zumindest für mich. Die letzten Zeilen des damaligen Beitrags waren folgende:

„Ich schreibe über mein Leben mit Borderline in all seinen Facetten. Manchmal schildere ich dabei schmerzhafte Emotionen und dunkle Momente, doch ich werde meine Geschichten niemals darin enden lassen und immer bis zu einem Happy End weiterschreiben. Schließlich geht’s um mein Leben (Achtung: doppeldeutig) und ich steh‘ nun mal auf ein Happy End

Ein Happy End? 2020? Die Liste der Ereignisse dieses Jahres (Corona, Beziehungs-Aus, Umzug, Unfall, Verlust, seit Sommer beruflich ständig am Limit der Überlastung, Terror …) scheint das mehr denn je ad absurdum zu führen. Für mich und viele andere Menschen auch. Und doch …

… gestern erhielt ich ein Bild von einer ganz besonderen Person in meinem Leben (siehe Titelbild), welches mich spontan zu einer Reflexion verleitete, die mit diesen Gedanken begann:

„Nähe hat nichts mit räumlicher Entfernung zu tun. Wie oft wird das missverstanden. Wie oft kleben wir auf anderen ohne echte Nähe … oder gar Verbundenheit.

Ich meine nicht Bindung, nicht die Fessel aus Bedingungen und deren Erfüllung.

Verbundenheit gleicht einem Schwarm Vögel, die perfekt synchron in den Himmel aufsteigen und in dem doch jeder für sich frei ist.

Verbundenheit ist immun gegen den Verschleiß, den Kilometer an Bindungen anrichten.

Nähe kann räumlich betrachtet werden – oder als eine Entscheidung des Herzens.

Es heißt: Gib frei, was du liebst. Kehrt es (sie/er) zu dir zurück, dann hat es (sie/er) sich entscheiden, bei dir zu bleiben.

Das Jahr 2020 hat vielen von uns einiges genommen, loslassen quasi von uns erzwungen. Es ist an der Zeit innezuhalten und wahrzunehmen, was blieb … oder neu zu uns kam.“

Die perfekte Einleitung für ein „Best of 2020“. Etwas verfrüht, zugegeben, immerhin haben wir erst November, aber nicht der Tag im Kalender bestimmt für mich den richtigen Zeitpunkt, sondern die Stimmung, in der ich mich befinde. Wenn die Belastungen rundum zu viel werden, hilft ein Blick auf die positiven Aspekte, um wieder zu spüren, dass mein Leben trotz all dem Irrsinn, der teilweise geschieht, dennoch in Ordnung ist.

Hier also mein Best of 2020. Die Reihung entspricht nicht einer Wertung, denn ich will nicht bewerten, was auf dieser Liste mehr und was weniger gut oder wichtig war. Alles auf dieser Liste war und ist wertvoll für mich, aber da ich kein Kreisformat erstellen kann, wird es eine Aufzählung 😉

  • 2020 ist mein Jahr der Freiheit, in dem ich mich aus zahlreichen Verstrickungen befreit habe und unabhängig wurde, im Denken, im Fühlen, im Sein.
  • 2020 ist mein Jahr der Leichtigkeit, in dem ich erkannte, wie einfach ich mein Leben halten und gleichzeitig dabei glücklich sein kann.
  • 2020 ist mein Jahr des Entdeckens, in dem ich vieles für mich (wieder)fand, dass ich zuvor kaum für möglich gehalten hatte.
  • 2020 ist mein Jahr des Neubeginns, in jeder Art und Weise: neuer Lebensraum, neue Lebensweise, neue Beziehungen … und ja, auch mein Herz fand einen neuen Hafen.
  • 2020 ist mein Jahr der Kraft, in dem mir bewusst wurde, das viel mehr Kraft in mir steckt, als ich bislang vermutet hatte. Mehr noch, dass Verletzlichkeit kein Zeichen von Schwäche darstellt, sondern eine Konsequenz von Berührbarkeit ist.
  • 2020 ist mein Jahr des positiven Feedbacks von vielen Seiten. Sei es als Autorin, die erleben durfte und darf, dass meine Geschichten nicht nur mein Leben in neue, lebensbejahende Bahnen lenken. Sei es als Coach, die manche auf neuen Wegen begleiten darf. Sei es als Mensch, geliebt und geschätzt um meiner selbst willen.

Es wäre einseitig zu behaupten, 2020 sei ein Jahr der Katastrophen und Krisen. Diese gab und gibt es, gewiss, aber es gab und gibt darüber hinaus noch mehr, und es ist enorm wichtig, sich das immer wieder bewusst zu machen, um in Ausgeglichenheit in der Gegenwart zu stehen und mit Zuversicht Richtung Zukunft zu blicken. Nicht ausblenden, was da ist. Ich halte wenig vom „Schönzeichnen“ der Ereignisse, doch die Realität ist divers. Es gibt viele Aspekte, negative UND positive. Erstere machen sich lautstark in den Medien breit, letztere sind oftmals stiller, weshalb sie nicht so leicht ins Auge springen, doch sie sind da!

2020 ist ein Jahr der Veränderung.

Das kann wohl niemand abstreiten. Vielleicht wird die Welt nach 2020 nie wieder so sein wie zuvor, aber war sie das je? Ist der Wandel nicht seit jeher das einzige Fixum in dieser Welt? Warum also fürchten wir ihn so sehr? Vielleicht weil so viel auf einmal und in kurzer Zeit geschieht? Vielleicht haben wir uns auch nur zu lange dagegen gewehrt, die Veränderung zu verhindern versucht, bis sie sich nun durchsetzt, gleich einem Dammbruch, der all die angestaute Energie (des Wandels) auf einmal freisetzt.

Ohne manche schmerzlichen Ereignisse von 2020 wären manche erfreulichen Ereignisse nicht möglich gewesen.

Manchmal hilft es, nicht auf ein singuläres Ereignis zu blicken, sondern es im größeren Zusammenhang zu sehen, räumlich und zeitlich.

Oder einen Standpunkt jenseits des subjektiven Gut-Schlecht-Denkens einzunehmen, also nicht Advokat der Menschheit zu spielen, sondern die Ereignisse zum globalen Zusammenhang des Organismus Planet Erde zu betrachten. Da gibt es eine Gruppe, genannt Menschen, die sich selbst sehr wichtig nimmt und alles nur erdenklich unternimmt, um von einem beinahe unsichtbaren Virus nicht in ihrer Zahl erheblich dezimiert zu werden, während diese Gruppe gleichzeitig viele anderen Gruppen von Lebensformen im gemeinsamen Lebensraum drastisch reduziert – bis hin zur völligen Ausrottung. Stellt man die Menschheit nicht in den Mittelpunkt der Betrachtung, verändert sich das Bild. Auch auf 2020. Selten zuvor habe ich den Himmel so strahlend blau erlebt wie im April 2020, mitten im Lockdown, als kaum ein Flugzeug seine Kondensstreifen im Azur hinterließ. Gewiss, die Auswirkungen auf die Wirtschaft waren und sind massiv, aber ist es nicht auch ein Zeichen, darüber nachzudenken, WIE wir leben? Oder wie wir in Zukunft leben wollen?

2020 ist ein Jahr des Umdenkens – für mich. Und ich halte an der Hoffnung fest, nicht die einzige zu sein, deren Leben sich neu ausrichtet, mit positiven Auswirkungen auf vieles rundum, auch auf jene Mutter Erde, die mich seit nunmehr 51 Jahren sicher trägt und mir alles gibt, was ich zum Leben brauche.

2020 ist ein Jahr, an das ich noch oft zurückdenken werde, mit einem Lächeln und voller Dankbarkeit.

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Reflexion einer Woche, die es in sich hatte

Die hinter mir liegende Woche gehört zu der Kategorie, die ich unter der Überschrift „Was noch?“ zusammenfasse. Terroranschlag in Wien, Corona-Infektionen … beides mit direkten Auswirkungen auf meinen Tätigkeitsbereich, in dem sich auch so ziemlich alles ansammelte, was für die nächsten Wochen und Monate zu erwarten war, nun aber früher in Erscheinung trat. Plus zwischenmenschliche Themen … Sorge um jene, die ich kenne und die an Covid-19 erkrankt sind … eine Sorge, die sich anders anfühlt als das Beobachten von Infektionszahlen in den Nachrichten …

Zusammengefasst: ich stellte mir des Öfteren die Frage „Was noch?“ Was kommt als nächstes? Wie viel halte ich noch aus? Wie lange halte ich das noch aus? Wie komme ich von dem Trip wieder runter?

Diese Fragen brachten mir zwei wichtige Erkenntnisse:

Mein Überlastungsthema hat sich zwar in die gewünschte Richtung verändert, aber wie sich zeigt, ist es noch immer präsent. Oder die Umstände sorgen dafür, dass ich mich erneut damit beschäftigen darf. Im Vergleich zu früher nehme ich meine Belastungsgrenze mittlerweile wahr, aber für meinen Geschmack leider immer noch etwas zu spät. Hohe Leistungsbereitschaft kann schon tricky sein. Sie lädt ein, ein paar Stunden mehr zu arbeiten, ein paar Aufgaben mehr auf die Agenda zu packen als erledigt werden können.

Meinen Perfektionsanspruch habe ich abgelegt. Nicht alles muss optimal erledigt werden. Ausreichend ist eine gangbare Option geworden. Benchmarking? Gesundheit ist wichtiger.

In der Überlastungsphase zeigt sich aber auch ein ambivalentes Verhaltensmuster: Der Wunsch, bei einem anderen Menschen (im Folgenden der Einfachheit halber Person X genannt) das zu finden, was mich aus dem Stress und der Überlastung zurück in die Balance und Entspannung führt. Grundsätzlich nichts verkehrtes, aber wenn nun Person X gerade anderweitig beschäftigt ist und somit nicht verfügbar, was dann? Insistieren im Sinne von „sieh doch, wie schlecht es mir geht und wie sehr ich dich brauche?“ Gefährlich, sehr gefährlich, weil … dazu später mehr. Zuerst die Erläuterungen.

Ich konnte beobachten, wie sich meine Bewertung von Handlungen veränderte. Kam die Antwort nicht rasch genug? Oder zeigte sie zu wenig Verständnis für meine Situation? Zu wenig Zuwendung für meine emotionalen Bedürfnisse? War ich nur ein Spielzeug, nicht wichtig für Person X? Mit Erschrecken durfte ich feststellen, dass sich eine leichte Form von Paranoia zeigte. Bei näherer Betrachtung völlig logisch. Überlastung kippte mich aus dem (Ur)vertrauen, damit kamen Unsicherheiten und Ängste an die Oberfläche, die sich wie ein paranoider Filter vor meine Wahrnehmungslinse legten und die Realität verzerrten. Plötzlich schien es, als würde niemand mich verstehen, sich niemand für mich interessieren und ich wäre ganz allein, unverstanden und im Stich gelassen.

In der Vergangenheit gab es ähnliche Situation. Damals, noch unreflektiert, öffneten sie Tür und Tor für eine Spirale der Eskalation bis hin zum finalen Zusammenbruch.

Diesmal atmete ich tief durch und begab mich auf eine lange Wanderung durch den lichtdurchfluteten Wald, der sich in herbstliches Gold gekleidet hatte, lauschte dem Wind, der durch Blätterhaufen huschte und spürte die vielleicht letzten warmen Sonnenstrahlen des Jahres auf meinem Gesicht. All das holte meine Wahrnehmung zurück in die reale Realität, ins Hier und Jetzt, und machte mir bewusst, welcher Grenze ich mich genähert hatte: jener, an der Selbstsorge zu Selbstaufgabe wurde.

Also änderte ich meine Marschrichtung. Auch in Bezug auf Person X.

Gewiss, es ist wunderbar, wenn wir Menschen um uns haben, die für uns da sind, wenn wir es brauchen – solange dies aus freien Stücken und in dem Ausmaß geschieht, wie diese Menschen es von selbst tun möchten. Jegliche Erwartungshaltungen oder gar Forderungen pervertieren diesen Akt der Nächstenliebe in eine Form von Abhängigkeit und zuweilen sogar Erpressung. Spätestens zu diesem Zeitpunkt verwandelt sich Liebe in Last, die irgendwann zur Belastung wird, unter der etwas oder jemand zusammenbricht.

Nein Danke, das brauche ich nicht mehr in meinen Leben.

Person X bin ich!

Ich ziehe mich selbst aus dem Schlamassel, sobald mir bewusst wird, dass ich wieder mal drin stecke. Es wäre schön, dies grundsätzlich vermeiden zu können, aber so weit bin ich offenbar noch nicht. Dennoch wächst meine Resilienz beständig.

Resilienz, eines der magischen Worte unserer Zeit. Damit ist die Fähigkeit gemeint, mit psychischen und emotionalen Belastungen auf eine Weise umgehen zu können, die keinen bleibenden Schaden anrichtet. Manchmal wird sie auch als Widerstandsfähigkeit gegen Traumatisierungen bezeichnet. Viele Begriffe aus der Psychologie und Philosophie werden im täglichen Sprachgebrauch verwendet, doch zumeist unterschiedlich interpretiert. Die Abklärung von Begrifflichkeiten ist … zeitraubend und wohl deshalb wenig verbreitet 😉

Wie auch immer … zurück zur Resilienz. Beim Frühstück las ich heute einen interessanten Artikel einer Psychologin (also Expertin), der auch das Thema „Resilienz“ streifte. Innerer Dialog als Methodik, um zu äußeren Ereignissen eine differenzierte Haltung einnehmen zu können und diese anders bewerten zu können. Also nicht nur eine Belastung wahrzunehmen, sondern auch die Vergänglichkeit derselben, weil alles im Leben auch dem Wandel unterworfen ist.

Vereinfacht gesagt: Die Expertin schilderte die Theorie zu dem, was ich mit JAN/A praktisch umgesetzt habe bzw. seither tägliche lebe. Wieder einmal lese ich die theoretischen Grundlagen NACH der praktischen Umsetzung. Das wiederum amüsiert mich zutiefst und bestätigt meine eigene Überzeugung:

Das Leben offenbart den Weg, wenn wir bereit dafür sind und uns dem Prozess öffnen – ganz gleich, ob wir die Theorie kennen oder nicht.

Hier nun schließe ich den Kreis zu „gefährlich, sehr gefährlich“: Wer die Verantwortung für seine innere Ausgeglichenheit einem anderen Menschen überträgt, erzeugt damit ein Gefälle innerhalb der Beziehung, eine Form von Hierarchie. Zwischen Eltern und Kindern, Lehrenden und Lernenden mag das völlig in Ordnung sein, doch niemals innerhalb einer Partnerschaft. Es sei denn, beide einigen sich auf eine hierarchische Beziehung. Wer jedoch eine Partnerschaft auf Augenhöhe führen möchte, sollte sich bewusst sein, für seine emotionale Ausgeglichenheit selbst verantwortlich zu sein, ebenso wie für die Einhaltung von Belastungsgrenzen.

Wieder einmal nehme ich mich also selbst an der Nase und anerkenne, (beinahe) einen Schritt zu weit gegangen zu sein und damit unnötigen Stress in einen Bereich (oder eine zwischenmenschliche Beziehung) gebracht zu haben, der (die) damit überhaupt nichts zu tun hat.

Und wieder einmal lehrt mich das Leben: auch eine absolute Sch***-Woche trägt in sich ein Potenzial, einen Samen, aus dem wachsen kann, das Früchte trägt.

Das heutige Bild entstand auf meiner Wanderung durch den Herbstwald am 07.11.2020. Es wurde nicht bearbeitet. 100% echt – wie das Leben 🙂

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