Meine Antwort auf die Frage aller Fragen …

Vor wenigen Tagen war mein Geburtstag. Wieder ein Jahr älter. Auch ein Jahr reifer? Weiser?

Da gibt es auch noch einen anderen Jahrestag: Jener Crash im Mai 2013, der mein 2. Burnout manifestierte. Keine berauschende Erinnerung. Jener Crash, der auch zum entscheidenden Wendepunkt in meinem Leben wurde und mich jene Richtung einschlagen ließ, die mich letztendlich dorthin brachte, wo ich heute bin. Eine beruhigende Erinnerung.

Vielleicht ist der Zeitpunkt gekommen, eine Conclusio zu verfassen, wie all das gelingen konnte. Meine Antwort auf die Frage aller Fragen, nach dem Leben, der Liebe, Beziehungen, mit mir selbst und allem rund um mich gut zurecht zu kommen.

Wollen wir beginnen …

„Doch wohl nicht ohne uns?“ drängt sich eine Stimme in meinen Kopf, dich ich sofort wieder auf Mute schalte. Nein, Philosopherl, dich will ich da nicht involvieren, weil …

„Weil? Warum darf ich nicht endlich auch ins Rampenlicht? Wie lange willst du mich noch verstecken?“

Komm schon, Philosopherl, du weißt ganz genau, warum ich dich nicht öffentlich machen kann. Lasse ich dich ans Licht der Öffentlichkeit, kommen die anderen beiden automatisch mit. Dich gibt’s halt nur im …

„… Triple? Das stimmt. So hast du uns erschaffen.“

Ja, das war vor langer Zeit. 2012. Mein erster Blog. Philosopherl, die über alles und jeden philosophiert und diese Welt auf eine ganz besondere Weise sieht. Eine sehr angenehme Person.

„Danke schön.“

Aber da gibt es auch noch die beiden anderen. Burnie Ash, seines Zeichens zynisches Management-Fossil und …

„Moment mal. Du nennst mich Fossil? Wie charmant ist das denn, liebe Lesley? Wenn ich mich richtig entsinne, kannst du es auch ganz gut mit dem Zynismus.“

Burnie’s Stimme weckt alte Erinnerungen und soll nicht die einzige Mahnerin bleiben.

„Du hast uns erschaffen. Nennst du Burnie ein Fossil, was bist du dann?“ Der leicht süffisante Unterton von Jester, dem Hofnarren und Meister der Reflexion, erübrigt jegliche Antwort. … ein Dinosaurier?

„Bringen wir es auf den Punkt. Du hast deinen Leser*innen bereits eine sechsköpfige Quadriga zugemutet, in dessen Gespann – wenn man Band 2 von JAN/A bedenkt – sich noch weitere Köpfe verbergen. Was also hält dich davon ab, die dreiköpfige Mitdenker-WG in dein weiteres Wirken einzubinden?“

Weil …

„Weil?“

Weil man mich möglicherweise für verrückt erklärt. Oder für verantwortungslos, über ein so ernstes Thema wie „Leben mit Borderline“ mit einem fast schon Sitcom-reifen Trio zu diskutieren.

„Glaubst du nicht, DER Zug ist schon längst abgefahren?“

Eines schönen Tages reiße ich Burnie Ash seinen Kopf ab. Aber er hat Recht. Meinen Ruf habe ich längst schon in Stein gemeißelt. Warum nicht also ein paar Namen dazusetzen.

Ich bin weder verrückt noch schizophren oder eine multiple Persönlichkeit. Vielmehr spiele ich zeitweise eine Art PPRPG (Paper and Pen Role Playing Game) mit mir selbst. Meine mitunter sehr widersprüchlichen Persönlichkeitsanteile (sie ALLE gehören zu mir als Ganzes) verkörpern dabei ihre jeweilige, sehr ausdifferenzierte Rolle und interagieren miteinander mit dem Auftrag, mich gut durch die Herausforderungen meines Lebens zu bringen. Psychologen und Psychotherapeuten mögen dabei die Haare zu Berge stehen (oder auch nicht), doch für mich ist diese lebensnahe Darstellung dessen, wie ich mich selbst in Balance halte, allemal aufbauender als abstrakte Theoriemodelle. Und ich klammere mich an das Postulat: Der Erfolg gibt mir Recht!

Lesley (also ICH) setzt sich also zusammen aus verschiedenen Facetten. Da wäre Jan, feurig-romantisch, aber auch bestimmend und voller Selbstzweifel, in deren düsteren Emotionen er schon mal feststecken kann. Dann braucht es Jana, die zwar tendenziell chaotisch-instabil durchs Leben läuft, doch auch mit jener Leichtigkeit, die Blockaden im Handumdrehen aufzulösen vermag, um sich wieder dem feurig-romantischen Aspekt zu widmen. Ja, das macht definitiv mehr Spaß, als sich aufgrund von temporären Abstürzen in vergangene Verhaltensmuster selbst zu zerfleischen. Sethos, Yanara, Aquila, Amaranthia, Philosopherl, Burnie Ash, The Jester … jede dieser Rollen ist vielschichtig, tiefgründig, widersprüchlich, belastet mit einem schmerzvollen Aspekt und gestärkt mit einer ganz besonderen Gabe. Keine dieser Rolle kann sich selbst ausbalancieren. Die Balance entsteht durch die Interaktion. Damit bleibt gewährleistet, dass ich nie wieder einen Teil (oder eine Rolle) von mir selbst „verliere“ oder ausgrenze, was in meiner Borderline-Vergangenheit viel zu oft geschehen ist. Im JAN/A-Jargon gesprochen: Ich halte alle Teile von mir im Licht. Ein kleiner Crash oder Trigger kann einen einzelnen Teil in die Dunkelheit stürzen lassen, doch die anderen holen diesen Teil wieder zurück.

Während ich meine „Methode“ hier skizziere, fasziniert mich, wie das alles zusammenspielt. Als wäre es von Anfang an so geplant gewesen. Dabei war gar nichts davon geplant. Es ist mir schlichtweg passiert. Doch es funktioniert. Und es bestätigt meine Grundannahme (die sich ein wenig an Albert Einstein und seine Aussage über Probleme anlehnt 😉 ): Die Borderline-Thematik entsteht in uns und kann auch dort gelöst werden, durch uns selbst. Gewiss, nicht jeder Borderliner wird sein intrapersonelles PPRPG spielen, sondern seine eigene Lösung finden – wenn danach gesucht wird.

Womit wir an dem Punkt angekommen sind: Wie kam ich zu meiner Lösung? Oder zu meiner Antwort auf die Frage aller Fragen?

Unser Umfeld ist eine Projektion dessen, was in uns ist. Eine Art von Spiegel. Lehne ich mich selbst ab, erlebe ich Ablehnung rund um mich. Genauso, wie wir im Sprachenwirrwarr auf einem Flughafen nur jene Worte verstehen (und auch vorrangig wahrnehmen), deren Sprache wir mächtig sind, können rund um uns nur erkennen, was wir in uns haben. Das ist erschreckend – und zugleich eine Riesenchance, denn diese Hinweise – so unangenehm sie mitunter sein mögen – zeigen unsere „blinden Flecke“ auf.

Deshalb meine Antwort auf die Frage aller Fragen: DU bist der Schlüssel. Bist DU mit deinem Leben und dir selbst unzufrieden, blicke nach innen, finde in dir die Ursachen und verändere sie – und die Welt rundum wird folgen. Die Welt rundum hat dich in der Vergangenheit geprägt, doch deine Gegenwart und Zukunft bestimmst du – oder auch nicht, wenn du das Ruder an die anderen abgibst. Denn nichts zu tun ist ebenso eine Entscheidung, wie etwas zu tun.

Einfach gesagt: Willst du dein Leben auf die Reihe kriegen, fang an in dir aufzuräumen. … und das klingt eindeutig nach Burnie Ash 😉, den ich gleich mal wieder mit Rationalität einbremse.

Meine Schritte der Veränderung fasse ich hier kurz zusammen. Sie haben sich zwar nicht in dieser Reihenfolge zugetragen, sondern waren eher eine Art von undefiniertem Tango (vor, zurück, zur Seite, zurück, vor, und nochmal …), aber nachdem bei mir alles experimentell ablief, nehme ich das mit Humor. Der ideale Ablauf aus meiner Sicht wäre folgender:

Schritt 1: Analyse des Vorhandenen

Sich selbst durchleuchten und kennenlernen. Dies tat ich mit „DIS/CONNECTED – Lieben oder Leiden? Eine Lebensgeschichte #Borderline“. All das, was ich im Laufe unzähliger Gespräche, Therapiesitzungen, Selbsterfahrungen, Seminare usw. erkannt hatte, brachte ich in Bezug zueinander. Daraus entstand eine Art von „Schaltplan“ mit komplexen Verhaltensmustern. Einfach gesagt: Ich begriff, wie ich funktioniere, welche Bedürfnisse da sind und wie die (scheinbaren) Widersprüchlichkeiten zueinander in Beziehung stehen.

Schritt 2: Umprogrammierung des Unbewussten

Oder auch Reframing bzw. Umdeutung. Diese Entwicklungsschritte absolvierten meine Protagonisten aus JAN/A für mich. Zuvor nannte ich mein Borderline „Destructivus“ und sah nur das zerstörerische Potenzial. Doch mein geliebter Dämon, der freiwillig in die Dunkelheit ging, um seine Eine vor diesem Schicksal zu bewahren, veränderte das nachhaltig. Wie könnte ich dem zürnen, der alles dafür tat, damit ich im Licht der Liebe verweilen konnte, der alle den Schmerz der traumatischen Erlebnisse meiner Kindheit auf sich nahm, damit ich überleben konnte. In der schier grenzenlosen Emotionalität, deren leidvolle Facette ich zur Genüge kannte, entdeckte ich die andere, die lebensbejahende Emotionalität für mich und wie ich in ihr verweilen konnte. Die Aussöhnung mit meinem inneren Kind und mit mir selbst, all das schrieb ich in bislang gut 1.300 Seiten nieder in Worten, die mich genau das fühlen ließen, was ich erzählte. Es war mehr als eine Veränderung des Denkens, es war eine Veränderung des Fühlens.

Schritt 3: Verankerung in der Realität

Nachdem ich mein inneres Kind in die Arme geschlossen hatte und ihm all die Geborgenheit, Liebe und Anerkennung vermittelt hatte, die solange gefehlt hatten, kehrten Ruhe und Gelassenheit ein. In diesem Zustand verweilend, schrieb ich die Geschichten von EMBRACE, meinem persönlichen Nachschlagewerk für die „Umarmung des Lebens“. Sollte ich je wieder zweifeln, wer ich bin und was in mir ist, werden diese Geschichte zu Sonnenstrahlen, welche die Nebel (oder Zweifel) über dem dunklen See (meines Unterbewusstseins) auflösen und mich fühlen lassen, wer ich bin.

Schritt 4: Der Schritt hinaus in die Welt

… als die, die ich bin. Keine Lügen oder Masken, zumindest nicht als Lesley. Mein Job erfordert nach wie vor eine Rolle, die mich stark einschränkt und mir phasenweise wie ein zu enges Korsett das Atmen erschwert. Ein Kompromiss, den ich freiwillig eingehe, auch wenn er mich belastet. Umso wichtiger ist für mich der Ausgleich in meinem (kleinen) Universum, meiner Bubble als Lesley, in der ich uneingeschränkt sein kann, wer ich bin. Und auch mein persönliches PPRPG spiele, indem ich in verschiedensten Rollen reflektiere und schreibe.

So, das war’s. Alles erzählt. Irgendwie habe ich den Eindruck, einen Ratgeber verfasst zu haben. Habe ich nicht vor kurzem erst klargelegt, niemals einen Ratgeber schreiben zu wollen?

„Sag niemals nie.“ *grins*

Oh nein, Jester, du musst natürlich gleich wieder deinen Senf dazugeben.

„Wenn du schon so eine Stichwort-Vorlage lieferst, wie könnte ich da widerstehen?“

„Wer will schon widerstehen, wenn man Spaß haben kann?“

Uff, DIESE Stimme. Dunkel, sinnlich, … Jan, stell keinen Unfug in meinem Kopf an. Ich schreibe an einem ernsthaften Blog zu einem ernsthaften Thema.

„Wer’s glaubt …“

Burnie? Oder doch Jana? Ach, egal. Sagen wir einfach: Lesley

Manchmal fällt es mir nicht leicht, die Stimmen und Rollen auseinander zu halten. Aber will ich das überhaupt? Will ich klar definierte Grenzen in mir selbst? Oder will ich einfach nur … Spaß haben mit mir selbst? Und einer sechsköpfigen Quadriga plus dreiköpfige Mitdenker-WG plus …

„Sei stark, du schaffst das, Lesley … be strong 😉“

Zeit der Stille

Diesen Titel gab ich auch dem letzten Kapitel von JAN/A Band 1 bzw. dem ersten Kapitel von Band 2. Ich dachte allerdings nicht, dass ich je einen Blogbeitrag so nennen würde. Dennoch – der Titel passt genau in die Zeit, zu meinen Gedanken und Gefühlen. Wie so viele andere auch, lebe ich nun seit rund zwei Wochen mit den Corona-bedingten Einschränkungen. Abgesehen davon, dass ich seither weder in einem Verkehrsstau noch an einer Supermarktschlange sinnlos Zeit vergeudet habe, hatte ich derart viel beruflich zu tun, dass ich bis jetzt noch nicht dazu gekommen bin, mir die tatsächlichen Auswirkungen auf mich als Person und Borderlinerin bewusst zu machen.

Was bedeutet sie also für mich, diese drastische Reduzierung meiner analogen Interaktionen mit anderen Menschen auf eine Person – nämlich „meinen besten Ehemann von allen“ – und in digitaler Form über Telefon bzw. soziale Medien mit einigen wenigen mehr?

In erster Linie fühle ich mich ruhig. Tatsächlich. Mehr denn je bin ich auf mich selbst zurückgeworfen durch die Einschränkungen der Kontakte. Mit mir selbst klarkommen – vor einigen Jahren war dieser Gedanke eine wahre Horrorvorstellung. Keine oder kaum Interaktion mit anderen? Unvorstellbar, denn in mir war nichts – oder besser gesagt: konnte ich nichts wahrnehmen. Ich brauchte die „Reibung“ mit anderen, um mich selbst zu spüren. Die aktuelle Situation zeigt mir, wie sehr sich das verändert hat. Ich finde in mir alles, was ich brauche, damit es mir gut geht.

Mehr noch. Durch den Wegfall der Reibungsfläche hat sich auch die „Übernahme“ von Stimmungen und Gefühlen anderer deutlich reduziert. Was ich fühle, bin ich selbst, und nicht das, was ich von anderen nicht draußen lassen bzw. abgrenzen kann. Insofern ist diese Zeit der Stille für mich auch eine Zeit der Besinnung auf mich selbst, die mir vor Augen hält, was ich bislang erreicht habe. Ich brauche deutlich weniger Psychohygiene und Ausgleichsphasen.

Gelassen beobachte ich rundum verschiedene Strategien für den Umgang mit der neuen Situation. Da gibt es jene, die auf positives Denken setzen. Die anderen, die sagen, bleib authentisch und wenn’s dir Scheiße geht, dann steh dazu. Auch jene, bei denen sich einiges aufstaut, zu latenter Aggression beträgt, die sich dann bei unbedeutenden Anlässen entlädt. Tatsächlich gibt es auch noch ein paar, die den Ernst der Lage verkennen und Vorsichtsmaßnahmen ignorieren. Und natürlich – typisch für die Gegend in und um Wien – die „Raunzer“, die immer einen Grund finden, sich zu beklagen. Und eine Menge dazwischen.

Irgendwie passe ich wieder einmal in keines dieser Schemata. Die Situation ist, wie sie ist – und sie hat überraschenderweise kaum einen Einfluss auf meinen emotionalen Zustand. Als wäre ich entkoppelt. Oder selbstbestimmt im Fühlen. Am Tag 13 der Ausgangsbeschränkungen hier in Österreich, bin ich nach wie vor in der Umarmung des Lebens verankert, im Urvertrauen, in Geborgenheit und (Selbst-)Liebe. Mir geht’s auf eine nicht zu erklärende Art und Weise gut, ohne Begründung und ohne Einschränkung.

Klar, ich hetzte nicht mehr täglich im Früh- und Abendverkehr ins Büro, weil ich zuhause arbeite. Damit fallen mindestens zwei Fahrstunden plus unberechenbarem Staufaktor weg. Diese Zeit verbringe ich nun während täglicher Spaziergänge um die Mittagszeit mit „Meinem besten Ehemann von allen“.

Unser gemeinsamer Schi-Urlaub hat sich in Nichts aufgelöst – rechtzeitig, denn der Ort kam unter Quarantäne bevor wir noch hinfahren konnte. Damit sitzen wir die Zeit der Beschränkungen in den eigenen vier Wänden aus, was einen gewissen Faktor an Gemütlichkeit mit sich bringt.

Wie’s beruflich weitergeht, wird sich hoffentlich in den nächsten Wochen zeigen.

Einer Infektion mit Corona dauerhaft auszuweichen, halte ich für unwahrscheinlich. Irgendwann wird’s mich vermutlich erwischen. Meine Chance, dadurch immun zu werden, liegt bei 98,8 %. Das Risiko zu sterben bei 1,2 % aufgrund meiner persönlichen Konstitution. Risiko lässt sich nüchtern berechnen. Wenn meine Emotionalität auf Krisenmodus operiert, kann ich eine Situation wie die aktuelle pragmatisch abhandeln.

Meine eigene Gelassenheit erstaunt mich selbst. Es gibt Momente, da denke ich mir: Okay, jetzt bin ich total durchgeknallt. Wieso geht’s mir inmitten der allgemeinen Krise, der Unplanbarkeit im Job und Unabsehbaren Auswirkungen auf meine persönliche Zukunft noch immer gut? Das ist doch nicht normal, oder? Bin ich jenseits der Realität? Wenn ich zurückblicke auf das, was ich die letzten zwei Wochen gearbeitet habe, kann diese Frage eindeutig mit „Nein“ beantworten. Bin ich auf irgendeinem schrägen Psycho-Trip? Sofern Vitamin C keine wahrnehmungsverändernde Wirkung hat, gilt auch hier die Antwort „Nein“. Ich erkenne deutlich, was rund um mich geschieht.

Vielleicht ist mein aktueller emotionaler Zustand aber auch einfach nur „selbstbestimmt“ bzw. unabhängig von den äußeren Faktoren, und genau das ist das Fremdartige daran für mich. Nicht das Erleben der Wirklichkeit beeinflusst mich, sondern ich beeinflusse mein Erleben der Wirklichkeit. Wenn dem so ist, habe ich meinen persönlichen Goldtopf am Ende des Regenbogens gefunden. Vielleicht sollte ich auch weniger darüber nachdenken und einfach die Zeit der Stille genießen.

Für diesen Beitrag habe ich ein Bild gesucht und gefunden, dass für mich persönlich die Kraft der Stille zum Ausdruck bringt. Mein Dank für dieses Bild geht an https://pixabay.com/de/users/bessi-909086/

Ein Jahr danach … ein Rückblick

Am 06.12.2019 bekannte ich mich erstmals öffentlich zu meiner Borderline-Diagnose. Heute, exakt ein Jahr danach, ziehe ich Bilanz über eines der ungewöhnlichsten Jahre meines Lebens. Was hat sich getan? Was hat sich verändert? Würde ich es noch mal tun?

Definitiv! Es war und ist nach wie vor ungemein befreiend, endlich die Wahrheit sagen zu können. Keine komplizierten Lügen mehr, die nur verbergen sollten, was ich wirklich fühlte oder nicht fühlen konnte.

Wie auch in früheren Jahren, begegneten mir sehr viele Menschen.  Auch wenn ich mit Ablehnung gerechnet hatte, bis dato blieb sie mir erspart. Oder vielleicht machen auch jene, die mit meiner Offenheit nicht umgehen können, einen großen Bogen um mich. Wer weiß? Will ich diese Menschen überhaupt um mich haben?

Apropos Menschen: in den vergangenen zwölf Monaten entstanden einige besondere Freundschaften. Diese Menschen haben mich als die kennen gelernt, die ich bin, nahmen mich an, wie ich bin, und blieben Teil meines Lebens, weil  ich bin, wer ich bin. Es war ein Jahr voller Wertschätzung und Anerkennung, privat ebenso wie beruflich.

Apropos privat: auch in diesem Bereich hat sich vieles zum Positiven entwickelt. Kaum etwas ist gleich geblieben. Verschlechterung hätte ich bislang keine wahrgenommen.

Mein Job ist nach wie vor ein wichtiger Faktor in meinem Leben, auch wenn andere Aspekte an Bedeutung gewonnen haben. Ich achte mehr auf die Balance zwischen den Bereichen als früher. Und ich habe akzeptiert, dass ich hin und wieder Pausen und Auszeiten brauche.

Als Autorin habe ich meinen Stil gefunden und gefestigt. Dabei war ich enorm produktiv. Im Juni erschien DIS/CONNECTED, im September die Neuauflage von JAN/A. Im Sommer begann ich zu bloggen. Meine Facebook-Gruppen liefen nicht so, wie ich mir das anfangs gedacht hatte, was wohl an mir als Gruppen-Admin lag. Was soll’s, ich kann nicht alles können.

Zu Beginn dieses „Entwicklungsjahres“ ordnete ich die zentrale Thematik meines Schaffens noch unter #borderline ein, später kam #frompaintopassion dazu. Heute bin ich bei #feeltheembraceoflife angekommen. Und so fühle ich mich auch: angekommen in der Umarmung des Lebens.

Heute, am 06.12.2019, blicke ich auf ein abwechslungsreiches, intensives Jahr zurück. Ab und an meldeten sich „alte“ Gefühle und Verhaltensmuster, aber die waren eher wie Durchreisende, die nie lange verweilten. Was bei mir blieb, war und ist die Überzeugung, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. In diesem Sinne:

Ich bin dankbar, für alles, was mir in diesem Jahr widerfahren ist und für jeden einzelnen Menschen, der mir begegnet ist. Für jene, die gingen, und besonders für jene, die blieben.

Ich gehe achtsam durch dieses Leben, denn ich habe nur dieses eine, und davon habe ich schon so einiges an Zeit verbraucht. Die noch verbleibende möchte ich bestmöglich für mich und andere einsetzen.

Ich würde es wieder tun.

Fragen, Fragen und nochmals Fragen …

Es ist wieder mal eine dieser Phase, in denen ich sehr viel zu tun habe. Im Grunde habe ich immer viel zu tun, nur manchmal nur mehr. Im Grunde will ich irgendwie auch immer viel zu tun zu haben, weil ich es schlichtweg nicht aushalte, wenn mir langweilig ist. Dann werde ich richtig unrund und fange an, unsinnige Dinge zu tun. Wie in dem Werbespot, wo jemand, der auf einen Download wartet, damit beginnt, seine Umgebung mit Post-its zu tapezieren.

Nun frage ich mich hin und wieder, ob ich eine tief verwurzelte Allergie gegen Ruhe und Nichtstun habe. Und wo ich mir die eingefangen haben könnte.

Ruhe – was ist das überhaupt? Bedeutet dass, nichts zu tun? Weniger zu tun? Ruhiger zu tun? Langsamer? Weniger emotional? Strebe ich nach Ruhe, weil es zu viel wird? Oder zu laut? Oder geht’s mir gar nicht um Ruhe? Ständig an meiner Belastungsgrenze entlang durch den Arbeitsalltag zu laufen ist anstrengend. Auf der anderen Seite auch irgendwie reizvoll – solange alles gut läuft. Solange ich durchhalte. Solange … bis es eben anders ist. Bis der Gedanke an Ruhe wieder verlockend wird. Ein ständiges Hin und Her.

Wo beginnt Langeweile? Kann ich Ruhe überhaupt zulassen und genießen? Stillstand geht definitiv nicht. Wobei – Stillstand gibt es ja genau genommen nicht. Alles ist stets in Veränderung. Manchmal nur sehr langsam, aber dennoch.

Und so kreisen meine Gedanken unaufhörlich.

Manche könnten jetzt sagen: OK, so wird das nichts mit Ruhe. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Je mehr ich über einzelne Themen wie „Ruhe versus Langeweile“ nachdenke, desto ruhiger werde ich, weil ich in der unbeschreiblichen Vielfalt meiner Gedanken und Ideen bildlich gesprochen „die Spreu vom Weizen“ trenne. Anders gesagt: ich finde heraus, was ich wirklich will und brauche; lasse mich von scheinbar verlockenden Ideen nicht in die nächste Sackgasse führen. Und weil ich nicht mehr alles und jedes tun will und muss, nimmt das letztendlich viel Last von meinen Schultern und Druck aus meinem Leben.

Hinterfragen und reflektieren – das ist ein wesentlicher Aspekt meiner Lebensphilosophie und meines Alltags. Unterscheiden und Entscheiden. Was passt zu mir? Was nicht? Heute landet viel mehr im „Ideen-Mülleimer“ als früher. Gleichzeitig vermisse ich nichts und genieße das, was ich tue und habe, mehr als früher.

Quantität versus Qualität?

Wer weiß?

Auch darüber werde ich noch ausgiebig sinnieren.

Zeit der Stille

… so wird der Herbst manchmal auch genannt, weil die Natur zur Ruhe kommt, das Leben sich auf die stille Zeit des Winters vorbereitet. Starten wir ein wenig philosophisch. Für mich persönlich ist der Herbst eher eine Zeit des Aufbruchs und der Veränderung.

Im September 2018, also vor einem Jahr, wurde mit „JAN/A – Eine [nicht]ganz alltägliche Liebesgeschichte“ mein erstes Buch veröffentlicht.

Im Oktober 2017 begann ich mit dem Schreiben und startete damit meinen derzeit noch laufenden Selbstfindungs- und Erneuerungsprozess.

Es bietet sich also an, ein wenig zu reflektieren. Dieser Gedanke kam mir, als ich das obige Bild auf pixabay.com entdeckt hatte. Bilder, Namen und Musik haben in meinen Geschichten immer einen besonderen Stellenwert, weil sich dahinter stets eine oder mehrere subtile Botschaften verbergen, die es zu entdecken gilt. Ich verrate also nie alles beim ersten Mal.

Wenn ich zurückblicke, wird mir bewusst, wie sehr sich meine emotionale Wahrnehmung der Welt verändert hat. Damit meine ich nicht, ob etwas für mich positiv oder negativ ist. Diesbezüglich bin ich schon seit langem sehr philosophisch unterwegs und kann viele unterschiedliche Standpunkte in mir vereinen. Ich meine ganz einfach die Intensität eines Gefühls. Es ist fast, als hätte ich Jahrzehnte meines Lebens unter einer Art Glassturz oder in einem Nebel verbracht. Oder in der Dunkelheit der Abgrenzung von meinen Gefühlen. Nähe, eine Umarmung – alles fühlt sich intensiver an als je zuvor. Und ich scheine den Gipfel noch nicht erreicht zu haben, denn diese Wahrnehmungen verstärken sich von Woche zu Woche.

Definitiv verändert hat sich in diesen beiden Jahren, was ich für mich als richtig und passend befinde. In der Vergangenheit bin ich oft blind einem „Meister“ gefolgt, habe Lösungen von der Stange für meine Probleme gesucht. Dazu griff ich ein Buch oder eine Methode auf und habe diese stur nach Schema umgesetzt, ganz gleich, was meine innere Stimme dazu sagte. Ich wollte die Lösungen meiner Herausforderungen erzwingen. Hat nicht funktioniert. Heute pfeife ich auf das, was andere sagen, wie es funktionieren könnte – ich folge meiner inneren Stimme. Die hatte nämlich immer Recht – auch in der Vergangenheit. Dummerweise hat mein rechthaberischer Verstand samt Ego sie überrollt.

Es braucht manchmal ein wenig Zeit und Stille, um in dem energiegeladenen Kern in mir jene Stimme zu finden, die mit Hirn und Herz agiert und auf mich selbst aufpasst, die überhöhte Ziele schon mal hinterfragt und Ruhepausen tatsächlich durchsetzt.

In der Stille höre ich meine innere Stimme. Jahrzehntelang wollte ich sie nicht hören, weil ich ihre Botschaft nicht glauben konnte. In den letzten beiden Jahren habe ich gelernt, darauf zu achten und zu vertrauen, dass der beste Lehrmeister, denn wir haben können, immer noch wir selbst sind. Denn niemand sonst auf dieser Welt kennt mich so gut wie ich selbst. Auch wenn das ein klein wenig ungemütlich ist, weil damit auch die Verantwortung bei mir selbst liegt und nicht einfach an jemand anderes abgeschoben werden kann. Aber was ist schon ein wenig Ungemütlichkeit im Vergleich zu Jahrzehnten in der Dunkelheit?

Also, voller Lebensfreude hinein in diesen goldenen Herbst, in das Jahr 3 nach meiner geistigen Wiedergeburt.

Zeit für Reflexionen

In den letzten Wochen haben mich äußere Ereignisse – meistens Fragen in Form von Beiträgen in Facebook – immer wieder dazu gebracht, spontan Gedanken in Worte zu gießen, die ich so zuvor nicht gedacht hatte. Jedes Mal lernte ich dabei eine neue Facette meiner Persönlichkeit kennen. Das ist insofern sehr interessant für mich, als ich Anfang des Jahres noch dachte: „Hey, das ist es. Ich hab mich gefunden. Ich weiß wer ich bin.“ Und nun erlebe ich fast täglich, dass ich noch mehr bin, ganz so, als würden dem unfertigen Puzzle meines Wesens laufend Teile hinzugefügt werden.

Hier ein paar dieser Gedanken:

Was bin ich durch meine Feinfühligkeit? Verletzbar. Was wäre ich ohne sie? Unberührbar. Jahrzehntelang wählte ich die schützende Mauer, bis ich sie einriss. Heute tanze ich in der blühenden Wiese, welche die Trümmer mehr und mehr überdeckt. Bald werden sie ganz verschwunden sein. Glück in Verbindung mit Zeit? Glück bedeuten für mich jene Minuten und Stunden im Leben, in denen ich uneingeschränkt ich selbst sein kann. Gleich, ob mit meinem Partner, Familie, Freunden, beim Schreiben …

Glück bedeuten alle jene Zeiten, in denen ich nicht die Maske tragen muss, ohne die der Großteil der Gesellschaft mit mir nicht klar kommen würde, weil nicht akzeptiert wird, was nicht verstanden wird. Jede Sekunde ohne diese Maske ist pures Glück.

Gestern Morgen traf ich beim Laufen über einen Feldweg eine alte Bekannte: die Wegwarte. Wer kennt sie nicht? Sie wächst an jedem Straßenrand, oder wie man bei uns sagt: in jeder Gstettn. Unter minimalistischen Bedingungen und ohne große Sorgfalt oder Pflege bringt sie ihre leuchtend blauen Blüten hervor. Eine Meisterin des „mach das Beste daraus“, robust und durchsetzungsstark. Doch wer sie pflückt wird feststellen, dass sie innerhalb von Minuten verwelkt. So vieles kann sie ertragen und dennoch blühen, doch eine Verletzung von fremder Hand weiht sie dem Untergang. Seit meiner Kindheit fasziniert mich die Wegwarte. Vielleicht weil ich ihr ähnlich bin?

Es heißt, wir befinden uns alle auf einer (spirituellen) Reise. Vielleicht stimmt das, aber wer sagt, dass uns diese Reise ein Ziel im außen hat. Lag das Ziel nicht viel mehr in uns? Was wird geschehen, wenn ich am Ziel angekommen bin? Wenn das Puzzle vollständig ist? Oder ist der Weg das Ziel? So viele Fragen, so viele Gedanken. Ich mach einfach mal Pause und genieße das Leben. #feeltheembraceoflife