Zwei Wochen – so lange haben mich Viren, Bakterien & Co ausgebremst. Ganze zwei Wochen, in denen so gut wie nichts ging. Nicht mal denken! Kopflastig? Nix da. Ich lag einfach nur rum zwischen Taschentuchboxen, Medikamenten, Tee, Tee und nochmals Tee … das Ganze während der offiziell ersten Hitzewelle dieses Sommers mit dem Gefühl, mein Kopf würde explodieren.
Vor einigen Tagen war da ein Moment, in dem ich physisch etwas spürte und es gleichzeitig als abstrakte Vision vor meinem inneren Auge wahrnahm: als würde eine aus unzähligen Dreiecken konstruierte Figur, in der sich etliche Ereignisse meines Lebens spiegelten, in sich kollabieren. In diesem Augenblick war mir bewusst, dass sich etwas veränderte hatte – ohne es benennen zu können. Ich lag auf der Couch, ohne jeglichen Fokus, einfach nur da – und dann das. So sehr ich seither versuche, jenes Bild zurückzuholen, es will nicht gelingen.
Dann heute, endlich mal wieder ein etwas längerer Spaziergang durch den Wald. Beine vertreten im Schatten. Plötzlich „ziehen“ Muskel im Bereich der Lendenwirbelsäule nach hinten – ziehen sich aus Fehlhaltung zurück in die normale Position. Einfach so! Seit über einem Jahr werke ich mit einer Ergotherapeutin daran, die krasse Fehlstellung zu korrigieren, die sich vom Vorfuß über Knöchel, Knie und Hüfte bis in den unteren Rücken zieht. Mini-Erfolge von kurzer Dauer, mehr war bisher nicht drin – und plötzlich laufe ich wieder „gerade“, sprich mit den korrekten Achsen.
Okay, man kann natürlich sagen, zwei Wochen rumliegen ohne sitzende Tätigkeit oder Bildschirmarbeit, das löst Verspannungen. Aber ich glaube nicht an eine derart eindimensionale Erklärung. Zum einen haben sich meine Nackenverspannungen noch nicht gelöst. Zum anderen kenne ich mich selbst gut genug, um zu wissen, dass mein Körper ein ziemlich effektiver Spiegel meines Innenlebens ist. Ich war monatelang außerhalb meiner Mitte – aus der Balance – viel zu viel im Kopf. Die ersten beiden Wochen im Mai würde ich unter dem Titel „Beschleunigung pur“ zusammenfassen. Es hat zwar auch Spaß gemacht, herauszufinden, wie viel mehr und schneller ich noch dank KI arbeiten kann, aber in Summe habe ich es wohl etwas übertrieben. Der Ausgleich – sprich: Entschleunigung – kam definitiv zu kurz. Nun ja, danach hat es mich ziemlich effektiv entschleunigt.
Zum ersten Mal seit mehr als 12 Monaten stehe ich wieder stabil auf beiden Beinen – physisch. Seelisch-emotionales Ungleichgewicht zeigt sich bei mir auf der somatischen Ebene. Warum also nicht auch wiedererlangtes Gleichgewicht? Ich fühle mich gerade umfassend in mir ruhend, in meiner Mitte – und mein Körper zieht nach. Schauen wir mal, wie lange es diesmal hält. In meinem Verständnis ist Gleichgewicht nicht statisch, sondern höchst dynamisch. Jederzeit kann im Außen etwas geschehen, das Auswirkungen auf mein körperlich-seelisch-emotionales Gleichgewicht hat. Wahrnehmen, anpassen, ausgleichen … in Balance zu bleiben ist ein Fulltime Job.
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