Auflösung eines Flashback (Depression)

In diesem Beitrag werde ich beschreiben, wie ich mich selbst aus einer Depression herausbewegt habe – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich verwende nicht gerne den Begriff „Trigger-Alarm“, denn meine Schilderungen werden letztendlich zu einem positiven Abschluss führen. Dennoch, die Beschreibungen zu Beginn könnten etwas auslösen.

Entscheide selbst, ob du weiterliest.

Gestern wachte ich sehr früh auf, kurz nach Sonnenaufgang. Mein ganzer Körper schmerzte. Diese Schmerzen ließen sich jedoch nicht einer Ursache zuordnen. Vielmehr war es ein undefinierbares Empfinden von „alles tut weh“. Meine Gedanken begannen fast automatisch sich auf diesen Schmerz zu fokussieren, ihn in all seinen Facetten wahrzunehmen und damit auch zu verstärken. Meine Gefühle lösten sich auf in der Leere, die sich in mir breit machte. Alles in und an mir verkrampfte sich unter der Anspannung. Gleichzeitig war ich extrem unruhig, konnte wieder Füße noch Hände stillhalten.

Ein für mich vertrautes Szenario. Jahrelang verlief jeder Morgen wie dieser. Heute kann ich damit besser umgehen als früher. Heute weiß ich: Das, was ich fühle, ist nicht real, den es passt nicht zu meinem Leben. Aber langsam, Schritt für Schritt.

Nachdem an Schlaf nicht mehr zu denken war, bin ich raus aus dem Bett, kurz nach 5 Uhr früh. Ein Mini-Ritual im Badezimmer, dann ab in die Laufschuhe. Handy und Headset. Vor dem Spiegel im Vorzimmer stehend startete ich meine Running-Playlist mit der Zufallswiedergabe. Der erste Song: Highway to Hell von AC/DC. Unwillkürlich drängte ein amüsiertes Grinsen an die Oberfläche, dass so gar nicht zu meiner Stimmung und meinem Körpergefühl passte, aber ein Teil von mir wusste eben ganz genau, dass ich gerade in einem Flashback steckte. Dieser Teil hat seinen Spaß an Highway to Hell.

Wie auch immer. Raus aus dem Haus, über die Straße und ab auf den Waldweg. Die ersten Schritte waren noch ungelenk, doch die angenehm frische Morgenluft war herrlich. Freiheit, die mir um die Nase wehte. Schritt für Schritt ließ ich mich mehr und mehr in dieses Gefühl fallen.

Ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich nicht vor der Depression davonlaufen (dieser Eindruck könnte entstehen), sondern auf mein positives Lebensgefühl zulaufe. Um das zu verstehen, muss man wissen, dass ich im Alter von 3 Jahren zum ersten Mal auf Schi stand, mit 9 begann Basketball zu spielen und mit 27 Langstreckenläuferin wurde. Alle drei Sportarten übe ich auch heute mit 51 noch aus. Mein Leben lang mache ich Sport, bewege mich gerne. Daher ist Bewegung für mich mit vielen positiven Erinnerungen, Gefühlen und Gedanken verbunden.

Im Wald war ich allein unterwegs. Kein Wunder. Vor 6 Uhr früh trifft man nicht viele Menschen im Wald, eher schon Rehe, Füchse, Hasen … oder einen Reiher im kleinen Flüsschen, der sich gerade sein Frühstück angelt. Oder einen Feuersalamander im Slow Motion Modus. Der Gedanke erheiterte mich. Ein Salamander wäre in der kühlen Morgenluft sicher deutlich ungelenker als ich. Ich könnte aber auch eine Wildsau samt ihrem Nachwuchs treffen. Nein, das wäre nicht so toll. Eine Begegnung dieser Art hatte ich bereits einmal. Unwillkürlich blickte ich mich um, auf welchen Baum ich wohl rasch Zuflucht suchen konnte, aber ich blieb allein auf dem Waldweg. Allein mit mir selbst und meinen Gedanken, die sich mittlerweile auf ganz anderes fokussierten als undefinierbaren körperlichen Schmerz. Apropos körperlicher Schmerz: den hatte ich irgendwo auf der Strecke verloren. Naja, kein wirklicher Verlust.

Während ich meine vertraute Strecke entlanglief – ich hätte das mit geschlossenen Augen tun können – beobachtete ich die morgendlichen Sonnenstrahlen, die sich zwischen den Bäumen hindurchzwängten. Ein mystischer Anblick, der meine Aufmerksamkeit vollends fesselt. Was wollte ich nochmal? Ach ja, richtig, ein paar Erläuterungen zu dem, was sich gerade in meinem Gehirn abspielte.

Also, mein Flashback löste ein (unerwünschtes) Synapsen-Feuerwerk in meinem Gehirn aus. Was auch immer der Auslöser während der nächtlichen Schlafphase war (ein Traum?), dadurch wurde ein Programm in meinem Gehirn gestartet, das mich altbekannten Schmerz (Phantomschmerz?) wahrnehmen ließ, alte Gedankenmuster aktivierte und so weiter …

Viele Jahre lang hielt ich diesen Zustand für „real“, also im Zusammenhang mit meiner Lebensrealität stehend. Doch das war er nicht und ist es auch heute nicht. Mein Leben ist in Ordnung. Kein aktuelles Problem in meiner Lebensrealität. Okay, ich arbeite etwas zu viel. Corona nervt mich (wie viele andere auch). Manche Autofahrer bezeichne ich als – wie sage ich das nett? – Ärgernis? Wenn ich lange genug nachdenke, gibt es einiges, was ich gerne verändern würde, bis hin zur Umweltpolitik usw. … ABER es gibt kein wirkliches Problem im Sinne von „etwas, das mich direkt bedroht in diesem Augenblick“. Allein im Wald kurz nach Sonnenaufgang, an der frischen Luft bei angenehmen Temperaturen und keine Wildsau zu sehen. Mein Leben war und ist völlig in Ordnung. Nur die Synapsen-Aktivität in meinem Gehirn will mir etwas anderes suggerieren. Also fahre ich mein Gegenprogramm.

Wie bereits erwähnt, ist Sport für mich sehr positiv belegt. Ein morgendlicher Waldlauf bei Schönwetter ist sowieso das Non-Plus-Ultra für mich. Damit startete ich gezielt ein anderes Programm, aktivierte andere Synapsen und Botenstoffe in meinem Gehirn. Alles, was Wohlbefinden auslöst. Ich lief weiter, und während ich lief, konnte ich – aus der Meta-Position heraus (mit ein wenig Übung kann man lernen, sich selbst von außen zu betrachten) – beobachten, wie sich der körperliche Schmerz vollständig auflöste, meine Stimmung aus der „düsteren Leere“ zurück in verspielte Leichtigkeit wechselte und ich gegen Ende meiner Runde wieder ein sprühender Funken Lebensfreude war.

Den perfekten Abschluss lieferte Tom Jones mit Delilah (hoch emotional, ich steh‘ auf den Song, auch wenn die Story eigentlich wenig erfreulich ist) und Sex Bomb. Oh Mann, als der Song rauskam, war ich Anfang 30 und verbrachte einen unvergesslichen Urlaub am Meer (mehr verrate ich jetzt nicht). Aber ehrlich, als ich wieder vor meiner Haustür stand, fühlte ich mich keinen Tag älter als 35 – und das um 06:30 h morgens nach ungefähr 8 km Waldlauf. Zurück in der Umarmung des Lebens.

Anfänglich nahm ich mir vor, dieses Erlebnis sofort aufzuschreiben, weil es gerade „frisch“ im Bewusstsein war. Doch dann kam mir mein Job dazwischen, und so schreibe ich 36 Stunden später diese Zeilen. Ich bin noch immer in der Umarmung des Lebens. Damit steht fest: es war keine kurzzeitige Ablenkung. Die Umpolung in meinem Gehirn hat funktioniert. Vielleicht nicht dauerhaft, denn Flashbacks können immer wieder auftreten. Doch ich weiß sowohl theoretisch als auch aus praktischer Erfahrung, dass ich mich innerhalb kurzer Zeit wieder auf Kurs bringen kann. Und das mit wenig Nebenwirkungen. Gut, ich habe vielleicht ein paar Kalorien zusätzlich verbrannt. Das werde ich sicher nicht bereuen 😉

Manchmal frage ich mich, ob Psychopharmaka Flashbacks verhindern können. Vielleicht dämpfen sie das Bewusstsein dermaßen, dass einfach keine Flashbacks mehr durchkommen. Aber will ich das, als gedämpfte Version meiner Selbst durchs Leben tapsen? Sicher nicht. Da bleibe ich lieber bei meiner pro-aktiven Variante und verbrenne Kalorien. Ein morgendlicher Lauf durch den Wald tut meinem Körper, meiner Psyche und meiner Seele gut. Intensive Emotionen, die ich nicht missen möchte. Manchmal driften die Emotionen in unerwünschte Regionen, dann hole ich sie einfach wieder zurück, indem ich mein Synapsen-Feuerwerk im Gehirn gezielt stimuliere.

Meinen Namen habe ich bewusst gewählt: Lesley B. Strong – sei stark. Ich bin stark. Nicht, weil ich alles aushalte, sondern weil ich nach jedem Absturz wieder aufstehe, mich aus jedem Flashback heraushole. Das kann ich tun, weil ich weiß, dass ich in Ordnung bin, so wie ich bin, und mein Leben grundsätzlich auch in Ordnung ist, so wie es ist. Ja, manche Autofahrer könnte ich … aber was soll’s? Mein Leben muss nicht perfekt sein, um in Ordnung zu sein. Ich muss nicht perfekt sein. Ich bin einfach, wer ich bin – nur ein Mensch, und deshalb perfekt darin, unvollkommen zu sein.

Der nächste Schritt auf meinem Weg: (M)eine Vision bekommt ein Gesicht

Gemeinsam mit einigen engagierten Menschen starte ich gerade auf einer Facebook-Seite ein Borderline-Informationsprojekt für Betroffene und Angehörige mit dem Titel „Plan B wie Borderline“. Unser Ziel ist es, möglichst vielen Menschen ein möglichst breites Angebot an Möglichkeiten aufzuzeigen.  Dazu haben wir hier in Facebook eine Seite erstellt und laden Beratungsstellen, Therapeuten etc. ein, ihre jeweiligen Seiten und Profile auf dieser Seite mit dem Namen „Plan B wie Borderline“ zu posten.

Zusätzlich haben wir eine Facebook-Gruppe gegründet, in der es vorrangig um Austausch zwischen Betroffenen UND Experten (Therapeuten*innen, Heilpraktiker*innen, etc.) geht. Hier liegt unsere Zielsetzung ganz klar bei „Hilfe zur Selbsthilfe im Alltag“. Kein Verharren im Problemkontext, sondern aktiver Austausch um Lösungsstrategien zu entwickeln.

Vermutlich kennst auch du einige Menschen, für die unser entstehendes „Plan B-Netzwerk“ interessant sein kann (Betroffene, Angehörige, Heilpraktiker*innen, Therapeut*innen, Lebensberater*innen …). Bitte schau dich auf unserer gerade erst entstehenden Seite um und wenn du gut findest, was wir tun, dann bitte ich dich, diese Info zu streuen, damit unser Netzwerk schnell wachsen und Betroffene/Angehöre rasch Informationen finden können.

Elefanten-Weisheit

Wieder einmal ein Beitrag, der aus jenen Eindrücken geboren wird, die ich in den vergangenen Wochen in diversen Chats und Selbsthilfegruppen gesammelt habe.

Thema: Realität verdrehen oder „Schönzeichnen“

Was meine ich damit? Nun, es geht darum, dass manche (oder viele) Menschen mitunter (oder auch sehr oft) den Standpunkt einnehmen, etwas ist so und nicht anders. Um das nachvollziehbar zu machen, hier ein abstraktes Beispiel:

Eine Banane schmeckt fad.

Dieser Aussage werden nicht zustimmen.

Anderes Beispiel:

Männer reden weniger als Frauen, und Frauen zicken mehr als Männer.

Stimmt natürlich so auch nicht.

Noch ein Beispiel:

Borderliner sind beziehungsunfähig.

Warum sollte diese Aussage stimmen? Sie ist ebenso pauschal und haltlos wie die beiden anderen zuvor. Dennoch neigen offenbar noch immer viele Menschen dazu, dieser einen Aussage zuzustimmen. Da ich ja meinen Mund nicht halten kann, schubse ich häufig Menschen an und sage: „Hey, es kann auch ganz anders sein.“ Daraufhin startet ein zumeist längerer Austausch, in dem manchmal auch die Aussage fällt: „Das ist ja Schönzeichnen der Realität“. Ist es natürlich nicht. Vielmehr ist es, was das Bild mit dem Elefanten so wunderbar darstellt. Ein Klassiker aus dem Kommunikationstraining.

Hier die Geschichte dazu: Mehrere blinde Menschen, die nie zuvor einem Elefanten begegnet sind, werden gebeten, diesen zu beschreiben anhand dessen, was sie ertasten können. Keiner von ihnen weiß, wie groß ein Elefant wirklich ist. So steht der erste vor dem Kopf des Elefanten, fühlt den Stoßzahn und meint voller Überzeugung: „Ein Elefant ist hart und spitz wie ein Horn“. Darauf erwidert ein anderer, der an der Seite des Elefanten steht: „Das stimmt nicht, er ist ledrig und breiter, als meine Arme erfassen können.“ Der Dritte, der hinter dem Elefanten steht, entgegnet: „Ihr irrt euch beide. Er hat einen Schwanz mit Borsten und stinkt fürchterlich.“ 

Wer von den dreien hat Recht? Natürlich alle drei. Für uns als Zuseher ist das sofort klar und einleuchtend, dass jeder der drei nur einen Teil des Gesamten wahrnehmen kann.

Nur – wenn diese Erkenntnis bei der Geschichte mit dem Elefanten so leichtfällt, warum beharren wir dann darauf, in anderen Bereichen des Lebens immer die gesamte Realität erkennen zu können?

Autsch!

Fakt ist, dass wir immer nur einen Bruchteil der Realität wahrnehmen können. Schon aufgrund der Tatsache, dass unsere Sinne eingeschränkt sind, bzw. unsere „Festplatte“ Gehirn selektive Informationen zu einem pixeligen Gesamtbild zusammensetzt, das deutlich von der Realität abweichen kann. Denkt mal nur an optische Täuschungen. Oder Songtexte, die wir ganz anders wahrnehmen als sie gesungen werden.

Wir bilden unsere individuelle Meinung zur Realität aufgrund einiger weniger Informationen.

Manche bilden auch ihre Meinung zu Borderline aufgrund einiger weniger Informationen und lassen diese ihr Schicksal bestimmen, anstatt herauszufinden, was es in ihrem individuellen Fall ist. Darauf angesprochen, wird die Neubewertung mit dem Vorurteil „Schönzeichnen“ abgeblockt.

Natürlich drängt sich jetzt die Aussage auf, das Verweigern einer Lösungsmöglichkeit sei typisch Borderline – ist es aber nicht. Das können auch andere recht gut. Es ist eher typisch menschliches Ego – und ein Exemplar davon besitzen wir alle.

Es liegt eine große Chance darin, den eigenen Standpunkt hin und wieder zu wechseln und weitere Standpunkte hinzuzufügen, um das Gesamtbild aus mehr Informationen zu generieren. Denn dann könnte es plötzlich sein, dass Borderline und Lebensfreude nicht mehr im Widerspruch zueinanderstehen, sondern in Summe eine Gesamtbild ála Elefant ergeben.

Denkt mal darüber nach 😉

#FeelTheEmbraceOfLife

100 % authentisch

Gestern habe ich eine Nachricht – oder besser: eine Frage – von einer Kollegin bekommen, die mich nachdenklich machte. Sie lautete:

„Wie du das private mit dem beruflichen Chaos noch vereinbaren kannst. Wahnsinn, bewundernswert, dass du so switchen kannst.“

Meine gedachte Antwort darauf war:

„Ich bin Borderlinerin. Das bedeutet, dauerhafte emotionale Stabilität ist nicht mein Grundzustand. Deshalb habe ich mir im Laufe der Jahre antrainiert, wie ich aus einem unerwünschten emotionalen Zustand schnell wieder in einen erwünschten wechseln kann. Diese Fähigkeit hilft mir, emotional zu springen, und das wiederum verschafft mir offenbar in monatelangen Phasen der Dauerbelastung einen Vorteil gegenüber emotional stabilen Menschen, die – stecken sie erstmal im Chaos – dort auch nicht mehr so leicht rauskommen. Ich kann emotionale Zustände wechseln wie andere ein T-Shirt, aber nicht nur fremdgesteuert (wie früher, als ich keine Ahnung hatte, wie ich wirklich ticke), sondern bewusst und gezielt. Somit nutze ich das, was viele Borderline als Belastung, Störung oder gar Krankheit empfinden, als Ressource um das berufliche Chaos (#Corona …) gut auszuhalten. Und ja, Chaos war so viele Jahre ein fester Bestandteil meines Lebens, dass ich heute damit recht gut umgehen kann. Offenbar besser als manche andere.“

Ob ich diese Antwort meiner Kollegin oder einem anderem gegenüber aussprechen werde? Mit Sicherheit, aber ich zweifle, ob ich wirklich verstanden werden. Kann sich das jemand, der es selbst nicht draufhat, überhaupt vorstellen, einen emotionalen Zustand abzulegen wie einen Mantel und einen anderen „anzuziehen“?

Drängt sich dabei nicht der Verdacht auf, alles sei nur „gespielt“?

Wie kann man nachvollziehbar machen, dass es authentisch ist, dass ein Mensch authentisch divergierende Emotionen empfinden kann, dass all das abhängig ist von den inneren Bildern im Kopf, von Gefühlen tief in sich selbst?

Wie viele Menschen glauben, authentisch zu sein, und erkennen selbst nicht, in einer von der Umwelt konditionierten Rolle zu agieren?

Wann lernen wir zu unterscheiden, was authentisch ist und was nicht?

Was, wenn Authentizität nicht eine schnurgerade Linie ist, sondern ein kurviger Weg mit zahlreichen Abzweigungen, die letztendlich alle zu uns selbst führen?

Was bedeutet es, 100% authentisch zu sein?

In diesem Augenblick … genau jene Gedanken zu denken, die ich hier festhalte, während ich in einem Cafè sitze, der Musik im Hintergrund lausche – Smooth Jazz – ein wenig überlagert von den Gesprächen rundum, dem Zischen der Espresso-Maschine, mich in den getragenen Rhythmus des Schlagzeugs fallen lasse, ein wenig mitswinge und mich einfach nur voll und ganz im Augenblick wiederfinde, inmitten von allem, ein Fels in der Brandung meines Lebens, dessen mitunter stürmischer Ozean für einige Zeit wieder wie ein kristallklarer Bergsee an einem windstillen Tag vor mir liegt und ich einfach nur hier bin, angekommen in der Umarmung des Lebens. Leben im Hier und Jetzt. 100% authentisch.

#FeelTheEmbraceOfLife

Meine Antwort auf die Frage aller Fragen …

Vor wenigen Tagen war mein Geburtstag. Wieder ein Jahr älter. Auch ein Jahr reifer? Weiser?

Da gibt es auch noch einen anderen Jahrestag: Jener Crash im Mai 2013, der mein 2. Burnout manifestierte. Keine berauschende Erinnerung. Jener Crash, der auch zum entscheidenden Wendepunkt in meinem Leben wurde und mich jene Richtung einschlagen ließ, die mich letztendlich dorthin brachte, wo ich heute bin. Eine beruhigende Erinnerung.

Vielleicht ist der Zeitpunkt gekommen, eine Conclusio zu verfassen, wie all das gelingen konnte. Meine Antwort auf die Frage aller Fragen, nach dem Leben, der Liebe, Beziehungen, mit mir selbst und allem rund um mich gut zurecht zu kommen.

Wollen wir beginnen …

„Doch wohl nicht ohne uns?“ drängt sich eine Stimme in meinen Kopf, dich ich sofort wieder auf Mute schalte. Nein, Philosopherl, dich will ich da nicht involvieren, weil …

„Weil? Warum darf ich nicht endlich auch ins Rampenlicht? Wie lange willst du mich noch verstecken?“

Komm schon, Philosopherl, du weißt ganz genau, warum ich dich nicht öffentlich machen kann. Lasse ich dich ans Licht der Öffentlichkeit, kommen die anderen beiden automatisch mit. Dich gibt’s halt nur im …

„… Triple? Das stimmt. So hast du uns erschaffen.“

Ja, das war vor langer Zeit. 2012. Mein erster Blog. Philosopherl, die über alles und jeden philosophiert und diese Welt auf eine ganz besondere Weise sieht. Eine sehr angenehme Person.

„Danke schön.“

Aber da gibt es auch noch die beiden anderen. Burnie Ash, seines Zeichens zynisches Management-Fossil und …

„Moment mal. Du nennst mich Fossil? Wie charmant ist das denn, liebe Lesley? Wenn ich mich richtig entsinne, kannst du es auch ganz gut mit dem Zynismus.“

Burnie’s Stimme weckt alte Erinnerungen und soll nicht die einzige Mahnerin bleiben.

„Du hast uns erschaffen. Nennst du Burnie ein Fossil, was bist du dann?“ Der leicht süffisante Unterton von Jester, dem Hofnarren und Meister der Reflexion, erübrigt jegliche Antwort. … ein Dinosaurier?

„Bringen wir es auf den Punkt. Du hast deinen Leser*innen bereits eine sechsköpfige Quadriga zugemutet, in dessen Gespann – wenn man Band 2 von JAN/A bedenkt – sich noch weitere Köpfe verbergen. Was also hält dich davon ab, die dreiköpfige Mitdenker-WG in dein weiteres Wirken einzubinden?“

Weil …

„Weil?“

Weil man mich möglicherweise für verrückt erklärt. Oder für verantwortungslos, über ein so ernstes Thema wie „Leben mit Borderline“ mit einem fast schon Sitcom-reifen Trio zu diskutieren.

„Glaubst du nicht, DER Zug ist schon längst abgefahren?“

Eines schönen Tages reiße ich Burnie Ash seinen Kopf ab. Aber er hat Recht. Meinen Ruf habe ich längst schon in Stein gemeißelt. Warum nicht also ein paar Namen dazusetzen.

Ich bin weder verrückt noch schizophren oder eine multiple Persönlichkeit. Vielmehr spiele ich zeitweise eine Art PPRPG (Paper and Pen Role Playing Game) mit mir selbst. Meine mitunter sehr widersprüchlichen Persönlichkeitsanteile (sie ALLE gehören zu mir als Ganzes) verkörpern dabei ihre jeweilige, sehr ausdifferenzierte Rolle und interagieren miteinander mit dem Auftrag, mich gut durch die Herausforderungen meines Lebens zu bringen. Psychologen und Psychotherapeuten mögen dabei die Haare zu Berge stehen (oder auch nicht), doch für mich ist diese lebensnahe Darstellung dessen, wie ich mich selbst in Balance halte, allemal aufbauender als abstrakte Theoriemodelle. Und ich klammere mich an das Postulat: Der Erfolg gibt mir Recht!

Lesley (also ICH) setzt sich also zusammen aus verschiedenen Facetten. Da wäre Jan, feurig-romantisch, aber auch bestimmend und voller Selbstzweifel, in deren düsteren Emotionen er schon mal feststecken kann. Dann braucht es Jana, die zwar tendenziell chaotisch-instabil durchs Leben läuft, doch auch mit jener Leichtigkeit, die Blockaden im Handumdrehen aufzulösen vermag, um sich wieder dem feurig-romantischen Aspekt zu widmen. Ja, das macht definitiv mehr Spaß, als sich aufgrund von temporären Abstürzen in vergangene Verhaltensmuster selbst zu zerfleischen. Sethos, Yanara, Aquila, Amaranthia, Philosopherl, Burnie Ash, The Jester … jede dieser Rollen ist vielschichtig, tiefgründig, widersprüchlich, belastet mit einem schmerzvollen Aspekt und gestärkt mit einer ganz besonderen Gabe. Keine dieser Rolle kann sich selbst ausbalancieren. Die Balance entsteht durch die Interaktion. Damit bleibt gewährleistet, dass ich nie wieder einen Teil (oder eine Rolle) von mir selbst „verliere“ oder ausgrenze, was in meiner Borderline-Vergangenheit viel zu oft geschehen ist. Im JAN/A-Jargon gesprochen: Ich halte alle Teile von mir im Licht. Ein kleiner Crash oder Trigger kann einen einzelnen Teil in die Dunkelheit stürzen lassen, doch die anderen holen diesen Teil wieder zurück.

Während ich meine „Methode“ hier skizziere, fasziniert mich, wie das alles zusammenspielt. Als wäre es von Anfang an so geplant gewesen. Dabei war gar nichts davon geplant. Es ist mir schlichtweg passiert. Doch es funktioniert. Und es bestätigt meine Grundannahme (die sich ein wenig an Albert Einstein und seine Aussage über Probleme anlehnt 😉 ): Die Borderline-Thematik entsteht in uns und kann auch dort gelöst werden, durch uns selbst. Gewiss, nicht jeder Borderliner wird sein intrapersonelles PPRPG spielen, sondern seine eigene Lösung finden – wenn danach gesucht wird.

Womit wir an dem Punkt angekommen sind: Wie kam ich zu meiner Lösung? Oder zu meiner Antwort auf die Frage aller Fragen?

Unser Umfeld ist eine Projektion dessen, was in uns ist. Eine Art von Spiegel. Lehne ich mich selbst ab, erlebe ich Ablehnung rund um mich. Genauso, wie wir im Sprachenwirrwarr auf einem Flughafen nur jene Worte verstehen (und auch vorrangig wahrnehmen), deren Sprache wir mächtig sind, können rund um uns nur erkennen, was wir in uns haben. Das ist erschreckend – und zugleich eine Riesenchance, denn diese Hinweise – so unangenehm sie mitunter sein mögen – zeigen unsere „blinden Flecke“ auf.

Deshalb meine Antwort auf die Frage aller Fragen: DU bist der Schlüssel. Bist DU mit deinem Leben und dir selbst unzufrieden, blicke nach innen, finde in dir die Ursachen und verändere sie – und die Welt rundum wird folgen. Die Welt rundum hat dich in der Vergangenheit geprägt, doch deine Gegenwart und Zukunft bestimmst du – oder auch nicht, wenn du das Ruder an die anderen abgibst. Denn nichts zu tun ist ebenso eine Entscheidung, wie etwas zu tun.

Einfach gesagt: Willst du dein Leben auf die Reihe kriegen, fang an in dir aufzuräumen. … und das klingt eindeutig nach Burnie Ash 😉, den ich gleich mal wieder mit Rationalität einbremse.

Meine Schritte der Veränderung fasse ich hier kurz zusammen. Sie haben sich zwar nicht in dieser Reihenfolge zugetragen, sondern waren eher eine Art von undefiniertem Tango (vor, zurück, zur Seite, zurück, vor, und nochmal …), aber nachdem bei mir alles experimentell ablief, nehme ich das mit Humor. Der ideale Ablauf aus meiner Sicht wäre folgender:

Schritt 1: Analyse des Vorhandenen

Sich selbst durchleuchten und kennenlernen. Dies tat ich mit „DIS/CONNECTED – Lieben oder Leiden? Eine Lebensgeschichte #Borderline“. All das, was ich im Laufe unzähliger Gespräche, Therapiesitzungen, Selbsterfahrungen, Seminare usw. erkannt hatte, brachte ich in Bezug zueinander. Daraus entstand eine Art von „Schaltplan“ mit komplexen Verhaltensmustern. Einfach gesagt: Ich begriff, wie ich funktioniere, welche Bedürfnisse da sind und wie die (scheinbaren) Widersprüchlichkeiten zueinander in Beziehung stehen.

Schritt 2: Umprogrammierung des Unbewussten

Oder auch Reframing bzw. Umdeutung. Diese Entwicklungsschritte absolvierten meine Protagonisten aus JAN/A für mich. Zuvor nannte ich mein Borderline „Destructivus“ und sah nur das zerstörerische Potenzial. Doch mein geliebter Dämon, der freiwillig in die Dunkelheit ging, um seine Eine vor diesem Schicksal zu bewahren, veränderte das nachhaltig. Wie könnte ich dem zürnen, der alles dafür tat, damit ich im Licht der Liebe verweilen konnte, der alle den Schmerz der traumatischen Erlebnisse meiner Kindheit auf sich nahm, damit ich überleben konnte. In der schier grenzenlosen Emotionalität, deren leidvolle Facette ich zur Genüge kannte, entdeckte ich die andere, die lebensbejahende Emotionalität für mich und wie ich in ihr verweilen konnte. Die Aussöhnung mit meinem inneren Kind und mit mir selbst, all das schrieb ich in bislang gut 1.300 Seiten nieder in Worten, die mich genau das fühlen ließen, was ich erzählte. Es war mehr als eine Veränderung des Denkens, es war eine Veränderung des Fühlens.

Schritt 3: Verankerung in der Realität

Nachdem ich mein inneres Kind in die Arme geschlossen hatte und ihm all die Geborgenheit, Liebe und Anerkennung vermittelt hatte, die solange gefehlt hatten, kehrten Ruhe und Gelassenheit ein. In diesem Zustand verweilend, schrieb ich die Geschichten von EMBRACE, meinem persönlichen Nachschlagewerk für die „Umarmung des Lebens“. Sollte ich je wieder zweifeln, wer ich bin und was in mir ist, werden diese Geschichte zu Sonnenstrahlen, welche die Nebel (oder Zweifel) über dem dunklen See (meines Unterbewusstseins) auflösen und mich fühlen lassen, wer ich bin.

Schritt 4: Der Schritt hinaus in die Welt

… als die, die ich bin. Keine Lügen oder Masken, zumindest nicht als Lesley. Mein Job erfordert nach wie vor eine Rolle, die mich stark einschränkt und mir phasenweise wie ein zu enges Korsett das Atmen erschwert. Ein Kompromiss, den ich freiwillig eingehe, auch wenn er mich belastet. Umso wichtiger ist für mich der Ausgleich in meinem (kleinen) Universum, meiner Bubble als Lesley, in der ich uneingeschränkt sein kann, wer ich bin. Und auch mein persönliches PPRPG spiele, indem ich in verschiedensten Rollen reflektiere und schreibe.

So, das war’s. Alles erzählt. Irgendwie habe ich den Eindruck, einen Ratgeber verfasst zu haben. Habe ich nicht vor kurzem erst klargelegt, niemals einen Ratgeber schreiben zu wollen?

„Sag niemals nie.“ *grins*

Oh nein, Jester, du musst natürlich gleich wieder deinen Senf dazugeben.

„Wenn du schon so eine Stichwort-Vorlage lieferst, wie könnte ich da widerstehen?“

„Wer will schon widerstehen, wenn man Spaß haben kann?“

Uff, DIESE Stimme. Dunkel, sinnlich, … Jan, stell keinen Unfug in meinem Kopf an. Ich schreibe an einem ernsthaften Blog zu einem ernsthaften Thema.

„Wer’s glaubt …“

Burnie? Oder doch Jana? Ach, egal. Sagen wir einfach: Lesley

Manchmal fällt es mir nicht leicht, die Stimmen und Rollen auseinander zu halten. Aber will ich das überhaupt? Will ich klar definierte Grenzen in mir selbst? Oder will ich einfach nur … Spaß haben mit mir selbst? Und einer sechsköpfigen Quadriga plus dreiköpfige Mitdenker-WG plus …

„Sei stark, du schaffst das, Lesley … be strong 😉“

Apropos Widersprüche …

Ich mag Menschen, aber mitunter halte ich sie einfach nicht aus.

Ich sehne mich nach Ruhe, und kann kaum eine Minute stillhalten.

Ich bin überzeugt von meinen Fähigkeiten, und strebe doch stets nach Anerkennung von außen.

Ich will unerkannt bleiben, und gleichzeitig im Rampenlicht stehen.

Mein Kleiderschrank ist voll, und doch finde ich häufig morgens nichts darin, was zu meiner Stimmung passt.

Meine Stimmung kann von Tag zu Tag schwanken, oder innerhalb einer Stunde, manchmal auch innerhalb von Minuten.

Ich bin ein wandelnder Widerspruch, und das meldet mir „Mein bester Ehemann von allen“ auch bei passender Gelegenheit (also häufig) rück. Paradoxerweise macht mich derartige Unruhe oder Widersprüchlichkeit bei anderen „unrund“. Weil sie mir spiegelt, was ich an mir selbst als „schwer auszuhalten“ einstufe?

Früher schob ich die Verantwortung für Stress in zwischenmenschlichen Beziehungen gerne ab und damit den anderen in deren Schuhe. Aber ehrlicherweise gebe ich heute zu, dass es definitiv eine Herausforderung ist, es mit einem wandelnden Widerspruch zu tun zu haben. Umso bin ich froh und dankbar, dass es in meinem Leben Menschen gibt, die genau das können. Das hilft mir, besonders jene Phasen zu überstehen, in denen meine Widersprüchlichkeit intensiv zu Tage tritt. Glücklicherweise werden diese Phasen seit einigen Jahren kürzer und seltener. Das mag auch daran liegen, dass ich meine Widersprüchlichkeit bewusst auslebe durch meine sehr unterschiedlichen Rollen im Berufsleben und als Autorin.

Das bringt mich auch an den ursprünglichen Gedanken zu diesem Blog.

Während ich im Berufsleben eher rational und pragmatisch unterwegs bin, Emotionen eher kämpferischer als romantischer Natur sind, lebe ich als Autorin die Gefühlswelt einer Träumerin, berührbar und verwundbar. Vor wenigen Tagen hat mich daher das Feedback von langjährigen Arbeitskolleginnen nach einer Lesung aus EMBRACE erstaunt. Während ich mich durch EMBRACE in der Umarmung des Lebens wiederfinde, also in einem durch und durch positiven Lebensgefühl, verspürten besagte Kolleginnen Bedrücken und Traurigkeit, weil sie intuitiv zu ahnen und zu verstehen begannen, an welchem Punkt ich einst aufgebrochen war, welch belastende Emotionen am Beginn meiner Reise standen. Sie erleben Tag für Tag, wie stark ich sein kann, wie fokussiert und zielstrebig auf die Zukunft ausgerichtet. Und an diesem Abend offenbarte ich eine Seite von mir, die dazu im krassen Widerspruch stand und steht: nicht kämpfend, sondern im Augenblick verweilend. Nicht jene zu sein, die bestimmt, sondern die, die sich in den Strom des Lebens fügt.

Meine Vergangenheit, und was mir wiederfahren ist, machte meine Kolleginnen traurig.

Meine Vergangenheit, und was mir wiederfahren ist, macht mich zu der, die ich heute bin. Sie macht mich weder traurig noch glücklich. Sie ist wie ein weitentferntes Gebilde, das sich im Horizont verliert, da – und doch längst nur mehr ein schemenhafter Schatten.

Vielleicht ist auch das nur ein weiterer Widerspruch in mir. Jene Ereignisse, die mich aus der Umarmung des Lebens hinein in das Chaos Borderline-Syndrom stießen, brachten letztendlich die in mir zum Vorschein, die in dieser Welt so viel mehr sieht als nur das Offensichtliche. Hätte ich ohne sie je begonnen, hinter den Spiegel zu blicken? Würde ich heute über diese Fragen nachdenken?

Vielleicht besteht die größte Herausforderung im Leben darin, die eigenen Widersprüche zu vereinen?

Vielleicht verwandeln sich mit der Zeit all die Widersprüche zu einem größeren Gesamtbild, geben ihre Harmonie erst Preis, wenn wir mit ausreichendem Abstand darauf blicken?

Vielleicht erkennen wir auch irgendwann, dass es nur einen einzigen Widerspruch gibt: Zu glauben, etwas in diesem Universum wäre nicht im Sinne des Gesamtbildes genau so, wie es sein soll.

Meine Tricks im Alltag: Nr. 3 – Wer fährt den Bus?

Wer sich mit NLP befasst, wird früher oder später auf die Metapher vom Bus treffen. Darin geht es um unsere unterschiedlichen Persönlichkeitsanteile, aus denen sich die Gesamtheit eines Menschen zusammensetzt. Wir alle haben mehr oder weniger ausgeprägt kontrollierende, kreative, hilfsbereite, aggressive, neugierige, zur Faulheit neigende oder eifrig wirkende Anteile in uns. Und noch viele andere mehr. Jeder von uns ist eine Ansammlung von vielem. In der besagten Metapher geht es darum sich vorzustellen, alle diese Anteile wären jeweils einzelne Personen, die gemeinsam in einem Bus sitzen, der auf der Landstraße des Lebens – unseres Lebens – fährt. Die Gretchen-Frage dabei ist:

Wer fährt den Bus?

Wer den Bus fährt, bestimmt Richtung und Tempo. Der Faulenzer in uns wird anders steuern als der Partytiger. Die Theorie dahinter ist einleuchtend. In Bezug auf Borderline lehrte sich mich so einiges über mich selbst.

Wechseln wir von der Theorie zu einem praktischen Beispiel.

„Ich brauche deine Hilfe und du bist die Einzige, die mir helfen kann.“

Diesen Satz habe ich oft in meinem Leben gehört. Bezieht er sich beispielsweise auf eine Formelproblem in Excel – easy to handle. Oder geht’s um ein Kochrezept – ein Klacks. Schwieriger wird es, wenn’s um zwischenmenschliches geht. Der Grad an Nähe dieser zwischenmenschlichen Beziehung fungiert wie ein Multiplikator. Das hängt damit zusammen, dass ich als kleines Kind in einer traumatisierenden Situation genau diesen Satz von einer sehr nahestehenden Person gehört habe und in jeder Weise völlig überfordert war.

Dieser Satz ist für mich ein Trigger.

Mehr als das.

In Kombination mit dem beschriebenen Näheverhältnis lässt dieser Satz sofort mein „Helferlein“ von den hinteren Reihen des Busses aufspringen und Richtung Steuer laufen. Mein „Ich bin toll-Ego“ sprintet unmittelbar hinterher, denn mal ehrlich: Niemand außer mir kann helfen? Welch eine Gelegenheit für Bestätigung des Selbstwertes! Dafür nehme ich schon mal den Druck und die Belastung, die eine derartige Alleinstellung unweigerlich bedeutet, in Kauf. Und ja, am Rockzipfel meines Egos hängt der „Zweifler“, der auch gerne am Nektar der Anerkennung mitnaschen möchte.

Während diese 2 ½ also ums Steuern streiten, tritt mein „inneres Kind“ auf den Plan. Jenes Kind, das vor sehr langer Zeit traumatisiert wurde und seither mit allerlei extremen Emotionen auf einen Trigger dieser Art reagiert – mitunter wie ein feuriger Vulkanausbruch. Um diese Gefahr einzudämmen, schaltet sich auch meine „Wächterin“ ein, die ich im Laufe vieler Jahre kultiviert habe und die mich vor genau der eben beginnenden Überlastung durch Druck bewahren soll.

Und dann gibt es noch die „Loyale“ in mir, die keinesfalls einen nahestehenden Menschen im Stich lassen möchte, und bereit ist, alles zu geben – koste es, was es wolle. Selbst wenn’s das eigene Wohl ist. Wobei da kommt dann auch die „Altruistische“ ins Spiel.

Mittlerweile rauft sich ein kleines Grüppchen um das Steuer, was dazu führt, das meine „Pragmatische“ nüchtern zur Ordnung ruft und verlangt, doch endlich wieder den Verstand einzuschalten. Aber meinen „grenzenlose Emotionale“ hält dagegen.

Und die Fahrt geht weiter!

Wo sie enden wird, kann sich jeder mit ein wenig Fantasie vorstellen. Wenn so viele versuchen, gleichzeitig das Steuer zu übernehmen, ist der Crash de facto vorprogrammiert.

Dieses Chaos hat mich jahrelang bestimmt. Damals hatte ich nicht die geringste Ahnung, was in mir passiert. Ich erlebte nur die verheerenden Auswirkungen. Hilflos ausgeliefert meiner eigenen „Widersprüchlichkeit“ – oder meiner Vielfalt. Damals identifizierte ich mich mit dem jeweils am Steuer sitzenden Anteil. Dass all diese Anteile zusammen mein ICH ergeben, lernte ich später zu verstehen, sehr viel später erst zu fühlen und zu leben.

Auch heute kann es hin und wieder vorkommen, dass meine Anteile ums Steuer rangeln und mein ICH kurzzeitig auf die hinteren Plätze verdrängen. Der wesentliche Unterschied zu früher ist: ICH weiß heute, was mit mir los ist und dass ich das Steuer wieder übernehmen kann.

Borderline fühlte sich für mich lange Zeit wie eine emotionale Achterbahnfahrt oder eben eine ungesteuerte Busfahrt an. „Etwas“ schaukelte mich unkontrolliert durch mein Leben auf eine Art und Weise, die kaum jemand nachvollziehen oder verstehen konnte – inklusive mir selbst.

Das Wissen um die Zusammenhänge verändert nicht direkt meine Persönlichkeitsanteile oder löst alte Traumata auf, doch es erleichtert den Umgang mit ihnen und hilft, mich selbst in Balance zu halten. Vor allem aber erinnert es mich daran, am Steuer des Busses zu bleiben. Denn darum geht aus meiner Sicht: Mit den vorhandenen Ressourcen und Potenzialen gut durchs Leben zu kommen.

Aufarbeiten der Vergangenheit: Wichtig, um zu verstehen, wie man wurde, wer man ist.

Auflösen von Blockaden und Traumata: Essenziell, um sich aus Verstrickungen zu befreien und manche Trigger zu entschärfen.

Selbstreflexion und Achtsamkeit: Tägliche Routine, um auf Kurs zu bleiben. Deshalb richte ich täglich die Frage an mich selbst:

Wer fährt gerade den Bus?

#FeelTheEmbraceOfLife

Das überaus passende Bild stammt von pixabay.com. Vor einigen Jahren, bevor mir das heute erzählte bewusstwurde, schrieb ich unter dem Pseudonym „philosopherl“. Mein damaliges Logo zierte ein grüner Frosch mit orangefarbenen Augen. Das Leben (oder mein Bus) schlägt manchmal wundersame Wege ein.

UNDER PRESSURE

… ist einer der Songs von Queen, die ich besonders mag. Vielleicht, weil ich häufig genug und immer wieder in meinem Leben unter enormem (emotionalen) Druck stehe. Weniger oft als mir lieb ist, entsteht dieser Druck im Außen. Vielfach erzeuge ich ihn selbst – in mir – unnötigerweise.

Ich will das nicht mit abstrakten Theorien erläutern. Ein Beispiel aus meinem Schaffen als Autorin veranschaulicht die Dynamik:

2017 begann ich meine Laufbahn als Schriftstellerin und schuf damit einen Bereich in meinem Leben, in dem ich uneingeschränkt ICH sein darf, meine Hyper-Emotionalität ausleben kann und so weiter und so fort. Wunderbar.

Aber alles im Leben hat zwei Seiten, so auch dieser Bereich. Ich bin nämlich ein leistungs- und erfolgsorientierter Mensch. Im Grunde nichts Schlechtes, ABER – und hier schon wieder ein großes ABER – daraus entsteht natürlich auch eine gewisse Erwartungshaltung oder anders gesagt: Erfolg braucht ein Messkriterium. Bei einer Autorin liegt es nahe, dafür die Verkaufszahlen anzuwenden. Um die im Selfpublishing zu erreichen, ist ein intensiver Marketingeinsatz (der Autorin) erforderlich. Marketing ist eine gänzlich andere Tätigkeit als kreatives Schreiben und deckt daher nicht jenen Bedarf, der ursprünglich diesen Bereich erschuf.

Bringen wir es auf den Punkt: Autorin versus Verkäuferin

Während der kreative Prozess mir nach wie vor Freude bereitet und mich stabilisiert, erzeugt die nüchterne Betrachtung der Kennzahlen immer wieder innerlich Druck, mehr und schneller zu erreichen. Ist dieses Gefühl erst einmal geweckt, kommt eins zum anderen: Der Blick zur Seite, was andere tun und damit erreichen. Das Vergleichen vom eigenen mit dem anderen. Matching –> Bewertung –> Beurteilung –> Verurteilung –> mieses Gefühl, nicht genug (im Marketing) getan zu haben –> selbstauferlegten Druck, künftig mehr zu tun (von dem, was ohnehin nicht gerade Freude bereitet) –> Aussicht auf mehr unerfreuliche Tätigkeiten und Gefühle …

Ich denke, diese Darstellung macht den Ablauf gut nachvollziehbar. Eine miese Spirale nach unten, die nicht nötig wäre, denn ich muss nicht davon leben können. Dafür habe ich meinen Job. Autorin zu sein, bedeutet für mich Selbstverwirklichung (also die oberste Stufe der Maslow-Pyramide) und nicht Existenzsicherung (die unterste Stufe). Natürlich ist mir das alles bewusst. Als Trainerin habe ich die Maslow-Pyramide rauf und runter gebetet. Umso mehr erstaunt es mich selbst, wie oft es mich in diese Dynamik des „Vergleichens mit anderen“ hineinzieht – mit all ihren unangenehmen Auswirkungen auf mich. Wieder einmal bewahrheitet sich:

„Wissen allein ist wertlos. Was zählt, ist die Umsetzung und Anwendung im eigenen Leben.“

Wie kann diese Anwendung konkret ausschauen? Nun, ich werde mir neuerlich in Erinnerung rufen, dass ich schreibe, weil es mir gut tut, mich in Balance hält, Spaß macht und ich vielleicht dem einen oder der anderen eine Idee für ihr eigenes Leben vermitteln kann. Finanziell betrachte ich es als „Investition in ein Hobby mit Entwicklungspotenzial“. Mal ehrlich, würde ich jede Stunde, die ich schreibend verbringe, als Therapiestunde bezahlen, wäre ich bis an mein Lebensende bankrott 😉. Kleiner Scherz.

Natürlich freue ich mich darüber, wenn meine Bücher gekauft werden, aber ich will und werde mich nicht verrenken und im Marketing verausgaben. Ich bin Autorin geworden, um Geschichten zu erzählen. Folge ich meinem Verstand, sieht der Zahlen, schreit nach Verkaufsaktivität und erzeugt Druck. Folge ich meinem Herzen, sehe ich das gelassen und vertraue auf etwas, das ich nicht mit Worten beschreiben kann, doch häufig erlebt habe: Was sich sucht, wird sich finden! Die Menschen, für die meine Geschichten wertvoll sein können, werde mich und meine Bücher finden.

Und mit diesen Gedanken kehre ich zurück in die Gelassenheit, löse den Druck auf, vereine meine eigene Widersprüchlichkeit erneut in einem harmonischen Gesamtbild und das fühlt sich richtig gut an.

Meine Borderline-Persönlichkeit ist nach wie vor sehr dynamisch, verharrt selten lange in einem statischen Selbstbild, weshalb es für mich mittlerweile zur Routine geworden ist, mich neu auszurichten, wenn ich mich „verliere“. Dabei entdeckte ich regelmäßig neue Aspekte an mir selbst, die wiederum mein Leben bereichern. Anders gesagt: Ich lerne täglich mehr über mich, wann ich mir wo und wie selbst im Weg stehe und wie ich das mit Selbstliebe und einer großen Portion augenzwinkernder Selbstironie auflösen kann.

Vielleicht inspiriert dich meine heutige Geschichte, selbst einmal darüber nachzudenken, ob du in dir selbst (unnötig) Druck aufbaust. Wer weiß das schon – außer dir selbst?

Aufgeben oder Loslassen?

Da gibt es diese Person A. Ich verrate im Folgenden nicht, ob Person A eine Frau oder ein Mann ist. Person A ist real und steht seit ungefähr einem halben Jahr im Austausch mit mir. Ich weiß mittlerweile eine Menge über Person A und die gescheiterte Beziehung zu Person B. Bei Person B wurde vor einigen Jahren Borderline diagnostiziert.

Eine Beziehung zu einem Borderliner bzw. einer Borderlinerin stellt in den meisten Fällen eine ziemliche Herausforderung dar. Wie viele andere Beziehung auch. Ob sie gelingt oder scheitert, hängt von vielen Faktoren ab. Wie bei anderen Beziehungen auch.

Diese jedenfalls ging schief und wurde durch die Person B beendet. Nun geht es Person A mit dem Ende dieser Beziehung nicht besonders gut. Genau genommen sogar schlecht. Person A versucht nämlich immer noch, Person B zu helfen und aus dem Borderline-Strudel herauszuziehen – ohne jedoch von Person B darum gebeten worden zu sein. Person B hat sich entfernt und ist eine neue Beziehung zu Person C eingegangen. Als dies beobachtet Person A aus der Distanz und kann offensichtlich nicht loslassen. Oder aufgeben? Das ist die Gretchen-Frage: Aufgeben oder Loslassen?

Gehen wir davon aus, dass Person A aufrichtige Liebe für B empfindet, die von B erwidert wird oder auch nicht – wir wissen es nicht. Vielleicht weiß B das selbst nicht. Was wir wissen ist die Tatsache, dass B die Beziehung beendet hat und A etwas für B tun möchte. Aus Liebe? Vermutlich. Aber … wann ist der Zeitpunkt, dieses einseitige Unterfangen, das bislang keinen Erfolg zu verzeichnen hat, zu beenden? Wie lange soll man versuchen, jemand zu retten, wenn dies von der anderen Seite nicht gewünscht wird? Lässt man den anderen im Stich, wenn man irgendwann aufgibt? Oder rettet man sich selbst, indem man loslässt, bevor man selbst daran zerbricht?

Was ist richtig? Was falsch?

Ich wünschte, es gäbe eine verbindliche Antwort auf diese Fragen. Für alle Borderliner und Nicht-Borderliner. Für alle Menschen, die sich in ihrem Leben der Herausforderung „Beziehung“ stellen. Leider gibt es diese Antwort nicht. Jeder Mensch ist einzigartig, und damit auch jede Beziehung. Manch allgemeine Regeln und Annahmen mögen auf viele zutreffen, doch im Detail wird es immer Unterschiede geben.

Beziehung leitet sich vom Wortstamm „ziehen“ ab, das habe ich vor vielen Jahren zum ersten Mal gehört und im Laufe meines Lebens mehr als einmal erlebt. Einer „zieht“ bzw. zerrt mit seinen Handlungen an den Nerven des anderen. Einer „zieht“ den anderen mit sich, weil es dem anderen an Elan, Entschlusskraft, Energie … was auch immer fehlt. Einer „zieht“ dem anderen davon und die beiden entfremden sich. Oder sie „Ziehen“ an einem gemeinsamen Strang und fühlen sich auch nach vielen Jahren noch voneinander „angezogen“. Es gibt viele Arten des „Ziehens“.

Wie es mit A und B weitergehen wird, ist ungewiss. Ich wünsche beiden das Beste. Mögen sie jeder für sich oder gemeinsam das Glück finden, das sie offensichtlich suchen.

Leben ist ein endloser Lernprozess, Beziehungen immer auch ein Stück weit experimentell. Aufgeben oder Loslassen? Das muss jeder für sich selbst entscheiden, jeden Tag aufs Neue, ein Leben lang. That’s life.

Brav war gestern

Eine Aussage, die leicht missverstanden werden kann – und auch ein wenig provokativ ist. Was meine ich also damit? Mit „brav“ bezeichne ich den Anpassungsmodus an die Erwartungen meines Umfeldes oder der Gesellschaft allgemein. In diesem Sinne …

… nein, ich bin ganz und gar nicht „brav“.

Genau genommen bin ich das Gegenteil. Dank meiner Diagnose Borderline sollte ich – eigentlich – ein ganz anderes Leben führen und mich anders fühlen als ich es tue. Tue ich aber nicht. Es geht sogar noch schlimmer: ich spreche und schreibe öffentlich darüber, dass ich mich nicht an die „Spielregeln“ halte und den verbrieften Zuschreibungen widerspreche. Anders formuliert: Ich pfeif auf die Klischees.

Nein, ich versinke nicht im Selbstmitleid oder Drama, werfe weder mit Anklagen noch Schuldzuweisungen (immerhin fanden ein paar heftige Ereignisse in meiner Vergangenheit statt) um mich. Und Zuschreibungen, wie ich mich zu fühlen oder zu verhalten habe, weise ich konsequent zurück.

Mal ehrlich, was habe ich davon, wenn ich mich „brav“, also gemäß dem verhalte, was man von einer Borderlinerin erwarten würde? Verbessert sich irgendetwas dadurch? Aus jahrelanger Erfahrung kann sich sagen: NEIN. Sich an die Klischees zu halten, hat mich nicht weitergebracht. Erst der radikale Bruch damit und die Besinnung auf das, was in mir „steckte“, brachte mich auf meinen heutigen Kurs, der einem schwungvollen Tanz zwischen Lebensfreude und Selbstliebe vor der Kulisse eines romantischen Sonnenuntergangs gleicht.

Warum ich dieses Thema heute aufgreife, ist schnell erklärt. In den vergangenen beiden Wochen geisterte so einiges durch meinen Kopf, was ich hier erzählen wollte. Doch ein grippaler Infekt warf mich in die Untätigkeit und damit auch in eine „Meta-Position“, die Ereignisse jener Zeit nochmals aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Dabei wurde mir rasch klar, dass es nicht um dies oder jenes ging, sondern ganz einfach um das, was es unter dem Strich für mich ist:

Eine Entscheidung, gegen den Strom der Erwartungshaltungen zu schwimmen und mich damit gleichzeitig in den Strom des Lebens zu fügen.

Seit Monaten beobachte ich intensiv, wie andere Borderliner ihr Leben gestalten. Dabei fällt mir auf, dass vor allem jene einen guten Kurs für sich finden, welche die Verantwortung für sich selbst übernehmen und aktiv nach Lösungen für die Herausforderungen suchen. Auch sie tanzen aus der Reihe, unterwerfen sich nicht dem Schicksal einer Diagnose, die stets nur eine Momentaufnahme sein kann, etwas Veränderliches im Lauf des Lebens.

Ich werde nicht müde zu erwähnen, dass Borderline nicht als Krankheit, sondern als Persönlichkeitsstörung eingestuft wird. Zur Persönlichkeit eines Menschen zählt neben Charakter und Eigenschaften auch das Verhalten. Der Charakter mag statisch sein und Eigenschaften widersprüchlich. Wer ist nicht gerne motiviert bei dem dabei, was Spaß macht, und drückt sich vor dem anderen, was keinen Spaß macht? Jeder von uns – Borderliner oder nicht – ist ein wandelnder Widerspruch. Vielleicht ist es ja doch mehr eine Verhaltungsstörung? Verhalten ist veränderbar. Nicht leicht, wie all jene wissen, die sich schon einmal eine unliebsame Angewohnheit abgewöhnen wollten, aber machbar.

Im Repertoire meiner Verhaltensmuster (oder Programme) sind einige, die alles andere als lebensbejahend und umgänglich sind. Löschen ist schwierig bis unmöglich. Dazu sind wir Menschen einfach zu komplex. Daher rührt wohl die Aussage, Borderline sei unheilbar. Aus diesem Blickwinkel betrachtet stimme ich zu. Was jedoch möglich ist, ist die Erweiterung des Repertoires. Neue Verhaltensmuster, Sub- und Unterprogramme, die davor schützen, in extreme Reaktionen auszubrechen.

Praktisch gesagt: auch ich wache manchmal in einer Depression auf, oder verfalle in Schwarz-Weiß-Denken. Explodiere aus dem Nichts heraus, wenn jemand einen Trigger aktiviert. Mitunter kehrt die Leere zurück, verliere ich den Bezug zu mir selbst.

Heute erkenne ich diese Symptome frühzeitig. Manchmal springen meine „Reboot-Programme“ automatisch an, manchmal starte ich sie bewusst. Die emotionale Achterbahn ist zwar kein Bummelzug geworden (wer will das schon?), aber die Abstürze sind deutlich schwächer und kürzer. Und ganz ehrlich: jeder Mensch hat Stimmungsschwankungen. Manchmal werden sie erst dann zu einem echten Problem, wenn man ein Problem darin sehen will – oder muss, weil es erwartet wird. Womit wir wieder bei den Zuschreibungen und Erwartungshaltungen wären.

Hätte mir jemand diese Aussagen, die ich heute hier tätige, vor einigen Jahren vor meine (Drachen-)Nase gehalten, ich hätte diese Person „gefressen“. Ich suchte nach Anerkennung für meinen Schmerz und mein (Selbstmit-)Leid. Jeder, der mir dies verweigerte, wurde von mir abgestempelt als jemand, der mich nicht verstehen wollte. Heute weiß ich, dass ich diejenige war, die nicht verstanden hat. Falls mich also jemand ob dieser Aussagen „fressen“ möchte, sage ich nur: Viel Spaß. Ich bin möglicherweise schwer verdaulich und unbequem, seit ich mich aus der Opferrolle verabschiedet habe und zur Gestalterin meines (Er-)Lebens wurde.

Ich bin alles andere als brav.

Manchmal falle ich hin (oder zurück in alte Muster), aber das macht nichts, weil ich ganz einfach wieder aufstehe, den Staub von den Klamotten klopfe, mein Krönchen zurechtrücke und weitermache. Wie ein kleines Kind, das gerade gehen lernt. Gewissermaßen lerne ich mit meinen neuen Verhaltensmustern erneut gehen. Und manchmal falle ich dabei hin. So ist das im Leben.

Nicht perfekt. Nicht den Erwartungshaltungen anderer folgend.

Nicht brav.

Brav war gestern.

Heute ist Selbstliebe und Lebensfreude.