WAS KANN ICH TUN UM DICH GLÜCKLICH ZU MACHEN?

… diese Frage wurde einer Freundin von einem Bekannten gestellt, so hat sie mir zumindest vor ein paar Tagen berichtet. Leider bekam sie in Folge nicht, was sie genannt hatte. Es ging um einen Geldbetrag knapp unter einer Million Euro.

Seit dem Besuch bei meiner Freundin denke ich über diese Frage nach. Oder besser: ich spüre in mich hinein.

Was könnte jemand tun, um mich glücklich zu machen?

Während ich also über diese Frage sinniere, beginne ich unweigerlich, meine aktuelle Lebenssituation zu reflektieren.

[no nau na net] … ergänzt meine innere Stimme in perfektem Österreichisch 😉 Ins Schriftdeutsche übersetzt bedeutet es so viel wie: Was sonst?

Wie sieht mein Leben derzeit aus? Stressig, aber ich habe mir sowohl den stressigen Job ausgesucht als auch Ja zum neuen Projekt gesagt, und somit zur außerordentlichen Arbeitsbelastung. Es war meine Entscheidung! Ich hätte auch Nein sagen können. Oder längst in einen anderen Job wechseln können.

Generell: Mein Leben ist seit letztem Jahr genau das, was ich für mich bestimmt habe – mit all seinen Sonnen- UND Schattenseiten. Nicht alles läuft perfekt, aber das wäre auch unrealistisch. Ich bin zufrieden mit dem, wie es ist.

Was könnte also jemand tun, um mich glücklich zu machen?

Ich griff die Antwort meiner Freundin auf und rundete gleich mal auf: Eine Million Euro.

Wäre ich mit einer Million Euro glücklich?

Gegenfrage: Was wäre anders?

Ich besitze alles, was ich zum Leben brauche. Teilweise sogar mehr, aber zum Glück (!) nicht so viel, dass ich mir darüber Gedanken machen muss. Besitz bedeutet stets auch eine Form der Belastung.

Was würde ich mit einer Million Euro kaufen?

Das neueste Smartphone? Wozu? Für meine Zwecke genügt das aktuelle völlig. Besitzprotzerei liegt mir nicht.

Ein Luxusauto? Wozu? Damit es in der Garage steht? Ich würde von den Öffis nicht wieder aufs Auto umsteigen. Dazu sind mir meine Nerven zu wertvoll, die ohnehin viel zu lange im täglichen Stauirrsinn strapaziert wurden. Außerdem entstehen beim Bahnfahren wunderbare Dinge, wie selbstgestrickte Socken.

Reisen? Wäre nett. Ich habe ja früher in der Tourismusbranche gearbeitet. Aber Reisen möchte ich mit anderen, um gemeinsam das Abenteuer des Entdeckens zu erleben.

Nicht mehr arbeiten? Ganz ehrlich, ich wurde nicht geboren, um auf der faulen Haut zu liegen. Vielleicht würde ich nicht mehr meinen Stressjob ausüben, aber mit Sicherheit würde ich mir andere Herausforderungen suchen.

Was würde ich mit einer Million Euro machen?

Vielleicht hätte ich plötzlich eine Menge neuer Freunde, auf die ich gerne verzichte, wenn sie nur des Geldes wegen meine Freundschaft suchen.

Meine Gedanken landen in einer Sackgasse – und ich auf einer sonnigen Lichtung, nachdem ich zuvor durch einen Graupelschauer bergauf gewandert bin. Und dann ist er plötzlich da, der kleine Marienkäfer, der sich ob der kühlen Temperaturen nur sehr langsam auf seinem Ast bewegt, doch er bringt mich zum Lächeln, und in mir breitet sich ein Gefühl aus, das ich „glücklich“ nenne.

Was soll ich mit einer Million Euro? Das Leben hat mir eine Gabe geschenkt, die mit keinem Geld der Welt zu kaufen ist: Das Besondere im Alltäglich zu sehen und mich daran freuen zu können.

Es sind meine eigenen Beine, die mich auf diese sonnige Lichtung getragen haben, wo ich nun die wärmenden Strahlen der Frühlingssonne spüre. Meine Augen, die den kleinen Marienkäfer erblicken, während meine Ohren dem Gezwitscher rundum lauschen, dem Flüstern des Windes. Mit all meinen Sinnen spüre ich das Leben, fühle im Herzen eine tiefe Dankbarkeit dafür, all dies erleben zu dürfen und zu können.  

Du fragst, was du tun kannst, um mich glücklich zu machen?

Nichts.

Oder vielleicht doch? Lass dich von meiner romantischen Lebensfreude anstecken. Ich glaube, es würde dieser Welt gut tun, gäbe es mehr Menschen, die nichts brauchen, um glücklich zu sein. 😉

EIN HERZENSPROJEKT

Hinter mir liegt eine Woche extremer Herausforderungen im Job. Doch damit nicht genug. Auch im engsten familiären Umfeld wurde ich intensiv gefordert. Ruhe? Entspannung? Fremdwörter in einer Phase, die mittlerweile bereits zu lange dauert und meine Energiereserven gegen Null fährt.

Inmitten von diesem „Irrsinn“ leuchtet mir ein Stern den Weg, ein Herzensprojekt, das in dieser Woche des „Was noch?“ den vorletzten Schritt (Probedruck) erreicht hat: „Berggeflüster – s’Lebn gspiarn“, mein 6. Buchbaby, mein Kind der Berge.

Berggeflüster bringt mich zum Lächeln, selbst wenn rund um alles erschüttert wird.

Es begann mit einer Wanderung im Juni 2021, mit einem Gedanken, der plötzlich in meinen Kopf war …

„Do obn am Berg, do merkst’s erst, wia kloan das’d bist, siachst vühles plötzlich aundas ois druntn im Toil.“

… ganz so, als hätte jemand ihn mir ins Ohr geflüstert. Vielleicht die grauen Riesen, die rundum mich mächtig emporragten.

Aus diesem Gedanken entstand ein Gedicht, auf das weitere folgten. Im Laufe einiger Aufenthalte im Gasteiner Tal wuchs mein Schatz an geflüsterten Lebensweisheiten in Mundart beträchtlich an. Also beschloss ich, daraus ein Buchprojekt zu machen, inspiriert von der Landschaft und dem Spirit im Tal. Doch wie sollte jemand, der das Tal nicht kannte, sich vorstellen können, woher meine Inspiration kam?

Ich ging einen Schritt weiter und beschloss, einen Bild-Gedichtband zu machen. Damit begab ich mich sehr weit aus meiner Komfortzone als Autorin. Gedichte in Mundart? Bildband? Beides für mich Neuland, das einige Fragen mit sich brachte. Woher das Bildmaterial nehmen? Ich habe zwar einige recht nette Bilder, aber bei weitem nicht ausreichend, um einen Bildband zu füllen.

Es folgte ein weiterer Schritt aus der Komfortzone hinaus: die Kontaktaufnahme mit dem Tourismusbüro vor Ort und in Folge mit einer Facebook-Gruppe, die sehr viele Bilder aus dem Tal postete. Ich fragte nach Bildern für ein Buchprojekt, ein Werk, das so nie geplant war und mir einfach „zugeflüstert“ worden war. Ein Geschenk der Berge – und ich wollte etwas zurückschenken. Deshalb beschloss ich, den Reinerlös aus dem Buchverkauf an die Bergrettung im Tal zu spenden. All das kommunizierte ich in die Facebook-Gruppe. Was danach geschah, beeindruckt mich nachhaltig und macht mich dankbar.

Ich bekam traumhaft schöne Bilder kostenlos zur Verfügung gestellt – und zwar so viele, dass es eine Qual der Wahl wurde, welche 40 Bilder auf den Buchseiten Platz finden sollten.

Bildautor_innen bedankten sich bei mir für die Möglichkeit, etwas beitragen zu dürfen an diesem Projekt und damit an der Spendenaktion für die Bergrettung.

Ich lernte Menschen kennen, die ich sonst nie getroffen hätte. Menschen, die mir berührende Geschichten erzählten.

Es entstand und entsteht Wunderbares rund um dieses Buchprojekt. Derzeit plane ich die Buchpräsentation für Mai vor Ort im Tal. Und wer weiß, was noch alles kommen wird?

Erich Kästner sagte: Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es

Berggeflüster zeigt mir gerade, was ein einzelner Mensch Gutes tun kann – einfach so – aus einem Gedanken heraus, der anderen kommuniziert wird. Schritt für Schritt. Mein Kind der Berge beweist, das Menschen bereit sind zu helfen, wenn sie gefragt werden und ihnen Möglichkeiten geboten werden.

Jeder kann jederzeit Gutes tun.

Vor einigen Tagen überlegte ich kurz, ob ich mich der Welle an Unterstützung für die Ukraine anschließen soll und den Reinerlös in diese Richtung fließen lassen soll. Ich war gerade zum Skifahren im Tal und auf einer Piste unterwegs. Mir gingen Gedanken durch den Kopf wie „anderswo brennt die Welt, fallen Bomben, das ist doch wichtiger“. Plötzlich erblickte ich eine Menge Skifahrer, die sich kurz vor der Sesselliftstation versammelt hatten und im nächsten Augenblick auch den Grund dafür. Sie durften nicht weiterfahren, weil die Rotoren eines Helikopters sich noch drehten und ein Verunfallter eingeladen wurde. Ich erinnerte mich daran, bei meinem vorherigen Besuch Bergretter gesehen zu haben, die mit einem Akia zu Tal sausten. An meinem insgesamt 20 Skitagen in dieser Wintersaison konnte ich einige Einsätze live beobachten. Anderswo mag Krieg toben, das ist schrecklich und nicht mit dem zu vergleichen, was im sicheren Österreich passiert, doch auch hier geht das Leben weiter. Menschen gehen hinauf in die Berge und verunglücken. Die Einsätze der Bergrettung enden nicht, nur weil anderswo Krieg herrscht. Deshalb darf auch unsere Unterstützung nicht enden, denn alle, die hinaufgehen, um andere heil ins Tal zu bringen, tun dies ehrenamtlich. Was sie dafür brauchen an Material, muss bezahlt werden. Mein Buchprojekt möchte etwas dazu beitragen, denn auch ich bin da oben in den Bergen unterwegs. Bislang unfallfrei, weil achtsam, doch niemand ist vor Unfällen gefeit.

„Do obn am Berg, do merkst’s erst, wia kloan das’d bist, siachst vühles plötzlich aundas ois druntn im Toil.“

Für jene, die mit österreichischer Mundart (die regional sehr unterschiedlich sein kann) eine kleine Herausforderung haben:

„Da oben am Berg, da merkst du erst, wie klein du bist, siehst vieles plötzlich anders als unten im Tal.“

Da oben am Berg wurde und wird mir einiges bewusst, was ich beitragen kann, um in dieser Welt ein kleines bisschen Gutes zu tun, mit einem Buchprojekt Menschen zusammenzubringen, die sich sonst vielleicht nie getroffen hätten, um mit ihnen gemeinsam etwas Wunderschönes zu erschaffen, das anderen Freude bereitet und für das sie etwas geben, mit dem jene unterstützt werden können, die ihrerseits geben und tun, um zu helfen.

Oder einfacher gesagt: ein Herzensprojekt

P.S.: Ende April/Anfang Mai wird „Berggeflüster – s’Lebn gspiarn“ im stationären und Online-Buchhandel erhältlich sein. Für ein paar Euro könnt ihr Lebensretter_innen unterstützen und ein einzigartiges Bild-Wort-Kunstwerk in Händen halten und/oder weiterschenken. Es ist ganz einfach, Gutes zu tun 🙂

LEBENSFREUDE KANN MAN NICHT KAUFEN

Worüber schreiben nach einer „8 to 8 Work“-Woche wie dieser? Ganz ehrlich, Herausforderungen gehören längst zu meinem Alltag, ebenso wie das Schaukeln von unvorhersehbaren Zwischenfällen mit unterschiedlicher Tragweite. Alles längst Routine. Dennoch zieht sich ein interessanter roter Faden durch meine Woche: Lebensfreude – trotz allem!

Ein passender Zeitpunkt, um ein paar Blicke auf das Thema Lebensfreude zu werfen.

Meiner Ansicht nach ist Lebensfreude nichts, was man „kaufen“ kann. Weder mit Geld noch mit etwas Materiellem. Ich empfinde Lebensfreude nicht, weil ich dies oder das habe. Oder ich da oder dort war. Oder jemand dies oder das gemacht hat.

Lebensfreude ist für mich unabhängig von allem Äußeren. Es ist eine Grundhaltung. Quasi eine Art von „Betriebsmodus“. Ich empfinde Lebensfreude, auch wenn rundum nicht alles perfekt läuft. Oder die Herausforderungen alles andere als leicht zu meistern sind, Scheitern eine durchaus realistische Option darstellt. Oder Menschen sich anders verhalten als ich es gerne hätte.

Lebensfreude ist für mich ein aus der Tiefe meines Selbst entspringendes Gefühl. Ein riesengroßes JA zum Leben und mir selbst.

ICH LEBE! … das ist doch allemal Grund genug, um Freudensprünge zu machen. Auch wenn etwas schiefläuft oder anstrengend ist oder nervig. ICH LEBE!

Lebensfreude ist für mich etwas, das nicht zeitgleich mit Drama koexistieren kann. Drama, also die klassische und dabei so vielfältige Täter-Opfer-Retter-Dynamik, die sich wie ein unsichtbares Pilzgeflecht (nichts gegen Pilze, aber das Bild passt wie der Deckel auf den Topf) unter der Oberfläche in und zwischen den Menschen ausbreitet, sie lässt keinen Platz für Lebensfreude, denn in ihr gedeiht die Unlösbarkeit, die Unmöglichkeit, die Unerreichbarkeit vom Paradies – das ohnehin nur eine Halbwahrheit in einem dualen Universum darstellt. Aber dieser Illusion werde ich mich ein anderes Mal widmen.

Heute geht’s um immanente Lebensfreude. Also das, was nur bei wenigen Menschen, die mir begegnen, aus den Augen herausstrahlt, ihnen eine Aura der Lebendigkeit verleiht – im Gegensatz zu den allgegenwärtigen „Zombies“, deren Nicht-Lebendigkeit mich immer wieder aufs Neue überrascht. Wie kann man nur so apathisch und energielos durchs Leben wandeln? Welch Zeitverschwendung kostbarer Lebenszeit! Ja, die Lebensumstände können schon mal unter dem Nullpunkt landen, aber trotzdem … Lebensfreude ist ein riesengroßes JA zu sich selbst, unabhängig von Lebensumständen, ein Lächeln im Herzen, ein Licht in der Seele.

Selbst wenn nichts anderes bleibt, das Freude bereitet, so kann ich mich stets darüber freuen, am Leben zu sein. Ist nicht das die Basis für alles? Solange ich lebe, ist (fast) alles andere veränderbar. Zumindest meine Einstellung dazu kann ich verändern, solange ich lebe.

ICH LEBE – die Quelle unerschöpflicher Lebensfreude. So sehe ich das, aber ich kann natürlich – wie immer – völlig falsch liegen. Frei von Drama-Energie (außerhalb des Pilzgeflechts), kann ich natürlich Ansichten vertreten, die niemand sonst teilen muss. Das ist auch in Ordnung. Ich sprühe trotzdem vor Lebensfreude – möglicherweise unheilbar.

Hoffentlich unheilbar 😉 a fiery spark of joie de vivre

Bild: pixabay.com

STARKE MENSCHEN WEINEN IM STILLEN

Es gibt Phasen in meinem Leben, da blicke ich auf die zurückliegende Woche und denke mir: Wie hat all das Platz gefunden in 7×24 Stunden? Die vergangene Woche war eine von diesen. Unter all dem, was geschah, sticht ein Ereignis heraus, das mich mehr als alle anderen berührt.

Wieder einmal traf ich auf einen Menschen, der zurückblieb, als ein anderer ging. Ein geliebter Mensch, von vielen geschätzt, der in sich ein strahlendes Licht trug – und tiefste Finsternis. Letzteres wusste kaum jemand, weshalb es umso mehr schockierte, als dieser geliebte Mensch freiwillig ging und jene anderen zurückließ, verzweifelt fragend, nach Erklärungen suchend.

Einer dieser zurückgebliebenen Menschen traf also auf mich. Auf eine, die ein strahlendes Licht in sich trägt, ebenso wie tiefste Finsternis, und die offen darüber spricht, wie es ist, hin und her gerissen durch dieses Leben zu wandeln, das eine nicht ohne das andere sein zu können – und nach langem den Frieden in sich gefunden zu haben.

Es war nicht das erste Zusammentreffen dieser Art – und wird nicht das letzte gewesen sein.

Für mich war es ein „Wink des Schicksals“, mich wieder verstärkt jenen zuzuwenden, die danebenstehen und nicht begreifen können, was in ihren Liebsten geschieht. Vielleicht helfen meine folgenden Gedankengänge, einen neuen Blickwinkel zu eröffnen:

Menschen mit „psychischen Problemen“, sei es nun Borderline, Depressionen, Bipolarität und anderen Formen/Symptomen unter dem Hashtag Persönlichkeitsstörung sind weder schwach noch Versager. Ganz im Gegenteil. Viele unter ihnen sind sehr starke Menschen, denn es gelingt ihnen, über Jahre und Jahrzehnte ihr „Problem“ zu verbergen, im Alltag Rollen zu spielen, die kräftezehrend und belastend sind. Erst hinter verschlossenen Türen, wenn nur noch wenige Vertraute um sie sind oder manchmal auch niemand mehr, fallen die Masken, tritt der ungelöste innere Konflikt zu Tage und mit ihm die Zweifel an sich selbst bis hin zur Verzweiflung.

Starke Menschen weinen im Stillen.

Es mangelt ihnen nicht an Kraft, aber an Wissen um das, was sie fremdsteuert, ebenso wie es an der Fähigkeit mangelt, damit umzugehen, ihr psychisches und/oder seelisches Gleichgewicht selbständig in Balance zu halten.

Woher sollten sie es auch können?

Der Blick nach innen, die Reise zu sich selbst, die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und was immer sich dort findet … all das gehört für manche Menschen zum Alltag, aber für viele andere nicht.

Weil es sie nicht interessiert.

Weil sie nicht in einem Umfeld aufgewachsen sind, das sie dazu ermutigt hat.

Weil unsere Gesellschaft grundsätzlich mehr auf die Oberfläche als unter sie blickt.

Weil sie Angst vor dem haben, was sie vielleicht finden könnten.

Weil vielleicht etwas gänzlich anderes sie davon abhält.

Was auch immer es ist, es verhindert, dass diese Menschen lernen, in sich die Balance zwischen „Licht und Dunkelheit“ (wie ich es gerne romantisch nenne) herzustellen. Dieses Gleichgewicht wurde/wird bei den meisten Menschen irgendwann im Laufe des Lebens erschüttert (z.B. durch Verluste, traumatische Erlebnisse und dergleichen). Die Einen finden zurück ins Gleichgewicht, andere nicht. In ihnen wirkt Tag für Tag nach, was sie einst erschüttert hat, verstärkt durch das, was folgte, bis hin zum alltäglichen Rollenspiel.

Die Auswege aus diesem Dilemma sind so vielfältig wie die Menschen selbst, doch ihre Richtung ist stets dieselbe: der Blick nach innen, die Reise zu sich selbst.

Kleine bunte Pillen lösen keine dieser Probleme, sondern kehren sie unter einen farbenfrohen Teppich. Mehr nicht. Keine Pille der Welt ist in der Lage, eine Traumatisierung aufzulösen. Weder lässt sie das Geschehene vergessen noch eine neue Einstellung dazu gewinnen. Sie unterdrückt, was gelöst werden will, und damit verhindert sie auch die Rückkehr in den inneren Frieden.

Lösen kann man nur jenes, auf das man blickt, mit dem man sich befasst. Manchmal allein, ein anderes Mal mit Unterstützung. Auflösung ist ein aktiver, bewusster Prozess, der durch in ein offenes, wertschätzendes Umfeld unterstützt werden kann.

Wer sich auf die Reise zu sich selbst macht, wird dabei so manchem begegnen, das möglicherweise alten Schmerz wachruft, das lieber vergessen sein will, doch da gilt es hindurchzugehen. Weiß man Menschen an seiner Seite, die nicht (ver)urteilen, nicht die Richtung oder das Tempo vorgeben wollen, sondern einfach begleiten und Halt geben, wenn man diesen braucht, dann können die Herausforderungen dieser Reise leichter gemeistert werden.

Wer mit einem Gipsbein durch die Welt humpelt, wird als vorübergehend eingeschränkt wahrgenommen und es wird Rücksicht genommen. Gilt das auch für jene, die mitten in einer Depression stecken und den Kopf hängen lassen? Oder bekommen sie zu hören: „Reiß dich zusammen. Anderen geht’s auch dreckig und sie machen trotzdem weiter.“ Wer will schon als schwach gelten?

Starke Menschen weinen im Stillen, aber sie weinen.

Jeder von uns kann einen Teil dazu beitragen, das es für diese starke Menschen leichter wird, zu bleiben, indem wir anfangen, ein Umfeld zu erschaffen, das Halt gibt auf der Reise zu sich selbst.

Weg von (Vor)Urteilen, hin zu Respekt und Wertschätzung.

Vielleicht müssen starke Menschen dann nicht mehr im Stillen weinen.

Vielleicht kommt sogar der Tag, an dem sie aufhören zu weinen, weil sie angekommen sind und geschätzt werden als die, die sie sind.

Eine wunderschöne Vorstellung.

Bild: https://pixabay.com/de/photos/sonnenuntergang-frieden-einsamkeit-1207326/

GEDANKEN ZU KRIEG UND FRIEDEN

Manchen Fragen kann man sich nicht entziehen. Zumindest mir geht es so. Kann ich an das immanente Gute im Menschen glauben angesichts dessen, was Menschen in diesem Augenblick gar nicht so weit von hier anrichten? Spoiler: JA! Wie ich zu diesem JA komme, erläutere ich in meinen folgenden Gedankengängen:

Krieg ist etwas Entsetzliches.

Egal, was manche auch glauben, es gibt keine Gewinner. Jede Menge unschuldige Opfer. Einige wenige, die laut Krieg schreien – und sehr viele, die dem Ruf folgen und marschieren. Einer allein kann keinen Krieg führen, wenn andere nicht mitmachen.

Warum schreien die einen? Warum machen die anderen mit?

Aus Angst? Gier? Wut? Rache? Machtgelüste, Minderwertigkeit, … vermutlich lässt sich die Aufzählung noch lange weiterführen, aber mit ziemlicher Sicherheit werden sich weder Punkte wie Respekt, Toleranz, Wertschätzung, Vertrauen und dergleichen darunter finden.

Wer im Außen den Krieg sucht, trägt den Krieg längst in sich.

Deshalb ist es auch so schwierig, Kriege zu beenden. Frieden lässt sich nicht kaufen, nicht dauerhaft. Weder im Außen noch im Inneren eines Menschen.

Innerer Frieden bedeutet, sich der ursprünglichen menschlichen Instinkte des Kampfes bewusst zu sein, den aggressiven Emotionen zuzustimmen, doch sich nicht von ihnen bestimmen zu lassen. Angst oder Wut zu negieren, halte ich für zutiefst ungesund. JEDE menschliche Emotion erfüllt einen Zweck, hat ihre „guten“ und „schlechten“ Seiten. Einige davon aus sich herauszuschneiden, führt nur zur emotionalen Selbstverstümmelung.

Was jedoch möglich ist und auch das Ziel einer bewussten, achtsamen Lebensführung sein sollte, ist das Reflektieren der eigenen Emotionen und situationsbezogen das Transformieren. Vereinfacht gesagt: Auch wenn mich jemand wütend macht, muss ich dieser Person nicht die Zähne einschlagen.

Krieg, Konflikt, Konfrontation … dahinter steht das Muster „wir gegen die anderen“. Ein weitverbreitetes Muster. Um es zu erkennen, braucht es nicht den Blick in Kriegsgebiete. Es genügt sich umzuschauen. Über Jahrzehnte wurde Konkurrenzdenken und Ellbogenmentalität in unserer Gesellschaft kultiviert. Rücksichtlosigkeit im Straßenverkehr – der Krieg des kleinen Menschen, mitunter mit tödlichen Folgen.

Solange der weitaus überwiegende Teil einer globalen Gesellschaft unreflektiert und achtlos durch den Alltag stolpert, ist die Menschheit weit entfernt von nachhaltigem Frieden.

Solange die Menschen den Krieg in sich tragen, nicht im inneren Frieden angekommen sind und Kooperation über kleinliches Ego-Geplänkel stellt, wird es immer wieder zu Konflikten kommen, die mal mehr, mal weniger eskalieren.

Krieg ist auch eine effektive Ablenkung von den existenziellen Problemen, welche die Spezies Mensch nur gemeinsam und global lösen kann. Weder ein Mensch noch ein Land oder Kontingent kann das allein tun. Wir haben ein Paradies in eine Müllhalde verwandelt. Doch anstatt sich um diese Herausforderung zu kümmern, rasseln manche der Mächtigen mit den Säbeln und tragen ihren inneren Krieg in die Welt hinaus.

Das macht mich traurig – und wütend. Aber ich lasse nicht zu, dass diese Wut mich bestimmt. Denn Wut gebiert wiederum Wut. Wut ist gut für den Kampf, doch Wut umarmt nicht, gibt keinen Halt, keine Geborgenheit, keinen Frieden.

Wir dürfen nicht zulassen, dass die verabscheuenswürdigen Handlungen anderer den Krieg in uns hineintragen, in unser Denken und Fühlen.  

Wer den Krieg (in sich) beenden will, muss dem Frieden (in sich) zustimmen. Umarmen, was da ist und den Weg der Kooperation einschlagen. Gemeinsam an Lösungen arbeiten. In den Unterschieden das Gemeinsame erkennen, das Verbindende vor das Trennende reihen. Im Denken und im Handeln.

Wenn die Menschheit geschlossen diesen Weg einschlägt, dann werden alle Kriege enden.

JA, ich glaube an das Gute im Menschen.

Wenn ich zu diesen Gedankengängen fähig bin – und ich bin nur ein Mensch wie jeder andere auch – dann sind es auch andere. Die Veränderung einer Gesellschaft geschieht nicht von oben herab befohlen, sondern von innen heraus durch Umdenken. Achtsamkeit hilft dabei, in Zeiten wie diesen den Glauben an das Gute und die Hoffnung zu bewahren.

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INSIGHT/INSIDE BORDERLINE

Borderline? Das sind Jugendliche, die sich die Arme ritzen, richtig?

Falsch! Das ist nur die klischeehafte Spitze des Eisbergs. Nur ein kleiner Teil der Betroffenen greift zur Klinge. Die weitaus meisten verletzen sich auf andere Art und Weise, sind gefangen in destruktiven Verhaltensmustern jeglicher Art, können sich selbst nicht verstehen … oder stoppen.

INSIGHT/INSIDE BORDERLINE

Impulsvortrag & Diskussionsrunde
am Dienstag, 14. Juni 2022, von 20:00-21:30 Uhr

*** Exklusiv für Teilnehmende des

Nach mehr als 3 Jahrzehnten in den „Klauen meines Borderline-Syndroms“ breche ich das Schweigen:

  • erzähle von der kaum nachvollziehbaren Gedanken- und Gefühlswelt
  • von der emotionalen Achterbahnfahrt; dem unheilvollen Drang zu zerstören, was gut läuft
  • von Gefühlen, die kaum auszuhalten sind in ihrer Intensität bis hin zum absoluten Nichts-fühlen
  • von Todessehnsucht und der Angst davor im nächsten Augenblick zu sterben
  • von inneren Widersprüchen und Täuschungen, all das vor der Welt zu verbergen
  • von der ewigen Suche nach dem, das sich nicht benennen lässt
  • und wie daraus ein positives Leben voller Lebensfreude, Achtsamkeit und Selbstsorge wurde.

Laut Expertenschätzung sind 20% der Jugendlichen vom Borderline-Syndrom mehr oder weniger stark betroffen.  Doch Borderline ist keine „Kinderkrankheit“. Der Anteil in der Gesamtbevölkerung liegt bei ca. 10%. In diesem Augenblick könnte ein Betroffener neben Ihnen stehen und Sie würden es höchstwahrscheinlich nicht erkennen, denn Borderliner sind Meister des Verbergens. Doch in diesen Menschen brodelt etwas, das 1 von 10 durch Suizid aus dem Leben scheiden lässt… und ratlose Angehörige fragen sich anschließend, wie es so weit kommen konnte.

Deshalb spreche ich über Borderline.

  • Weil es nicht so weit kommen muss.
  • Weil es andere Wege gibt.
  • Weil die Welt mehr Farben als schwarz/weiß hat.
  • Weil ein glückliches Leben auch für Borderliner erreichbar ist.

Du möchtest den Impulsvortrag live erleben? Dann melde Dich gleich hier für den Online Kongress WIR SIND an und schreib eine e-Mail an lesley.b.strong@gmx.net. Den Link zum Zoom-Raum erhältst du 24 Stunden vorab per e-Mail von mir.

Mindset, Selbstfürsorge, Bewusstseinswandel … das sind nur wenige Schlagworte, die einen ersten Einblick über die Themenvielfalt des des Online Kongress WIR SIND bieten … Special Days widmen sich den Schwerpunkten Mobbing, Jugend, Baby … international renommierte Speaker und Influencer bringen es auf den Punkt … WIR SIND

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TESTE DICH SCHNELL MAL

Selbsttest sind ziemlich populär – leider nicht nur in Bezug auf das C-Virus. Und – wie mir in einigen Gespräche der vergangenen Woche aufgefallen ist – auch Eigendiagnosen bzw. das Diagnostizieren anderer. Selbstredend bezieht sich meine Einleitung nicht auf medizinisches Personal, sondern Menschen gänzlicher anderer Professionen. Eine wunderbare Gelegenheit, um neuerlich auf folgendes hinzuweisen:

Finger weg von Borderline-Schnelltests, derer es so einige im World Wi(l)d Web gibt.

Ich halte sie allesamt für den falschen Weg.

Warum?

Ganz einfach. Wer sich die Mühe macht, ein wenig zum Thema Borderline zu recherchieren, wird dabei u.a. auf DSM-5 treffen.

DSM-5 ist das Klassifikationssystem der American Psychiatric Association, dass die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) im Kapitel Persönlichkeitsstörungen verzeichnet (wo auch sonst?). Sehr vereinfacht gesagt, listet es 9 typische Symptome auf, von denen 5 erfüllt sein müssen, um von einer BPS ausgehen zu können.

Mittlerweile gibt es auch ein DSM-5 Alternativ-Modell mit Unterkategorien, die 2 von 4 bzw. 4 von 7 Treffer für eine Diagnose heranziehen.

„Ritzen“ oder „Schneiden“ wird in keinem der Modelle explizit genannt. Lediglich der Begriff „Selbstverletzung“ wird genannt. Selbstverletzung kann vieles sein. Abgesehen davon …

… wer sich die Listen aufmerksam durchliest, wird vielleicht ebenso wie ich zu der Erkenntnis gelangen, dass sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit jeder Mensch im Laufe seines Lebens mindestens einmal in einer Phase befinden wird, in der „5 aus 9“ zutreffen. Sind deshalb alle Borderliner? Nein, denn es handelt sich um eine Momentaufnahme. Um verantwortungsvoll eine Diagnose treffen zu können, braucht es mehr als das.

Meine eigene Diagnose erhielt ich Mitte Vierzig, aber nicht, weil ich plötzlich „erkrankt“ war, sondern weil ich mein zweites Burnout hinter mir hatte. Im Zuge der therapeutischen Arbeit blickten wir auf mein Leben zurück. Dabei zeigten sich wiederkehrende Muster, sowohl in Handlungen als auch in meiner Gefühlswelt. Nachdem ich damals bereit war, erstmals offen über das zu sprechen, was ich zuvor stets unter dem Teppich belassen hatte, nämlich wie ich wirklich fühle und was ich wahrnehme, ergab sich nach einigen Monaten intensiver Reflexion ein eindeutiges Bild bzw. eine Diagnose.

Dankenswerterweise hatte ich einen Therapeuten, dem es wichtiger wahr, mich dabei zu unterstützen, mit meinem Leben gut zurecht zu kommen, als eine Diagnose zu formulieren. Vielleicht hätte er dies bereits Jahre davor tun können, z.B. nach meinem ersten Burnout (da war ich noch nicht bei ihm in Therapie). Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die Diagnose damals mit Vehemenz abgelehnt hätte, war ich doch davon überzeugt, die anderen hätte mich in den Zusammenbruch getrieben durch die Ausbeutung meiner Gutmütigkeit, durch zu hoch gesteckte Ziele, durch dies und das und was auch immer … ich lebte damals in der Opferrolle. Wie hätte ich da annehmen können, „anders“ zu sein – obwohl ich innerlich immer spürte, „anders“ zu sein.

Verleugnen, verdrängen, ver-rücken … ein nettes Wortspiel. Die Realität oder das, was man davon wahrnimmt, wird so lange „ver-rückt“, bis sie dem entspricht, was man akzeptieren kann. Ver-rückt man zu lange, besteht die Gefahr, eines Tages „verrückt“ zu werden und zu bleiben, nicht mehr in die allgemeingültige Realität zurückzufinden. Dieser spannende Gedankengang wurde mir einst von meiner geschätzten Lucy vermittelt, findet sich aber auch in diverser Literatur zu Psychosomatik und Psychologie.

Heute bin ich dankbar, dass die Diagnose erst zu einem Zeitpunkt ausgesprochen wurde, als ich sie auch annehmen und damit umgehen konnte. Interessanterweise hätte ich mich selbst davor nie als Borderlinerin gesehen. Ich doch nicht! Ich ritze mich nicht, wie kann ich da Borderlinerin sein? Wie so manch andere, reduzierte ich das Thema auf einen Aspekt von vielen, übersah die Zusammenhänge, das große Ganze, meinen eigenen blinden Fleck …

Eine Borderline-Diagnose ist kein eingewachsener Zehennagel. Der ist zwar unangenehm, aber diese Diagnose kein man auch als Laie recht einfach stellen bzw. eindeutig spüren. Borderline ist diffus, komplex und veränderlich. „Normale“ Phasen lösen sich mit Episoden ab. Wer in einer Krise seines Lebens einen Selbsttest vornimmt, kann eine Weiche auf ein falsches Gleis legen, von dem er oder sie dann nicht mehr loskommt. Deshalb …

Finger weg von Selbsttests!

Die Thematik ist derart umfangreich, dass man sie kaum überblicken kann. Es gibt sogar Studien aus Asien, die Selbstverletzendes Verhalten (SVV) nicht in Zusammenhang mit BPS sehen, sondern zwei getrennte Störungen.

Ich stehe heute auf diesem Standpunkt:

Ganz egal, welches Etikett das „Problem“ bekommt, es existiert in mir, verursacht Stress und ein Ungleichgewicht in meinem Leben, und deshalb ist es meine Verantwortung, einen Weg zu finden, die Balance wiederherzustellen. Punkt.

Und nochmal …

Finger weg von Selbsttests!

Ersatzweise empfehle ich 3x täglich die Frage: Heute schon gelächelt? Lächeln ist gesund … auch das findet man im World Wi(l)d Web 😊

WENN – DANN … ODER DOCH: ES IST!

Das Leben liefert doch immer wieder Stoff für Beiträge. Ich habe einige Zeit überlegt, wie ich das heutige am besten niederschreibe, dann es könnte leicht missverstanden werden. Am besten, ich fange einfach mal an …

Mein WordPress-Blog ist so eingerichtet, dass sämtliche Kommentare durch mich als Admin freigeschalten werden müssen, bevor sie öffentlich sichtbar sind. Ein ganz normales Prozedere, das in vielen Workshops zu kritischer Medienkompetenz und Sicherheit im Netz empfohlen wird.

Vor wenigen Tagen fand ich ein paar interessante Kommentare von einem User, der bereits mehrfach kommentiert hat, anfangs ganz lieb und nett, in Folge veränderte sich der Ton. Ich habe die letzten Kommentare nicht mehr freigeschalten, da ich das, was sie in mir auslösten, in diesem Beitrag ein wenig durchleuchten möchten:

„Funktioniert dein Leben? Bist du glücklich? Wenn Gott gewollt hätte, dass wir Menschen glücklich wären, dann hätte er uns nicht aus dem Paradiese vertrieben .. 🙂“

Auf diesen Kommentar hätte ich mit „Ich weiß nicht, ob es einen Gott gibt und welchen Plan er/sie mit den Menschen hat, aber mein Leben funktioniert und ich bin glücklich – auch ohne dieses Wissen“… ich hätte auf diese Weise geantwortet, wäre da nicht noch ein Kommentar gewesen:

„PS: „Dein Kommentar muss noch freigeschaltet werden.“ Zeugt nicht gerade von Vertrauen in deine Mitmenschen, wenn du die Kommentare erst nach Überprüfung freigibst 😉 Handelt so ein glücklicher Mensch?“

Vielleicht war es ja witzig gemeint, aber in meinem Linguistinnen-Ohr schrillte eine Alarmglocke und in großen Lettern prangte vor meinem geistigen Auge die Frage: „Was bitte hat das eine mit dem anderen zu tun?“ Was haben technische Blog-Einstellungen damit zu tun, ob ich ein glücklicher Mensch bin? Oder anders gefragt: Kann ich nur dann ein glücklicher Mensch sein, wenn ich meinen Blog (für dessen Inhalte ich verantwortlich gemacht werden kann) für jegliche Tastenspiele freigebe?

Wenn – dann … komplexe Äquivalenz? Echt jetzt? Manipulation oder Unwissenheit darüber, was da sprachlich gerade angestellt wird? Zu diesem Zeitpunkt schwankte ich noch, auf welche Weise ich antworten sollte. Aber die Entscheidung wurde mir mit dem nächsten (freizugebenden) Kommentar deutlich erleichtert:

„Liebe kann auch tiefe Schmerzen verursachen. Denk an Hölderlin, der sich aufgrund einer unglücklichen Liebe in den Wahnsinn flüchtete. Die Liebe kann sehr tragisch enden. Man kann natürlich sagen: „Dann war es keine Liebe, sondern Vereinnahmung .. usw. blabla .. In der Theorie ist alles möglich. Aber die Realität zeigt den Stachel der Liebe. Alles andere ist Esoterik und Wunschdenken. Freut mich, dass du glücklich bist .. Aber wie schon gesagt: Ich hab das Gefühl, dass du dich selbst belügst .. Das gibt ein böses Erwachen irgendwann, ein harter Aufprall .. Ich wünschte, ich irrte mich ..“

Der vorletzte Satz ist (linguistisch betrachtet) hellseherisch auf mein Leben bezogen und wird durch den letzten nochmal in seiner ultimativen, negativen Aussage bestätigt. Eine Generalisierung mit einer Tilgung.

Danke, aber ich weise jegliche externe Prognosen über mein Leben entschieden zurück.

Ich diskutiere sehr gerne mit Menschen über ALLE Themen des Lebens, aber nicht auf diese Weise. Gegenüber „Zuschreibungen“ (Das gibt ein böses Erwachen …) reagiere ich ziemlich sensibel. Jegliche Zuschreibung, auch eine vordergründig positive (Du bist super) ist letztendlich etwas, das einer dem anderen „zuschreibt“, sich also über den anderen stellt und ihn bewertet – und damit das Gegenteil der gewaltfreien Kommunikation, wie sie Marshal Rosenberg formulierte.

Wenn ich meine Brille als Kommunikationstrainerin aufsetze, entdecke ich in den Kommentaren auch ein Muster: Unabhängig vom Beginn enden sie mit einer negativen Botschaft. Das macht mich traurig und nachdenklich, was wohl den Verfasser zu diesen Gedanken veranlasst.

Ich halte mich für eine philosophische Pragmatikerin, die auf das blickt, was es ist, in diesem Augenblick; die stets für möglich hält, dass etwas Wunderbares geschieht – und ich bin Realistin. Krisenmanagement ist ein wichtiger Teil meines Jobs und ohne nüchterne Betrachtung der Realität nicht möglich. Dennoch … wenn ich spazieren gehe und auf meinem Weg finden sich auf der einen Seite ein Hundehäufchen und auf der anderen ein Blümchen, sehe ich beides und entscheide mich bewusst, die Stimmung des Blümchens an mich heranzulassen.

Natürlich könnte man auch diese beiden Schlussfolgerungen ziehen:

Wenn du auf das Hundehäufchen blickst, dann wird dein Leben irgendwann in der Scheiße enden.

Wenn du auf das Blümchen blickst, dann wirst du glücklich sein.

Das wären Klassiker im Sinne von positiv/negativ, aber beides wären hellseherische Zuschreibungen. Wer weiß schon, wie ein anderer Mensch innen drin gestrickt ist und was welche Wirkung auslöst? Das wissen die meisten Menschen von sich selbst nicht.

Ich weiß nur eines: Ohne Zuschreibungen würden sich die Menschen so manche Missverständnisse und Konflikte ersparen. In der Kommunikation bei „es ist, was es (für mich) ist“ zu bleiben, erfordert Achtsamkeit.

P.S.: Kommentare werden auch weiterhin erst nach meiner Freischaltung sichtbar sind und solange sie niemand verletzen, diskriminieren oder in einer anderen Art und Weise anstößig sind.

P.P.S.: Keine Ahnung, ob es auf Gottes Agenda so steht, aber ich bin glücklich 😊

P.P.P.S.: Auf meinem Balkon blühen bereits die ersten Krokusse 😊

LIEBE IST … UND NOCH VIEL MEHR

Der Valentinstag steht vor der Tür. DIE Gelegenheit für ein paar Gedanken rund um ein Thema, das wie kaum ein anderes die Menschen beschäftigt: LIEBE

Ob romantische Liebe oder platonische, die Liebe zu einem höheren Wesen, den eigenen Kindern oder dem nächsten Menschen, der Natur und allem, was in ihr lebt, die Liebe zur Kunst, zum Sport, zu was auch immer … diese Liste könnte noch lange fortgeführt werden. Unbeantwortet bleibt die Frage: Was ist Liebe eigentlich?

Die Psychologie findet weitaus pragmatischere Erklärungen für dieses Phänomen als die hinterfragende Philosophie – was wenig verwundert. Spiritualität fügt eine weitere Dimension hinzu. Die Biologie sollte auch nicht außer Acht gelassen werden. Doch wer hat Recht? Vielleicht haben es alle – und keiner. Vielleicht ist Liebe ein Mysterium, das nicht enträtselt werden will.

Liebe kann das Leben ungeheuer kompliziert machen – und auch ganz einfach.

Liebe kann ein Feuerwerk an Emotionen auslösen – und ein Gefühl sein, das alle anderen überstrahlt.

Liebe scheint manchmal unerklärlich – und fühlt sich doch richtig an.

Liebe macht uns verwundbar – und berührbar.

Liebe könnte ein Schlüssel zur Rettung der Menschheit sein, sie könnte Kriege und Umweltzerstörung beenden, uns jene Wege beschreiten lassen, die nötig sind.

Wer liebt, hat stets das Wohl des anderen im Sinn.

Liebe kann aus vollem Herzen geteilt werden, ohne sich je zu erschöpfen. Im Gegenteil, sie wird mehr, je mehr wir davon weitergeben.

Liebe dich selbst … dies ist der erste Schritt.

Wie du deinen nächsten liebst … denn du kannst nur geben, was du in dir trägst.

Liebe braucht keine PR-Agenturen, keine Marketing-Strategien oder photoshop-optimierte Bilder … sie begnügt sich mit Menschen, die mit offenen Herzen hinaus gehen in diese Welt und ihrem Nächsten ein Lächeln schenken, ein freundliches Wort, eine Umarmung, etwas ohne Zweck, doch mit viel Sinn, das nichts kostet, und genau deshalb so wertvoll ist: LIEBE

Liebe ist … und noch viel mehr.

Für alle, die so wie ich mit einer romantischen Ader geboren wurden, hier eines meiner Gedichte, das von Liebe inspiriert wurde und wunderbar zum Valentinstag passt:

Bild: pixabay.com

Guten Morgen, mein Herz

Zart streifen mich die frühen Sonnenstrahlen dieses Morgens,
holen mich in die Realität eines neuen Tages voller Möglichkeiten.
Mein erster Gedanke eilt lächelnd zu dir.
Welches Wunder dir wohl heute begegnen wird?
Vielleicht wird es ein kleiner Schmetterling sein,
farbenprächtig schillernd im hellen Licht des Tages,
der sich auf deiner Schulter niederlässt,
und dir leise ins Ohr flüstert:

„Öffne dein Herz und lausche meinen Worten.
Halt nicht fest, was auf deiner Seele lastet.
Lass es ziehen mit dem Wind, der jene dunklen Wolken über uns mit sich nimmt,
den Himmel weitet für das strahlende Blau und das wärmende Licht der Sonne.

Öffne dein Herz und lausche meinen Worten.
Schaffe Raum für das Wunderbare, das auf dich wartet,
da draußen in den Weiten der zu entdeckenden Welt,
die so viele sein kann und dabei stets das wird, was du in dir erwartest.

Öffne dein Herz und lausche meinen Worten.
Nimm an, was der Zufall dir schenkt,
in dem Wissen, das jeder noch so langen Nacht ein neuer Morgen folgt,
so wie dieser, an dem ich mich auf deiner Schulter niederlasse.

Öffne dein Herz und lausche meinen Worten.
Reise mit mir auf den Schwingen des Windes,
voller Leichtigkeit und Lebensfreude auf einem Sonnenstrahl,
von der Morgenröte bis zum Sonnenuntergang und darüber hinaus.

Öffne dein Herz und lausche meinen Worten.
erkenne das Wunderbare, das dir seine Hand entgegenstreckt,
in all den kleinen Gesten und Dingen, die dir begegnen,
und fühle, dass es dir bestimmt ist, vom Leben umarmt zu sein.

Öffne dein Herz und lausche meinen Worten“,
so spricht der kleine Schmetterling und schließt für einen Augenblick seine Flügel.
Als er sie erneut entfaltet, legen sie sich gleich einem schützenden Mantel um deine Schultern,
hüllen dich ein und tragen dich voller Leichtigkeit und Lebensfreude durch diesen Tag,
bis zum Sonnenuntergang und darüber hinaus.
Guten Morgen, mein Herz.

© Lesley B. Strong 2022