JA, ABER …

Einen Euro für jedes „Ja, aber…“ in meinem Leben. Ohne Übertreibung wäre da ein netter Kleinwagen drin. Vielleicht sogar Mittelklasse. Oder mehr.

Ja, aber …

Es gibt so viele Facetten dieser Formulierung im Alltag, vor allem bei der Verwirklichung von Träumen oder der Lösung von Problemen.

„Ich will das unbedingt, aber …“

„Das stimmt schon, aber …

„Du hast Recht, aber …“

„Das war immer schon mein großer Traum, aber …“

„Ich würde ja sofort, aber …“

Ich bin jetzt mal überhaupt nicht nett und wer sich vom bisherigen angesprochen fühlt, wird nun möglicherweise schlucken, ABER … was auch immer sich hinter dem ABER an plausibel klingenden Argumenten fand und findet, war/ist stets nichts anderes als kreative Ausreden für das, was mich in Wahrheit davon abhielt/abhält, aktiv zu werden. Manche nennen es den inneren Schweinehund, doch meiner Ansicht nach befindet sich der knapp unter der Oberfläche des wachen Tagesbewusstseins, weshalb er auch so leicht zu entdecken ist. Worum es wirklich ging und immer noch geht, das saß und sitzt wesentlich tiefer.  

Bereit für eine Ernüchterung?

Falls nicht, ist dies die letzte Chance zum Aussteigen.

Meiner Erfahrung nach gibt es drei Gründe, die Menschen davon abhalten, ihre Träume zu verwirklichen oder ihre Probleme zu lösen (beides interagiert intensiver, als manche meinen möchten):

  1. Simple Faulheit, ABER … ganz ehrlich, dann ist es auch kein Wunsch, für den man innerlich brennt, sondern eher lauwarm interessiert ist. Eher hypothetische Möglichkeit als Herzenswunsch, daher sehe ich in der Faulheit mehr den Indikator, um Nebensächliches vom Wesentlichen zu trennen.
  2. Der Leidensdruck ist noch nicht groß genug. Oh ja, für viele – und da nehme ich mich in der Vergangenheit nicht aus – war und ist Leidensdruck der hauptsächliche Antrieb für Veränderung. Genau darum geht es, wenn wir Träume verwirklichen oder Probleme lösen wollen: etwas anders zu machen als bisher. Denn wenn wir weiterhin das machen, was wir bisher gemacht haben, bekommen wir mehr von dem, was wir schon haben. Wollen wir etwas anders, bedeutet das konsequenterweise, auch etwas anderes zu tun. Neuland zu betreten. Über den eigenen Schatten zu springen. Sich aus der bequemen Komfortzone des Gewohnten hinauszubewegen mit allen Risiken des Scheiterns, denn Erfolg ist nicht garantiert. Ganz im Gegenteil. Etwas Neues zu tun und beim ersten Mal erfolgreich zu sein gehört eher zu den Ausnahmen. Niemand wird als Meister geboren. Meisterschaft entsteht durch konsequentes Tun und stetes Optimieren. Anstrengend. Mühsam. Wie bequem ist es dagegen, im Gewohnten zu verweilen, auch wenn es nicht glücklich macht, und stattdessen lieber zu sagen: „Ich würde ja gerne, ABER …“ … ich bin heute wirklich nicht nett 😉 Fairerweise merke ich an, dass es gute Gründe für diese „Bequemlichkeit“ oder „Risikoscheue“ gibt, womit ich zu Punkt 3 komme:
  3. Angst. Ob wir es nun zugeben oder nicht, Angst hält viele von uns ab, die eigenen Träume zu verwirklichen oder die anstehenden Probleme zu lösen. Das ist auch völlig natürlich. Unsere Ängste warnen vor Gefahren, schützen uns vor unnötigem Risiko und sichern so unser Überleben, ABER … sie können uns genauso gut im Weg stehen. Es gilt zu unterscheiden, ob die Angst in der Situation berechtigt ist oder nicht. Hinterfragen also. Oder bewusst denken und leben, sich nicht von den Erfahrungen der Vergangenheit fernsteuern lassen. Wenn ich als Kind einmal von einem Hund gebissen wurde, werde ich vielleicht Hunde nicht sonderlich mögen, ABER wenn ich davon ausgehe, dass jeder Hund mich beißen will, dann werde ich allen aus dem Weg gehen und versage mir damit möglicherweise wunderbare Stunden mit dem besten Freund des Menschen. Dieses Beispiel lässt sich auch mit Katzenkrallen, Vogelschnäbeln und noch vielem mehr erzählen, was emotionale Narben in uns hinterlassen hat. Verspottet und ausgelacht zu werden, Mobbing, Gewalt und Übergriffe in jeder Form … es gibt so vieles, das aus der Vergangenheit in die Gegenwart wirken kann und das auch tut, wenn wir nicht beginnen, uns dieser Prozesse bewusst zu werden und sie zu verändern.

ABER … hier kommt nun die „Graue Eminenz“ ins Spiel. So einleuchtend die bisherigen Schilderungen auch sein mögen, so entschlossen nun vielleicht die eine oder andere Entscheidung fällt, sich nicht länger vom ABER kommandieren zu lassen und den Herzenswunsch zu realisieren oder ein lästiges Problem endlich zu bereinigen, es gilt die „Graue Eminenz“ zu beachten, die subtil ihr eigenes Spiel mit uns treibt: die Drama-Dynamik.

Ich könnte ein ganzes Buch über das Thema Drama-Dynamik schreiben (und das werde ich auch bei Gelegenheit), doch für heute belasse ich es bei einer minimalistischen Kurzform:

Wer sich in der Situation als Opfer der Umstände wahrnimmt und für sich keine Gestaltungsmöglichkeiten sieht, steckt mittendrin. Wer sich als Gestalter des eigenen Lebens versteht und unterscheiden kann zwischen den eigenen Möglichkeiten und unveränderlichen Umständen (die es nun mal gibt), hat sich aus den Fesseln der Drama-Dynamik befreit.

Die Drama-Dynamik in all ihren Facetten und Feinheiten war und ist für mich DER Schlüssel für Veränderung. Ob Leidensdruck oder Angst, unterm Strich findet sie sich als Opferhaltung wieder. Dem gegenüber stehen Freude und Begeisterung der freiwilligen Veränderung, wenn wir aus der Drama-Dynamik ausgestiegen sind.

Leben bedeutet nun einmal Veränderung.

Ob wir das wollen oder nicht.

Ob wir uns diesem Prozess freiwillig fügen oder nicht.

Veränderung geschieht – und das ist gut sonst, denn sonst hätten wir keine Chance, die Vergangenheit hinter uns zu lassen und im Hier und Heute glücklich zu sein. ABER wir können diese Veränderung auch blockieren, eine Zeit lang, unter massiven Anstrengungen, uns dem Leidensdruck hingeben und von unseren Ängsten fesseln lassen. Letztendlich schnüren wir uns damit selbst vom Fluss des Lebens ab.

Selbstverletzung?

Meiner Ansicht nach ist das die wohl schrecklichste Form der Selbstverletzung: sich dem Leben (und damit der Veränderung) zu widersetzen. Die eigene Kraft dafür zu verschwenden, das Leid der Vergangenheit in der Gegenwart festzuhalten. Sich der Heilwerdung zu versagen. Sich zu verweigern, den Augenblick im Hier und Jetzt zu genießen. Das eigene Glück zu sabotieren.

Ja, ABER …?

Nun, es liegt in der Verantwortung eines jeden von uns, sich zu damit zu befassen. Ich kann nur eines aus voller Überzeugung sagen: Es lohnt sich, jedes „Ja, ABER …“ genau unter die Lupe zu nehmen, mitunter mitten im Satz zu stoppen und neu zu beginnen – ohne ABER 😉

Bild: pixabay.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s