Wenn die Gedanken kreuz und quer laufen – oder sich im Kreis drehen – so wie in diesem Augenblick, ist es gar nicht so einfach, einen Anfang zu finden. Da hilft nur eines: aufs Karussell aufspringen und schauen, wohin es fährt.
Vor ein paar Tagen wurde ich mit einem Engel verglichen, der zum richtigen Zeitpunkt da war, um einen jungen Menschen aufzufangen und neue Blickwinkel zu eröffnen. Nicht zum ersten Mal, doch neuerlich brachte es mich zum Schmunzeln, denn ich sehe mich selbst als vieles, aber definitiv nicht als Engel – eher als (B)Engelchen 😉
Arbeiten bis ans Limit der Belastungsgrenze? Nichts neues, notwendig, vorübergehend.
Am Berg oben stehen, den Moment teilen, über den Wolken zu sein und doch mit beiden Beinen fest am Boden stehend. Neue Perspektiven, Weite, Freiheit, Leichtigkeit.
Eine (von meinen zahllosen Ideen) manifestiert sich in der Realität, bringt Menschen zusammen, die einander sonst nicht begegnen, lässt sie ihre Erfahrungen teilen, ihre Sorgen ebenso wie ihre Hoffnungen. Freude, Motivation, Inspiration, Kraft.
Dazwischen erzähle ich meine Geschichte – gefühlt 100x während einer Buchmesse – immer und immer wieder, erreiche Menschen, Betroffene, erstaunte Blicke, in denen sich die Frage widerspiegelt: Kann es auch mir gelingen?
Offenheit lautet der Schlüssel, der das Tor zu den Herzen der Menschen und ihren Seelen öffnet. Meine Offenheit, über mein Leben und meine Erfahrungen ohne Scham, Reue oder Schuld zu sprechen, frei von Vorwürfen, Anklagen und Schuldzuweisungen. Wenn meine Geschichte zu einem Impuls der Veränderung für andere wird, empfinde ich Dankbarkeit, dann bekommt all das, was geschehen ist, einen tiefen, lebensbejahenden Sinn. Deshalb erzähle ich meine Geschichte immer und immer wieder, aber ich erzähle sie nicht nur für andere, sondern auch für mich selbst – um mich selbst daran zu erinnern, wer ich bin, denn im Alltag kann genau das allzu leicht verloren gehen inmitten der (oft auch gut gemeinten) Zuschreibungen. Was auch immer andere in mir sehen, es ist ihr Bild von mir – nicht das meine. Manchmal mag es Übereinstimmungen geben, doch häufig bin ich nur ein Spiegel, in dem sie sich selbst suchen.
Alles dreht sich im Kreis. Planeten, Galaxien, Protonen, unser Blut im Körper, Jahreszeiten … auch mein Gedankenkarussell.
Vor einigen Jahren traf ich für mich die Entscheidung, die zweite Hälfte meines Lebens dafür zu verwenden, etwas zu bewirken. In der ersten folgte ich dem Weg, der mir vorgegeben worden war: ausgerichtet auf materielle Ziele. Ich definierte mich über den Satz „ich habe, also bin ich“. Heute sage ich: „Ich bin, wer ich sein will.“ Materielles? Manches erleichtert das Leben, anderes sorgt für Komfort, doch das meiste ist schlichtweg Ballast, der früher oder später auf dem Sperrmüll landet – so wie das, was meine Mutter über Jahrzehnte angesammelt hatte. Leichtigkeit im Leben geht für mich mit dem Loslassen von Ballast einher – in allen Bereichen des Lebens: geistig, emotional, materiell. Letztendlich besitzen wir nichts wirklich, nicht mal unser Leben, denn auch das ist nur von der Ewigkeit geliehen. Wir sind alle auf der Durchreise, können weder die in die Vergangenheit zurück noch in die Zukunft springen. Nur in diesem Augenblick, im Hier und Jetzt, existieren wir.
Ab und zu hüllt sich dieser Augenblick in Dunkelheit, trage ich schwarz, weil jede andere Farbe sich falsch anfühlt. Dann braucht der feurige Funken Lebensfreude den Schutz der Dunkelheit, jener Dunkelheit, die ein Teil von mir ist, immer war und immer sein wird. Jene Dunkelheit, die mir hilft, das Strahlen meines Lichtes zu erkennen. Die Gegensätze zu vereinen, die Widersprüche aufzulösen, alles anzunehmen, wie es ist – das ist mein Weg, die Herausforderung Borderline zu meistern. Manchmal helfen dabei ein paar Runden auf dem Gedankenkarussell, um wieder jene Klarheit zu finden, die im Trubel des Alltags kurzfristig getrübt wurde.
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