DIE KRAFT DER STILLE


Das neue Jahr hat gleich zu Beginn eine äußerst interessante Lektion für mich: Kehlkopfentzündung samt viralem und bakteriellen Infekt = out of Order. Oder anders gesagt: eine Woche des Schweigens, die nun hinter mir liegt – und eine spannende Erfahrung.

Nie zuvor habe ich so lange geschwiegen, weder freiwillig noch unfreiwillig. Geschätzt habe ich in der vergangenen Woche in Summe 100-150 Wörter in der Arztpraxis sowie der Apotheke gekrächzt. Nur das absolut Notwendigste. Darüber hinaus … Stille.

Eine Stille, die sich allmählich auch in meinem Denken ausbreitete – und meinem Körper. Puls 51 – das nenn ich mal Gelassenheit 😉
Kommunikation ist wichtig, aber wie viel Worte braucht es wirklich? Und welche sind es?

Aus meiner „silent bubble“ auf die Welt blickend, fällt mir auf, dass Kommunikation häufig so abläuft: jemand sagt etwas, wirft quasi einen Stein in einen ruhenden See zwischen sich selbst und den anderen. Dieser Stein plumpst ins Wasser, löst dabei Wellen aus, die sich konzentrisch ausbreiteten und alle erreichen rund um den See. Doch bevor noch diese ersten Wellen abgeflaut sind, wird der nächste Stein ins Wasser geworfen, und der nächste … dieser Prozess setzt sich laufend fort, während die ersten Wellen die Ufer erreichen und zurückgeworfen werden, auf die nächsten herannahenden Wellen treffen … alles wird mit allem verwirbelt. Jede Botschaft (bzw. Welle) für sich transportiert eine Botschaft, ein Gefühl, eine Stimmung, die im Wirbel untergeht.

Ein Teil von mir nimmt bereits seit längerem eine Art von „Reizüberflutung“ in der Umwelt wahr, doch erst diese Woche der Stille, meines Schweigens, ließ jenes Bild entstehen. Wir können vielleicht noch die oberflächliche Botschaft hören, aber all das, was die Wellen noch mit sich tragen, bleibt der Wahrnehmung verborgen – dennoch wirkt es auf uns. Unsere Umwelt ist im wahrsten Sinne des Wortes überflutet. Selektiv picken wir für uns heraus was uns wichtig erscheint, während alles andere ungefiltert über uns hinweg rollt.

Eine dramatische Schilderung?

Vielleicht – vielleicht auch nur realistisch.

Unsere Sinne sind so viel feiner, als unser Bewusstsein uns glauben machen will. Seit Jahren steige ich in die U-Bahn nur noch mit Stöpsel in den Ohren und für mich positiver Musik ein, dennoch fühle ich mich selten wohl darin, spüre Anspannung, etwas, das mich bedrückt … die Wellen der anderen branden gegen mein Ufer, ob ich will oder nicht.

Was ich hier bildlich-naiv beschreibe, lässt sich wissenschaftlich-fundiert belegen. Doch auch ohne harte Fakten, die meisten von uns kennen das Gefühl, inmitten von Menschen zu sein, die uns runterziehen, ohne dass sie direkt etwas gegen uns tun. Oder das gegenteilige Gefühl, durch eine Gruppe getragen, inspiriert und motiviert zu werden. Keiner von uns ist immun gegen das, was die Wellen mit sich transportieren.

Durch meine Woche des Schweigens bin ich (hoffentlich langanhaltend) noch achtsamer geworden für das, was ich aussende, in Worten ebenso wie in Gedanken. Letztere können wir zwar nicht hören (und wer’s dennoch glaubt, sollte vielleicht ein paar ernsthafte Gespräche führen), aber wir können die Stimmung dahinter spüren – bewusst oder unbewusst.

Braucht es tatsächlich die Sintflut an Worten und Botschaften? Oder ist weniger mehr? Abseits vom Highway der Kommunikation liegt die Oase der Stille, ein Ort der Kraft, den zu entdecken sich lohnt.

Das heutige Beitragsbild wurde von der WP-KI generiert … sehr stimmig, wie ich finde, und sehr ruhig.

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