FRIENDLY REMINDER


Ab und zu bekommst du vom Leben einen „friendly reminder“ verpasst. Du triffst einen Menschen und dieser sagt dir etwas direkt auf den Kopf zu, dass du längst tief in dir spürst, dass du intuitiv weißt, aber vehement verdrängst. Genau das ist mir vor einigen Tagen passiert.

Bang.

Keine Chance mehr, es zu ignorieren. Zumindest gehöre ich nicht mehr zu denen, die trotz eines solchen „Winks mit dem Zaunpfahl“ weiter machen, als wäre nichts geschehen.

Also ließ ich los.

Loslassen fällt manchmal leicht, aber meistens nicht.

Besonders schwer fällt es (mir), wenn das (oder der Mensch), den ich loslassen soll, mir am Herzen liegt.

Noch schwerer ist es, wenn dieser Mensch in seinem eigenen Sumpf feststeckt und zu ertrinken droht. Allzu gerne übernehme ich die Rolle des Rettungsrings. Doch wie lange kann ich für zwei schwimmen, wenn einer von beiden sich beharrlich weigert, seine Betonschuhe auszuziehen?

Loslassen gleich manchmal einem „im Stich lassen“, doch manchmal ist es auch ein „ich gebe dir die Verantwortung für dein Leben zurück“.
Niemand konnte mir die Entwicklungsschritte abnehmen, durch die ich hindurch musste, um zu werden, wer ich heute bin. Oft genug war ich nahe am Ertrinken, doch ich lernte mich selbst über Wasser zu halten. Irgendwann konnte ich schwimmen. Auch daran erinnerte mich diese Begegnung vor einigen Tagen: ich habe nicht das Recht, anderen ihre Lernerfahrungen vorzuenthalten, indem ich sie dauerhaft über Wasser halte. Kurzzeitig zu helfen, ist wichtig und wertvoll. Doch es darf kein Dauerzustand werden. Zu lieben bedeutet, dem anderen die Chance zu geben, selbst schwimmen zu lernen.

Ein „friendly reminder“ für all jene, die aus Liebe das tragen, was nicht für sie bestimmt ist.

Bild: KI-generiert

SENDEPAUSE


Es gibt Phasen in meinem Leben, in denen mein System eine Sendepause einlegt. Entweder geschieht zu dieser Zeit sehr viel im Umfeld, oder es gibt gravierende Veränderungen, oder beinahe Vergessenes meldet sich zu Wort, oder irgendetwas anderes beschäftigt mich. Oder alles zusammen. In diesen Zeiten pausiert meine sonst überbordende Kreativität. Ich nehme wahr, verarbeite, reflektiere. So wie an diesem Wochenende. Ich wollte an meinem aktuellen Buchprojekt weiterarbeiten. Stattdessen habe ich die Bergluft genossen und bin frei von Gedanken über Skipisten geflitzt, meine Aufmerksamkeit völlig auf das fokussiert, was ich gerade tat. Manchmal ist es wichtig, dem Denken eine Sendepause zu gönnen. Einfach nur zu leben. In ein paar Tagen gibt es sicherlich inspirierende Gedanken zu teilen, die heute bereits in mir schlummern und sich zum richtigen Zeitpunkt zeigen werden.

Bis dahin, genießt euer Leben, taucht ab und zu vielleicht in eine Sendepause ab und vertraut darauf, dass die Welt sich weiterdreht, weil sie das schon seit langem tut und noch lange tun wird.

Zur Abwechslung gibt’s diesmal wieder ein echtes Bild, aufgenommen von mir, frei von jeglicher Nachbearbeitung.

DAS MACHT ETWAS MIT MIR


Blicke ich in die Welt hinaus, schaudert mir. Öffne ich meinen Webbrowser, poppen Schlagzeilen voller Gewalt auf; Katastrophen und Unheil. Manche nennen die Social Media Plattformen die Müllhalden des guten Benehmens. Menschen in machtvollen Positionen postulieren Aussagen voller Intoleranz, Geringschätzung, Ablehnung bis hin zu Hass, bei gleichzeitiger Selbstüberschätzung, Anmaßung und Hybris. Lausche ich in den Öffis auf die Worte außerhalb meiner Ohrstöpsel nehme ich Oberflächlichkeit wahr, beobachte egoistische (um nicht das Wort „rücksichtlose“ zu verwenden) Handlungen. Eine Einstellung im Sinne von „Ich zuerst, danach lange nichts“. Gesunde Lebensweise wird gepredigt, gesunde Lebensmittel werden ständig teurer, die günstigen immer mehr „Junk“, hochverarbeitete Industrieprodukte aus billigsten Rohstoffen. Rauchverbot klingt vordergründig gut, aber den Verkauf von Tabak will niemand einschränken, zu verlockend sind die daraus generierten Steuereinnahmen. Selbiges gilt für Treibstoff. Es gibt x Studien, die aufzeigen, was Menschen krank macht – doch außer temporäre Empörung geschieht nicht viel. Eintagsfliegen. Fatalismus. Die Menschheit steuert sehenden Auges auf ihre Selbstauslöschung zu.

„Das macht etwas mit mir.“

Diese Aussage höre ich häufig leise geflüstert, begleitet von einem Gefühl der Verzweiflung – mitunter sogar Resignation. Selten spreche ich die folgenden Worte laut aus, denn …

Das macht auch etwas mir mit. Es macht genau das mit mir, was ich zulasse, dass es tut. Lasse ich mich von all dem in eine dystopische Stimmung ziehen? Macht es mich depressiv? Fühle ich mich dem ausgeliefert – ein Opfer? Oder anerkenne ich, was es ist, ohne all dem die Macht über mich, mein Fühlen und mein Denken zu geben?

Es ist MEINE Entscheidung!

All das, was „falsch läuft“ kann ich nicht verändern – aber ich kann verändern, wie es auf mich wirkt. Lasse ich mich reinziehen in die destruktive, lebensfeindliche Energie? Oder bleibe ich meinem konstruktiven, lebensbejahenden Weg treu?

Meine Entscheidung!

Das macht etwas mit mir – das kann es nur, wenn ich die „Macht“ abgeben, an andere Menschen, Umstände, Medien …

Will ich das – die Macht über mich, mein Denken und mein Fühlen, an andere abgeben?

Es geschieht subtil. Ein unachtsamer Moment, und ich werde in den Strudel hineingezogen, tiefer und tiefer in jenes „schwarze Loch“, das andere erschaffen haben, auf dessen Boden sie sitzen und – so scheint es – keinen Weg herausfinden. Vielleicht auch gar nicht realisieren, wo sie gestrandet sind.

Dem Strudel zu widerstehen, erfordert Energie, aktiv anderes zu denken und zu fühlen, trotz jener „Realität“, die manchmal unveränderbar scheint, es aber nicht ist. Realität ist genau genommen frei von Wertung. Ereignisse sind. Punkt. Jeder Mensch entscheidet für sich selbst, ob positiv oder negativ. Abhängig von dieser Entscheidung, wirkt ein und dieselbe Realität unterschiedlich auf Menschen. Es geht nicht um Schönzeichen. Gewalt und Zerstörung können durch nichts geschönt werden. Es geht darum, kein Teil davon zu werden, sich nicht anstecken zu lassen von der Negativität, die sich übers Fühlen und Denken in die Seele schleicht und diese zerfrisst.

Wenn alles rundum nach unten zieht, ist es umso wichtiger, oben zu bleiben.

Wenn manche lauthals verkünden, wie schlecht alles ist, gilt es den Blick auf all das Gute zu richten, dankbar zu sein, für das eigene Leben und jeden Augenblick, jede Erfahrung, die mich als Mensch weiterbringt. Es gilt, kein Nährboden für die Saat jener zu werden, die in sich Konflikte tragen und Kriege im außen führen. Frieden kann nicht erzwungen werden. Frieden ist die Entscheidung, den Krieg (und den Konflikt in sich) zu beenden und Verantwortung für sich selbst, das eigenen Denken und Fühlen zu übernehmen.

Was auch immer da draußen geschieht, es macht etwas mit mir – es macht das, was ich entscheide, dass es tun darf.

Ich sehe die Ereignisse, höre die Aussagen, dennoch glaube ich an das Gute im Menschen, bin dankbar für eine Blume am Wegesrand, zufrieden mit meinem Leben, neugierig auf das Morgen, entscheide mich zu vertrauen.

Wer die Welt verändern will, muss bei sich selbst anfangen.

Andere mögen schwarze Löcher graben, ich baue Brücken aus Licht zu den Seelen der Menschen. Auch das tut etwas mit mir – und vielleicht auch mit anderen?

Bild: KI-generiert