FRIENDLY REMINDER


Ab und zu bekommst du vom Leben einen „friendly reminder“ verpasst. Du triffst einen Menschen und dieser sagt dir etwas direkt auf den Kopf zu, dass du längst tief in dir spürst, dass du intuitiv weißt, aber vehement verdrängst. Genau das ist mir vor einigen Tagen passiert.

Bang.

Keine Chance mehr, es zu ignorieren. Zumindest gehöre ich nicht mehr zu denen, die trotz eines solchen „Winks mit dem Zaunpfahl“ weiter machen, als wäre nichts geschehen.

Also ließ ich los.

Loslassen fällt manchmal leicht, aber meistens nicht.

Besonders schwer fällt es (mir), wenn das (oder der Mensch), den ich loslassen soll, mir am Herzen liegt.

Noch schwerer ist es, wenn dieser Mensch in seinem eigenen Sumpf feststeckt und zu ertrinken droht. Allzu gerne übernehme ich die Rolle des Rettungsrings. Doch wie lange kann ich für zwei schwimmen, wenn einer von beiden sich beharrlich weigert, seine Betonschuhe auszuziehen?

Loslassen gleich manchmal einem „im Stich lassen“, doch manchmal ist es auch ein „ich gebe dir die Verantwortung für dein Leben zurück“.
Niemand konnte mir die Entwicklungsschritte abnehmen, durch die ich hindurch musste, um zu werden, wer ich heute bin. Oft genug war ich nahe am Ertrinken, doch ich lernte mich selbst über Wasser zu halten. Irgendwann konnte ich schwimmen. Auch daran erinnerte mich diese Begegnung vor einigen Tagen: ich habe nicht das Recht, anderen ihre Lernerfahrungen vorzuenthalten, indem ich sie dauerhaft über Wasser halte. Kurzzeitig zu helfen, ist wichtig und wertvoll. Doch es darf kein Dauerzustand werden. Zu lieben bedeutet, dem anderen die Chance zu geben, selbst schwimmen zu lernen.

Ein „friendly reminder“ für all jene, die aus Liebe das tragen, was nicht für sie bestimmt ist.

Bild: KI-generiert

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