VERÄNDERUNGEN? JETZT MAL KLARTEXT

Seit einiger Zeit schleiche ich sprichwörtlich wie die Katze um den heißen Brei. Veränderungen und wie leicht es mir fällt, damit umzugehen. Jeder von uns hat sein eigenes Bild zu „Veränderungen“ im Kopf. Meine aktuelle Realität sieht so aus:

In den kommenden Monaten wird kaum etwas in meinem Leben so bleiben, wie es heute ist. Punkt. Würde dies nur mich betreffen, wäre es zwar weniger umwälzend, aber leichter zu nehmen. Doch einiges wird auch andere betreffen. Menschen, denen ich mich freundschaftlich verbunden fühle und die ich wertschätze. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen: kaum eine dieser Veränderungen geschieht, weil es mein Ansinnen war/ist. Die Entscheidungen haben andere getroffen. Ich/wird sind „nur“ betroffen.

Wo verbirgt sich da der Sinn? Auf den ersten Blick ist er jedenfalls nicht zu finden, ABER …

Lieben oder Leiden? Der Untertitel meiner Autobiographie. Eine Grundsatzentscheidung für mein Leben. In die Praxis transferiert bedeutet sie: ich kann nicht ändern, was entschieden wurde, auch nicht, wenn ich daran leide, bis ich zugrunde gehe. Ich kann annehmen, was es ist (und anderer Meinung sein) und gleichzeitig in (Selbst)Liebe verharren. Das bringt eine gewisse Gelassenheit, mit der diese Veränderungen leichter zu vollziehen sind. Nicht aus Schmerz und Leid heraus, sondern kraftvoll, gestaltend.

Love it, change it or leave it. Noch so ein Motto, das mich seit langem begleitet und in der aktuellen Situation dabei hilft, mir meine Optionen bewusst zu machen. Wer für sich Möglichkeiten erkennen kann, hat eine Alternative zur Einbahnstraße der Drama-Dynamik.

Dem schließt sich auch das Gelassenheitsgebet an: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Obwohl ich kein religiöser Mensch bin, der zugrunde liegenden Botschaft stimme ich voll und ganz zu. Keine (Lebens)Energie verschwenden, um gegen Unabänderliches anzukämpfen. Kraft und Mut dort einsetzen, wo auch etwas bewegt werden kann. Die Weisheit zu unterscheiden …

Weisheit hat wenig mit Intelligenz zu tun. Weisheit ist eine Qualität, die ich mehr und mehr vermisse in unserer Welt. Weisheit erfordert Reflexion, Einfühlungsvermögen in Situationen und Menschen, den Blick auf das große Ganze zu richten, mehr zu sehen als nur die Oberfläche, Gelassenheit und Geduld wenn’s nicht so läuft wie das Ego es sich vorgestellt hat. Ich glaube nicht daran, dass mir jemand (wer auch immer) Weisheit geben kann, dass wäre zu einfach, zu schön, um wahr zu sein, würde uns jeglicher Eigenverantwortung berauben und wäre gleichzeitig eine geniale Ausrede – sowie ein Machtinstrument in den Händen derer, die es versprechen. Für mich trägt jeder Mensch das Potenzial der Weisheit in sich. Ob es entfaltet wird oder nicht, hängt vermutlich von unterschiedlichen Einflüssen ab. Einer davon ist der Mensch selbst.

Für mich ist das gesamte Universum von einer Art „Matrix des Lebens“ durchdrungen, die bewirkt, dass geschieht, was geschieht. Mit der Vorstellung eines einzelnen, omnipotenten Wesens (das obendrein auf eines von zwei Geschlechter festgelegt ist, was doch ziemlich diskriminierend anmutet) kann ich wenig anfangen. So ein Wesen wäre für alles, ich meine wirklich ALLES zuständig, vom Universum selbst angefangen bis hin zu kleinsten Lebewesen wie Viren und Bakterien. DAS alles im Blick zu behalten, übersteigt jegliche menschliche Vorstellungskraft. Eine Matrix, die einerseits aus sich selbst heraus agiert und andererseits auf das reagiert, womit sie „gefüttert“ wird – DAS kann ich mir gut vorstellen. Darin finden sich stimmige Erklärungen für so einiges, dass unter der Oberfläche des Offensichtlichen geschieht. Füttere ich meine Matrix reichlich mit Negativität, erlebe ich entsprechendes in meinem Alltag. Umgekehrt detto. Positives Denken ist nur ein winziges Zahnrad in dieser Matrix. Es geht um sehr viel mehr! Um eine Art kollektives (Unter)Bewusstsein, kollektive Emotionalität. Das, was ein Individuum mit sich rumschleppt, belastet auch die gesamte Menschheit – und trägt seinen Teil dazu bei, entsprechende Ereignisse zu kreieren.

Furcht, Neid, Gier, Missgunst, Ablehnung, Hass, Gewalt … je mehr Menschen die Matrix damit füttern, desto mehr entsprechende Ereignisse geschehen, was wiederum dazu führt, dass Furcht, Neid, Ablehnung etc. mehr werden in dieser Welt … eine Spirale, die sich dreht und dreht …
Ich mag dabei nicht mehr mitspielen.

Die Welt ist, wie sie ist. Die kommenden Veränderungen in meinem Leben sind, was sie sind – Großteils von anderen bestimmt, nicht durch mich zu verändern. Punkt. WIE ich allerdings damit umgehen, das ist zu 100% meine Entscheidung. Ich kann mich darüber aufregen, jammern, klagen, leiden … oder ich verharre im Zustand des Urvertrauens, der (Selbst)Liebe und Lebensfreude. In diesem Augenblick ändert es nichts an dem, was ist. Aber wer weiß, was morgen sein wird? Wir ernten, was wir säen. In diesem Sinne füttere ich meine Matrix mit Lebensfreude und Liebe.

Vor ein paar Tagen fuhr ich morgens in der U-Bahn in Wien. Eine Menge freudloser Gesichter rund um mich, während ich – kaum übersehbar für die, die es sehen wollten – mich in den lebendigen Rhythmus dieses Songs fallen ließ, was natürlich niemand außer mir hören konnte. Ein feuriger Funken Lebensfreude schert sich – ehrlich gesagt – nicht mehr darum, was andere sich vielleicht denken könnten. Immerhin veränderte sich nach einigen Minuten das Gesicht einer Frau, sie begann zu lächeln – und tat dies auch noch, als sie ausstieg.

Wer weiß, vielleicht hat mein Lebensfreude-Virus sie an diesem Morgen infiziert?

Dafür übernehme ich gerne die Verantwortung und füttere meine Matrix weiterhin mit dem, was ich selbst bestimmen kann – unabhängig davon, wer welche Entscheidung trifft: in einem Zustand von Lebensfreude und Liebe sowie im Urvertrauen zu verharren. DAS ist meine Entscheidung.

Bild: pixabay.com

Hinterlasse einen Kommentar