TAGEBUCH MEINES NEUEN LEBENS – 5 JAHRE SPÄTER

Vor ziemlich genau 5 Jahren veröffentlichte ich folgendes:

Der Morgen von Tag 3 in meinem neuen Leben

Kurz nach Mitternacht mit einem Spaltgips und Krücken wieder auf dem Übergangssofa einzuziehen … eine sehr ambivalente Erfahrung, die mir hoffentlich ein weiteres Mal erspart bleibt.

Immerhin, erstmals seit letzter Woche mehr als 2 h Schlaf. Ganze 6 h. Luxus pur

Mein Sohn hat auch Recht behalten: ich lerne gerade Alexa zu schätzen, da meine Bewegungsfreiheit doch drastisch eingeschränkt ist. Alexa bringt mir zwar kein Frühstück, aber Licht und Musik.

Meine Gedanken werden auch allmählich ruhiger. 24 gemeinsame Jahre einfach so vorbei. Macht unglaublich traurig, dennoch – es gibt mir auch die Freiheit, über mich selbst nachzudenken und was ich mir von einer Partnerschaft erwarte. Wie ich feststellen musste, ließ meine (positive) Veränderung und Stabilisierung meines Borderline seit 2017 uns auseinanderdriften. Ich bin nun einmal nicht mehr die, die ich vor 24 Jahren war. Das ist eine Tatsache. Wie es aussieht, bin ich auch nicht die Richtige für meinen (Ex?)-Partner (irgendwie komisch, das zum ersten Mal zu schreiben). Das muss ich akzeptieren.

Wie geht’s weiter? Im Moment langsam und auf Krücken, aber es geht weiter. Aufgeben und im Jammertal der Tränen versinken? Nein, danke. Was würde es ändern? Ich habe ausgiebig reflektiert und meine Erkenntnisse daraus gewonnen. Die Traurigkeit wird noch eine Zeit bleiben, aber das ist in Ordnung. Schließlich hat sich die Liebe auf meiner Seite nicht einfach so in Luft aufgelöst. Sie ist noch immer da, aber auch das Bewusstsein, einen Partner an meiner Seite haben zu wollen, der mich als die schätzt, die ich bin, und nicht etwas in mir sieht, was ich einst war oder was in mich reininterpretiert wird.

In diesem Sinne geht’s weiter, Schritt für Schritt auf 2 Krücken …

Wenn ich diese Zeilen heute lese, fühlt es sich an, als längen sie unendlich weit in der Vergangenheit zurück. Ja, es ging weiter, Schritt für Schritt in ein neues, mein heutiges Leben. Reflektiert habe ich jede Menge, Alexa bis heute keine eigene – auch wenn sie damals hilfreich war.

Mein altes Leben liegt hinter mir.

Ich nahm mir 5 Jahre Zeit, mich selbst zu finden, ganz bei mir selbst anzukommen, zu erforschen, wer ich bin und wie ich leben will. So weit lief alles bestens, bis …

… ein banales Ereignis mich eine bittere Wahrheit erkennen ließ, ich auf einen Berg stieg, dort etwas ablegte und mit einer diffusen inneren Leere zurückkehrte. Aus Intuition heraus startete ich ein Experiment, um herauszufinden, was sich in mir verändert hatte. Erfahrungsgemäß eignet sich dafür der Spiegel des Gegenübers bestens. Also begab ich mich auf eine zwischenmenschliche Entdeckungsreise. Wenige Tage später kreuzte mein Weg einen anderen und seither bestimmt eine nie gekannte Leichtigkeit zwischen zwei Menschen mein Leben. Nähe, die sich gut anfühlt. Unkompliziert, achtsam, wertschätzend.

Ein neues Leben zu zweit – ziemlich genau 5 Jahre später?

Wenn dem so ist, beweist das Leben eine gewisse Ironie beim Timing 😉

Und weil es die kleinen, alltäglichen Momente sind, auf die es im Leben ankommt, auf einen gemeinsamen Spaziergang bei Sonnenuntergang, einen Sonnenstrahl, der zwei Seelen berührt, gibt’s heute ein Bild, das einen flüchtigen Augenblick jenes Spaziergangs einfing.

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