PERFEKTES TIMING

… oder in anderen Worten etwas ausführlicher formuliert: Das Leben findet stets den richtigen Zeitpunkt.

Als ich nach meiner Woche als „Hüttenwirtin auf Zeit“ ins urbane Umfeld zurückkehrte, erlitt ich einen veritablen „Kulturschock“. All die Menschen, all der Lärm, all die Verkomplizierungen dessen natürlichen Umstandes der Welt (am Leben zu sein) … mehr denn je fühlte ich mich als Alien. Der Gedanke an eine sofortige Rückkehr auf den Berg war sehr verlockend.

Aber ich blieb inmitten des von Menschen gemachten (größtenteils selbstverursachtem) Chaos – und stellte mich dem, was an meine eigene Tür klopfte: eine innere Aufräum- und Entrümpelungsphase. Im Spiegel des Alltags tauchten alte Verhaltens- und Gedankenmuster auf, die es für mich zu hinterfragen und teilweise loszulassen galt.

Beiläufig wurde mir auch bewusst, mich in die eine oder andere Sackgasse verlaufen zu haben – was ich der einen oder anderen Bemerkungen zu verdanken hatte, die ich im Zuge eines Kreativ- und Handwerksmarktes, auf dem ich mit meinem Büchern Ausstellerin war, aufgeschnappt habe. Müßig zu erwähnen, dass die Bemerkungen von Menschen kamen, die keine Ahnung davon hatten, welche Gedanken mich gerade beschäftigten. So ist das mit dem perfekten Timing des Lebens: du bekommst genau das, was du brauchst – es liegt an dir, hinzusehen, hinzuhören, hinzuspüren …

Kurz gesagt: ich war in den vergangenen Wochen mit mir selbst beschäftigt und verspürte keinerlei Drang, meine Gedanken in den sozialen Medien zu teilen. Erst seit ich wieder an meinem Rückzugsort auf über 2.000m Seehöhe angekommen bin, fließen meine Gedanken wieder in geschriebene Worte.

JAN/A Band 3 ist fertig, mein Prozess abgeschlossen – bin ich am Ende des Weges angekommen?

Definitiv Nein, wie sich unmissverständlich gezeigt hat.

Meine innere Aufräum- und Entrümpelungsphase brachte einige Veränderungen, die wohl auch anderen auffallen. „Reden wir Klartext“ hört man nun noch öfter als bisher von mir. Das können dann Worte wie diese sein:

Eine Borderline-Diagnose ist kein „Wimmerl am Hintern“, sprich: unangenehm, aber ansonsten harmlos. Hinter einer Borderline-Diagnose stehen Ursachen, Auslöser, Herausforderungen, Lernaufgaben … eine Borderline-Diagnose ist vieles, nur eines sollte sie nicht sein: eine bequeme Ausrede, um sich dahinter zu verstecken. Wir leben in einer Zeit, in der Wissen und Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um für sich selbst einen Weg zu finden, aus dem in einer Borderline-Diagnose verborgenen Potenzial etwas Lebendiges, Freudvolles, Lebensbejahendes zu machen. Entscheidend ist die Frage:

„Bist du bereit, innerlich den Schmerz der Verletzungen, Kränkungen, Traumatisierungen etc. loszulassen, um frei zu werden, DEIN Leben zu leben?“

Wer an den schmerzvollen Gefühlen festhält, wird weiterhin von den damit verbundenen Ereignissen und Menschen gesteuert, ist also weit entfernt von einem freien Leben.

Oder anders gesagt:

„Lebst du in der Angst oder in der Liebe?“

Beides zeitgleich geht nicht. Du musst dich entscheiden.

Der perfekte Zeitpunkt dafür ist genau JETZT.

Bild: pixabay.com

WIE LEBEN GELINGT: STELL DIR VOR …

… du arbeitest viele Jahre Jahrzehnte mit großer Anstrengung an dir, konsequent und kontinuierlich, reflektierst deine Handlungen, erforscht deine Motive, was in dir steckt (im wahrsten Sinne des Wortes), was unter die Oberfläche ins Reich des Vergessens und Verdrängens gerutscht ist. Du triffst Menschen, die dich inspirieren und weiterbringen, und andere, die dich enttäuschen, dich ausnutzen und verletzen. Du machst Fehler, manche öfters, fällst auch mal hin. Dazwischen erlebst du viele kleine Erfolge, auch ein paar große. Mit jeder Antwort tauchen neue Fragen auf, verlängert sich dein Weg um eine neue Etappe, manche davon werden Sackgassen sein, an deren Ende du umkehren wirst, vielleicht frustriert, vielleicht um eine Erkenntnis reicher. Auf deinem Weg wird dir nichts geschenkt oder abgenommen. Alles musst du dir selbst erarbeiten, oftmals mühevoll. Du investierst Zeit und Geld in etwas, von dem du nur eine vage Ahnung hast, was es am Ende sein wird. Woher solltest du auch eine Vorstellung von dem haben, was es sein kann, wenn du es nie zuvor hattest? Von all den Zielen, die du dir setzt, wirst du einige erreichen, andere nie – und manche wirst du verändern. Es gibt keine Garantie, dass deine Lebensspanne ausreicht, um das Ziel zu erreichen.

Eines Tages, wenn du am wenigstens damit rechnest, kommt der Moment, in dem dir bewusst wird, was du all die Zeit gesucht hast – das du es längst gefunden hast – und das dein Leben sich dennoch kaum verändert hat. Weder türmen sich Millionen auf deinem Bankkonto, noch residierst du in einem Schloss, und die Menschen in deinem Leben zählen vermutlich nicht zur High Society, aber es sind echte Menschen, die dich lieben, dir Wertschätzung und Respekt entgegenbringen, für dich da sind. Du hast, was du brauchst, um gut zu leben – doch du brauchst viel weniger, als du je gedacht hast. Es zählt nicht mehr, wo du bist, sondern nur, wer du bist, wie du auf diese Welt und dein Leben blickst. Wer sein inneres Licht zum Strahlen bringen will, muss der Dunkelheit in sich zustimmen, sie umarmen, ohne sich darin zu verlieren.

Klingt nicht so verlockend wie die meisten Seminar- und Coaching-Werbespots mit ihren Versprechen von diesem oder jenem Geheimnis, dass dich im Handumdrehen glücklich und erfolgreich machen wird. Ich stimme dir zu. Meine Zeilen sind auch kein Marketingtext, sondern ein Spiegel meiner eigenen Erfahrungen und jener, die andere mit mir geteilt haben.

Der Weg zu einem glücklichen, zufriedenen Leben kennt keine Abkürzungen. Wer seine inneren Baustellen nicht aufräumt, wird ewig suchen, manchmal für einige Zeit eine Ersatzbefriedigung finden, aber um bei sich selbst anzukommen, braucht es mehr, anderes, die Bereitschaft, auf all das zu blicken, das da ist. Den Willen, sein Ego zurückzustellen, um Konflikte zu lösen. Dankbarkeit für das Leben selbst. Demut angesichts dessen, wie alles zusammenwirkt, um genau jenes Leben zu erschaffen, in welchem deine Entwicklung und dein Wachstum möglich sind. Achtsamkeit für das Besondere im Alltäglichen, die kleinen unscheinbaren Momente, in denen die Wege des Lebens sich neu ausrichten.

Es braucht vieles, um als Mensch bei sich selbst und im inneren Frieden anzukommen, doch nichts davon ist ein Geheimnis. Das Wissen, wie Leben gelingt, steht seit Jahrtausenden zur Verfügung.

Das absolut geniale am Menschsein ist: du kannst dich in jedem Augenblick deines Lebens entscheiden, welchen Weg du beschreiten willst.

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RÜCKBLICK MIT WEITBLICK

Meine Woche als ehrenamtliche Hüttenwirtin am Anton-Proksch-Haus (Werfenweng) der Naturfreunde geht morgen zu Ende. Zeit, Bilanz für mich zu ziehen.

Eine meiner ersten Aktivitäten vor einer Woche war es, mir nach vielen Jahren endlich mal wieder ein Brot selbst zu backen. Die letzten Scheiben gab es heute zum Frühstück. Ein Brot hält eine Woche? Ja, und es wird weder steinhart noch trocken oder gar schimmelig. Was wieder einmal beweist, dass aus gutem Mehl (keine Backmischung), Sauerteig, ein wenig Hefe, Salz und Brotgewürz ein hochwertiges Lebensmittel entstehen kann – ohne jegliche Konservierungsstoffe, Feuchthaltemittel, Emulgatoren und was es sonst noch so gibt.

Obwohl ich mich deutlich mehr als normal bewegt habe, bergauf und bergab, habe ich gleichzeitig weniger gegessen als sonst. Ich war einfach nicht hungrig. Vielleicht lag das auch an dem, was ich mir gekocht habe: Von der Gerschtlsuppe, die mich 4 Tage satt gemacht hat, bis hin zu den selbstgepflückten Eierschwammerln. Mein Speiseplan war „einfach“. Genau das ist es, was für mich Leben auf einer Berghütte bedeutet:

Zurück zur Einfachheit

Einfach leben, in und mit der Natur, ohne viel Schnickschnack. Rück-Besinnung auf das, was Leben noch sein kann. Ich bin keine Minimalistin, aber habe häufig das Gefühl des „zu viel“ in meinem Leben an Dingen, To Dos … und gleichzeitig „zu wenig“ an Zeit.

Wenn ich – so wie heute Vormittag – meine Runde über die Brandlbergköpfe drehe (das Foto entstand dort oben), brauche ich sehr viel Zeit, denn ich halte häufig an. Nicht, weil mir die Puste ausgeht, sondern weil ich schaue, höre, schmecke, rieche, spüre … mit allen Sinnen wahrnehme, was rund um mich ist. Dabei werde ich selbst ganz still, innerlich wie äußerlich.

Vor mir ein Panorama der schier grenzenlose Weite. In der Ferne bimmeln Kuhglocken, in den Wipfeln der Bäume zwitschern Vögel, ab und an fiep ein Murmeltier. Harziger Duft von Kiefernnadeln vermischt sich mit Latschen und Wacholder. Heidelbeeren frisch vom Strauch schmecken köstlich (und verursachen Pausen 😉). Eine sanfte Brise streicht mir um die Nase.

Streicheleinheiten für meine Seele

In meiner Wahrnehmung verringert sich, wenn die Seele satt ist, das Hungergefühl auf die tatsächlich notwendigen Kalorien – und die sind zumeist weniger als wir zu uns nehmen. Ein wirklich kleines Frühstück, ein kurzer Abstecher zur Nachbaralm (wieder rauf/runter) auf einen Apfelstrudel und ein Glas Rohmilch, ein Teller Eintopf. Das war’s. Mehr braucht mein Körper nicht, auch wenn er sich 4-5 Stunden pro Tag am Berg bewegt. Erstaunlich – und Impulsgeber für eine spannende Frage:

Die Menschheit lebte Hundertausende von Jahren in und mit der Natur als Jäger und Sammler. Mit dem Ackerbau entstanden Siedlungen. Unsere urbane Lebensweise ist vergleichsweise jung. Zu jung, als dass sich unsere Genetik angepasst haben kann? Und unser Seelenleben? Kann die Entfernung zur Natur „Hunger“ auslösen? … den der Mensch mangels Verständnisses mit Nahrungsmitteln zu stillen versucht? … was zu einem global wachsenden Gewichtsproblem führt? … und die Frage nach den „artgerechten“ Lebensbedingungen für die Spezies Homo Sapiens (und sein Seelenleben) aufwirft.

Zurück zum Rückblick: Wie einfach das Leben sein kann, habe ich in der vergangenen Woche hautnah erlebt – ohne irgendetwas zu vermissen. Allein oder gar einsam habe ich mich dabei nicht eine Sekunde lang gefühlt. Ich war Teil dessen, was mich umgeben hat. In den Städten hat der Mensch sich seinen eigenen Lebensraum erschaffen, aber oben am Berg, da ist er nur ein Gast, der sich an die Spielregeln der Natur anpasst – oder die Konsequenzen zu spüren bekommt. Die grauen Riesen waren allgegenwärtige Gastgeber, die mir das eine oder andere zugeflüstert haben.

Ich traf auf Menschen, die mit mir auf einer Wellenlänge schwimmen – und andere, die ihren urbanen Lifestyle unverändert am Berg weiterführen, mit all der Hektik, dem Lärm … die blind und taub sind für das, was sie umgibt – und jene, die Zeit haben.

Zeit ist wohl der größte Luxus

Zeit zum Leben, nicht zum Überleben, Funktionieren, Arbeiten, Erledigen … sondern wirklich einfach Zeit zum Leben. Ich gehe an dieser Stelle absichtlich nicht näher auf den Begriff „Zeit zum Leben“ ein, denn eigentlich sollte jeder von uns wissen, was damit gemeint ist – und wenn nicht, wird es Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

Einfach Leben in und mit der Natur

… ein Experiment, das ich nur weiterempfehlen kann, fürs eigene Seelenheil, um mit sich selbst wieder in Kontakt zu kommen, die Batterien aufzuladen und noch mindestens 100 andere Gründe.

Für mich steht fest: dies war meine erste, aber garantiert nicht meine letzte Woche in einer Berghütte.

MEIN LEBEN VON OBEN BETRACHTET

… im wahrsten Sinne des Wortes. Seit einigen Tagen sitze ich in einer Berghütte auf rund 1.600 m Seehöhe. Zu meinen Füßen breiten sich Almwiesen und Wälder aus, vor mir ragen imposante Bergspitzen in den Himmel. Dazwischen erlebe ich meine Kleinheit als Mensch im Angesicht der grauen Riesen. Das perfekte Szenario zum Reflektieren, denn die Perspektive verändert sich in dieser Höhe.

Vieles erscheint „unbedeutend“, wenn es links von mir steil nach oben und rechts steil nach unten geht, der vor mir liegende Weg kaum einen halben Meter breit und meine Aufmerksamkeit voll und ganz im Hier und Jetzt fokussiert ist. Solche Wege erfordern Achtsamkeit und eignen sich für mich zum Reflektieren, aber sie sind wunderbar, um bewusst „umzuschalten“, die Gedankenspirale auf Zuruf zu beenden und sich auf den gegenwärtigen Moment zu konzentrieren.

Das endlose Kreisen in Gedankenspiralen und Nicht-aussteigen-Können begleitet mich mein Leben lang. Vermutlich kennen einige dieses Phänomen.

Auf den schwierigen Passagen hier oben am Berg absolviere ich mein Achtsamkeitstraining, auf den Spazierwegen wechsle ich in den Reflexionsmodus. Immer wieder spannend, längst Vergangenes hervorzukramen, neuerlich zu betrachten und hinzuspüren, was es (noch) auslöst. Welche Gedanken kommen, welche Emotionen?

Diese Art von Reflexion hat nichts mit „Leben in der Vergangenheit“ zu tun. Ganz im Gegenteil. Es geht darum, zu überprüfen, ob Ereignisse aufgearbeitet und gelöst wurden, oder ob sie noch unter der Oberfläche Spannungen verursachen. Vergleichbar mit den tektonischen Platten unseres Planeten, die sich gegeneinander verschieben und gelegentlich die aufgestaute Energie mittels Erdbeben freisetzen, können sich auch im Menschen Spannungen aufbauen, die sich explosionsartig entladen.

Während meiner Zeit auf der emotionalen Achterbahn geschah dies mit vorhersagbarer Regelmäßigkeit. Seit meiner Rückkehr in die Umarmung des Lebens ist es mir daher ein wichtiges Anliegen, solche Spannungen frühzeitig zu erkennen und möglichst rasch aufzulösen. Deshalb kehre ich bewusst zurück zu vergangenen Ereignissen, am besten in einer Umgebung, die weit weg von diesen ist, um aus einer anderen Perspektive hinzuschauen und hinzuspüren. Dabei kommt manches erstaunlich klar und nüchtern zu Tage.

Als Kind mit hochsensibler Veranlagung erlebte ich psychische, physische und sexuelle Gewalt und Übergriffe. Ein alkoholkranker, manisch-depressiver Vater und eine emotional abwesende (weil in Trauer um ein verlorenes Kind feststeckende) Mutter boten mir weder Halt noch Sicherheit oder gar Unterstützung dabei, mit mir selbst und dem, was geschehen war und mich völlig überforderte, umgehen zu lernen. Was aus diesem Cocktail entstand, nennt man in der Fachsprache Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS).

Recherchen in der Fachliteratur bestätigen mir, dass meine Geschichte „ins Bild passt“. Vernachlässigung und Misshandlung in der Kindheit finden sich häufig in der Anamnese von Betroffenen. Insofern entspreche ich dem Muster. Worin ich mich unterscheide, ist mein Umgang mit dieser „Störung“ und vor allem meine Auflösung derselben.

Stabilität trotz Hochsensibilität und intensiver Emotionalität.   

Ohne Übertreibung – es waren Jahrzehnte an Arbeit dafür nötig. Der Rückzug in die Einsamkeit (der Bergwelt) ist ein Teil dieser Arbeit. Inmitten der Natur, weit weg von anderen Menschen, finde ich zu mir selbst, kann all das loslassen, das ich nicht unbedingt freiwillig aufgenommen habe.

Ein Beispiel, um nachvollziehen zu können, warum dieser Rückzug für mich (überlebens)wichtig ist: Betrete ich einen Raum mit Menschen, nehme ich diese mit all meinen Sinnen wahr, auch emotional-empathisch. Die Gefühle dieser Menschen gehen durch mich durch wie Röntgenstrahlen. Bin ich selbst in meinem Gefühlsmodus, spüre ich es unmittelbar. Bin ich gerade kopflastig unterwegs, bleiben sie subtil unter der Oberfläche. In beiden Fällen jedoch wirken sie auf mein eigenes Gefühlsleben. Ähnlich einem Glas Wasser, in das ein paar Tropfen Tinte geschüttet werden, verfärbt sich mein Gefühlsleben. Nach einiger Zeit fällt es mir schwer zu unterscheiden, welche von diesen Gefühlen meine und welche die übernommenen sind.

Würde ich mich in einem liebevollen, wertschätzenden, achtsamen Umfeld bewegen, wäre das alles kein Problem, denn es wäre positive Gefühle. Aber ich bewege mich nun mal in der Realität, und da nehme ich eine Menge Negativität wahr – bedauerlicherweise. Diese unfreiwillig absorbierte Negativität will ich wieder loswerden, weshalb ich mich in die Natur zurückziehe, möglichst weit weg von Menschen. Wenn der Nachschub an Negativität ausbleibt, kommt die „Halbwertszeit“ zum Wirken und ich fühle wieder meine eigenen Gefühle ohne Mitbringsel.

Natürlich drängt sich die Frage auf, ob nicht Abgrenzung eine Option wäre. Vermutlich, aber ich habe noch keinen Weg gefunden, mich abzugrenzen, ohne gleichzeitig einen Teil von mir zu unterdrücken (nämlich den Hochsensiblen). Diese Unterdrückung führt zu innerer Spannung, die sich wiederum irgendwann explosionsartig entlädt. In den Jahrzehnten der Arbeit an mir selbst, war dies ein Weg, den ich gegangen bin, und den ich wieder verlassen habe.

Übrigens vermute ich, dass die (angebliche) Beziehungsunfähigkeit von Borderlinern möglicherweise genau darauf zurückzuführen ist: man übernimmt so viel von anderen, dass man sich selbst nicht mehr wahrnehmen kann, sich selbst verliert, und gleichzeitig verspürt man den brennenden Wunsch, man selbst zu sein. Bumm. Ein derartiger Widerspruch kann gar nicht anders, als irgendwann zu explodieren. Dabei wäre die Lösung – sollte meine Hypothese richtig sein – ziemlich einfach: fixe Freiräume schaffen, in denen man wieder zu sich selbst findet. Und natürlich bewusster Umgang mit sich selbst, Reflexion, Achtsamkeit …

… und schon bin ich wieder bei dem Thema, das mich hier hinauf auf den Berg geführt hat. Nichts von dem, das in meiner Vergangenheit geschehen ist, kann ich ungeschehen machen, aber ich kann verändern, wie ich damit umgehe und was es heute – im Hier und Jetzt – in mir auslöst. Sollte etwas noch nicht zufriedenstellend gelöst sein und eine unerwünschte Gedankenspirale in Gang setzen, diese bewusst unterbrechen, um sie im passenden Kontext aufarbeiten zu können.

Die Borderline-Herausforderung ist lösbar.

Das ist kein leeres Versprechen in der Art „es wird schon irgendwann von selbst verschwinden“ oder „wirf die Pillen ein und alles wird gut“, sondern eine Aufforderung, sich einem langwierigen, intensiven Selbstfindungsprozess zu stellen.

Eines kann ich versprechen: Es lohnt sich!

ANGEKOMMEN – UND JETZT?

Solange ich zurückdenken kann, habe ich mich nach einem Zustand innerer Ausgeglichenheit und Gelassenheit, voller Kraft und Selbstvertrauen, frei von Zweifeln und Zerrissenheit gesehnt. Nach Jahrzehnten der Arbeit an mir selbst und Aufarbeitung von dem, was ich mir nicht unbedingt ausgesucht habe, bin ich in diesem Zustand angekommen.

Und wie geht’s jetzt weiter?

Wer glaubt, dass ich mich nun in einem Leben voll eitler Wonne und permanentem Sonnenschein befinde, irrt sich. Rosa Bubble heile Welt Fehlanzeige. Im Grunde läuft alles wie bisher, mit einigen wenigen Ausnahmen. Eine davon ist, dass mir eindeutig mir „g‘standene“ positive, authentische Menschen begegnen als früher. Zeitgleich sinkt die Zahl der Energievampire und Karmastaubsauger. Beide betrachte ich als Trainingsgelegenheiten, um meine Resilienz gegen energetische und sonstige Ausbeutung zu stärken, bzw. zu reflektieren, in wie weit mich die Themen noch betreffen, wie ich nun damit umgehe und dankbar zu sein, einen anderen Weg eingeschlagen zu haben. Die überwiegende Zeit fühle ich mich im Flow angekommen. Jede Menge Wunderbares geschieht einfach so. Das lässt sich in einem Satz zusammenfassen:

Vom Leben umarmt

Für mich ist dieser Zustand spürbar – und auch für andere. Menschen, die mich eben erst kennengelernt haben, melden mir rück, dass sie mich als sehr kraftvoll wahrnehmen, vor Lebensfreude strahlend und sind beeindruckt von mir. Wow. Das Ziel meiner Reise zu mir selbst war und ist, in ein gutes Leben(sgefühl) zu kommen, however, diese Nebenwirkung freut mich natürlich.

Wenn es mir gelingt, durch das Vorlesen weniger Zeilen mit meiner Stimme und meinen Worten die Herzen von Menschen zu öffnen, sie etwas tiefer atmen zu lassen, ja sogar ihre Augen feucht werden zu lassen, weil sie inmitten eines kopflastigen Alltags zurück in die Welt des Fühlens finden, dann sage ich DANKE für das Potenzial, das mir mitgegeben wurden, das im Zustand der Zerrissenheit das Etikett „Borderline“ trägt, doch im Zustand der Verbundenheit entfaltet es schöpferische Kreativität, versöhnliche Energie, baut Brücken in die Herzen der Menschen, bringt Licht in ihre Seele.

Es bringt mich zum Schmunzeln, an jene Augenblicke zurückzudenken, in denen ich als „kaputt“ eingestuft wurde. Ich sei zu „reparieren“, solle endlich normal werden, damit man mich aushält. Was ich damals als „normal“ verstand, erkenne ich heute als „bedürftig“. Auch ein Grund für Dankbarkeit, mich nicht in die Richtung jenes Durchschnitts entwickelt zu haben, der mich als kaputt beurteilte. Manche von ihnen blicken heute (neidvoll) auf mich, versuchen zu verstehen, und scheitern an den Grenzen ihres eigenen Denkens, ihrer (Vor)Urteile, die sie anderen entgegenschmettern und von denen sie gleichzeitig gefangen gehalten werden.

Ich kann weder die Welt noch einen einzelnen anderen Menschen retten, doch ich habe mich selbst gerettet. Ich bin angekommen – und jetzt geht die Reise weiter. Was auch immer Morgen kommen wird, es enthält ein Geschenk für mich, um zu erkennen, zu verstehen, zu wachsen. Ereignisse und Menschen sind jene Spiegel, die es braucht, um unter die Oberfläche zu blicken. Nichts geschieht zufällig. Bestimmung? Vielleicht. Vielleicht aber auch nur jene Anziehungskraft, die ins Leben holt, was man in sich ist.

Es ist wunderbar befreiend, nicht wissen zu müssen, wie es funktioniert, sondern einfach darauf zu vertrauen, dass es funktioniert. Jenseits vom Ego, in der Umarmung des Lebens.

Derzeit residiere ich (wieder einmal) in den Bergen, darf meine Kleinheit im Angesicht imposanter Berggipfel spüren, die mir Antworten auf meine Fragen zuflüstern. Wie viel Zeit auch immer mir in diesem Leben noch bleibt, was könnte ich Wertvolleres teilen als meine Lebensfreude, ein Lächeln und manchmal ein paar Worte, die das Herz berühren?

INTELLIGENZ UND HUMOR

… gehören meiner Meinung nach unbedingt zusammen. Wie sehr, werde ich heute kurz erläutern.

Von Stephen Hawking stammt die Aussage: „Intelligence is the ability to adept to change“ (Intelligenz ist die Fähigkeit, sich dem Wandel anzupassen. Wie breit der Interpretationsspielraum dieser Aussage reicht, haben mich zwei Ereignisse der vergangenen Tage erkennen lassen.

Im Zug von Salzburg nach Wien, in der Ruhezone (!) eines beinahe leeren Waggons, lauschte ich via Kopfhörer meiner bevorzugten Entspannungsmusik, während ich ein wenig an meinem Skript arbeiten wollte. Die Betonung liegt auf „wollte“, denn zwei ältere Damen ließen sich samt ihrer angeregten Unterhaltung auf den Plätzen jenseits des schmalen Ganges nieder. Offenbar vermissten sie etwas, denn eine der Beiden begann, ihre voluminöse Handtasche zu leeren und jeden entnommenen Gegenstand umfassend zu kommentieren – lautstark. Nach ungefähr 5 Minuten wagte ich die geflüsterte Frage, ob sie sich bewusst wären, sich in der Ruhezone (!) zu befinden. Da sich auf jedem Sitz im Kopfbereich ein grünes Deckchen mit entsprechender Aufschrift in mehreren Sprachen inklusive Symbolik befand, eine Tatsache, die kaum zu übersehen war. Meine Frage wurde jedoch nicht wahrgenommen, weshalb ich sie erneut stellte. Ohne Ergebnis. Meine dritte Frage wurde gehört und löste augenblicklich einen Sturm der Empörung aus, was ich mir einbilden würde, sie zu belehren, sie wären 80 Jahre alt und überhaupt, ich hätte ohnehin Kopfhörer. Leider nicht geräuschunterdrückende, sondern handliche 08/15-In-ear-Stöpsel. Meine nüchterne Feststellung, dass ich die Musik (Kategorie: Entspannung) gar nicht so laut stellen könne, um die Unterhaltung nicht zu hören, ging in der mittlerweile deftigen Schimpftirade, die auf mich einprasselte, unter. Immerhin erhielt ich ein Daumen-hoch von zwei älteren Herren, die eine Reihe weiter saßen. Nach minutenlagen Beschimpfungen zogen die älteren Damen einen Wagon weiter, raus aus der Ruhezone, wohin auch immer.  

Wie war das nochmal: Intelligenz ist die Fähigkeit, sich anzupassen …

Gestern lag ich im Außenbereich einer Therme, genoss ein wenig die Sonne, als ein älterer Herr einen Liegestuhl von dessen bisherigem Standort entfernte und just vor die – deutlich gekennzeichnete – Fluchttüre platziere, um sich darauf niederzulassen. Wagte ich einen Hinweis? Selbstverständlich nicht. Auf neuerliche Beschimpfungen konnte ich verzichten. Da ich ohnehin bereits aufbrechen wollte, packte ich meinen Kram zusammen, ging zur Bademeisterin und informierte diese über das menschliche Hindernis im Fluchtweg.

Intelligenz ist die Fähigkeit, sich anzupassen. In diesem Fall, die Regel „hdP“ umzusetzen und sich dadurch unerfreuliche Beschimpfungen dafür zu ersparen, offensichtlich uninformierte Menschen an die geltenden Spielregeln zu erinnern. Eine Missachtung derselben könnte man – frei interpretiert – als Anti-Intelligenz oder schrumpfende Intelligenz betrachten. Oder als Rücksichtlosigkeit. Ignoranz passt auch. Aber eigentlich geht es mir nicht darum zu ergründen, weshalb manche Menschen Regeln ignorieren bis hin zur fahrlässigen Gefährdung anderer, und sich auch noch darüber aufregen, wenn man sie darauf hinweist. Mir geht es um „hdP“.

„hdP“ steht für „hoid dei Pappn“. Aus dem Wienerischen übersetzt heißt es dann „halt deinen Mund.“

Es gibt Situationen im Leben, in denen es angebracht ist, nichts zu sagen, auch wenn man im Recht ist. Oder jene etwas sagen zu lassen, in deren Zuständigkeit (Bademeisterin) es fällt. Auch wenn es einem auf der Zunge liegt, es förmlich „juckt“, die klarstellenden Worte zu sprechen, manchmal ist „hdP“ die klügere Option, weil intelligent. Anpassung an den Wandel, der auch die – aus meiner Beobachtung – wachsenden Anzahl an ignoranten Menschen im öffentlichen Raum einschließt. Wenn Hausverstand und Rücksicht im urbanen Raum auf dem Rückzug sind, nützt es häufig nichts, seine Stimme zu erheben. Es gilt das Recht des Stärkeren – oder Lauteren.

Intelligenz ist die Fähigkeit der Anpassung an den Wandel.

Zwischen den beiden Ereignissen stand ich abends auf dem Heimweg in der Bahn, die überfüllt war, blickte von einem Ende des Wagens bis zum Anfang. Auf den meisten Sitzen saßen Jugendliche, Teenager beschäftigt mit ihren Handys. Im Gang standen etliche wesentlich ältere Menschen, manche wirkten gebrechlich. Niemand kam auf die Idee, aufzustehen und Platz zu machen. Niemand kam auf die Idee, nach einem Platz zu fragen.

Anpassung an den Wandel der Gesellschaft weg von Rücksichtnahme, hin zur Rücksichtlosigkeit?

Für mich kein Zeichen von Intelligenz – ganz im Gegenteil. Wer in so einer Gesellschaft nicht verzweifeln will, braucht eine Menge Humor, sehr schwarzen Humor, um den bitteren Beigeschmack des Wandels zu überdecken.

Für mich ist Intelligenz auch die Fähigkeit, unter der Oberfläche humorvoller Anekdoten die alarmierenden Zeichen einer Entwicklung zu sehen, die nicht dem wertschätzenden Miteinander dient, nicht die Lebensfreude mehrt, kein Lächeln ins Gesicht zaubert, kein gutes Gefühl vermittelt, sondern Bedauern und Besorgnis erweckt. Für mich ist Intelligenz das Gegenteil von Ignoranz.

Möglicherweise hatte Mr. Hawking, der ein sehr humorvoller Mensch war, auch eine humorvolle Note in sein Zitat gepackt. Die meisten Organismen auf diesem Planeten passen sich seit Jahrmillionen laufend an die Veränderungen ihrer Lebensumwelten sind, sind also per Definition intelligent. Betrachtet man die häufig auftreten Schwerfälligkeit des Menschen im Umgang mit (notwendigen) Veränderungen, liegt es auf der Zunge, die Intelligenz der Menschheit in Frage zu stellen, die ihre Lebensumwelt wieder besseren Wissens zerstört, Kriege führt, toxische Stoffe konsumiert … (Aufzählung bitte beliebig fortführen). Manchmal habe ich den Eindruck, eine Art von Schwarzem Loch würde die Intelligenz aufsaugen. Anders kann ich es mir schlichtweg nicht mehr erklären, warum bei all dem Wissen und all den klugen Köpfen auf diesem Planeten, die wirklich essentiellen Probleme noch immer nicht gelöst sind.

Vielleicht sollte ich mich öfters an die „hdP“-Regel halten, aber es fällt mir verdammt schwer zu ignorieren, was ich Tag für Tag rund um mich wahrnehme. An diesen Wandel will ich mich nicht anpassen. Lieber füge ich den Worten des von mir hoch geschätzten Stephen Hawking noch ein paar von mir hinzu: „Intelligenz ist die Fähigkeit, sich dem Wandel anzupassen … und selbst zu entscheiden, in welche Richtung ich mich entwickeln will“.

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3 JAHRE LEBENSLEHRZEIT

Vor exakt 3 Jahren ließ ich das Leben, das ich ein Vierteljahrhundert geführt hatte, hinter mir (nicht aus freien Stücken) um neu zu beginnen … und ich hatte keine Ahnung, wohin die Reise gehen würde. Ich wusste nur: ich musste weg – es sollte MEIN Leben werden. Ich wollte endlich die Fremdbestimmung hinter mir lassen, das ewige Orientieren an dem, was andere wollen, das Vernachlässigen meiner eigenen Wünsche und Vorstellungen.

Heute, 3 Jahre später, tippe ich diese Zeilen auf der Terrasse des Anton-Proksch-Haus in Werfenweng auf fast 1.600 m Seehöhe, als ehrenamtliche Hüttenwirtin auf Zeit (sprich noch bis Sonntag). Vor 3 Jahren wäre mir nicht im Traum eingefallen, dies ich einmal so meine Freizeit verbringen würde.

Wenn ich heute zurückblicke, scheinen diese 3 Jahre eine Ewigkeit zu beinhalten, einen Weg unzähliger kleiner Veränderungen, die mich zu der machten, die ich heute bin – und die manchmal kopfschüttelnd auf jene blickt, die ich damals war. Ich war ICH, aber gefangen in vielem, das nicht ICH war.

Vor 3 Jahren musste dies oder jenes passieren, brauchte ich dieses oder jenes, um mich (vorübergehend) gut zu fühlen. Oder besser gesagt: etwas im Außen fühlte die gähnende Lücke in mir. Ich war weit entfernt von mir selbst.

Heute genieße ich den Augenblick, das Hier und Jetzt, erfreue mich an dem was ich habe (viel weniger als früher), ohne es zu brauchen. Kein unnötiger Ballast beschwert mein Leben. Ich fühle die Fülle an Liebe, Lebensfreude und Lebendigkeit in mir, egal, was rundum ist. Und wenn ich – so wie gestern Abend – auf dieser Terrasse sitzen darf und die Sonne hinter den Berggipfeln versinkt, der Himmel zu einem Meer der Farben wird, bin ich einfach im Moment präsent, fühle die Magie des Augenblicks und unendliche Dankbarkeit dafür, dass mein Weg mich hierher geführt hat, denn es hätte auch anders kommen können.

In der vergangenen 3 Jahren wurde mir mehrfach bewusst, dass es in meinem Leben etliche Situationen gab, in denen ich anders abbiegen, den Kurs der Suche nach mir selbst verlassen und mich im Labyrinth der Opferrolle verlieren hätte können. Zum Glück blieb es beim Konjunktiv.

Das Leben hat mir nichts geschenkt, aber Chancen angeboten. Durch die Lektionen konnte ich mich nicht durchmogeln oder sie jemand anderes umhängen. Zu manchen Prüfungen trat ich mehrfach an, bis ich sie gemeistert hatte. All das brauchte seine Zeit. Was sind 3 Jahre im Vergleich zu vielleicht noch 30 Jahren im Zustand des „nicht bei mir selbst angekommen“?

Vor 3 Jahren verließ ich einen goldenen Käfig. Heute lebe ich ein freies, unabhängiges, abwechslungsreiches, wunderbares Leben, in dem ich voll und ganz ICH sein kann. Vielleicht können nicht alle Menschen mit mir, vielleicht bin ich für manche ein Spiegel, der sie daran erinnert, was sie selbst unterdrücken, vielleicht halten mich manche für durchgeknallt oder abgehoben. Aber ich glaube, dass mich auch viele beneiden, weil sie – bewusst oder unbewusst – die Kraft spüren, die ich ausstrahle. Das ist ein Nebeneffekt, wenn man mit sich selbst im Reinen ist. Wer keine Kraft mehr darauf verschwendet, das Drama in sich (Konflikte, Probleme, …) aufrecht zu erhalten und dadurch ständig in der Vergangenheit zu leben, hat diese Kraft voll und ganz in der Gegenwart zur Verfügung. Keine mit Mentaltechniken hochgepuschte Ego-Stärke, sondern eine, die einfach echt ist. In unserer Sprache fehlt das passende Wort dafür. Charisma trifft es noch am ehesten.

3 Jahre … zu Beginn war ich voller Unsicherheit, Zweifel … und Glaubenssätzen, die andere mir eingeimpft hatten. Doch ohne den Absturz hätte ich vielleicht nie gelernt, tatsächlich auf eigenen Füßen zu stehen, ohne Absicherung durch andere.

ICH kann allein überleben – und noch dazu gut leben, genauso leben, wie ich es möchte. Ein befreiendes Manifest.

Faszinierend für mich dabei ist, dass ich genau jetzt, 3 Jahre nach dem Crash, kurz davor bin, den 3. Teil von JAN/A fertigzustellen. Als ich 2017 mit der Arbeit begann, wusste ich intuitiv, dass ich mit dem Ende von Band 3 auch meinen persönlichen Selbstfindungsprozess abgeschlossen haben würde. Band 1 und 2 flutschten nur so dahin, doch Band 3 zog sich seit 2020 – und ich fragte mich immer wieder: Warum? Meine heutige Antwort lautet: Weil die Zeit noch nicht reif war und ich noch einiges zu lernen hatte.

Manches braucht einfach seine Zeit – egal, wie sehr wir es auch versuchen.

„Gras wächst nicht schneller, nur weil man dran zieht.“

Diesen Spruch habe ich x-mal zitiert. Er geht leicht über die Lippen, erscheint völlig plausibel – und ist doch, wenn’s um eigene Thema geht, so schwer zu akzeptieren.

„Alles geschieht stets zum richtigen Zeitpunkt.“

Noch so ein locker-flockiger Spruch. Auch nicht immer leicht zu nehmen.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass meine 3-jährige Lehrzeit zu Ende geht. Die nächsten Etappen der Reisen liegen noch hinter den Bergen am Horizont und werden sich offenbaren, wenn ihre Zeit gekommen ist. Was auch immer kommen wird, es wird mich als Mensch und auf meinem Weg weiterbringen. Es wird nicht immer ein gemütlicher Spaziergang sein, aber auch nicht immer ein dunkles Tal oder ein schweißtreibender Anstieg. Ich lass mich einfach überraschen, was Jahr 4 meiner persönlichen ICH-Zeitrechnung bringen wird.

INTRINSISCHE LEBENSFREUDE

Seit Tagen denke ich darüber nach, was ich Kluges für diesen Blog ersinnen könnte, aber irgendwie will es nicht gelingen. Eigentlich wurde alles bereits gesagt. Die essenziellen Weisheiten wurden bereits vor Jahrtausenden niedergeschrieben – auch wenn wir das Rad wieder und wieder neu erfinden, es wird stets rund sein, denn es liegt in der Natur der Dinge, das Rundes rollt.

Es läge in der Natur des Menschen, intrinsische Lebensfreude zu empfinden. Staunend durch diese Welt zu wandern und sich über all das Besondere im Alltäglichen zu freuen, über das Einzigartige im Vielfältigen, über das Wunderbare im Einfachen. Dankbar für jeden Augenblick, der einem geschenkt wurde, hier zu sein, in diesem Leben – dem vielleicht einzigen, das wir haben. Die Fähigkeit dazu wurde uns mitgegeben, doch was machen wir daraus?

Lebensfreude als Grundstimmung, als Melodie eines liebevollen Herzens, unabhängig von den Umständen. Unvorstellbar? Unmöglich? Unglaublich? Ist es das wirklich?

Positives Denken findet im Kopf statt – und hinkt der Gegenwart stets hinterher, denn es braucht Zeit, Gedanken zu formulieren.

Lebensfreude ist ein Gefühl, das ohne Denken auskommt. Es genügt sich selbst, existiert nur im Hier und Jetzt, im gegenwärtigen Augenblick. Weder verliert es sich in der Vergangenheit noch fokussiert es auf die Zukunft. Als Schwingung durchdringt es jede Zelle eines Körpers, strahlt darüber hinaus, zaubert ein Leuchten in die Augen und ein von Herzen kommendes Lächeln ins Gesicht.

Lebensfreude ist jener einzelne Sonnenstrahl, der nach einer langen dunklen Nacht seinen Weg in mein Bewusstsein findet und mich ermutigt, den neuen Tag mit offenen Armen zu begrüßen. Was auch immer hinter mir liegt, im Hier und Jetzt, in diesem Augenblick, lebe ich mit allen Sinnen. Ein Leben, das es zu feiern gilt, denn es ist MEIN Leben, vielleicht mein einziges – und jeder Augenblick davon ist es wert, gelebt zu werden.

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EIN HERZ FÜR MÄNNER

Vor ein paar Stunden habe ich noch überlegt, welches Thema ich für meinen dieswöchigen Blog wähle. Ein Blick in eine Frauenzeitschrift verwarf alle bisherigen Ideen, denn mir wurde schlagartig bewusst, was – für mich – dabei fehlt.

In dem Magazin schreibt eine Frau über ihre Erfahrung, als 10-jähriges Kind die Aussage ihrer Großmutter gehört zu haben: „Zum Glück ist sie klug, weil schön ist sie nicht.“ Eine andere berichtete von ihrer „Tanzblockade“ aufgrund einer wenig erfreulichen Kindheitserfahrung und wie sie diese im Alter von 40+ überwunden hat. Meine eigenen, sehr ähnlich gelagerten Erinnerungen kehrten zurück – und der Gedanke, wie gut und wichtig es ist, dass wir Frauen uns heute über solche Themen austauschen und die Wunden der Vergangenheit heilen können.

Wir Frauen – aber was ist mit den Männern?

Verletzende Aussagen bekommen auch kleine Jungs zu hören. Berührt es sie nicht? Schlagen Unachtsamkeit und mangelndes Einfühlungsvermögen des Umfeldes keine Wunde in ihren Seelen?

Doch, das tun sie.

Jeder Mensch – unabhängig vom Geschlecht – hat eine Seele (für jene, die nicht an eine Seele glauben: eine Psyche), die verletzt werden kann und das auch wird. Manchmal täglich. Aber für Männern ist es ungleich schwieriger als für Frauen, darüber zu sprechen, in einer Gesellschaft, die ein ziemlich unausgeglichenes Bild für Männlichkeit definiert hat: Stark sein. Punkt. Ein Indianer kennt keinen Schmerz, hieß es in meiner Kindheit. Heute gibt es ähnliche Glaubenssätze. Obwohl zunehmend Männer öffentlich über seelische Verletzungen, deren Folgen und wie sie damit umgehen, berichten, in der breiten Massen nehme ich nach wie vor das stereotype Rollenbild im Stil von „Bist du zu schwach, bist du kein Mann“ wahr.

Deshalb hier und heute in aller Klarheit:

Männerseelen sind ebenso empfindsam und verwundbar wie Frauenseelen. Nur bleiben Männer mit ihrem Schmerz oftmals allein zurück. Über die Verletzung zu sprechen und damit ihre Verwundbarkeit zu offenbaren, führt nicht selten zu weiteren Verletzungen im Sinne von „Weichei“. Ohne verständnisvolles Umfeld bleibt nur der Rückzug in die „Festung der Einsamkeit“, hinter schützende Mauern der Abgrenzung, mit Wunden, die über Jahre und Jahrzehnte nicht heilen – manchmal bis in den Tod hinein.

Vor ein paar Tagen notierte ich diesen Gedanken:

„Wahre Stärken hat Verständnis für Schwäche, denn wahre Stärke erwächst aus dem liebevollen Blick auf die eigenen Schwächen.“

Wahrhafte starke Menschen treffe ich nur selten, unabhängig vom Geschlecht. Dafür umso mehr „Bedürftige“.

Ein vermeintlicher fürsorglicher Nachbar, der mit seinem Rasensprenger täglich mein Schlafzimmerfenster beregnete, entgegnete auf meine Bitte, dies zu unterlassen: „Wenn der Wind weht, können schon mal 2-3 Tropfen aufs Fenster kommen.“ Nun ja, mein Fenster sah täglich der Glaswand meiner Dusche zum Verwechseln ähnlich – und somit weit entfernt von 2-3 Tropfen. Meinen entsprechenden Hinweis überhörte jener Nachbar, um seine jenseits der Realität angeordneten Argumente mit einem Tonfall in der Art von „junge Frau, du hast keine Ahnung, überlass das uns starken Männern“ in Endlosschleife zu wiederholen. Also wiederholte ich mich – diesmal betont bestimmt – und holte ihn aus seiner Illusionsblase heraus, worauf der Nachbar angepisst von dannen zog, aber seither bleibt mein Fenster trocken. Ein klassisches Beispiel vom Gegenteil eines starken Mannes. Unreflektiert und unfähig, eigene Fehler einzugestehen. Schwerst bedürftig danach, seinen mangelnden intrinsischen Selbstwert extern aufzupäppeln. In diesem Fall dadurch, als Kompensation das Gegenüber zu unterdrücken und sich als klüger darzustellen – in meinem Fall bleib er damit erfolglos. Das ist nur ein plakatives Beispiel unter unzähligen, die mir ad hoc einfallen.

Wie würde unsere Gesellschaft aussehen, dürften kleine Jungs offen zeigen, wenn sie in ihren Gefühlen verletzt wurden, UND gleichzeitig erleben, dass sie TROTZDEM stark sind?

Stärke hat nichts damit zu tun, unverwundbar zu sein. Stärke zeigt sich darin, wie jemand mit seelischen Verletzungen umgeht – und mit seinen eigenen Schwächen.

Ein Mensch ohne Schwächen ist ein Mensch ohne Stärken. Beides sind Gegenpole, die einander bedingen, denn ohne Schwächen gibt es auch keine Stärken. Wer behauptet, keine Schwächen zu haben, offenbart in diesem Augenblick seine größte Schwäche.

Meine Generation wurde (leider) überwiegend stereotyp geprägt. Aber ich bin der Ansicht, es ist nie zu spät, diese Prägungen mit neuen, liebevollen, verständnisvollen, wertschätzenden zu überschreiben. Prägungen, die beides gleich wertvoll betrachten: Stärken UND Schwächen, weil beides zusammengehört und uns ganz macht. Wer nicht ganz ist, verspürt in sich eine Kluft, einen Spalt, Zerrissenheit, Konflikt, Schmerz.

Es wird so viel über Frauenherzen geschrieben. Nach den Jahrhunderten der Dominanz des Patriachats enorm wichtig, um den Selbstwert der Frauen zu stärken und sie einen gesunden Umgang mit ihrer Weiblichkeit finden zu lassen – der übrigens nichts mit den aktuellen Schönheitsidealen zu tun hat, aber das wäre ein anderes, sehr umfangreiches Thema.

Es ist an der Zeit, auch über Männerherzen zu sprechen. Über Mut und Kraft, die darin wohnen, ebenso wie über Sanftheit und Unsicherheit, mitunter sogar Hilflosigkeit angesichts von Umständen, die an die eigenen Grenzen und darüber hinausführen. Immer Herr der Lage zu sein gleicht einer Hybris. Manchmal bleibt nichts anderes, als sich dem zu fügen, was es ist.

Wahre Stärke geht einher mit der Weisheit, zu erkennen, wann es an der Zeit ist, um etwas zu kämpfen – und wann sich zurückzuziehen, loszulassen und den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Die wohl größte Herausforderung – für Männer ebenso wie für Frauen – ist der Blick in den Spiegel und auf das, was sich dahinter verbirgt, unter Oberfläche, all das, was jeden einzelnen von uns ausmacht, und diese Gesamtheit liebevoll zu umarmen und anzunehmen.

DAS ist wahre Stärke.

DAS ist der Weg der Seelenheilung – für Männer ebenso wie für Frauen.

DAS ist der Weg, der jedem Männerherz offensteht.

An dieser Stelle zitiere ich (leicht abgewandelt) weise Worte: „Wer diesen Weg bereits zu Ende gegangen ist, möge über die anderen urteilen“. Ich bin überzeugt, dass jeder, der diesen Weg zu Ende gegangen ist, über keinen anderen urteilen wird. Das tun nur jene, die noch auf dem Weg sind oder noch gar nicht damit begonnen haben. Bedürftigkeit, die sich darin offenbart, sich selbst besser als andere zu machen.

Mein Plädoyer, dass ich in die Welt hinausschicke:

Gewährt Männern die Chance, wahrhaft stark zu werden, in dem sie auch mal schwach sein dürfen, denn beides gehört zum Männerherz, wie die zwei Herzkammern zum physischen Herzen eines jeden Menschen.

Kein Herz ist unverwundbar. Wäre es das, wären wir dann noch Menschen?

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APROPOS SELBSTLIEBE

Diesen Blog widme ich einem besonderen Menschen in meinem Leben.

Selbstliebe hat absolut nichts mit Selbstverliebtheit oder gar Narzissmus zu tun.

Selbstliebe beginnt damit, sich selbst so anzunehmen, wie man ist – mit allem, was dazu gehört. Vielleicht ein paar Kilos zu viel, ein paar Falten im Gesicht, den eigenen Schwächen, Macken und Lastern. JA zu sich selbst sagen, ohne Wenn und Aber, bedingungslos. Dieses JA bedeutet jedoch nicht das Ende des Weges, sondern im Hier und Jetzt zu sich selbst JA zu sagen. Vielleicht lerne ich morgen etwas dazu und werde manches besser machen. Unabhängig davon, was sein könnte oder noch kommen wird, sage ich in diesem Augenblick zu mir selbst JA.

Selbstliebe bedeutet, gut mit sich selbst umzugehen, auf sich selbst zu achten, den eigenen Körper, die Seele, die Psyche, die Gefühle – bestmöglich für sich selbst zu sorgen.  

Selbstliebe schmunzelt über die eigenen Torheiten, akzeptiert lächelnd die Perfektion darin unvollkommen zu sein, übt sich in Geduld, wenn es mal länger dauert, um über jenen scheinbar unüberwindbaren Schatten zu springen, der vom Glücklichsein trennt.

Selbstliebe ist, was Alleinsein von Einsamkeit unterscheidet.

Selbstliebe erlaubt, bedingungslos zu lieben.

Selbstliebe ist, womit jedes Geschöpf geboren wird.

Selbstliebe kann dir niemand nehmen, außer du gibst sie auf.

Selbstliebe gleicht einem schützenden Mantel, der sich um deine Schultern legt und deine Seele in Geborgenheit hüllt.

Selbstliebe im Innen gelebt, spiegelt sich in Taten und Worten im Außen.

Selbstliebe ist Liebe. Liebe heilt.

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