VON HELDEN UND ENGELN

Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit zu einem längeren, äußerst interessanten Gespräch mit einem jener Bergretter, die ich mit meinem Charity-Projekt Berggeflüster finanziell unterstütze. Zwischen all den humorvollen Anekdoten und haarsträubenden (Wie dumm können Menschen noch sein?) Begebenheiten blieb mir vor allem eine Aussage im Gedächtnis:

„Wir sind keine Helden …“

… die sich unter Verachtung ihres eigenen Lebens allen Widrigkeiten zum Trotz für das Leben eines anderen aufopfern.

„Wir sind Profis …“

… die das ganze Jahr trainieren, um das am Berg tun zu können, was für andere „heldenhaft“ wirkt. Aber wir wissen, was wir tun. Kein unnötiges Risiko. Jeder Handgriff sitzt, jeder Schritt ist überlegt.

Pragmatische Aussagen von einem, der der Realität ins Auge blickt – ohne Übertreibung oder Drama – und jede Überhöhung zurückweist. Das erinnert mich an jene Situationen, in denen Menschen mir zuschreiben, ich wäre ein „Engel“, der ihnen Hoffnung schenkt.

Ich bin kein Engel.

Das ich in jeder Krise auch Chancen zu erkennen vermag, jedes Problem mit Lösungsorientierung angehe, von Optimismus und Möglichkeiten sprechen kann, ist das Ergebnis von jahrelanger Arbeit an mir selbst, täglichem Training, Selbstreflexion, die sich fortsetzt.

Ich bin ein Profi …

… wenn es darum geht, aus den Ereignissen der Vergangenheit zu lernen, über sie hinauszuwachsen, diese zu transzendieren und die eigenen Potenziale zu entfalten. Ich bin vieles, aber sicherlich kein Engel. Manchmal möchte ich Menschen einen kräftigen Tritt in ihren Allerwertesten verpassen, wenn sie konsequent verweigern, sich von ihrem Schmerz zu trennen. Überhaupt nicht Engel-like. Geduld wird häufig zur Herausforderung, obwohl mir nur allzu bewusst ist, dass jeder von uns den eigenen Entwicklungsweg im eigenen Tempo beschreitet und es bei manchen einfach länger dauert.

Mir wurde nichts geschenkt. Es war harte Arbeit, hat viel Zeit und Ressourcen (auch Geld) gekostet, mein Drama zu transzendieren, die Aura aus Schmerz und Leid in eine Aura aus Liebe und Licht zu verwandeln. Ich habe mich mit meinem „Dämon“ verbündet, nutze diese Kraft konstruktiv für mich. Alles, was dafür nötig war und ist, zu lieben, was alle anderen abgelehnt haben: die unkontrollierbare Emotionalität in mir. Tatsächlich ist diese weniger unkontrollierbar als manche Experten meinen. Nachdem ich die Dynamik dahinter verstanden hatte, wurde aus einem jahrelangen Kampf ein spielerisches Miteinander.  

Vielleicht sollten wir öfters die Mythen beiseite schieben und auf das blicken, was es ist. Vieles, was unerreichbar scheint, wird möglich, wenn man lang genug daran arbeitet. Meistens braucht es dafür keine besondere Begabung, sondern schlichtweg Konsequenz. Die Stürme auf dem inneren Ozean der Emotionen zu zähmen, erfordert viel Übung, aber mit Ausdauer ist es möglich, Meisterschaft zu erlangen. Profis fallen nicht vom Himmel 😉

Bild: pixabay.com

UNERREICHBAR?

Vor einigen Tagen wurde ich im Rahmen eines Empowerment-Workshops, den ich als Trainerin geleitet habe, von einer jungen Frau (Mitte 20) sinngemäß folgendes gefragt: „Wenn ich mein Bewusstsein auf eine höhere Ebene entwickle, werde ich für andere Menschen unerreichbar. Wie kann ich damit umgehen?“

Für einen kurzen Augenblick war ich überrascht von der Tiefgründigkeit der Frage. Aus der Gruppe von über 30 Frauen in ähnlichem Alter war sie die Einzige, die diesen kausalen Schluss mit Weitblick zog. Als Antwort teilte ich meine persönliche Erfahrung mit ihr und der gesamten Gruppe: „Auf meinem Weg ließ ich so einige Menschen ziehen, die nicht mitkonnten oder wollten. Das ist Teil des Prozesses. Doch es kamen auch andere hinzu. Wenn ich mich verändere, verändert sich auch mein Umfeld.“

Später erzählte mir diese junge Frau von ihrer Borderline-Diagnose, die sie jedoch nicht als Schicksalsschlag wahrnahm, sondern als eine Art von Bestandsaufnahme, von der ausgehend sie ihren Weg sucht, ein gutes Leben zu führen. Viele unterschiedliche Interesse und Kompetenzen, Lern- und Wissbegierde, trotz ihrer Jugend einiges an Erfahrung, multidimensionale Wahrnehmung … es war, als würde ich in einen (Zeit)Spiegel blicken auf eine Frau, die ich hätte sein können. Wechselseitiges Verstehen auf einer Ebene, die wir teilen. Borderliner in ihrer Kraft angekommen. Nicht im Problem verharrend, stattdessen die Stärken lösungsorientiert nutzend.

An diesem Tag durfte ich jener Spiegel sein, in dem diese junge Frau einiges über sich selbst erkennen durften – so meldete sie es mir am Ende des Workshops rück.

Heute, auf einer Bank dem Himmel nahe sitzend, erinnerte ich mich an jenen Tag – und daran, dass diese junge Frau auch für mich ein Spiegel war, der mich aus anderer Position auf eine Frage blicken ließ, die mich seit längerem beschäftigt: „Führt mein Weg dahin, für andere unerreichbar zu werden?“

Meine Antwort für sie ist gleichzeitig auch die Antwort für mich selbst – eine Antwort, meinem Denken entsprungen, kopflastig, rational, korrekt. Doch mein Fühlen kennt noch eine andere Antwort – eine vom Zweifel geprägte. Denken und Fühlen befinden sich oft nicht im Gleichklang. Im Kopf weiß ich, dass ich alles andere als einsam bin. Aber ab und an fühlt es sich dennoch so an, wenn äußere Einflüsse lange zurückliegende Erinnerungen und die damit verbundenen Emotionen triggern. Echos aus der Vergangenheit? Prüfungen auf dem Weg in die Zukunft?

Über allem zu schweben, unerreichbar zu sein, schützt vor Verletzungen.

Über allem zu schweben, unerreichbar zu sein, verhindert Berührungen.

Emotionale Widersprüchlichkeit harmonisch aufzulösen, den goldenen Mittelweg zu beschreiten, ist und bleibt Teil meines Weges. Manchmal scheint es, diese Lektion gilt es wieder und wieder zu meistern, in unterschiedlichsten Facetten. Die Balance zwischen zwei Welten zu finden – der allgemeinen da draußen und meiner eigenen. Seit meiner Kindheit begleitet mich das Gefühl, Mittlerin zwischen zwei Welten zu sein. Damals war ich unerreichbar für andere – bin ich es immer noch?

B. STRONG RESILIENZ-TRAINING


Durch meinen persönlichen Leben-/Entwicklungsprozess sowie unterschiedliche Ausbildungen wurde ich zu einer Expertin in Sachen Resilienz – trotz (oder wegen) traumatischer Erfahrungen, die über Jahrzehnte mein Denken und Fühlen bestimmten, lernte ich, die Widerstandsfähigkeit meines seelisch-emotionalen Immunsystems zu stärken, um gut durch die Stürme des Lebens zu kommen. Dieses Knowhow – meine Expertise – gebe ich als Resilienz-Trainerin weiter… mit meinem [nicht] ganz alltäglichen Touch.

Krisen nicht nur überstehen, sondern gestärkt daraus hervorgehen.

Im Rahmen von Präsenz und/oder Online-Workshops erarbeiten wir gemeinsam individuelle Resilienz-Trainingskonzepte bzw. evaluieren und optimieren diese in Folge. Gemäß dem Motto „Wissen ist gut, Tun bringt dich weiter“ liegt der Fokus dabei auf alltagstaugliche Umsetzbarkeit. Es sind die Kleinigkeiten, viele kleine Schritte, die zum Erfolg führen… und es darf Spaß machen. Humor und (Lebens)Freude tragen maßgeblich zum Gelingen bei.

B. Strong … mein Name ist Programm 😉

Interessiert? Schreib mir eine E-Mail

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DIE KRAFT DER STILLE


Das neue Jahr hat gleich zu Beginn eine äußerst interessante Lektion für mich: Kehlkopfentzündung samt viralem und bakteriellen Infekt = out of Order. Oder anders gesagt: eine Woche des Schweigens, die nun hinter mir liegt – und eine spannende Erfahrung.

Nie zuvor habe ich so lange geschwiegen, weder freiwillig noch unfreiwillig. Geschätzt habe ich in der vergangenen Woche in Summe 100-150 Wörter in der Arztpraxis sowie der Apotheke gekrächzt. Nur das absolut Notwendigste. Darüber hinaus … Stille.

Eine Stille, die sich allmählich auch in meinem Denken ausbreitete – und meinem Körper. Puls 51 – das nenn ich mal Gelassenheit 😉
Kommunikation ist wichtig, aber wie viel Worte braucht es wirklich? Und welche sind es?

Aus meiner „silent bubble“ auf die Welt blickend, fällt mir auf, dass Kommunikation häufig so abläuft: jemand sagt etwas, wirft quasi einen Stein in einen ruhenden See zwischen sich selbst und den anderen. Dieser Stein plumpst ins Wasser, löst dabei Wellen aus, die sich konzentrisch ausbreiteten und alle erreichen rund um den See. Doch bevor noch diese ersten Wellen abgeflaut sind, wird der nächste Stein ins Wasser geworfen, und der nächste … dieser Prozess setzt sich laufend fort, während die ersten Wellen die Ufer erreichen und zurückgeworfen werden, auf die nächsten herannahenden Wellen treffen … alles wird mit allem verwirbelt. Jede Botschaft (bzw. Welle) für sich transportiert eine Botschaft, ein Gefühl, eine Stimmung, die im Wirbel untergeht.

Ein Teil von mir nimmt bereits seit längerem eine Art von „Reizüberflutung“ in der Umwelt wahr, doch erst diese Woche der Stille, meines Schweigens, ließ jenes Bild entstehen. Wir können vielleicht noch die oberflächliche Botschaft hören, aber all das, was die Wellen noch mit sich tragen, bleibt der Wahrnehmung verborgen – dennoch wirkt es auf uns. Unsere Umwelt ist im wahrsten Sinne des Wortes überflutet. Selektiv picken wir für uns heraus was uns wichtig erscheint, während alles andere ungefiltert über uns hinweg rollt.

Eine dramatische Schilderung?

Vielleicht – vielleicht auch nur realistisch.

Unsere Sinne sind so viel feiner, als unser Bewusstsein uns glauben machen will. Seit Jahren steige ich in die U-Bahn nur noch mit Stöpsel in den Ohren und für mich positiver Musik ein, dennoch fühle ich mich selten wohl darin, spüre Anspannung, etwas, das mich bedrückt … die Wellen der anderen branden gegen mein Ufer, ob ich will oder nicht.

Was ich hier bildlich-naiv beschreibe, lässt sich wissenschaftlich-fundiert belegen. Doch auch ohne harte Fakten, die meisten von uns kennen das Gefühl, inmitten von Menschen zu sein, die uns runterziehen, ohne dass sie direkt etwas gegen uns tun. Oder das gegenteilige Gefühl, durch eine Gruppe getragen, inspiriert und motiviert zu werden. Keiner von uns ist immun gegen das, was die Wellen mit sich transportieren.

Durch meine Woche des Schweigens bin ich (hoffentlich langanhaltend) noch achtsamer geworden für das, was ich aussende, in Worten ebenso wie in Gedanken. Letztere können wir zwar nicht hören (und wer’s dennoch glaubt, sollte vielleicht ein paar ernsthafte Gespräche führen), aber wir können die Stimmung dahinter spüren – bewusst oder unbewusst.

Braucht es tatsächlich die Sintflut an Worten und Botschaften? Oder ist weniger mehr? Abseits vom Highway der Kommunikation liegt die Oase der Stille, ein Ort der Kraft, den zu entdecken sich lohnt.

Das heutige Beitragsbild wurde von der WP-KI generiert … sehr stimmig, wie ich finde, und sehr ruhig.

ICH BIN ALLEIN. BIN ICH ALLEIN?


Heute beginnt die Adventszeit, die eine Zeit der Besinnung und des zur Ruhekommens sein sollte. Für mich wird es dieses Jahr definitiv, denn der heutige Tag begann bereits mit einem Einblick, den ich so nicht erwartet hätte. Aber der Reihe nach …


Seit kurzem beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Resilienz. Was aus beruflichem Interesse begann, zeigte sich schnell als ebenso interessant für meine Selbstreflexion. Ich habe Monate der mehr als überdurchschnittlichen Belastung hinter mir. Monate, in denen ich mich mehr und mehr von der Außenwelt zurückgezogen habe. Außerhalb des Jobs weiche ich Menschen aus, will nur noch meine Ruhe haben, gehe in eine Art von Isolation. Warum? Antworten auf diese Frage fand ich „zufällig“ in einem Skriptum über Resilienz.


Zum einen gibt es da die fünf psychologischen Grundbedürfnisse (in Anlehnung an Klaus Grawe). Darunter das Bedürfnis nach Bindung, also Nähe zu anderen Menschen. Also das Gegenteil von Isolation. Zum anderen neigen Menschen dazu, unter Belastung in die (vertrauten) Muster der Vergangenheit zurückzufallen.


Mit diesen beiden Perspektiven im Kopf bin ich heute um 05:30 h morgens aufgewacht und blickte in einen (imaginären) Spiegel, sah die Antwort glasklar vor mir, fühlte die Stimmigkeit:


Meine Kindheit war geprägt davon, „allein“ zu sein. Spätestens im Alter von 3 Jahren verlor ich durch „die Bestrafung des Aussetzens im Krankenhaus“ (so mein damaliges Gefühl als 3jährige) jegliche sichere Bindung an Bezugspersonen in meinem Umfeld. Von diesem Augenblick an gab es niemanden, zu dem ich Vertrauen hatte oder wo ich mich geborgen fühlte. Die sichere Bindung ging verloren, möglicherweise sogar die unsichere Bindung. So sehr ich auch nachdenke, es gab in meinem Umfeld keine Person, die mich nicht auf die eine oder andere Weise gedemütigt und verletzt hatte. Niemanden, wo ich mich geborgen fühlte. Am ehesten wäre das noch bei meiner Großmutter möglich gewesen, aber um sie zu besuchen, musste ich in das Haus meiner Tante und meines Onkels. Letzteren fürchtete ich bereits als Kind, empfand ihn als bedrohlich.
Da niemand da war, um für mich – das kleine schutzsuchende Kind – da war, zog ich mich zurück in die emotionale Isolation, ließ niemanden mehr an mich heran, um nicht verletzt zu werden. Selbstredend scheiterte ich, weitere Verletzungen, Demütigungen, Übergriffe folgten. Einzig meine imaginäre Welt bot mir Zuflucht, einen Ausweg aus meiner Isolation …


… jene Isolation, in die ich in den vergangenen Wochen zurückgekehrt bin. Haben die Belastungen (also Stress) die Muster meiner Kindheit reaktiviert? Es scheint so. Aber hinter dieser (oberflächlichen) Erkenntnis, verbirgt sich noch eine wesentlich tiefgreifendere: Bis heute habe ich noch nie eine sichere Bindung zu einem mir nahestehenden Menschen erlebt. Durch sämtliche Beziehungen – insbesondere zu Lebenspartnern – zog sich der rote Faden „es kann jederzeit vorbei sein“. Was blieb, seit meinem traumatischen Kindheitserlebnis, ist die erdrückende Angst vor dem Verlassenwerden (eines der „typischen“ Symptome von Borderline).


Heute bin ich groß und stark, weiß, dass ich überlebe, wenn sich jemand aus meinem Leben entfernt. Ich kann den vorübergehenden Schmerz aushalten. Aber ich lasse ich überhaupt das Risiko zu, verletzt zu werden? Lasse ich jemand tatsächlich an mich heran? Möglicherweise einige Zeit, in der ersten „Verliebtheit“ – und dann aktivieren sich die rationalen Schutzschilde, scheinbar reflexartig. So wie ich es in meiner Kindheit erlernt habe.


Tief in mir wirken meine Erfahrungen aus der Vergangenheit und ziehen in der Gegenwart jene Menschen in mein Leben, die zu diesen Erfahrungen passen – und Unsicherheit mit sich bringen. Das, wonach ich mich seit langem sehne, was nichts anderes als ein urmenschliches Grundbedürfnis ist, eine sichere Bindung zu einem anderen Menschen, scheint (im Moment) unerreichbar.


DAS muss ich erstmal sacken lassen!


In diesen Spiegel zu blicken und NICHT in die Opferrolle zu fallen, das hat mich mein bisheriger Lebensweg gelehrt.


Es ist, was es ist.


Wenn mein Unterbewusstsein mich um 05:30 Uhr mit diesen Erkenntnissen aufwachen lässt, dann ist es felsenfest davon überzeugt, dass ich bereit bin, in diesen Spiegel zu blicken und mich dieser Aufgabe zu stellen. Wer bin ich, daran zu zweifeln?


Immerhin, es gibt einige Menschen in meinem Leben, zu denen ich eine Art von „sicherer Bindung“ auf freundschaftlicher Ebene verspüre. Das ist doch schon mal ein Anfang. Und ich habe Jana und Jan, die es geschafft haben, ihre Verletzungen zu überwinden und gemeinsam in die Geborgenheit zu finden. Fiktion? Ja, ABER mit starken Emotionen hinterlegt, MEINE (noch fiktive) Geschichte. Ich denke, im ersten Schritt werde ich eine weitere Schleife mit JAN/A drehen, dabei in meinen Spiegel blickend, und meine Aufmerksamkeit in mich hineinlenken.


Eine Antwort auf eine hier heute nicht erwähnte Frage habe ich bereits für mich gefunden: woran ich erkennen werde, dass ich bereit bin im realen Leben eine sichere Bindung einzugehen.


„Wenn du es dir vorstellen kannst, dann kannst du es tun.“ (Walt Disney)


Bild: pixabay.com

Reflexion einer Woche, die es in sich hatte

Die hinter mir liegende Woche gehört zu der Kategorie, die ich unter der Überschrift „Was noch?“ zusammenfasse. Terroranschlag in Wien, Corona-Infektionen … beides mit direkten Auswirkungen auf meinen Tätigkeitsbereich, in dem sich auch so ziemlich alles ansammelte, was für die nächsten Wochen und Monate zu erwarten war, nun aber früher in Erscheinung trat. Plus zwischenmenschliche Themen … Sorge um jene, die ich kenne und die an Covid-19 erkrankt sind … eine Sorge, die sich anders anfühlt als das Beobachten von Infektionszahlen in den Nachrichten …

Zusammengefasst: ich stellte mir des Öfteren die Frage „Was noch?“ Was kommt als nächstes? Wie viel halte ich noch aus? Wie lange halte ich das noch aus? Wie komme ich von dem Trip wieder runter?

Diese Fragen brachten mir zwei wichtige Erkenntnisse:

Mein Überlastungsthema hat sich zwar in die gewünschte Richtung verändert, aber wie sich zeigt, ist es noch immer präsent. Oder die Umstände sorgen dafür, dass ich mich erneut damit beschäftigen darf. Im Vergleich zu früher nehme ich meine Belastungsgrenze mittlerweile wahr, aber für meinen Geschmack leider immer noch etwas zu spät. Hohe Leistungsbereitschaft kann schon tricky sein. Sie lädt ein, ein paar Stunden mehr zu arbeiten, ein paar Aufgaben mehr auf die Agenda zu packen als erledigt werden können.

Meinen Perfektionsanspruch habe ich abgelegt. Nicht alles muss optimal erledigt werden. Ausreichend ist eine gangbare Option geworden. Benchmarking? Gesundheit ist wichtiger.

In der Überlastungsphase zeigt sich aber auch ein ambivalentes Verhaltensmuster: Der Wunsch, bei einem anderen Menschen (im Folgenden der Einfachheit halber Person X genannt) das zu finden, was mich aus dem Stress und der Überlastung zurück in die Balance und Entspannung führt. Grundsätzlich nichts verkehrtes, aber wenn nun Person X gerade anderweitig beschäftigt ist und somit nicht verfügbar, was dann? Insistieren im Sinne von „sieh doch, wie schlecht es mir geht und wie sehr ich dich brauche?“ Gefährlich, sehr gefährlich, weil … dazu später mehr. Zuerst die Erläuterungen.

Ich konnte beobachten, wie sich meine Bewertung von Handlungen veränderte. Kam die Antwort nicht rasch genug? Oder zeigte sie zu wenig Verständnis für meine Situation? Zu wenig Zuwendung für meine emotionalen Bedürfnisse? War ich nur ein Spielzeug, nicht wichtig für Person X? Mit Erschrecken durfte ich feststellen, dass sich eine leichte Form von Paranoia zeigte. Bei näherer Betrachtung völlig logisch. Überlastung kippte mich aus dem (Ur)vertrauen, damit kamen Unsicherheiten und Ängste an die Oberfläche, die sich wie ein paranoider Filter vor meine Wahrnehmungslinse legten und die Realität verzerrten. Plötzlich schien es, als würde niemand mich verstehen, sich niemand für mich interessieren und ich wäre ganz allein, unverstanden und im Stich gelassen.

In der Vergangenheit gab es ähnliche Situation. Damals, noch unreflektiert, öffneten sie Tür und Tor für eine Spirale der Eskalation bis hin zum finalen Zusammenbruch.

Diesmal atmete ich tief durch und begab mich auf eine lange Wanderung durch den lichtdurchfluteten Wald, der sich in herbstliches Gold gekleidet hatte, lauschte dem Wind, der durch Blätterhaufen huschte und spürte die vielleicht letzten warmen Sonnenstrahlen des Jahres auf meinem Gesicht. All das holte meine Wahrnehmung zurück in die reale Realität, ins Hier und Jetzt, und machte mir bewusst, welcher Grenze ich mich genähert hatte: jener, an der Selbstsorge zu Selbstaufgabe wurde.

Also änderte ich meine Marschrichtung. Auch in Bezug auf Person X.

Gewiss, es ist wunderbar, wenn wir Menschen um uns haben, die für uns da sind, wenn wir es brauchen – solange dies aus freien Stücken und in dem Ausmaß geschieht, wie diese Menschen es von selbst tun möchten. Jegliche Erwartungshaltungen oder gar Forderungen pervertieren diesen Akt der Nächstenliebe in eine Form von Abhängigkeit und zuweilen sogar Erpressung. Spätestens zu diesem Zeitpunkt verwandelt sich Liebe in Last, die irgendwann zur Belastung wird, unter der etwas oder jemand zusammenbricht.

Nein Danke, das brauche ich nicht mehr in meinen Leben.

Person X bin ich!

Ich ziehe mich selbst aus dem Schlamassel, sobald mir bewusst wird, dass ich wieder mal drin stecke. Es wäre schön, dies grundsätzlich vermeiden zu können, aber so weit bin ich offenbar noch nicht. Dennoch wächst meine Resilienz beständig.

Resilienz, eines der magischen Worte unserer Zeit. Damit ist die Fähigkeit gemeint, mit psychischen und emotionalen Belastungen auf eine Weise umgehen zu können, die keinen bleibenden Schaden anrichtet. Manchmal wird sie auch als Widerstandsfähigkeit gegen Traumatisierungen bezeichnet. Viele Begriffe aus der Psychologie und Philosophie werden im täglichen Sprachgebrauch verwendet, doch zumeist unterschiedlich interpretiert. Die Abklärung von Begrifflichkeiten ist … zeitraubend und wohl deshalb wenig verbreitet 😉

Wie auch immer … zurück zur Resilienz. Beim Frühstück las ich heute einen interessanten Artikel einer Psychologin (also Expertin), der auch das Thema „Resilienz“ streifte. Innerer Dialog als Methodik, um zu äußeren Ereignissen eine differenzierte Haltung einnehmen zu können und diese anders bewerten zu können. Also nicht nur eine Belastung wahrzunehmen, sondern auch die Vergänglichkeit derselben, weil alles im Leben auch dem Wandel unterworfen ist.

Vereinfacht gesagt: Die Expertin schilderte die Theorie zu dem, was ich mit JAN/A praktisch umgesetzt habe bzw. seither tägliche lebe. Wieder einmal lese ich die theoretischen Grundlagen NACH der praktischen Umsetzung. Das wiederum amüsiert mich zutiefst und bestätigt meine eigene Überzeugung:

Das Leben offenbart den Weg, wenn wir bereit dafür sind und uns dem Prozess öffnen – ganz gleich, ob wir die Theorie kennen oder nicht.

Hier nun schließe ich den Kreis zu „gefährlich, sehr gefährlich“: Wer die Verantwortung für seine innere Ausgeglichenheit einem anderen Menschen überträgt, erzeugt damit ein Gefälle innerhalb der Beziehung, eine Form von Hierarchie. Zwischen Eltern und Kindern, Lehrenden und Lernenden mag das völlig in Ordnung sein, doch niemals innerhalb einer Partnerschaft. Es sei denn, beide einigen sich auf eine hierarchische Beziehung. Wer jedoch eine Partnerschaft auf Augenhöhe führen möchte, sollte sich bewusst sein, für seine emotionale Ausgeglichenheit selbst verantwortlich zu sein, ebenso wie für die Einhaltung von Belastungsgrenzen.

Wieder einmal nehme ich mich also selbst an der Nase und anerkenne, (beinahe) einen Schritt zu weit gegangen zu sein und damit unnötigen Stress in einen Bereich (oder eine zwischenmenschliche Beziehung) gebracht zu haben, der (die) damit überhaupt nichts zu tun hat.

Und wieder einmal lehrt mich das Leben: auch eine absolute Sch***-Woche trägt in sich ein Potenzial, einen Samen, aus dem wachsen kann, das Früchte trägt.

Das heutige Bild entstand auf meiner Wanderung durch den Herbstwald am 07.11.2020. Es wurde nicht bearbeitet. 100% echt – wie das Leben 🙂

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