DEEP MINDED STUFF

„Manchmal braucht es keine geschriebenen Worte. Manchmal sind es gesprochene in zufälligen Begegnungen des Lebens. Selbstheilung kann auf vielfältige Weise geschehen. Alles kann Therapie sein, wenn wir uns bewusst darin reflektieren.

Sehne dich nicht nach dem, was es nicht ist, sondern freue dich an dem, was es ist. Erlaube dem Leben Regie zu führen in dem Vertrauen, dass dir genau das begegnen wird, was dich jetzt weiterbringen kann.“

Vor einigen Tagen tauchten diese Gedanken unvermittelt in meinem Bewusstsein auf, als ich den Facebook den Beitrag einer Freundin las. Im ersten Ansatz dachte ich, diese Worte wären für sie bestimmt. Bei nachträglicher Betrachtung – auch der Ereignisse, die seither geschehen sind – entdecke ich darin ganz viel für mich selbst. Allein der gestrige Tag …

Buchmesse. Lesley und ihre Bücher. Lesley und ihre Geschichte. Lesley und ihr Weg, aus dem Problem Borderline das Potenzial Borderline zu machen. Wie oft ich das gestern erzählt habe? Keine Ahnung. Ich habe Ideen weitergegeben, Samen gesät, innere Bilder ein wenig retuschiert … beobachtet, wie Menschen auf das reagieren, was ich sage – und auf das, was ich bin.

Spät abends noch eine Runde Reflexion. Bei manchen Menschen hatte ich das Gefühl, sie würden mich ablehnen, aber war es wirklich Ablehnung? Oder vielleicht Unverständnis? Überforderung? Ein Spiegel, den ich ihnen vor Augen halte und in den sie (noch) nicht blicken wollen? Alle (inneren) Anklagen gegen das Leben, Menschen, Geschehnisse der Vergangenheit fallen zu lassen um im Hier und Jetzt frei zu werden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, frei von den Verstrickungen des längst nicht mehr Veränderbaren? Wer will das schon? Wer will auf seinen (gerechten) Zorn verzichten? Es geht nicht um verzeihen, nicht um das Erhöhen der eigenen Position, die damit einhergeht, die Schuld und damit die Last von den Schultern anderer zu nehmen, sondern es anzunehmen, als das, was es war: ein Ereignis auf dem Lebensweg das dazu beigetragen hat, die Gegenwart zu erschaffen. Hadere ich mit meiner Vergangenheit, hadere ich mit dem, was aus ihr hervorging: ICH.

Innerer Frieden beginnt damit, es sein zu lassen, was es war, daraus zu lernen, sich weiterzuentwickeln, um die Zukunft anders zu gestalten. Wie viele kennen diese Theorien? Wie wenig leben danach?

Gewiss, nicht alle Menschen streben danach unter die Oberfläche zu blicken oder die uns bestimmenden Dynamiken und Systeme zu erforschen. Viele leben ein gutes, zufriedenes Leben ohne alle dem „deep minded stuff“. Aber um ein Thema wie Borderline zu lösen, braucht es – meiner Erfahrung nach – einiges an deep minded stuff, weil die Wurzel genau dort verborgen liegt, ganz tief drin. Oberflächenkosmetik kann kurzzeitig kaschieren, doch nachhaltige Veränderung erfordert mehr. In meinem Fall: Achtsamkeit und bewusste Reflexion.

Alles kann Therapie sein, wenn wir uns darin reflektieren.

Jede zwischenmenschliche Begegnung, jedes einzelne Wort, jeder Moment des Lebens, wenn wir bereit sind, anzunehmen, was es ist: Ein Ereignis auf dem Lebensweg das dazu beigetragen hat, mich in dieser Gegenwart zu erschaffen.

Bild: https://pixabay.com/de/photos/blatt-natur-herbst-jahreszeit-6760484/

PERFEKTES TIMING

… oder in anderen Worten etwas ausführlicher formuliert: Das Leben findet stets den richtigen Zeitpunkt.

Als ich nach meiner Woche als „Hüttenwirtin auf Zeit“ ins urbane Umfeld zurückkehrte, erlitt ich einen veritablen „Kulturschock“. All die Menschen, all der Lärm, all die Verkomplizierungen dessen natürlichen Umstandes der Welt (am Leben zu sein) … mehr denn je fühlte ich mich als Alien. Der Gedanke an eine sofortige Rückkehr auf den Berg war sehr verlockend.

Aber ich blieb inmitten des von Menschen gemachten (größtenteils selbstverursachtem) Chaos – und stellte mich dem, was an meine eigene Tür klopfte: eine innere Aufräum- und Entrümpelungsphase. Im Spiegel des Alltags tauchten alte Verhaltens- und Gedankenmuster auf, die es für mich zu hinterfragen und teilweise loszulassen galt.

Beiläufig wurde mir auch bewusst, mich in die eine oder andere Sackgasse verlaufen zu haben – was ich der einen oder anderen Bemerkungen zu verdanken hatte, die ich im Zuge eines Kreativ- und Handwerksmarktes, auf dem ich mit meinem Büchern Ausstellerin war, aufgeschnappt habe. Müßig zu erwähnen, dass die Bemerkungen von Menschen kamen, die keine Ahnung davon hatten, welche Gedanken mich gerade beschäftigten. So ist das mit dem perfekten Timing des Lebens: du bekommst genau das, was du brauchst – es liegt an dir, hinzusehen, hinzuhören, hinzuspüren …

Kurz gesagt: ich war in den vergangenen Wochen mit mir selbst beschäftigt und verspürte keinerlei Drang, meine Gedanken in den sozialen Medien zu teilen. Erst seit ich wieder an meinem Rückzugsort auf über 2.000m Seehöhe angekommen bin, fließen meine Gedanken wieder in geschriebene Worte.

JAN/A Band 3 ist fertig, mein Prozess abgeschlossen – bin ich am Ende des Weges angekommen?

Definitiv Nein, wie sich unmissverständlich gezeigt hat.

Meine innere Aufräum- und Entrümpelungsphase brachte einige Veränderungen, die wohl auch anderen auffallen. „Reden wir Klartext“ hört man nun noch öfter als bisher von mir. Das können dann Worte wie diese sein:

Eine Borderline-Diagnose ist kein „Wimmerl am Hintern“, sprich: unangenehm, aber ansonsten harmlos. Hinter einer Borderline-Diagnose stehen Ursachen, Auslöser, Herausforderungen, Lernaufgaben … eine Borderline-Diagnose ist vieles, nur eines sollte sie nicht sein: eine bequeme Ausrede, um sich dahinter zu verstecken. Wir leben in einer Zeit, in der Wissen und Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um für sich selbst einen Weg zu finden, aus dem in einer Borderline-Diagnose verborgenen Potenzial etwas Lebendiges, Freudvolles, Lebensbejahendes zu machen. Entscheidend ist die Frage:

„Bist du bereit, innerlich den Schmerz der Verletzungen, Kränkungen, Traumatisierungen etc. loszulassen, um frei zu werden, DEIN Leben zu leben?“

Wer an den schmerzvollen Gefühlen festhält, wird weiterhin von den damit verbundenen Ereignissen und Menschen gesteuert, ist also weit entfernt von einem freien Leben.

Oder anders gesagt:

„Lebst du in der Angst oder in der Liebe?“

Beides zeitgleich geht nicht. Du musst dich entscheiden.

Der perfekte Zeitpunkt dafür ist genau JETZT.

Bild: pixabay.com

SELBSTFINDUNG – DER SCHMALE GRAT ZWISCHEN SELBSTAUFGABE UND SELBSTBESTIMMUNG

Was ist besser geeignet, diesen Grat zu erkunden als zwischenmenschliche – insbesondere sehr nahe zwischenmenschliche – Beziehungen? Sich selbst zu finden, während man sprichwörtlich allein auf weiter Flur unterwegs ist, stellt zwar auch eine Herausforderung dar, aber eine weitaus überschaubarere als inmitten menschlichen Getümmels. Wenn ich nur mich selbst habe, fällt die Fokussierung auf die eigenen Bedürfnisse, Wünsche, Vorstellungen usw. relativ leicht.

Schwieriger wird es im „Duett“. Und sei es noch im Anfangsstadium von etwas, das vielleicht mehr werden könnte.

Plötzlich tauchen sie wieder aus der Versenkung auf, die nächtlichen Grübeleien und Fragen: Habe ich für so manches wirklich Verständnis? Passt es zu meinen Werten, meiner Vorstellung von Leben? Oder passt sich meine Vorstellung den Erfordernissen an, um aus dem Anfangsstadium in die nächste Phase zu gelangen, egal, um welchen Preis? Bis wohin sind es gesunde Kompromisse und ab wann krankmachende Selbstaufgabe? Wofür Verständnis zeigen und wann Unverständnis? Wo abgrenzen und wann aufmachen? Empathie? Mitgefühl? Mitleid?

Durch all das bin ich schon einmal gegangen, aber anders, nachträglich, nachdem eine Beziehung über Jahrzehnte bestanden hatte und genau genommen bereits von Auflösungserscheinungen betroffen war. Niemals in meinen Leben habe ich diese Fragen VORHER gestellt, quasi an der Startlinie. So viele Variablen sind noch undefiniert, so vieles noch zu entdecken … viel zu wenig Informationen, um fundierte Antworten auf diese existenziellen Fragen zu finden.

Irgendwie ist es wie ein Tasten mit verbundenen Augen durch die Dunkelheit des Unbekannten. Wobei hier die „Augen“ symbolisch für unser visuelles Zeitalter und seine Dominanz des Verstandes stehen, daher aus meiner Sicht wenig geeignet, um meine Fragen zu beantworten. Für mich braucht es eine Rückbesinnung auf das, was ambivalent wie kaum etwas anders sein kann: mein Fühlen. Vertrauen auf einen unserer ältesten Instinkte, der die Menschheit durch Jahrhunderttausende brachte: Hineinspüren – was passt für mich oder was nicht?

Mich selbst spüren, im gegenwärtigen Augenblick, ohne diese Wahrnehmung von den Erfahrungen der Vergangenheit beeinflussen zu lassen. Nicht vergleichen mit Vergangenem, sondern auf das blicken, was da ist, hier und jetzt, während mein unermüdlich analysierender Verstand eine Menge „Zeichen“ entdeckt und daraus Schlussfolgerungen ableitet, wie sich die Angelegenheit entwickeln könnte. Kein einfaches Unterfangen. Gebranntes Kind scheut das Feuer. Doch wer sich von seiner Furcht beherrschen lässt, bleibt ein Gefangener.

Ich wandle auf einem schmalen Grat aus Fragen, die mich erneut so einiges über mich selbst erkennen lassen. In diesem Sinne: Selbstfindung.

Was bestimmt mein Denken, Handeln, Fühlen? Angst? Freude? Liebe? Hoffnung?

Wie frei bin ich wirklich, auf das zu blicken, was da ist? Frei von Erwartungshaltungen und Wertungen jeglicher Art?

Kann ich meine Grenzen wahren? Die bleiben, die ich bin, ohne die zu werden, von der ich vermute, der andere will sie vorfinden? Kann ich mir selbst treu bleiben? In der Selbstbestimmung?

Bin ich bereit, die zwischen Menschen stets auch notwendigen Kompromisse einzugehen? Ohne mich selbst aufzugeben?

Habe ich den Mut und die Kraft, zu zeigen, wer ich bin, was ich fühle – tief in mir, mein Bild dieser Welt zu teilen.

An der Startlinie einer möglichen Beziehung, am Punkt Null, scheinen diese Fragen verfrüht – und doch auch passend. Wenn, wann nicht dann sollten Antworten darauf gefunden werden? Wenn sich zwischenmenschliche Verhaltensmuster und Routinen erstmal etabliert haben? Ist es dann nicht längst zu spät?

Selbstaufgabe geschieht oft wie beiläufig, schleichend, unbewusst … und plötzlich wacht man auf und erkennt sich selbst nicht mehr im Spiegel. (Dies war der Beginn meiner Reise zu mir selbst.)

Selbstbestimmung erfordert Entschlossenheit, Kraft, Mut und Vertrauen, kann sie doch auch zu Meinungsverschiedenheiten und damit Konflikten führen. (Dies führte zu Tag X.)

Selbstfindung ist und bleibt für mich der Königsweg, all die Herausforderungen des Lebens zu meistern. Tag für Tag. Die Realität mit allen Sinnen bewusst wahrnehmen und das Leben mit allen Sinnen spürend leben. Jenseits von Routine das Besondere im Augenblick erkennen. Dankbarkeit für das Vorhandene empfinden. Freude am Sein.

Wir können vielleicht nicht die Zahl unserer Tage in diesem Leben wesentlich verändern, aber wir können die Qualität jedes einzelnen Tages bestimmen – wenn wir uns erstmal selbst gefunden haben auf dem schmalen Grat zwischen Selbstaufgabe und Selbstbestimmung.

Bild: pixabay.com

Manchmal sind klare (geometrische) Strukturen hilfreich, inmitten von unzähligen Fragen den Kern des Themas zu erkennen 😉

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