RE-TRAUMATISIERUNG

Das Bild zeigt ein kleines Bäumchen, das sich tapfer neben den Schienen der Wiener U6 (die fährt überirdisch) seinen Platz an der Sonne erkämpft … und dabei im Minutentakt eins drübergezogen bekommt. Against all odds.

Genauso fühlt sich für mich Re-Traumatisierung an.

Vor einigen Tagen fand ich mich in einer Situation wieder, in der Menschen, zu denen ich eine persönliche Beziehung habe und für die ich mich verantwortlich fühle, von anderen Menschen drangsaliert wurden. Ich stellte mich dazwischen, versuchte rund 20 Menschen aufzuhalten, um einige wenige zu schützen.

Keine Chance.

Ich wurde überrollt. Physisch ebenso wie emotional.

Mit einem Schlag war es wieder da, das Gefühl, ausgeliefert zu sein, wehrlos, über sich ergehen lassen zu müssen was auch immer da kommt, verletzt zu werden, entwürdigt, gedemütigt, wertlos.  

Re-Traumatisierung.

Seither fühle ich mich wie dieses kleine Bäumchen. Im Minutentakt überrollen mich Gedanken und Emotionen. Unaufhaltsam. Der Körper unter Dauerstress. Ausnahmezustand. Kopflastige Menschen beurteilen mich, ohne auch nur erahnen zu können, was ich fühle. Ihre Urteile sind Sonderzüge, die zusätzlich über die Schienen donnern.

Das Hinterfragen der eigenen Handlungen wird zur Fallgrube, in der die spitzen Pfähle der Schuld nur darauf warten, mich zu durchbohren. Wer ist Täter? Wer Opfer? Wer angegriffen wird und sich zur Wehr setzt wird zum Täter, die Täter zum Opfer. Pervers, aber in einer kopflastigen Welt aus dem Gefühl zu leben und seinem Herzen zu folgen, scheint verkehrt. Die Mehrheit der Stimmen verdreht die Realität. Ein weiterer Wagon hängt sich an den Zug an.

All das soll aufhören. Sterben? Nein, einfach nur weg. Weg von allem. Aber wohin? Davonlaufen führt letztendlich irgendwann an eine Wand. Mit dem Rücken zur Wand bleibt nur ein Ausweg. Zwischendurch drängt die Erkenntnis an die Oberfläche: Niemand versteht mich! Selbst wenn ich erzähle, was in mir los ist, kann es niemand nachvollziehen.

Sie fragen: Warum?

Und ich antworte: Weil ein Blick, ein Wort, einen Stachel in das Herz des Drachen bohren kann und sein über Äonen aufgestauter Schmerz sich in einem Feuerball entlädt, voller Verzweiflung darüber, sein liebendes Herz nicht schützen zu können vor den Zerstörern.

Wer soll das verstehen? Wer spricht meine Sprache der Seelenbilder? Wer kann dem roten Faden im Labyrinth meiner Empfindungen folgen, die im Sekundentakt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her springen bis da nur noch ein einziger Schrei ist.

Ich bin anders.

Ich bin unendlich allein – wie das kleine Bäumchen. Chancenlos.

Aufgeben ist keine Option.

Von mir wird erwartet, zu funktionieren – trotz Traumatisierungen und Re-Traumatisierungen. Ich habe gelernt zu funktionieren, oberflächlich so zu werden, wie die anderen …

Ich mache mir bewusst, dass die Situation – so schlimm sie war – mittlerweile Tage zurückliegt, in der Vergangenheit. Sie war damals gegenwärtig, aber hier und jetzt ist sie es nur mehr in meinem Kopf. Innere Bilder sind veränderbar. Also gebe ich diesem kleinen Bäumchen – mir selbst – eine Chance. Stelle mir vor, wie der Beton zu Sand zerfällt. Wie die Steine sich in Kiefernnadeln auf dem Waldboden verwandeln. Wie die Stahlschiene zu einer knorrigen Wurzel wird und das kleine Bäumchen seinen Platz an der Sonne findet, diesmal mit der Chance auf Frieden.

Allmählich beruhigen sich die Gedanken und Emotionen.

… doch in mir drin, bin ich anders, fühle und denke anders, heute, hier und jetzt, und vielleicht bis zu meinem letzten Atemzug.

Keine Ahnung, wie lange es dauern wird, wie oft ich noch meinen Blick auf das kleine Bäumchen fokussieren und seine Umgebung verändern werde, bis die Wunde in meiner Seele, die durch Menschen aufgerissen wurde, sich wieder geschlossen hat. Ich weiß nur eines: auch in diesem Schmerz liegt die Chance, jenes zu erkennen und zu entfernen, was zuvor eine vollständige Heilung verhindert hat.

Die Dunkelheit wird niemals siegen, solange ein Funke Hoffnung den Weg leuchtet.

EIN LACHENDES UND EIN WEINENDES AUGE

… waren es, die mich gestern begleitet habe – und die (neuerliche) Erkenntnis, dass alles im Leben einen tieferen Sinn hat, der sich oft erst spät offenbart.

Begonnen hat es damit, dass ich mich für ehrenamtliche Einsätze als Hüttenwirtin gemeldet hatte. Gestern fand die „Einschulung“ vor Ort statt. Aufgrund der Bahnverbindungen reiste ich bereits am Vortag an, übernachtete im Tal und spazierte früh morgens gemütlich zum Treffpunkt bei der Talstation der (noch geschlossenen Bergbahn). Gleich daneben befindet sich ein Hotel, dessen Name mir irgendwie bekannt vorkam von dem Moment an, als ich die erste Info erhielt.

Allmählich dämmerte es mir, ich zählte 1 und 1 zusammen … Hotel mit diesem Namen + Talstation = ich hatte hier vor einigen Jahren mit meinem damaligen Partner einen Skiurlaub verbracht… und kaum noch eine Erinnerung daran. Nichts hatte einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Ganz anderes als gestern. Die überwältigende Bergkulisse mit den noch weißen Gipfeln, das Grün im Tal mit den bunten blühenden Tupfern, die vereinzelten Wolken, das zwitschern der Vögel, das Rauschen des Windes, die lebendige Landluft 😉 … oafoch nua schee (einfach nur schön). Ich fand mich im Gefühl der „Umarmung des Lebens“ wieder, erfüllt von Dankbarkeit, Zufriedenheit, Gelassenheit, Geborgenheit, mit mir selbst im Reinen – gestern.

Vor ein paar Jahren konnte ich all das nicht fühlen, nicht die Schönheit der Landschaft um mich herum wahrnehmen. Es zog an mir vorüber. Ich erlebte die Welt wie durch einen emotionsdämpfenden Nebel. Ich war da – und auch nicht. Ständig darauf fokussiert, das zu tun, was ich dachte, das andere von mir erwarteten. Keinen Fehler zu machen. „Normal“ zu sein. Perfekt zu Funktionieren. Das Erleben des Augenblicks musste dem Kontrollwahnsinn weichen. Nur kein falsches Wort, keine zeitverzögerte Antwort, keine unpassende Handlung. Meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche? Unwichtig! Erwartungshaltungen erfüllen war wichtiger. Mein Denken war ständig auf 120% unterwegs, für Fühlen blieb keine Zeit.

Gestern stand ich am Fuß jenes Berges, auf dem ich im Sommer einige Zeit als Hüttenwirtin dabei helfen werden, ein cooles, auf Eigenverantwortung und Gemeinschaftssinn basierendes Konzept der Bewirtschaftung umzusetzen – und ich fühlte, dass es gut werden wird. Spürte die positive Stimmung zwischen den Menschen, die an diesem Tag zum ersten Mal aufeinandertrafen und sich auf Anhieb in den Dienst der Sache stellten. Kein Ego, das in den Vordergrund drängte, stattdessen die Bereitschaft, gemeinsam zu tun. Einer der viel zu seltenen Momente, in denen Menschen einfach Menschen sind, ohne mehr sein zu wollen.

Mein weinendes Auge blickte zurück in die Vergangenheit auf all das, was ich nicht zuließ zu fühlen. Mein lachendes Auge blickte in die Runde und freute sich auf das Kommende.

Die eigenen Gefühle „auf Mute zu schalten“ um rein aus dem Kopf heraus zu leben, Empfindungen zu konstruieren und sich einzureden, etwas zu fühlen, das war mein „Kerker“, dem ich erst vor wenigen Jahren entronnen bin. Echte Gefühle empfand ich nur, wenn ich allein war. Schutz vor Verletzung? Ja, aber gleichzeitig mit meiner „Unangreifbarkeit“ wurde ich auch „nicht mehr greifbar“ für andere. Unverständlich. Anders. Suspekt. Dies war meine selbstgewählte emotionale Isolation. Was auf den ersten Blick gar nicht so schlimm anmuten mag (emotionale Unberührbarkeit), bedenkt man die Rücksichtslosigkeit, mit der man heutzutage leider allzu oft konfrontiert wird, ist in Wahrheit ein Gefängnis, dem zu viele nur auf eine, finale Weise entrinnen können.

Da ist es wieder, das traurige Auge, das sich wünscht, meine Worte würden all jene erreichen, die sich vor der Welt in den „sicheren“ emotionalen Kerker flüchten und könnten ihnen vermitteln, das es einen Ausweg gibt, der zurück in die Umarmung des Lebens führt und sie eben jenes auf eine Weise spüren lässt, von der sie möglicherweise geträumt haben, aber sie nicht für umsetzbar hielten… und dann rückt mein lachendes Auge in den Vordergrund, das voller Hoffnung nach vorne blickt und sieht, das DU in diesem Augenblick diese Zeilen liest, meine Worte ihren Weg zu DIR gefunden haben. Und wer weiß, vielleicht öffnen sie für DICH eine Tür zurück in die Umarmung des Lebens. Das wünsche ich DIR von ganzem Herzen.

Bild: pixabay.com

SCHNELL (AUS)GETRÄUMT

Manchmal kann ich nur den Kopf schütteln bei dem, was mir so im Netz begegnet. Von „mach das und du bist morgen 3 Kilo leichter“ über „10.000 Top-Kunden im Handumdrehen“ bis hin zu „lass das Universum für dich arbeiten“ … jede Menge Versprechen.

Ein Traum?

Zugegeben, in der Vergangenheit bin ich selbst einigen dieser Pfade gefolgt, habe groß geträumt, und bin verkatert aufgewacht.

Über Nacht, im Handumdrehen oder das Universum für mich arbeiten lassen, hat mich nicht dorthin gebracht, wo ich heute bin. Frei und selbstbestimmt, mit einigen wenigen Altlasten in meinem Rucksack, die kaum noch spürbar sind.

Auch ich träumte einst davon, mich von all den Steinen in meinem Rucksack, möglichst rasch zu befreien. Ein Wundermittel, ein Zauberspruch, ein machtvolles Wesen … verlockende Träume, die ich einen nach dem anderen aufgab.

Ausgeträumt.

Mit mir selbst ins Reine zu kommen, traumatischer Erlebnisse und die daraus resultierenden Blockaden auflösen, innere Konflikte und Zerrissenheit in Harmonie zu verwandeln, im Gleichgewicht verweilen trotz der Stürme des Lebens, oder einfach nur Gewohnheiten wie mehr Sport, weniger Naschen etc. verändern … das erfordert konsequente Arbeit an sich selbst. Arbeit, die einem niemand abnehmen kann, weder ein anderer Mensch noch ein magisches Wundermittel. In meinem Fall waren es über 3 Jahrzehnte Arbeit um die zu werden, die ich heute bin.  

Wie schon Meister Yoda uns lehrte: „Die Dunkelheit ist nicht stärker, sie ist schneller, verlockender“. Der Weg des Lichtes, der Bewusstheit, gleicht einem Ultra-Marathon ohne Ziellinie. Der Weg ist das Ziel. Abkürzungen führen häufig in dunkle Sackgassen, aus denen man nur mühsam wieder rausfindet.

Ja, wenn man mitten in der Scheiße steckt, möchte man am liebsten schnell raus, und alles hinter sich lassen. Eine gewisse Anfälligkeit für verlockende Träume ist da nur allzu menschlich, aber so einfach läuft es nun mal nicht. Nachhaltige Veränderungen geschieht nicht über Nacht und auch nicht von selbst. Aber wer nimmt sich heute noch Zeit?

Wenn ich mich umsehe, ist vieles sehr schnelllebig geworden. Pläne für 1 Jahr? Oder 5 Jahre?

Als ich mich 2017 auf die Reise zu mir selbst machte, spürte ich intuitiv, dass ich mindestens 3 Jahre dafür brauchen werde. Als meine Beziehung nach 24 Jahren in die Brüche ging, war klar, dass ich mindestens 24 Monate zum Verarbeiten rechnen darf. Natürlich wäre es toll gewesen, beides schneller zu durchleben, aber auch unrealistisch. Eine Träumerei, die nicht in der realen Welt bestehen kann.

Unordnung in einem aufgeräumten Haus zu schaffen, geht ziemlich schnell, aber die Ordnung wieder herzustellen dauert seine Zeit. Wenige Augenblicke genügen, um einen Menschen zu traumatisieren. Es braucht mitunter Jahrzehnte, um diese Erschütterung des seelischen Gleichgewichts zu überwinden.

Heilung braucht Zeit.

Vertrauen ins Leben und sich selbst aufzubauen, braucht Zeit.

Die (zutiefst menschlichen) Bedürfnisse nach Ausgleich, Rache, Vergeltung und dergleichen hinter sich zu lassen, braucht Zeit.

Die eigenen Schwächen und Fehlbarkeiten mit Humor und einem liebevollen Lächeln annehmen zu können, braucht Zeit.

Das Ego zu zähmen und sich selbst nicht mehr so wichtig zu nehmen, braucht Zeit.

Sich der Vergangenheit bewusst zu sein, daraus zu lernen, nach vorne zu blicken und aus dem Kommenden das Bestmögliche zu machen, braucht Zeit.

Wir werden als Menschen geboren, doch zu begreifen, was das wirklich bedeutet, braucht Zeit.

Wenn mir heute jemand verspricht, dass etwas „ganz schnell“ geht, werde ich skeptisch. Vor allem in Bezug auf Selbstfindung, Auflösungsarbeit, Therapie etc.

Zeit (die es genau genommen nur in unserem Bewusstsein existiert – im Gegensatz zu den vier Grundkräften der Physik) ist es, die Erdbeeren und Wein reifen lässt – und den Menschen, wenn dieser es zulässt und seinem (nur allzu menschlichen Wunsch) nach schnellen, einfachen, oberflächlichen Lösungen widersteht, sich stattdessen darauf einlässt, dass die Dinge ihre Zeit brauchen um letztendlich gut (im Sinne von heil) zu werden.

Lebe, und sei dir bewusst, dass du lebst.

Träume, und sei dir bewusst, dass du träumst.

Lerne zu unterscheiden zwischen Traum und Wirklichkeit.

Lass die Zeit dein Verbündeter sein.

Bild: pixabay.com

SPÜREN – NEXT LEVEL

Was an diesem sonnigen Sonntag mit frühlingshaften Temperaturen „nur“ ein Testlauf für meine neuen Sockenschuhe hätte werden sollen, wurde so viel mehr … Aber ich nehme das Ende vorweg. Beginnen wir damit, dass ich aufbrach, eine für mich neue Erfahrung zu machen.

Damit ist jetzt nicht barfuß laufen per se gemeint, das tue ich in Räumen die meiste Zeit. Als Kind lief ich auch barfuß durch Wiese, trat dabei versehentlich auf so manches Insekt und bekam diverse Stachel und Beißwerkzeuge zu spüren. Was ich zuvor nie getan habe, mich barfuß auf einem Waldweg zu bewegen. All die Steinchen, Wurzeln, Nadeln … die Vorstellung in meinem Kopf war eine schmerzvolle. Im Gegensatz dazu hatte ich keine Vorstellung, was mich erwarten würde, als ich heute die Sockenschuhe überstreifte. Meine ersten Schritte waren …

… überraschend angenehm. Ja, ich spürte zwar die Steine, aber es tat nicht weh. Von Schritt zu Schritt fühlte es sich besser an. Oder anderes gesagt: Natürlicher – als würde ich niemals Schuhe getragen haben. Wobei, ganz stimmt das auch nicht. Was ich schon spürte, waren die Verspannungen, Verkürzungen, Verklebungen und Fehlhaltungen, die sich in der Vergangenheit aufgebaut hatte.

Dennoch, es fühlte sich einfach großartig an, den Untergrund zu spüren, wie er nun mal beschaffen war/ist. Mir wurde bewusst, wie viel ich in den vergangenen Jahren verloren habe, von der „artgerechten Bewegung“ des menschlichen Fußgewölbes – und was ich mir wieder zurückholen will.

Ein Beispiel: wenn ich mit Schuhen unterwegs bin, versuche ich möglichst auf flache Stellen zu treten. Ein aus dem Boden ragender Stein würde zwar nicht schmerzen, aber durch die feste Sohle kippt der Knöchel meistens seitlich weg, was (nach einer Menge Verletzungen während meiner über 40 aktiven Jahre im Basketballsport) unangenehme bis unsichere Gefühle bei mir auslöst. Vermutlich deshalb habe ich heute auch zuerst gezögert, auf solche Steine draufzusteigen, aber dann bemerkt, dass ohne die feste Sohle sich mein Fußgewölbe flexibel um den Stein legt und mein Knöchel stabil bleibt.

Was für ein Aha-Erlebnis!

Im nächsten Moment war da die Gewissheit in mir, dass ich vom Leben die optimale Ausrüstung bekommen habe, um mich flexibel an den jeweiligen Untergrund (oder die Umstände) meines Weges anzupassen. Alles, was es dafür brauchte, war darauf zu vertrauen. Ein Extra-Schutz (feste Schuhsohlen) war nicht nötig. Das menschliche Fußgewölbe ist architektonisch betrachtet eine Meisterleistung der Natur – ebenso wie die geistige Fähigkeit des Menschen, sich selbst zu reflektieren und aus der Selbstbetrachtung zu lernen.

Barfuß durch den Wald laufend fühlte ich mich heute stabiler unterwegs als je zuvor – und ich kenne die Strecke in- und auswendig, bin unzählige Male darauf unterwegs gewesen. Aber heute fühlte ich mich als Teil davon. Worte sind zu sperrig, meine Empfindungen zum Ausdruck zu bringen. Oder sie verleiten zu esoterischen Interpretationen. Ich habe mich öfters gefragt, wie Naturvölker ständig barfuß laufen können. Seit heute kenne ich die Antwort: einfach so. Unsere Füße wurden dafür konstruiert. Schuhe sind eine (durchaus sinnvolle) menschliche Erfindung, aber eben auch eine künstliche Grenze.

10.000 Schritte war ich heute in Sockenschuhen unterwegs auf meiner Haus- und Hofstrecke, dabei deutlich langsamer als üblich, aber es gab so viel zum Wahrnehmen, zum Spüren. Außerdem wurden Muskel beansprucht, die sonst eher ungenutzt bleiben. Meine Fußreflexzonen wurden reichlich massiert und stimuliert. Am Ende der Runde war ich müde, doch tiefenentspannt und emotional erholt wie schon lange nicht mehr.

Die Reise zu mir selbst – auch Selbstfindung genannt – hat für mich verschiedene Facetten. Emotionale, geistige und körperliche. Ich erinnere mich an die Zeit, als sich mein Körper wie ein fremdes Objekt anfühlte. Wie eine leere Hülle. Mich wieder als Mensch zu fühlen – in meinem Körper bzw. meinen Körper, so wie er von der Natur geplant wurde. Nicht mit Hightech-Laufschuhen, sondern mit einem genialen Fußgewölbe, das es richtiggehend genossen hat, auf Steinchen, Bockerl und Zweige zu steigen, um aus der gewohnten, starren Haltung auszubrechen und sich geschmeidig anzupassen.

Im Alltag werde ich weiterhin Schuhe tragen, denn im urbanen Bereich ist eine artgerechte Bewegung meiner Füße mit all dem Beton & Co rundum de facto unmöglich. Auch im alpinen Gelände bevorzuge ich den Schutz meiner Bergschuhe, um mir nicht die Füße an scharfen Felskanten zu zerschneiden, ABER Wald und Wiese werden mich künftig regelmäßig in Sockenschuhen antreffen, denn der „next level“ darf gerne Standard werden.

HEILE DICH SELBST

… dieser Satz ist mir vor ein paar Tagen begegnet. Ein nicht ganz neues Thema, zu dem so einiges Material gibt. Ein Thema, dem ich zustimme. Nach meiner Erfahrung und Überzeugung besitzt der Mensch ein enormes Selbstheilungspotenzial.

Heile dich selbst

… ist also grundsätzlich möglich. ABER wie es nun mal ist im Leben, diese Medaille hat eine zweite Seite, die ebenfalls ein zutiefst menschliches Potenzial darstellt, und sie lautet:

Zerstöre dich selbst

Ob nun wortwörtlich genommen, oder als Headline über jeder Art von ruinösen Verhalten und Denken – im Alltag begegnet mir diese Kehrseite der Medaille deutlich häufiger als ihre Vorderseite.

Was Menschen nicht alles tun, um sich in einem Zustand des Leids zu halten. Die Vielfalt scheint schier unerschöpflich. Sich selbst im Weg stehen ist da noch eines der kleineren Dramen. Andere instrumentalisieren damit sie ihre Rolle in einem toxischen Beziehungsspiel erfüllen, verdreht vordergründig die Täter-Opfer-Dynamik. Manchmal frage ich mich, ob manche Menschen zum Reden aufhören würden, wenn sie wüssten, welche Auswirkungen die Negativität ihrer Worte hat auf sie selbst hat. Ich fürchte, die Antwort lautet Nein.

All das müsste nicht sein, denn wie gesagt, ich bin davon überzeugt und habe es selbst erlebt: heile dich selbst funktioniert. Es gibt nur ein paar klitzekleine Stolpersteine, derer man sich bewusst sein sollte. Einen davon nenne ich „Hybris des Egos“. Wer glaubt, es allein hinzubekommen, vielleicht noch mit ein paar Büchern, lässt außer Acht, dass alle Menschen über einen blinden Fleck verfügen -und genau dahinter verstecken sich oft die spannendsten Lernaufgaben. Mitunter schiebt das Ego den blinden Fleck absichtlich vor eine unangenehme Lernaufgabe.

Wie man es auch dreht und wendet, niemand von uns kann sehen, was sich hinter uns befindet – egal wie gut das periphere Sehen ausgeprägt ist, einen 360 Grad Rundumblick schafft kein Mensch. Auch nicht beim Blick nach innen. Indem man sich auf etwas fokussiert, rückt anderes an den Rand der Wahrnehmung oder ins Off. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Fokus auf positives oder negatives ausgerichtet ist, wir nehmen stets nur einen Teil wahr. Deshalb ist es sinnvoll, auch beim „heile dich selbst“-Ansatz andere Blickwinkel einzubeziehen: Therapie, Coaching, Gespräche mit Freunden …

In jedem von uns finden sich die Lösungen für unsere persönlichen Probleme – davon bin ich absolut überzeugt.

Niemand kann einem anderen die Reise zu sich selbst, die Arbeit der Auflösung der eigenen Probleme abnehmen – auch davon bin ich überzeugt.

Aber der Austausch mit anderen Reisenden kann enorm bereichernd, erhellend und heilungsfördernd sein. Ebenso wie die unzähligen Spiegel, die das Leben uns ständig vor die Nase hält. Was rundum geschieht, lässt erkenntnisreiche Rückschlüsse auf das zu, was in uns los ist. Aber auch hier mogelt sich der blinde Fleck gerne dazwischen. Wir sehen nur, was wir sehen wollen – das ist wissenschaftlich erwiesen. Ausblenden funktioniert hervorragend, sabotiert jedoch den Ansatz von „heile dich selbst“.

Mein persönlicher Ansatz für „heile dich selbst“ führt mich häufig in die Natur. Je weiter ich mich vom Lärm der Menschen entferne, desto klarer kann ich meine innere Stimme hören, desto differenzierter wird mein Fühlen, desto mehr fühle ich mich wie ich selbst. Es ist also kein Zufall, dass über diesem Beitrag jenes Bild thront, dass ich während eines sonnigen Waldspaziergangs aufgenommen habe, während ich in Gedanken diese Zeilen durchging, die ich tippe. Dieser kleinen Biene auf dem Löwenzahn zuzusehen, hat mich mit umfassenden inneren Frieden erfüllt, mich die Umarmung des Lebens fühlen lassen, und das hat mit Sicherheit zu meiner Heilung beigetragen, physisch, psychisch und seelisch. Wenige Minuten nur, doch eine große Dosis „heile dich selbst“-Vibes.

VOM PROBLEM ZUR (AUF)LÖSUNG

Back to my roots … als Coach & Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung bzw. Selbstfindung. In einem 4-tägigen Berg-Retreat im Tennengebirge teile ich mein umfangreiches Knowhow und meine von mir eingesetzten Tools, die mich zurück in die Umarmung des Lebens führten. In diesem Retreat kann jeder und jede – egal, ob Borderliner oder nicht – etwas für sich mitnehmen, denn es geht um …

ein Thema, das uns alle betrifft

„Stoana zabresln“ (Steine zerbröseln)

Jeder von uns hat einen Rucksack auf seinen Lebensweg mitbekommen. Die meisten schleppen darin seit langem ein paar Steine mit sich rum. Diese Steine können vieles sein: ungelöste Konflikte, alter Schmerz, Kränkungen, Kummer und Leid ebenso wie Sorgen, Ängste, Wut. Ihre Last drückt ständig aufs Gemüt, stört den Seelenfrieden, verhindert innere Ruhe und Ausgeglichenheit, mindert Zufriedenheit und Lebensfreude, kann Auslöser für Überlastung und/oder überzogenes Perfektionsstreben ebenso sein wie mangelndes Selbstwertgefühl …

Wie sehr diese Steine das eigene Leben täglich beeinflussen, merken die meisten erst, nachdem sie sich davon befreit haben. Wer kann sich schon einen Zustand vorstellen, den er/sie nie zuvor erlebt hat?

Doch wie die Steine loswerden?

Im 4-tägigen Berg-Retreat geht es genau darum:

  • Erkennen, in welchem Winkel des Rucksacks sich die Steine verstecken
  • Verstehen, wie sie zusammengesetzt sind und aufgelöst werden können
  • Erleben, was möglich wird ohne die Steine
  • Lernen, neue Wege einzuschlagen, um künftig keine Steine mehr in den Rucksack zu packen

Auf den Punkt gebracht:

  • Vom Problem zur (Auf)Lösung

Ein Leben voller Leichtigkeit und Lebensfreude – ohne Steine im Rucksack – kann der tägliche Normalzustand sein.

Es gibt allerdings einen Haken dabei: es geschieht nicht von allein.

Die gute Nachricht: DU kannst es tun!

… und im Rahmen dieses Retreats lernst Du, WIE du Deine Steine finden und loslassen kannst.

Eine Auszeit zum Ankommen und Loslassen

Da oben auf dem Berg verändert sich die Perspektive auf unseren Alltag und uns selbst – auch ohne mit Seil und Haken einen Gipfel zu erklimmen. Während so manches im Tal zurückbleibt, kommen wir uns selbst näher, wird die Sicht klarer und die Stimme der Intuition bekommt neuen Raum.

Dieses Retreat bricht absichtlich mit dem „üblichen Komfort“ von Seminaren und Workshops. Du bringst mit, was Du oben brauchst – auch einen Teil Deiner Verpflegung während des Retreats. Die Gemeinschaft der Gruppe ist ein wichtiger Aspekt. Von ihr hängt ab, was Du von diesem Retreat mitnehmen wirst – und was Du dort oben zurücklässt. Jeder trägt einen Teil nach oben und seinen Teil zum Gelingen bei. Das gemeinsame Zubereiten und Einnehmen der Mahlzeiten schafft eine Vertrauensbasis und bietet Gelegenheit, manches in lockerer Atmosphäre zu reflektieren. Auch der gemeinsame Abwasch gehört dazu.

Gönn Dir das Erlebnis, komplett aus Deinem Alltag auszusteigen und Dich gleichzeitig völlig auf Dich selbst zu fokussieren in einer Umgebung, in der Du ganz bei Dir selbst ankommen kannst.

Das Programm im Überblick

Sa           12.08.2023                         Treffpunkt an der Talstation in Werfenweng, gemeinsamer Aufstieg mit Kennenlernen, Check-In, Hausordnung … und danach geht‘s los

So           13.08.2023                         Der 2. Tag dreht sich um Erkennen, Verstehen und Loslassen.

Mo         14.08.2023                         Am 3. Tag widmen wir uns neuen Wegen und Strategien.

Di           15.08.2023                         Ausklang und Übergang in den Alltag

Wir treffen uns ca. 2 Wochen vor dem Retreat per Zoom, um Details zur Anreise, Verpflegung und sonstige Fragen zu besprechen, damit alle gut informiert ankommen können.

Ein fairer Energieausgleich

€ 100,- pro Person für das gesamte Programm inklusive Wissensvermittlung, Anleitung und Begleitung während der Übungen, Reflexion, Inspiration, u.v.m.

Nicht enthalten: Anreise, Unterbringung, Verpflegung

Nähere Informationen findest Du hier:

Preise Unterkunft
Info Bergbahnen

Das Anton-Proksch-Haus der Naturfreunde

Auf 1.630 m gelegen mit einzigartigem Ausblick, bietet diese Schutzhütte mit gemütlichen Zimmern den idealen Ort, um sich inmitten der Natur und fern der Ablenkungen des Alltags auf das Wesentliche konzentrieren zu können:
„Stoana zabresln“ leicht gemacht😉

Darf ich mich vorstellen:

Mastermind, Organisatorin und Gastgeberin dieses Retreats …  eine [nicht] ganz alltägliche Autorin, Bloggerin, Coach u.v.m. … diverse Ausbildungen im Bereich Kommunikation, Mentaltraining, NLP, Energetik, systemische Aufstellungsarbeit … seit rund 35 Jahren mit Psychologie, Philosophie, ganzheitlichen Heilmethoden befasst … viele Jahre aktiv im Mannschaftssport … Marathon – & Feuerläuferin … seit über 10 Jahren Projektleiterin in der Erwachsenenbildung … Jahrzehnte unerkannt als Borderlinerin in der „selbstgemachten Hölle auf Erden“ und heute zurück in der Umarmung des Lebens … eine, die viel erlebt, so manches durchschaut und einiges weiterzugeben hat 😉

In der Natur, insbesondere der Bergwelt der Alpen, finde ich Antworten, die im Alltag häufig untergehen. Vereinfacht gesagt:

„Für jedes Problem gibt es mindestens eine Lösung, doch meistens erkennen wir diese erst, wenn wir aufhören, uns selbst im Weg zu stehen – und die Steine aus dem Rucksack werfen, die uns davon abhalten, den Weg der Leichtigkeit einzuschlagen und Lebensfreude zu verinnerlichen.“

2022 schrieb ich das Gedicht „Stoana zabresln“, dass diesem Retreat seinen Namen gegeben hat. Es entstand in den Bergen, behandelt genau das Thema des Loslassens und Auflösens – und es brachte bereits so einige Steine bei einigen Menschen zum Zerbröseln. https://reconnected.blog/

Du hast Interesse?

Dann schick noch heute eine E-Mail an lesley.b.strong@gmx.net  und melde Dich für das Retreat an. Zimmerbuchungen bitte direkt über die Naturfreunde andrea.ritzer@naturfreunde.at mit dem Hinweis „Retreat“.

Die Plätze sind begrenzt!

Bild: pixabay.com

WIEDERGEBOREN

Heute ist Ostersonntag, Tag der Auferstehung, der Wiedergeburt. Ich habe mich zwar vor längerem der „antwortgebenden Religion“ ab- und der „fragenstellenden Philosophie“ zugewandt, doch diesmal will es der „Zufall“, dass Ereignisse meines Lebens mit einem religiösen Fest zusammen und sich darin eine frappierend ähnliche Symbolik findet. Welch wunderbare Gelegenheit für ein paar Gedanken dazu.

Vor einigen Tagen crashte meine PC-Festplatte, völlig unerwartet und absolut ungünstig, denn die letzte Datensicherung liegt leider etwas länger zurück. Mea culpa. Ich hätte es besser wissen sollen. Dass noch dazu die externe Festplatte mit der – etwas älteren – Datensicherung auch noch w.o. gab, löste einiges an Stress aus. Immerhin sind auf der Festplatte zwei noch unveröffentlichte Buchprojekte von mir gespeichert, meine Buchhaltung, … kurz gesagt: eine Menge für mich wichtiger Daten, auf die ich nun keinen Zugriff mehr hatte.

Lösungsorientiert wie ich nun einmal bin, begann ich zu recherchieren und landete nach kurzer Zeit bei diversen Datenrettungsanbietern. Mein Problem kommunizierend, wurden mir aus dem Umfeld auch einige IT-Profis empfohlen – damit begann mein Dilemma: Wofür sollte ich mich entscheiden?

Triggerwarnung für Borderliner! Im Folgenden schildere ich eine Episode und wie sie aufgelöst wurde. Weiterlesen auf eigene Gefahr.

Der voranstehende Absatz sagt wohl schon einiges. Vor eine wichtige Entscheidung gestellt zu sein und nicht abschätzen zu können, welche die richtige ist, riss mich emotional um. Auch wenn es „nur“ um Daten ging, ein Fehler wäre fatal. Ein Fehler war nicht erlaubt. Ich durfte keinen Fehler machen. Die nahezu panische Angst vor einer Fehlentscheidung hatte enorme physische Auswirkungen auf meinen ganzen Körper. Am liebsten hätte ich mir die Haut vom Körper gerissen. Was ich fühlte, lässt sich nicht in Worte fassen, aber es war überwältigend und unerträglich… und nicht neu. Diese Art von „Absturz“ habe ich früher häufig erlebt, heute nur noch sehr selten – und mein Sicherungsnetz funktionierte zum Glück.

Mir war innerhalb von Minuten bewusst, dass ich dabei war den Halt zu verlieren. Ich schickte eine kurze Nachricht an eine Person meines Vertrauens, das „mir mein Drache dazwischenfunkt“. Dabei ging’s vor allem darum, dass ich meine eigenen Worte vor mir am Bildschirm sah und leichter eine Meta-Position einnehmen konnte. Aus dieser heraus verordnete ich mir selbst, die Entscheidung auf den nächsten Tag zu schieben und mich einem meiner entspannenden Hobbys zu widmen. Ein zählintensives Strickmuster kann eine sehr effektive Ablenkung sein. Jedenfalls löste sich die Anspannung im Körper rasch auf. Auch meine Emotionen kamen zur Ruhe.

Am nächsten Morgen packte ich die Festplatte ein und nahm sie mit in den Job mit der Absicht, den „einfacheren“ Weg einzuschlagen und sie nach der Arbeit persönlich bei einem IT-Profi vorbeizubringen – so die im Kopf getroffene Entscheidung. Im Laufe des Tages jedoch meldete sich mein Bauchgefühl, und so verwarf ich den IT-Profi und wandte mich den Datenrettungsspezialisten zu. Vielleicht würden sie etwas mehr kosten, aber mir sind diesen Daten wirklich wichtig.  Mein Gefühl traf eine Entscheidung. Seither bin ich echt gechillt und positiv zuversichtlich.

So weit die Schilderung meiner Episode.

Was das Ganze mit „wiedergeboren“ zu tun hat? Sehr viel – für mich. Früher dauerte so eine Episode Tage, manchmal Wochen, war voller Schmerz und Selbstverletzung. Vor allem sah ich keinen Ausweg, fühlte mich ausgeliefert, fremdbestimmt, verloren, unverstanden, versunken im Chaos, neben der Spur, nicht ich selbst …

Heute bin ich bei mir angekommen, in meiner Kraft. In meinen Worten ausgedrückt: Wiedergeboren als die, die ich bin, immer war und immer sein werde: ich selbst. Das mich hin und wieder etwas triggert, lässt sich wohl nicht verhindern. Wichtiger für mich ist, dass es mich nicht endlos nach unten zieht.

Ich bringe das mal in die Sprachbilder von JAN/A:

„Die Dunkelheit umfing mich, der Schmerz bohrte sich durch meinen Körper und ich schien zu fallen, endlos, immer tiefer, bis mich etwas auffing, ich mich in den Armen meines Phönix wiederfand, ihre feurigen Schwingen uns emporhoben, dem Licht entgegen, und der Schmerz einfach so von mir abfiel, als hätte er keine Substanz, kein Gewicht, bis da nur noch Leichtigkeit war und Liebe …“

Der Phönix begleitet mich seit vielen Jahren als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt, Auferstehung (aus dem Zusammenbruch), Wandel und Veränderung. Manchmal auch als Erinnerung, manches den Flammen der Reinigung zu überlassen.

Wenn ich mich heute einfach so aus einer Episode herausholen kann, dann liegt das vor allem daran, dass ich das aufgelöst habe, was nach unten ziehen würde. All die „Steine“, die wir Menschen mit uns rumschleppen. Sie belasten permanent im Alltag, aber wenn sie getriggert werden, dann können sie zu einer zerstörerischen Lawine werden, die alles mit sich in den Abgrund reißt.

Es mag viele Wege geben, um glücklich und zufrieden im Leben zu werden, doch meines Erachtens gehört eines stets dazu: die Steine aus dem Rucksack zu holen und sie aufzulösen, um „wiedergeboren“ zu werden, wie der Phönix aus der Asche aufzuerstehen.

Diese Kurz-Episode zeigt mir auch, dass eine andere Entscheidung genau die richtige für mich war: mich neben dem Schreiben auch der praktischen Umsetzung zu widmen. All mein Knowhow und meine Erfahrung weiterzugeben an andere, damit die ihre Steine auflösen können. Back to the roots als Coach und Trainerin. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich in Kürze hier erzählen werde.

Für heute gilt: habt ein wunderschönes Fest der Auferstehung und lasst euch vom Leben umarmen.

Bild: pixabay.com

EIN THEMA WIE KEIN ANDERES: TOD

Nichts gehört derart zum Leben wie der Tod. Er ist die natürlichste Sache der Welt, dennoch scheuen viele das Thema. Ich fing vor vielen Jahren (unfreiwillig) an, mich damit zu beschäftigen. Damals litt ich an Panikattacken verbunden mit Todesangst, die wie aus dem Nichts auftraten. Einmal saß ich in meinem damaligen Job am PC, arbeitete vor mich hin, als ich von einer auf die andere Sekunde das Gefühl hatte, nicht weiterleben zu können verbunden mit einer enormen Angst vor dem Sterben. In den Jahren zuvor hatte den langsamen Sterbeprozess einiger Verwandter miterlebt, und die Verdrängung in meinem Umfeld. Da war niemand, mit dem ich über meine eigene Angst vor dem Sterben hätte sprechen können. Also begann ich, Bücher über das Leben nach dem Tod zu lesen – vielleicht würde mir das die Angst nehmen. So einfach war es dann doch nicht, aber ich fand für mich zurück in einen „natürlichen“ Umgang mit dem Thema.

Nichts ist so gewiss im Leben wie der Tod. Der erste Atemzug definiert, das es auch einen letzten geben wird – früher oder später. Man nennt den Tod den großen Gleichmacher, weil er jedem bestimmt ist, unabhängig von Reichtum oder Macht.

Frühere Kulturen haben sich intensiv mit dem Tod und dem, was danach (vielleicht) kommt, befasst. Der Tod war ein zentraler Angelpunkt des Lebens. Man lebte in dieser Welt, um sich auf die nächste vorzubereiten. Heute wird das Thema in einer jugendverliebten Gesellschaft gerne an den Rand geschoben, möglichst weit weg. Doch dem Tod kann niemand entkommen – auch wenn viele so leben, als würde es ewig weitergehen. Das tut es nicht. Und mal ehrlich, ewiges Leben ist kaum erstrebenswert. Es gibt etliche Bücher und Filme, die sich spekulativ damit auseinandersetzen, wie ewiges Leben verlaufen könnte – kein einziger kommt zu einem Ergebnis, das aus meiner Sicht wirklich reizvoll ist.

Meine weise Nachbarin Lucy sagte einmal zu mir: „In der ersten Hälfte des Lebens geht es um Wachstum, Aufbau, seinen Platz im Leben zu finden und eine Familie zu gründen. In der zweiten Hälfte sollte es darum gehen, sich darauf vorzubereiten, all dies wieder loszulassen.“ Der Konjunktiv impliziert bereits, dass es (insbesondere in unserer Gesellschaft) eher selten der Fall ist. Wer beschäftigt sich schon frühzeitig mit seinem eigenen Ableben? Dabei liegt darin eine unterschätzte Chance.

Je mehr mir bewusst ist, dass meine Zeit hier auf Erden begrenzt ist, desto weniger möchte ich sie verschwenden – so lautet mein Zugang zu meiner eigenen Sterblichkeit. Wenn weniger Tage vor mir als hinter mir liegen (was statistisch ab ca. 50 der Fall ist), bekommen 10.950 Tage (= 30 Jahre) einen anderen Stellenwert.

Die eigene Sterblichkeit anzunehmen, kann auch dabei helfen, die Sterblichkeit anderer zu akzeptieren. Insbesondere wenn jemand „vor seiner Zeit“ geht, fällt es vielen schwer, loszulassen und der natürlichsten Veränderung der Welt zuzustimmen. Menschen wollen verstehen, warum jemand stirbt. Warum ihnen der geliebte Mensch genommen wird.

So wie das Leben weder gerecht noch ungerecht ist, ist auch der Tod weder gerecht noch ungerecht. Es sind einfach Ereignisse. Menschen versuchen, ihren Schmerz zu lindern, indem sie Sinn in die Ereignisse interpretieren. Das kann helfen, doch letztendlich geht es darum, seinen Frieden mit dem Tod zu schließen. Wir leben und wir sterben. Manche Menschen aus unserem Umfeld werden vor uns gehen, andere nach uns.

Wenn ich an die Bücher über das Leben nach dem Tod zurückdenke, dann war eine der Kernaussagen, dass die Verstorbenen traurig darüber sind, wenn die Lebenden zu lange und zu intensiv um sie trauern, anstatt sich wieder ihrem eigenen Lebensglück zuzuwenden – auch wenn Annahmen dieser Art nicht wissenschaftlich zu beweisen sind. Aber auch ohne Beweise – wenn ich an die Menschen denke, die ich „verloren“ habe, dann bin ich überzeugt davon, dass sie sich wünschen, ich möge ein langes und erfülltes Leben führen.

Vielleicht ist es weniger das Sterben, das Menschen fürchten, als das Vergessenwerden – oder das Alleingelassen werden. Oder nicht gelebt zu haben, bevor das Ende kommt. Oder zu wenig Zeit zu haben, um das Versäumte aufzuholen. Wie auch immer, den Tod zu negieren bringt keine Lösung.

Ob sich ein Mensch der Religion oder Spiritualität zuwendet, rund um das Thema Tod bleibt vieles Spekulation. Unser Verstand kann über das Ableben hinaus nicht existieren. Glauben und Vertrauen können wertvolle Begleiter sein, um Frieden zu schließen mit dem Unausweichlichen.  

Ein Gedanke, der mir dabei half, meiner eigenen Sterblichkeit zuzustimmen, ist jener: Wie kann ich das Leben im Hier und Jetzt genießen, wenn mich die Furcht vor dem Ende begleitet? All die Energie, die ich verwende, um dem Thema auszuweichen, kann ich Hier und Jetzt einsetzen, wenn ich das Unausweichliche umarme.

Lebensfreude wurzelt für mich darin, das Leben voll und ganz so anzunehmen, wie es ist, samt seinem natürlichen Ende.

Bild: pixabay.com

DIE SEELE EINER FRAU – UNGESCHMINKT

In einer Doku über weibliche Musikerinnen schnappte ich einen Satz auf, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Eine Stylistin sagte:

„Ohne Make-Up erblickt man im Gesicht eines Menschen seine/ihre Seele.“

Make-Up als Schutz? Eine Maske, um zu verbergen, wer man ist, was man fühlt, wie verwundet man wurde.

Solange ich zurückdenken kann, wurde auf meinen Gefühlen rumgetrampelt. Mitgefühl zu erwarten, führte allzu oft zu Enttäuschungen. Verständnis für das Unverständliche? Welche Alternative gab es, als eine Maske über die nächste zu legen, Schicht für Schicht jenen Schutz aufzubauen, der das Leben halbwegs erträglich machte. Meine Seele, meine Gefühle zu verbergen, Kopfmensch zu werden und die Stimme des Herzens auf lautlos zu schalten.

Seit Monaten wehrt sich etwas in mir mehr denn je gegen die Maske, will ich gesehen werden als die, die ich bin.

Täglich begegnen mir Menschen (vor allem Männer), die mich auf meinen Körper zu reduzieren versuchen und glauben, ein paar oberflächlichen Komplimente genügen, und ich springe dorthin, wo sie mich haben wollen. Menschen, die sich selbst als überlegen betrachten, und doch nur ein hohles Konstrukt sind, ein Kartenhaus auf Sand gebaut, ob es ihnen bewusst ist oder nicht. Menschen, die wie Zombies durch diese Welt stolpern, ohne lebendig zu sein.

Es mag Menschen geben, die Masken zum Schutz tragen. Es mag andere geben, die sich dahinter vor sich selbst verstecken. Es mag jene geben, die Masken nutzen, um ihre Ziele zu erreichen. Und auch jene, denen es an echtem Selbstwert mangelt ebenso wie jene die nicht glauben können/wollen, dass ihre wahre Schönheit erst sichtbar wird, wenn sie alle Masken fallen lassen.

Wahre Schönheit hat damit zu tun, mit Tränen in den Augen stark zu sein, inmitten der Stürme des Lebens zu sich selbst zu stehen, in Kauf zu nehmen, dass Vertrauen manchmal mit Narben auf dem Herzen endet, doch ohne Vertrauen gibt es keine Lebendigkeit. Ein Herz auf ewig hinter Mauern (oder Masken) zu verstecken lässt es irgendwann vertrocknen oder zu Stein werden.

Wenn das Gesicht erstarrt, in der Mimik keine Emotionen mehr erkennbar sind (dank Botox), können Neugeborene die Stimmung der Erwachsenen nicht mehr wahrnehmen und zuordnen lernen. Ein Defizit, dessen Auswirkungen wir erst noch zu spüren bekommen werden. Wie findet ein heranwachsender Mensch Zugang zu seiner Seele umgeben von hübschen, aber seelenlosen Gesichtern?

Ein ungeschminktes Gesicht ist immer natürlich. Make-Up erzeugt ein künstliches Bild. Optimiert? Verzerrt? Wahrheit? Lüge?

So viele Menschen suchen so vieles. So viele suchen Anerkennung, Liebe. So wenige zeigen, wer sie sind. So viele Seelen sehnen sich danach, gesehen zu werden.

Blick mir in die Augen.

Ich bin lebendig.
Wenn du mich verletzt,
wird es schmerzen,
doch die Wunde wird heilen
und ich werde wieder vertrauen,
denn Vertrauen ist das Licht meiner Seele.
Furcht und Zweifel sind wie Schatten,
die mich begleiten,
doch niemals bestimmen,
denn das Licht ist,
was ich für mich erwählt habe,
der Wahrheit ins Angesicht zu blicken,
und zu sein,
wer ich bin,
lebendig.

Was gibt es schöneres als das Gesicht eines Menschen, in dem nach einem langen Leben zwei Augen funkeln vor Lebensfreude und Dankbarkeit, für all das Erlebte, die sonnigen Tage ebenso wie stürmischen oder die verregneten.

Du blickst in eine Seele und begreifst, worum es wirklich geht im Leben.

Die wahre Schönheit eines Menschen entspringt dem Licht einer Seele, die sich offenbart, dem Herzen, das seine Liebe teilt, den Händen, die Halt geben und den Worten, die berühren – ungeschminkt.

In der Natur des Weiblichen ist es verankert, tiefe, verbindende Emotionen zu empfinden. Hunderttausende von Jahren genetischer Entwicklung verschwinden nicht einfach so. Darin liegt heute eine enorme Chance. Mehr denn je braucht diese Welt, brauchen wir Menschen, verbindende Emotionen, um Brücken zu schlagen über all die Abgründe, die wir in der Vergangenheit aufgerissen und mit Mauern zu Festungen ausgebaut haben. Weder Patriachat noch Matriarchat sind die Lösung, sondern jenes natürliche Gleichgewicht, das wir vor langem verloren haben.

Vor einigen Wochen fand ich im Netz folgenden Text:

Weisheit der Cherokee

Die höchste Berufung einer Frau ist es, den Mann zu seiner Seele zu führen, damit er sich mit der Quelle verbinden kann. Die höchste Berufung eines Mannes ist es, die Frau zu beschützen, damit sie frei und unverletzt auf der Erde wandeln kann.

Über diese Zeilen habe ich viel nachgedacht, habe alle Rollenbilder und Klischees rausgenommen, die Botschaft auf ihre Essenz reduziert, auf die Art und Weise, wie Mann und Frau miteinander umgehen sollten, unabhängig davon, wer wie viel Geld verdient, die Kinder betreut oder den Haushalt führt. Mann und Frau SIND unterschiedlich, Yin und Yang, doch gemeinsam ergeben sie ein Ganzes, wenn sie lernen, gemeinsam die Balance zu finden.

Leider etwas klischeehaft, doch täglich zu beobachten: viele Männer stecken im Ego fest, haben wenig Zugang zu ihren Gefühlen, noch weniger zu ihrer Seele.

Es ist an der Zeit, dass wir Frauen in unsere natürliche Weiblichkeit zurückfinden und all die künstlichen Erwartungshaltungen hinter uns lassen, um die Seelen der Männer wieder mit der Quelle zu verbinden, damit die Menschheit in ihre Balance findet mit sich selbst und ihrer Umwelt.

Einfach Mensch sein, mit Herz und Seele.

Eine Illusion? Vielleicht.

Eine Vision? Vielleicht eine, die inspiriert.

Ich habe lange nach einem Bild für diesen Beitrag gesucht und mich letztendlich für die Augen eines Kindes entschieden, die fragend-verträumt in diese Welt hinausblicken – eine Seele, die sich noch zeigt, wie sie ist.

Bild: pixabay.com

NACHSCHLAG ZUM WELTFRAUENTAG

Am 8. März saß ich bei meiner Friseurin. Sie ist alleinerziehende Mutter und Unternehmerin. Eine moderne, unabhängige Frau. Während ich bei ihr war, zeigte sie mir etliche Nachrichten, die sie über whatsapp erhielt. Glückwünsche zum Weltfrauentag, jede Menge Blümchen und Herzchen in der Art von Valentinstag oder Muttertag, süßlich naiv, die von meiner Friseurin allesamt in der Art von „Haben die denn keine Ahnung, worum es beim Weltfrauentag geht?“ kommentiert wurden.

Zum Drüberstreuen erzählte sie mir noch die Geschichte einer Frau, die sich gefragt hat, warum Männer in den sozialen Medien positive Rückmeldungen bekommen ohne geschminkt zu sein und ob das auch bei Frauen möglich wäre. Also machte sie von sich und ihrem Freund ein ungeschminktes Foto und stellte es online. Was kam, war teilweise erschreckend, um nicht zu sagen: unverschämt. Sie wäre unterdurchschnittlich hübsch. Wie könne sie es wagen, sich ungeschminkt zu zeigen. Das Ergebnis dieses Experiments: Sie tritt nur noch geschminkt vor die Kamera.

An diesem Punkt der Erzählung legte sich in mir ein Schalter um und ich begann meinerseits, mir Fragen zu stellen.

Drehen sich unsere Vorfahrinnen im Grab um, wenn sie das mitbekommen? Sie kämpften für das Recht auf Selbstbestimmung, Bildung, das Wahlrecht, Arbeiten gehen zu DÜRFEN, um aus der Abhängigkeit der Männer zu entkommen … Was würden sie darüber denken, müssten sie miterleben, wie moderne Frauen sich vorrangig über ihr Aussehen definieren?

Auf der einen Seite gibt es nach wie vor den Gender Pay Gap, verdienen Frauen bei gleicher Arbeit weniger als Männer. Auf der anderen Seite wird eine ungeschminkte Frau als unattraktiv wahrgenommen. Für mich geht das nicht zusammen. Das Aussehen sagt absolut nichts über Charakter oder Können einer Person aus. Aber wenn Frauen nicht mal mehr ungeschminkt den Müll rausbringen, damit niemand sieht, wie sie wirklich aussehen, dann sagt mir das einiges über das Selbstbewusstsein (oder das Fehlen desselben) jener Frauen.

An diesem 8. März wurde mir so richtig bewusst, dass es ein Diktat des Aussehens gibt und zu viele Frauen sich diesem unterwerfen. Sie öffnen bereitwillig Tür und Tor für Manipulation und Fremdbestimmung, lassen ihren Wert von anderen bestimmen. Das hat nichts mit Selbstbewusstsein oder Charakterstärke zu tun, doch genau das bräuchte es, damit Frauen respektiert werden und Gleichstellung eine gelebte Realität wird… auch ohne Binnen-I. Das Bewusstsein einer Gesellschaft zu verändern braucht mehr, als den perfekten Lidstrich. Es braucht Menschen, die Werte leben, auch bei unfreundlichem Gegenwind.

Wieder einmal bin ich unendlich dankbar dafür, dass es Menschen (Frauen und Männer) in meinem Leben gibt, denen es völlig gleichgültig ist, ob ich geschminkt bin oder nicht. Sie schätzen mich für meinen Charakter, meinen Humor und weil ich die bin, die ich bin … ungeschminkt und selbstbestimmt.   

Bild: pixabay.com