Wieder einmal sitze ich inmitten eines farbenprächtigen Sonnenuntergangs der Extraklasse oben auf dem Berg, inmitten einer tiefverschneiten Landschaft, tauche ein in meine Gedanken- und Gefühlswelt.
2024 geht in wenigen Tagen zu Ende. Was für ein Jahr! Die Krankheit meiner Mutter, ihr dennoch überraschend schneller Tod, dazwischen ein klein wenig mehr Chaos als „normal“ im Job … Phasen der Ruhe hatten Seltenheitswert und wenn es doch mal eine gab, dann dauerte sie nicht lange an. Zurückblickend habe ich den Eindruck, das Leben hätte entschieden, mich so richtig durchzurütteln, keinen (gedanklichen) Stein auf dem anderen zu lassen. Die Ereignisse schienen mir keinen anderen Weg zu lassen als alles (und vor allem mich selbst) erneut zu hinterfragen. Einiges an verschütteten Erinnerungen (und Blockaden) kam hoch, durfte von mir wahrgenommen und bearbeitet werden.
Von hier oben betrachtet hat das Leben wohl den Plan gefasst, jedes noch so kleine versteckte unrunde Steinchen aus meinem Rucksack zu rütteln. Einerseits absolviere ich derzeit eine Ausbildung (mehr dazu 2025), andererseits arbeite ich an einem neuen Buchprojekt (dazu ebenfalls mehr 2025) und reflektiere, was heuer so geschehen ist in meinem Leben, durchlaufe eine Art von Reboot, werde „neu aufgesetzt“… aber irgendwie durch und durch positiv, ganz so, als wäre ich bereit, alles andere loszulassen. Offenbar scheint die Zeit dafür gekommen. Wer bin ich, die Weisheit des Lebens in Frage zu stellen?
Die zufällige Begegnung mit dem Spruch „Innerer Frieden beginnt, wenn das Drama deiner eigenen Geschichte keine Kontrolle mehr über deine Gefühle und Gedanken hat (Angela D. Kosa)“ lässt mich Schmunzeln. Wie wahr, wie wahr … und gleichzeitig vermisse ich die Tiefe, die sich in diesen Worten verbirgt. Drama ist nicht gleich Drama. Da gibt es das laute, das leicht erkennbar ist, und das stille Drama, das oftmals übersehen wird und sich hartnäckig tief in uns festklammert, unser Leben zu dirigieren versucht, allzu häufig dabei erfolgreich ist.
Oder der Text eines Songs wird zu einem Spiegel des Lebens in den ich blicken darf, der mich an die Wahrheit in mir erinnert. Wahrheit ist weder gut noch böse, weder schön noch hässlich, weder richtig noch falsch, weder einfach noch kompliziert… Wahrheit IST, nicht mehr und nicht weniger als das Spiegelbild dessen, was es ist.
Da sind jene Momente, in denen die vor mir liegende Zukunft so klar erkennbar wird wie die Silhouette eines Scherenschnitts. In anderen handle ich auf eine Art und Weise, die ich nicht von mir kenne, dennoch habe ich das Gefühl, ganz ICH zu sein.
Magie der Raunächte? Wer weiß …
Aberglaube gehört nicht zu meinem Repertoire, böse Kobolde oder Dämonen sind vor mich eher im Menschen selbst verortet als Wesen im Außen. Jeder erschafft seine eigene Hölle – oder seinen eigenen Himmel. Oftmals steckt jedoch ein tiefsinniger Kern in alten Mythen, uralte Weisheit, die bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren hat. Von offenen Türen zur Geisterwelt wird da berichtet, vom richtigen Zeitpunkt zum Wahrsagen, von einer Zeit des Fastens (oder Entschleunigens = zur Ruhe kommen) … für mich alles Facetten dessen, was derzeit mein Leben bestimmt: Die Hektik des Alltags für einige Tage hinter mir lassen, mich in die Stille der Berge zurückziehen (vor und nach den Zeiten des Liftbetriebs ist es hier oben sehr still), mit meinen „Geistern“ (oder Persönlichkeitsanteilen) auf Vergangenes blicken und Kommendes visualisieren.
Ob nun tatsächlich magische Kräfte im Außen wirken oder ich es selbst bin, die Ordnung schafft im „Archiv Unterbewusstsein“ und dabei wertvolle Ressourcen aktiviert für das „Projekt Zukunft“ … who cares? Das Ergebnis zählt … eine dieser Wahrheiten, die sind. Punkt.😉
Bild: ein Traum von Sonnenuntergang, den ich heute miterleben durfte
Monat: Dezember 2024
WEIHNACHTSGEDANKEN
Wir sind alle nur auf der Durchreise. Nichts, von alldem, was wir heute in Händen halten, gehört uns wirklich. Es sind Leihgaben des Lebens, die wir am Ende retournieren werden.
Das Einzige, was wir nicht geliehen haben, sind unsere Erinnerungen, unsere Erfahrungen, unsere Gedanken.
Sie gehören uns.
Sie sind einzigartig – wie du.
Sie sind wertvoll – wie du.
Teile nicht, was morgen zu Staub zerfallen könnte.
Teile, was über dich hinaus weiterleben wird – in den Erinnerungen der anderen.
Teile deine Liebe.
Teile dein Lachen.
Teile deine Lebensfreude.
Folge deinem Herzen.
Bild AI-generiert
Frei.Geist(ig)
Von Zeit zu Zeit sorgt das Leben dafür, dass ich in einen Spiegel blicke. Meistens ohne Vorwarnung. Wäre dieser Blick mit angenehmen Gefühlen verbunden, würde ich dir nicht hier darüber berichten. Dieser besondere Spiegel hält sich an keinerlei Gesetze von Raum und Zeit. Etwas geschieht im Außen, jemand tut oder sagt etwas und zack – tauchen wie aus dem Nichts Erinnerungen auf an längst Vergangenes aus meinem Leben, samt den dazugehörigen Gefühlen. Wie gesagt, handelt es sich dabei um wenig erfreuliche, zumeist eher schmerzhafte Erinnerungen – manchmal blanke Wut.
Hier ein Beispiel dazu, dass auf den ersten Blick eher „harmlos“ anmutet (im Vergleich zu manch anderem aus meiner Vergangenheit), aber es geht hier nicht um einen Wettstreit der schlimmsten Erinnerungen, sondern darum, die Zusammenhänge nachvollziehbar zu machen.
Vor einigen Jahren besaß ich einen riesengroßen Plüschtiger, auf dessen Rücken gerne mein Stubentiger (ebenfalls gestreift) zu ruhen gedachte. Meine beiden Tiger 😊 Für mich waren beide etwas, dass mir wichtig war. Gewiss, lebendiger Tiger mehr als ausgestopfter Plüschtiger, dennoch waren mit beiden positive Gefühle und Gedanken verbunden. Eines Abends kam ich von der Arbeit nachhause und der Plüschtiger war verschwunden. Ich fand ihn ein paar Stunden später im Müllcontainer der Wohnhausanlage. Mein damaliger Lebenspartner hatte ihn „entsorgt“. Ohne mit mir darüber zu sprechen, hatte er einfach mal so entschieden, diesen Staubfänger, dem er nichts abgewinnen konnte, in den Müll zu werfen. Das tat echt weh! Jemand hatte über meinen Kopf hinweg entscheiden, als wäre ich Luft. Jemand anders hatte die Macht über mein Leben, die Kontrolle über mich. Was für mich wichtig war, zählte nicht. Meine Gefühle – belanglos. Erhob ich meine Stimme? Protestierte ich? Stellte ich diesen Jemand zur Rede? Nein! Es fehlte mir an Mut, Kraft, an allem, mich gegen diesen Übergriff zur Wehr zu setzen.
Um die Dimension dieses „harmlosen“ Ereignisses vollständig erfassen zu können, sollte ich noch erwähnen, dass ich zu jener Zeit bereits in einer Führungsposition tätig war. Eine taffe Managerin, die im Job erfolgreich jeden Irrsinn wieder auf Kurs bringen konnte… nur mein eigenes Leben nicht. Da versagte ich völlig.
Durch die Brille der Transaktionsanalyse betrachtet, war mein damaliger Lebenspartner in der Rolle des kritischen, wertenden, disziplinierenden Eltern-Ichs unterwegs und ich in jener des angepassten Kind-Ichs, dass schweigend (leidend) alles runterschluckte, unfähig die eigene Stimme zu erheben.
Präzise jene Erinnerung wurde kürzlich durch ein Ereignis getriggert, bei dem ich Zeugin wurde, wie jemand davor zurückscheute, seine Stimme zu erheben. Der Blick in den Spiegel ohne Vorankündigung. Plötzlich waren sie wieder da, all die schmerzhaften Gefühle und Gedanken.
Heute lebe ich nach dem Grundsatz: Wenn mein Unterbewusstsein eine Erinnerung an die Oberfläche des Bewusstseins kommen lässt, dann weil es volles Vertrauen in mich hat, dass ich damit umgehen kann. Deshalb nehme ich derartige Trigger als Chancen an, mich weiterzuentwickeln.
In der Praxis lief das wie folgt ab:
• Zuerst einmal an paar tiefe Atemzüge, ganz langsam, bewusst nachspüren, wie sich mit jedem Atemzug die Ruhe tiefer in mir ausbreitet. Den Sturm beruhigen, das Feuer eindämmen, zu den aufgewühlten belastenden Emotionen bewusst einen Gegenpol erschaffen, um die Balance wiederherzustellen.
• Im nächsten Schritt wende ich mich meinen Gedanken zu, stelle mir vor, aus der Situation herauszutreten und sie von außen zu betrachten, wie einen Film. Das hilft mir dabei zu erkennen, dass jenes Ereignis zustande kam, weil (in diesem Fall) zwei Menschen sich so verhielten, wie sie es taten. Jeder von diesen beiden hätte auch die Möglichkeit gehabt, sich anders zu verhalten. Aber beide folgten ihren tradierten Verhaltensmustern – nicht mehr, und nicht weniger. Keine Vorwürfe, Schuldzuweisungen, Wertungen oder dergleichen, die mich an die Vergangenheit fesseln und es dadurch unmöglich machen, den Schmerz loszulassen und frei zu werden.
• Danach sage ich mir selbst, dass all dies weit in der Vergangenheit zurückliegt, ich es trotz allem gut überstanden habe und heute hier bin.
Gut gelöst, oder? Nicht ganz. Was auf den ersten Blick wie eine gelungene Intervention aussieht, versteckt noch eine echt fiese Fallgrube. Mich mit dem Ereignis an sich auszusöhnen, war relativ einfach, wenngleich erst die halbe Miete. Mit entsprechender Übung gelingt das von mal zu mal schneller und leichter. ABER eine (zum Glück nicht mehr) Perfektionistin wie ich schafft es postwendend, neue destruktive Gedanken zu kreieren.
„Wie konnte ich nur so blöd sein? Warum habe ich mir das Gefallen lassen? Wie viel meiner Lebenszeit habe ich versch* in den Satz gesetzt? Warum habe ich nicht früher …“
Mir würde noch einiges einfallen, aber ich denke, der Punkt ist klar. Selbstdemontage, Selbstzerfleischung, Selbstvorwürfe, Selbstanklage … wie oft bin ich in diese Fallgrube gestürzt, bin jenen Gedanken (jenem Pfad) gefolgt, den andere vor mich ausgelegt haben.
Lass diese Gedanken bitte mal sacken.
Es gab in meiner Vergangenheit Menschen, die haben mich schlecht behandelt. Sie haben einen Pfad für mich ausgelegt. Jedes Mal, wenn ich mich selbst schlecht behandle, ohne Wertschätzung, lieblos, achtlos oder gar fahrlässig mit mir selbst umgehe, folge ich diesem Pfad. Dann haben jene Menschen indirekt wieder die Macht über mich und die Kontrolle über mein Leben. Will ich das? Nein, deshalb folge ich MEINEM PFAD. Schluss mit Selbstdemontage!
Auf meinen Pfad begleiten mich Gedanken wie „Ja, ich habe so gehandelt. Damals. Heute ist es anders. Heute be-STIMME ich über mein Leben und erhebe auch meine STIMME, wenn die Situation es verlangt.“
Erst jetzt bin ich wirklich frei im Denken, frei im Geist – oder eben Frei.Geist(ig). Dazu gehört eine große Portion Achtsamkeit.
Weil’s gerade so schön passt, hier noch ein Frei.Geist(iger) Gedanke:
Früher hatte ich das Ziel, all das (Borderline) hinter mir zulassen. Frei zu werden von solchen „Blicken in den Spiegel“, die stets auch das Risiko eines Absturzes in sich tragen. Ein wunderschönes Ziel. Ein fantastisches Ziel im Sinne von „im Reich der Fantasie“ anzusiedeln bzw. in der Realität nicht erreichbar. Warum? Ganz einfach. Manche Triggerpunkte lernte ich im Laufe der Zeit kennen, aber eine unbekannte Anzahl verbirgt sich in den Tiefen meines Unterbewusstseins – so wie jener, von dem ich dir hier erzählt habe. Was im Unterbewusstsein liegt, ist uns so lange unbewusst, bis es ins Bewusstsein aufsteigt. Woher soll ich also wissen, wann alle Triggerpunkte aufgelöst und das Ziel erreicht ist? Die Nicht-Erreichung des Zieles – und somit das Scheitern – sind quasi bereits im Ziel enthalten. Enttäuschung bzw. Versagen vorprogrammiert. Falscher Pfad. Eindeutig keine Strategie, um zurück in die Umarmung des Lebens zu finden. Daher konzentriere ich mich darauf, mit all dem, was da kommt – auch Blicke in den Spiegel ohne Vorankündigung – gut umgehen zu können und meinem eigenen (Gedanken)Pfad zu folgen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Das Beitragsbild ist AI-generiert. Spannend, wie ein AI-Assistent meine Worte in ein Bild verwandelt.
NUR EIN TRAUM?
Es war einmal ein Menschenkind, dessen Lebensweg geprägt war von vielfältigen Erlebnissen – auch solche, auf die es gerne verzichtet hätte. Einiges war schiefgelaufen, manches war schmerzhaft gewesen, vieles davon geschehen, als dieses Menschenkind noch sehr klein gewesen war. In einer Zeit, in der sein Zuhause ein schützender Hafen hätte sein sollen, wurde es schutzlos und hilflos auf einem stürmischen Ozean hin und her geworfen. Mehrmals schien es dem Untergang geweiht. Doch dieses Menschenkind war stark. Allen Widrigkeiten zum Trotz wuchs es heran, erschuf für sich ein Leben in Sicherheit und – Geborgenheit?
Eines Tages erwachte das Menschenkind mitten in der Nacht an einem seltsamen Ort. Rundum war es kalt und dunkel. Sein Atem hallte als durchdringendes Echo von den unsichtbaren, jedoch erahnbaren Wänden wider. Kaum etwas konnten seine Augen erkennen in der düsteren Finsternis, dennoch war da die unerklärliche Gewissheit, diesen Ort zu kennen. Wie war es hierhergekommen? Während es noch fragend um sich blickte, erschien plötzlich ein winziges leuchtendes Wesen vor seinem Gesicht.
[Winzig?]
Ganz so klein war es dann doch nicht, denn das Menschenkind blickte in das Gesicht eines Schmetterlings …
[Schmetterlingselfpraktikantin, wenn ich bitten darf. Es ist kurz vor Weihnachten. Hochsaison. Da helfen alle zusammen.]
… in das Gesicht einer offensichtlich resoluten Schmetterlingselfpraktikantin, deren glitzernde Flügel in der Dunkelheit magisch funkelten – ebenso wie ihre Augen mit einem Ausdruck, der irgendwo zwischen frech und herausfordernd anzusiedeln war. Mit offenem Mund starrte das Menschenkind auf das, was sein Verstand in keinster Weise verarbeiten konnte – und wollte.
„Na wunderbar, da habe ich ja wieder mal das große Los gezogen. Skepsis ohne Ende, Zweifel bis zum Abwinken … warum erwischt es eigentlich immer mich?“ murrte das schwebende Wesen missmutig, aber unüberhörbar vor sich hin.
Das Menschenkind zuckte zusammen. Das flatterhafte Wesen klang völlig anders als sein Aussehen vermuten ließ. Wenig feenhaft, eher wie ein Grinch.
„Das liegt daran, dass ich auch keine Fee bin, sondern eine Schmetterlingselfpraktikantin … und wir das bitte nicht im Detail ausdiskutieren. Mein Auftrag lautet, dir etwas zu zeigen. Sieh dich mal um.“
Ohne genau begründen zu können warum, folgte das Menschenkind dieser Anweisung und blickte in die Düsternis und Kälte rund um sich. Da war nicht viel zu erkennen. Alles wirkte hart, unnahbar, erstarrt, leblos. Selbst die Luft schien seit Ewigkeiten an diesem Ort zu verharren.
„Das trifft es ziemlich gut. Hast du eine Idee, wo du bist?“
Wortlos verneinte das Menschenkind mit einem Kopfschütteln.
„Dann werde ich deinem Gedächtnis mal auf die Sprünge helfen. Komm mit“, forderte die Schmetterlingselfpraktikantin und schwebte flügelschlagend zur Seite, erhellte dadurch den Raum an dieser Stelle. Vertrocknete Pflanzen wurden sichtbar. Blüten, die einst voller Farbenpracht waren, und nun nur noch farblos, verdorrt.
„Das sind all die liebevolle Worte und Gedanken, die du in dir geboren und niemals in die Welt entsandt hast.“
Überrascht – und entsetzt – starrte das Menschenkind abwechselnd auf den Haufen am Boden und das Wesen darüber. Liebevolle Worte und Gedanken?
„Das ist noch nicht alles.“
Mit kräftigen Flügelschlägen steuerte es auf eine Wand zu, die genau genommen keine Wand, sondern eine Schleuse war, zugemauert, verriegelt und scheinbar für alle Zeiten verschlossen mit mächtigen Ketten – ganz so, als sollte niemals etwas von der anderen Seite hierhergelangen.
„Dahinter eingesperrt sind alle jene liebevollen Gefühle, die du niemals zugelassen hast. Sie hätten die Worte in die Welt hinausbegleitet und ihnen den Zauber verliehen, andere Menschenkinder zu berühren. Doch stattdessen verbirgst du sie hier, aufgestaut, verstärkst Jahr für Jahr die Mauer, die sie zurückhält.“
Dem Menschenkind stockte der Atem. Allmählich begann es zu ahnen, welcher Ort dies hier war. Mächtig wurde der Wunsch, die Augen vor all dem zu verschließen …
„… wie du es bisher getan hast und immer noch tust? Nicht mit mir! Mein Auftrag lautet, dir die Augen zu öffnen – so wie du die Fenster öffnen sollst, die so vieles einsperren und noch viel mehr aussperren.“
Aus den Schatten der Dunkelheit erhoben sich Umrisse, zeichneten sich Öffnungen ab, durch die einst eine Verbindung bestanden hatte, zu jenen, die außerhalb waren, außerhalb …
„… deines Herzens, dass du vor langer Zeit verschlossen hast.“
Stille breitete sich aus. Stille, durchbrochen nur von einem dumpfen Pochen jenes Herzens, in dem eine unsagbare Schwere spürbar war.
„Aber wenn ich das nicht getan hätte, wenn ich all die Mauern und Ketten nicht erschaffen hätte, mein Herz wäre in all dem Leid und Schmerz zerbrochen“, erhob das Menschenkind erstmals seine Stimme.
„Vielleicht wäre es das, vielleicht auch nicht. All das liegt so lange zurück, dennoch hältst du an den Mauern und Ketten fest“, entgegnete die Schmetterlingselfpraktikantin überraschend milde. „Wird es nicht allmählich Zeit, dein Herz wieder dem zu öffnen, was es wahrhaft stark macht?“
Tausend widersprüchliche Gedanken kreisten im Geist des Menschenkindes. So viele Risiken, Gefahren, mahnende Erinnerungen. So wenig im Vergangenen, das Hoffnung schenkte. Woher das Vertrauen nehmen? Woher die Kraft?
„Alles, was es braucht, ist längst da – im Überfluss.“ Mit diesen Worten deutete das schwebende Wesen mit sanften Flügelschlägen auf die Staumauer. „Öffne die Schleuse ein wenig und beobachte, was geschieht.“
Zögerlich folgte das Menschenkind der Aufforderung, voller Skepsis, Befürchtungen, jedoch auch mit einer unerklärlichen Zuversicht. Die aufgestauten Gefühle suchten und fanden ihren Weg zu jenen Worten, die verdorrt am Boden lagen, füllten diese mit Liebe und Lebensfreude, ließen auf wundersame Weise einen blühenden Garten entstehen, der mit jedem Atemzug weiterwuchs, farbenprächtiger wurde, duftend nach unzähligen Blüten. Selbst eine sanfte Brise wurde nun spürbar, wärmende Sonnenstrahlen, das Leben selbst kehrte zurück in ein Herz, dessen Pochen von Minute zu Minute leichter wurde, freier.
„Die Fenster“, schubste die Schmetterlingselfpraktikantin das staunende Menschenkind an, das daraufhin begann, all die Ketten, Riegel und Schlösser zu entfernen.
Kaum waren die Fenster geöffnet, erhoben sich unzählige der farbenprächtigen Blüten in die Luft, wurden von der sanften Brise als liebevolle Worte hinaus in die Welt getragen. Gleichzeitig strömten all jene liebevollen Worten, die so lange ausgesperrt geblieben waren, in das Herz hinein, vermischten sich mit all dem, das bereits da war, wurden mehr und mehr. Mal waren es bunte Blüten und Blätter, mal ein farbenprächtiger Sonnenaufgang, funkelnde Schneeflocken, majestätische Berggipfel, rauschende Wälder, kristallklare Bergseen oder eine Umarmung, die mehr war als nur die Berührung zweier Körper.
Staunend beobachte das Menschenkind all das, fürchtete für einen kurzen Augenblick, das Herz würde all dem nicht standhalten und zerspringen – doch dann erkannte es, dass sein Herz zu wachsen begann, mit jedem liebevollen Wort, welches es in die Welt hinaussandte, ebenso wie mit jedem liebevollen Wort, das ihm geschickt wurde. Licht in allen Farben des Regenbogens durchflutete das Herz, das Lachen einer Kinderstimme die vorübergehend verstummt war und nun wieder seinen hellen Klang mit der Stimme des Menschenkindes vereinte. Tiefer Frieden erfüllte das Menschenkind, dass für einen Augenblick seine Augen schloss und in sich hineinfühlte, die Geborgenheit rundum und in sich spürend.
Als es wieder in die Welt hinausblickte, lag es unter der Bettdecke. Vor dem Fenster dämmerte ein neuer Tag. In seiner Brust schlug ein kraftvolles, liebevolles, freies Herz. Alles nur ein Traum? Wer weiß …
Text: 100% Lesley B. Strong (no AI ;-))
Bild: AI wordpress
ICH BIN ALLEIN. BIN ICH ALLEIN?
Heute beginnt die Adventszeit, die eine Zeit der Besinnung und des zur Ruhekommens sein sollte. Für mich wird es dieses Jahr definitiv, denn der heutige Tag begann bereits mit einem Einblick, den ich so nicht erwartet hätte. Aber der Reihe nach …
Seit kurzem beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Resilienz. Was aus beruflichem Interesse begann, zeigte sich schnell als ebenso interessant für meine Selbstreflexion. Ich habe Monate der mehr als überdurchschnittlichen Belastung hinter mir. Monate, in denen ich mich mehr und mehr von der Außenwelt zurückgezogen habe. Außerhalb des Jobs weiche ich Menschen aus, will nur noch meine Ruhe haben, gehe in eine Art von Isolation. Warum? Antworten auf diese Frage fand ich „zufällig“ in einem Skriptum über Resilienz.
Zum einen gibt es da die fünf psychologischen Grundbedürfnisse (in Anlehnung an Klaus Grawe). Darunter das Bedürfnis nach Bindung, also Nähe zu anderen Menschen. Also das Gegenteil von Isolation. Zum anderen neigen Menschen dazu, unter Belastung in die (vertrauten) Muster der Vergangenheit zurückzufallen.
Mit diesen beiden Perspektiven im Kopf bin ich heute um 05:30 h morgens aufgewacht und blickte in einen (imaginären) Spiegel, sah die Antwort glasklar vor mir, fühlte die Stimmigkeit:
Meine Kindheit war geprägt davon, „allein“ zu sein. Spätestens im Alter von 3 Jahren verlor ich durch „die Bestrafung des Aussetzens im Krankenhaus“ (so mein damaliges Gefühl als 3jährige) jegliche sichere Bindung an Bezugspersonen in meinem Umfeld. Von diesem Augenblick an gab es niemanden, zu dem ich Vertrauen hatte oder wo ich mich geborgen fühlte. Die sichere Bindung ging verloren, möglicherweise sogar die unsichere Bindung. So sehr ich auch nachdenke, es gab in meinem Umfeld keine Person, die mich nicht auf die eine oder andere Weise gedemütigt und verletzt hatte. Niemanden, wo ich mich geborgen fühlte. Am ehesten wäre das noch bei meiner Großmutter möglich gewesen, aber um sie zu besuchen, musste ich in das Haus meiner Tante und meines Onkels. Letzteren fürchtete ich bereits als Kind, empfand ihn als bedrohlich.
Da niemand da war, um für mich – das kleine schutzsuchende Kind – da war, zog ich mich zurück in die emotionale Isolation, ließ niemanden mehr an mich heran, um nicht verletzt zu werden. Selbstredend scheiterte ich, weitere Verletzungen, Demütigungen, Übergriffe folgten. Einzig meine imaginäre Welt bot mir Zuflucht, einen Ausweg aus meiner Isolation …
… jene Isolation, in die ich in den vergangenen Wochen zurückgekehrt bin. Haben die Belastungen (also Stress) die Muster meiner Kindheit reaktiviert? Es scheint so. Aber hinter dieser (oberflächlichen) Erkenntnis, verbirgt sich noch eine wesentlich tiefgreifendere: Bis heute habe ich noch nie eine sichere Bindung zu einem mir nahestehenden Menschen erlebt. Durch sämtliche Beziehungen – insbesondere zu Lebenspartnern – zog sich der rote Faden „es kann jederzeit vorbei sein“. Was blieb, seit meinem traumatischen Kindheitserlebnis, ist die erdrückende Angst vor dem Verlassenwerden (eines der „typischen“ Symptome von Borderline).
Heute bin ich groß und stark, weiß, dass ich überlebe, wenn sich jemand aus meinem Leben entfernt. Ich kann den vorübergehenden Schmerz aushalten. Aber ich lasse ich überhaupt das Risiko zu, verletzt zu werden? Lasse ich jemand tatsächlich an mich heran? Möglicherweise einige Zeit, in der ersten „Verliebtheit“ – und dann aktivieren sich die rationalen Schutzschilde, scheinbar reflexartig. So wie ich es in meiner Kindheit erlernt habe.
Tief in mir wirken meine Erfahrungen aus der Vergangenheit und ziehen in der Gegenwart jene Menschen in mein Leben, die zu diesen Erfahrungen passen – und Unsicherheit mit sich bringen. Das, wonach ich mich seit langem sehne, was nichts anderes als ein urmenschliches Grundbedürfnis ist, eine sichere Bindung zu einem anderen Menschen, scheint (im Moment) unerreichbar.
DAS muss ich erstmal sacken lassen!
In diesen Spiegel zu blicken und NICHT in die Opferrolle zu fallen, das hat mich mein bisheriger Lebensweg gelehrt.
Es ist, was es ist.
Wenn mein Unterbewusstsein mich um 05:30 Uhr mit diesen Erkenntnissen aufwachen lässt, dann ist es felsenfest davon überzeugt, dass ich bereit bin, in diesen Spiegel zu blicken und mich dieser Aufgabe zu stellen. Wer bin ich, daran zu zweifeln?
Immerhin, es gibt einige Menschen in meinem Leben, zu denen ich eine Art von „sicherer Bindung“ auf freundschaftlicher Ebene verspüre. Das ist doch schon mal ein Anfang. Und ich habe Jana und Jan, die es geschafft haben, ihre Verletzungen zu überwinden und gemeinsam in die Geborgenheit zu finden. Fiktion? Ja, ABER mit starken Emotionen hinterlegt, MEINE (noch fiktive) Geschichte. Ich denke, im ersten Schritt werde ich eine weitere Schleife mit JAN/A drehen, dabei in meinen Spiegel blickend, und meine Aufmerksamkeit in mich hineinlenken.
Eine Antwort auf eine hier heute nicht erwähnte Frage habe ich bereits für mich gefunden: woran ich erkennen werde, dass ich bereit bin im realen Leben eine sichere Bindung einzugehen.
„Wenn du es dir vorstellen kannst, dann kannst du es tun.“ (Walt Disney)
Bild: pixabay.com




