Es gibt Phasen in meinem Leben, in denen mein System eine Sendepause einlegt. Entweder geschieht zu dieser Zeit sehr viel im Umfeld, oder es gibt gravierende Veränderungen, oder beinahe Vergessenes meldet sich zu Wort, oder irgendetwas anderes beschäftigt mich. Oder alles zusammen. In diesen Zeiten pausiert meine sonst überbordende Kreativität. Ich nehme wahr, verarbeite, reflektiere. So wie an diesem Wochenende. Ich wollte an meinem aktuellen Buchprojekt weiterarbeiten. Stattdessen habe ich die Bergluft genossen und bin frei von Gedanken über Skipisten geflitzt, meine Aufmerksamkeit völlig auf das fokussiert, was ich gerade tat. Manchmal ist es wichtig, dem Denken eine Sendepause zu gönnen. Einfach nur zu leben. In ein paar Tagen gibt es sicherlich inspirierende Gedanken zu teilen, die heute bereits in mir schlummern und sich zum richtigen Zeitpunkt zeigen werden.
Bis dahin, genießt euer Leben, taucht ab und zu vielleicht in eine Sendepause ab und vertraut darauf, dass die Welt sich weiterdreht, weil sie das schon seit langem tut und noch lange tun wird.
Zur Abwechslung gibt’s diesmal wieder ein echtes Bild, aufgenommen von mir, frei von jeglicher Nachbearbeitung.
Autor: Lesley B. Strong
DAS MACHT ETWAS MIT MIR
Blicke ich in die Welt hinaus, schaudert mir. Öffne ich meinen Webbrowser, poppen Schlagzeilen voller Gewalt auf; Katastrophen und Unheil. Manche nennen die Social Media Plattformen die Müllhalden des guten Benehmens. Menschen in machtvollen Positionen postulieren Aussagen voller Intoleranz, Geringschätzung, Ablehnung bis hin zu Hass, bei gleichzeitiger Selbstüberschätzung, Anmaßung und Hybris. Lausche ich in den Öffis auf die Worte außerhalb meiner Ohrstöpsel nehme ich Oberflächlichkeit wahr, beobachte egoistische (um nicht das Wort „rücksichtlose“ zu verwenden) Handlungen. Eine Einstellung im Sinne von „Ich zuerst, danach lange nichts“. Gesunde Lebensweise wird gepredigt, gesunde Lebensmittel werden ständig teurer, die günstigen immer mehr „Junk“, hochverarbeitete Industrieprodukte aus billigsten Rohstoffen. Rauchverbot klingt vordergründig gut, aber den Verkauf von Tabak will niemand einschränken, zu verlockend sind die daraus generierten Steuereinnahmen. Selbiges gilt für Treibstoff. Es gibt x Studien, die aufzeigen, was Menschen krank macht – doch außer temporäre Empörung geschieht nicht viel. Eintagsfliegen. Fatalismus. Die Menschheit steuert sehenden Auges auf ihre Selbstauslöschung zu.
„Das macht etwas mit mir.“
Diese Aussage höre ich häufig leise geflüstert, begleitet von einem Gefühl der Verzweiflung – mitunter sogar Resignation. Selten spreche ich die folgenden Worte laut aus, denn …
Das macht auch etwas mir mit. Es macht genau das mit mir, was ich zulasse, dass es tut. Lasse ich mich von all dem in eine dystopische Stimmung ziehen? Macht es mich depressiv? Fühle ich mich dem ausgeliefert – ein Opfer? Oder anerkenne ich, was es ist, ohne all dem die Macht über mich, mein Fühlen und mein Denken zu geben?
Es ist MEINE Entscheidung!
All das, was „falsch läuft“ kann ich nicht verändern – aber ich kann verändern, wie es auf mich wirkt. Lasse ich mich reinziehen in die destruktive, lebensfeindliche Energie? Oder bleibe ich meinem konstruktiven, lebensbejahenden Weg treu?
Meine Entscheidung!
Das macht etwas mit mir – das kann es nur, wenn ich die „Macht“ abgeben, an andere Menschen, Umstände, Medien …
Will ich das – die Macht über mich, mein Denken und mein Fühlen, an andere abgeben?
Es geschieht subtil. Ein unachtsamer Moment, und ich werde in den Strudel hineingezogen, tiefer und tiefer in jenes „schwarze Loch“, das andere erschaffen haben, auf dessen Boden sie sitzen und – so scheint es – keinen Weg herausfinden. Vielleicht auch gar nicht realisieren, wo sie gestrandet sind.
Dem Strudel zu widerstehen, erfordert Energie, aktiv anderes zu denken und zu fühlen, trotz jener „Realität“, die manchmal unveränderbar scheint, es aber nicht ist. Realität ist genau genommen frei von Wertung. Ereignisse sind. Punkt. Jeder Mensch entscheidet für sich selbst, ob positiv oder negativ. Abhängig von dieser Entscheidung, wirkt ein und dieselbe Realität unterschiedlich auf Menschen. Es geht nicht um Schönzeichen. Gewalt und Zerstörung können durch nichts geschönt werden. Es geht darum, kein Teil davon zu werden, sich nicht anstecken zu lassen von der Negativität, die sich übers Fühlen und Denken in die Seele schleicht und diese zerfrisst.
Wenn alles rundum nach unten zieht, ist es umso wichtiger, oben zu bleiben.
Wenn manche lauthals verkünden, wie schlecht alles ist, gilt es den Blick auf all das Gute zu richten, dankbar zu sein, für das eigene Leben und jeden Augenblick, jede Erfahrung, die mich als Mensch weiterbringt. Es gilt, kein Nährboden für die Saat jener zu werden, die in sich Konflikte tragen und Kriege im außen führen. Frieden kann nicht erzwungen werden. Frieden ist die Entscheidung, den Krieg (und den Konflikt in sich) zu beenden und Verantwortung für sich selbst, das eigenen Denken und Fühlen zu übernehmen.
Was auch immer da draußen geschieht, es macht etwas mit mir – es macht das, was ich entscheide, dass es tun darf.
Ich sehe die Ereignisse, höre die Aussagen, dennoch glaube ich an das Gute im Menschen, bin dankbar für eine Blume am Wegesrand, zufrieden mit meinem Leben, neugierig auf das Morgen, entscheide mich zu vertrauen.
Wer die Welt verändern will, muss bei sich selbst anfangen.
Andere mögen schwarze Löcher graben, ich baue Brücken aus Licht zu den Seelen der Menschen. Auch das tut etwas mit mir – und vielleicht auch mit anderen?
Bild: KI-generiert
GEFALLENE ENGEL
Diese Zeilen widme ich jenen, die sich darin wiederfinden – und einem „ziemlich erwachsenen Menschenkind“, welches mich heute zu diesen Zeilen inspiriert hat.
In deinem Leben ist so einiges schiefgelaufen. Du wurdest verletzt, hast Scheiße gebaut, bist tief gefallen, warst ganz unten – und hast doch deinen Weg zurück gefunden in dein Leben. Du musst nicht mehr laut werden, um deiner Stimme Kraft zu verleihen. Deine Worte sprechen für sich. Kämpfe hast du einst unzählige gefochten. Heute entspringt deine Stärke der Sanftheit deines Herzens, denn nur wer Frieden in sich gefunden hat und die eigene Dunkelheit umarmt, hat den Kampf gewonnen. Du blickst auf die Menschen, siehst sie durch jene Sümpfe und Wüsten ziehen, durch die du einst selbst geirrt bist, siehst sie blind vorbei laufen an all den Wegweisern, die du einst selbst ignoriert hast – doch auch sie müssen ihren Weg auf ihre Weise finden. An manchen Tagen wirst du zur Zielscheibe dessen, was andere in sich zu lösen haben – das schmerzt. Bei allem Verständnis, aller Liebe, fällt es manchmal doch schwer, dem zuzustimmen.
Manche meinen einen Engel in dir zu erkennen, ein magisches Leuchten wahrzunehmen, eine unbändige Energie zu spüren, und die Gelassenheit, die jene ausstrahlen, die nichts zu verlieren haben, weil sie nichts besitzen müssen. Selbst ihr Leben betrachten sie als Geschenk, einzigartig, wertvoll und unwiederbringlich – wie jeder einzelne Augenblick davon.
Ich weiß nicht, ob du ein Engel bist, aber ich weiß dieses:
Du verleihst dem kollektiven Bewusstsein der Menschheit Tiefgang, denn deine Gedanken bleiben selten an der Oberfläche.
Du bringst das Liebevolle ins kollektive Fühlen der Menschheit, denn nur wer seiner Bedürftigkeit entwachsen ist, vermag wahrhaft und frei zu lieben.
Du trägst ein Licht in dir, das tagsüber ebenso hell erstrahlt, wie es nachts am Sternenhimmel leuchtet, doch nur jene, die mit dem Herzen blicken, vermögen es zu sehen, mitsamt seinem dunklen Kern, der stets daran erinnert, wo du einst warst und das sich nur erheben kann, wer zuerst gefallen ist.
Durch dich wird diese Welt ein Ort der Hoffnung.
Danke, dass es dich gibt.
Bild: KI generiert
DIE KRAFT DER STILLE
Das neue Jahr hat gleich zu Beginn eine äußerst interessante Lektion für mich: Kehlkopfentzündung samt viralem und bakteriellen Infekt = out of Order. Oder anders gesagt: eine Woche des Schweigens, die nun hinter mir liegt – und eine spannende Erfahrung.
Nie zuvor habe ich so lange geschwiegen, weder freiwillig noch unfreiwillig. Geschätzt habe ich in der vergangenen Woche in Summe 100-150 Wörter in der Arztpraxis sowie der Apotheke gekrächzt. Nur das absolut Notwendigste. Darüber hinaus … Stille.
Eine Stille, die sich allmählich auch in meinem Denken ausbreitete – und meinem Körper. Puls 51 – das nenn ich mal Gelassenheit 😉
Kommunikation ist wichtig, aber wie viel Worte braucht es wirklich? Und welche sind es?
Aus meiner „silent bubble“ auf die Welt blickend, fällt mir auf, dass Kommunikation häufig so abläuft: jemand sagt etwas, wirft quasi einen Stein in einen ruhenden See zwischen sich selbst und den anderen. Dieser Stein plumpst ins Wasser, löst dabei Wellen aus, die sich konzentrisch ausbreiteten und alle erreichen rund um den See. Doch bevor noch diese ersten Wellen abgeflaut sind, wird der nächste Stein ins Wasser geworfen, und der nächste … dieser Prozess setzt sich laufend fort, während die ersten Wellen die Ufer erreichen und zurückgeworfen werden, auf die nächsten herannahenden Wellen treffen … alles wird mit allem verwirbelt. Jede Botschaft (bzw. Welle) für sich transportiert eine Botschaft, ein Gefühl, eine Stimmung, die im Wirbel untergeht.
Ein Teil von mir nimmt bereits seit längerem eine Art von „Reizüberflutung“ in der Umwelt wahr, doch erst diese Woche der Stille, meines Schweigens, ließ jenes Bild entstehen. Wir können vielleicht noch die oberflächliche Botschaft hören, aber all das, was die Wellen noch mit sich tragen, bleibt der Wahrnehmung verborgen – dennoch wirkt es auf uns. Unsere Umwelt ist im wahrsten Sinne des Wortes überflutet. Selektiv picken wir für uns heraus was uns wichtig erscheint, während alles andere ungefiltert über uns hinweg rollt.
Eine dramatische Schilderung?
Vielleicht – vielleicht auch nur realistisch.
Unsere Sinne sind so viel feiner, als unser Bewusstsein uns glauben machen will. Seit Jahren steige ich in die U-Bahn nur noch mit Stöpsel in den Ohren und für mich positiver Musik ein, dennoch fühle ich mich selten wohl darin, spüre Anspannung, etwas, das mich bedrückt … die Wellen der anderen branden gegen mein Ufer, ob ich will oder nicht.
Was ich hier bildlich-naiv beschreibe, lässt sich wissenschaftlich-fundiert belegen. Doch auch ohne harte Fakten, die meisten von uns kennen das Gefühl, inmitten von Menschen zu sein, die uns runterziehen, ohne dass sie direkt etwas gegen uns tun. Oder das gegenteilige Gefühl, durch eine Gruppe getragen, inspiriert und motiviert zu werden. Keiner von uns ist immun gegen das, was die Wellen mit sich transportieren.
Durch meine Woche des Schweigens bin ich (hoffentlich langanhaltend) noch achtsamer geworden für das, was ich aussende, in Worten ebenso wie in Gedanken. Letztere können wir zwar nicht hören (und wer’s dennoch glaubt, sollte vielleicht ein paar ernsthafte Gespräche führen), aber wir können die Stimmung dahinter spüren – bewusst oder unbewusst.
Braucht es tatsächlich die Sintflut an Worten und Botschaften? Oder ist weniger mehr? Abseits vom Highway der Kommunikation liegt die Oase der Stille, ein Ort der Kraft, den zu entdecken sich lohnt.
Das heutige Beitragsbild wurde von der WP-KI generiert … sehr stimmig, wie ich finde, und sehr ruhig.
ERFOLGREICHER START INS NEUE JAHR
Das Jahr 2025 zählt erst wenige Tage, doch ich darf für mich bereits mein erstes Ziel als erfolgreich abgeschlossen verbuchen: die Ausbildung zur zertifizierten Resilienz-Trainerin. Aus diesem Anlass habe ich den dicken blauen Ordner (den mit dem 8-cm-Rücken) zur Hand genommen und darin geblättert. In diesem Ordner liegen (fast) alle Urkunden, Diplome und Zertifikate, die ich mir nach meinem Schulabschluss erarbeitet habe. Dazu gehören:
• Systemische Trainerin und Coach
• Trainerin für Sozialkompetenz
• European Communication Certificate ® (Trainerin, Beurteilerin und Auditorin)
• Train the Trainer für erlebnisorientiertes Lernen
• Gender Mainstreaming und Diversity Management (mehrfach)
• ECDL, EBCL A+B, IPMA-Zertifikate
Das ist nur ein Teil, der sich in diesem Ordner findet. „Kleinigkeiten“ wie Seminare oder Workshops ergänzen das Portofolio. Ebenso ein paar hundert (keine Übertreibung) Bücher und tausende Stunden an Gesprächen, Reflexionen, Supervision, Therapie … und nun eben auch Resilienz-Training.
Wozu erzähle ich das heute? Um mein Ego zu streicheln? Nein, mir geht’s um drei Punkte.
Erstens stamme ich aus einem bildungsfernen Umfeld. Meine Eltern hatten Pflichtschulabschluss. Fachbücher gab es bei uns nicht. Weiterbildung war kein Thema. Das ich immerhin 11 (statt der 9 verpflichtenden) Jahre Schulbildung absolvieren durfte, war schon eher die Ausnahme in jener Zeit und meinem familiären Umfeld. Doch mein Wissensdurst war stärker als die Hürden, die mir (ohne böse Absicht) in den Weg gelegt wurden. Ich wurde zu einer, für die „lebenslanges Lernen“ kein hohler Slogan bleibt, sondern die das auch lebt, und zwar in unterschiedlichen Themenbereichen. Ob es nun (wie oberhalb ersichtlich) um Persönlichkeitsentwicklung geht, oder um Digitalisierung, Leadership, Projektmanagement, Qualitätssicherung, Gesundheitsförderung … meine Themen sind vielfältig und führen in gewisser Weise zum zweiten Punkt. Aber zuerst noch meine Botschaft an alle da draußen:
Lernen hat kein Ablaufdatum. Die Neuroplastizität des menschlichen Gehirns ermöglicht Lernen de facto bis zum letzten Atemzug. Vielleicht hattest du (so wie ich) nicht die optimalen Startbedingungen, aber das ist kein Grund, dich zu einem späteren Zeitpunkt davon abhalten zu lassen, dich in jenen Bereichen zu bilden, die dich interessieren und für dich wichtig sind. Heute ist es wesentlich leichter geworden als noch vor 30 Jahren. Dank Internet & Co stehen die Lernwelten heute allen offen. Zwar ist auch hier nicht alles Gold, was glänzt, eher Mist, aber das Eine vom Anderen zu unterscheiden ist letztendlich auch ein Lernprozess.
Mein zweiter Punkt schmunzelt darüber, dass eine Menge von dem, dass ich bereits gelernt und verinnerlicht hatte, sich im Resilienz-Training wiederfand. Vielleicht etwas anders strukturiert und mit einem neuen Fokus, dennoch durfte ich einiges (wieder)entdecken und manches erstmals entdecken. Eine Lektion, für die ich zutiefst dankbar bin, wirkt sie doch jener Hybris (ich weiß eh schon alles) entgegen, vor der kein Mensch gefeit ist. Eine Portion Erdung ab und an hilft gegen „abgehobene Ansichten“. Ich weiß einiges und kann so manches, aber es gibt noch so viel zu lernen … und das ist gut so. Wie langweilig wäre mein Leben, gäbe es nichts mehr zu entdecken.
Apropos entdecken: Im Zuge der Ausbildung gewann ich neue Einsichten zu JAN/A und warum diese Geschichte (oder der Schreibprozess) mich von der emotionalen Achterbahn holen und nachhaltig stabil in meinem Leben verankern konnte. Dazu werde ich in den kommenden Monaten – parallel zu meinem neuen Buchprojekt – mehr berichten.
Damit komme ich zum dritten Punkt: mein neues Buchprojekt. Es wird … alles andere als alltäglich. Die Aufgabe, der ich mich dabei stelle, zieht mich magnetisch an. Gleichzeitig habe ich eine gehörige Portion Respekt davor und frage bin, ob ich dem gewachsen bin. Es ist eine Frage des Kopfes, das Bauchgefühl hat längst geantwortet. Deshalb gilt es meinem Kopf nochmals bewusst zu machen, was ich bereits alles geschafft habe (siehe Auflistung oberhalb). Mehr noch. Ich habe 8 [nicht] ganz alltägliche Bücher veröffentlich. Jedes einzelne davon 100% Lesley, unverwechselbar, einzigartig wie ich selbst (und jeder Mensch generell). Zwei dieser Bücher haben bis dato mehr als 3.300 Euro an Reinerlös (=Spende) für die Bergrettung eingebracht. Ich bin Marathon gelaufen und barfuß über glühende Kohlen gewandelt. Herausforderungen, denen ich mich gestellt habe und an denen ich gewachsen bin.
Nun stelle ich mich der Herausforderung, ein Buch zu schreiben, das – wie kein anderes von mir – das Ziel hat, seinen Leserinnen und Lesern Impulse zu geben, vielleicht sogar … Leben zu retten?
Ein hochgestecktes Ziel, eine enorme Herausforderung, eine Aufgabe, der ich mich nicht entziehen kann und will, denn es macht Sinn. All das, was ich in meiner Vergangenheit er- und durchleben durfte/musste, wird transzendiert. Bildlich gesprochen: aus dem Misthaufen wird jener Dünger, der die Rose prächtig erblühen lässt … und genau darum geht es in meinem neuen Buchprojekt. Mehr dazu demnächst.
Ach ja, da ist auch noch ein vierter Punkt (oder besser: ein Neujahrsvorsatz). Erfolge feiern! Da darf ich noch dazulernen 😉
Jahresausklang 2024 oder Lesley‘s Magie der Raunächte
Wieder einmal sitze ich inmitten eines farbenprächtigen Sonnenuntergangs der Extraklasse oben auf dem Berg, inmitten einer tiefverschneiten Landschaft, tauche ein in meine Gedanken- und Gefühlswelt.
2024 geht in wenigen Tagen zu Ende. Was für ein Jahr! Die Krankheit meiner Mutter, ihr dennoch überraschend schneller Tod, dazwischen ein klein wenig mehr Chaos als „normal“ im Job … Phasen der Ruhe hatten Seltenheitswert und wenn es doch mal eine gab, dann dauerte sie nicht lange an. Zurückblickend habe ich den Eindruck, das Leben hätte entschieden, mich so richtig durchzurütteln, keinen (gedanklichen) Stein auf dem anderen zu lassen. Die Ereignisse schienen mir keinen anderen Weg zu lassen als alles (und vor allem mich selbst) erneut zu hinterfragen. Einiges an verschütteten Erinnerungen (und Blockaden) kam hoch, durfte von mir wahrgenommen und bearbeitet werden.
Von hier oben betrachtet hat das Leben wohl den Plan gefasst, jedes noch so kleine versteckte unrunde Steinchen aus meinem Rucksack zu rütteln. Einerseits absolviere ich derzeit eine Ausbildung (mehr dazu 2025), andererseits arbeite ich an einem neuen Buchprojekt (dazu ebenfalls mehr 2025) und reflektiere, was heuer so geschehen ist in meinem Leben, durchlaufe eine Art von Reboot, werde „neu aufgesetzt“… aber irgendwie durch und durch positiv, ganz so, als wäre ich bereit, alles andere loszulassen. Offenbar scheint die Zeit dafür gekommen. Wer bin ich, die Weisheit des Lebens in Frage zu stellen?
Die zufällige Begegnung mit dem Spruch „Innerer Frieden beginnt, wenn das Drama deiner eigenen Geschichte keine Kontrolle mehr über deine Gefühle und Gedanken hat (Angela D. Kosa)“ lässt mich Schmunzeln. Wie wahr, wie wahr … und gleichzeitig vermisse ich die Tiefe, die sich in diesen Worten verbirgt. Drama ist nicht gleich Drama. Da gibt es das laute, das leicht erkennbar ist, und das stille Drama, das oftmals übersehen wird und sich hartnäckig tief in uns festklammert, unser Leben zu dirigieren versucht, allzu häufig dabei erfolgreich ist.
Oder der Text eines Songs wird zu einem Spiegel des Lebens in den ich blicken darf, der mich an die Wahrheit in mir erinnert. Wahrheit ist weder gut noch böse, weder schön noch hässlich, weder richtig noch falsch, weder einfach noch kompliziert… Wahrheit IST, nicht mehr und nicht weniger als das Spiegelbild dessen, was es ist.
Da sind jene Momente, in denen die vor mir liegende Zukunft so klar erkennbar wird wie die Silhouette eines Scherenschnitts. In anderen handle ich auf eine Art und Weise, die ich nicht von mir kenne, dennoch habe ich das Gefühl, ganz ICH zu sein.
Magie der Raunächte? Wer weiß …
Aberglaube gehört nicht zu meinem Repertoire, böse Kobolde oder Dämonen sind vor mich eher im Menschen selbst verortet als Wesen im Außen. Jeder erschafft seine eigene Hölle – oder seinen eigenen Himmel. Oftmals steckt jedoch ein tiefsinniger Kern in alten Mythen, uralte Weisheit, die bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren hat. Von offenen Türen zur Geisterwelt wird da berichtet, vom richtigen Zeitpunkt zum Wahrsagen, von einer Zeit des Fastens (oder Entschleunigens = zur Ruhe kommen) … für mich alles Facetten dessen, was derzeit mein Leben bestimmt: Die Hektik des Alltags für einige Tage hinter mir lassen, mich in die Stille der Berge zurückziehen (vor und nach den Zeiten des Liftbetriebs ist es hier oben sehr still), mit meinen „Geistern“ (oder Persönlichkeitsanteilen) auf Vergangenes blicken und Kommendes visualisieren.
Ob nun tatsächlich magische Kräfte im Außen wirken oder ich es selbst bin, die Ordnung schafft im „Archiv Unterbewusstsein“ und dabei wertvolle Ressourcen aktiviert für das „Projekt Zukunft“ … who cares? Das Ergebnis zählt … eine dieser Wahrheiten, die sind. Punkt.😉
Bild: ein Traum von Sonnenuntergang, den ich heute miterleben durfte
WEIHNACHTSGEDANKEN
Wir sind alle nur auf der Durchreise. Nichts, von alldem, was wir heute in Händen halten, gehört uns wirklich. Es sind Leihgaben des Lebens, die wir am Ende retournieren werden.
Das Einzige, was wir nicht geliehen haben, sind unsere Erinnerungen, unsere Erfahrungen, unsere Gedanken.
Sie gehören uns.
Sie sind einzigartig – wie du.
Sie sind wertvoll – wie du.
Teile nicht, was morgen zu Staub zerfallen könnte.
Teile, was über dich hinaus weiterleben wird – in den Erinnerungen der anderen.
Teile deine Liebe.
Teile dein Lachen.
Teile deine Lebensfreude.
Folge deinem Herzen.
Bild AI-generiert
Frei.Geist(ig)
Von Zeit zu Zeit sorgt das Leben dafür, dass ich in einen Spiegel blicke. Meistens ohne Vorwarnung. Wäre dieser Blick mit angenehmen Gefühlen verbunden, würde ich dir nicht hier darüber berichten. Dieser besondere Spiegel hält sich an keinerlei Gesetze von Raum und Zeit. Etwas geschieht im Außen, jemand tut oder sagt etwas und zack – tauchen wie aus dem Nichts Erinnerungen auf an längst Vergangenes aus meinem Leben, samt den dazugehörigen Gefühlen. Wie gesagt, handelt es sich dabei um wenig erfreuliche, zumeist eher schmerzhafte Erinnerungen – manchmal blanke Wut.
Hier ein Beispiel dazu, dass auf den ersten Blick eher „harmlos“ anmutet (im Vergleich zu manch anderem aus meiner Vergangenheit), aber es geht hier nicht um einen Wettstreit der schlimmsten Erinnerungen, sondern darum, die Zusammenhänge nachvollziehbar zu machen.
Vor einigen Jahren besaß ich einen riesengroßen Plüschtiger, auf dessen Rücken gerne mein Stubentiger (ebenfalls gestreift) zu ruhen gedachte. Meine beiden Tiger 😊 Für mich waren beide etwas, dass mir wichtig war. Gewiss, lebendiger Tiger mehr als ausgestopfter Plüschtiger, dennoch waren mit beiden positive Gefühle und Gedanken verbunden. Eines Abends kam ich von der Arbeit nachhause und der Plüschtiger war verschwunden. Ich fand ihn ein paar Stunden später im Müllcontainer der Wohnhausanlage. Mein damaliger Lebenspartner hatte ihn „entsorgt“. Ohne mit mir darüber zu sprechen, hatte er einfach mal so entschieden, diesen Staubfänger, dem er nichts abgewinnen konnte, in den Müll zu werfen. Das tat echt weh! Jemand hatte über meinen Kopf hinweg entscheiden, als wäre ich Luft. Jemand anders hatte die Macht über mein Leben, die Kontrolle über mich. Was für mich wichtig war, zählte nicht. Meine Gefühle – belanglos. Erhob ich meine Stimme? Protestierte ich? Stellte ich diesen Jemand zur Rede? Nein! Es fehlte mir an Mut, Kraft, an allem, mich gegen diesen Übergriff zur Wehr zu setzen.
Um die Dimension dieses „harmlosen“ Ereignisses vollständig erfassen zu können, sollte ich noch erwähnen, dass ich zu jener Zeit bereits in einer Führungsposition tätig war. Eine taffe Managerin, die im Job erfolgreich jeden Irrsinn wieder auf Kurs bringen konnte… nur mein eigenes Leben nicht. Da versagte ich völlig.
Durch die Brille der Transaktionsanalyse betrachtet, war mein damaliger Lebenspartner in der Rolle des kritischen, wertenden, disziplinierenden Eltern-Ichs unterwegs und ich in jener des angepassten Kind-Ichs, dass schweigend (leidend) alles runterschluckte, unfähig die eigene Stimme zu erheben.
Präzise jene Erinnerung wurde kürzlich durch ein Ereignis getriggert, bei dem ich Zeugin wurde, wie jemand davor zurückscheute, seine Stimme zu erheben. Der Blick in den Spiegel ohne Vorankündigung. Plötzlich waren sie wieder da, all die schmerzhaften Gefühle und Gedanken.
Heute lebe ich nach dem Grundsatz: Wenn mein Unterbewusstsein eine Erinnerung an die Oberfläche des Bewusstseins kommen lässt, dann weil es volles Vertrauen in mich hat, dass ich damit umgehen kann. Deshalb nehme ich derartige Trigger als Chancen an, mich weiterzuentwickeln.
In der Praxis lief das wie folgt ab:
• Zuerst einmal an paar tiefe Atemzüge, ganz langsam, bewusst nachspüren, wie sich mit jedem Atemzug die Ruhe tiefer in mir ausbreitet. Den Sturm beruhigen, das Feuer eindämmen, zu den aufgewühlten belastenden Emotionen bewusst einen Gegenpol erschaffen, um die Balance wiederherzustellen.
• Im nächsten Schritt wende ich mich meinen Gedanken zu, stelle mir vor, aus der Situation herauszutreten und sie von außen zu betrachten, wie einen Film. Das hilft mir dabei zu erkennen, dass jenes Ereignis zustande kam, weil (in diesem Fall) zwei Menschen sich so verhielten, wie sie es taten. Jeder von diesen beiden hätte auch die Möglichkeit gehabt, sich anders zu verhalten. Aber beide folgten ihren tradierten Verhaltensmustern – nicht mehr, und nicht weniger. Keine Vorwürfe, Schuldzuweisungen, Wertungen oder dergleichen, die mich an die Vergangenheit fesseln und es dadurch unmöglich machen, den Schmerz loszulassen und frei zu werden.
• Danach sage ich mir selbst, dass all dies weit in der Vergangenheit zurückliegt, ich es trotz allem gut überstanden habe und heute hier bin.
Gut gelöst, oder? Nicht ganz. Was auf den ersten Blick wie eine gelungene Intervention aussieht, versteckt noch eine echt fiese Fallgrube. Mich mit dem Ereignis an sich auszusöhnen, war relativ einfach, wenngleich erst die halbe Miete. Mit entsprechender Übung gelingt das von mal zu mal schneller und leichter. ABER eine (zum Glück nicht mehr) Perfektionistin wie ich schafft es postwendend, neue destruktive Gedanken zu kreieren.
„Wie konnte ich nur so blöd sein? Warum habe ich mir das Gefallen lassen? Wie viel meiner Lebenszeit habe ich versch* in den Satz gesetzt? Warum habe ich nicht früher …“
Mir würde noch einiges einfallen, aber ich denke, der Punkt ist klar. Selbstdemontage, Selbstzerfleischung, Selbstvorwürfe, Selbstanklage … wie oft bin ich in diese Fallgrube gestürzt, bin jenen Gedanken (jenem Pfad) gefolgt, den andere vor mich ausgelegt haben.
Lass diese Gedanken bitte mal sacken.
Es gab in meiner Vergangenheit Menschen, die haben mich schlecht behandelt. Sie haben einen Pfad für mich ausgelegt. Jedes Mal, wenn ich mich selbst schlecht behandle, ohne Wertschätzung, lieblos, achtlos oder gar fahrlässig mit mir selbst umgehe, folge ich diesem Pfad. Dann haben jene Menschen indirekt wieder die Macht über mich und die Kontrolle über mein Leben. Will ich das? Nein, deshalb folge ich MEINEM PFAD. Schluss mit Selbstdemontage!
Auf meinen Pfad begleiten mich Gedanken wie „Ja, ich habe so gehandelt. Damals. Heute ist es anders. Heute be-STIMME ich über mein Leben und erhebe auch meine STIMME, wenn die Situation es verlangt.“
Erst jetzt bin ich wirklich frei im Denken, frei im Geist – oder eben Frei.Geist(ig). Dazu gehört eine große Portion Achtsamkeit.
Weil’s gerade so schön passt, hier noch ein Frei.Geist(iger) Gedanke:
Früher hatte ich das Ziel, all das (Borderline) hinter mir zulassen. Frei zu werden von solchen „Blicken in den Spiegel“, die stets auch das Risiko eines Absturzes in sich tragen. Ein wunderschönes Ziel. Ein fantastisches Ziel im Sinne von „im Reich der Fantasie“ anzusiedeln bzw. in der Realität nicht erreichbar. Warum? Ganz einfach. Manche Triggerpunkte lernte ich im Laufe der Zeit kennen, aber eine unbekannte Anzahl verbirgt sich in den Tiefen meines Unterbewusstseins – so wie jener, von dem ich dir hier erzählt habe. Was im Unterbewusstsein liegt, ist uns so lange unbewusst, bis es ins Bewusstsein aufsteigt. Woher soll ich also wissen, wann alle Triggerpunkte aufgelöst und das Ziel erreicht ist? Die Nicht-Erreichung des Zieles – und somit das Scheitern – sind quasi bereits im Ziel enthalten. Enttäuschung bzw. Versagen vorprogrammiert. Falscher Pfad. Eindeutig keine Strategie, um zurück in die Umarmung des Lebens zu finden. Daher konzentriere ich mich darauf, mit all dem, was da kommt – auch Blicke in den Spiegel ohne Vorankündigung – gut umgehen zu können und meinem eigenen (Gedanken)Pfad zu folgen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Das Beitragsbild ist AI-generiert. Spannend, wie ein AI-Assistent meine Worte in ein Bild verwandelt.
NUR EIN TRAUM?
Es war einmal ein Menschenkind, dessen Lebensweg geprägt war von vielfältigen Erlebnissen – auch solche, auf die es gerne verzichtet hätte. Einiges war schiefgelaufen, manches war schmerzhaft gewesen, vieles davon geschehen, als dieses Menschenkind noch sehr klein gewesen war. In einer Zeit, in der sein Zuhause ein schützender Hafen hätte sein sollen, wurde es schutzlos und hilflos auf einem stürmischen Ozean hin und her geworfen. Mehrmals schien es dem Untergang geweiht. Doch dieses Menschenkind war stark. Allen Widrigkeiten zum Trotz wuchs es heran, erschuf für sich ein Leben in Sicherheit und – Geborgenheit?
Eines Tages erwachte das Menschenkind mitten in der Nacht an einem seltsamen Ort. Rundum war es kalt und dunkel. Sein Atem hallte als durchdringendes Echo von den unsichtbaren, jedoch erahnbaren Wänden wider. Kaum etwas konnten seine Augen erkennen in der düsteren Finsternis, dennoch war da die unerklärliche Gewissheit, diesen Ort zu kennen. Wie war es hierhergekommen? Während es noch fragend um sich blickte, erschien plötzlich ein winziges leuchtendes Wesen vor seinem Gesicht.
[Winzig?]
Ganz so klein war es dann doch nicht, denn das Menschenkind blickte in das Gesicht eines Schmetterlings …
[Schmetterlingselfpraktikantin, wenn ich bitten darf. Es ist kurz vor Weihnachten. Hochsaison. Da helfen alle zusammen.]
… in das Gesicht einer offensichtlich resoluten Schmetterlingselfpraktikantin, deren glitzernde Flügel in der Dunkelheit magisch funkelten – ebenso wie ihre Augen mit einem Ausdruck, der irgendwo zwischen frech und herausfordernd anzusiedeln war. Mit offenem Mund starrte das Menschenkind auf das, was sein Verstand in keinster Weise verarbeiten konnte – und wollte.
„Na wunderbar, da habe ich ja wieder mal das große Los gezogen. Skepsis ohne Ende, Zweifel bis zum Abwinken … warum erwischt es eigentlich immer mich?“ murrte das schwebende Wesen missmutig, aber unüberhörbar vor sich hin.
Das Menschenkind zuckte zusammen. Das flatterhafte Wesen klang völlig anders als sein Aussehen vermuten ließ. Wenig feenhaft, eher wie ein Grinch.
„Das liegt daran, dass ich auch keine Fee bin, sondern eine Schmetterlingselfpraktikantin … und wir das bitte nicht im Detail ausdiskutieren. Mein Auftrag lautet, dir etwas zu zeigen. Sieh dich mal um.“
Ohne genau begründen zu können warum, folgte das Menschenkind dieser Anweisung und blickte in die Düsternis und Kälte rund um sich. Da war nicht viel zu erkennen. Alles wirkte hart, unnahbar, erstarrt, leblos. Selbst die Luft schien seit Ewigkeiten an diesem Ort zu verharren.
„Das trifft es ziemlich gut. Hast du eine Idee, wo du bist?“
Wortlos verneinte das Menschenkind mit einem Kopfschütteln.
„Dann werde ich deinem Gedächtnis mal auf die Sprünge helfen. Komm mit“, forderte die Schmetterlingselfpraktikantin und schwebte flügelschlagend zur Seite, erhellte dadurch den Raum an dieser Stelle. Vertrocknete Pflanzen wurden sichtbar. Blüten, die einst voller Farbenpracht waren, und nun nur noch farblos, verdorrt.
„Das sind all die liebevolle Worte und Gedanken, die du in dir geboren und niemals in die Welt entsandt hast.“
Überrascht – und entsetzt – starrte das Menschenkind abwechselnd auf den Haufen am Boden und das Wesen darüber. Liebevolle Worte und Gedanken?
„Das ist noch nicht alles.“
Mit kräftigen Flügelschlägen steuerte es auf eine Wand zu, die genau genommen keine Wand, sondern eine Schleuse war, zugemauert, verriegelt und scheinbar für alle Zeiten verschlossen mit mächtigen Ketten – ganz so, als sollte niemals etwas von der anderen Seite hierhergelangen.
„Dahinter eingesperrt sind alle jene liebevollen Gefühle, die du niemals zugelassen hast. Sie hätten die Worte in die Welt hinausbegleitet und ihnen den Zauber verliehen, andere Menschenkinder zu berühren. Doch stattdessen verbirgst du sie hier, aufgestaut, verstärkst Jahr für Jahr die Mauer, die sie zurückhält.“
Dem Menschenkind stockte der Atem. Allmählich begann es zu ahnen, welcher Ort dies hier war. Mächtig wurde der Wunsch, die Augen vor all dem zu verschließen …
„… wie du es bisher getan hast und immer noch tust? Nicht mit mir! Mein Auftrag lautet, dir die Augen zu öffnen – so wie du die Fenster öffnen sollst, die so vieles einsperren und noch viel mehr aussperren.“
Aus den Schatten der Dunkelheit erhoben sich Umrisse, zeichneten sich Öffnungen ab, durch die einst eine Verbindung bestanden hatte, zu jenen, die außerhalb waren, außerhalb …
„… deines Herzens, dass du vor langer Zeit verschlossen hast.“
Stille breitete sich aus. Stille, durchbrochen nur von einem dumpfen Pochen jenes Herzens, in dem eine unsagbare Schwere spürbar war.
„Aber wenn ich das nicht getan hätte, wenn ich all die Mauern und Ketten nicht erschaffen hätte, mein Herz wäre in all dem Leid und Schmerz zerbrochen“, erhob das Menschenkind erstmals seine Stimme.
„Vielleicht wäre es das, vielleicht auch nicht. All das liegt so lange zurück, dennoch hältst du an den Mauern und Ketten fest“, entgegnete die Schmetterlingselfpraktikantin überraschend milde. „Wird es nicht allmählich Zeit, dein Herz wieder dem zu öffnen, was es wahrhaft stark macht?“
Tausend widersprüchliche Gedanken kreisten im Geist des Menschenkindes. So viele Risiken, Gefahren, mahnende Erinnerungen. So wenig im Vergangenen, das Hoffnung schenkte. Woher das Vertrauen nehmen? Woher die Kraft?
„Alles, was es braucht, ist längst da – im Überfluss.“ Mit diesen Worten deutete das schwebende Wesen mit sanften Flügelschlägen auf die Staumauer. „Öffne die Schleuse ein wenig und beobachte, was geschieht.“
Zögerlich folgte das Menschenkind der Aufforderung, voller Skepsis, Befürchtungen, jedoch auch mit einer unerklärlichen Zuversicht. Die aufgestauten Gefühle suchten und fanden ihren Weg zu jenen Worten, die verdorrt am Boden lagen, füllten diese mit Liebe und Lebensfreude, ließen auf wundersame Weise einen blühenden Garten entstehen, der mit jedem Atemzug weiterwuchs, farbenprächtiger wurde, duftend nach unzähligen Blüten. Selbst eine sanfte Brise wurde nun spürbar, wärmende Sonnenstrahlen, das Leben selbst kehrte zurück in ein Herz, dessen Pochen von Minute zu Minute leichter wurde, freier.
„Die Fenster“, schubste die Schmetterlingselfpraktikantin das staunende Menschenkind an, das daraufhin begann, all die Ketten, Riegel und Schlösser zu entfernen.
Kaum waren die Fenster geöffnet, erhoben sich unzählige der farbenprächtigen Blüten in die Luft, wurden von der sanften Brise als liebevolle Worte hinaus in die Welt getragen. Gleichzeitig strömten all jene liebevollen Worten, die so lange ausgesperrt geblieben waren, in das Herz hinein, vermischten sich mit all dem, das bereits da war, wurden mehr und mehr. Mal waren es bunte Blüten und Blätter, mal ein farbenprächtiger Sonnenaufgang, funkelnde Schneeflocken, majestätische Berggipfel, rauschende Wälder, kristallklare Bergseen oder eine Umarmung, die mehr war als nur die Berührung zweier Körper.
Staunend beobachte das Menschenkind all das, fürchtete für einen kurzen Augenblick, das Herz würde all dem nicht standhalten und zerspringen – doch dann erkannte es, dass sein Herz zu wachsen begann, mit jedem liebevollen Wort, welches es in die Welt hinaussandte, ebenso wie mit jedem liebevollen Wort, das ihm geschickt wurde. Licht in allen Farben des Regenbogens durchflutete das Herz, das Lachen einer Kinderstimme die vorübergehend verstummt war und nun wieder seinen hellen Klang mit der Stimme des Menschenkindes vereinte. Tiefer Frieden erfüllte das Menschenkind, dass für einen Augenblick seine Augen schloss und in sich hineinfühlte, die Geborgenheit rundum und in sich spürend.
Als es wieder in die Welt hinausblickte, lag es unter der Bettdecke. Vor dem Fenster dämmerte ein neuer Tag. In seiner Brust schlug ein kraftvolles, liebevolles, freies Herz. Alles nur ein Traum? Wer weiß …
Text: 100% Lesley B. Strong (no AI ;-))
Bild: AI wordpress
ICH BIN ALLEIN. BIN ICH ALLEIN?
Heute beginnt die Adventszeit, die eine Zeit der Besinnung und des zur Ruhekommens sein sollte. Für mich wird es dieses Jahr definitiv, denn der heutige Tag begann bereits mit einem Einblick, den ich so nicht erwartet hätte. Aber der Reihe nach …
Seit kurzem beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Resilienz. Was aus beruflichem Interesse begann, zeigte sich schnell als ebenso interessant für meine Selbstreflexion. Ich habe Monate der mehr als überdurchschnittlichen Belastung hinter mir. Monate, in denen ich mich mehr und mehr von der Außenwelt zurückgezogen habe. Außerhalb des Jobs weiche ich Menschen aus, will nur noch meine Ruhe haben, gehe in eine Art von Isolation. Warum? Antworten auf diese Frage fand ich „zufällig“ in einem Skriptum über Resilienz.
Zum einen gibt es da die fünf psychologischen Grundbedürfnisse (in Anlehnung an Klaus Grawe). Darunter das Bedürfnis nach Bindung, also Nähe zu anderen Menschen. Also das Gegenteil von Isolation. Zum anderen neigen Menschen dazu, unter Belastung in die (vertrauten) Muster der Vergangenheit zurückzufallen.
Mit diesen beiden Perspektiven im Kopf bin ich heute um 05:30 h morgens aufgewacht und blickte in einen (imaginären) Spiegel, sah die Antwort glasklar vor mir, fühlte die Stimmigkeit:
Meine Kindheit war geprägt davon, „allein“ zu sein. Spätestens im Alter von 3 Jahren verlor ich durch „die Bestrafung des Aussetzens im Krankenhaus“ (so mein damaliges Gefühl als 3jährige) jegliche sichere Bindung an Bezugspersonen in meinem Umfeld. Von diesem Augenblick an gab es niemanden, zu dem ich Vertrauen hatte oder wo ich mich geborgen fühlte. Die sichere Bindung ging verloren, möglicherweise sogar die unsichere Bindung. So sehr ich auch nachdenke, es gab in meinem Umfeld keine Person, die mich nicht auf die eine oder andere Weise gedemütigt und verletzt hatte. Niemanden, wo ich mich geborgen fühlte. Am ehesten wäre das noch bei meiner Großmutter möglich gewesen, aber um sie zu besuchen, musste ich in das Haus meiner Tante und meines Onkels. Letzteren fürchtete ich bereits als Kind, empfand ihn als bedrohlich.
Da niemand da war, um für mich – das kleine schutzsuchende Kind – da war, zog ich mich zurück in die emotionale Isolation, ließ niemanden mehr an mich heran, um nicht verletzt zu werden. Selbstredend scheiterte ich, weitere Verletzungen, Demütigungen, Übergriffe folgten. Einzig meine imaginäre Welt bot mir Zuflucht, einen Ausweg aus meiner Isolation …
… jene Isolation, in die ich in den vergangenen Wochen zurückgekehrt bin. Haben die Belastungen (also Stress) die Muster meiner Kindheit reaktiviert? Es scheint so. Aber hinter dieser (oberflächlichen) Erkenntnis, verbirgt sich noch eine wesentlich tiefgreifendere: Bis heute habe ich noch nie eine sichere Bindung zu einem mir nahestehenden Menschen erlebt. Durch sämtliche Beziehungen – insbesondere zu Lebenspartnern – zog sich der rote Faden „es kann jederzeit vorbei sein“. Was blieb, seit meinem traumatischen Kindheitserlebnis, ist die erdrückende Angst vor dem Verlassenwerden (eines der „typischen“ Symptome von Borderline).
Heute bin ich groß und stark, weiß, dass ich überlebe, wenn sich jemand aus meinem Leben entfernt. Ich kann den vorübergehenden Schmerz aushalten. Aber ich lasse ich überhaupt das Risiko zu, verletzt zu werden? Lasse ich jemand tatsächlich an mich heran? Möglicherweise einige Zeit, in der ersten „Verliebtheit“ – und dann aktivieren sich die rationalen Schutzschilde, scheinbar reflexartig. So wie ich es in meiner Kindheit erlernt habe.
Tief in mir wirken meine Erfahrungen aus der Vergangenheit und ziehen in der Gegenwart jene Menschen in mein Leben, die zu diesen Erfahrungen passen – und Unsicherheit mit sich bringen. Das, wonach ich mich seit langem sehne, was nichts anderes als ein urmenschliches Grundbedürfnis ist, eine sichere Bindung zu einem anderen Menschen, scheint (im Moment) unerreichbar.
DAS muss ich erstmal sacken lassen!
In diesen Spiegel zu blicken und NICHT in die Opferrolle zu fallen, das hat mich mein bisheriger Lebensweg gelehrt.
Es ist, was es ist.
Wenn mein Unterbewusstsein mich um 05:30 Uhr mit diesen Erkenntnissen aufwachen lässt, dann ist es felsenfest davon überzeugt, dass ich bereit bin, in diesen Spiegel zu blicken und mich dieser Aufgabe zu stellen. Wer bin ich, daran zu zweifeln?
Immerhin, es gibt einige Menschen in meinem Leben, zu denen ich eine Art von „sicherer Bindung“ auf freundschaftlicher Ebene verspüre. Das ist doch schon mal ein Anfang. Und ich habe Jana und Jan, die es geschafft haben, ihre Verletzungen zu überwinden und gemeinsam in die Geborgenheit zu finden. Fiktion? Ja, ABER mit starken Emotionen hinterlegt, MEINE (noch fiktive) Geschichte. Ich denke, im ersten Schritt werde ich eine weitere Schleife mit JAN/A drehen, dabei in meinen Spiegel blickend, und meine Aufmerksamkeit in mich hineinlenken.
Eine Antwort auf eine hier heute nicht erwähnte Frage habe ich bereits für mich gefunden: woran ich erkennen werde, dass ich bereit bin im realen Leben eine sichere Bindung einzugehen.
„Wenn du es dir vorstellen kannst, dann kannst du es tun.“ (Walt Disney)
Bild: pixabay.com









