Gestern schrieb ich meinen Beitrag über Me-Time, manifestierte meine Gedanken in dieser Realität in Worten. Ein kleiner Schritt mit (überraschend) großer Wirkung. Heute wachte ich kurz vor Sonnenaufgang auf, in mir eine Erkenntnis fühlend, die keiner Worte bedurfte. Ein umfassendes Bild, über Jahrzehnte verzweigte Zusammenhänge, absolute Klarheit. Muster, die auf den ersten Blick unterschiedlich nicht sein hätten können, und doch unter der Oberfläche einen gemeinsamen Nenner haben. Im halbwachen Zustand fand ich jene Antwort, die mein Tagesbewusstsein bis dato nicht zugelassen hat … vermutlich, weil sie extrem schmerzhaft war, zu Beginn. Die Wucht dieser Erkenntnis raubte mir den Atem, löste stechende Schmerzen im Rücken aus, ließ mich in Tränen versinken. Am Morgen stand ich buchstäblich neben mir.
Doch je länger ich diese Antwort betrachtete, desto mehr wich der Schmerz.
Vor einer gefühlten Ewigkeit prägten die Erfahrungen in meinem Umfeld einen Glaubenssatz, meiselten bildlich gesprochen für mich ein Dogma in Stein: So ist es! Im Lauf der Zeit versank dieser Glaubenssatz in den Tiefen meines Unterbewusstseins, von wo aus er 24/7 seine Wirkung entfaltete. Derart tief begraben, gelang es mir nicht, an wahrzunehmen, zu reflektieren oder gar zu verändern.
Vermutlich nutzten meine Selbstheilungskräfte vergangene Nacht meine schwarz auf weiß bekundete Bereitschaft zur Veränderung und wurden aktiv. Zack – und von einem Augenblick auf den anderen nehme ich die Ereignisse meines Lebens und mich selbst in einem völlig anderen Licht wahr.
Über meinen Glaubenssatz werde ich hier nur so viel verraten, dass dieser alles andere als förderlich für ein gelungenes Leben war. Warum ich so lange daran festhielt? Weil er unsichtbar geblieben war – bis ich bereit war, mich meiner „intrinsischen Wahrheit“ zu stellen, sie zu hinterfragen und loszulassen.
Obige Zeilen schrieb ich vor 8 Tagen. Meine (Erkenntnis)Reise war noch nicht zu Ende. Ganz im Gegenteil, sie begann erst, so richtig Fahrt aufzunehmen. Heute bin ich (hoffentlich) etwas weiter. Drei Tage Rückzug in die Berge half dabei einen Glaubenssatz zu hinterfragen, der derart tief ins Unterbewusstsein abgesunken ist, dass sich Schicht um Schicht weitere Glaubenssätze darübergelegt haben, doch sein Kern wirkt aus dem Verborgenen heraus in den Alltag. Vielleicht mag das jetzt ein wenig paradox klingen, doch ich erkenne solche Glaubenssätze leichter, wenn ich in die Ferne blicke. Deshalb auch das Bild oberhalb, das ich übrigens in den Bergen (wo sonst?) aufgenommen habe.
Der Blick in die Ferne wird für mich gleichzeitig zu einem Blick in die Tiefe in mir selbst. In mir ist viel mehr, als von außen sichtbar ist. Ein bisschen ähnelt das der TARDIS (für alle, die jetzt nicht wissen, was das ist: die TARDIS ist eine fiktive Raum-Zeit-Maschine aus der beliebten Fernsehserie Dr. Who. Von außen sieht sie wie eine gewöhnliche Telefonzelle aus, aber innen drin ist sie wesentlich größer.)
Eines Morgens wachte ich also auf und starrte auf jenen Glaubenssatz, der die Gelegenheit genutzt hatte, sich während einer Schlafphase an die Oberfläche emporzuarbeiten: „Die Menschen, die ich gernhabe und die mir wichtig sind, nehmen mich und meine Bedürfnisse nicht wahr, lassen keine Nähe zu, laufen vor mir davon – oder sie erdrücken mich.“ Das entspricht den Erfahrungen meiner frühen Kindheit, Jugend und weiter Strecken meines Erwachsenenlebens. Insofern also korrekt, doch wie war/ist es heute? Die Wahrheit? Beziehungen stellen immer noch eine Herausforderung dar, vor allem, wenn es um Nähe geht. Als würden diese Menschen vor mir davonlaufen … Stopp! Beweise für meinen Glaubenssatz? Vielleicht – vielleicht aber auch Belege dafür, dass Konzepte wie Gesetz der Anziehung (Law of Attraction), Spiegelgesetz, Resonanzgesetz, systemische Beziehungsdynamiken etc. doch mehr sind als esoterischer Humbug. Ähnlich der Erdanziehungskraft wirken diese „Gesetze“ nämlich unerbittlich, ganz gleich, ob wir sie kennen, akzeptieren oder ablehnen.
Was ich um Außen rund um mich wahrnehme, spiegelt stets etwas wider, das in mir ist.
Auf einem Bahnhof sitzend mitten in der Menschenmenge und dementsprechendem Sprachengewirr nehme ich vorrangig genau jene Worte wahr, die in Sprachen gesprochen werde, die ich beherrsche. Alles andere klingt nach Kauderwelsch. Inmitten der Masse an Menschen erkenne ich Muster, die ich in mir trage. Menschen spiegeln mir also einen Teil von mir wider – zumeist meinen blinden Fleck. Den hat übrigens jeder von uns, ganz gleich, ob wir das akzeptieren oder abstreiten. Auch so ein Punkt, über den zu diskutieren obsolet ist.
Betrachte ich meinen Glaubenssatz als etwas, das mir gespiegelt wird, stellt sich mir die Frage: „Wovor laufe ich davon? Wo lasse ich keine Nähe zu? Welche Bedürfnisse anderer nehme ich nicht wahr?“ Diese Fragen haben einen nicht zu unterschätzenden Nebeneffekt: Sie holen mich aus der Opferrolle raus! Nicht die anderen sind „schuld“ bzw. machen „etwas falsch“. Der Ball liegt bei mir. Opfer sind hilflos, können nichts verändern, nur leiden. Glaubenssätze, die mich zum Opfer machen, sind wie die dunkle Seite der Macht, verführerisch, schnell darin, Verantwortliche zu identifizieren – und sie können nicht nachhaltig gelöst wird. Gewiss, ich könnte ab sofort 3x täglich Affirmationen wie „Die Menschen rund um mich behandeln mich mit großer Aufmerksamkeit und wertschätzend“ oder dergleichen runterbeten, doch blieben es fiktionale Wunschträume. Ich würde weiterhin das „anziehen“, was in mir ist – es sei denn, ich gehe meinem eigenen Deep Belief auf seinen tief verborgenen Grund und verändere dort, was längst überholt ist.
Einen Schritt zurück also. Wovor laufe ich davon? Wo lasse ich keine Nähe zu? Das bringt mich automatisch zu der Frage: Warum lasse ich keine Nähe zu? Antwort: Weil ich neuerliche Verletzung vermeiden will. Gegenfrage: Bin ich tatsächlich noch so leicht zu verletzen? Ich bin längst kein kleines hilfloses Kind mehr, verstecke mich aber hinter einem Schutzwall aus inneren Bildern, die bei näherer Betrachtung eines gemeinsam haben. Genau dort liegt der Kern, um den all die Fragen und Antworten, Glaubenssätze und Ängste kreisen wie Planeten um eine Sonne: ich bin nicht liebenswert, deshalb … laufen andere vor mir davon, behandeln mich rücksichtslos, wollen keine Nähe zu mir oder erdrücken mich, weil ich nicht in Ordnung bin …
Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden. Definitiv eine Annahme, die aus den traumatischen Erlebnissen meiner frühen Kindheit resultiert, die deshalb so tief sitzt – und ebenso falsch wie fatal ist. Aber sie ist da – und wenn ich an den eingangs erwähnten, sich nächtlich offenbarten Glaubenssatz denke – immer noch da. Richte ich meinen Blick von Innen wieder ins Außen, wird mir bewusst, dass ich tatsächlich noch liebevoller mit mir selbst umgehen könnte. In diesem Augenblick halte ich alle Fäden der Veränderung in meinen Händen. Wie ich mit mir selbst umgehe, liegt allein bei mir. Aus einem Glaubenssatz mit Opfer-Touch (die anderen …) wird ein Vorsatz (ich gehe liebevoll mit mir selbst um, Tag für Tag ein bisschen mehr), der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit seine Wirkung entfalten wird und auch meine Wahrnehmung (anderer Menschen) verändern wird. Denn in Wahrheit gibt es Menschen, die mich und meine Bedürfnisse wahrnehmen.