
Kategorie: Philosofree
IN DER LIEBE LEBEN
Sonntags gönne ich mir oft ein gemütliches Frühstück, höre mir dabei eine Radiosendung an, in der Menschen interviewt werden und aus ihrem Leben erzählen. Ich bin mittendrin eingestiegen, habe also nicht das Gespräch vorher mitbekommen, aber ein Zitat, dass ich versuche hier wiederzugeben:
„Am Ende meines Lebens möchte ich in der Liebe gelebt haben, nicht nur in der Zeit“.
Leider habe ich nicht gehört, wer diese weisen Worte formuliert hat und meine Online-Recherche dazu brachte auch noch kein Ergebnis.
Was ich allerdings mitbekommen habe, war die „Wow“-Reaktion des Interviewers, die wiederum bei mir die stirnrunzelnde Frage ausgelöst hat: „Was erstaunt dich daran? Genau darum geht es doch im Leben.“
… und im nächsten Moment wurde mir (wieder einmal) bewusst, dass nicht alle Menschen wissen, worum es wirklich geht im Leben, was zu innerem Frieden, Gelassenheit und einem rundum gesunden (im Sinne von in der eigenen Mitte sein) führt. Dass seelische Gesundheit maßgeblich das emotionale Gleichgewicht und die physische Konstitution beeinflusst, sei hier nur nebenbei erwähnt.
In der Liebe leben …
… eigentlich hatte ich mir für heute vorgenommen darüber zu schreiben, wie ich damit umgehe, wenn die „Kopfarbeit“ über Hand nimmt (was sie gerade tut) und wie wichtig es für mein Gleichgewicht ist, in solchen Phasen mich bewusst meinen „Herzthemen“ zu widmen:
- Liebevolle Gedanken in die Welt hinauszuschicken (auch in dem Wissen, dass alles, was ich denke, sage und schreibe, stets mindestens 1 Zuhörerin erreicht – nämlich mich selbst und damit auch mir gut tut).
- Kreativität auszuleben und etwas zu erschaffen, das mein Herz erfreut – und im besten Fall auch andere.
- Die Begrenzung des Individuums zu überwinden (und damit auch die gefühlten Beschränkungen) und ein Teil dessen zu werden, was größer ist als ICH … EINS zu werden mit dem Leben selbst. Am einfachsten fällt mir das draußen in der Natur.
Ich wollte heute darüber schreiben, wie besonders die (an sich nicht neue, aber erst seit relativ kurzer Zeit freudvolle) Erfahrung für mich ist, auf mir noch unbekannten, aber vielfach sehr alten, verwachsenen Wegen durch die Weiten des Waldes zu streifen, nicht zu wissen, was hinter der nächsten Anhöhe auf mich wartet, dabei alle Alltagsgedanken hinter mir zu lassen, völlig im Augenblick dieses Mini-Abenteuers zu leben …
… einfach nur zu sein. Einfach nur in der Liebe zu leben.
Liebe ist so viel mehr als das Gefühl für einen anderen Menschen, einen Ort, eine Sache …
Liebe ist (für mich) auch das völlige Annehmen des Augenblicks, jeden Sonnenstrahl zu spüren, der durch das bunte Blätterdach der Bäume zu mir vordringt, all die Farben wahrzunehmen, das Rascheln unter meinen Füßen bei jedem Schritt sowie den Duft des Herbstes, der sich von allen anderen Jahreszeiten unterscheidet. Im Augenblick, in dem einen Herzschlag, den mein Bewusstsein erfassen kann, zu leben voller Dankbarkeit dafür, hier zu sein und dieses Leben, das mir geschenkt wurde, für dessen Gelingen ich die alleinige Verantwortung trage, zu lieben – mit allem, was dazugehört. Keine unausgesprochene Anklage, kein stummer Groll, kein nagender Zweifel, keine diffuse Angst … einfach nur umfassende Dankbarkeit, bedingungsloses (Ur)Vertrauen, innere Gelassenheit, lebensbejahende Zuversicht, kraftvolle Ruhe – oder in ein Wort gebracht: Liebe.
In der Liebe zu leben, bedeutet für mich, mit sich selbst im Reinen zu sein, denn nur dann vermag ich wahrhaft bedingungslos zu lieben – ohne gefährdet zu sein, das von mir Geliebte als Kompensation des unerfüllten Bedürfnisses in mir zu verwenden. Vereinfacht gesagt: Meine Liebe zu X soll über meine mangelnde Liebe zu mir selbst hinwegtäuschen. Aber so läuft das nicht. Diese Form der Liebe entwickelt sich rasch zur Sucht (oder Suche), die erfüllen soll, was fehlt – und leider nicht von extern erfüllt werden kann.
Wer lernt, seine Bedürfnisse aus sich selbst heraus zu stillen, kann der Spirale der Bedürftigkeit entwachsen und frei werden, in der Liebe zu leben.
Es wäre so einfach – doch es ist (meine eigene Erfahrung) nicht immer leicht. Für mich war es ein langer, lehrreicher Weg, der weitergeht, jeden einzelnen Tag, der noch vor mir liegt. Am Ende meines letzten Tages möchte ich zurückblicken können auf ein Leben, dass ich in Liebe gelebt habe.
DIE ULTIMATIVE FRAGE
… lautet: Lebst du in der Angst oder in der Liebe? Ohne lange darüber nachzudenken, aus dem Bauch heraus, was ist deine Antwort? Sie wird dir so einiges über dich verraten. Zum Beispiel, ob du deine Themen bereits gelöst hast, oder da noch ein paar Baustellen auf dich warten. Zögern zeigt in diesem Fall nur, dass sich das Denken vors Fühlen drängt. Vielleicht um eine Antwort zu finden, die plausibel erklärt werden kann? Ausschweifende Erläuterungen, warum es in einem Fall so und im anderen anders ist, umschifft den Kern der Frage ebenso. Es geht einzig und allein um eines:
Welches Gefühl bestimmt dich?
Jedes Gefühl ist auch eine Schwingung, die dich durchdringt und über dich hinaus in die Welt wirkt.
Mich bestimmte viele Jahre die Angst, manchmal klar auf etwas ausgerichtet, manchmal diffus, aber stets das Gefühl der Angst vor etwas. Damit verbunden waren jede Menge Zweifel & Co, die Kraft raubten.
Es hat einige Zeit und viel Arbeit erfordert, doch ich konnte meine Grundschwingung neu ausrichten. Jeder negativen Erfahrung stellte ich eine positive gegenüber. Irgendwann war die Bilanz ausgeglichen. Heute ist es Liebe, die mich bestimmt und mir Kraft schenkt, mich in der Umarmung des Lebens Geborgenheit finden lässt.
Ereignisse, welche die Angst in uns verstärken, gehören zum Leben dazu. Sie passieren, ob wir wollen oder nicht. Der liebevolle Ausgleich dazu braucht manchmal etwas Nachhilfe, um sich zu offenbaren. Oder besser gesagt: Achtsamkeit und bewusste Wahrnehmung, dass unter all dem, was in dieser Welt geschieht, sich auch viel Positives ereignet, Liebe allgegenwärtig ist, wenngleich sie sich oft bescheiden im Hintergrund hält. Wir vergessen häufig darauf, wenn anderes sich lautstark in den Vordergrund drängt. Dabei wäre es enorm wichtig, den Fokus bewusst zu steuern, denn das, was Aufmerksamkeit bekommt, wird mehr. Die Mehrheit bestimmt. Was bestimmt dich?
Bild: https://pixabay.com/de/photos/bl%C3%A4tter-wasser-reflexion-farbe-4232572/
HEILE DICH SELBST
In einem Land wie Österreich als Nicht-Medizinerin das Wort „Heilung“ in den Mund zu nehmen, kann einen in Teufels Küche bringen. Vom Gesetz her ist es nur Medizinerinnen und Medizinern gestattet, zu heilen. Neben vielen anderen stellt sich mir auch diese Frage:
„Darf ich mich denn selbst heilen?“
Soweit mir bekannt ist, steht darüber nichts in den Gesetzestexten.
Wenn es um körperliche Erkrankungen und Verletzungen geht, leistet die Medizin (meistens) viel Gutes. Ich möchte diese Leistungen in keinster Weise schmälern, ABER meiner Erfahrung nach ist die klassische Medizin bei psychischen und seelischen Leiden rasch an ihren Grenzen (oder beim Verordnen von Psychopharmaka). Auch Psychotherapeuten heilen nicht, sie begleiten, können Impulse setzen, Wege aufzeigen, Feedback geben, aber sie heilen nicht.
Ich habe die Verletzungen meiner Seele und Psyche selbst geheilt. Therapeutische Gespräche, unterschiedlichste Seminare und Workshops, Aufstellungsarbeit, Reflexion, Selbsterfahrung, Coaching … ICH habe viel für meine Heilung getan, vieles von außen bekommen – doch wäre ich innerlich nicht bereit gewesen, all dies anzunehmen, wäre es wirkungslos geblieben.
Genau das geschieht – meiner Beobachtung nach – täglich.
Menschen erwarten, dass jemand anders sie heilt. Sie absolvieren Therapien, führen Gespräche, machen dies und das in der Erwartungshaltung, dass sie dadurch geheilt werden. Was dabei oft übersehen wird, ist, dass zuerst der Schmerz und das Leid losgelassen werden muss, damit es zur Heilung kommen kann.
Loslassen kann niemand anders für uns. Loslassen kann jeder nur selbst.
Mit Loslassen meine ich nicht oberflächliche, kopflastige Aussagen, sondern tiefgehende emotionale Prozesse. Seelischer Schmerz ist häufig derart in uns verankert, dass dieser „normal“ wird, ein Leben ohne diesen Schmerz schlichtweg nicht vorstellbar. Dann können Frage wie diese auftauchen:
„Was bleibt mir noch, wenn ich den vertrauten Schmerz, den roten Faden meines Lebens, das Einzige, was verlässlich immer da war, loslasse?“
Leere?
Wer innerlich von Angst erfüllt ist, mag das so sehen. Es gibt aber – wie immer im Leben – auch andere Sichtweisen:
Leere enthält das Potenzial der Fülle.
Leere ist nichts, kann aber alles werden, abhängig von dem, was wir daraus machen.
Leere gleicht einem Freiraum, in dem wachsen kann, was zuvor keinen Platz hatte, weil es vom Schmerz erdrückt wurde.
Leere ermöglicht Neubeginn.
Nur wer loslässt, kann (vorübergehend) Leere in sich schaffen, denn das Leben füllt stets nach. Was es wird, entscheidet jeder von uns selbst.
Jemand anders kann ein Pflaster auf meine Wunde kleben, doch dieses Pflaster wird nicht heilen, sondern die Zellen meines Körpers werden den Schaden reparieren.
Jemand anders kann tröstende Worte zu mir sprechen, aber diese Worte werden die Verletzung meiner Seele nicht heilen, sondern die Gedanken und Gefühle, mit denen ich die Verletzung betrachte, werden dazu führen, dass ich wieder ganz (=heil) werden darf.
Dieser Gedankenansatz half mir, meine Traumatisierungen aufzulösen, aus innerer Zerrissenheit eine harmonische Einheit zu formen, mich selbst voll und ganz anzunehmen, Ruhe und Gelassenheit zu fühlen … kurz gesagt: ICH und heil zu werden.
Das Potenzial der Selbstheilung schlummert in jedem von uns. Was es braucht, ist Raum, um sich zu entfalten.
Lass los und werde frei (von Schmerz und Leid).








