RÜCKBLICK MIT WEITBLICK

Meine Woche als ehrenamtliche Hüttenwirtin am Anton-Proksch-Haus (Werfenweng) der Naturfreunde geht morgen zu Ende. Zeit, Bilanz für mich zu ziehen.

Eine meiner ersten Aktivitäten vor einer Woche war es, mir nach vielen Jahren endlich mal wieder ein Brot selbst zu backen. Die letzten Scheiben gab es heute zum Frühstück. Ein Brot hält eine Woche? Ja, und es wird weder steinhart noch trocken oder gar schimmelig. Was wieder einmal beweist, dass aus gutem Mehl (keine Backmischung), Sauerteig, ein wenig Hefe, Salz und Brotgewürz ein hochwertiges Lebensmittel entstehen kann – ohne jegliche Konservierungsstoffe, Feuchthaltemittel, Emulgatoren und was es sonst noch so gibt.

Obwohl ich mich deutlich mehr als normal bewegt habe, bergauf und bergab, habe ich gleichzeitig weniger gegessen als sonst. Ich war einfach nicht hungrig. Vielleicht lag das auch an dem, was ich mir gekocht habe: Von der Gerschtlsuppe, die mich 4 Tage satt gemacht hat, bis hin zu den selbstgepflückten Eierschwammerln. Mein Speiseplan war „einfach“. Genau das ist es, was für mich Leben auf einer Berghütte bedeutet:

Zurück zur Einfachheit

Einfach leben, in und mit der Natur, ohne viel Schnickschnack. Rück-Besinnung auf das, was Leben noch sein kann. Ich bin keine Minimalistin, aber habe häufig das Gefühl des „zu viel“ in meinem Leben an Dingen, To Dos … und gleichzeitig „zu wenig“ an Zeit.

Wenn ich – so wie heute Vormittag – meine Runde über die Brandlbergköpfe drehe (das Foto entstand dort oben), brauche ich sehr viel Zeit, denn ich halte häufig an. Nicht, weil mir die Puste ausgeht, sondern weil ich schaue, höre, schmecke, rieche, spüre … mit allen Sinnen wahrnehme, was rund um mich ist. Dabei werde ich selbst ganz still, innerlich wie äußerlich.

Vor mir ein Panorama der schier grenzenlose Weite. In der Ferne bimmeln Kuhglocken, in den Wipfeln der Bäume zwitschern Vögel, ab und an fiep ein Murmeltier. Harziger Duft von Kiefernnadeln vermischt sich mit Latschen und Wacholder. Heidelbeeren frisch vom Strauch schmecken köstlich (und verursachen Pausen 😉). Eine sanfte Brise streicht mir um die Nase.

Streicheleinheiten für meine Seele

In meiner Wahrnehmung verringert sich, wenn die Seele satt ist, das Hungergefühl auf die tatsächlich notwendigen Kalorien – und die sind zumeist weniger als wir zu uns nehmen. Ein wirklich kleines Frühstück, ein kurzer Abstecher zur Nachbaralm (wieder rauf/runter) auf einen Apfelstrudel und ein Glas Rohmilch, ein Teller Eintopf. Das war’s. Mehr braucht mein Körper nicht, auch wenn er sich 4-5 Stunden pro Tag am Berg bewegt. Erstaunlich – und Impulsgeber für eine spannende Frage:

Die Menschheit lebte Hundertausende von Jahren in und mit der Natur als Jäger und Sammler. Mit dem Ackerbau entstanden Siedlungen. Unsere urbane Lebensweise ist vergleichsweise jung. Zu jung, als dass sich unsere Genetik angepasst haben kann? Und unser Seelenleben? Kann die Entfernung zur Natur „Hunger“ auslösen? … den der Mensch mangels Verständnisses mit Nahrungsmitteln zu stillen versucht? … was zu einem global wachsenden Gewichtsproblem führt? … und die Frage nach den „artgerechten“ Lebensbedingungen für die Spezies Homo Sapiens (und sein Seelenleben) aufwirft.

Zurück zum Rückblick: Wie einfach das Leben sein kann, habe ich in der vergangenen Woche hautnah erlebt – ohne irgendetwas zu vermissen. Allein oder gar einsam habe ich mich dabei nicht eine Sekunde lang gefühlt. Ich war Teil dessen, was mich umgeben hat. In den Städten hat der Mensch sich seinen eigenen Lebensraum erschaffen, aber oben am Berg, da ist er nur ein Gast, der sich an die Spielregeln der Natur anpasst – oder die Konsequenzen zu spüren bekommt. Die grauen Riesen waren allgegenwärtige Gastgeber, die mir das eine oder andere zugeflüstert haben.

Ich traf auf Menschen, die mit mir auf einer Wellenlänge schwimmen – und andere, die ihren urbanen Lifestyle unverändert am Berg weiterführen, mit all der Hektik, dem Lärm … die blind und taub sind für das, was sie umgibt – und jene, die Zeit haben.

Zeit ist wohl der größte Luxus

Zeit zum Leben, nicht zum Überleben, Funktionieren, Arbeiten, Erledigen … sondern wirklich einfach Zeit zum Leben. Ich gehe an dieser Stelle absichtlich nicht näher auf den Begriff „Zeit zum Leben“ ein, denn eigentlich sollte jeder von uns wissen, was damit gemeint ist – und wenn nicht, wird es Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

Einfach Leben in und mit der Natur

… ein Experiment, das ich nur weiterempfehlen kann, fürs eigene Seelenheil, um mit sich selbst wieder in Kontakt zu kommen, die Batterien aufzuladen und noch mindestens 100 andere Gründe.

Für mich steht fest: dies war meine erste, aber garantiert nicht meine letzte Woche in einer Berghütte.

ANGEKOMMEN – UND JETZT?

Solange ich zurückdenken kann, habe ich mich nach einem Zustand innerer Ausgeglichenheit und Gelassenheit, voller Kraft und Selbstvertrauen, frei von Zweifeln und Zerrissenheit gesehnt. Nach Jahrzehnten der Arbeit an mir selbst und Aufarbeitung von dem, was ich mir nicht unbedingt ausgesucht habe, bin ich in diesem Zustand angekommen.

Und wie geht’s jetzt weiter?

Wer glaubt, dass ich mich nun in einem Leben voll eitler Wonne und permanentem Sonnenschein befinde, irrt sich. Rosa Bubble heile Welt Fehlanzeige. Im Grunde läuft alles wie bisher, mit einigen wenigen Ausnahmen. Eine davon ist, dass mir eindeutig mir „g‘standene“ positive, authentische Menschen begegnen als früher. Zeitgleich sinkt die Zahl der Energievampire und Karmastaubsauger. Beide betrachte ich als Trainingsgelegenheiten, um meine Resilienz gegen energetische und sonstige Ausbeutung zu stärken, bzw. zu reflektieren, in wie weit mich die Themen noch betreffen, wie ich nun damit umgehe und dankbar zu sein, einen anderen Weg eingeschlagen zu haben. Die überwiegende Zeit fühle ich mich im Flow angekommen. Jede Menge Wunderbares geschieht einfach so. Das lässt sich in einem Satz zusammenfassen:

Vom Leben umarmt

Für mich ist dieser Zustand spürbar – und auch für andere. Menschen, die mich eben erst kennengelernt haben, melden mir rück, dass sie mich als sehr kraftvoll wahrnehmen, vor Lebensfreude strahlend und sind beeindruckt von mir. Wow. Das Ziel meiner Reise zu mir selbst war und ist, in ein gutes Leben(sgefühl) zu kommen, however, diese Nebenwirkung freut mich natürlich.

Wenn es mir gelingt, durch das Vorlesen weniger Zeilen mit meiner Stimme und meinen Worten die Herzen von Menschen zu öffnen, sie etwas tiefer atmen zu lassen, ja sogar ihre Augen feucht werden zu lassen, weil sie inmitten eines kopflastigen Alltags zurück in die Welt des Fühlens finden, dann sage ich DANKE für das Potenzial, das mir mitgegeben wurden, das im Zustand der Zerrissenheit das Etikett „Borderline“ trägt, doch im Zustand der Verbundenheit entfaltet es schöpferische Kreativität, versöhnliche Energie, baut Brücken in die Herzen der Menschen, bringt Licht in ihre Seele.

Es bringt mich zum Schmunzeln, an jene Augenblicke zurückzudenken, in denen ich als „kaputt“ eingestuft wurde. Ich sei zu „reparieren“, solle endlich normal werden, damit man mich aushält. Was ich damals als „normal“ verstand, erkenne ich heute als „bedürftig“. Auch ein Grund für Dankbarkeit, mich nicht in die Richtung jenes Durchschnitts entwickelt zu haben, der mich als kaputt beurteilte. Manche von ihnen blicken heute (neidvoll) auf mich, versuchen zu verstehen, und scheitern an den Grenzen ihres eigenen Denkens, ihrer (Vor)Urteile, die sie anderen entgegenschmettern und von denen sie gleichzeitig gefangen gehalten werden.

Ich kann weder die Welt noch einen einzelnen anderen Menschen retten, doch ich habe mich selbst gerettet. Ich bin angekommen – und jetzt geht die Reise weiter. Was auch immer Morgen kommen wird, es enthält ein Geschenk für mich, um zu erkennen, zu verstehen, zu wachsen. Ereignisse und Menschen sind jene Spiegel, die es braucht, um unter die Oberfläche zu blicken. Nichts geschieht zufällig. Bestimmung? Vielleicht. Vielleicht aber auch nur jene Anziehungskraft, die ins Leben holt, was man in sich ist.

Es ist wunderbar befreiend, nicht wissen zu müssen, wie es funktioniert, sondern einfach darauf zu vertrauen, dass es funktioniert. Jenseits vom Ego, in der Umarmung des Lebens.

Derzeit residiere ich (wieder einmal) in den Bergen, darf meine Kleinheit im Angesicht imposanter Berggipfel spüren, die mir Antworten auf meine Fragen zuflüstern. Wie viel Zeit auch immer mir in diesem Leben noch bleibt, was könnte ich Wertvolleres teilen als meine Lebensfreude, ein Lächeln und manchmal ein paar Worte, die das Herz berühren?

INTELLIGENZ UND HUMOR

… gehören meiner Meinung nach unbedingt zusammen. Wie sehr, werde ich heute kurz erläutern.

Von Stephen Hawking stammt die Aussage: „Intelligence is the ability to adept to change“ (Intelligenz ist die Fähigkeit, sich dem Wandel anzupassen. Wie breit der Interpretationsspielraum dieser Aussage reicht, haben mich zwei Ereignisse der vergangenen Tage erkennen lassen.

Im Zug von Salzburg nach Wien, in der Ruhezone (!) eines beinahe leeren Waggons, lauschte ich via Kopfhörer meiner bevorzugten Entspannungsmusik, während ich ein wenig an meinem Skript arbeiten wollte. Die Betonung liegt auf „wollte“, denn zwei ältere Damen ließen sich samt ihrer angeregten Unterhaltung auf den Plätzen jenseits des schmalen Ganges nieder. Offenbar vermissten sie etwas, denn eine der Beiden begann, ihre voluminöse Handtasche zu leeren und jeden entnommenen Gegenstand umfassend zu kommentieren – lautstark. Nach ungefähr 5 Minuten wagte ich die geflüsterte Frage, ob sie sich bewusst wären, sich in der Ruhezone (!) zu befinden. Da sich auf jedem Sitz im Kopfbereich ein grünes Deckchen mit entsprechender Aufschrift in mehreren Sprachen inklusive Symbolik befand, eine Tatsache, die kaum zu übersehen war. Meine Frage wurde jedoch nicht wahrgenommen, weshalb ich sie erneut stellte. Ohne Ergebnis. Meine dritte Frage wurde gehört und löste augenblicklich einen Sturm der Empörung aus, was ich mir einbilden würde, sie zu belehren, sie wären 80 Jahre alt und überhaupt, ich hätte ohnehin Kopfhörer. Leider nicht geräuschunterdrückende, sondern handliche 08/15-In-ear-Stöpsel. Meine nüchterne Feststellung, dass ich die Musik (Kategorie: Entspannung) gar nicht so laut stellen könne, um die Unterhaltung nicht zu hören, ging in der mittlerweile deftigen Schimpftirade, die auf mich einprasselte, unter. Immerhin erhielt ich ein Daumen-hoch von zwei älteren Herren, die eine Reihe weiter saßen. Nach minutenlagen Beschimpfungen zogen die älteren Damen einen Wagon weiter, raus aus der Ruhezone, wohin auch immer.  

Wie war das nochmal: Intelligenz ist die Fähigkeit, sich anzupassen …

Gestern lag ich im Außenbereich einer Therme, genoss ein wenig die Sonne, als ein älterer Herr einen Liegestuhl von dessen bisherigem Standort entfernte und just vor die – deutlich gekennzeichnete – Fluchttüre platziere, um sich darauf niederzulassen. Wagte ich einen Hinweis? Selbstverständlich nicht. Auf neuerliche Beschimpfungen konnte ich verzichten. Da ich ohnehin bereits aufbrechen wollte, packte ich meinen Kram zusammen, ging zur Bademeisterin und informierte diese über das menschliche Hindernis im Fluchtweg.

Intelligenz ist die Fähigkeit, sich anzupassen. In diesem Fall, die Regel „hdP“ umzusetzen und sich dadurch unerfreuliche Beschimpfungen dafür zu ersparen, offensichtlich uninformierte Menschen an die geltenden Spielregeln zu erinnern. Eine Missachtung derselben könnte man – frei interpretiert – als Anti-Intelligenz oder schrumpfende Intelligenz betrachten. Oder als Rücksichtlosigkeit. Ignoranz passt auch. Aber eigentlich geht es mir nicht darum zu ergründen, weshalb manche Menschen Regeln ignorieren bis hin zur fahrlässigen Gefährdung anderer, und sich auch noch darüber aufregen, wenn man sie darauf hinweist. Mir geht es um „hdP“.

„hdP“ steht für „hoid dei Pappn“. Aus dem Wienerischen übersetzt heißt es dann „halt deinen Mund.“

Es gibt Situationen im Leben, in denen es angebracht ist, nichts zu sagen, auch wenn man im Recht ist. Oder jene etwas sagen zu lassen, in deren Zuständigkeit (Bademeisterin) es fällt. Auch wenn es einem auf der Zunge liegt, es förmlich „juckt“, die klarstellenden Worte zu sprechen, manchmal ist „hdP“ die klügere Option, weil intelligent. Anpassung an den Wandel, der auch die – aus meiner Beobachtung – wachsenden Anzahl an ignoranten Menschen im öffentlichen Raum einschließt. Wenn Hausverstand und Rücksicht im urbanen Raum auf dem Rückzug sind, nützt es häufig nichts, seine Stimme zu erheben. Es gilt das Recht des Stärkeren – oder Lauteren.

Intelligenz ist die Fähigkeit der Anpassung an den Wandel.

Zwischen den beiden Ereignissen stand ich abends auf dem Heimweg in der Bahn, die überfüllt war, blickte von einem Ende des Wagens bis zum Anfang. Auf den meisten Sitzen saßen Jugendliche, Teenager beschäftigt mit ihren Handys. Im Gang standen etliche wesentlich ältere Menschen, manche wirkten gebrechlich. Niemand kam auf die Idee, aufzustehen und Platz zu machen. Niemand kam auf die Idee, nach einem Platz zu fragen.

Anpassung an den Wandel der Gesellschaft weg von Rücksichtnahme, hin zur Rücksichtlosigkeit?

Für mich kein Zeichen von Intelligenz – ganz im Gegenteil. Wer in so einer Gesellschaft nicht verzweifeln will, braucht eine Menge Humor, sehr schwarzen Humor, um den bitteren Beigeschmack des Wandels zu überdecken.

Für mich ist Intelligenz auch die Fähigkeit, unter der Oberfläche humorvoller Anekdoten die alarmierenden Zeichen einer Entwicklung zu sehen, die nicht dem wertschätzenden Miteinander dient, nicht die Lebensfreude mehrt, kein Lächeln ins Gesicht zaubert, kein gutes Gefühl vermittelt, sondern Bedauern und Besorgnis erweckt. Für mich ist Intelligenz das Gegenteil von Ignoranz.

Möglicherweise hatte Mr. Hawking, der ein sehr humorvoller Mensch war, auch eine humorvolle Note in sein Zitat gepackt. Die meisten Organismen auf diesem Planeten passen sich seit Jahrmillionen laufend an die Veränderungen ihrer Lebensumwelten sind, sind also per Definition intelligent. Betrachtet man die häufig auftreten Schwerfälligkeit des Menschen im Umgang mit (notwendigen) Veränderungen, liegt es auf der Zunge, die Intelligenz der Menschheit in Frage zu stellen, die ihre Lebensumwelt wieder besseren Wissens zerstört, Kriege führt, toxische Stoffe konsumiert … (Aufzählung bitte beliebig fortführen). Manchmal habe ich den Eindruck, eine Art von Schwarzem Loch würde die Intelligenz aufsaugen. Anders kann ich es mir schlichtweg nicht mehr erklären, warum bei all dem Wissen und all den klugen Köpfen auf diesem Planeten, die wirklich essentiellen Probleme noch immer nicht gelöst sind.

Vielleicht sollte ich mich öfters an die „hdP“-Regel halten, aber es fällt mir verdammt schwer zu ignorieren, was ich Tag für Tag rund um mich wahrnehme. An diesen Wandel will ich mich nicht anpassen. Lieber füge ich den Worten des von mir hoch geschätzten Stephen Hawking noch ein paar von mir hinzu: „Intelligenz ist die Fähigkeit, sich dem Wandel anzupassen … und selbst zu entscheiden, in welche Richtung ich mich entwickeln will“.

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INTRINSISCHE LEBENSFREUDE

Seit Tagen denke ich darüber nach, was ich Kluges für diesen Blog ersinnen könnte, aber irgendwie will es nicht gelingen. Eigentlich wurde alles bereits gesagt. Die essenziellen Weisheiten wurden bereits vor Jahrtausenden niedergeschrieben – auch wenn wir das Rad wieder und wieder neu erfinden, es wird stets rund sein, denn es liegt in der Natur der Dinge, das Rundes rollt.

Es läge in der Natur des Menschen, intrinsische Lebensfreude zu empfinden. Staunend durch diese Welt zu wandern und sich über all das Besondere im Alltäglichen zu freuen, über das Einzigartige im Vielfältigen, über das Wunderbare im Einfachen. Dankbar für jeden Augenblick, der einem geschenkt wurde, hier zu sein, in diesem Leben – dem vielleicht einzigen, das wir haben. Die Fähigkeit dazu wurde uns mitgegeben, doch was machen wir daraus?

Lebensfreude als Grundstimmung, als Melodie eines liebevollen Herzens, unabhängig von den Umständen. Unvorstellbar? Unmöglich? Unglaublich? Ist es das wirklich?

Positives Denken findet im Kopf statt – und hinkt der Gegenwart stets hinterher, denn es braucht Zeit, Gedanken zu formulieren.

Lebensfreude ist ein Gefühl, das ohne Denken auskommt. Es genügt sich selbst, existiert nur im Hier und Jetzt, im gegenwärtigen Augenblick. Weder verliert es sich in der Vergangenheit noch fokussiert es auf die Zukunft. Als Schwingung durchdringt es jede Zelle eines Körpers, strahlt darüber hinaus, zaubert ein Leuchten in die Augen und ein von Herzen kommendes Lächeln ins Gesicht.

Lebensfreude ist jener einzelne Sonnenstrahl, der nach einer langen dunklen Nacht seinen Weg in mein Bewusstsein findet und mich ermutigt, den neuen Tag mit offenen Armen zu begrüßen. Was auch immer hinter mir liegt, im Hier und Jetzt, in diesem Augenblick, lebe ich mit allen Sinnen. Ein Leben, das es zu feiern gilt, denn es ist MEIN Leben, vielleicht mein einziges – und jeder Augenblick davon ist es wert, gelebt zu werden.

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APROPOS SELBSTLIEBE

Diesen Blog widme ich einem besonderen Menschen in meinem Leben.

Selbstliebe hat absolut nichts mit Selbstverliebtheit oder gar Narzissmus zu tun.

Selbstliebe beginnt damit, sich selbst so anzunehmen, wie man ist – mit allem, was dazu gehört. Vielleicht ein paar Kilos zu viel, ein paar Falten im Gesicht, den eigenen Schwächen, Macken und Lastern. JA zu sich selbst sagen, ohne Wenn und Aber, bedingungslos. Dieses JA bedeutet jedoch nicht das Ende des Weges, sondern im Hier und Jetzt zu sich selbst JA zu sagen. Vielleicht lerne ich morgen etwas dazu und werde manches besser machen. Unabhängig davon, was sein könnte oder noch kommen wird, sage ich in diesem Augenblick zu mir selbst JA.

Selbstliebe bedeutet, gut mit sich selbst umzugehen, auf sich selbst zu achten, den eigenen Körper, die Seele, die Psyche, die Gefühle – bestmöglich für sich selbst zu sorgen.  

Selbstliebe schmunzelt über die eigenen Torheiten, akzeptiert lächelnd die Perfektion darin unvollkommen zu sein, übt sich in Geduld, wenn es mal länger dauert, um über jenen scheinbar unüberwindbaren Schatten zu springen, der vom Glücklichsein trennt.

Selbstliebe ist, was Alleinsein von Einsamkeit unterscheidet.

Selbstliebe erlaubt, bedingungslos zu lieben.

Selbstliebe ist, womit jedes Geschöpf geboren wird.

Selbstliebe kann dir niemand nehmen, außer du gibst sie auf.

Selbstliebe gleicht einem schützenden Mantel, der sich um deine Schultern legt und deine Seele in Geborgenheit hüllt.

Selbstliebe im Innen gelebt, spiegelt sich in Taten und Worten im Außen.

Selbstliebe ist Liebe. Liebe heilt.

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SCHNELL (AUS)GETRÄUMT

Manchmal kann ich nur den Kopf schütteln bei dem, was mir so im Netz begegnet. Von „mach das und du bist morgen 3 Kilo leichter“ über „10.000 Top-Kunden im Handumdrehen“ bis hin zu „lass das Universum für dich arbeiten“ … jede Menge Versprechen.

Ein Traum?

Zugegeben, in der Vergangenheit bin ich selbst einigen dieser Pfade gefolgt, habe groß geträumt, und bin verkatert aufgewacht.

Über Nacht, im Handumdrehen oder das Universum für mich arbeiten lassen, hat mich nicht dorthin gebracht, wo ich heute bin. Frei und selbstbestimmt, mit einigen wenigen Altlasten in meinem Rucksack, die kaum noch spürbar sind.

Auch ich träumte einst davon, mich von all den Steinen in meinem Rucksack, möglichst rasch zu befreien. Ein Wundermittel, ein Zauberspruch, ein machtvolles Wesen … verlockende Träume, die ich einen nach dem anderen aufgab.

Ausgeträumt.

Mit mir selbst ins Reine zu kommen, traumatischer Erlebnisse und die daraus resultierenden Blockaden auflösen, innere Konflikte und Zerrissenheit in Harmonie zu verwandeln, im Gleichgewicht verweilen trotz der Stürme des Lebens, oder einfach nur Gewohnheiten wie mehr Sport, weniger Naschen etc. verändern … das erfordert konsequente Arbeit an sich selbst. Arbeit, die einem niemand abnehmen kann, weder ein anderer Mensch noch ein magisches Wundermittel. In meinem Fall waren es über 3 Jahrzehnte Arbeit um die zu werden, die ich heute bin.  

Wie schon Meister Yoda uns lehrte: „Die Dunkelheit ist nicht stärker, sie ist schneller, verlockender“. Der Weg des Lichtes, der Bewusstheit, gleicht einem Ultra-Marathon ohne Ziellinie. Der Weg ist das Ziel. Abkürzungen führen häufig in dunkle Sackgassen, aus denen man nur mühsam wieder rausfindet.

Ja, wenn man mitten in der Scheiße steckt, möchte man am liebsten schnell raus, und alles hinter sich lassen. Eine gewisse Anfälligkeit für verlockende Träume ist da nur allzu menschlich, aber so einfach läuft es nun mal nicht. Nachhaltige Veränderungen geschieht nicht über Nacht und auch nicht von selbst. Aber wer nimmt sich heute noch Zeit?

Wenn ich mich umsehe, ist vieles sehr schnelllebig geworden. Pläne für 1 Jahr? Oder 5 Jahre?

Als ich mich 2017 auf die Reise zu mir selbst machte, spürte ich intuitiv, dass ich mindestens 3 Jahre dafür brauchen werde. Als meine Beziehung nach 24 Jahren in die Brüche ging, war klar, dass ich mindestens 24 Monate zum Verarbeiten rechnen darf. Natürlich wäre es toll gewesen, beides schneller zu durchleben, aber auch unrealistisch. Eine Träumerei, die nicht in der realen Welt bestehen kann.

Unordnung in einem aufgeräumten Haus zu schaffen, geht ziemlich schnell, aber die Ordnung wieder herzustellen dauert seine Zeit. Wenige Augenblicke genügen, um einen Menschen zu traumatisieren. Es braucht mitunter Jahrzehnte, um diese Erschütterung des seelischen Gleichgewichts zu überwinden.

Heilung braucht Zeit.

Vertrauen ins Leben und sich selbst aufzubauen, braucht Zeit.

Die (zutiefst menschlichen) Bedürfnisse nach Ausgleich, Rache, Vergeltung und dergleichen hinter sich zu lassen, braucht Zeit.

Die eigenen Schwächen und Fehlbarkeiten mit Humor und einem liebevollen Lächeln annehmen zu können, braucht Zeit.

Das Ego zu zähmen und sich selbst nicht mehr so wichtig zu nehmen, braucht Zeit.

Sich der Vergangenheit bewusst zu sein, daraus zu lernen, nach vorne zu blicken und aus dem Kommenden das Bestmögliche zu machen, braucht Zeit.

Wir werden als Menschen geboren, doch zu begreifen, was das wirklich bedeutet, braucht Zeit.

Wenn mir heute jemand verspricht, dass etwas „ganz schnell“ geht, werde ich skeptisch. Vor allem in Bezug auf Selbstfindung, Auflösungsarbeit, Therapie etc.

Zeit (die es genau genommen nur in unserem Bewusstsein existiert – im Gegensatz zu den vier Grundkräften der Physik) ist es, die Erdbeeren und Wein reifen lässt – und den Menschen, wenn dieser es zulässt und seinem (nur allzu menschlichen Wunsch) nach schnellen, einfachen, oberflächlichen Lösungen widersteht, sich stattdessen darauf einlässt, dass die Dinge ihre Zeit brauchen um letztendlich gut (im Sinne von heil) zu werden.

Lebe, und sei dir bewusst, dass du lebst.

Träume, und sei dir bewusst, dass du träumst.

Lerne zu unterscheiden zwischen Traum und Wirklichkeit.

Lass die Zeit dein Verbündeter sein.

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MENSCHLICHKEIT

Hinter mir liegt eine Woche, die sich wie zwei anfühlt aufgrund der Anzahl an Ereignissen. Eines begleitete mich gedanklich heute auf meiner Waldrunde. Vor wenigen Tagen erhielt ich von einer Mitarbeiterin das Feedback, das sie besonders meine Menschlichkeit zu schätzen weiß. Das war an jenem Tag, an dem ich morgens in der Bahn dieses Gedicht schrieb (unterhalb übersetze ich in Hochdeutsch 😉)

Maunchmoi kunnst glaum,
nix is so schwaar,
wia oafoch Mensch z’sei,
zu zoagn,
wos di berührt,
wos di gfreit,
wos weh tuat,
und das do wer is
den’s intressiert.

Bist umzüngelt vo Leit,
de olle mehr sei woin ois san.
Koana mehr echt,
gem s’Oanzigortige auf
um Oziachbüdeln z’wern,
Kopien von Kopien,
austauschboar,
und koan interessiert.
wia’s innen drin ausschaut

Oafoch Mensch sei,
se zoagn kenna wia ma is,
genauso ognumma z’wern,
koane Maskn,
koana Mauern,
koa Vasteckspüln.
Oafoch Mensch sei
mit Herz und Söh
wia ma hoit is.

Und jetzt für die Nicht-Alpenländler:

Manchmal könnte man glauben,
nichts ist so schwer,
wie einfach Mensch zu sein,
zu zeigen,
was dich berührt,
was dich freut,
was dir weh tut,
und das da wer ist,
den es interessiert.

Du bist umzingelt von Leuten,
die alle mehr sein wollen als sie sind,
keiner ist mehr echt,
geben sie das Einzigartige auf
um Abziehbilder zu werden,
Kopien von Kopien,
austauschbar,
und keinen interessiert,
wie es innen drin ausschaut.

Einfach Mensch sein,
sich zeigen können wie man ist,
genauso angenommen zu werden,
keine Masken,
keine Mauern,
kein Versteckspielen.
Einfach Mensch sein
mit Herz und Seele
wie man halt ist.

Unschwer das Thema zu erkennen, das mich seit Wochen beschäftigt: Menschsein. Menschlich bleiben in einer Zeit, in der es immer unklarer wird, was das eigentlich bedeutet – zumindest nehme ich das so wahr.

Es wäre verlockend, an dieser Stelle lange und breit über all jenes zu schreiben, was in dieser Welt schiefläuft, und davon zu träumen, wie es anders sein könnte … doch heute gehen meine Gedanken in eine andere Richtung, kreisen um den Kern dessen, was wir alle leben – oder leben sollten:

Menschlichkeit

… was sie bedeutet

… wie sie sich zeigt im Alltag

… wie andere sie an uns erleben

… und was man tun kann, um sie zu behalten.

Hast du schon mal darüber nachgedacht?

Bild: pixabay.com

DIE SEELE EINER FRAU – UNGESCHMINKT

In einer Doku über weibliche Musikerinnen schnappte ich einen Satz auf, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Eine Stylistin sagte:

„Ohne Make-Up erblickt man im Gesicht eines Menschen seine/ihre Seele.“

Make-Up als Schutz? Eine Maske, um zu verbergen, wer man ist, was man fühlt, wie verwundet man wurde.

Solange ich zurückdenken kann, wurde auf meinen Gefühlen rumgetrampelt. Mitgefühl zu erwarten, führte allzu oft zu Enttäuschungen. Verständnis für das Unverständliche? Welche Alternative gab es, als eine Maske über die nächste zu legen, Schicht für Schicht jenen Schutz aufzubauen, der das Leben halbwegs erträglich machte. Meine Seele, meine Gefühle zu verbergen, Kopfmensch zu werden und die Stimme des Herzens auf lautlos zu schalten.

Seit Monaten wehrt sich etwas in mir mehr denn je gegen die Maske, will ich gesehen werden als die, die ich bin.

Täglich begegnen mir Menschen (vor allem Männer), die mich auf meinen Körper zu reduzieren versuchen und glauben, ein paar oberflächlichen Komplimente genügen, und ich springe dorthin, wo sie mich haben wollen. Menschen, die sich selbst als überlegen betrachten, und doch nur ein hohles Konstrukt sind, ein Kartenhaus auf Sand gebaut, ob es ihnen bewusst ist oder nicht. Menschen, die wie Zombies durch diese Welt stolpern, ohne lebendig zu sein.

Es mag Menschen geben, die Masken zum Schutz tragen. Es mag andere geben, die sich dahinter vor sich selbst verstecken. Es mag jene geben, die Masken nutzen, um ihre Ziele zu erreichen. Und auch jene, denen es an echtem Selbstwert mangelt ebenso wie jene die nicht glauben können/wollen, dass ihre wahre Schönheit erst sichtbar wird, wenn sie alle Masken fallen lassen.

Wahre Schönheit hat damit zu tun, mit Tränen in den Augen stark zu sein, inmitten der Stürme des Lebens zu sich selbst zu stehen, in Kauf zu nehmen, dass Vertrauen manchmal mit Narben auf dem Herzen endet, doch ohne Vertrauen gibt es keine Lebendigkeit. Ein Herz auf ewig hinter Mauern (oder Masken) zu verstecken lässt es irgendwann vertrocknen oder zu Stein werden.

Wenn das Gesicht erstarrt, in der Mimik keine Emotionen mehr erkennbar sind (dank Botox), können Neugeborene die Stimmung der Erwachsenen nicht mehr wahrnehmen und zuordnen lernen. Ein Defizit, dessen Auswirkungen wir erst noch zu spüren bekommen werden. Wie findet ein heranwachsender Mensch Zugang zu seiner Seele umgeben von hübschen, aber seelenlosen Gesichtern?

Ein ungeschminktes Gesicht ist immer natürlich. Make-Up erzeugt ein künstliches Bild. Optimiert? Verzerrt? Wahrheit? Lüge?

So viele Menschen suchen so vieles. So viele suchen Anerkennung, Liebe. So wenige zeigen, wer sie sind. So viele Seelen sehnen sich danach, gesehen zu werden.

Blick mir in die Augen.

Ich bin lebendig.
Wenn du mich verletzt,
wird es schmerzen,
doch die Wunde wird heilen
und ich werde wieder vertrauen,
denn Vertrauen ist das Licht meiner Seele.
Furcht und Zweifel sind wie Schatten,
die mich begleiten,
doch niemals bestimmen,
denn das Licht ist,
was ich für mich erwählt habe,
der Wahrheit ins Angesicht zu blicken,
und zu sein,
wer ich bin,
lebendig.

Was gibt es schöneres als das Gesicht eines Menschen, in dem nach einem langen Leben zwei Augen funkeln vor Lebensfreude und Dankbarkeit, für all das Erlebte, die sonnigen Tage ebenso wie stürmischen oder die verregneten.

Du blickst in eine Seele und begreifst, worum es wirklich geht im Leben.

Die wahre Schönheit eines Menschen entspringt dem Licht einer Seele, die sich offenbart, dem Herzen, das seine Liebe teilt, den Händen, die Halt geben und den Worten, die berühren – ungeschminkt.

In der Natur des Weiblichen ist es verankert, tiefe, verbindende Emotionen zu empfinden. Hunderttausende von Jahren genetischer Entwicklung verschwinden nicht einfach so. Darin liegt heute eine enorme Chance. Mehr denn je braucht diese Welt, brauchen wir Menschen, verbindende Emotionen, um Brücken zu schlagen über all die Abgründe, die wir in der Vergangenheit aufgerissen und mit Mauern zu Festungen ausgebaut haben. Weder Patriachat noch Matriarchat sind die Lösung, sondern jenes natürliche Gleichgewicht, das wir vor langem verloren haben.

Vor einigen Wochen fand ich im Netz folgenden Text:

Weisheit der Cherokee

Die höchste Berufung einer Frau ist es, den Mann zu seiner Seele zu führen, damit er sich mit der Quelle verbinden kann. Die höchste Berufung eines Mannes ist es, die Frau zu beschützen, damit sie frei und unverletzt auf der Erde wandeln kann.

Über diese Zeilen habe ich viel nachgedacht, habe alle Rollenbilder und Klischees rausgenommen, die Botschaft auf ihre Essenz reduziert, auf die Art und Weise, wie Mann und Frau miteinander umgehen sollten, unabhängig davon, wer wie viel Geld verdient, die Kinder betreut oder den Haushalt führt. Mann und Frau SIND unterschiedlich, Yin und Yang, doch gemeinsam ergeben sie ein Ganzes, wenn sie lernen, gemeinsam die Balance zu finden.

Leider etwas klischeehaft, doch täglich zu beobachten: viele Männer stecken im Ego fest, haben wenig Zugang zu ihren Gefühlen, noch weniger zu ihrer Seele.

Es ist an der Zeit, dass wir Frauen in unsere natürliche Weiblichkeit zurückfinden und all die künstlichen Erwartungshaltungen hinter uns lassen, um die Seelen der Männer wieder mit der Quelle zu verbinden, damit die Menschheit in ihre Balance findet mit sich selbst und ihrer Umwelt.

Einfach Mensch sein, mit Herz und Seele.

Eine Illusion? Vielleicht.

Eine Vision? Vielleicht eine, die inspiriert.

Ich habe lange nach einem Bild für diesen Beitrag gesucht und mich letztendlich für die Augen eines Kindes entschieden, die fragend-verträumt in diese Welt hinausblicken – eine Seele, die sich noch zeigt, wie sie ist.

Bild: pixabay.com

Nur ein paar Gedanken …

Was wäre,
wenn all die Zeit und Energie,
die täglich für optimierte Selfies verwendet wird,
stattdessen eingesetzt wird
um unsere Welt so zu zeigen,
wie sie ist,
mit all ihren Schönheiten,
und auch all dem,
was Menschen daraus gemacht haben.

Würden die Menschen hinsehen?

Würden sie Scham darüber empfinden,
dass die Krone der Schöpfung
sich in Kriegen, Konflikten, Umweltzerstörung, Gier, Neid, Missgunst, Vorurteilen, Ausbeutung und Unterdrückung jeglicher Art verstrickt?

Daran ist nichts edel oder besonnen,
nichts so, wie es einer Krone der Schöpfung gerecht werden würde.
Eher noch einer Dornenkrone,
die schmerzt.

Vielleicht braucht es Schmerz,
damit es anders werden kann.

Vielleicht braucht es den Schmerz einer Geburt,
damit etwas Neues entstehen kann,
damit die Menschen lernen,
sich nicht von Oberflächlichkeiten verführen zu lassen,
sondern tiefer zu blicken,
und ihre Rolle in dieser Welt neu zu definieren
als Hüter:in der Schöpfung.

Aus großer Macht erwächst große Verantwortung.

Sind wir bereit,
diese Verantwortung zu tragen?
Über den eigenen Tellerrand hinauszublicken?
Über die eigene Lebensspanne?
Über Bequemlichkeiten?
Über Unterschiede?

Es ist längst an der Zeit
hinzusehen,
zu erkennen,
dass uns mehr verbindet
als uns trennt.

Es ist an der Zeit,
dass die Flucht vor der Realität endet,
das wir hinsehen,
hinhören,
uns einfühlen,
erwachsen werden
und Verantwortung übernehmen.

Uns wurde ein Paradies gegeben.
Es liegt an uns,
dieses zu bewahren.

Bild:pixabay.com

NACHSCHLAG ZUM WELTFRAUENTAG

Am 8. März saß ich bei meiner Friseurin. Sie ist alleinerziehende Mutter und Unternehmerin. Eine moderne, unabhängige Frau. Während ich bei ihr war, zeigte sie mir etliche Nachrichten, die sie über whatsapp erhielt. Glückwünsche zum Weltfrauentag, jede Menge Blümchen und Herzchen in der Art von Valentinstag oder Muttertag, süßlich naiv, die von meiner Friseurin allesamt in der Art von „Haben die denn keine Ahnung, worum es beim Weltfrauentag geht?“ kommentiert wurden.

Zum Drüberstreuen erzählte sie mir noch die Geschichte einer Frau, die sich gefragt hat, warum Männer in den sozialen Medien positive Rückmeldungen bekommen ohne geschminkt zu sein und ob das auch bei Frauen möglich wäre. Also machte sie von sich und ihrem Freund ein ungeschminktes Foto und stellte es online. Was kam, war teilweise erschreckend, um nicht zu sagen: unverschämt. Sie wäre unterdurchschnittlich hübsch. Wie könne sie es wagen, sich ungeschminkt zu zeigen. Das Ergebnis dieses Experiments: Sie tritt nur noch geschminkt vor die Kamera.

An diesem Punkt der Erzählung legte sich in mir ein Schalter um und ich begann meinerseits, mir Fragen zu stellen.

Drehen sich unsere Vorfahrinnen im Grab um, wenn sie das mitbekommen? Sie kämpften für das Recht auf Selbstbestimmung, Bildung, das Wahlrecht, Arbeiten gehen zu DÜRFEN, um aus der Abhängigkeit der Männer zu entkommen … Was würden sie darüber denken, müssten sie miterleben, wie moderne Frauen sich vorrangig über ihr Aussehen definieren?

Auf der einen Seite gibt es nach wie vor den Gender Pay Gap, verdienen Frauen bei gleicher Arbeit weniger als Männer. Auf der anderen Seite wird eine ungeschminkte Frau als unattraktiv wahrgenommen. Für mich geht das nicht zusammen. Das Aussehen sagt absolut nichts über Charakter oder Können einer Person aus. Aber wenn Frauen nicht mal mehr ungeschminkt den Müll rausbringen, damit niemand sieht, wie sie wirklich aussehen, dann sagt mir das einiges über das Selbstbewusstsein (oder das Fehlen desselben) jener Frauen.

An diesem 8. März wurde mir so richtig bewusst, dass es ein Diktat des Aussehens gibt und zu viele Frauen sich diesem unterwerfen. Sie öffnen bereitwillig Tür und Tor für Manipulation und Fremdbestimmung, lassen ihren Wert von anderen bestimmen. Das hat nichts mit Selbstbewusstsein oder Charakterstärke zu tun, doch genau das bräuchte es, damit Frauen respektiert werden und Gleichstellung eine gelebte Realität wird… auch ohne Binnen-I. Das Bewusstsein einer Gesellschaft zu verändern braucht mehr, als den perfekten Lidstrich. Es braucht Menschen, die Werte leben, auch bei unfreundlichem Gegenwind.

Wieder einmal bin ich unendlich dankbar dafür, dass es Menschen (Frauen und Männer) in meinem Leben gibt, denen es völlig gleichgültig ist, ob ich geschminkt bin oder nicht. Sie schätzen mich für meinen Charakter, meinen Humor und weil ich die bin, die ich bin … ungeschminkt und selbstbestimmt.   

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