KÄFIG DER ANGST

Vor ein paar Tagen ist mir der Begriff „vielwahrnehmend“ begegnet. Selbstredend habe ich mich darin wiedergefunden, allerdings war mir das auch bereits davor klar, dass meine Wahrnehmung etwas „überdurchschnittlich“ ist. Oder wie ich es gerne nenne: multidimensional.

Eben jene Wahrnehmung (welches Adjektiv auch immer ich davorsetze) beschert mir derzeit einige neue Einsichten und Erkenntnisse, insbesondere auf den „Käfig der Angst“. In dem saßen/sitzen einige der Menschen, die mir in den vergangenen Tagen begegnet sind. So verschiedenen ihre Leben auch sind, ihr gemeinsamer Nenner ist jener Käfig der Angst. Eine innere Haltung, in die sie (so vermute ich) sehr früh in ihrer Kindheit durch wenig erfreuliche Ereignisse geworfen wurden und seither darin festsitzen, in einem imaginären, gefühlten, emotionalen Käfig, in dem sie einst Schutz suchten, und der sie heute davon abhält, ein freies selbstbestimmtes Leben zu leben. Manche können ihre Gefühle nicht zeigen, andere nicht mit Menschen interagieren … es gibt viele Versionen dieses Käfigs, doch in allen davon verhindert er Lebendigkeit.

Dieser Käfig der Angst war einst wirklich sinnvoll und wichtig um zu überleben, aber die Menschen wurden größer, stärker, bräuchten diesen Käfig nicht mehr, dennoch halten sie daran fest.

Richtig gelesen: Die Menschen halten daran fest.

Genau genommen existiert dieser Käfig nur im Kopf und Gefühl, niemals in der Realität.

Es gibt verschiedene Zitate, die von einer „Hölle auf Erden“ sprechen. Ich glaube, jeder Mensch erschafft sich seine ganz persönliche Hölle, meistens nicht freiwillig, aber die wenigsten verlassen freiwillig diese Hölle. Meistens braucht es immensen Leidensdruck, um zu verändern, was die Gitter des Käfigs der Angst undurchdringlich zu machen scheint.

Angst lähmt, erstickt die Lebendigkeit in uns. Insbesondere die Form der Angst, die sich subtil anschleicht, von schmerzhaften Erinnerungen genährt wird und mehr und mehr Raum in uns einnimmt, die uns im Käfig gefangen hält.

Einst saß ich auch in diesem Käfig, viele Jahre, Jahrzehnte, fast mein ganzes Leben lang – doch irgendwann löste ich die Gitterstäbe auf, um Raum zu haben für meine Lebendigkeit und Lebensfreude. Heute frage ich, welche Botschaft für mich sich in den Begegnungen mit all den Menschen in ihren Käfigen der Angst verbirgt.

Soll es mich daran erinnern, wo ich einst war und was ich überwunden habe?

Soll ich jenen die Hand reichen, die noch in ihren Käfigen sitzen? Ich vermag niemanden zu retten, denn auch wenn ich den Käfig wahrnehmen kann, er existiert nur in dem anderen und nur jener andere kann die Tür des Käfigs öffnen. Die geht nämlich nur in eine Richtung auf: von innen nach außen.

Soll ich meine Gedanken dazu mit anderen teilen, Licht auf blinde Flecken werfen? Nicht jeder will in den Spiegel blicken, der offenbart, was es ist. Manche laufen davon und nehmen ihren Käfig mit, den dieser ist äußerst mobil. Flucht ist keine Option. Es gibt nur einen Ausweg – und der führt nach innen, übers Denken ins Gefühl, ins Herz, in die Seele, mit sich selbst ins Reine zu kommen… und die Gitterstäbe des Käfigs verblassen wie Schatten der Nacht im Licht der aufgehenden Sonne.

Bild: https://pixabay.com/de/photos/sonnenaufgang-nebelmeer-alpen-nebel-3909583/

MUT ZUR LÜCKE

Das Gute beim Aufräumen von Gefühlschaos ist die Gelegenheit, alles zu hinterfragen, auch leicht angestaubte Überzeugungen. Dabei kann dann schon mal so etwas rauskommen:

„Im Moment beschäftige ich mich intensiv damit, mein Leben und mich selbst zu hinterfragen. Irgendwie eine Nebenwirkung von der Konfrontation mit dem Thema Tod. Vielleicht denke ich manchmal zu viel nach, aber derzeit hilft es mir, all die Emotionen in mir zu verstehen und damit klarzukommen. Mir ist bewusst geworden, dass ich seit einiger Zeit davonlaufe. Ich verstecke mich in Arbeit. Kaum ist etwas fertig, schnappe ich mir das nächste Arbeitspaket, engagiere mich da und dort … ich lenke mich mit Beschäftigung ab, um die Lücke nicht zu sehen. Ich hab ein cooles Leben, mache was mir Spaß macht und worin ich gut bin, bekomme eine Menge Anerkennung und Aufmerksamkeit … dennoch ist da eine Lücke in meinem Leben, fehlt etwas, dass mir wichtig ist. Keinen Partner zu haben, mit dem ich manches im Leben teilen kann, für den ich da sein kann, auf den ich meine Liebe ausrichten kann, ist diese Lücke. Ich will mich nicht länger selbst belügen. Etwas fehlt in meinem coolen Leben. Dem gilt es ins Auge zu blicken und das tut weh, doch es ist, was es ist. Ich bin eine unheilbare Romantikerin, ein Beziehungsmensch, meistens ein Ausbund an Lebensfreude und es gibt niemanden, der diese mit mir teilen möchte. Ich könnte mich als Versagerin sehen, oder als Opfer des Schicksals, bestraft für was auch immer … doch ich sehe mich einfach an einem Punkt im Leben angekommen, an dem ich in einen Spiegel blicke und anerkenne, was es ist.“

Das sind meine Notizen von vor wenigen Tagen. Diese Gedanken und Gefühle durften erstmal etwas sacken.

Ja, ich habe ein cooles Leben, für das ich dankbar bin.

Ja, ich bin glücklich.

Ja, etwas fehlt in meinem Leben.

Die Lücke ist für mich kein Grund, unglücklich oder unzufrieden zu sein, dennoch möchte ich nicht so tun, alles wäre alles genauso, wie ich es mir wünsche.

Widersprüchlich? Kompliziert? Eigentlich und tatsächlich: Nein. Gedacht und gefühlt.

Die Lücke ist da. Sie zu negieren hieße vor der Realität davonlaufen. Wenn ich eines im Leben erkannt habe, dann, dass man der Realität nicht dauerhaft entkommen kann. Und sei es, dass das Unterbewusstsein unaufhörlich den Fokus genau auf das lenkt, was man nicht sehen will (die verdrängte Lücke bzw. den damit verbundenen Wunsch). Rund um mich nehme ich fast ausschließlich Paare wahr, als gäbe es kaum anderes, was statistisch unmöglich ist bei 1,8 Millionen Singles allein in Österreich.

Ja, es fehlt etwas in meinem Leben, dass ich mir wünsche. Ob ich es finde oder nicht, wird sich zeigen. Die Lücke ist kein Grund, trübselig oder frustriert zu sein, aber sie ist eine gute Gelegenheit, ehrlich zu sich selbst zu sein.

Es ist, was es ist.

Bild: https://pixabay.com/de/photos/puzzle-passt-passen-fehlt-loch-693865/

PURE CLARITY

Trotz emotionalem Chaos, das sich zwar allmählich zu lichten beginnt, aber gleichzeitig vertiefte Einsichten und neue Fragen für mich bereithält, erlebe ich derzeit auch Momente von „Pure Clarity“ – vollkommene Klarheit. Das kann ein gesprochener Satz oder eine kurze Begegnung sein, die sich als Tore zu einem Verständnis jenseits von Fragen oder Zweifel entpuppen… ein vorübergehender Zustand, dennoch höchst inspirierend.

Wie beschreibt man vollkommene Klarheit? Hier mein Versuch:

Es ist, als ob die Grenzen zwischen Denken und Fühlen sich auflösen, zwischen der Welt um mich und dem, was in mir ist. Alles ist eins und in diesem flüchtigen Augenblick bis ins kleinste Detail und in jeder Facette vollkommen stimmig.

Vielleicht nimmt es aber auch jeder anders wahr und dies ist nur meine ureigenste Version.

Die Nachwirkungen solcher Momente der Klarheit sind vielfältig, sie verändern unmittelbar mein Verhalten. „Eigentlich“ ist Verhaltensveränderung eher ein langwieriger Prozess, weil ja eine Gewohnheit umgestellt werden muss/soll/darf, aber ein Moment völliger Klarheit scheint wie ein Urknall zu wirken – bildlich gesprochen. Aus dem scheinbaren Nichts heraus entsteht ein neues (Gedanken- und Gefühls) Universum. Zumindest fühlt es sich so ein. Natürlich verändert sich nicht ALLES, aber was sich verändert, ist so präsent, dass der Rest im Hintergrund verschwindet.

Ich wäre nicht ICH, würden hierbei nicht auch philosophische Gedanken durch meinen Kopf geistern, die danach fragen, ob es sich mit dem großen Universum da draußen ebenso verhält wie mit dem kleinen in mir. Zuerst vermehrt sich das Chaos, um dann Schwupp eine neue Ordnung entstehen zu lassen, weil das Eine ohne das Andere nicht sein kann, Pol und Gegenpol einander bedingen… Die Antworten darauf werden wohl nie gefunden werden, aber allemal unterhaltsame Ablenkung 😉

Allmählich kehrt auch das Gefühl wieder zurück, das mich bestimmt: Lebensfreude 😊

Gerüstet für die (ungewisse) Zukunft? Mein Kopf sagt „hmmm“, mein Gefühl vertraut. Was auch immer in den kommenden Wochen geschehen wird, auf die eine oder andere Weise werde ich einen Weg finden, damit klar zu kommen – und ich werde lernen und mich weiterentwickeln. Auch das ist völlig klar.

Braucht es mehr?

Oder kann/darf das Leben (so) einfach sein?

War/ist es je etwas anderes, als einfach – wenn wir Menschen es sein lassen, was es ist?

Bild: pixabay.com

GEFÜHLSCHAOS

In den vergangenen Wochen war ich keine besonders fleißige Schreiberin. Das liegt daran, dass ich mich in einem ziemlich komplizierten Gefühlschaos verstrickt habe und dabei bin, dieses aufzulösen. Heute werde ich einiges darüber erzählen, denn ich glaube, auch andere könnten sich in ähnlich komplex-komplizierten Situationen befinden. Es geht um eine schwierige zwischenmenschliche Beziehung – zu meiner Mutter.

Es ist kein Geheimnis, dass meine Beziehung zu meiner Mutter belastet ist. Bewusst oder unbewusst, absichtlich oder aus Unwissenheit, war sie für mehrere traumatische Erlebnisse meiner frühen Kindheit verantwortlich und leider nicht in der Lage, mir den Halt zu geben, den ich gebraucht hätte, um diese Erlebnisse halbwegs unbeschadet zu überstehen. So sehr ich auch in mir forsche, ich finde keine Erinnerungen an Geborgenheit oder liebevolle Nähe. Schmerzhaft, aber so ist es.

Meine Mutter ist Mitte 80, ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich allmählich, ihren Geisteszustand definiere ich als „zunehmend realitätsfremd“. Ein klärendes, aussöhnendes Gespräch scheitert an ihrer Verleugnung/Verdrängung dessen, was war. Was bleibt, sind meine schmerzhafte Erinnerungen.

Schlimm, aber man kann ja ausweichen und auf Distanz gehen … könnte ausweichen … ich hänge allerdings in einer gewissen sozialen Verpflichtung, mich um meine Mutter zu kümmern. In meinem Gefühlsleben löst das folgendes aus:

„Ich darf mich nun um die Täterin kümmern, die auf armes Opfer macht. Tue ich es nicht, gelte ich als kaltherzige Täterin, die eine Bedürftige im Stich lässt. Ich soll ausblenden, was mir angetan wurde, vom Verlassenwerden als 3jährige über physische und psychische Gewalt, Demütigungen und Nicht-wahrgenommen-werden als dessen, wer ich bin, bis zum heutigen Tag. Ich soll über all dem stehen, und meinen Schmerz ausblenden.“

Nicht einfach, wirklich nicht einfach. Ein moralisches Dilemma mit vielen Nebenbei-Facetten, das in mir Wut aufsteigen ließ, wie ich sie selten zuvor erlebt habe. Wie soll/kann ich friedvoll in die Zukunft gehen, wenn in der Vergangenheit kein Frieden herrscht?

Kompliziert – und es geht noch komplizierter.

Teil dieses Chaos ist auch mein Sohn, der ein gänzlich anderes Bild seiner Großmutter hat und – zum Glück – andere Erinnerungen. Als ich ihm zu erklären versuchte, wie es mir geht und warum ich mich verhalte wie ich mich gerade verhalte, kam etwas zur Sprache, dass meinen Blickwinkel von jetzt auf gleich völlig umkrempelte: Mein Sohn nimmt mich emotional ähnlich wahr wie ich meine Mutter. Niemals im Leben wollte ich so sein/so werden wie sie! Doch …

… wenn ich ständig auf die Wunde starre, die meine Mutter gerissen hat, werde ich zur Wunde. Wie soll diese Wunde je heilen, wenn ich den Schmerz mit aller Macht am Leben erhalte? Seine Eltern abzulehnen ist (nach wie vor) ein erfolgsversprechender Weg, so wie sie zu werden. Ablehnung ist auch eine Form von Aufmerksamkeit, sprich ein Fokus, der verstärkt, worauf er gerichtet wird.

Von einem Tag auf den anderen verschwand die Wut in mir. Der Schmerz ist zwar noch nicht völlig vorbei, die Wunde noch nicht ganz geheilt, aber ich richte meinen Fokus nicht länger in die Vergangenheit. Diese darf vorbei sein. Mein Verstand hat die Ereignisse meiner Kindheit längst verarbeitet und mit Erklärungen versehen abgelegt. Meine emotionale Seite darf nun nachziehen. Das Chaos beginnt sich allmählich aufzulösen. Der Prozess läuft, jenes loszulassen, dass aus dem Schmerz heraus entstand, und das festgehalten wurde durch die offene Wunde in Form einer nicht enden wollenden Anklage.

Wie kann ich ein feuriger Funken Lebensfreude sein, wenn ein Teil von mir in der Vergangenheit lebt und leidet?

Leben findet an einem einzigen Ort statt: Im Hier und Jetzt!

Es geht weder um Vergessen noch um Verzeihen – es geht um Loslassen. Den Schmerz loslassen. Ihn nicht länger gleich einem Anker mit sich rumschleppen, der ständig zurückzieht in das längst Vergangene.

Die traumatischen Erlebnisse liegen Jahrzehnte zurück. Ich habe überlebt. Ich bin groß und stark geworden. Ich habe mir ein echt tolles Leben geschaffen. Ich werde auch das aktuelle Gefühlschaos in Harmonie verwandeln, weil ich es kann, ich es mir wert bin, weil ich mich für Liebe als das bestimmende Gefühl in meinem Leben entschieden habe. Deshalb bin ich dabei, das (emotionale) Bild in mir neu zu ordnen. Keine Verleugnung, keine Verdrängung, eher eine Akte, die geschlossen wurde.

Bild: pixabay.com

GOODBYE 2023 – WELCOME 2024

31.Dezember 2023 – Zeit, Bilanz zu ziehen.

Müsste ich für das Jahr 2023 ein Wort definieren, so wäre es INTENSIV in allen Belangen. Egal, ob im Job oder meiner persönlichen Entwicklung. Zeit zum Verschnaufen blieb kaum. Vielleicht auch deshalb verbringe ich die letzten Tage dieses Jahres gesundheitlich angeschlagen im Erholungsmodus. Zurückgezogen vor ein loderndes Kaminfeuerchen genieße ich es, allein zu sein, Zeit für mich, meine Gedanken und Gefühle zu haben.

Allein, aber weit entfernt davon, einsam zu sein. Mehr denn je fühle ich mich eingebunden in ein großes Ganzes, geborgen in der Umarmung des Lebens, voller Selbstvertrauen und Achtsamkeit, frei von Zweifeln. Ich bin genau da, wo ich sein will.

Wohin wird mein Weg mit 2024 führen?

Auf mein Bauchgefühl hörend und die Ereignisse der vergangenen Monate als Trend verstehend, wird meine Individualität noch stärker in den Vordergrund treten. Was das genau bedeutend wird, davon lasse ich mich überraschen. Ich weiß nur, was ich (noch weniger) machen werde: Werbung in den sozialen Medien. Für mich mittlerweile absolute Zeitverschwendung. Was ich mache, was ich bin, ist viel zu komplex, um in einem 2-Sekunden-Zeitfenster in der Sintflut aus grellbunten Beiträgen wahrgenommen zu werden. Ein Beispiel:

Eine zwischenmenschliche Begegnung vor wenigen Tagen. Es hat kaum eine halbe Stunde zwanglose Plauderei gebraucht, um mein Gegenüber zu beeindrucken, zum Nachdenken zu bringen, den einen oder anderen Impuls zu setzen für tiefergehendes Verständnis dessen, was ist – und Ideen entstehen zu lassen für mehr Lebensqualität in Zukunft. Interesse an meiner Arbeit als Autorin und Bloggerin entstand quasi nebenbei. Natürlich lässt sich auf diese Weise nicht existenzsichernder Umsatz generieren, aber will ich das? Muss ich das? Nein! Mein Job sichert mein Auskommen. Meine Bücher schreibe ich einerseits für mich selbst, andererseits für Menschen, die Interesse am Thema Borderline haben und/oder die auf der Suche nach sich selbst sind. Das in grellbunte Beiträge zu bringen um mit x anderen um Aufmerksamkeit zu buhlen, ist nicht mein Weg. Ich sehe mich als Mentorin, die verdammt viel zu geben hat. Wer mich findet (und ich habe stets ein paar Mentees, die ich im Stillen begleite), stellt das rasch fest.

Mir wurde gesagt, ich leuchte von innen heraus, habe ein Funkeln in den Augen, strahle Lebensfreude und enorme Kraft aus, gleichzeitig auch Gelassenheit. Kein Beitrag in den sozialen Medien, ob Bild, Text oder Video, kann das wiedergeben, was eine zwischenmenschliche Begegnung zu vermitteln vermag. Genau dorthin zieht es mich – Menschen zu begegnen. Wo auch immer, wann auch immer. Menschliche Wege kreuzen sich nie zufällig. Jede Begegnung hält für beide Seiten etwas bereit … zum Lernen, zum Geben, zum Erkennen, zum Verstehen …

Meine Mission ist es, meinen Erfahrungsschatz zu teilen. Ich schreibe Geschichten, um Leben zu retten – im wahrsten Sinne des Wortes – möchte mit meiner Lebenserfahrung und meinem Knowhow Menschen helfen, sich selbst und ihren eigenen Weg zurück in die Umarmung des Lebens zu finden. Man möchte meinen, die sozialen Medien wären genau der richtige Ort dafür – das sind sie aber nicht, nicht mehr. Zu viele, zu laute Botschaften.

Die Stimme des Herzens ist eine leise. Wer sie hören möchte, tut gut daran, Stille einkehren zu lassen.

Vielleicht werde ich 2024 nicht viele Menschen erreichen, aber mit Gewissheit jene, denen ich etwas weitergeben kann.

Urvertrauen – die Umarmung des Lebens – bedeutet auch, nicht angestrengt den Dingen nachzulaufen, von denen man glaubt, sie müssten sein, sondern das anzunehmen, was es ist. Geduld nennt man die kleine Schwester der Weisheit. Weisheit lehrt, dass wir im Leben nichts erzwingen können. Wir bekommen, wofür wir bereit sind. Jede Begegnung kann ein Spiegel sein, meistens der Gegenwart, mitunter ein Blick in die Vergangenheit.

Nicht mehr bedürftig (auf der ständigen Suche nach Liebe, Geborgenheit, Anerkennung) zu sein, öffnet das Tor in ein selbstbestimmtes Leben. Wie das aussehen kann, davon will ich im kommenden Jahr berichten.

Was auch immer 2024 bringen wird, ich freue mich drauf, auf jeden einzelnen Tag, jede Begegnung, alles, was da kommen mag, denn es wird mich auf meinem Weg weiter voranbringen.

Bild: https://pixabay.com/de/photos/gl%C3%BCcksschweinchen-gl%C3%BCck-5089786/

AUF DER DURCHREISE

Seit gestern sitze ich wieder oben am Berg auf 1.600 m Seehöhe. Urlaubstage auf der Piste. Seelenzeit. Oder modern formuliert: Me-Time. Abendliche Sonnenuntergänge, die dazu einladen, einfach nur dazusitzen und zu schauen, frei von Gedanken, vorübergehend ausgeklinkt aus Raum und Zeit. Erst als das farbenprächtige Schauspiel sich im sternenklaren Nachthimmel auflöst, kehren langsam die Gedanken zurück.

Auf der Durchreise …

… das bin ich. So wie die anderen, die mit mir Zeit am Berg verbringen: Tourengeher, die für eine Nacht bleiben, um danach wiederzuziehen auf Wegen abseits der Massen. Oder die Gruppe Studenten, die sich in ihrer Ferienzeit ehrenamtlich für die Naturfreunde engagieren und eine kleine Imbissbude betreiben. Bunt zusammengewürfelte Menschen jeden Alters, unterschiedlicher Herkunft, Bildung, Ausbildung, Beruf/Berufung, verbunden durch … durch was eigentlich?

Das Miteinander ist harmonisch, obwohl man sich eigentlich fremd ist – war bis zur Ankunft im Haus. Man geht wertschätzend und rücksichtsvoll miteinander um, unterstützt sich bei Bedarf, einfach so, als wäre es das Natürlichste auf der Welt. Ganz anders, als ich es so oft im urbanen Alltag erlebe. Hier oben herrscht Frieden, Gelassenheit, Menschlichkeit.

Wir sind alle nur auf der Durchreise (in diesem Leben). Für die kurze Zeit, die unsere Wege sich kreuzen, teilen wir das Dach über unseren Köpfen und alles, was dazugehört. Es gibt Regeln, an die sich alle halten, niemand muss darüber wachen. So einfach kann das Zusammenleben von Menschen funktionieren … auf der Durchreise.

Die Lebensphilosophin in mir beginnt sich zu fragen, warum es nicht immer und überall so einfach sein kann, das Zusammenleben von Menschen. Liegt es am Berg? Werden auch wir Menschen inmitten der Natur wieder „natürlicher“ im Umgang miteinander? Spüren wir uns und die anderen hier oben wieder mehr?

Entgegen anderslautender Gerüchte, hat nicht der Mensch die Natur erschaffen, sondern ist ein Geschöpf der Natur. Wer dies versucht zu negieren, kappt seine eigenen Wurzeln. Für mich ist die Natur eine Quelle der (Seelen)Heilung. Hier fällt es mir ganz leicht, alle Masken fallen zu lassen, einfach nur Mensch zu sein. Möglicherweise geht es auch anderen so, weshalb es uns so leichtfällt, harmonisch unter einem Dach auf der Durchreise zu sein.