Es gibt sie noch, die inspirierenden Gespräche bei einer guten Tasse Tee, wenn der dicht getaktete Alltag für einige Zeit in den Hintergrund rückt und der Austausch von Gedanken im Hier und Jetzt den Raum in eine lebendige, mitunter vibrierende Atmosphäre hüllt. So geschehen am gestrigen Nachmittag im zauberhaften Ambiente von Anna Pichler’s „dieLeserei“ in Bad Gastein. Obwohl wir aus zwei unterschiedlichen Generationen stammen, verbinden uns doch so einige Bücher und Gedanken zum Leben, zu Geschichten … reichlich Inspiration, um all die „Gedankensplitter“, die seit einziger Zeit in meinem Kopf kreisen, hier zusammenzufassen:
Der Schlüssel zum immerwährenden Glück(lichsein)
Gibt’s den überhaupt? Kann ein Mensch IMMER glücklich sein? Was bedeutet Glück? Was verbirgt sich hinter diesem einen Wort, das wohl – wie so oft, aber in diesem Fall möglicherweise noch mehr als üblich – jede und jeder anders interpretiert? Ist es Glück, im Lotto zu gewinnen? Ja, aber macht es mich auch glücklich? Vielleicht im Augenblick, aber dauerhaft?
Immerwährendes Glück(lichsein)?
Könnten wir diesen Zustand erreichen, wären wir dann noch glücklich? Oder wären wir dieses Glücks bald überdrüssig? Jeden Tag die eigene Lieblingsspeise auf dem Tisch vorzufinden, lässt diese Speise ziemlich rasch im Beliebheitsranking nach unten rutschen. Was mich zu einem weiteren Gedanken führt: Glück, das von äußeren Faktoren abhängig ist. Gewiss, wir können es finden, aber ebenso wieder verlieren. Der EINE Mensch, der/die mich glücklich macht? Was für eine Bürde, die ich diesem Menschen auf die Schultern laste? Mich glücklich zu machen?
Wer das Glück nicht in sich findet, findet es nirgendwo.
Weder an einem Ort noch bei einem Menschen oder im Besitz von was auch immer. Nehmen wir an, ich hätte im Lotto gewonnen. Ein Grund zum Glücklichsein. Nehmen wir an, kurze Zeit später erfahre ich, dass mir nur noch ein Jahr zum Leben bleibt. Was nun? Wie gewonnen, so zerronnen?
Seit einiger Zeit geistert ein „Rezept zum Glücklichsein“ durch meinen Kopf, das noch nicht final ausformuliert ist – was es vermutlich/hoffentlich auch nie sein wird:
Eine große Portion (Selbst)Liebe im Herzen + umfassender Frieden in der Seele + auf (Selbst)vertrauen basierende Gelassenheit im Geist UND eine Prise Humor = Grundrezept für Zufriedenheit bzw. der Boden, auf dem das Glücklichsein sich gerne niederlässt.
Bitte in diesem Zusammenhang Gelassenheit nicht als Widerspruch zu Agilität verstehen. Beides ist zeitgleich möglich. Viel und schnell zu tun und dennoch dabei gelassen zu bleiben. Es geht um die innere Haltung, nicht um Quantität oder Tempo.
Zur Gelassenheit gehört auch, das anzunehmen, was es ist. Mein ursprünglicher Plan war, um diese Zeit unter strahlendblauem Himmel durch den Märzschnee zu carven. Dann kam die Realität: es schneit (intensiv), Sicht nahezu Zero, ergo sitze ich im Hotelzimmer, tippe diese Zeilen in mein Laptop und freue mich daran, meinen Gedanken mit dir zu teilen. Mein Glück(lichsein) hat sich von äußeren Umständen befreit. Das ich diesen Bewusstseinszustand erreichen konnte, dazu haben auch einige der zuvor erwähnten Bücher beigetragen.
Ehrlicherweise füge ich hinzu, dass mein Ego (das gerne an gefassten Plänen festhält) seit dem Aufwachen diverse Wetter-Apps und WebCams konsultiert hat, um vielleicht doch noch ein Fleckchen blauen Himmels zu erhaschen und damit verbunden ein handfestes Argument, dennoch auf den Berg raufzufahren. Zum Glück (Redewendung oder doch mehr?) nimmt meine humorvolle Seite das weniger ernst, was mich über mich selbst Schmunzeln lässt. So viel Entschlossenheit und (zum Glück) situationselastische Disziplin. Welch eine glückliche Kombination 😉die mich von grimmigen „Das-muss-aber-sein“-Aktionen Abstand nehmen und mich die „Wofür-ist-das-eine-Gelegenheit“-Brille aufsetzen lässt.
Humor – welch ein Geschenk des Lebens! Ähnlich dem magischen Feenstaub vermag Humor Leichtigkeit ins Leben zu zaubern – und zumindest gedanklich sind dabei auch Höhenflüge möglich.
Zurück zum immerwährenden Glück(lichsein). Möglich? Ich denke, das hängt davon ab, wie jede und jeder diesen Begriff für sich definiert. Meine persönliche Definition: in einem Zustand immanenter Lebensfreude und (Selbst)Liebe das Leben und alles, was es mit sich bringt, gelassen, vertrauensvoll, dankbar und humorvoll annehmen zu können. Wenn mir das gelingt, bin ich zufrieden und fühle mich glücklich. Der Schlüssel dafür bin ich selbst.
Schlagwort: Lebensfreude
DAS MACHT ETWAS MIT MIR
Blicke ich in die Welt hinaus, schaudert mir. Öffne ich meinen Webbrowser, poppen Schlagzeilen voller Gewalt auf; Katastrophen und Unheil. Manche nennen die Social Media Plattformen die Müllhalden des guten Benehmens. Menschen in machtvollen Positionen postulieren Aussagen voller Intoleranz, Geringschätzung, Ablehnung bis hin zu Hass, bei gleichzeitiger Selbstüberschätzung, Anmaßung und Hybris. Lausche ich in den Öffis auf die Worte außerhalb meiner Ohrstöpsel nehme ich Oberflächlichkeit wahr, beobachte egoistische (um nicht das Wort „rücksichtlose“ zu verwenden) Handlungen. Eine Einstellung im Sinne von „Ich zuerst, danach lange nichts“. Gesunde Lebensweise wird gepredigt, gesunde Lebensmittel werden ständig teurer, die günstigen immer mehr „Junk“, hochverarbeitete Industrieprodukte aus billigsten Rohstoffen. Rauchverbot klingt vordergründig gut, aber den Verkauf von Tabak will niemand einschränken, zu verlockend sind die daraus generierten Steuereinnahmen. Selbiges gilt für Treibstoff. Es gibt x Studien, die aufzeigen, was Menschen krank macht – doch außer temporäre Empörung geschieht nicht viel. Eintagsfliegen. Fatalismus. Die Menschheit steuert sehenden Auges auf ihre Selbstauslöschung zu.
„Das macht etwas mit mir.“
Diese Aussage höre ich häufig leise geflüstert, begleitet von einem Gefühl der Verzweiflung – mitunter sogar Resignation. Selten spreche ich die folgenden Worte laut aus, denn …
Das macht auch etwas mir mit. Es macht genau das mit mir, was ich zulasse, dass es tut. Lasse ich mich von all dem in eine dystopische Stimmung ziehen? Macht es mich depressiv? Fühle ich mich dem ausgeliefert – ein Opfer? Oder anerkenne ich, was es ist, ohne all dem die Macht über mich, mein Fühlen und mein Denken zu geben?
Es ist MEINE Entscheidung!
All das, was „falsch läuft“ kann ich nicht verändern – aber ich kann verändern, wie es auf mich wirkt. Lasse ich mich reinziehen in die destruktive, lebensfeindliche Energie? Oder bleibe ich meinem konstruktiven, lebensbejahenden Weg treu?
Meine Entscheidung!
Das macht etwas mit mir – das kann es nur, wenn ich die „Macht“ abgeben, an andere Menschen, Umstände, Medien …
Will ich das – die Macht über mich, mein Denken und mein Fühlen, an andere abgeben?
Es geschieht subtil. Ein unachtsamer Moment, und ich werde in den Strudel hineingezogen, tiefer und tiefer in jenes „schwarze Loch“, das andere erschaffen haben, auf dessen Boden sie sitzen und – so scheint es – keinen Weg herausfinden. Vielleicht auch gar nicht realisieren, wo sie gestrandet sind.
Dem Strudel zu widerstehen, erfordert Energie, aktiv anderes zu denken und zu fühlen, trotz jener „Realität“, die manchmal unveränderbar scheint, es aber nicht ist. Realität ist genau genommen frei von Wertung. Ereignisse sind. Punkt. Jeder Mensch entscheidet für sich selbst, ob positiv oder negativ. Abhängig von dieser Entscheidung, wirkt ein und dieselbe Realität unterschiedlich auf Menschen. Es geht nicht um Schönzeichen. Gewalt und Zerstörung können durch nichts geschönt werden. Es geht darum, kein Teil davon zu werden, sich nicht anstecken zu lassen von der Negativität, die sich übers Fühlen und Denken in die Seele schleicht und diese zerfrisst.
Wenn alles rundum nach unten zieht, ist es umso wichtiger, oben zu bleiben.
Wenn manche lauthals verkünden, wie schlecht alles ist, gilt es den Blick auf all das Gute zu richten, dankbar zu sein, für das eigene Leben und jeden Augenblick, jede Erfahrung, die mich als Mensch weiterbringt. Es gilt, kein Nährboden für die Saat jener zu werden, die in sich Konflikte tragen und Kriege im außen führen. Frieden kann nicht erzwungen werden. Frieden ist die Entscheidung, den Krieg (und den Konflikt in sich) zu beenden und Verantwortung für sich selbst, das eigenen Denken und Fühlen zu übernehmen.
Was auch immer da draußen geschieht, es macht etwas mit mir – es macht das, was ich entscheide, dass es tun darf.
Ich sehe die Ereignisse, höre die Aussagen, dennoch glaube ich an das Gute im Menschen, bin dankbar für eine Blume am Wegesrand, zufrieden mit meinem Leben, neugierig auf das Morgen, entscheide mich zu vertrauen.
Wer die Welt verändern will, muss bei sich selbst anfangen.
Andere mögen schwarze Löcher graben, ich baue Brücken aus Licht zu den Seelen der Menschen. Auch das tut etwas mit mir – und vielleicht auch mit anderen?
Bild: KI-generiert
DIE KRAFT DER STILLE
Das neue Jahr hat gleich zu Beginn eine äußerst interessante Lektion für mich: Kehlkopfentzündung samt viralem und bakteriellen Infekt = out of Order. Oder anders gesagt: eine Woche des Schweigens, die nun hinter mir liegt – und eine spannende Erfahrung.
Nie zuvor habe ich so lange geschwiegen, weder freiwillig noch unfreiwillig. Geschätzt habe ich in der vergangenen Woche in Summe 100-150 Wörter in der Arztpraxis sowie der Apotheke gekrächzt. Nur das absolut Notwendigste. Darüber hinaus … Stille.
Eine Stille, die sich allmählich auch in meinem Denken ausbreitete – und meinem Körper. Puls 51 – das nenn ich mal Gelassenheit 😉
Kommunikation ist wichtig, aber wie viel Worte braucht es wirklich? Und welche sind es?
Aus meiner „silent bubble“ auf die Welt blickend, fällt mir auf, dass Kommunikation häufig so abläuft: jemand sagt etwas, wirft quasi einen Stein in einen ruhenden See zwischen sich selbst und den anderen. Dieser Stein plumpst ins Wasser, löst dabei Wellen aus, die sich konzentrisch ausbreiteten und alle erreichen rund um den See. Doch bevor noch diese ersten Wellen abgeflaut sind, wird der nächste Stein ins Wasser geworfen, und der nächste … dieser Prozess setzt sich laufend fort, während die ersten Wellen die Ufer erreichen und zurückgeworfen werden, auf die nächsten herannahenden Wellen treffen … alles wird mit allem verwirbelt. Jede Botschaft (bzw. Welle) für sich transportiert eine Botschaft, ein Gefühl, eine Stimmung, die im Wirbel untergeht.
Ein Teil von mir nimmt bereits seit längerem eine Art von „Reizüberflutung“ in der Umwelt wahr, doch erst diese Woche der Stille, meines Schweigens, ließ jenes Bild entstehen. Wir können vielleicht noch die oberflächliche Botschaft hören, aber all das, was die Wellen noch mit sich tragen, bleibt der Wahrnehmung verborgen – dennoch wirkt es auf uns. Unsere Umwelt ist im wahrsten Sinne des Wortes überflutet. Selektiv picken wir für uns heraus was uns wichtig erscheint, während alles andere ungefiltert über uns hinweg rollt.
Eine dramatische Schilderung?
Vielleicht – vielleicht auch nur realistisch.
Unsere Sinne sind so viel feiner, als unser Bewusstsein uns glauben machen will. Seit Jahren steige ich in die U-Bahn nur noch mit Stöpsel in den Ohren und für mich positiver Musik ein, dennoch fühle ich mich selten wohl darin, spüre Anspannung, etwas, das mich bedrückt … die Wellen der anderen branden gegen mein Ufer, ob ich will oder nicht.
Was ich hier bildlich-naiv beschreibe, lässt sich wissenschaftlich-fundiert belegen. Doch auch ohne harte Fakten, die meisten von uns kennen das Gefühl, inmitten von Menschen zu sein, die uns runterziehen, ohne dass sie direkt etwas gegen uns tun. Oder das gegenteilige Gefühl, durch eine Gruppe getragen, inspiriert und motiviert zu werden. Keiner von uns ist immun gegen das, was die Wellen mit sich transportieren.
Durch meine Woche des Schweigens bin ich (hoffentlich langanhaltend) noch achtsamer geworden für das, was ich aussende, in Worten ebenso wie in Gedanken. Letztere können wir zwar nicht hören (und wer’s dennoch glaubt, sollte vielleicht ein paar ernsthafte Gespräche führen), aber wir können die Stimmung dahinter spüren – bewusst oder unbewusst.
Braucht es tatsächlich die Sintflut an Worten und Botschaften? Oder ist weniger mehr? Abseits vom Highway der Kommunikation liegt die Oase der Stille, ein Ort der Kraft, den zu entdecken sich lohnt.
Das heutige Beitragsbild wurde von der WP-KI generiert … sehr stimmig, wie ich finde, und sehr ruhig.
Jahresausklang 2024 oder Lesley‘s Magie der Raunächte
Wieder einmal sitze ich inmitten eines farbenprächtigen Sonnenuntergangs der Extraklasse oben auf dem Berg, inmitten einer tiefverschneiten Landschaft, tauche ein in meine Gedanken- und Gefühlswelt.
2024 geht in wenigen Tagen zu Ende. Was für ein Jahr! Die Krankheit meiner Mutter, ihr dennoch überraschend schneller Tod, dazwischen ein klein wenig mehr Chaos als „normal“ im Job … Phasen der Ruhe hatten Seltenheitswert und wenn es doch mal eine gab, dann dauerte sie nicht lange an. Zurückblickend habe ich den Eindruck, das Leben hätte entschieden, mich so richtig durchzurütteln, keinen (gedanklichen) Stein auf dem anderen zu lassen. Die Ereignisse schienen mir keinen anderen Weg zu lassen als alles (und vor allem mich selbst) erneut zu hinterfragen. Einiges an verschütteten Erinnerungen (und Blockaden) kam hoch, durfte von mir wahrgenommen und bearbeitet werden.
Von hier oben betrachtet hat das Leben wohl den Plan gefasst, jedes noch so kleine versteckte unrunde Steinchen aus meinem Rucksack zu rütteln. Einerseits absolviere ich derzeit eine Ausbildung (mehr dazu 2025), andererseits arbeite ich an einem neuen Buchprojekt (dazu ebenfalls mehr 2025) und reflektiere, was heuer so geschehen ist in meinem Leben, durchlaufe eine Art von Reboot, werde „neu aufgesetzt“… aber irgendwie durch und durch positiv, ganz so, als wäre ich bereit, alles andere loszulassen. Offenbar scheint die Zeit dafür gekommen. Wer bin ich, die Weisheit des Lebens in Frage zu stellen?
Die zufällige Begegnung mit dem Spruch „Innerer Frieden beginnt, wenn das Drama deiner eigenen Geschichte keine Kontrolle mehr über deine Gefühle und Gedanken hat (Angela D. Kosa)“ lässt mich Schmunzeln. Wie wahr, wie wahr … und gleichzeitig vermisse ich die Tiefe, die sich in diesen Worten verbirgt. Drama ist nicht gleich Drama. Da gibt es das laute, das leicht erkennbar ist, und das stille Drama, das oftmals übersehen wird und sich hartnäckig tief in uns festklammert, unser Leben zu dirigieren versucht, allzu häufig dabei erfolgreich ist.
Oder der Text eines Songs wird zu einem Spiegel des Lebens in den ich blicken darf, der mich an die Wahrheit in mir erinnert. Wahrheit ist weder gut noch böse, weder schön noch hässlich, weder richtig noch falsch, weder einfach noch kompliziert… Wahrheit IST, nicht mehr und nicht weniger als das Spiegelbild dessen, was es ist.
Da sind jene Momente, in denen die vor mir liegende Zukunft so klar erkennbar wird wie die Silhouette eines Scherenschnitts. In anderen handle ich auf eine Art und Weise, die ich nicht von mir kenne, dennoch habe ich das Gefühl, ganz ICH zu sein.
Magie der Raunächte? Wer weiß …
Aberglaube gehört nicht zu meinem Repertoire, böse Kobolde oder Dämonen sind vor mich eher im Menschen selbst verortet als Wesen im Außen. Jeder erschafft seine eigene Hölle – oder seinen eigenen Himmel. Oftmals steckt jedoch ein tiefsinniger Kern in alten Mythen, uralte Weisheit, die bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren hat. Von offenen Türen zur Geisterwelt wird da berichtet, vom richtigen Zeitpunkt zum Wahrsagen, von einer Zeit des Fastens (oder Entschleunigens = zur Ruhe kommen) … für mich alles Facetten dessen, was derzeit mein Leben bestimmt: Die Hektik des Alltags für einige Tage hinter mir lassen, mich in die Stille der Berge zurückziehen (vor und nach den Zeiten des Liftbetriebs ist es hier oben sehr still), mit meinen „Geistern“ (oder Persönlichkeitsanteilen) auf Vergangenes blicken und Kommendes visualisieren.
Ob nun tatsächlich magische Kräfte im Außen wirken oder ich es selbst bin, die Ordnung schafft im „Archiv Unterbewusstsein“ und dabei wertvolle Ressourcen aktiviert für das „Projekt Zukunft“ … who cares? Das Ergebnis zählt … eine dieser Wahrheiten, die sind. Punkt.😉
Bild: ein Traum von Sonnenuntergang, den ich heute miterleben durfte
DIE ZUFÄLLIGE TRANSZENDENZ EINES NOVEMBERSPAZIERGANGS
Dies ist eine jener märchenhaft anmutenden Geschichten, die manchmal einfach so passieren. Alles beginnt mit einem Schritt vor die Tür, an einem trübgrauen Novembersonntag. Drei Tage des Herumliegens (weil grippig) sind ausreichend motivierend, um allem Novembergrau zum Trotz eine Runde durch den Wald zu spazieren, auf einer möglichst menschenleeren Route. Mir ist danach, mit mir allein zu sein, in meine Gedanken- und Gefühlswelt zu lauschen.
Noch ein Monat bis Weihnachten. Das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Es war ein Jahr wie keines zuvor in meinem Leben. Ein Wechsel aus 200% im Job und Phasen des Rückzugs von der Welt, dazwischen der Tod meiner Mutter, das Aufbrechen meiner (bis dahin) lebenslangen Trauerblockade … was für ein Jahr!
Alles Zufall?
Ich glaube nicht an Zufälle.
Viele Menschen kennen mich als „Mrs. Zahlen-Daten-Fakten-Logik“ mit flinkem Verstand, die alles und jeden analysiert. Das stimmt auch. Gleichzeitig bin ich jedoch auch ein sehr spiritueller Mensch. In meiner Vorstellung existiert eine Art von „Ordnung“ hinter all den Ereignissen und Begegnungen. Etwas, dass all die unendlichen Teile zu einem großen Ganzen zusammenfügt. Gott? Sollte tatsächlich ein (Singular) Wesen (keinerlei Gender-Zuordnung) im Hintergrund wirken, dann ist dieses hocheffizient und in seiner Art von unserem beschränkten menschlichen Geist nicht zu erfassen. Einfacher zu fassen für mich ist eine Art von Ordnung, Kraft, Energie … etwas, dass eindeutig mehr Überblick über alles hat als ein einziger Mensch wie ich 😉
Warum geschieht etwas heute – und nicht gestern oder morgen?
Warum treffe ich X jetzt – und nicht vor 10 Jahren oder nie?
Neben mir auf dem Weg entdecke ich eine kleine Pflanze mit mehreren gelben Blüten – Ende November. Blüht diese Pflanze, weil die große Ordnung mich hier und jetzt zum Lächeln bringen möchte? Oder bemerke ich die Blüten deshalb, weil mein innerer Fokus sich auf das Besondere im Alltäglichen ausrichtet und mein Unterbewusstsein meinen Blick lenkt? Auf diesen Fragen wird es wohl niemals eine finale Antwort geben, dennoch finde ich es inspirierend, darüber nachzudenken.
Ebenso wie über die zwei großen Mysterien des Menschseins. Das erste ist die menschliche Psyche an sich, ein hochkomplexes Wunderwerk, das trotz etlicher Erklärungsmodelle nach wie vor Rätsel aufgibt. Selbiges gilt für das zweite Mysterium: zwischenmenschliche Beziehungen. Würde ich mich für den Rest meiner Lebenszeit ausschließend diesen beiden Themen widmen, mir würde niemals langweilig werden.
Nehmen wir die menschliche Psyche mit all ihren bewussten und unbewussten Aspekten, von den Untiefen der Verdrängung bis hin zu den Geistesblitzen der Erleuchtung. Jeder Mensch hat eine Unzahl an Erfahrungen und Erlebnissen. Sie prägen, wer wir sind. Zufall? Mich prägten einige Traumatisierungen, ähnlich wie Vulkanausbrüche und Meteoriteneinschläge diesen Planeten geprägt haben. Doch da gab es auch noch anderes, Kleinigkeiten, die sich wie Samenkörner im Boden verankert haben, aus denen blühende Wiesen und mächtige Wälder entstanden – und mein Fokus auf all das, was die Wunden in meiner Seele zu heilen vermag.
Ein Mensch ist mehr als die Summe seiner Erlebnisse.
Wir können über das, was uns prägte, hinauswachsen. Menschen haben die Fähigkeit, etwas zu erschaffen, das zuvor nicht existiert hat. Ob in Kunst, Technik oder Wissenschaft – oder einfach nur neue Gedanken bei einem Spaziergang.
An diesem Punkt angekommen schiebt sich ein Sonnenstrahl durch die dichten Wolken, trifft genau jene Stelle, an der ich stehengeblieben bin. Zufall?
Die einen sagen, Menschen werden von ihren Trieben gesteuert. Andere sehen das Streben nach Macht als Motor allen Tuns. Manche stellen den Sinn ins Zentrum des Menschseins oder suchen Erklärungen mittels systemischer Ansätze. Es gibt mindestens 1001 Zugänge, das Mysterium Mensch zu verstehen. Ich bin überzeugt davon, dass jeder davon auf seine Weise recht hat – und doch nur eine Facette von vielen des Mysteriums abbildet.
Wir Menschen sind mehr als die Summe unserer Erlebnisse. Was machen wir daraus? Was mache ich daraus? An diesen Novembersonntag? Blicke ich zurück, vertieft sich mein Verständnis für einiges in meinem Leben und mich selbst. Blicke ich nach vorne, entstehen Ideen, wohin die Reise führen soll. Aber wird es so kommen? Vertrauen ins Morgen? Urvertrauen, dass – egal was geschieht – es in diesem Moment genau das Richtige ist. Die Glücksfälle nimmt jeder gerne an, aber auch die Schicksalsschläge? Woran reift ein Mensch? Was heilt die Seele? Meiner Erfahrung liegt viel Potenzial in Krisen und wie wir damit umgehen. Anstrengungen gehören dazu. Leichtigkeit entsteht, wenn wir den Ballast ABWERFEN – er fällt nicht von allein. Loslassen ist ein kraftvoller Akt. In sich erstarrte Haltungen zu lösen und in die Beweglichkeit zurückzufinden geschieht nicht passiv, sondern nur durch aktives Tun. Etwas, dass niemand einem anderen abnehmen kann. An schmerzhaften Erinnerungen und dem damit verbunden Leiden festhalten – oder loslassen und zulassen, dass etwas Neues entsteht, dass zuvor nicht existiert hat? Dankbarkeit? Lebensfreude? Hier und Jetzt durch den Wald zu spazieren und frei zu sein, bewusst all diese Gedanken und Gefühle zu haben, weil ich mehr bin als die Summe meiner Erlebnisse. Weil ich daraus etwas gemacht habe, das zuvor nicht existiert hat.
Was für ein Zufall, dass sich die Wolken genau in dem Moment verziehen, als ich über diese Frage sinniere, und sich der strahlend blaue Himmel an diesem zuvor grautrüben Novembersonntag zeigt. Zufall? Ich glaube nicht an Zufälle 😉
SEELENHEILUNG
Wie kann die Seele geheilt werden? Wie die Angst für neuerlicher Verletzung überwunden und zurück ins Urvertrauen gefunden werden?
Darauf gibt es keine Antwort im Sinne von „ein bisschen hiervon, ein Hauch davon, ganz viel von was auch immer“. Es gibt kein Universalrezept, auch wenn manche Stimmen genau das versprechen. Jede Seele ist einzigartig, jede Lebensgeschichte eine Sammlung individueller Erfahrungen, jede Heilung eine Reise zu sich selbst. Manchmal sind es kleine Schritte, ein anderes Mal große Sprünge ins Unbekannte, die es zu meistern gilt.
Das Ziel gleicht einer fernen Erinnerung, wer wir einst waren, vor den Verletzungen – und wer wir immer noch sind, unter all den Narben, hinter den Mauern, zurückgezogen in den Schutz der Unnahbarkeit, der Unberührbarkeit. Für den Weg gibt es keine Karte, nur einen Kompass: unser Herz.
Auch wenn niemand anders für uns die Schritte gehen kann, sind wir doch niemals allein auf dieser Reise. Jede Seele sucht und findet ihre Begleiter. Manchmal läuft es g’schmeidig, ein anderes Mal stoßen wir uns wieder und wieder den Kopf, drehen uns im Kreis, fallen und stehen wieder auf. Nichts davon ist „umsonst“, alles hat seinen Sinn.
Heilung braucht ihre Zeit und hat ihren Preis: Loslassen … Schmerz, Anklage, Schuldgefühle, Scham, Zweifel … was auch immer es ist, an dem wir festhalten in dem Irrglauben, wir wären unzureichend.
Heil zu werden bedeutet, Meisterschaft zu erlangen, sein Leben zu meistern, mit allem, was da kommen mag. Zurückzublicken auf all das, was hinter uns liegt, frei von Schmerz, und es als das anzuerkennen, was es war, wissend, dass es uns an diesen Punkt im Leben geführt hat, der den Samen in sich trägt, aus dem das Morgen erwächst.
Heilung ist etwas Sanftes, wie ein Tautropfen, der sich frühmorgens auf unserer Seele einfindet und das Licht der aufgehenden Sonne in uns und in die Welt hinauslenkt. Eine liebevolle Berührung der Vergänglichkeit, ein Verharren in der Unendlichkeit eines Augenblicks. Leise, vibrierend, lebendig.
Dort, in den stillen Momenten, kann Wundervolles geschehen, können Narben verblassen, kann eine Seele heil werden.
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WORTE DER HOFFNUNG
Heute wurde ich Zeugin eines wahrhaft magischen Augenblicks: Die Geburt einer Eiche. Wer das Bild genau betrachtet, wird jenen zarten Trieb erkennen, der sich durch die harte Schale der Eichel kämpft. Okay, diese Geburt wird deutlich länger andauern als jene Zeitspanne, die wir Menschen üblicherweise als „Augenblick“ bezeichnen, aber eine Eiche kann auch auf eine Lebensspanne von einigen Hundert Jahren hoffen, insofern darf auch die Geburt mehr Zeit in Anspruch nehmen. Auf einer Wanderung, die rund 23.000 Schritte umfasste, rein „zufällig“ den (Augen)Blick auf ein derart unscheinbares Detail zu werfen, ist für mich etwas Magisches. Was oder wer auch immer wollte, dass ich sehe, wahrnehme, erkenne … das Besondere im Alltäglichen, in dem stets eine tiefe Weisheit verborgen darauf wartet, unser Sein um einen magischen Augenblick zu bereichern.
Also setze ich mich abends hin, schnappe mir mein Laptop, um meine Gedanken niederzuschreiben, als im Browserfenster eine Schlagzeile aufpoppt: „US-Psychologe benennt Schlüssel zu Resilienz in nur einem Wort“. Selbstredend, dass ich neugierig werde. Dieses eine Wort, das – ergänzend zu Atmen, Achtsamkeit, Aushalten und all dem anderen – die Resilienz stärkt, ist Hoffnung.
Hier der Artikel zum Nachlesen
Hoffnung – wie passend. Was passt besser zu meinem magischen Augenblick der Geburt einer Eiche als Hoffnung. Wird jener Spross dereinst zu einer mächtigen Eiche heranwachsen, die lange noch ihren Platz einnehmen wird in jenem Wald, wenn ich längst nicht mehr bin? Alles ist möglich, nichts ist fix. Was macht den Unterschied, zwischen einfach nur dahintreiben im Strom der Zeit oder den Blick offen halten für die oft winzigen Details, die den Dingen ihre Bedeutung verleihen. Hoffnung?
Manche mögen darin eine sentimentale Anwandlung sehen, illusorische Träumerei, doch war es nicht Hoffnung, die Viktor Frankl jene Zeit des Horrors im KZ überstehen ließ? Sagen wir nicht, sie ist guter Hoffnung, wenn eine Frau ein ungeborenes Kind in sich trägt und neues Leben entsteht? Ist es nicht Hoffnung, die bis zuletzt an unserer Seite ist, denn geht sie verloren, ist alles verloren.
Liebe gilt als die stärkste unserer Emotionen, Hoffnung ist der lange Atem, der die Liebe in schweren Zeiten am Leben erhält. Ein unverkennbares Leuchten in den Augen, dass ich vor wenigen Tagen im Gesicht einer jungen Frau erblickt habe. Ein Lächeln, das viel mehr erzählt als Worten es je könnten – und das mir Hoffnung macht, vielleicht jener eine Tür in ein selbstbestimmtes Leben aufgezeigt zu haben.
Hoffnung macht vieles möglich, eröffnet neue (gedankliche) Wege, wird zu einer schier unerschöpflichen Kraftquelle, kann Zweifel beiseiteschieben und das Fundament des Vertrauens festigen. Mitunter mag Hoffnung sich nicht an vorherrschende Realitäten oder Wahrscheinlichkeiten ausrichten, aber wird sie dadurch nicht genau zu jener Kraft, die uns hilft, unsere selbst auferlegten Beschränkungen zu überwinden und bislang Unmöglich erscheinendes möglich zu machen?
Begegne ich einem Menschen, sehe ich, was da ist – und was dieser Mensch sein könnte, wenn er oder sie die noch schlummernden Potenziale in sich entfaltet und zur Blüte bringt. Es ist ein Blick voller Hoffnung, auf das, was möglich wäre …
Vor vielen Jahr hing in meinem Zimmer ein Motivationsbild mit einem Spruch von J.W. Goethe: „Behandle die Menschen so, als wären sie, was sie sein sollten, und du hilfst ihnen zu werden, was sie sein können.“ … für mich ein Spruch voller Hoffnung – und ein Auftrag, achtsam zu sein, was ich im anderen erblicke, durch den Spiegel, hinter die Fassade, in die Tiefe zu blicken, ins Herz und in die Seele, wo uns Menschen eines verbindet: der Wunsch, geliebt zu werden, von anderen wertgeschätzt und in Geborgenheit zu leben.
Normalerweise halte ich wenig von Generalisierungen, aber in diesem Fall … wer nicht in sich den Wunsch nach Liebe, Geborgenheit und Anerkennung verspürt, darf mir dies gerne rückmelden um mein hoffnungsvolles Bild einer (zumindest auf dieser Ebene) verbundenen Menschen zu revidieren. Eines verrate ich vorweg: ich bin nicht gewillt, meine Hoffnung aufzugeben, dass die Menschheit eines Tages das Trennende überwinden und das Verbindende in den Vordergrund stellen wird, dass über all die offenen Gräben tragende Brücken gebaut werden. Wer weiß, vielleicht wird die kleine Baby-Eiche diesen Tag erleben?
DEEP MINDED STUFF
„Manchmal braucht es keine geschriebenen Worte. Manchmal sind es gesprochene in zufälligen Begegnungen des Lebens. Selbstheilung kann auf vielfältige Weise geschehen. Alles kann Therapie sein, wenn wir uns bewusst darin reflektieren.
Sehne dich nicht nach dem, was es nicht ist, sondern freue dich an dem, was es ist. Erlaube dem Leben Regie zu führen in dem Vertrauen, dass dir genau das begegnen wird, was dich jetzt weiterbringen kann.“
Vor einigen Tagen tauchten diese Gedanken unvermittelt in meinem Bewusstsein auf, als ich den Facebook den Beitrag einer Freundin las. Im ersten Ansatz dachte ich, diese Worte wären für sie bestimmt. Bei nachträglicher Betrachtung – auch der Ereignisse, die seither geschehen sind – entdecke ich darin ganz viel für mich selbst. Allein der gestrige Tag …
Buchmesse. Lesley und ihre Bücher. Lesley und ihre Geschichte. Lesley und ihr Weg, aus dem Problem Borderline das Potenzial Borderline zu machen. Wie oft ich das gestern erzählt habe? Keine Ahnung. Ich habe Ideen weitergegeben, Samen gesät, innere Bilder ein wenig retuschiert … beobachtet, wie Menschen auf das reagieren, was ich sage – und auf das, was ich bin.
Spät abends noch eine Runde Reflexion. Bei manchen Menschen hatte ich das Gefühl, sie würden mich ablehnen, aber war es wirklich Ablehnung? Oder vielleicht Unverständnis? Überforderung? Ein Spiegel, den ich ihnen vor Augen halte und in den sie (noch) nicht blicken wollen? Alle (inneren) Anklagen gegen das Leben, Menschen, Geschehnisse der Vergangenheit fallen zu lassen um im Hier und Jetzt frei zu werden, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, frei von den Verstrickungen des längst nicht mehr Veränderbaren? Wer will das schon? Wer will auf seinen (gerechten) Zorn verzichten? Es geht nicht um verzeihen, nicht um das Erhöhen der eigenen Position, die damit einhergeht, die Schuld und damit die Last von den Schultern anderer zu nehmen, sondern es anzunehmen, als das, was es war: ein Ereignis auf dem Lebensweg das dazu beigetragen hat, die Gegenwart zu erschaffen. Hadere ich mit meiner Vergangenheit, hadere ich mit dem, was aus ihr hervorging: ICH.
Innerer Frieden beginnt damit, es sein zu lassen, was es war, daraus zu lernen, sich weiterzuentwickeln, um die Zukunft anders zu gestalten. Wie viele kennen diese Theorien? Wie wenig leben danach?
Gewiss, nicht alle Menschen streben danach unter die Oberfläche zu blicken oder die uns bestimmenden Dynamiken und Systeme zu erforschen. Viele leben ein gutes, zufriedenes Leben ohne alle dem „deep minded stuff“. Aber um ein Thema wie Borderline zu lösen, braucht es – meiner Erfahrung nach – einiges an deep minded stuff, weil die Wurzel genau dort verborgen liegt, ganz tief drin. Oberflächenkosmetik kann kurzzeitig kaschieren, doch nachhaltige Veränderung erfordert mehr. In meinem Fall: Achtsamkeit und bewusste Reflexion.
Alles kann Therapie sein, wenn wir uns darin reflektieren.
Jede zwischenmenschliche Begegnung, jedes einzelne Wort, jeder Moment des Lebens, wenn wir bereit sind, anzunehmen, was es ist: Ein Ereignis auf dem Lebensweg das dazu beigetragen hat, mich in dieser Gegenwart zu erschaffen.
Bild: https://pixabay.com/de/photos/blatt-natur-herbst-jahreszeit-6760484/
STILLSTAND?
In den vergangenen Wochen habe ich mich bewusst von der Öffentlichkeit zurückgezogen. Seit dem Tod meiner Mutter und auch bereits davor, kehrten eine Menge vergessene und/oder verdrängte Erinnerungen zurück. Es brauchte Zeit, diese zuzulassen, sich ihnen zu stellen, sie neu zu bewerten und ihren Einfluss auf mein heutiges Leben zu hinterfragen. Gleichzeitig stoppte ich fast abrupt einige meiner kreativen Hobbies, ließ quasi von jetzt auf gleich ruhen, was mich in der ersten Jahreshälfte intensiv beschäftigt hatte. Stricknadeln, Nähnadeln & Co im Stillstand. Ich auch? Ganz und gar nicht.
Seit sehr langer Zeit – vielleicht zum ersten Mal überhaupt – gönne ich mir eine Phase des „Nicht-ständig-beschäftigt-seins“. Anders gesagt: ich gewöhne mich an den Zustand von Ruhe und Gelassenheit (abseits vom Job). Der Tod meiner Mutter ließ mich einiges erkennen, dass ich von ihr (als Kind und somit absolut unbewusst) übernommen und bis vor kurzem gelebt hatte. Übernommene Gefühle und Stimmungen können wie ein Stein im Schuh drücken – bis man sprichwörtlich den Schuh auszieht und den Stein entfernt. Das habe ich getan. Das hat einiges an Veränderungen in meinem Leben bewirkt und tut es noch immer, weshalb ich mir die Zeit nehme, all die Impulse, die kommen, all die Erinnerungen, all die Gedanken und Gefühle, in Ruhe und Gelassenheit auf mich wirken zu lassen. Was gehört (noch) zu mir? Was darf gehen? Verschüttete Anteile meiner Persönlichkeit sind aufgetaucht und es gilt herauszufinden, wie sie in mein heutiges Leben passen.
Vielleicht ist das meine Form zu trauern. Da ich nie zuvor getrauert habe, fällt mir die Zuordnung schwer. Was wie Stillstand anmutet, gleicht einem mächtigen Fluss, dessen Wasser ruhig zwischen den Ufern ihrem Weg folgen, gleichmäßig, unaufgeregt, und doch unaufhaltsam, verändern sie die umgebende Landschaft, Tropfen für Tropfen. Ruhe und Gelassenheit, Lesley, Ruhe und Gelassenheit. Stillstand ist nur eine Illusion. Leben bedeutet Veränderung, mit jedem Atemzug, jedem Herzschlag.
Inmitten einer Welt, die ständig versucht, sich selbst zu überholen und dabei das Wesentlich allzuoft übersieht: Leben findet genau hier und jetzt statt, nicht gestern, nicht morgen, nicht irgendwo da draußen, sondern in dem einen Augenblick, den das Bewusstsein zu erfassen vermag. Wer in den Augenblick eintaucht, fällt aus der Zeit.
Stillstand?
Oder gelebte Achtsamkeit?
Wohin auch die Reise führen wird … der Weg ist das Ziel. Nie zuvor spürte ich die enorme Multidimensionalität dieser Worte. Der Weg kann so vieles sein, letztendlich wird er stets zu mir selbst führen.
Stillstand?
Ich lächle, schweigend, in Ruhe und Gelassenheit verweilend …
Bild: pixabay.com
MENSCHLICHE LOGIK
Zwei Wochen Auszeit – nach all dem, was seit Jahresanfang in meinem Leben geschehen ist, bis hin zum Tod meiner Mutter – eine wirklich notwendige Auszeit. Auf einer Partymeile oder einem überfüllten Strand wird man mich in diesen zwei Wochen nicht finden, aber auf langgezogenen Wanderungen durch die Natur, in den Bergen, allein, weil ich dieses Alleinsein brauche.
Es soll tatsächlich Menschen geben, die es nicht aushalten, allein zu sein. Ich finde es erholsam, kann mich voll und ganz auf mich selbst fokussieren, auf das, was mich beschäftigt – und das ist eine Menge.
Wenn ich allein unterwegs bin, begegne ich mir selbst… das ist etwas, vor dem (in meiner Wahrnehmung) viele Menschen davonlaufen. Sich mit all dem Ungelösten und Unterdrücktem in sich selbst auseinandersetzen, wer macht das schon freiwillig? Ich!
Nehmen wir mal all das Unterdrückte. Ich bin keine, die gerne pauschaliert, aber wenn ich mir Borderliner anschaue, erkenne ich (mindestens) einen gemeinsamen Nenner: Sie stehen alle massiv unter Druck, den sie selbst aufbauen. Druck erzeugt stets Gegendruck. Kann dieser Druck nicht konstruktiv abgebaut werden, entlädt er sich früher oder später destruktiv. Das vorherzusagen ist keine Hellseherei, sondern simple Logik.
Die Ereignisse der vergangenen Monate haben vieles in mir aufgewühlt, beinahe Vergessenes an die Oberfläche gespült, neue Perspektiven geschaffen, Erkenntnisse generiert … all das muss erst mal verarbeitet werden. Dazu nutze ich meine zwei Wochen Auszeit. Ich gehe bewusst Wege, die ich nie zuvor gegangen bin. Mein Gehirn schaltet dadurch auf Lernmodus, was auch den Prozess des Verarbeitens unterstützt. Reflektieren gehört zum erfolgreichen Lernen dazu, ganz gleich, worum es geht. Ob neue Wanderwege erkunden oder neue Gedankenmuster entwickeln – oder inneren Druck, der sich mitunter subtil tarnt, auf die Schliche zu kommen und ihn aufzulösen bevor unerwünschtes passiert.
Meine persönliche Theorie, warum Borderliner so viel Druck in sich aufbauen, ist recht simpel und erschreckend logisch: Borderliner sind in der Lage, es lange in einem für sie schädlichen Umfeld auszuhalten. Sie passen sich an, sind Meister der Anpassung. Vordergründig lässt sich darin eine Stärke erkennen, die aber eine Schattenseite hat. Aus Anpassung kann Überanpassung werden und – so ging’s mir lange Zeit – Selbstaufgabe. Dabei wird das eigene (meist unbewusst) verdrängt, unterdrückt, um angepasst zu sein… und da wären wir wieder beim Druck.
Von Zeit zu Zeit ziehe ich mich zurück aus meinem Alltag, manchmal nur für Stunden, diesmal für zwei Wochen, um achtsam auf all das zu blicken, was sich zeigt, wenn ich mir da draußen in der Natur selbst begegne. Vermisse ich etwas? Fehlt etwas? Oder bin ich mir selbst genügt? Bin ich die Quelle meiner Zufriedenheit, meiner Lebensfreude? Unabhängig von anderen? Selbstbestimmt? Frei?
In den vergangenen Wochen durfte ich einige sehr interessante, tiefgehende Gespräche führen, die um das Thema zwischenmenschliche Beziehungen kreisten. Diese können – so die Conclusio der diversen Diskussionen – nur dann wirklich gelingen, wenn zwei zusammentreffen, die sich jeweils selbst genug sind. Die nicht durch Bedürftigkeiten und Erwartungshaltungen verbunden sind, sondern durch Interesse am anderen, durch den Wunsch zu teilen und zu geben.
Wer mit einem anderen Menschen eins werden möchte, muss zuerst lernen, mit sich selbst eins zu sein. Frei von Selbstanklage, Selbstablehnung oder -unterdrückung, weder Verdrängung noch Flucht lebend. Sich selbst voll und ganz annehmen, in sich all das zu finden, was es braucht, um glücklich und zufrieden zu sein. Wer das erreicht, hat Wundervolles zu teilen und zu geben.
Wir können nur geben, was wir in uns haben. Eigentlich logisch 😉
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