EIN BLICK ZURÜCK, EIN SCHRITT NACH VORN

In den vergangenen zwei Wochen habe ich viel Zeit damit verbracht, in mich zu gehen, zu fühlen, zu verstehen. Nach den „Prüfungen des Lebens“ im Mai, fand ich mich in einem Zustand wieder, für den ich noch die passenden Worte suche. „Angekommen“ war ich bereits öfters, aber nie zuvor fühlte ich mich so ICH. Kraftvoll, innerlich gelassen, voller Lebensfreude, frei von jeglichem inneren Konflikt.

Ich bin einfach ICH.

Plötzlich läuft auch wieder die Arbeit an Band 3 meiner JAN/A-Trilogie. Über drei Jahre zieht sich der Schreibprozess nun bereits hin. Es war keine Schreibblockade, die mich aufhielt, es waren meine eigenen inneren Entwicklungsprozesse, die nun offenbar abgeschlossen sind.

Ein wunderbarer Zustand, ganz ICH zu sein, mit all den intensiven Empfindungen und Wahrnehmungen, gleichzeitig in Balance mit mir selbst und meinem Umfeld. Ob mein Umfeld das auch so sieht, ist eine andere Frage. Manche Menschen werden unrund, wenn sie auf „runde“ Menschen treffen und versuchen, diese in ihr eigenes Drama zu verwickeln, damit sie nicht so allein in der Sch*** stecken. Derzeit funktioniert das bei mir nicht. Meine Oberfläche hat eine Art Lotus-Effekt“ entwickelt, wie eine Anti-Drama-Haftbeschichtung. Hoffentlich hält dieser Zustand sehr lange an.

So weit mein Schritt nach vorne.

Um diesen in seiner gesamten Tragweite erfassen zu können, stelle ich hier etwas dazu, dass ich im Zuge der Aufräumarbeiten nach meinem PC-Crash wiedergefunden habe. Die Daten der Festplatte sind zwar hinüber, aber auf diversen USB-Sticks fand ich rund 1.500 Dateien wieder – ein erfreulicher Nebeneffekt meiner „ich lege es mal in einen Löschordner und lösche es später“-Strategie. Stundenlang sortierte ich also Dateien. Dabei tauchte etwas auf, das ich Ende Mai 2020 schrieb, wenige Wochen bevor meine langjährige Beziehung explodierte. Zerbrochen war sie aus heutiger Sicht bereits davor, nur hielt ich die Scherben lange Zeit zusammen.

An jenem Tag verlangte mein Ex-Partner von mir mich auf das bevorstehende Paarseminar vorzubereiten und den Fragebogen auszufüllen. Seiner Meinung nach machte ich das nicht sorgfältig genug, was er mir auch zu verstehen gab. Ich verspürte eine Unmenge an Druck, der sich damals erstmals in Worte fassen ließ. Durch die Arbeit an JAN/A hatte ich bereits meine „Sprache des Unbewussten“ trainiert. Als ich nun – nach ziemlich genau drei Jahren – diese Zeilen las, blickte ich in den Spiegel meiner Vergangenheit und mir wurde klar, dass es mir damals wesentlich schlechter ging als ich mir selbst zu dieser Zeit eingestand.

Ein Blick zurück.

Das nennst du Liebe? Wenn ich nicht sein darf, wer ich bin? Was ist falsch an mir? Nichts. Ich bin einfach anders. Aber das durfte ich ja noch nie sein. Alle haben an mir herumgebastelt, meinen Kopf mit ihrem Schrott gefüllt. Das ist es, was ich nicht mehr aushalte: zu sein, was ich nicht bin. Rollen zu spielen, die längst nicht mehr passen. Treib mich weiter. Schlag mich. Worte können mich längst nicht mehr berühren. Mein Körper fühlt keinen Schmerz mehr. Ich bin zum Schmerz geworden. Meine Seele blutet. Das wolltest du erreichen? Sei stolz darauf, denn es ist dir gelungen. Ich liege am Boden, doch ich werde wieder aufsteigen. Ich werde mich über all das erheben, über all den Schmerz und durch den Schmerz hindurch. Du glaubst, du hast gewonnen? Etwas erreicht? Ich bin nicht du. Ich lebe nicht dein Leben und du fühlst nicht, was ich fühle. Eingesperrt in ein Korsett aus Konventionen. Unfrei in jeder Minute, gefesselt bei jedem Atemzug. Ich fühle unendlich, mehr als Worte sagen können, mehr als Menschen verstehen können.

Ich bin ein Herzschlag in der Ewigkeit. Ein Tropfen, der wieder und wieder in die Stille eines ruhenden Sees fällt und dessen Wellen an weit entfernte Ufer branden. Ich bin wie der Wind, der sich am Flügel des Adlers bricht und ihn höher und höher empor trägt. Ich bin das Chaos und die Ordnung, dunkler als die schwärzeste Nacht und gleißend wie das Licht der Sonne zur Mittagszeit. Ich bin reines Fühlen im Augenblick. Ich bin Veränderung. Ich bin ein feuriger Funken Lebensfreude.

Zwing mich gegen meine Natur zu leben, und ich werde das Gegenteil all dessen, was ich bin. Wer erschafft, kann auch zerstören. Zwing mich in deine Schranken, und ich werde zu einem Schatten, kalt, dunkel, leer. Düsternis hüllt mich ein, in deren Mitte Schmerz an Süße gewinnt. Du hast mir fast alles genommen, was mir Freude bereitet hat, nur eines kannst du mir niemals nehmen: den Schmerz. Wenn nichts mehr bleibt, wenn alles verloren ist, liegt unendlich viel Trost im Schmerz. Ein vertrauter Freund, verlässlich und treu. Solange ich Schmerz empfinden kann, wirst du niemals über mich siegen, mich nie vollständig bestimmen. Dies ist mein Widerstand gegen dich und du wirst ihn niemals brechen. Schlag mich. Füge mir Schmerz zu. Ich werde es ertragen und der Schmerz wird mich stärker machen, mit jedem Schlag, mit jedem Wort, mit jeder Demütigung, mit jeder Ausgrenzung. Schmerz macht mich stark, denn er ist das, was du fürchtest. Deshalb sehne ich mich nach dem Schmerz, denn er hält dich fern. Wenn ich leidend am Boden liege, hältst du inne. Dann habe ich gewonnen. Schmerz ist mein Schutzschild. Er hält dich davon ab, mehr von mir zu fordern. Wenn ich am Boden liege, wenn ich nichts mehr zu geben habe, wenn mir nur der Schmerz bleibt, darf es genug sein. Dann ist dein Hunger gestillt, verlangst du nichts mehr von mir, denn du hast alles genommen – oder glaubst es zumindest, denn ich habe dich ausgetrickst. Etwas hast du nicht bekommen, etwas ist mir geblieben, und das ist der Schmerz. Lebensfreude, Liebe, Leichtigkeit … all das hast du aus meinen Adern gesaugt, doch den Schmerz konnte ich vor dir verbergen, wie einen Schatten inmitten von Dunkelheit. Er wird nun mein Trost und der Beweis, nicht vollends in dir aufgegangen zu sein. Noch existiert etwas von mir: mein Schmerz. Der Beweis, dass ich lebe.

So weit mein Blick zurück.

Ich frage mich, wie oft ich wohl so ehrlich zu mir selbst war wie an diesem Tag vor drei Jahren. Jahrelange redete ich mir die Beziehung schön, passte mich an, verdrehte mich so lange bis ich einem Schraubengewinde glich. Psychoanalytiker werden vermutlich begeistert sein von dem Text, der das Problem schildert UND gleichzeitig die Überzeugung, all dies zu überwinden und sich der Fremdbestimmung zu widersetzen. Anders formuliert: Das Opfer schüttelt die Opferrolle ab. Vielleicht war dieses Bekenntnis vor drei Jahren einer meiner wichtigsten Schritte, um aus dem Drama auszusteigen. Danach hatte ich jedenfalls die Kraft, einen Schritt ins Unbekannte zu wagen, die schmerzhafte Beziehung hinter mir zu lassen und in ein völlig ungewisses Leben aufzubrechen – MEIN Leben, frei und selbstbestimmt.

Bis heute habe ich diesen Schritt kein einziges Mal bereut. Der Blick zurück bestätigt mir einmal mehr: es war der richtige Schritt für mich.

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PRÜFUNG DES LEBENS: LIEBEN ODER LEIDEN?

Die vergangenen vier Wochen waren eine durchgängige Prüfung für mich. Das Leben schien herausfinden zu wollen, wie erst es mir mit meiner Entscheidung „Lieben“ tatsächlich ist. Wieder und wieder wurde ich getriggert, mit schmerzhaften Erinnerungen konfrontiert und in Versuchung geführt, mich neuerlich in die vertraute Opferrolle fallen zu lassen. Es war eine anstrengende, belastende und gleichzeitig befreiende Phase, in der ich für mich selbst erkennen durfte, welch tiefgreifende Auswirkungen meine Entscheidung hat und weiterhin haben wird.

Lieben oder Leiden?

Lieben! Zu 100% – besonders in Bezug auf jene schmerzhaften Erinnerungen aus meiner Kindheit, in der vieles anders lief, als ich es mir gewünscht hätte, hätte mich jemand danach gefragt.

All diese Ereignisse und die Menschen, die darin involviert waren, sie sind Teil meines Lebens und als solchen nehme ich sie vorbehaltlos an. Auch wenn ich mir diese Erinnerungen nie als Teil meines Lebens gewünscht habe, sie sind es nun einmal und sie haben dazu beigetragen, dass ich heute bin, wer ich bin: eine, die sich voll und ganz selbst so annimmt, wie sie ist. Mich von diesen Ereignissen zu distanzieren, sie zu verdrängen oder gar abzuleugnen, würde bedeuten, mich von mir selbst zu distanzieren, einen Teil meines Lebens zu verdrängen oder mich als Summe meiner Erfahrungen zu verleugnen.

Was geschehen ist, ist geschehen.

Nichts und niemand kann daran etwas ändern. Das Einzige, was veränderbar ist, ist die Einstellung, mit der ich auf meine Vergangenheit und manche Ereignisse darin blicke. Letztendlich bestimmt dies, wie ich auf mich selbst blicke.

„Lieben“ bedeutet für mich, anzuerkennen, was es ist, und es als einen Teil meines Lebens anzunehmen. Menschen haben meine Grenzen überschritten, mich missbraucht, gedemütigt und auf vielfältige Weise verletzt. Dies ist geschehen und kann nicht einfach „gelöscht“ werden. Doch es ist meine Entscheidung, nicht länger darunter zu leiden. Ich liebe, was aus meiner wurde. Wer weiß, wer ich ohne diese Erfahrungen geworden wäre? Das ist kein Zweckoptimismus im Sinne von „ich habe eh keine andere Wahl“. Ich habe eine andere Wahl. Sogar mehrere. Ich könnte leiden, oder mich verändern.

Love it, change it or leave it.

Ein Spruch, der gerne zitiert wird. Wer ihn nicht nur flott dahinsagt, sondern ausgiebig auf sich wirken lässt, wird darin möglicherweise die universelle Botschaft erkennen: wir haben stets die Wahl. Eine Wahlmöglichkeit zu haben, öffnet die Tür aus der Opferrolle auszusteigen. Wer aus der Opferrolle aussteigt, verändert die Drama-Dynamik seines Lebens.

Mein Opferdasein liegt lange zurück. Heute stehe ich zu dem, was geschehen ist, und bin gleichzeitig frei, mein Leben selbst zu bestimmen.

Das Leben ist ein einzigartiges Geschenk – an jeden von uns. Was wir daraus machen, verleiht ihm seine Bedeutung.

Ich glaube, wir werden geboren, um über uns selbst hinauszuwachsen. Die Steine, die das Leben uns in den Weg legt, sollen dabei helfen, unseren Blickwinkel zu verändern und andere Richtungen einzuschlagen. Menschen werten in „gut“ und „schlecht“, doch das Leben kennt nur Veränderung, damit einhergehend Wachstum oder Niedergang. Es liegt an uns, wie wir uns entscheiden. Lieben oder Leiden?

Noch ein paar Worte zum heutigen Beitragsbild: dies ist die Aussicht von meinem Platz für autobiographisches Schreiben auf der Couch. Stimmungsvolle Sonnenuntergänge gehören dazu. Obwohl ich bereits gefühlt 1000 Bilder davon aufgenommen habe, sind keine zwei gleich, doch sie bringen mich stets aufs Neue zum Lächeln und erinnern mich daran, welch ein wunderbares Geschenk mein Leben ist.

BILDER IM KOPF

Jeder Mensch hat individuelle Bilder im Kopf. Vorstellungen, was richtig/falsch, gut/schlecht ist. Was andere (möglicherweise) denken, was sie motiviert. Etliche dieser Bilder lassen sich unter dem Begriff „Vorurteile“ zusammenfassen. Männer sind … Frauen sind … Borderliner sind …

Es braucht nicht viel, um abgestempelt zu werden als ….

Vor kurzem bin ich auch mit „Bildern im Kopf“ zu Borderline konfrontiert worden – aber auch mit dem ehrlichen Interesse, diese zu hinterfragen und abzugleichen. Eine echte Wohltat, Menschen zu treffen, die über den Tellerrand der Vorurteile hinausblicken auf das, was es ist.

Eines dieser Vorurteile lautet: „Borderliner sind eine Gefahr für andere und sich selbst“. Sind sie das wirklich? Oder präziser gefragt: Sind Borderliner gefährlicher für sich selbst und andere als Nicht-Borderliner? Wer richtet mehr Schaden in dieser Welt an? Bei Borderlinern kann Selbstverletzung vorkommen, aber wie viel (Selbst)Verletzung findet durch Nicht-Betroffene statt? Bislang habe ich keine Studie gefunden, die sich diesem Vergleich widmet, aber ich traf auf eine Menge Vorurteile der Ablehnung, Ausgrenzung, Stigmatisierung ….

Ich liebe es, Vorurteile zu hinterfragen.

Oder neue Perspektiven zu eröffnen, so wie diese:

Ich bin Borderlinerin. Mein emotionales Gleichgewicht ist nur bedingt „von allein stabil“, weshalb ich mir über die Jahre eine tägliche Routine der Psychohygiene angewöhnt habe um Schwankungen auszugleichen und mein inneres Gleichgewicht bewusst herzustellen. Mindestens eine Stunde pro Tag (in der Bahn, beim Waldspaziergang oder auch auf der Couch) widme ich mich dem Reflektieren meiner Erlebnisse in einer Art „Achtsamkeits-Meditation“. Was ist geschehen? Wie hat es auf mich gewirkt? Was habe ich gefühlt? Wie habe ich reagiert? Wie hat das wiederum aufs Umfeld gewirkt? Was will ich künftig anders machen?

Wie viele Nicht-Betroffene reflektieren täglich ihr Verhalten und dessen Auswirkungen?

Achtsamen Umgang mit anderen und sich selbst erlebe ich im Alltag eher selten. Wenn ich daran denke, wie häufig ich in Öffis angerempelt werde (obwohl ich nicht zu übersehen bin mit über 1,80 m), neige ich dazu, Achtsamkeit unter „ferner liefen“ abzulegen. Auch all die verletzenden Worte und geringschätzigen Blicke rundum … Respekt und Höflichkeit sind offenbar ebenso aus der Mode gekommen wie Pünktlichkeit und Verlässlichkeit. 

Wie wäre der Alltag in einer achtsamen Gesellschaft, in der jeder Mensch sich täglich eine Stunde der Reflexion und Psychohygiene widmet? Eine kühne Spekulation von mir: Rücksichtlosigkeit wäre die Randerscheinung unter „ferner liefen“.

Oder im Sinne von „Henne oder Ei“ gedacht: Wie verbreitet wäre Borderline in einer achtsamen Gesellschaft, in der achtsame Menschen darauf achten, nicht übergriffig zu werden oder andere zu traumatisieren? Oder sie allein lassen mit Ereignissen, die sie nicht verarbeiten können? Wer sind die Täter? Wer die Opfer?

Rotieren die Bilder im Kopf?

Jeder, der schon mal mit Vorurteilen konfrontiert war, weiß aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, vorverurteilt zu werden und wie mühsam es ist, daran etwas zu ändern. Viele Jahre meines Lebens fühlte ich mich fehlerhaft, defekt, kaputt … dieses Gefühl hat eine Menge Schaden angerichtet. Ich frage mich, was alles hätte vermieden werden können ohne dieses Defekt-Gefühl? Wie viel schneller und einfacher wäre mein Heilungsprozess verlaufen? Hilfreich war es sicherlich nicht, vom Umfeld vermittelt zu bekommen „du bist fehlerhaft“.

Aber so sind sie, die Bilder im Kopf, omnipräsent und nur selten hinterfragt. Ebenso wie all die Informationen, mit denen wir tagtäglich über diverse (soziale) Medien berieselt werden und aus denen unsere Bilder im Kopf entstehen. Wie viel davon ist wahr? Was Fake? Ist die Welt wirklich jener Ort des Schreckens, die Menschheit ohne Zukunft, oder findet sich rund um das Faktenkorn eine Menge Fake-Spreu?

Fakt ist, dass negative Gedanken und Gefühle sich negativ auf die physische und psychische Gesundheit eines Menschen auswirken. Wir werden davon langfristig krank und sterben früher. Einen Menschen laufend mit dem Vorurteil „du bist fehlerhaft“ abzustempeln sollte – meiner Ansicht nach – ebenso wie Körperverletzung behandelt werden, denn es ist per se Seelenverletzung. Leider sind Narben auf der Seele weniger sichtbar als Narben an den Unterarmen. Über letztere verfüge ich nicht, weshalb ich auch schon mal skeptische Blicke ernte im Sinne von „Du bist wirklich Borderlinerin – ohne Narben?“ Wieder so ein Bild im Kopf. Tatsächlich gibt es weniger Borderliner, die sich selbst Schnittverletzungen zufügen als solche, die es nicht tun. Dieses Bild ist allerdings weniger weit verbreitet.

Die Fake-Spreu lässt sich mit gezieltem Hinterfragen und konsequenter Achtsamkeit vom Faktenkorn trennen. Mit ihr verschwinden dann auch einige Bilder im Kopf, entsteht Raum für neue Bilder, können Vorurteile durch Erfahrungswerte ersetzt werden. Natürlich ist das ein bewusster Prozess, anders als unbewusstes Reagieren anhand unreflektierter Bilder.

Aber wie bei allem im Leben, führt auch Übung zum Erfolg und zur Meisterschaft. Für mich sind meine täglichen Achtsamkeitsmeditationen ein integrierter Bestandteil meines Lebens, ein Automatismus, Routine. Ich komme gar nicht auf die Idee, einen Tag mal NICHT zu reflektieren. Vielleicht bin ich keine typische Borderlinerin, aber auch das ist nur ein Bild im Kopf.

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RE-TRAUMATISIERUNG

Das Bild zeigt ein kleines Bäumchen, das sich tapfer neben den Schienen der Wiener U6 (die fährt überirdisch) seinen Platz an der Sonne erkämpft … und dabei im Minutentakt eins drübergezogen bekommt. Against all odds.

Genauso fühlt sich für mich Re-Traumatisierung an.

Vor einigen Tagen fand ich mich in einer Situation wieder, in der Menschen, zu denen ich eine persönliche Beziehung habe und für die ich mich verantwortlich fühle, von anderen Menschen drangsaliert wurden. Ich stellte mich dazwischen, versuchte rund 20 Menschen aufzuhalten, um einige wenige zu schützen.

Keine Chance.

Ich wurde überrollt. Physisch ebenso wie emotional.

Mit einem Schlag war es wieder da, das Gefühl, ausgeliefert zu sein, wehrlos, über sich ergehen lassen zu müssen was auch immer da kommt, verletzt zu werden, entwürdigt, gedemütigt, wertlos.  

Re-Traumatisierung.

Seither fühle ich mich wie dieses kleine Bäumchen. Im Minutentakt überrollen mich Gedanken und Emotionen. Unaufhaltsam. Der Körper unter Dauerstress. Ausnahmezustand. Kopflastige Menschen beurteilen mich, ohne auch nur erahnen zu können, was ich fühle. Ihre Urteile sind Sonderzüge, die zusätzlich über die Schienen donnern.

Das Hinterfragen der eigenen Handlungen wird zur Fallgrube, in der die spitzen Pfähle der Schuld nur darauf warten, mich zu durchbohren. Wer ist Täter? Wer Opfer? Wer angegriffen wird und sich zur Wehr setzt wird zum Täter, die Täter zum Opfer. Pervers, aber in einer kopflastigen Welt aus dem Gefühl zu leben und seinem Herzen zu folgen, scheint verkehrt. Die Mehrheit der Stimmen verdreht die Realität. Ein weiterer Wagon hängt sich an den Zug an.

All das soll aufhören. Sterben? Nein, einfach nur weg. Weg von allem. Aber wohin? Davonlaufen führt letztendlich irgendwann an eine Wand. Mit dem Rücken zur Wand bleibt nur ein Ausweg. Zwischendurch drängt die Erkenntnis an die Oberfläche: Niemand versteht mich! Selbst wenn ich erzähle, was in mir los ist, kann es niemand nachvollziehen.

Sie fragen: Warum?

Und ich antworte: Weil ein Blick, ein Wort, einen Stachel in das Herz des Drachen bohren kann und sein über Äonen aufgestauter Schmerz sich in einem Feuerball entlädt, voller Verzweiflung darüber, sein liebendes Herz nicht schützen zu können vor den Zerstörern.

Wer soll das verstehen? Wer spricht meine Sprache der Seelenbilder? Wer kann dem roten Faden im Labyrinth meiner Empfindungen folgen, die im Sekundentakt zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her springen bis da nur noch ein einziger Schrei ist.

Ich bin anders.

Ich bin unendlich allein – wie das kleine Bäumchen. Chancenlos.

Aufgeben ist keine Option.

Von mir wird erwartet, zu funktionieren – trotz Traumatisierungen und Re-Traumatisierungen. Ich habe gelernt zu funktionieren, oberflächlich so zu werden, wie die anderen …

Ich mache mir bewusst, dass die Situation – so schlimm sie war – mittlerweile Tage zurückliegt, in der Vergangenheit. Sie war damals gegenwärtig, aber hier und jetzt ist sie es nur mehr in meinem Kopf. Innere Bilder sind veränderbar. Also gebe ich diesem kleinen Bäumchen – mir selbst – eine Chance. Stelle mir vor, wie der Beton zu Sand zerfällt. Wie die Steine sich in Kiefernnadeln auf dem Waldboden verwandeln. Wie die Stahlschiene zu einer knorrigen Wurzel wird und das kleine Bäumchen seinen Platz an der Sonne findet, diesmal mit der Chance auf Frieden.

Allmählich beruhigen sich die Gedanken und Emotionen.

… doch in mir drin, bin ich anders, fühle und denke anders, heute, hier und jetzt, und vielleicht bis zu meinem letzten Atemzug.

Keine Ahnung, wie lange es dauern wird, wie oft ich noch meinen Blick auf das kleine Bäumchen fokussieren und seine Umgebung verändern werde, bis die Wunde in meiner Seele, die durch Menschen aufgerissen wurde, sich wieder geschlossen hat. Ich weiß nur eines: auch in diesem Schmerz liegt die Chance, jenes zu erkennen und zu entfernen, was zuvor eine vollständige Heilung verhindert hat.

Die Dunkelheit wird niemals siegen, solange ein Funke Hoffnung den Weg leuchtet.

VOM PROBLEM ZUR (AUF)LÖSUNG

Back to my roots … als Coach & Trainerin für Persönlichkeitsentwicklung bzw. Selbstfindung. In einem 4-tägigen Berg-Retreat im Tennengebirge teile ich mein umfangreiches Knowhow und meine von mir eingesetzten Tools, die mich zurück in die Umarmung des Lebens führten. In diesem Retreat kann jeder und jede – egal, ob Borderliner oder nicht – etwas für sich mitnehmen, denn es geht um …

ein Thema, das uns alle betrifft

„Stoana zabresln“ (Steine zerbröseln)

Jeder von uns hat einen Rucksack auf seinen Lebensweg mitbekommen. Die meisten schleppen darin seit langem ein paar Steine mit sich rum. Diese Steine können vieles sein: ungelöste Konflikte, alter Schmerz, Kränkungen, Kummer und Leid ebenso wie Sorgen, Ängste, Wut. Ihre Last drückt ständig aufs Gemüt, stört den Seelenfrieden, verhindert innere Ruhe und Ausgeglichenheit, mindert Zufriedenheit und Lebensfreude, kann Auslöser für Überlastung und/oder überzogenes Perfektionsstreben ebenso sein wie mangelndes Selbstwertgefühl …

Wie sehr diese Steine das eigene Leben täglich beeinflussen, merken die meisten erst, nachdem sie sich davon befreit haben. Wer kann sich schon einen Zustand vorstellen, den er/sie nie zuvor erlebt hat?

Doch wie die Steine loswerden?

Im 4-tägigen Berg-Retreat geht es genau darum:

  • Erkennen, in welchem Winkel des Rucksacks sich die Steine verstecken
  • Verstehen, wie sie zusammengesetzt sind und aufgelöst werden können
  • Erleben, was möglich wird ohne die Steine
  • Lernen, neue Wege einzuschlagen, um künftig keine Steine mehr in den Rucksack zu packen

Auf den Punkt gebracht:

  • Vom Problem zur (Auf)Lösung

Ein Leben voller Leichtigkeit und Lebensfreude – ohne Steine im Rucksack – kann der tägliche Normalzustand sein.

Es gibt allerdings einen Haken dabei: es geschieht nicht von allein.

Die gute Nachricht: DU kannst es tun!

… und im Rahmen dieses Retreats lernst Du, WIE du Deine Steine finden und loslassen kannst.

Eine Auszeit zum Ankommen und Loslassen

Da oben auf dem Berg verändert sich die Perspektive auf unseren Alltag und uns selbst – auch ohne mit Seil und Haken einen Gipfel zu erklimmen. Während so manches im Tal zurückbleibt, kommen wir uns selbst näher, wird die Sicht klarer und die Stimme der Intuition bekommt neuen Raum.

Dieses Retreat bricht absichtlich mit dem „üblichen Komfort“ von Seminaren und Workshops. Du bringst mit, was Du oben brauchst – auch einen Teil Deiner Verpflegung während des Retreats. Die Gemeinschaft der Gruppe ist ein wichtiger Aspekt. Von ihr hängt ab, was Du von diesem Retreat mitnehmen wirst – und was Du dort oben zurücklässt. Jeder trägt einen Teil nach oben und seinen Teil zum Gelingen bei. Das gemeinsame Zubereiten und Einnehmen der Mahlzeiten schafft eine Vertrauensbasis und bietet Gelegenheit, manches in lockerer Atmosphäre zu reflektieren. Auch der gemeinsame Abwasch gehört dazu.

Gönn Dir das Erlebnis, komplett aus Deinem Alltag auszusteigen und Dich gleichzeitig völlig auf Dich selbst zu fokussieren in einer Umgebung, in der Du ganz bei Dir selbst ankommen kannst.

Das Programm im Überblick

Sa           12.08.2023                         Treffpunkt an der Talstation in Werfenweng, gemeinsamer Aufstieg mit Kennenlernen, Check-In, Hausordnung … und danach geht‘s los

So           13.08.2023                         Der 2. Tag dreht sich um Erkennen, Verstehen und Loslassen.

Mo         14.08.2023                         Am 3. Tag widmen wir uns neuen Wegen und Strategien.

Di           15.08.2023                         Ausklang und Übergang in den Alltag

Wir treffen uns ca. 2 Wochen vor dem Retreat per Zoom, um Details zur Anreise, Verpflegung und sonstige Fragen zu besprechen, damit alle gut informiert ankommen können.

Ein fairer Energieausgleich

€ 100,- pro Person für das gesamte Programm inklusive Wissensvermittlung, Anleitung und Begleitung während der Übungen, Reflexion, Inspiration, u.v.m.

Nicht enthalten: Anreise, Unterbringung, Verpflegung

Nähere Informationen findest Du hier:

Preise Unterkunft
Info Bergbahnen

Das Anton-Proksch-Haus der Naturfreunde

Auf 1.630 m gelegen mit einzigartigem Ausblick, bietet diese Schutzhütte mit gemütlichen Zimmern den idealen Ort, um sich inmitten der Natur und fern der Ablenkungen des Alltags auf das Wesentliche konzentrieren zu können:
„Stoana zabresln“ leicht gemacht😉

Darf ich mich vorstellen:

Mastermind, Organisatorin und Gastgeberin dieses Retreats …  eine [nicht] ganz alltägliche Autorin, Bloggerin, Coach u.v.m. … diverse Ausbildungen im Bereich Kommunikation, Mentaltraining, NLP, Energetik, systemische Aufstellungsarbeit … seit rund 35 Jahren mit Psychologie, Philosophie, ganzheitlichen Heilmethoden befasst … viele Jahre aktiv im Mannschaftssport … Marathon – & Feuerläuferin … seit über 10 Jahren Projektleiterin in der Erwachsenenbildung … Jahrzehnte unerkannt als Borderlinerin in der „selbstgemachten Hölle auf Erden“ und heute zurück in der Umarmung des Lebens … eine, die viel erlebt, so manches durchschaut und einiges weiterzugeben hat 😉

In der Natur, insbesondere der Bergwelt der Alpen, finde ich Antworten, die im Alltag häufig untergehen. Vereinfacht gesagt:

„Für jedes Problem gibt es mindestens eine Lösung, doch meistens erkennen wir diese erst, wenn wir aufhören, uns selbst im Weg zu stehen – und die Steine aus dem Rucksack werfen, die uns davon abhalten, den Weg der Leichtigkeit einzuschlagen und Lebensfreude zu verinnerlichen.“

2022 schrieb ich das Gedicht „Stoana zabresln“, dass diesem Retreat seinen Namen gegeben hat. Es entstand in den Bergen, behandelt genau das Thema des Loslassens und Auflösens – und es brachte bereits so einige Steine bei einigen Menschen zum Zerbröseln. https://reconnected.blog/

Du hast Interesse?

Dann schick noch heute eine E-Mail an lesley.b.strong@gmx.net  und melde Dich für das Retreat an. Zimmerbuchungen bitte direkt über die Naturfreunde andrea.ritzer@naturfreunde.at mit dem Hinweis „Retreat“.

Die Plätze sind begrenzt!

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UNERWÜNSCHTE NEBENWIRKUNGEN

Die vergangene Woche reihe ich für mich in die Rubrik „offene Aufgaben“, denn diese unerwünschten Nebenwirkungen würde ich mir künftig gerne ersparen. Worum es geht?

4 Wochen lang durchgängig Kopfschmerzen zu ignorieren, weil gerade zu viel zu tun ist, weil gerade etwas anderes wichtiger ist, weil … ist nicht gerade ein Beweis für lebensnahe Umsetzung erworbener Weisheit. Eher dafür, dass ich ganz schön stur sein kann – und konsequent im Ausblenden von Schmerzen. Jahrzehntelanges Training macht es möglich. Schmerz? Ausblenden und weitermachen. Von Jugend an tradiertes Verhalten verändern? Im Kopf schnell entschieden, in der Umsetzung … naja.

Bei mir hat sich das konsequente Ausblenden einer kleineren Ursache wie Verspannungen im Nackenbereich zu einem größeren „Problem“ ausgeweitet. Die Migräne konnte ich noch gut wegstecken. Als ich anfing, den drängenden Wunsch zu verspüren, irgendjemand den Kopf abzureißen und zunehmend gereizt wurde, zog ich die Notbremse. Mittlerweile waren die Verspannungen über den gesamten Rücken extrem schmerzhaft. Also … raus aus den Belastungen, Entspannungsprogramme wie heißes Bad, diverse Wärmesalben, Wärmepflaster, Shakti-Matte, Shiatsu-Massage. Hat allesamt wenig genutzt. Ab zum Arzt und – nein, keine Spritze, ich hasse Nadeln, die in mich hineinpieksen – ein Muskelrelaxans geholt. Da ich so gut wie nie Medikamente nehme, war die Wirkung der ersten Tablette bereits „umwerfend“.

Immerhin wurde mein Kopf frei, um darüber nachzudenken, warum ich neuerlich die „Steig mal auf die Bremse“-Signale meines Körpers so lange ignoriert habe. Ein schlüssiger Grund für mich liegt in besagter Fähigkeit, Gefühle wie z.B. Schmerz auszublenden, um leistungsfähig zu bleiben. Es gab Zeiten in meinem Leben, da war diese Fähigkeit hilfreich, um z.B. im Sport trotz kleinerer Blessuren weiterzumachen. Ich war keine, die auf „Schwalbe“ gemacht hat, und beim Basketball bekommt man schon den einen oder anderen Ellbogen ab. Von wegen „kontaktloser Sport“. Unmöglich nachzuzählen, wie oft ich im Krankenhaus gelandet bin mit Bänderverletzungen, Prellungen … Richtig auskuriert habe ich davon so gut wie keine, was ich heute noch spüre. Aber damals verdrängte ich den Schmerz, trainierte weiter, wollte unbedingt dabei sein, Anerkennung bekommen, ganz gleich, um welchen Preis.

Schmerz auszublenden, wurde zu einer unerwünschten Nebenwirkung meiner Suche (oder Sucht) nach Anerkennung aufgrund mangelndem Selbstwertes und fehlenden Selbstvertrauens.

Heute mangelt es mir weder an Selbstwert, Selbstvertrauen noch Selbstliebe, doch die unerwünschte Nebenwirkungen ist noch immer da, wenn ich – so wie zuletzt – zu wenig Achtsamkeit auf mich selbst verwende. Ich vermute auch, dass meine Körperchemie ihren Teil dazu beiträgt, dieses alte Muster aufrecht zu erhalten. Was ich über die Ausschüttung von körpereigenen Schmerzmitteln, Glückshormonen & Co weiß, lässt mich schlussfolgern, dass hier einiges zwar hocheffizient, aber letztendlich kontraproduktiv für mich abläuft. Vereinfacht gesagt: biochemische Belohnung fürs Durchhalten verhindert (zeitgerecht) eine vernunftgesteuerte Entscheidung. Tricky – aber veränderbar.

Routine nimmt uns viele kleine Entscheidungen im Alltag ab, was enorm entlastet. Routine führt aber auch dazu, unerwünschte Nebenwirkungen am Laufen zu halten. Routine zu verändern, erfordert Energie, Zeit und (damit nicht neuerlich Unerwünschtes sich einnistet) Aufmerksamkeit.

In diesem Sinne … auf eine neue, achtsame Woche … mit einem Kunstwerk meiner Ergotherapeutin aus 1 m pinkfarbenem Kinesio-Tape auf meinem Rücken. Die Verspannungsroutine meiner Muskulatur mittels 24-Stunden-Impuls wieder zu lockern, überlasse ich gerne dem Tape, damit meine Achtsamkeit sich dem zuwenden kann, was in meinem Kopf so alles „routinemäßig verspannt“.

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APROPOS VERÄNDERUNG

Veränderung ist die einzige Konstante im Universum. Alles verändert sich ständig. Nichts bleibt, wie es in diesem Augenblick ist.

Stillstand oder Stagnation sind demnach nur eine Illusion, die künstlich erzeugt und aufrecht erhalten wird. Menschen können wahre Meister darin sind, in dieser Illusion zu verharren.

Aber um welchen Preis?

Wer in der Vergangenheit lebt (quasi im fiktiven Stillstand) verzichtet auf das, was Leben ausmacht: Lebendigkeit, die nur in der Gegenwart existieren kann. Die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft noch ungeboren. Leben(digkeit) findet im Hier und Jetzt statt.

Warum fürchten wir Veränderungen so sehr? Weil sie das Unbekannte bringt, das unkontrollierbar sein könnte, dass uns Schaden zufügen könnte …

Warum wollen wir das Leben unter Kontrolle halten? Weil es an Vertrauen mangelt, das wir mit dem, was kommt, auch klarkommen. Weil die Vergangenheit uns allzu oft anderes gelehrt hat …

Warum etwas fürchten, ohne das wir gar nicht an dem Punkt angekommen wären, darüber nachzudenken? Niemand von uns kam als erwachsener Mensch in dieses Leben.

Veränderung ist, was uns bestimmt. Nicht mehr und nicht weniger. Es liegt an uns, was wir aus dem machen, das Veränderung mit sich bringt.

Wir werden Veränderungen nicht aufhalten, aber wir können mit ihnen wachsen.  

Stillstand ist nur eine Illusion. Leben bedeutet Veränderung. Umso wichtiger ist es, jeden Augenblick zu (er)leben, denn kein einziger wird in dieser Form wiederkehren – ob wir uns nun davor fürchten oder diese Tatsachen als gegeben nehmen und umarmen, was kommt.

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LAAAAANGWEILIG

Ganz ehrlich, es gibt nichts zu erzählen. Mein Leben funktioniert. Naja, eine gewisse Aktion ist schon da. Immerhin sitze ich gerade im Zug auf der Heimfahrt vom Skifahren bei nicht ganz optimalen Schneeverhältnissen, viel zu vielen Menschen auf den Pisten (von denen viel zu viele bei diesen Bedingungen besser nicht auf der Piste sein sollten – selten so viele Rettungseinsätze in wenigen Tagen miterlebt).

Ich werkle auch wieder an meinem Langzeitschreibprojekt JAN/A Band 3, das sich jetzt immerhin bereits über 3 Jahre hinzieht.

Was am Montagmorgen im Job auf mich wartet, wird sich erst zu diesem Zeitpunkt offenbaren, denn ich bleibe brav und halte mich von meinem beruflichen Mailaccount fern.

Kleine Problemchen im Alltag da und dort, nichts Weltbewegendes. Nichts, dass ich nicht gelassen nehmen kann.

Also, was bleibt zu erzählen?

Das ich mir wieder mal vorgenommen habe, NICHT alles, was mich interessiert, auch in Angriff zu nehmen. Sprich: mit meinen Ressourcen besser Haus zu halten. Alter Hut. Das nehme ich mir im Abstand von 6-12 Monaten regelmäßig vor, nur – dann holt mein ICH mich wieder ein und ich bin Feuer & Flamme für dies und das und jenes. Alles spannend, keine Frage, aber wie schon Paracelsus meinte: die Dosis macht das Gift. Zu viel Feuer & Flamme sorgt für einen Flächenbrand namens Burnout.

Manchmal frage ich mich, ob ich das je verändern werde. Ob ich es überhaupt verändern will. Oder ob es ein unveränderlicher Bestandteil meiner Persönlichkeit ist. Wobei – nix ist fix im Universum. Insofern ist auch nichts unveränderlich, höchstens konsequent lernresistent.

Ich starte also mit alten Vorsätzen in ein neues Jahr.

Langweilig?

Abwarten. Ich lasse mich überraschen, was kommt. Einiges steht auf meiner Agenda. Ob die Umsetzung klappt, hängt nicht allein von mir ab. Hin und wieder werde ich meine humorvolle Feder schwingen, denn es gibt so einiges, das mich zum Schmunzeln gebracht in den vergangenen Tagen.

Allen voran jene Frau, die mit elektrischer Zahnbürste im aktiven Einsatz (also zähneputzend) zur Hotelrezeption kam, um sich nach warmem Wasser zu erkundigen.

Wie war das nochmal mit „normal“?

Da bleibe ich lieber, wie ich bin, samt dem lustigen Schild „Persönlichkeitsstörung“, lasse es mir gut gehen in meinem funktionierenden Leben und langweile mich hin und wieder – was ein gutes Zeichen wäre, denn es würde bedeuten, dass ich mal nichts tue und einfach die Zeit verstreichen lasse. Herrlich langweilig.

Keine Sorge, dass hält nie lange an bei mir. Wenn ich mal nichts tue, sprudle ich kurz darauf vor Ideen 😉

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WORUM ES IM LEBEN WIRKLICH GEHT (2)

… das ist meiner bescheidenen Meinung nach die Grundhaltung. Egal, was rundum ist, ob absolutes Chaos oder Friede-Freude-Eierkuchen, ob die Menschen mich mögen oder nicht, ich mache mir eines stets aufs Neue bewusst:

Ich lebe! Ich atme, fühle, kommuniziere … auf welche Weise auch immer, ich bin mit der Außenwelt in Interaktion und kann mich entscheiden, was ich in diese Welt und zu den Menschen hinaussende.

Jammere ich anderen die Ohren voll über (für mich) Unveränderliches? Finde ich Schuldige und übernehme die Rolle von Ankläger-Henker-Richter in Personalunion? Trage ich meines dazu bei, den Haufen menschlicher Negativität ein Stückchen wachsen zu lassen? Nutze ich die öffentliche Bühne um mich als Opfer zu zelebrieren?

Oder (und an dieser Stelle bremse ich meinen Drang zur Theatralik ein, um die Aufzählung in einem überschaubaren Bereich zu halten, denn … ganz ehrlich, mir würde noch so einiges einfallen 😉) entscheide ich mich, Botschaften nach außen zu senden, die Hoffnung schenken, die inspirieren, die das Herz berühren, die Kraft verleihen und das Vertrauen stärken in das Leben, die Menschen, mich selbst.

Paul Watzlawick sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Dem stimme ich voll und ganz zu.

Die sozialen Medien verleihen jeder einzelnen Stimme eine schier grenzenlose Reichweite. Meine Worte können 24/7 rund um den Globus von jedem vernommen werden, der über Internetzugang verfügt.

Welch eine Macht!

Welch eine Verantwortung! … mehr denn je!

Wirklich jede und jeder von uns trägt zu dem Bild bei, das in diesem Augenblick entsteht, dass sich in den Köpfen unzähliger Menschen manifestiert, dabei ihre Gedanken, Gefühle und Handlungen beeinflusst.

Stell dir vor, was geschehen würde, wenn ab sofort nur noch lebensbejahende Botschaften geteilt würden?

Die Menschheit steht vermutlich vor ihrer bislang größten Herausforderungen, diesen Planeten als Lebensraum für sich zu erhalten, das längst überholte Konzept von Krieg abzuschaffen, um mittels Kommunikation und Kooperation zu einem friedvollen Miteinander zu finden, in kulturellen Unterschieden nicht die Grenzen, sondern verbindende Vielfalt zu erkennen. Dazu noch all die „kleinen“ persönlichen Herausforderungen.

Wir haben echt viel vor uns.

Wäre es da nicht angebracht, Mut zu machen? Worte und Bilder zu teilen, die uns darin bestärken, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten?

Es ist ähnlich wie mit der Schwerkraft. Ganz gleich, ob du daran glaubst oder verstehst, wie sie funktioniert, sie wirkt und hält dich am Boden (der Realität). Ob du nun daran glaubst oder verstehst, wie es funktioniert, jedes deiner Worte wirkt in dieser Welt, deshalb … wähle deine Worte mit Bedacht. Sie sind der Samen, den du in der Gegenwart auf die Reise schickst und aus dem die Zukunft erwächst.

Bild: pixabay.com

VERTRAUTE FREMDE GEFÜHLE

Vor einigen Tagen geschah etwas, das ich nun erstmalig in Worte zu fassen versuchen. Es war eines dieser Ereignisse im Leben, die einen völlig unvorbereitet treffen und nach denen nichts mehr so ist wie zuvor.

Zu Beginn war da eine gewisse Unruhe, die sich maskiert hinter Überlastung (wann arbeite ich eigentlich nicht zu viel?) anschlich. Darauf folgten destruktive Gedanken, der Drang heftige Reaktionen im Umfeld (=Ärger) zu provozieren – und dann war es plötzlich da, dieses vertraute, fremde Gefühl zu sterben. Damit meine ich nicht den Wunsch zu sterben. Todessehnsucht hat damit nichts zu tun. Es war auch keine Panikattacke, sondern das Gefühl, in diesem Augenblick zu sterben. Eine Gewissheit, die ich bereits öfters erlebt hatte und – nachdem ich immer noch hier bin – auch überlebt hatte. Doch diesmal war etwas anders.

Plötzlich tauchte eine alte Erinnerung aus den Untiefen meines Unterbewusstseins auf. Ich an der Schwelle zwischen Kind und Teenager, ziemlich überfordert mit mir selbst, die so anders war in ihrem Denken und Fühlen als alle anderen rundum. Mein Vater, der auf dem Bett lag, im Krankenhaus, wenige Tage vor seinem Tod. Speiseröhrenkrebs im Endstadium. Sein ausgemergelter Körper, der nur mehr ein Schatten seiner selbst war, lag apathisch vor mir, zugedröhnt vom Morphium, das die Schmerzen ausschalten sollte, und gleichzeitig seinen Geist lahmlegte. Doch er fühlte etwas, spürte seinen bevorstehenden Tod. Dessen bin ich mir sicher, denn ich fühlte es auch. Dieses Gefühl drang ich mich ein, überrollte mich und blieb gleichzeitig hängen. Ab und an kehrte es zurück. So wie vor einigen Tagen. Ein übermächtiges Gefühl, das absolut nichts mit der gegenwärtigen Realität zu tun hatte.

Erstmalig offenbarte es seinen Ursprung, lud mich ein, der Dunkelheit ins Angesicht zu blicken und zu erkennen, dass dieses vertraute Gefühl doch ein fremdes war, welches ich übernommen hatte in meiner kindlichen Unerfahrenheit darin, mich selbst zu schützen. Es fiel von mir ab, an diesem Abend vor wenigen Tagen. Erklären lässt sich das nicht, nur schildern. Ich weiß auch nicht, was genau geschah, nur dass ich mich danach unbeschreiblich (er)leicht(ert) fühlte, voller Energie und Lebensfreude.

Ende gut, alles gut?

Warum ich erst Tage nach diesem Ereignis darüber schreibe, hat einen Grund: ganz so „vorbei“ ist es nicht, denn es folgte das „danach“. Ich versuche mich an einem bildhaften Vergleich.

Stell dir eine große Schale mit bunten Glasmurmel vor. Inmitten der unzähligen Murmeln liegt ein schwerer, dunkler Stein. Eines Tages wird der Stein von etwas außerhalb der Schale magnetisch angezogen und siehe da, er verschwindet. In der Schale bleiben nur die bunten Murmeln zurück. Doch keine von ihnen befindet sich noch an dem Platz, an dem sie zuvor war. Alle Murmeln wurden durch die Entfernung des Steins ebenfalls in Bewegung versetzt. Genau an diesem Punkt befinde ich mich jetzt.

Das übernommene Gefühl, das so viele Jahre Platz in mir gewohnt hat, gab seinen Platz frei. Die gewohnte Ordnung ist durcheinandergeraten und dabei, sich neu auszurichten. Dadurch verändert sich auch der Blickwinkel auf manches. Dafür braucht es Zeit und Energie. In meinem Fall auch einen temporären Rückzug aus der Hektik des Alltags, um diesem Prozess Raum zu geben.

Früher gehörte ich zu denen, die ihren Fokus auf das Problem und dessen Auflösung lenkten, ohne zu beachten, was danach folgt. Kam nach dem anfänglichen Hype über das Gelöste eine Phase der Energielosigkeit, stufte ich das als Misserfolg ein. Doch das war es nicht. Ganz im Gegenteil. Es war die Phase der Neuausrichtung, die ich all zu oft zu ignorieren versuchte und mich „durchkämpfte“.

Heute gönne ich mir (zugegeben: mit einigen Tagen jobbedingter Verzögerung) eine Zeit des Rückzugs in die Stille, um das Geschehene wirken zu lassen. Vor 39 Jahren übernahm ich ein fremdes Gefühl, trug es in mir, gab ihm Raum und Leben. Sein Verschwinden wird keine Lücke in mir hinterlassen, ganz im Gegenteil, denn in mir finden sich viele wundervolle Gefühl, die sich nun zu einem neuen Bild in mir ordnen.

In mir höre ich die Worte von Lucy, die x-mal zu mir sagte: „Learn zu distingiush“ (Lerne zu unterscheiden). Nicht alles, was vertraut ist, ist auch das eigene. Was bist du, was bist du nicht?

Ich denke, in der ersten Lebenshälfte sind wir alle damit beschäftigt, zu wachsen, zu werden, etwas aufzubauen. Dabei bleibt häufig die Unterscheidung auf der Strecke. Ab der Lebensmitte geht es (nach einigen philosophischen Lehren) darum, das eigene und zu sich selbst zu finden. Aus all dem, was zuvor an- und übernommen wurde, jenes herauszufiltern, das zu einem selbst gehört. Rückblickend stelle ich fest, dass ich knapp nach meinem 50er damit begann, meine Leben zu vereinfachen, mich von Überholtem und Überflüssigem zu trennen, Ballast abzuwerfen, sowohl physisch als auch psychisch und … emotional.

Fremde Gefühle – so vertraut sie auch sein mögen – dürfen an ihren Ursprung zurückkehren, damit ich werden kann, wer ich bin, immer war und immer sein werde.

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