DIE STILLE IN MIR

Als Kind bewunderte ich jene Filmhelden (zu jener Zeit waren es überwiegend Männer, Frauen wurde die Heldinnenrolle damals noch nicht zugestanden), die inmitten einer chaotischen, gefährlichen, aufgeladenen Situation ihre stoische Ruhe behielten, schweigend ihr Gegenüber musterten, unerschrocken, kraftvoll – und mit einem einzigen Satz alles sagten. Ich fragte mich, wie schaffen sie das? Schon klar, das waren Schauspieler in ihrer Rolle, dennoch – da war eine Präsenz spürbar, eine Präsenz, die ich erreichen wollte …

Lange Zeit fühlte ich Leere in mir. Heute ist es Stille. Diese Stille ist alles andere als leer. In mir ist jede Menge, ganz besonders Gelassenheit. Früher füllte sich die scheinbare Leere mit Resonanz zu dem, was um mich war – und das war nicht immer konstruktiv und lebensbejahend. Nun gleicht meine Stille einem ruhenden See, der alles sein kann, aber nichts sein muss. In meiner Stille (oder Gelassenheit) verharrend, nehme ich das rundum mich war, doch ich entscheide, ob mich reinziehen lasse (in das „Drama“ anderer) oder nicht. Ich habe die Präsenz in mir gefunden, selbst zu entscheiden. Kein Echo, keine Spielfigur – einfach ich.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich wieder intensiver mit Themen wie Meta-Kognition, Selbstregulation, Wahrnehmung und Realität. Es gab einiges zu verarbeiten, es gilt einiges zu entscheiden. Wohin soll meine Reise gehen? Bildlich gesprochen durchlebe ich einen weiteren „Häutungsprozess“, lege eine Hülle ab, der ich entwachsen bin.

Transformation – in deren Zentrum Stille wirkt. Präsenz.

Was auch immer 2026 bringen wird, dieses Jahr startet für mich kraftvoll und gleichzeitig unspektakulär. Meine Veränderung wird weder durch hektisches Tun noch äußere Notwendigkeit oder sehnsuchtsvolles Verlangen angetrieben. Es ist Stille. Gewissheit, dass das Unvermeidliche geschehen wird, ob ich nun in Unruhe verfalle oder in Gelassenheit verweile. All die vielfältigen Facetten des Hier und Jetzt, die Tiefe eines bewussten Augenblicks, kein Denken, nur Wahrnehmen – was rundum ist und die Stille in mir.

Bild: pixabay.com

DIE STILLE IN MIR

Als Kind bewunderte ich jene Filmhelden (zu jener Zeit waren es überwiegend Männer, Frauen wurde die Heldinnenrolle damals noch nicht zugestanden), die inmitten einer chaotischen, gefährlichen, aufgeladenen Situation ihre stoische Ruhe behielten, schweigend ihr Gegenüber musterten, unerschrocken, kraftvoll – und mit einem einzigen Satz alles sagten. Ich fragte mich, wie schaffen sie das? Schon klar, das waren Schauspieler in ihrer Rolle, dennoch – da war eine Präsenz spürbar, eine Präsenz, die ich erreichen wollte …

Lange Zeit fühlte ich Leere in mir. Heute ist es Stille. Diese Stille ist alles andere als leer. In mir ist jede Menge, ganz besonders Gelassenheit. Früher füllte sich die scheinbare Leere mit Resonanz zu dem, was um mich war – und das war nicht immer konstruktiv und lebensbejahend. Nun gleicht meine Stille einem ruhenden See, der alles sein kann, aber nichts sein muss. In meiner Stille (oder Gelassenheit) verharrend, nehme ich das rundum mich war, doch ich entscheide, ob mich reinziehen lasse (in das „Drama“ anderer) oder nicht. Ich habe die Präsenz in mir gefunden, selbst zu entscheiden. Kein Echo, keine Spielfigur – einfach ich.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich wieder intensiver mit Themen wie Meta-Kognition, Selbstregulation, Wahrnehmung und Realität. Es gab einiges zu verarbeiten, es gilt einiges zu entscheiden. Wohin soll meine Reise gehen? Bildlich gesprochen durchlebe ich einen weiteren „Häutungsprozess“, lege eine Hülle ab, der ich entwachsen bin.

Transformation – in deren Zentrum Stille wirkt. Präsenz.

Was auch immer 2026 bringen wird, dieses Jahr startet für mich kraftvoll und gleichzeitig unspektakulär. Meine Veränderung wird weder durch hektisches Tun noch äußere Notwendigkeit oder sehnsuchtsvolles Verlangen angetrieben. Es ist Stille. Gewissheit, dass das Unvermeidliche geschehen wird, ob ich nun in Unruhe verfalle oder in Gelassenheit verweile. All die vielfältigen Facetten des Hier und Jetzt, die Tiefe eines bewussten Augenblicks, kein Denken, nur Wahrnehmen – was rundum ist und die Stille in mir.

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RÜCKBLICK UND AUSBLICK

2025 war ein außergewöhnliches Jahr. Ein Jahr der Veränderungen, die wie aus dem Nichts kamen. Ein Jahr der Umbrüche, der Zusammenbrüche, der Herausforderungen. Manche sagen, 2025 brachte kaum etwas Gutes. Dem widerspreche ich.

Zum einen liegt es stets an uns, was wir aus Veränderungen, Umbrüchen & Co machen. Ich für meinen Teil durfte so einiges Loslassen, weshalb es für mich auch ein Jahr des Loslassens war. Zum anderen gab es tatsächlich positive Überraschungen.

Wenn ich zurückblicke, was nehme ich mir aus 2025 mit?

Eine für mich neue, klare Linie, wie ich mit narzisstischem Verhalten umgehe. Meine Toleranzgrenze, was ich „ausgleichen“ möchte, hat sich deutlich Richtung „weniger“ verschoben. Das mag auf manche hart, kalt oder überheblich wirken, ist aber tatsächlich konsequenter Selbstschutz im Sinne von „Nicht mit mir!“

Vertieftes Verständnis für einiges, das in meinem Vergangenheit geschehen ist. Manche Narben, die nach Jahrzehnten endlich verblassen dürfen.

Meine Belastbarkeitsgrenze hat sich nach oben verschoben – was ich mit gebührender Skepsis betrachte. Es mag cool klingen, noch mehr leisten zu können, aber ist es das auch? Wohin führt dieses „mehr und immer mehr“? Alles hat seine Grenzen. Manche Grenzen sollten nicht verschoben, sondern respektiert werden. Beinahe hätte ich mich selbst verloren in dem Bestreben, „es hinzubekommen“. Doch der Preis, nur noch eine Facette meiner Selbst zu sein, meine Vielfältigkeit zu unterdrücken, wiegt schwer, belastend, für Psyche und Gesundheit.

Zu den intensivsten Erfahrungen zählt auch das (mehrfache) Loslassen in Liebe. Nichts zu tun, nicht festzuhalten, nicht zu retten, wenn ein Mensch, der dir nahesteht, einen Kurs Richtung Abgrund einschlägt. Wenn ein Opfer zum Täter zurückkehrt und das Drama in die nächste Runde geht – es zulassen. Warum? Weil es wichtig ist. Weil ich solche Situationen selbst durchlebt habe und heute dankbar dafür bin, dass mich niemand aufgehalten hat und ich im Laufe der Zeit die Kraft in mir entwickeln konnte, mich selbst zu retten. Ich versuchte Menschen dazu zu bringen, „mich zu retten“, mich zu versorgen … wäre es geglückt (und zum Glück ist es das nicht), wer weiß, ob ich jemals von diesem „Tropf“ losgekommen wäre.

Warum soll man stark werden, wenn es andere für einen sind? Warum soll man seine Probleme lösen, wenn andere diese zu ihren machen?

Meine persönlichen Erfahrungen haben mich gelehrt, loszulassen und anderen die Freiheit zu geben, ihre eigenen Erfahrungen zu machen, selbst stark zu werden… auch wenn es nicht immer leichtfällt, danebenzustehen und zuzusehen.

Jeder Mensch hat die Chance verdient, innerlich frei zu werden. Diese Freiheit kann niemand anderen geben, jeder kann sie nur für sich selbst in sich finden.

Was nehme ich mir für 2026 vor?

Vor kurzem las ich einen sehr berührenden Text über Liebe und wie sie in einer Beziehung die Freiheit der Individualität lässt, gleichzeitig Gemeinsamkeiten erschafft. Zwei einzigartige Wesen erlauben einander, gemeinsam etwas Neues, ebenso einzigartiges zu werden. Das hat mich tief berührt. Die Vision von „gemeinsam frei“ trage ich seit längerem in mir – auch wenn ich bis dato niemanden gefunden haben, der sie mit mir teilt. Vielleicht ist es an der Zeit, meine Vision ins Universum hinauszusenden. Nach der Trennung 2020 habe ich mir vorgenommen, zuerst herauszufinden, wer ich bin und wie ich leben will, bevor ich mich wieder auf eine Beziehung einlasse. Die Antworten auf diese Fragen habe ich nun.

Ruhe und Gelassenheit … mein JAN/A-Mantra, auch etwas, dass gerne noch stärker in mir verankert werden darf. Nachdem ich heuer als Autorin kaum etwas geschrieben habe (weil anderes im Vordergrund stand), wird es Zeit, wieder aktiver zu werden.

Auf einem T-Shirt habe ich folgenden Spruch entdeckt: „Soul of a phoenix, heart of a dragon“ … die perfekte Beschreibung für mich. Der Phönix ist mein Symbol des Wandels, der Transformation und Erneuerung; der Drache steht für Stärke, Mut, Schutz und eine Portion Starrsinn/Konsequenz. 2026 wird mein Phönix/Drache-Jahr … eigentlich ist seit 2018 jedes Jahr mein Phönix/Drache-Jahr, aber manchmal vergesse ich darauf (so wie 2025). Deshalb braucht es wohl eine kleine Erinnerung an mich selbst … und damit wäre ich schon mit einem Fuß dort, wo ich hinwill: im augenzwinkernden Humor, in der Leichtigkeit und im Urvertrauen.

Was auch immer 2026 bringen wird, ich bin überzeugt, am Ende werde ich (vielleicht wieder auf einem Berg sitzen) und mir Gedanken darüber machen, was ich mitnehme und was ich mir vornehme. Ob in Freiheit allein oder in Freiheit gemeinsam – das wird sich zeigen.

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SAG JA ZUM CHAOS

Manchmal sorgen die Umstände des Lebens für Chaos, dass sich jeglichen Ordnungs- oder Verständnisversuchen entzieht. Manchmal kann man einfach nur Ja sagen. So ist es jetzt. Punkt. Irgendwann wird sich das Chaos lichten, die darin noch verborgene Ordnung zum Vorschein kommen. Doch bis dahin darf Mensch sein Ego an der Hand nehmen und sagen:

„Manches ist größer als ich. Manches verstehe ich nicht, dennoch ist es.“

Manchmal geht es nicht darum, Berge zu versetzen, Hürden zu überwinden, Mauern einzureißen, Unmögliches möglich zu machen. Manchmal genügt es, einen Moment in Stille zu verharren, den Abstand zu vergrößern um den Blickwinkel zu erweitern und zu betrachten, was es ist.

„Was ist richtig, was ist falsch? Im Lauf der Zeit wird es sich zeigen – und verwerfen.“

Manchmal können wir nur klein sein, wenn wir groß sein wollen, unserer Schwäche zustimmen, wenn wir stark sein wollen. Manchmal erinnert uns das Leben daran, dass wir unbedeutend sind – und einzigartig.

Manchmal verhindert der Wunsch in uns das Wunder um uns zu erkennen.

Manchmal ist das Chaos im Außen nur ein Spiegel dessen, was wir ins uns tragen – nicht ahnend, wie viel Ordnung all dem zugrunde liegt.

Manchmal können wir nur Ja zum Chaos sagen, uns vom Leben an der Hand nehmen lassen und dem vertrauen, was größer ist als wir es je sein könnten.

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DEJA-VU

Alles schon einmal dagewesen, in gewisser Weise. Seit Wochen häufen sich Ereignisse in meinem Leben, die es zuvor in sehr ähnlicher, mitunter nahezu identer Art und Weise, bereits gegeben hat. Was sich verändert hat, ist meine Rolle. Diesmal bin ich nicht mittendrin, sondern stehe außerhalb, eine Art von Beobachterin – und ich erkenne so vieles, neue Facetten bekannter Themen. Es ist eine außergewöhnliche Zeit.

Manchmal fühle ich mich wie eine Zeitreisende, die darüber staunt, wie ähnlich doch die Themen und Situationen sind, die uns Menschen beschäftigen. Steckt man mittendrin, wirkt es meist so, als würde niemand sonst je derartiges erleben. Welch ein Irrglaube! Mit etwas Abstand wird erkennbar, dass uns weit mehr gemeinsam ist als uns unterscheidet.

„Du triffst im Leben stets dich selbst.“

Wie oft habe ich dieses Zitat bereits verwendet? Ich könnte keine Zahl nennen, doch in den vergangenen Wochen gab es etliche Momente, in denen genau das geschah: Ich traf mich selbst – oder besser die, die ich einmal war, blicke auf mein vis-a-vis und gleichzeitig zurück in meine Vergangenheit.

Ist es beruhigend, zu erkennen, dass manches sich wiederholt? Oder erschreckend?

Wenn ich zurückblicke, weiß ich, dass es damals so war – dass ich so war. Gleichzeitig fühlt es sich seltsam „fremd“ an, wer ich einmal war. Erinnerungen, die jenen an Bücher oder Filme gleichen: surreal. Anhand der Deja-vus wird mir bewusst, wie wenig ich damals „bei mir selbst war“, wie sehr ich „lost in space“ war, zwar hier und tuend, doch gleichzeitig in einem „parallelen Universum“, dissoziiert, emotional abgekoppelt von der Realität und mir selbst. Ich war im wahrsten Sinne des Wortes „disconnected“ – Jahrzehnte meines Lebens.

Ab und zu spüre ich den Wunsch in mir, all das rückgängig machen zu können, zurückzukehren an einen Punkt in meiner Vergangenheit und vor dort nochmals zu starten. Das ist unmöglich, definitiv. Dennoch, vielleicht berühren mich die Deja-vus deshalb so intensiv, weil es sich anfühlt, als würde ich zurückkehren, mit all meinem heutigen Wissen und Erfahrungen. Neu starten kann ich zwar nicht, doch meinen Erfahrungsschatz teilen. Wer weiß, vielleicht ist genau das der Plan des Lebens für mich: heute zu teilen, was damals nicht möglich war.

Fraktale stellen für mich das perfekte Sinnbild eines Deja-Vu dar: eine Motiv, das sich immer und immer wiederholt … wie das Leben, wenn man es nur mit ausreichend Distanz betrachtet.

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(M)EINE WEIHNACHTS-CHALLENGE

Zugegeben, ich bin jetzt keine aus dem Lager jener, für die das Weihnachtsfest den Mittelpunkt des Jahreszyklus darstellt, aber diesmal hat es sich ergeben, dass mich einige Ereignisse der vergangenen Wochen an den Punkt gebracht haben, mich einem 24-Tage-Experiment zu stellen: (m)eine ganz persönliche Weihnachts-Challenge.

Vielleicht möchtest du mitmachen?

Die Idee entstand aus der (nicht gerade neuen) Erkenntnis, dass unsere innere Haltung wesentlich Einfluss darauf hat, ob man müde oder energiegeladen durchs Leben wandelt. In Kombination mit dem Wunsch, etwas verändern zu wollen – in erster Linie mich selbst, aber gerne auch die Welt 😉 – wurde daraus eine Achtsamkeitsübung, die mich durch den Advent begleiten wird. Es geht um … Dankbarkeit – absolut passend in der vorweihnachtlichen Zeit.

Es gibt innere Haltungen, die uns Energie rauben: Ablehnung, Zweifel, Widerstände, Eifersucht, Neid, Missgunst, Mangeldenken … allesamt hoch-dramatische Energievampire.

Es gibt aber auch innere Haltungen, die uns sprichwörtlich energetisieren und aufladen: Liebe, Freude, Dankbarkeit.

Meine Entscheidung fiel auf Dankbarkeit. Meine Challenge lautet: 24 Tage für alles, was mir in dieser Zeit begegnet, Dankbarkeit zu empfinden.

Dankbarsein für das wunderbare, liebevolle, die Geschenke des Lebens, die schönen Momente.

Dankbarsein für die Prüfungen, die sich auf meinem Weg zeigen werden.

Dankbarsein für Erfolge ebenso wie fürs Scheitern.

Frei von Wertung, voller Dankbarkeit dafür, erleben zu dürfen, was ich erleben werde, weil alles davon seinen Teil dazu beträgt, dass ich bin, wer ich bin.

Ein Experiment, eine Challenge – eine Erwartungshaltung? Natürlich kenne ich die Theorien zu Dankbarkeit, habe eine gewisse Vorstellung, was dadurch im Unterbewusstsein ausgelöst wird, wie das Gesetz der Anziehung wirkt … dennoch möchte ich es genau jetzt ERLEBEN … weil einiges in meinem Leben geschehen ist und gerade geschieht, für das ich auf nie zuvor gekannte Weise dankbar bin.

Vielleicht möchte ich auch einfach nur eine Idee in diese Welt hinausschicken, die vielleicht Nachahmer findet? Wer weiß? Meine innere Stimme flüstert mir zu: tue es – jetzt! … erwarte nichts, sei einfach dankbar.

In diesem Sinne: danke für deine Zeit, die du dir genommen hast, meine Worte zu lesen.

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MULTIDIMENSIONAL    

 … diesen Begriff verwende ich häufig, um mich selbst zu beschreiben. Aber welche Bedeutung verbirgt sich dahinter? Vermutlich gibt’s dazu unterschiedliche Interpretationen. Deshalb hier nun mein Verständnis von Multidimensionalität.

Das beste Beispiel für mich ist meine autofiktionale Romantrilogie JAN/A. Auf den ersten Blick eine feurig-sinnlich-chaotische Liebesgeschichte. Weitere Blicke offenbaren tiefenpsychologische Facetten, lebensphilosophische Gedankengänge, Sinnsuche … tatsächlich habe ich in dieser Geschichte meine frühkindlichen (und einige spätere) Traumatisierungen in Form einer intrapersonellen Teilearbeit aufgelöst (Gewalt, Übergriffe, Missbrauch …). Ebenso wie jene Lücken geschlossen, die in meiner Kindheit vorhanden waren (Geborgenheit, Wertschätzung, Zuwendung …). Alles in einer einzigen Geschichte, in jeder einzelnen Szene enthalten.

Multidimensionale Wahrnehmung bedeutet für mich eine Kombination aus analytischer Beobachtung und emotionaler Stimmgabel. Ich vermeide bewusst den Begriff „Empathie“. Für mich ist Empathie ein „sich in den anderen einfühlen“, sich aktiv mit anderen zu befassen. Eine emotionale Stimmgabel funktioniert hingegen auch passiv. Ich nehme die Stimmung (oder Schwingung) anderer auf, ob ich will oder nicht – ob ich mich damit befasse oder nicht (z.B. in Öffis). Das, was in den anderen ist, rollt einfach wie eine Welle über mich und durch mich hindurch. Ein Teil bleibt hängen – ob ich will oder nicht. Früher war ich dem hilflos ausgeliefert. Mittlerweile habe ich Strategien entwickelt, diesen „unerwünschten Teil“ wieder loszuwerden, aber es erfordert Zeit, Energie und bewusstes Handeln meinerseits. Völlige Abgrenzung gelang mir bis dato nicht – und ich zweifle, ob ich das möchte. Es wurde das, was ich bin, unterdrücken – etwas, dass ich viel zu lange tat.

Mit JAN/A erlaubte ich mir, ICH zu sein, meine komplexe Multidimensionalität sichtbar in diese Welt zu holen. Seither integriere ich „mein wahres ICH“ Schritt für Schritt in weitere Bereiche meines Lebens. Oder anders gesagt: mehr und mehr Authentizität. Dieser Prozess dauert nun bereits 8 Jahre an – 8 Jahre, in denen ich meine Multidimensionalität zunehmend anderen offenbare. Das führt zu unterschiedlichen Reaktionen.

Manche schätzen mich, weil ich bin, wer ich bin.

Manche lehnen mich ab, weil ich bin, wer ich bin.

Manche fürchten mich, weil ich bin, wer ich bin.

Ich bin immer noch, wer ich bin.

Eine emotionale Stimmgabel mit analytischem Verstand, die instinktiv und intuitiv das tief in Menschen verborgene spürt – unabhängig von dem, was sie sagen oder tun, mit einem eingebauten Detektor für Inkongruenzen, kombiniert mit einer Alarmanlage und (mittlerweile) ziemlich effektiven Selbstschutzmechanismen. Anders gesagt: ich kann in Ruhe und Gelassenheit inmitten einer Welt leben, die ich zunehmend als „unbewusst und unreflektiert“ wahrnehme. Keine Wertung, kein Urteil, einfach eine Wahrnehmung.

Womit ich jedoch nach wie vor ein massives Thema habe, sind Menschen, die in sich Leid und Drama vereinen. „Sterbender Schwan“ nenne ich diese Kombination. Menschen leiden (seelisch) und ziehen aufgrund ihrer unstillbaren Bedürftigkeit ihr Umfeld in dieses Leid hinein. Ich kenne das nur allzu gut. Ich wuchs in dieser „Hölle des Leidens“ auf. Meine Eltern lebten beide bis zu ihrem Tod in dieser Hölle – nicht grundlos. In ihren Leben war eine Menge geschehen, was als Ursache für seelischen Schmerz und Leid mehr als legitim ist – doch keiner von beiden löste es je auf. Als Kind und bis weit ins Erwachsenenalter teilte ich diese Hölle, weil es für mich normal war, weil ich nichts anderes kannte, weil ich so geprägt worden war. Doch ein Teil von mir suchte einen Ausweg – und fand ihn schließlich. Damit hielten Ruhe und Gelassenheit in meinem Leben Einzug. Treffe ich heute auf „sterbende Schwäne“, triggert ihre „Hölle des Leidens“ meine Erinnerungen – auch emotional – doch damit kann ich umgehe, kann wieder aussteigen, nicht jedoch mit den im Körpergedächtnis gespeicherten Erinnerungen. Kinder (und auch Erwachsene) die im permanenten inneren Alarmzustand leben, weil sie die nächste Attacke fürchten und darauf vorbereitet sein wollen, stehen auch körperlich ständig unter Anspannung – Fluchtmodus, Stresshormone, Schmerzen. Viele Jahre litt ich 24/7 unter körperlichen Schmerzen, ohne das eine Ursache dafür gefunden werden konnte. Erst als ich aus der „Hölle des seelischen Leidens“ ausstieg, endete die Schmerzen ebenso unerklärlich wie sie begonnen hatten.

Mein Körper hat bis heute nichts vergessen. Jede Begegnung mit „sterbenden Schwänen“ führt mit der Präzision eines Uhrwerks zu innerer Anspannung, Veränderungen von Puls und Blutdruck, Hormonhaushalt, Nerven- und Immunsystem … mein Körper reagiert, versetzt sich in einen Alarmzustand, fährt Abwehrsysteme hoch und nicht überlebenswichtige Funktionen runter. Der passendste Vergleich für mich ist der mit einer Allergie, auch wenn es sich hierbei nicht um eine klassische Allergie handelt, so ist es doch eine physische Überreaktion, die sich nur schwer oder gar nicht steuern lässt. „Sterbende Schwäne“ sind für mich toxisch, sie machen mich krank – auf körperlicher Ebene – selbst wenn mir die Person dahinter per se gleichgültig ist, ihre Schwingung ist es nicht. Da ich sie nicht blockieren kann, bleibt nur ausgleichen und loswerden, was mich eine Menge meiner Energie kostet, weshalb ich Menschen, die in der „Hölle des Leidens“ feststecken – so weit mir das möglich ist, vermeide. Aber das führt mitunter dazu, dass ich missverstanden werde. Ein fataler Kreislauf …

… oder Schicksal. Bestimmung.

Vielleicht ist es meine Bestimmung, anderen Einblick (und damit ein wenig Nachvollziehbarkeit oder Verständnis) in eine (Wahrnehmungs)Welt zu geben, die anders ist – multidimensional. In der alles mit allem in Verbindung steht und (bewusstes) Denken/Fühlen/Agieren/Reagieren in komplexen Zusammenhängen so alltäglich ist wie Zähneputzen. Weder angestrengtes „ich will besonders schlau rüberkommen“ noch überhebliches „hey, ich bin was Besseres“. Es ist einfach – meine Art, diese Welt und Menschen wahrzunehmen. Weder kann ich noch will ich das abstellen. Ich könnte mir die Augen verbinden und geräuschunterdrückende Kopfhörer aufsetzen, es würde nichts daran an, fühlend wahrzunehmen, was rund um mich ist – die Schwingung anderer Menschen, von Freude über Trauer, Scham, Leid, Schmerz, Wut, Ablehnung, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit … die gesamte Bandbreite menschlichen Fühlens. Das, was gelebt und gezeigt wird, ebenso wie das, das verdrängt und unterdrückt wird. Letzteres ist meistens noch viel intensiver spürbar als die Oberfläche, weil es im Dunkel des Unbewussten liegt, in einer Ebenen, in der wir – so meine Wahrnehmung – alle verbunden sind.

Good Vibes sind und waren nie ein Problem – aber echte, in die Tiefe reichende Good Vibes sind selten. All zu oft kaschieren sie an der Oberfläche, was noch da ist …

Meine selbstkritische Ader hinterfragt natürlich, ob ich mir das alles nicht nur einbilde, auf andere projiziere was in mir ist. Früher war das sicherlich öfters der Fall. Inzwischen habe ich gelernt, recht gut zu unterscheiden zwischen dem, was „meins“ ist und dem anderen. Das gelang vor allem dadurch, dass ich mit dem beschäftigt habe, was in mir ist. Mit ziemlicher Sicherheit habe ich noch nicht alles gefunden und aufgelöst, aber ich habe Routinen entwickelt, zwischen „meinem“ und dem anderen zu unterscheiden. Eine weitere Facette von gelebter Multidimensionalität.

Vielleicht vermitteln diese Zeilen einen Einblick in etwas, das sich nur schwer in Worte fassen lässt, aber wichtig ist, um zu verstehen und zu akzeptieren, das „Anderssein“ weder richtig noch falsch, sondern einfach nur eine weitere Facette der Vielfalt ist, die das Leben bereichert. Leben ist stets multidimensional.

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RUHE UND GELASSENHEIT

Mein letzter Blog liegt beinahe einen Monat zurück. Unglaublich, wie schnell die Zeit verflogen ist. Unbeschreiblich, was alles in dieser Zeit geschehen ist. Meine Versuche, all das irgendwie zusammenzufassen, scheitern. Die Ereignisse gleichen einer Achterbahn, die permanent rauf und runter fährt, ohne zu stoppen, doch ich sitze nicht drin. Nicht so wie früher, als ich das Gefühl hatte, fremdgesteuert über die Achterbahn zu rasen. Diesmal stehe ich davor, in ziemlich umfassender Ruhe und Gelassenheit, und beobachte, was geschieht. Handle, wenn es nötig ist. Die Welt rund um mich fährt auf der Achterbahn. Es fühlt sich gut an, aber auch irritierend.

In den vergangenen Wochen habe ich enorm viel verarbeitet, in Abgründe geblickt, mich selbst wieder und wieder hinterfragt, habe Klarheit gewonnen und verworfen.

Heute sitze ich – wieder einmal – auf einem Berg und frage mich, ob ich jemals einen Menschen treffen werde, der eine derart komplexe Persönlichkeit wie mich vollständig erfassen kann. Oder ob ich mich damit begnügen soll, bruchstückhaft gesehen zu werden. Ob diese Gedanken ein Zeichen von Überheblichkeit meinerseits sind – oder einfach nur die durch Worte verzerrte Wiedergabe dessen, was ich in mir fühle.

Die aktuelle Diskussion der Fachwelt, ob BPS nun zu Neurodivergenz zählt oder nicht, habe ich – als Betroffene – für mich klar entschieden: JA, tut es. Ich erlebe es tagtäglich, wie „anders“ ich ticke. Spreche ich offen über das, was ich wahrnehme, ernte ich Staunen – und die Gewissheit, für die Mehrheit in einer „anderen, erweiterten Welt“ zu leben. Je mehr ich mich darauf einlasse und diese „andere Welt“ in meinen Alltag integriere, desto komplexer wird mein Bild, desto klarer wird aber auch, wo die es hakt, wo es Brücken braucht, um „normal“ und „anders“ in einem harmonischen Ganzen zu verbinden.

Apropos Harmonie: die derzeit wohl größte Herausforderung für mich ist jene, im Job mit einer für mich absolut toxischen Person zusammenzuarbeiten. Ich könnte aussteigen, davonlaufen, doch was würde ich mitnehmen? Auf der anderen Seite: zu bleiben bietet die Chance zu lernen, mich weiterzuentwickeln. Ja, ich werde getriggert, aber ich habe meine (emotionalen und sonstigen) Reaktionen unter Kontrolle. Geht’s nicht genau darum? Nicht durch Trigger fremdbestimmt zu sein, sondern resilient gegenüber dem „Unvermeidbaren“? Der aktuellen Herausforderung könnte ich ausweichen und aussteigen, doch bereits morgen könnte die nächste toxische Person meinen Weg kreuzen. Durch diese Zusammenarbeit (wenn man es denn so nennen mag) habe ich die Gelegenheit, meine Fertigkeiten im Umgang mit toxischen Personen zu trainieren und zu optimieren. Das Leben bietet mir eine Chance, denn ich der aktuellen Herausforderung bin ich nicht allein. Es gibt andere, die mir im Bedarfsfall zur Seite stehen, Raum für Psychohygiene, Wertschätzung. Ein Umfeld, das erkennt, dass in mir noch ungeahnte Potenziale schlummern. Ein Umfeld, das die Borderline-Stärken zu schätzen weiß. Ein Umfeld, in dem ich sein kann, wer ich bin.

All das und mehr dreht Runden auf der Achterbahn um mich, während ich in Ruhe verharre. Alles ist in Bewegung, ich bleibe gelassen; die Achse, der Nabel meiner Welt; die Sonne, um die alles kreist. Ich bestimme mein Denken und Fühlen – darauf kommt es an. Mehr braucht es nicht, um aus der Achterbahn auszusteigen.

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EINE (LEIDER) WAHRE GESCHICHTE

In der Vergangenheit von A lief einiges schief. Wie nahezu alle Menschen erlitt A seelische Wunden, die im Laufe der Zeit vernarbten – auch deshalb, weil A viel dazu beitrug, dass Heilung stattfinden konnte. Es war ein langwieriger Prozess, der aus A eine reflektierte Person machte, die stets darauf achtet, anderen wertschätzend zu begegnen, die bei zwischenmenschlichen Problemen, anstatt Vorwürfen und Schuldzuweisungen auszusprechen, beginnt zu hinterfragen, um zu verstehen und einen Konsens zu schaffen. A ist sich bewusst, kein Engel zu sein und noch so einiges an „Ballast“ mich sich rumzuschleppen, dennoch versucht A, jeden einzelnen Tag die bestmögliche (Charakter)Version von sich selbst zu sein.

Eines Tages trifft A auf B. Zwei Lebenswege kommen einander näher, eine Beziehung entsteht. Zu Beginn läuft es bestens, bis das erste harmlose Missverständnis auftritt – und plötzlich erkennbar wird, dass B noch nicht jenen Prozess der Selbstreflexion durchlaufen hat. A wird mit Vorwürfen, Unterstellungen und Schuldzuweisungen konfrontiert. Das schmerzt. Mit viel Geduld und Verständnis bemüht sich A, das Missverständnis aufzulösen, was auch gelingt – vorübergehend. Das nächste Missverständnis lässt nicht lange auf sich warten, und das übernächste … von Mal zu Mal steigert sich die Intensität. Es dauert nicht lange, bis A erkennt, dass sich nicht nur um das jeweilige Missverständnis geht. Hinter den emotionalen Ausbrüchen verbergen sich lange unterdrückte Emotionen aus der Vergangenheit von B. A wird zur Zielscheibe (Projektionsfläche) dessen, was lange vor dem gemeinsamen Weg geschehen ist.

Hast du ähnliches bereits erlebt? Wenn es in der Rolle von B war, wird das, was nun folgt, dir möglicherweise nicht gefallen. Wenn du als A in einer ähnlichen Situation warst, wirst du dich vielleicht gefragt haben, was du tun hättest können. Hier teile ich mit dir die Essenz dessen, was ich in über einem Dutzend Gesprächen mit (Fach)Expertinnen und Experten erörtert habe:

„Lass los und geh!“

So hart diese Aussage klingen mag, du kannst nichts tun. Du kannst B nicht retten. Egal, wie sehr du liebst oder wie viel Verständnis oder Geduld du aufbringst.

Menschen lernen im Laufe des Heranwachsens, ihre Emotionen auf angemessene Weise auszuleben, sie zu regulieren. Dieser Prozess der emotionalen Reifung kann jedoch im Kindesalter durch äußere Einflüsse gestört oder unterbrochen werden. Dann wird der Mensch zwar körperlich und auch geistig erwachsen, aber nicht emotional. Ein harmloses Missverständnis kann zu einem Aufbrechen der emotionalen Verletzungen aus der Kindheit führen – so wie es das bei B tat. B macht das weder bewusst noch mit böser Absicht. B kann nicht anders, weil der Reifungsprozess unterbrochen wurde. Daran kann A nichts ändern. Niemand kann einem anderen diesen Prozess abnehmen. Zu bleiben, würde nur dazu führen, dass A wieder und wieder zur Zielscheibe wird.

A und B teilen sich eine Realität, aber sie leben in zwei sehr unterschiedlichen Welten, sprechen unterschiedliche Sprachen.

Vor vielen Jahren war ich B – und es war mir nicht bewusst. Meine Welt war die Einzige, die ich kannte. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass es eine andere Welt geben könnte. Doch ich war eine Suchende. Es begann bei Gesundheitsthemen, Kommunikation und ehe ich mich versah, erkundete ich „neue Welten“. Schließlich führte mich mein Weg in die Welt von A.

Treffe ich heute auf B, fühle ich Ambivalenz in mir. Einerseits lebt die Hoffnung in mir – aus meiner eigenen Erfahrung heraus – dass es möglich ist, den emotionalen Reifungsprozess auch im Erwachsenenalter nachzuholen. Es ist nie zu spät. Anderseits ist mir auch bewusst – aus meiner eigenen Erfahrung heraus – dass die Notwendigkeit dieses Schrittes nicht leicht erkennbar ist, wenn man noch in der Welt von B steckt. Sich selbst als Zielscheibe zur Verfügung zu stellen, hilft niemanden – auch nicht B, weil B in seinem Verhaltensmuster wieder und wieder bestärkt wird. Täglich grüßt das Murmeltier.

Manchmal müssen Menschen unterschiedliche Wege zurücklegen, bevor es zu einem Happy End kommen kann – und es kann auch jeder für sich zu einem eigenen Happy End finden.

Manchmal schreibe ich Geschichten wie diese, um mir selbst vor Augen zu halten, dass ich niemanden retten kann – und um in mir die Kraft und das Vertrauen zu finden, loszulassen.

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SOUND OF SILENCE

Heute saß ich in einer Gruppe von ca. 25 Personen und wartete – wie alle anderen auch. Im Hintergrund lief Musik. Sound of Silence von Simon & Garfunkel. Ich begann leise mitzusingen … hello darkness good old friend… Eine Frau blickte zu mir, lächelte. Ob sie spürte, was in mir vorging?

Ein 60 Jahre alter Song, ein Text aus einem anderen Jahrtausend – und doch …

And in the naked light, I saw
Ten thousand people, maybe more
People talking without speaking
People hearing without listening
People writing songs that voices never shared
And no one dared
Disturb the sound of silence

… erzählt der Song für mich eine Geschichte, die sich hier und heute, genau in diesem Moment, weltweit ereignet.

Menschen, die reden, ohne etwas zu sagen
Menschen, die hören, ohne zuzuhören
und niemand wagt
den Klang der Stille zu unterbrechen

Für mich verbirgt sich hinter dieser Stille eine Metapher für all das Hohle, Leere, die Oberflächlichkeit, die keinen Sinn und keinen Tiefgang kennt, die sich wie ein Krebsgeschwür im Denken der Menschen ausbreitet.

Da sind jene, die ihre Arme ausstrecken, doch ihre Worte werden nicht gehört – und das Geschwür wächst leise in der Stille vor sich hin während die Neon-Götter die Menschen in ihren Bann ziehen. Leere, Oberflächlichkeit, Eindimensionalität …

Nur weil ich entschieden habe, ein Funke feuriger Lebensfreude zu sein, bedeutet das nicht, dass da keine Dunkelheit in mir ist. Ganz und gar nicht. Mitunter – so wie heute – spüre ich diese Dunkelheit, jene alte Freundin, die mich seit langem begleitet. In diesen Momenten wird mir nur allzu bewusst, wie anders ich bin, wie weit entfernt von jener Welt ohne Tiefgang, unverstanden – gleichzeitig ahnend, welche Gefahr von der Eindimensionalität ausgeht.

Ein bekanntes Zitat von Einstein bringt es auf den Punkt: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“.

Die Neon-Götter, die viele anbeten, nennen sich: Profit, Macht, Status, Ausbeutung von Menschen und Umwelt, Gewalt, Gier, Ignoranz und Intoleranz, Fanatismus und Rücksichtslosigkeit. Sie gedeihen in Stille, jener hohlen Leere ohne Tiefgang oder Sinn, in der Eindimensionalität, die keine Alternativen denken kann … und keine Lösungen.

Manchmal – so wie heute – fühle ich in meinem ganzen Sein, dass es jene brauchen wird, die ob ihrer Multidimensionalität heute noch als krank oder neurodivers eingestuft werden. Unter ihnen sind viele, die jene Stille zu durchbrechen vermögen, in der andere gefangen sind – weil sie anders sind, das Leben anders spüren, die feinen Fäden, die alles durchdringen und verbinden. Aus ihrer Tiefe kann jene Stimme dringen, die der wuchernden Stille Einhalt gebietet.

Im Spiegel aus einem anderen Jahrtausend erscheint für mich ein tiefgründiges Bild der Gegenwart – einfach so, weil es meine Art ist, wie ich die Welt um mich wahrnehme. Unendlich viele Fäden die unzählige Schichten verbinden und in der Dunkelheit zusammenfließen. Im Licht zu Leben ist eine bewusste Entscheidung, doch meine Wurzeln reichen tief in die Dunkelheit und mitunter eröffnen sie mir einen nicht ganz alltäglichen Blick auf die Welt. Oder ein tiefgründiges Verständnis eines 60 Jahre alten Songs.

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ALLES IM GRIFF HABEN

Die vergangenen drei Monate waren extrem intensiv – in jeder Hinsicht – was sich auch darin gezeigt hat, dass ich kaum noch etwas geschrieben oder gepostet habe. Gleichzeitig habe ich mehr und umfassender über das Thema Borderline gesprochen als je zuvor. Nun sitze ich für einige Tage in den Bergen, um all das zu verarbeiten, Klarheit für meine Zukunft zu finden und meine Batterien wieder aufzuladen.

„Das Leben mutet dir nie mehr zu, als du zu tragen vermagst“.

Nach diesem Grundsatz lebe ich. Dieser Grundsatz hat es mir ermöglicht, bis hierher zu kommen. Wie könnte ich diesen Grundsatz ausgerechnet jetzt in Frage stellen? … wenn angezweifelt wird, ob ich tatsächlich „alles im Griff habe“.

Hier meine Antwort darauf, die vielleicht verstanden wird, vielleicht auch nicht.

Alles im Griff zu haben bedeutet in Bezug auf Borderline gut mit sich selbst zurecht zu kommen, sich selbst liebevoll anzunehmen und gut auf sich zu achten.  Es bedeutet auch, rechtzeitig zu handeln, bevor zerstörerische Muster aktiviert werden.

Es bedeutet nicht, alles auszuhalten.

Es bedeutet auszusteigen, wenn es nicht passt … Insbesondere aus Beziehungen. Nicht davonlaufen beim ersten kühleren Windhauch, aber auch nicht bleiben, wenn die ständige Präsenz von Gewitterwolken sich als „Entladungsmuster ohne Alternative“ erweist. Meine Zeit als Projektionsfläche für ungelöste innere Konflikte und nicht aufgearbeitete Traumata liegt hinter mir. Veränderung und Heilung kann stets nur aus einem selbst kommen. Entladung bringt kurzfristige Erleichterung, doch der Druck baut sich kontinuierlich weiter auf, bis zur nächsten Explosion. Ich weiß, worüber ich hier schreibe, habe das selbst viele Jahre gelebt – auf beiden Seiten, als Entladende und als Projektionsfläche… bis ich mich entschied, weder das eine noch das andere zu sein.

Verlassen … und die Angst vor dem Verlassenwerden.

Welcher Borderline kennt sie nicht, diese schier unerträgliche Angst, verlassen zu werden. Sie zählt zu den charakteristischen Merkmalen von BPS. Wie könnte ich jemand anders zumuten, was ich in jeder Zelle meines Körpers fürchte? Ich kann! Ein Ende mit Schrecken ist immer noch besser als ein Schrecken ohne Ende. Zu bleiben, weil man niemanden enttäuschen oder gar verletzen möchte, um den Preis der eigenen (mentalen und emotionalen) Gesundheit und Balance ist definitiv der falsche Weg.

Manches geht nicht zusammen, so sehr man es sich auch wünschen mag.

Kompromisse Ja. Anpassen Ja. Aber es gibt einen Unterschied zwischen „aufeinander zugehen“ und „sich selbst aufgeben“. Eine hauchfeine Grenze, die leicht übersehen werden kann. Alles im Griff zu haben bedeutet, auf diese Grenze zu achten und auf der eigenen Seite zu bleiben, bei sich selbst – auch wenn die Konsequenzen daraus in getrennten Wegen resultieren.

Das bezieht sich für mich auf zwischenmenschliche Beziehungen jeglicher Art, nicht nur auf Partnerschaften. Gewiss, Familie kann man sich nicht aussuchen, Kolleg:innen meistens auch nicht, aber darüber hinaus bin ich frei zu entscheiden, mit welchen Menschen ich meine Zeit verbringen, für welche ich meine Gedanken- und Gefühlswelt öffne – und für welche nicht. Das bedeutet es, alles im Griff zu haben. Zu umarmen, wenn es sich gut anfühlt. Loszulassen, wenn es das nicht tut.

Entscheidungen dieser Art treffe ich (zum Glück) nicht mehr unmittelbar aus dem Bauch heraus. Ich nehme mir Zeit, reflektiere für mich und mit Menschen, denen ich vertraue, die andere Perspektiven und Erfahrungen einbringen, um meinen blinden Fleck bestmöglich sichtbar zu machen. Wenn all das zu einer klaren Aussage führt: „Lass los“ … wie sorgsam wäre ich im Umgang mit mir selbst, würde ich festhalten?

Es ist keine leichte Entscheidung, aber manchmal gilt es im Leben auch taffe Entscheidungen zu treffen, damit es (für alle) gut weitergehen kann. Das bedeutet es, alles im Griff zu haben.

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