INSIDE BORDERLINE

*** TRIGGER-WARNUNG***

Auf meinem Blog möchte ich einen Einblick in meine Gedankenwelt als Borderlinerin ermöglichen. Diese Gedanken können – mittlerweile nur noch in Ausnahmefällen – erschreckend bis verstörend sein. Doch so gehören ebenso zu mir wie der vielfältige Rest.

Wer ab hier weiterliest, wird vielleicht schockiert sein – und tut dies auf eigene Verantwortung. Spoiler: Es gibt ein Happy End, denn selbst das längste und dunkelste Tal endet irgendwann.

INSIDE BORDERLINE

Was für ein abscheuliches Monstrum muss ich doch sein. Ich schaffe es tatsächlich alles, was sich in meinem Leben zum Guten entwickelt, zu sabotieren. Wenn ich auf meine Lebensjahre zurückblicke, wird ein roter Faden sichtbar: ich ziehe Menschen und Ereignisse in mein Leben, die mich verletzen. Ich muss nicht selbst zur Klinge greifen. Das erledigen anderen für mich und tiefer als ein Schnitt in die Haut. Sie zerschneiden meine Seele.

Alles, was ich suche, ist Liebe.

Alles, was ich geben will ist Liebe.

Alles, was ich bekomme, ist Schmerz in jeder nur erdenklichen Form. Ablehnung, Ausgrenzung, Verurteilung, Verletzung, Demütigung, Entwertung, Ignoranz, Gewalt …

Alles nur ein Spiegel dessen, was in mir ist. Was in mir zerbrochen wurde. Habe ich mir das tatsächlich ausgesucht? Hat meine Seele sich dieses Schicksal FREIWILLIG ausgesucht? Begann da nicht bereits die Selbstverletzung? Wer sucht sich in einen Lebensweg ohne Liebe aus?

Wer kann jemand wie mich lieben?

Was tun Menschen, wenn jemand neben ihnen verletzt ist und leidet? Sie nehmen diesen Menschen in den Arm und trösten ihn.

Was tue ich? Ich beginne zu analysieren, zu erklären, zu diskutieren. Ich funktioniere wie eine Maschine, nicht wie ein Mensch. Ich komme erst gar nicht auf die Idee, den anderen zu umarmen. Dieses Programm existiert nicht in mir. Ich habe es selbst nie kennengelernt, kann es weder abrufen noch dauerhaft in mir entwickeln. Wenn andere mich brauchen würde, werde ich zur emotionsbefreiten Marionette meiner Defizite.

Warum ich derart destruktive Gedanken niederschreibe?

Weil sie mich gerade davon abhalten, dem Schmerz in mir eine physische Manifestation an mir zu geben. Wer tippt, kann nicht gleichzeitig mit einer Schere hantieren. Ich und schneiden? Wenn kein Mensch rund um mich ist, der als Erfüllungsgehilfe meiner Selbstverletzung fungieren, verspüre ich diesen unheilvollen Drang …

Ich weiß genug über die Zusammenhänge und das es wichtig wäre, meine Gedanken unter Kontrolle und in eine andere Richtung zu lenken. Die Emotionen folgen dann zeitversetzt automatisch.

Nur … meine Gedanken wollen nicht dauerhaft umgelenkt werden. Sie wehren sich. Etwas in mir WILL diese Gedanken durchspielen, bis zum bitteren Ende.

Deshalb tippe ich. Damit das Aufgestaute abfließen kann ohne wirklichen Schaden anzurichten. Vielleicht werde ich diese Zeilen nie veröffentlichen. Vielleicht schon, um anderen zu zeigen, dass sie nicht allein sind und dass es einen Ausweg gibt.

Gibt es einen Ausweg?

Ja, den gibt es!

Für mich heißt er: Hinschauen. Nicht wegsehen, verdrängen, ignorieren, ablenken oder dergleichen. Hinschauen und anerkennen, was es gerade ist. Anerkennen, das alte Muster aktiv sind, Gedanken und Gefühle aus der Vergangenheit wachrufen.

All das hat nichts, absolut NICHTS mit meiner Gegenwart zu tun.

Auch wenn’s draußen stürmt, sitze ich hier drinnen im Trockenen. Es ist warm und sicher. Ich habe alles, was ich brauche, damit es mir gut geht.

Was in den Köpfen und Herzen anderer Menschen vorgeht, kann ich NICHT wissen. Vielleicht ahnen, aber vielmehr als Spekulationen werden es nicht. Ich kann also NICHT wissen, ob es da draußen nicht doch einen Menschen gibt, der etwas für mich empfindet, mich vielleicht sogar liebt.

Akzeptiere die Unwissenheit – sie befreit vom Druck der Gewissheit.

Anders gesagt: Alles ist möglich, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist.

Ich bin vielleicht nicht perfekt, aber ich bin auch nicht das ultimative Böse. Ich habe Defizite, mache Fehler … wie jeder andere Mensch, der jemals über diesen Planeten gewandelt ist und es noch wird.

Allmählich lässt der Druck in mir nach, verschwindet das würgende Gefühl im Hals, die brennenden Tränen in den Augen. Inzwischen kann ich auf die Schere blicken, ohne den Wunsch zu verspüren, damit etwas anderes zu machen als Fäden meines aktuellen Strickprojektes abzuschneiden.

Überstanden?

Sieht so aus… für heute.

War’s das letzte Mal?

Wer weiß?

Vergessen ist nicht möglich. Wenn die Geister der Vergangenheit wach werden, hilft nur das, was damals gefehlt hat. Verdrängt habe ich lange genug in meinen Leben. Umarmt viel zu wenig – andere und mich selbst. Vielleicht sollte ich bei mir selbst beginnen.

Während ich noch tippe, geschieht das Unerwartete: Eine kurze Nachricht trifft ein. Ich atme auf, lächle und die Geister ziehen sich zurück in die Tiefen meines Unterbewusstseins.

Zufall?

Ich glaube nicht an Zufälle, dennoch bin ich dankbar, wenn sie geschehen.

Angst vor dem nächsten Mal?

Nein … auch wenn ich auf ein nächstes Mal liebend gerne verzichten kann, ich fürchte es nicht.

Werde ich damit klarkommen?

Definitiv!

In mir herrscht zuweilen eine bedrückende Dunkelheit – doch umgeben von viel mehr Licht.

In mir findet sich tiefer Schmerz – und noch viel mehr Lebensfreude und Liebe.

Vertrauend auf meinen unbändigen Lebenswillen, habe ich bereits vor langem erkannt, das ich mich dem Dämon stellen muss, Angesicht zu Angesicht, ihm in der Dunkelheit begegnen muss, um ihn in den Arm zu nehmen und zurück ins Licht zu führen. Diese Metapher zieht sich wie ein roter Faden durch JAN/A und sie spiegelt sich in meinem persönlichen Mantra:

Mit jedem Atemzug tiefer ins Gefühl, mit jedem Herzschlag näher und näher, mit allen Sinnen ins Feuer der Ekstase – fallen, schweben, tanzen, leben, lieben, hier und jetzt – ein Sturz in die Dunkelheit und durch sie hindurch ins Licht, in die Liebe, in die Leidenschaft, ins Leben.

Inside Borderline

Akzeptiere deine Unwissenheit.

Befreie dich vom Druck der Gewissheit.

Erlaube dem Leben, dich zu überraschen.

Staune über das, was es noch sein kann.

Bild: pixabay.com

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