AUFBRUCH INS JAHR 2022

Rund um den Jahreswechsel habe ich mich wieder einmal zurückgezogen, um meine Gedanken und mich selbst zu reflektieren, einiges davon auch neu auszurichten. Zeitlicher und räumlicher Abstand zum Hamsterrad und Alltagstrott sind enorm wichtig, um aus Schubladendenken und überholter Routine auszusteigen.

Wohin soll es 2022 für mich gehen?

Tatsächlich habe ich mehrere Anläufe benötigt, diesen Beitrag zu schreiben. Das ist für mich absolut ungewöhnlich. Normalerweise schreibe ich meine Gedanken rasch und schlüssig nieder. Doch diesmal war es irgendwie sperrig.

Zum einen waren da die zahlreichen Rückmeldungen, die kurz vor Jahresende noch kamen. Viele haben sich bei mir bedankt, weil ich ihnen in schwierigen Zeiten weiterhelfen konnte, Hoffnung vermitteln und ihr Vertrauen stärken konnte. Bewunderung für mich als Person und was ich in meinem Leben erreicht habe. Und allzu oft der Satz: Du hast so Recht. Wenn der kommt, nehme ich für einige Zeit meine Finger von der Tastatur, um zu verhindern, eine Antwort in der Art von „Mir geht’s nicht darum, Recht zu haben. Davon löst sich weder dein Problem noch ändert sich die Welt. Schwing lieber deinen Hintern in die Höhe und mach das, was zu tun ist.“ Diese Rückmeldung wäre schwer verdaulich, aber auch ehrlich.

Ich bin dankbar, hin und wieder begleiten, oder vielleicht sogar ein klein wenig bewirken zu dürfen. Tendenziell werde ich künftig stärker die Angehörigen von Borderlinern ansprechen und ihnen dabei helfen, eine Gedanken- und Gefühlswelt zu respektieren, sich von ihrer eigenen enorm unterscheidet. Verstehen wird wohl nicht immer möglich sein, aber Respekt und Achtsamkeit sind bereits wichtige Schritte. Meine bisherigen Erfahrungen in diesem Bereich zeigen mir, dass jene, die daneben stehen, ebenso an ihren Belastungsgrenzen sind wie jene, die mitten im Strudel der Emotionen stecken. Mit jemand zu sprechen, der all dies durchlebt, überlebt und zurück in ein glückliches Leben gefunden hat, kann Hoffnung und Zuversicht wecken.

Deshalb erzähle ich meine eigene Geschichte immer und immer wieder. Nicht aus Geltungsdrang oder weil ich damit berühmt werden will. Ich will damit inspirieren und motivieren. Und transformieren.

Früher hätte meine Geschichte wohl so gelautet:

In meinem Leben ist eine Menge Scheiße passiert.

Heute lautet sie:

Ich meinem Leben ist eine Menge Scheiße passiert, die zu jenem Dünger wurde, auf dem nun heilsame (Wort)Pflanzen (Geschichten und Gedichte) wachsen, die anderen helfen, ihre Wunden zu schließen, die in ihnen Mut, Hoffnung und Zuversicht keimen lassen, sie zum Nachdenken und Verstehen anleiten, sie zum Lächeln bringen, Lebensfreude wecken und für einige Zeit in die Umarmung des Lebens hüllen.

Aus Schicksal (Fluch) wurde Sinn (Segen). Eine wunderbare, berührende Geschichte.

Zum anderen schlage ich mich (wieder einmal) mit einem Thema herum, das ich leider nicht ganz ausblenden darf bzw. kann. Wie und wofür verwende ich meine Zeit? Dieses begrenzte Gut, das niemand von uns horten kann und vor dem auch niemand weiß, wie viel noch bleibt. Ich möchte meine Zeit bestmöglich nutzen. Ein wesentlicher Teil ist für den „Broterwerb“ reserviert. Mit dem Rest gilt es sinnvoll umzugehen.

Mein Widerwillen gegen Zeitfresser wie Facebook & Co ist nichts Neues. Meine Energie dafür einzusetzen, in der Flut von Postings mitzuschwimmen, die überwiegend anderes beinhalten als meine tiefgründigen Beiträge, sehe ich als reine Verschwendung an. Was ich mache, erfordert eindenken und einfühlen, also das Gegenteil von schnellem liken. So sehr ich die Grundidee der sozialen Medien schätze, hinterfrage ich, was die Masse an Menschen daraus macht. Die Herausforderung liegt meiner Ansicht nach im Lebensstil unserer Zeit. Oberflächlich und schnelllebig. Beiträge werden innerhalb von Sekunden mit einer Wertung versehen, ohne sie überhaupt gelesen oder gar reflektiert zu haben. Ein Blick auf ein Bild, vielleicht noch ein paar Worte … das war’s. Gesehen, aber nicht verstanden oder in die Tiefe erspürt. Genau dort vermute ich die Ursache für die Leere, die so viele Menschen in sich tragen. Sie streben nach Aufmerksamkeit und fühlen sich im Grunde bedeutungslos, denn Bedeutung ist etwas, das erkannt werden will, was Zeit in Anspruch nimmt, sich wandelt und erweitert je länger man es betrachtet.

Wie gesagt, die Grundidee dahinter finde ich gut. Dank der sozialen Medien habe ich einige wunderbare Menschen kennengelernt und spannende Projekte begonnen, ABER in der Masse dessen, was mir begegnet ist, machen diese nur einen kleinen Teil aus. Deshalb werde ich mich 2022 weiter aus den sozialen Medien zurückziehen und stärker auf das reale Leben konzentrieren.

Vor einige Wochen schrieb ich folgendes:

„Das wertvollste Geschenk, das du einem Menschen machen kannst, ist ein Augenblick, in dem kein Gedanke dich davon abhält, voll und ganz den anderen zu fühlen.“

Damit ich anderen Menschen noch viele wertvolle Geschenke machen kann, ist es wichtig, auf meine Zeit zu achten und manche Zeitfresser nicht länger zu füttern.

Das Bild zu diesem Beitrag entstand heute auf einer kurzen Wanderung an einem milden, sonnigen 2. Jänner 2022 – eine Stunde kraftspendende Zeit mit mir selbst und meinen Gedanken.

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