WENN – DANN … ODER DOCH: ES IST!

Das Leben liefert doch immer wieder Stoff für Beiträge. Ich habe einige Zeit überlegt, wie ich das heutige am besten niederschreibe, dann es könnte leicht missverstanden werden. Am besten, ich fange einfach mal an …

Mein WordPress-Blog ist so eingerichtet, dass sämtliche Kommentare durch mich als Admin freigeschalten werden müssen, bevor sie öffentlich sichtbar sind. Ein ganz normales Prozedere, das in vielen Workshops zu kritischer Medienkompetenz und Sicherheit im Netz empfohlen wird.

Vor wenigen Tagen fand ich ein paar interessante Kommentare von einem User, der bereits mehrfach kommentiert hat, anfangs ganz lieb und nett, in Folge veränderte sich der Ton. Ich habe die letzten Kommentare nicht mehr freigeschalten, da ich das, was sie in mir auslösten, in diesem Beitrag ein wenig durchleuchten möchten:

„Funktioniert dein Leben? Bist du glücklich? Wenn Gott gewollt hätte, dass wir Menschen glücklich wären, dann hätte er uns nicht aus dem Paradiese vertrieben .. 🙂“

Auf diesen Kommentar hätte ich mit „Ich weiß nicht, ob es einen Gott gibt und welchen Plan er/sie mit den Menschen hat, aber mein Leben funktioniert und ich bin glücklich – auch ohne dieses Wissen“… ich hätte auf diese Weise geantwortet, wäre da nicht noch ein Kommentar gewesen:

„PS: „Dein Kommentar muss noch freigeschaltet werden.“ Zeugt nicht gerade von Vertrauen in deine Mitmenschen, wenn du die Kommentare erst nach Überprüfung freigibst 😉 Handelt so ein glücklicher Mensch?“

Vielleicht war es ja witzig gemeint, aber in meinem Linguistinnen-Ohr schrillte eine Alarmglocke und in großen Lettern prangte vor meinem geistigen Auge die Frage: „Was bitte hat das eine mit dem anderen zu tun?“ Was haben technische Blog-Einstellungen damit zu tun, ob ich ein glücklicher Mensch bin? Oder anders gefragt: Kann ich nur dann ein glücklicher Mensch sein, wenn ich meinen Blog (für dessen Inhalte ich verantwortlich gemacht werden kann) für jegliche Tastenspiele freigebe?

Wenn – dann … komplexe Äquivalenz? Echt jetzt? Manipulation oder Unwissenheit darüber, was da sprachlich gerade angestellt wird? Zu diesem Zeitpunkt schwankte ich noch, auf welche Weise ich antworten sollte. Aber die Entscheidung wurde mir mit dem nächsten (freizugebenden) Kommentar deutlich erleichtert:

„Liebe kann auch tiefe Schmerzen verursachen. Denk an Hölderlin, der sich aufgrund einer unglücklichen Liebe in den Wahnsinn flüchtete. Die Liebe kann sehr tragisch enden. Man kann natürlich sagen: „Dann war es keine Liebe, sondern Vereinnahmung .. usw. blabla .. In der Theorie ist alles möglich. Aber die Realität zeigt den Stachel der Liebe. Alles andere ist Esoterik und Wunschdenken. Freut mich, dass du glücklich bist .. Aber wie schon gesagt: Ich hab das Gefühl, dass du dich selbst belügst .. Das gibt ein böses Erwachen irgendwann, ein harter Aufprall .. Ich wünschte, ich irrte mich ..“

Der vorletzte Satz ist (linguistisch betrachtet) hellseherisch auf mein Leben bezogen und wird durch den letzten nochmal in seiner ultimativen, negativen Aussage bestätigt. Eine Generalisierung mit einer Tilgung.

Danke, aber ich weise jegliche externe Prognosen über mein Leben entschieden zurück.

Ich diskutiere sehr gerne mit Menschen über ALLE Themen des Lebens, aber nicht auf diese Weise. Gegenüber „Zuschreibungen“ (Das gibt ein böses Erwachen …) reagiere ich ziemlich sensibel. Jegliche Zuschreibung, auch eine vordergründig positive (Du bist super) ist letztendlich etwas, das einer dem anderen „zuschreibt“, sich also über den anderen stellt und ihn bewertet – und damit das Gegenteil der gewaltfreien Kommunikation, wie sie Marshal Rosenberg formulierte.

Wenn ich meine Brille als Kommunikationstrainerin aufsetze, entdecke ich in den Kommentaren auch ein Muster: Unabhängig vom Beginn enden sie mit einer negativen Botschaft. Das macht mich traurig und nachdenklich, was wohl den Verfasser zu diesen Gedanken veranlasst.

Ich halte mich für eine philosophische Pragmatikerin, die auf das blickt, was es ist, in diesem Augenblick; die stets für möglich hält, dass etwas Wunderbares geschieht – und ich bin Realistin. Krisenmanagement ist ein wichtiger Teil meines Jobs und ohne nüchterne Betrachtung der Realität nicht möglich. Dennoch … wenn ich spazieren gehe und auf meinem Weg finden sich auf der einen Seite ein Hundehäufchen und auf der anderen ein Blümchen, sehe ich beides und entscheide mich bewusst, die Stimmung des Blümchens an mich heranzulassen.

Natürlich könnte man auch diese beiden Schlussfolgerungen ziehen:

Wenn du auf das Hundehäufchen blickst, dann wird dein Leben irgendwann in der Scheiße enden.

Wenn du auf das Blümchen blickst, dann wirst du glücklich sein.

Das wären Klassiker im Sinne von positiv/negativ, aber beides wären hellseherische Zuschreibungen. Wer weiß schon, wie ein anderer Mensch innen drin gestrickt ist und was welche Wirkung auslöst? Das wissen die meisten Menschen von sich selbst nicht.

Ich weiß nur eines: Ohne Zuschreibungen würden sich die Menschen so manche Missverständnisse und Konflikte ersparen. In der Kommunikation bei „es ist, was es (für mich) ist“ zu bleiben, erfordert Achtsamkeit.

P.S.: Kommentare werden auch weiterhin erst nach meiner Freischaltung sichtbar sind und solange sie niemand verletzen, diskriminieren oder in einer anderen Art und Weise anstößig sind.

P.P.S.: Keine Ahnung, ob es auf Gottes Agenda so steht, aber ich bin glücklich 😊

P.P.P.S.: Auf meinem Balkon blühen bereits die ersten Krokusse 😊

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