AUS DEM HERZEN LEBEN

Die Gedanken zu diesem Blog habe ich seit Tagen im Kopf, aber ich kam nicht früher dazu sie zu tippen. Das ich dies nun genau jetzt tue, verstärkt die Botschaft nochmal, denn … heute Morgen wich ich während meines Waldlaufs einem Hundehäufchen mitten auf dem Weg aus, übersah einen kleinen, aber aufragenden Stein, blieb mit dem linken Schuh daran hängen und … voila, kurze Zeit später saß ich blutüberströmt in der Ambulanz und hoffte, das Röntgen würde keinen Knochenbruch im linken Unterarm feststellen. Zum Glück waren die Knochen heil geblieben, ob dies auch auf die Bänder und Knorpel zutrifft, wird sich in ein paar Tagen zeigen.

Kommen wir zurück zum Thema: Aus dem Herzen leben

Ein wunderbarer Zustand, der mich seit einer Woche intensiver denn je begleitet. Was dazu geführt hat? Berggeflüster … oder genauer gesagt: Die Charity-Buchpräsentation im Gasteiner Tal. Die tiefe Emotionalität der Gedichte in die gegenwärtige Wirklichkeit zu holen, zu leben, was ich fühle, vor Publikum, einfach nur zu sein, wer ich bin – das hat einiges ausgelöst. Erkennbar ausgelöst, wie eine Freundin anmerkte: „Deine Augen leuchten im Tal.“

Das tun sie in der Tat.

Es mag Menschen geben, auf die die mächtigen Berge, die das Tal umschließen, einengend wirken. Auf mich wirken sie befreiend, ermutigen mich, ich zu sein, zu zeigen, was mich berührt, auch im Alltag. Keine Fassade aufrechterhalten, kein Verstecken hinter Masken, einfach nur Menschsein, aus dem Herzen leben. All das wirkt heilsam auf meine Seele.

Und damit wären wir beim nächsten Stichwort: Seele.

Unsere Seele, deren Existenz manche anzweifeln, ist kein ganz einfaches Thema … aber ich will hierkeinen philosophischen Diskurs vom Zaun brechen und behaupte jetzt einfach mal: Jeder von uns hat eine Seele, die verletzt werden kann und das auch wird.

Oberhalb habe ich von einer aufgeschürften Hand, einem blutenden Knie und angeknackstem Handgelenk erzählt. Allessamt nichts, wofür ein Mensch sich schämen müsste. Vielleicht ein paar halblustige Kommentare wegstecken, ob es nicht klüger gewesen wäre, in die Hundescheiße zu treten, anstatt ins Krankenhaus zu fahren. Tja, im Nachhinein sind wir alle klüger, nicht wahr?

Körperliche Verletzungen sind gesellschaftstauglich.

Sind seelische das auch?

Im Rahmen der Berggeflüster Charity-Buchpräsentationen plauderten wir auch über die Hintergründe – und meinen Hintergrund. Borderline. Darüber, was es mit Menschen tut, wenn sie die Rückmeldung (oder Diagnose) erhalten, nicht „innerhalb der definierten Parameter zu funktionieren“. Meistens kommt diese Feststellung nach einem mehr oder weniger langen Weg voller Ablehnung, Ausgrenzung, Übergriffe, … Betroffene erkennen irgendwann sich selbst als den Fehler, das Problem. Viele versuchen dies zu korrigieren, der Norm zu entsprechen, zu werden, wie die anderen sind. Das funktioniert meistens nicht. Der Frust geht weiter. Die Verletzungen werden tiefer, sinnbildlich blutende Wunden in der Seele – und keine Heilung in Sicht.

Doch Heilung ist möglich!

Mein persönliches Heilmittel heißt Lesley.

Lesley steht für: Leben, Licht, Liebe, Lebendigkeit, Leichtigkeit, Lebensfreude… und seit wenigen Tagen für „aus dem Herzen leben“. Ein fantastisches Gefühl.

Skeptiker mögen jetzt einwerfen: „Glückshormone nach einem gelungenen Event. Das vergeht wieder.“

Mag sein, ABER die Tage danach im Job mit einem bisherigen Höhepunkt an Irrsinn, ließen den Effekt nicht verschwinden. Auch mein heutiger Sturzflug nicht. Immerhin sitze ich einbandagiert, tippe einhändig diese Zeilen und es geht mir trotzdem gut, ich bin voller Lebensfreude und Leichtigkeit – ohne Schmerzmittel oder sonstige Substanzen eingenommen zu haben.

Ich bin einfach ich selbst, lebe aus meinem Herzen heraus, mache, was mir und anderen Freude bereitet – genau das wollte ich auch mit Berggeflüster erreichen. Ein bildhübsches Buch, das sieht man auf den ersten Blick. Nicht zu unterschätzende lebensphilosophische Gedichte, aber die offenbaren sich erst beim Lesen. Darüber hinaus sammelt dieses Buch auch noch Spenden für die Bergrettung im Gasteiner Tal. Geht noch mehr Wohlfühlen?

Ja!

Rund um den Event habe ich einige der Bildautor*innen kennengelernt, die ihre Fotos kostenlos für das Charity-Projekt zur Verfügung gestellt haben. Tolle Menschen, bereichernde Gespräche, die eine oder andere Freundschaft, die mich hoffentlich noch lange begleiten wird.

Aus dem Herzen leben … vor einigen Jahren hätte ich mir darunter nicht das vorstellen können, was es heute ist. Vielleicht muss man es emotional erleben, um es rational zu begreifen. Ansatzweise tat ich es auch hin und wieder. Die Tür stand bereits offen, nur ein Fliegengitter trennte mich noch von der Freiheit im Sein. Am 29.Mai entließ ich dies Fliegengitter in die Vergänglichkeit und stellte mich der Präsenz des Augenblicks.

Zugegeben, im Gasteiner Tal fällt dieses „aus dem Herzen leben“ um einiges leichter als in der Großstadt, wo es zumindest temporär wieder dem „Normalzustand“ weichen muss, um „innerhalb der erforderlichen Parameter“ zu funktionieren, doch ich denke, es braucht gar nicht die 100% unserer Zeit. Manchmal erfordert das Umfeld ein Abschotten – leider. Ein tägliches Zeitfenster „aus dem Herzen leben“ genügt, um Aufzutanken und zu sich selbst zu finden.

Unsere Gesellschaft braucht viel mehr Herz. Nicht inflationär angeklickte Kommentar-Herzchen, sondern Menschen, die aus dem Herzen heraus leben und handeln.

Wenn ich dir einen Rat für deine Reise durchs Leben mitgeben darf, dann diesen: Finde deinen Ort, an dem du sein kannst, wer du bist, ohne Masken, Rollen, Fassaden, … 100% DU 😊… und staune über das, was möglich wird, wenn du beginnst, aus dem Herzen zu leben.

Mein Ort ist das Gasteiner Tal. Wer weiß, vielleicht treffen wir uns dort einmal, und ich sehe in deinen Augen ein Leuchten, das nur jene haben, die aus dem Herzen leben.

Bild: © Joe Müller

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