SCHNELL (AUS)GETRÄUMT

Manchmal kann ich nur den Kopf schütteln bei dem, was mir so im Netz begegnet. Von „mach das und du bist morgen 3 Kilo leichter“ über „10.000 Top-Kunden im Handumdrehen“ bis hin zu „lass das Universum für dich arbeiten“ … jede Menge Versprechen.

Ein Traum?

Zugegeben, in der Vergangenheit bin ich selbst einigen dieser Pfade gefolgt, habe groß geträumt, und bin verkatert aufgewacht.

Über Nacht, im Handumdrehen oder das Universum für mich arbeiten lassen, hat mich nicht dorthin gebracht, wo ich heute bin. Frei und selbstbestimmt, mit einigen wenigen Altlasten in meinem Rucksack, die kaum noch spürbar sind.

Auch ich träumte einst davon, mich von all den Steinen in meinem Rucksack, möglichst rasch zu befreien. Ein Wundermittel, ein Zauberspruch, ein machtvolles Wesen … verlockende Träume, die ich einen nach dem anderen aufgab.

Ausgeträumt.

Mit mir selbst ins Reine zu kommen, traumatischer Erlebnisse und die daraus resultierenden Blockaden auflösen, innere Konflikte und Zerrissenheit in Harmonie zu verwandeln, im Gleichgewicht verweilen trotz der Stürme des Lebens, oder einfach nur Gewohnheiten wie mehr Sport, weniger Naschen etc. verändern … das erfordert konsequente Arbeit an sich selbst. Arbeit, die einem niemand abnehmen kann, weder ein anderer Mensch noch ein magisches Wundermittel. In meinem Fall waren es über 3 Jahrzehnte Arbeit um die zu werden, die ich heute bin.  

Wie schon Meister Yoda uns lehrte: „Die Dunkelheit ist nicht stärker, sie ist schneller, verlockender“. Der Weg des Lichtes, der Bewusstheit, gleicht einem Ultra-Marathon ohne Ziellinie. Der Weg ist das Ziel. Abkürzungen führen häufig in dunkle Sackgassen, aus denen man nur mühsam wieder rausfindet.

Ja, wenn man mitten in der Scheiße steckt, möchte man am liebsten schnell raus, und alles hinter sich lassen. Eine gewisse Anfälligkeit für verlockende Träume ist da nur allzu menschlich, aber so einfach läuft es nun mal nicht. Nachhaltige Veränderungen geschieht nicht über Nacht und auch nicht von selbst. Aber wer nimmt sich heute noch Zeit?

Wenn ich mich umsehe, ist vieles sehr schnelllebig geworden. Pläne für 1 Jahr? Oder 5 Jahre?

Als ich mich 2017 auf die Reise zu mir selbst machte, spürte ich intuitiv, dass ich mindestens 3 Jahre dafür brauchen werde. Als meine Beziehung nach 24 Jahren in die Brüche ging, war klar, dass ich mindestens 24 Monate zum Verarbeiten rechnen darf. Natürlich wäre es toll gewesen, beides schneller zu durchleben, aber auch unrealistisch. Eine Träumerei, die nicht in der realen Welt bestehen kann.

Unordnung in einem aufgeräumten Haus zu schaffen, geht ziemlich schnell, aber die Ordnung wieder herzustellen dauert seine Zeit. Wenige Augenblicke genügen, um einen Menschen zu traumatisieren. Es braucht mitunter Jahrzehnte, um diese Erschütterung des seelischen Gleichgewichts zu überwinden.

Heilung braucht Zeit.

Vertrauen ins Leben und sich selbst aufzubauen, braucht Zeit.

Die (zutiefst menschlichen) Bedürfnisse nach Ausgleich, Rache, Vergeltung und dergleichen hinter sich zu lassen, braucht Zeit.

Die eigenen Schwächen und Fehlbarkeiten mit Humor und einem liebevollen Lächeln annehmen zu können, braucht Zeit.

Das Ego zu zähmen und sich selbst nicht mehr so wichtig zu nehmen, braucht Zeit.

Sich der Vergangenheit bewusst zu sein, daraus zu lernen, nach vorne zu blicken und aus dem Kommenden das Bestmögliche zu machen, braucht Zeit.

Wir werden als Menschen geboren, doch zu begreifen, was das wirklich bedeutet, braucht Zeit.

Wenn mir heute jemand verspricht, dass etwas „ganz schnell“ geht, werde ich skeptisch. Vor allem in Bezug auf Selbstfindung, Auflösungsarbeit, Therapie etc.

Zeit (die es genau genommen nur in unserem Bewusstsein existiert – im Gegensatz zu den vier Grundkräften der Physik) ist es, die Erdbeeren und Wein reifen lässt – und den Menschen, wenn dieser es zulässt und seinem (nur allzu menschlichen Wunsch) nach schnellen, einfachen, oberflächlichen Lösungen widersteht, sich stattdessen darauf einlässt, dass die Dinge ihre Zeit brauchen um letztendlich gut (im Sinne von heil) zu werden.

Lebe, und sei dir bewusst, dass du lebst.

Träume, und sei dir bewusst, dass du träumst.

Lerne zu unterscheiden zwischen Traum und Wirklichkeit.

Lass die Zeit dein Verbündeter sein.

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SPÜREN – NEXT LEVEL

Was an diesem sonnigen Sonntag mit frühlingshaften Temperaturen „nur“ ein Testlauf für meine neuen Sockenschuhe hätte werden sollen, wurde so viel mehr … Aber ich nehme das Ende vorweg. Beginnen wir damit, dass ich aufbrach, eine für mich neue Erfahrung zu machen.

Damit ist jetzt nicht barfuß laufen per se gemeint, das tue ich in Räumen die meiste Zeit. Als Kind lief ich auch barfuß durch Wiese, trat dabei versehentlich auf so manches Insekt und bekam diverse Stachel und Beißwerkzeuge zu spüren. Was ich zuvor nie getan habe, mich barfuß auf einem Waldweg zu bewegen. All die Steinchen, Wurzeln, Nadeln … die Vorstellung in meinem Kopf war eine schmerzvolle. Im Gegensatz dazu hatte ich keine Vorstellung, was mich erwarten würde, als ich heute die Sockenschuhe überstreifte. Meine ersten Schritte waren …

… überraschend angenehm. Ja, ich spürte zwar die Steine, aber es tat nicht weh. Von Schritt zu Schritt fühlte es sich besser an. Oder anderes gesagt: Natürlicher – als würde ich niemals Schuhe getragen haben. Wobei, ganz stimmt das auch nicht. Was ich schon spürte, waren die Verspannungen, Verkürzungen, Verklebungen und Fehlhaltungen, die sich in der Vergangenheit aufgebaut hatte.

Dennoch, es fühlte sich einfach großartig an, den Untergrund zu spüren, wie er nun mal beschaffen war/ist. Mir wurde bewusst, wie viel ich in den vergangenen Jahren verloren habe, von der „artgerechten Bewegung“ des menschlichen Fußgewölbes – und was ich mir wieder zurückholen will.

Ein Beispiel: wenn ich mit Schuhen unterwegs bin, versuche ich möglichst auf flache Stellen zu treten. Ein aus dem Boden ragender Stein würde zwar nicht schmerzen, aber durch die feste Sohle kippt der Knöchel meistens seitlich weg, was (nach einer Menge Verletzungen während meiner über 40 aktiven Jahre im Basketballsport) unangenehme bis unsichere Gefühle bei mir auslöst. Vermutlich deshalb habe ich heute auch zuerst gezögert, auf solche Steine draufzusteigen, aber dann bemerkt, dass ohne die feste Sohle sich mein Fußgewölbe flexibel um den Stein legt und mein Knöchel stabil bleibt.

Was für ein Aha-Erlebnis!

Im nächsten Moment war da die Gewissheit in mir, dass ich vom Leben die optimale Ausrüstung bekommen habe, um mich flexibel an den jeweiligen Untergrund (oder die Umstände) meines Weges anzupassen. Alles, was es dafür brauchte, war darauf zu vertrauen. Ein Extra-Schutz (feste Schuhsohlen) war nicht nötig. Das menschliche Fußgewölbe ist architektonisch betrachtet eine Meisterleistung der Natur – ebenso wie die geistige Fähigkeit des Menschen, sich selbst zu reflektieren und aus der Selbstbetrachtung zu lernen.

Barfuß durch den Wald laufend fühlte ich mich heute stabiler unterwegs als je zuvor – und ich kenne die Strecke in- und auswendig, bin unzählige Male darauf unterwegs gewesen. Aber heute fühlte ich mich als Teil davon. Worte sind zu sperrig, meine Empfindungen zum Ausdruck zu bringen. Oder sie verleiten zu esoterischen Interpretationen. Ich habe mich öfters gefragt, wie Naturvölker ständig barfuß laufen können. Seit heute kenne ich die Antwort: einfach so. Unsere Füße wurden dafür konstruiert. Schuhe sind eine (durchaus sinnvolle) menschliche Erfindung, aber eben auch eine künstliche Grenze.

10.000 Schritte war ich heute in Sockenschuhen unterwegs auf meiner Haus- und Hofstrecke, dabei deutlich langsamer als üblich, aber es gab so viel zum Wahrnehmen, zum Spüren. Außerdem wurden Muskel beansprucht, die sonst eher ungenutzt bleiben. Meine Fußreflexzonen wurden reichlich massiert und stimuliert. Am Ende der Runde war ich müde, doch tiefenentspannt und emotional erholt wie schon lange nicht mehr.

Die Reise zu mir selbst – auch Selbstfindung genannt – hat für mich verschiedene Facetten. Emotionale, geistige und körperliche. Ich erinnere mich an die Zeit, als sich mein Körper wie ein fremdes Objekt anfühlte. Wie eine leere Hülle. Mich wieder als Mensch zu fühlen – in meinem Körper bzw. meinen Körper, so wie er von der Natur geplant wurde. Nicht mit Hightech-Laufschuhen, sondern mit einem genialen Fußgewölbe, das es richtiggehend genossen hat, auf Steinchen, Bockerl und Zweige zu steigen, um aus der gewohnten, starren Haltung auszubrechen und sich geschmeidig anzupassen.

Im Alltag werde ich weiterhin Schuhe tragen, denn im urbanen Bereich ist eine artgerechte Bewegung meiner Füße mit all dem Beton & Co rundum de facto unmöglich. Auch im alpinen Gelände bevorzuge ich den Schutz meiner Bergschuhe, um mir nicht die Füße an scharfen Felskanten zu zerschneiden, ABER Wald und Wiese werden mich künftig regelmäßig in Sockenschuhen antreffen, denn der „next level“ darf gerne Standard werden.

HEILE DICH SELBST

… dieser Satz ist mir vor ein paar Tagen begegnet. Ein nicht ganz neues Thema, zu dem so einiges Material gibt. Ein Thema, dem ich zustimme. Nach meiner Erfahrung und Überzeugung besitzt der Mensch ein enormes Selbstheilungspotenzial.

Heile dich selbst

… ist also grundsätzlich möglich. ABER wie es nun mal ist im Leben, diese Medaille hat eine zweite Seite, die ebenfalls ein zutiefst menschliches Potenzial darstellt, und sie lautet:

Zerstöre dich selbst

Ob nun wortwörtlich genommen, oder als Headline über jeder Art von ruinösen Verhalten und Denken – im Alltag begegnet mir diese Kehrseite der Medaille deutlich häufiger als ihre Vorderseite.

Was Menschen nicht alles tun, um sich in einem Zustand des Leids zu halten. Die Vielfalt scheint schier unerschöpflich. Sich selbst im Weg stehen ist da noch eines der kleineren Dramen. Andere instrumentalisieren damit sie ihre Rolle in einem toxischen Beziehungsspiel erfüllen, verdreht vordergründig die Täter-Opfer-Dynamik. Manchmal frage ich mich, ob manche Menschen zum Reden aufhören würden, wenn sie wüssten, welche Auswirkungen die Negativität ihrer Worte hat auf sie selbst hat. Ich fürchte, die Antwort lautet Nein.

All das müsste nicht sein, denn wie gesagt, ich bin davon überzeugt und habe es selbst erlebt: heile dich selbst funktioniert. Es gibt nur ein paar klitzekleine Stolpersteine, derer man sich bewusst sein sollte. Einen davon nenne ich „Hybris des Egos“. Wer glaubt, es allein hinzubekommen, vielleicht noch mit ein paar Büchern, lässt außer Acht, dass alle Menschen über einen blinden Fleck verfügen -und genau dahinter verstecken sich oft die spannendsten Lernaufgaben. Mitunter schiebt das Ego den blinden Fleck absichtlich vor eine unangenehme Lernaufgabe.

Wie man es auch dreht und wendet, niemand von uns kann sehen, was sich hinter uns befindet – egal wie gut das periphere Sehen ausgeprägt ist, einen 360 Grad Rundumblick schafft kein Mensch. Auch nicht beim Blick nach innen. Indem man sich auf etwas fokussiert, rückt anderes an den Rand der Wahrnehmung oder ins Off. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Fokus auf positives oder negatives ausgerichtet ist, wir nehmen stets nur einen Teil wahr. Deshalb ist es sinnvoll, auch beim „heile dich selbst“-Ansatz andere Blickwinkel einzubeziehen: Therapie, Coaching, Gespräche mit Freunden …

In jedem von uns finden sich die Lösungen für unsere persönlichen Probleme – davon bin ich absolut überzeugt.

Niemand kann einem anderen die Reise zu sich selbst, die Arbeit der Auflösung der eigenen Probleme abnehmen – auch davon bin ich überzeugt.

Aber der Austausch mit anderen Reisenden kann enorm bereichernd, erhellend und heilungsfördernd sein. Ebenso wie die unzähligen Spiegel, die das Leben uns ständig vor die Nase hält. Was rundum geschieht, lässt erkenntnisreiche Rückschlüsse auf das zu, was in uns los ist. Aber auch hier mogelt sich der blinde Fleck gerne dazwischen. Wir sehen nur, was wir sehen wollen – das ist wissenschaftlich erwiesen. Ausblenden funktioniert hervorragend, sabotiert jedoch den Ansatz von „heile dich selbst“.

Mein persönlicher Ansatz für „heile dich selbst“ führt mich häufig in die Natur. Je weiter ich mich vom Lärm der Menschen entferne, desto klarer kann ich meine innere Stimme hören, desto differenzierter wird mein Fühlen, desto mehr fühle ich mich wie ich selbst. Es ist also kein Zufall, dass über diesem Beitrag jenes Bild thront, dass ich während eines sonnigen Waldspaziergangs aufgenommen habe, während ich in Gedanken diese Zeilen durchging, die ich tippe. Dieser kleinen Biene auf dem Löwenzahn zuzusehen, hat mich mit umfassenden inneren Frieden erfüllt, mich die Umarmung des Lebens fühlen lassen, und das hat mit Sicherheit zu meiner Heilung beigetragen, physisch, psychisch und seelisch. Wenige Minuten nur, doch eine große Dosis „heile dich selbst“-Vibes.

WIEDERGEBOREN

Heute ist Ostersonntag, Tag der Auferstehung, der Wiedergeburt. Ich habe mich zwar vor längerem der „antwortgebenden Religion“ ab- und der „fragenstellenden Philosophie“ zugewandt, doch diesmal will es der „Zufall“, dass Ereignisse meines Lebens mit einem religiösen Fest zusammen und sich darin eine frappierend ähnliche Symbolik findet. Welch wunderbare Gelegenheit für ein paar Gedanken dazu.

Vor einigen Tagen crashte meine PC-Festplatte, völlig unerwartet und absolut ungünstig, denn die letzte Datensicherung liegt leider etwas länger zurück. Mea culpa. Ich hätte es besser wissen sollen. Dass noch dazu die externe Festplatte mit der – etwas älteren – Datensicherung auch noch w.o. gab, löste einiges an Stress aus. Immerhin sind auf der Festplatte zwei noch unveröffentlichte Buchprojekte von mir gespeichert, meine Buchhaltung, … kurz gesagt: eine Menge für mich wichtiger Daten, auf die ich nun keinen Zugriff mehr hatte.

Lösungsorientiert wie ich nun einmal bin, begann ich zu recherchieren und landete nach kurzer Zeit bei diversen Datenrettungsanbietern. Mein Problem kommunizierend, wurden mir aus dem Umfeld auch einige IT-Profis empfohlen – damit begann mein Dilemma: Wofür sollte ich mich entscheiden?

Triggerwarnung für Borderliner! Im Folgenden schildere ich eine Episode und wie sie aufgelöst wurde. Weiterlesen auf eigene Gefahr.

Der voranstehende Absatz sagt wohl schon einiges. Vor eine wichtige Entscheidung gestellt zu sein und nicht abschätzen zu können, welche die richtige ist, riss mich emotional um. Auch wenn es „nur“ um Daten ging, ein Fehler wäre fatal. Ein Fehler war nicht erlaubt. Ich durfte keinen Fehler machen. Die nahezu panische Angst vor einer Fehlentscheidung hatte enorme physische Auswirkungen auf meinen ganzen Körper. Am liebsten hätte ich mir die Haut vom Körper gerissen. Was ich fühlte, lässt sich nicht in Worte fassen, aber es war überwältigend und unerträglich… und nicht neu. Diese Art von „Absturz“ habe ich früher häufig erlebt, heute nur noch sehr selten – und mein Sicherungsnetz funktionierte zum Glück.

Mir war innerhalb von Minuten bewusst, dass ich dabei war den Halt zu verlieren. Ich schickte eine kurze Nachricht an eine Person meines Vertrauens, das „mir mein Drache dazwischenfunkt“. Dabei ging’s vor allem darum, dass ich meine eigenen Worte vor mir am Bildschirm sah und leichter eine Meta-Position einnehmen konnte. Aus dieser heraus verordnete ich mir selbst, die Entscheidung auf den nächsten Tag zu schieben und mich einem meiner entspannenden Hobbys zu widmen. Ein zählintensives Strickmuster kann eine sehr effektive Ablenkung sein. Jedenfalls löste sich die Anspannung im Körper rasch auf. Auch meine Emotionen kamen zur Ruhe.

Am nächsten Morgen packte ich die Festplatte ein und nahm sie mit in den Job mit der Absicht, den „einfacheren“ Weg einzuschlagen und sie nach der Arbeit persönlich bei einem IT-Profi vorbeizubringen – so die im Kopf getroffene Entscheidung. Im Laufe des Tages jedoch meldete sich mein Bauchgefühl, und so verwarf ich den IT-Profi und wandte mich den Datenrettungsspezialisten zu. Vielleicht würden sie etwas mehr kosten, aber mir sind diesen Daten wirklich wichtig.  Mein Gefühl traf eine Entscheidung. Seither bin ich echt gechillt und positiv zuversichtlich.

So weit die Schilderung meiner Episode.

Was das Ganze mit „wiedergeboren“ zu tun hat? Sehr viel – für mich. Früher dauerte so eine Episode Tage, manchmal Wochen, war voller Schmerz und Selbstverletzung. Vor allem sah ich keinen Ausweg, fühlte mich ausgeliefert, fremdbestimmt, verloren, unverstanden, versunken im Chaos, neben der Spur, nicht ich selbst …

Heute bin ich bei mir angekommen, in meiner Kraft. In meinen Worten ausgedrückt: Wiedergeboren als die, die ich bin, immer war und immer sein werde: ich selbst. Das mich hin und wieder etwas triggert, lässt sich wohl nicht verhindern. Wichtiger für mich ist, dass es mich nicht endlos nach unten zieht.

Ich bringe das mal in die Sprachbilder von JAN/A:

„Die Dunkelheit umfing mich, der Schmerz bohrte sich durch meinen Körper und ich schien zu fallen, endlos, immer tiefer, bis mich etwas auffing, ich mich in den Armen meines Phönix wiederfand, ihre feurigen Schwingen uns emporhoben, dem Licht entgegen, und der Schmerz einfach so von mir abfiel, als hätte er keine Substanz, kein Gewicht, bis da nur noch Leichtigkeit war und Liebe …“

Der Phönix begleitet mich seit vielen Jahren als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt, Auferstehung (aus dem Zusammenbruch), Wandel und Veränderung. Manchmal auch als Erinnerung, manches den Flammen der Reinigung zu überlassen.

Wenn ich mich heute einfach so aus einer Episode herausholen kann, dann liegt das vor allem daran, dass ich das aufgelöst habe, was nach unten ziehen würde. All die „Steine“, die wir Menschen mit uns rumschleppen. Sie belasten permanent im Alltag, aber wenn sie getriggert werden, dann können sie zu einer zerstörerischen Lawine werden, die alles mit sich in den Abgrund reißt.

Es mag viele Wege geben, um glücklich und zufrieden im Leben zu werden, doch meines Erachtens gehört eines stets dazu: die Steine aus dem Rucksack zu holen und sie aufzulösen, um „wiedergeboren“ zu werden, wie der Phönix aus der Asche aufzuerstehen.

Diese Kurz-Episode zeigt mir auch, dass eine andere Entscheidung genau die richtige für mich war: mich neben dem Schreiben auch der praktischen Umsetzung zu widmen. All mein Knowhow und meine Erfahrung weiterzugeben an andere, damit die ihre Steine auflösen können. Back to the roots als Coach und Trainerin. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich in Kürze hier erzählen werde.

Für heute gilt: habt ein wunderschönes Fest der Auferstehung und lasst euch vom Leben umarmen.

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MENSCHLICHKEIT

Hinter mir liegt eine Woche, die sich wie zwei anfühlt aufgrund der Anzahl an Ereignissen. Eines begleitete mich gedanklich heute auf meiner Waldrunde. Vor wenigen Tagen erhielt ich von einer Mitarbeiterin das Feedback, das sie besonders meine Menschlichkeit zu schätzen weiß. Das war an jenem Tag, an dem ich morgens in der Bahn dieses Gedicht schrieb (unterhalb übersetze ich in Hochdeutsch 😉)

Maunchmoi kunnst glaum,
nix is so schwaar,
wia oafoch Mensch z’sei,
zu zoagn,
wos di berührt,
wos di gfreit,
wos weh tuat,
und das do wer is
den’s intressiert.

Bist umzüngelt vo Leit,
de olle mehr sei woin ois san.
Koana mehr echt,
gem s’Oanzigortige auf
um Oziachbüdeln z’wern,
Kopien von Kopien,
austauschboar,
und koan interessiert.
wia’s innen drin ausschaut

Oafoch Mensch sei,
se zoagn kenna wia ma is,
genauso ognumma z’wern,
koane Maskn,
koana Mauern,
koa Vasteckspüln.
Oafoch Mensch sei
mit Herz und Söh
wia ma hoit is.

Und jetzt für die Nicht-Alpenländler:

Manchmal könnte man glauben,
nichts ist so schwer,
wie einfach Mensch zu sein,
zu zeigen,
was dich berührt,
was dich freut,
was dir weh tut,
und das da wer ist,
den es interessiert.

Du bist umzingelt von Leuten,
die alle mehr sein wollen als sie sind,
keiner ist mehr echt,
geben sie das Einzigartige auf
um Abziehbilder zu werden,
Kopien von Kopien,
austauschbar,
und keinen interessiert,
wie es innen drin ausschaut.

Einfach Mensch sein,
sich zeigen können wie man ist,
genauso angenommen zu werden,
keine Masken,
keine Mauern,
kein Versteckspielen.
Einfach Mensch sein
mit Herz und Seele
wie man halt ist.

Unschwer das Thema zu erkennen, das mich seit Wochen beschäftigt: Menschsein. Menschlich bleiben in einer Zeit, in der es immer unklarer wird, was das eigentlich bedeutet – zumindest nehme ich das so wahr.

Es wäre verlockend, an dieser Stelle lange und breit über all jenes zu schreiben, was in dieser Welt schiefläuft, und davon zu träumen, wie es anders sein könnte … doch heute gehen meine Gedanken in eine andere Richtung, kreisen um den Kern dessen, was wir alle leben – oder leben sollten:

Menschlichkeit

… was sie bedeutet

… wie sie sich zeigt im Alltag

… wie andere sie an uns erleben

… und was man tun kann, um sie zu behalten.

Hast du schon mal darüber nachgedacht?

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EIN THEMA WIE KEIN ANDERES: TOD

Nichts gehört derart zum Leben wie der Tod. Er ist die natürlichste Sache der Welt, dennoch scheuen viele das Thema. Ich fing vor vielen Jahren (unfreiwillig) an, mich damit zu beschäftigen. Damals litt ich an Panikattacken verbunden mit Todesangst, die wie aus dem Nichts auftraten. Einmal saß ich in meinem damaligen Job am PC, arbeitete vor mich hin, als ich von einer auf die andere Sekunde das Gefühl hatte, nicht weiterleben zu können verbunden mit einer enormen Angst vor dem Sterben. In den Jahren zuvor hatte den langsamen Sterbeprozess einiger Verwandter miterlebt, und die Verdrängung in meinem Umfeld. Da war niemand, mit dem ich über meine eigene Angst vor dem Sterben hätte sprechen können. Also begann ich, Bücher über das Leben nach dem Tod zu lesen – vielleicht würde mir das die Angst nehmen. So einfach war es dann doch nicht, aber ich fand für mich zurück in einen „natürlichen“ Umgang mit dem Thema.

Nichts ist so gewiss im Leben wie der Tod. Der erste Atemzug definiert, das es auch einen letzten geben wird – früher oder später. Man nennt den Tod den großen Gleichmacher, weil er jedem bestimmt ist, unabhängig von Reichtum oder Macht.

Frühere Kulturen haben sich intensiv mit dem Tod und dem, was danach (vielleicht) kommt, befasst. Der Tod war ein zentraler Angelpunkt des Lebens. Man lebte in dieser Welt, um sich auf die nächste vorzubereiten. Heute wird das Thema in einer jugendverliebten Gesellschaft gerne an den Rand geschoben, möglichst weit weg. Doch dem Tod kann niemand entkommen – auch wenn viele so leben, als würde es ewig weitergehen. Das tut es nicht. Und mal ehrlich, ewiges Leben ist kaum erstrebenswert. Es gibt etliche Bücher und Filme, die sich spekulativ damit auseinandersetzen, wie ewiges Leben verlaufen könnte – kein einziger kommt zu einem Ergebnis, das aus meiner Sicht wirklich reizvoll ist.

Meine weise Nachbarin Lucy sagte einmal zu mir: „In der ersten Hälfte des Lebens geht es um Wachstum, Aufbau, seinen Platz im Leben zu finden und eine Familie zu gründen. In der zweiten Hälfte sollte es darum gehen, sich darauf vorzubereiten, all dies wieder loszulassen.“ Der Konjunktiv impliziert bereits, dass es (insbesondere in unserer Gesellschaft) eher selten der Fall ist. Wer beschäftigt sich schon frühzeitig mit seinem eigenen Ableben? Dabei liegt darin eine unterschätzte Chance.

Je mehr mir bewusst ist, dass meine Zeit hier auf Erden begrenzt ist, desto weniger möchte ich sie verschwenden – so lautet mein Zugang zu meiner eigenen Sterblichkeit. Wenn weniger Tage vor mir als hinter mir liegen (was statistisch ab ca. 50 der Fall ist), bekommen 10.950 Tage (= 30 Jahre) einen anderen Stellenwert.

Die eigene Sterblichkeit anzunehmen, kann auch dabei helfen, die Sterblichkeit anderer zu akzeptieren. Insbesondere wenn jemand „vor seiner Zeit“ geht, fällt es vielen schwer, loszulassen und der natürlichsten Veränderung der Welt zuzustimmen. Menschen wollen verstehen, warum jemand stirbt. Warum ihnen der geliebte Mensch genommen wird.

So wie das Leben weder gerecht noch ungerecht ist, ist auch der Tod weder gerecht noch ungerecht. Es sind einfach Ereignisse. Menschen versuchen, ihren Schmerz zu lindern, indem sie Sinn in die Ereignisse interpretieren. Das kann helfen, doch letztendlich geht es darum, seinen Frieden mit dem Tod zu schließen. Wir leben und wir sterben. Manche Menschen aus unserem Umfeld werden vor uns gehen, andere nach uns.

Wenn ich an die Bücher über das Leben nach dem Tod zurückdenke, dann war eine der Kernaussagen, dass die Verstorbenen traurig darüber sind, wenn die Lebenden zu lange und zu intensiv um sie trauern, anstatt sich wieder ihrem eigenen Lebensglück zuzuwenden – auch wenn Annahmen dieser Art nicht wissenschaftlich zu beweisen sind. Aber auch ohne Beweise – wenn ich an die Menschen denke, die ich „verloren“ habe, dann bin ich überzeugt davon, dass sie sich wünschen, ich möge ein langes und erfülltes Leben führen.

Vielleicht ist es weniger das Sterben, das Menschen fürchten, als das Vergessenwerden – oder das Alleingelassen werden. Oder nicht gelebt zu haben, bevor das Ende kommt. Oder zu wenig Zeit zu haben, um das Versäumte aufzuholen. Wie auch immer, den Tod zu negieren bringt keine Lösung.

Ob sich ein Mensch der Religion oder Spiritualität zuwendet, rund um das Thema Tod bleibt vieles Spekulation. Unser Verstand kann über das Ableben hinaus nicht existieren. Glauben und Vertrauen können wertvolle Begleiter sein, um Frieden zu schließen mit dem Unausweichlichen.  

Ein Gedanke, der mir dabei half, meiner eigenen Sterblichkeit zuzustimmen, ist jener: Wie kann ich das Leben im Hier und Jetzt genießen, wenn mich die Furcht vor dem Ende begleitet? All die Energie, die ich verwende, um dem Thema auszuweichen, kann ich Hier und Jetzt einsetzen, wenn ich das Unausweichliche umarme.

Lebensfreude wurzelt für mich darin, das Leben voll und ganz so anzunehmen, wie es ist, samt seinem natürlichen Ende.

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DIE SEELE EINER FRAU – UNGESCHMINKT

In einer Doku über weibliche Musikerinnen schnappte ich einen Satz auf, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Eine Stylistin sagte:

„Ohne Make-Up erblickt man im Gesicht eines Menschen seine/ihre Seele.“

Make-Up als Schutz? Eine Maske, um zu verbergen, wer man ist, was man fühlt, wie verwundet man wurde.

Solange ich zurückdenken kann, wurde auf meinen Gefühlen rumgetrampelt. Mitgefühl zu erwarten, führte allzu oft zu Enttäuschungen. Verständnis für das Unverständliche? Welche Alternative gab es, als eine Maske über die nächste zu legen, Schicht für Schicht jenen Schutz aufzubauen, der das Leben halbwegs erträglich machte. Meine Seele, meine Gefühle zu verbergen, Kopfmensch zu werden und die Stimme des Herzens auf lautlos zu schalten.

Seit Monaten wehrt sich etwas in mir mehr denn je gegen die Maske, will ich gesehen werden als die, die ich bin.

Täglich begegnen mir Menschen (vor allem Männer), die mich auf meinen Körper zu reduzieren versuchen und glauben, ein paar oberflächlichen Komplimente genügen, und ich springe dorthin, wo sie mich haben wollen. Menschen, die sich selbst als überlegen betrachten, und doch nur ein hohles Konstrukt sind, ein Kartenhaus auf Sand gebaut, ob es ihnen bewusst ist oder nicht. Menschen, die wie Zombies durch diese Welt stolpern, ohne lebendig zu sein.

Es mag Menschen geben, die Masken zum Schutz tragen. Es mag andere geben, die sich dahinter vor sich selbst verstecken. Es mag jene geben, die Masken nutzen, um ihre Ziele zu erreichen. Und auch jene, denen es an echtem Selbstwert mangelt ebenso wie jene die nicht glauben können/wollen, dass ihre wahre Schönheit erst sichtbar wird, wenn sie alle Masken fallen lassen.

Wahre Schönheit hat damit zu tun, mit Tränen in den Augen stark zu sein, inmitten der Stürme des Lebens zu sich selbst zu stehen, in Kauf zu nehmen, dass Vertrauen manchmal mit Narben auf dem Herzen endet, doch ohne Vertrauen gibt es keine Lebendigkeit. Ein Herz auf ewig hinter Mauern (oder Masken) zu verstecken lässt es irgendwann vertrocknen oder zu Stein werden.

Wenn das Gesicht erstarrt, in der Mimik keine Emotionen mehr erkennbar sind (dank Botox), können Neugeborene die Stimmung der Erwachsenen nicht mehr wahrnehmen und zuordnen lernen. Ein Defizit, dessen Auswirkungen wir erst noch zu spüren bekommen werden. Wie findet ein heranwachsender Mensch Zugang zu seiner Seele umgeben von hübschen, aber seelenlosen Gesichtern?

Ein ungeschminktes Gesicht ist immer natürlich. Make-Up erzeugt ein künstliches Bild. Optimiert? Verzerrt? Wahrheit? Lüge?

So viele Menschen suchen so vieles. So viele suchen Anerkennung, Liebe. So wenige zeigen, wer sie sind. So viele Seelen sehnen sich danach, gesehen zu werden.

Blick mir in die Augen.

Ich bin lebendig.
Wenn du mich verletzt,
wird es schmerzen,
doch die Wunde wird heilen
und ich werde wieder vertrauen,
denn Vertrauen ist das Licht meiner Seele.
Furcht und Zweifel sind wie Schatten,
die mich begleiten,
doch niemals bestimmen,
denn das Licht ist,
was ich für mich erwählt habe,
der Wahrheit ins Angesicht zu blicken,
und zu sein,
wer ich bin,
lebendig.

Was gibt es schöneres als das Gesicht eines Menschen, in dem nach einem langen Leben zwei Augen funkeln vor Lebensfreude und Dankbarkeit, für all das Erlebte, die sonnigen Tage ebenso wie stürmischen oder die verregneten.

Du blickst in eine Seele und begreifst, worum es wirklich geht im Leben.

Die wahre Schönheit eines Menschen entspringt dem Licht einer Seele, die sich offenbart, dem Herzen, das seine Liebe teilt, den Händen, die Halt geben und den Worten, die berühren – ungeschminkt.

In der Natur des Weiblichen ist es verankert, tiefe, verbindende Emotionen zu empfinden. Hunderttausende von Jahren genetischer Entwicklung verschwinden nicht einfach so. Darin liegt heute eine enorme Chance. Mehr denn je braucht diese Welt, brauchen wir Menschen, verbindende Emotionen, um Brücken zu schlagen über all die Abgründe, die wir in der Vergangenheit aufgerissen und mit Mauern zu Festungen ausgebaut haben. Weder Patriachat noch Matriarchat sind die Lösung, sondern jenes natürliche Gleichgewicht, das wir vor langem verloren haben.

Vor einigen Wochen fand ich im Netz folgenden Text:

Weisheit der Cherokee

Die höchste Berufung einer Frau ist es, den Mann zu seiner Seele zu führen, damit er sich mit der Quelle verbinden kann. Die höchste Berufung eines Mannes ist es, die Frau zu beschützen, damit sie frei und unverletzt auf der Erde wandeln kann.

Über diese Zeilen habe ich viel nachgedacht, habe alle Rollenbilder und Klischees rausgenommen, die Botschaft auf ihre Essenz reduziert, auf die Art und Weise, wie Mann und Frau miteinander umgehen sollten, unabhängig davon, wer wie viel Geld verdient, die Kinder betreut oder den Haushalt führt. Mann und Frau SIND unterschiedlich, Yin und Yang, doch gemeinsam ergeben sie ein Ganzes, wenn sie lernen, gemeinsam die Balance zu finden.

Leider etwas klischeehaft, doch täglich zu beobachten: viele Männer stecken im Ego fest, haben wenig Zugang zu ihren Gefühlen, noch weniger zu ihrer Seele.

Es ist an der Zeit, dass wir Frauen in unsere natürliche Weiblichkeit zurückfinden und all die künstlichen Erwartungshaltungen hinter uns lassen, um die Seelen der Männer wieder mit der Quelle zu verbinden, damit die Menschheit in ihre Balance findet mit sich selbst und ihrer Umwelt.

Einfach Mensch sein, mit Herz und Seele.

Eine Illusion? Vielleicht.

Eine Vision? Vielleicht eine, die inspiriert.

Ich habe lange nach einem Bild für diesen Beitrag gesucht und mich letztendlich für die Augen eines Kindes entschieden, die fragend-verträumt in diese Welt hinausblicken – eine Seele, die sich noch zeigt, wie sie ist.

Bild: pixabay.com

Nur ein paar Gedanken …

Was wäre,
wenn all die Zeit und Energie,
die täglich für optimierte Selfies verwendet wird,
stattdessen eingesetzt wird
um unsere Welt so zu zeigen,
wie sie ist,
mit all ihren Schönheiten,
und auch all dem,
was Menschen daraus gemacht haben.

Würden die Menschen hinsehen?

Würden sie Scham darüber empfinden,
dass die Krone der Schöpfung
sich in Kriegen, Konflikten, Umweltzerstörung, Gier, Neid, Missgunst, Vorurteilen, Ausbeutung und Unterdrückung jeglicher Art verstrickt?

Daran ist nichts edel oder besonnen,
nichts so, wie es einer Krone der Schöpfung gerecht werden würde.
Eher noch einer Dornenkrone,
die schmerzt.

Vielleicht braucht es Schmerz,
damit es anders werden kann.

Vielleicht braucht es den Schmerz einer Geburt,
damit etwas Neues entstehen kann,
damit die Menschen lernen,
sich nicht von Oberflächlichkeiten verführen zu lassen,
sondern tiefer zu blicken,
und ihre Rolle in dieser Welt neu zu definieren
als Hüter:in der Schöpfung.

Aus großer Macht erwächst große Verantwortung.

Sind wir bereit,
diese Verantwortung zu tragen?
Über den eigenen Tellerrand hinauszublicken?
Über die eigene Lebensspanne?
Über Bequemlichkeiten?
Über Unterschiede?

Es ist längst an der Zeit
hinzusehen,
zu erkennen,
dass uns mehr verbindet
als uns trennt.

Es ist an der Zeit,
dass die Flucht vor der Realität endet,
das wir hinsehen,
hinhören,
uns einfühlen,
erwachsen werden
und Verantwortung übernehmen.

Uns wurde ein Paradies gegeben.
Es liegt an uns,
dieses zu bewahren.

Bild:pixabay.com

NACHSCHLAG ZUM WELTFRAUENTAG

Am 8. März saß ich bei meiner Friseurin. Sie ist alleinerziehende Mutter und Unternehmerin. Eine moderne, unabhängige Frau. Während ich bei ihr war, zeigte sie mir etliche Nachrichten, die sie über whatsapp erhielt. Glückwünsche zum Weltfrauentag, jede Menge Blümchen und Herzchen in der Art von Valentinstag oder Muttertag, süßlich naiv, die von meiner Friseurin allesamt in der Art von „Haben die denn keine Ahnung, worum es beim Weltfrauentag geht?“ kommentiert wurden.

Zum Drüberstreuen erzählte sie mir noch die Geschichte einer Frau, die sich gefragt hat, warum Männer in den sozialen Medien positive Rückmeldungen bekommen ohne geschminkt zu sein und ob das auch bei Frauen möglich wäre. Also machte sie von sich und ihrem Freund ein ungeschminktes Foto und stellte es online. Was kam, war teilweise erschreckend, um nicht zu sagen: unverschämt. Sie wäre unterdurchschnittlich hübsch. Wie könne sie es wagen, sich ungeschminkt zu zeigen. Das Ergebnis dieses Experiments: Sie tritt nur noch geschminkt vor die Kamera.

An diesem Punkt der Erzählung legte sich in mir ein Schalter um und ich begann meinerseits, mir Fragen zu stellen.

Drehen sich unsere Vorfahrinnen im Grab um, wenn sie das mitbekommen? Sie kämpften für das Recht auf Selbstbestimmung, Bildung, das Wahlrecht, Arbeiten gehen zu DÜRFEN, um aus der Abhängigkeit der Männer zu entkommen … Was würden sie darüber denken, müssten sie miterleben, wie moderne Frauen sich vorrangig über ihr Aussehen definieren?

Auf der einen Seite gibt es nach wie vor den Gender Pay Gap, verdienen Frauen bei gleicher Arbeit weniger als Männer. Auf der anderen Seite wird eine ungeschminkte Frau als unattraktiv wahrgenommen. Für mich geht das nicht zusammen. Das Aussehen sagt absolut nichts über Charakter oder Können einer Person aus. Aber wenn Frauen nicht mal mehr ungeschminkt den Müll rausbringen, damit niemand sieht, wie sie wirklich aussehen, dann sagt mir das einiges über das Selbstbewusstsein (oder das Fehlen desselben) jener Frauen.

An diesem 8. März wurde mir so richtig bewusst, dass es ein Diktat des Aussehens gibt und zu viele Frauen sich diesem unterwerfen. Sie öffnen bereitwillig Tür und Tor für Manipulation und Fremdbestimmung, lassen ihren Wert von anderen bestimmen. Das hat nichts mit Selbstbewusstsein oder Charakterstärke zu tun, doch genau das bräuchte es, damit Frauen respektiert werden und Gleichstellung eine gelebte Realität wird… auch ohne Binnen-I. Das Bewusstsein einer Gesellschaft zu verändern braucht mehr, als den perfekten Lidstrich. Es braucht Menschen, die Werte leben, auch bei unfreundlichem Gegenwind.

Wieder einmal bin ich unendlich dankbar dafür, dass es Menschen (Frauen und Männer) in meinem Leben gibt, denen es völlig gleichgültig ist, ob ich geschminkt bin oder nicht. Sie schätzen mich für meinen Charakter, meinen Humor und weil ich die bin, die ich bin … ungeschminkt und selbstbestimmt.   

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FRAGEN ÜBER FRAGEN

Zu Beginn dieser Woche folgte eine unerfreuliche Nachricht der anderen. Ohne ins Detail gehen zu wollen, es kam von allen Seiten: Familie, Job, Behörden … irgendwie schienen sich alle hinter meinem Rücken verschworen zu haben, mir den Nerv zu ziehen.

Dreimal tief durchatmen und weitermachen.

Mittlerweile hat sich das Bild gewandelt. Lösungen entstehen und ich atme – diesmal gelassener – durch. Nebenbei frage ich mich:

Fügt sich alles zum Guten, weil ich tief in meinem Innersten davon überzeugt bin, dass das Leben stets einen guten Weg findet?

Oder habe ich diese Überzeugung aus Erfahrung gewonnen, weil sich bislang stets eine gute Lösung fand?

Oder sind gute Lösungen (ebenso wie ihr Gegenteil) stets Teil der Realität und es liegt an mir, sie zu wählen?

Oder ist vielleicht alles ganz anders?

Welch wunderbare Gelegenheit, um Fragen zu stellen, auf die es keine Antworten gibt… zum Glück keine Antworten gibt. Ich will es auch gar nicht wissen. Ich MUSS es NICHT wissen. Es ist unglaublich befreiend, nicht wissen zu müssen, warum sich alles so gefügt hat, wie es das tut.

Henne oder Ei?

Erschaffe ich die Realität oder bin ich Produkt?

Für beide Standpunkte gibt es Theorien, doch wie es tatsächlich ist, werden wir nie wissen. Diese Unwissenheit lässt Raum für die Suche, für Gedankenspiele, für Entwicklung. Raum für etwas, das sich dem menschlichen Verstand entzieht und das man nur fühlend erfassen kann. Raum für die nicht zu erklärende Überzeugung, dass es gut ausgehen wird.

Optimismus?

Ist es nicht die Natur jedes lebenden Wesens, optimistisch zu sein? Die kleinste Chance zu nutzen, um zu wachsen und aufzublühen? Sich über alle Schwierigkeiten, Zweifel und Ängste hinwegzusetzen und dem Licht entgegenzustreben?

Sind wir nicht alle geborene Optimisten? Was lässt uns von diesem Weg abkommen? Und wie finden wir wieder zurück?

Fragen, auf die es keine Antworten gibt, doch darüber nachzudenken, öffnet mitunter neue Horizonte. Ich wünsche eine spannende Gedankenreise 😉

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